HYDRA DOMINATUSHYDRA DOMINATUS

Eine Novelle der VerräterlegionenEine Novelle der Verräterlegionen

Alpha Legion

Teil 2 von 2Part 2 of 2 · 30 Min. Lesezeit30 min read

„Schneidet einen Kopf ab, und zwei weitere werden an seiner Stelle wachsen. Das ist keine Metapher, Chronist. Das ist eine Beschreibung dessen, wie wir überleben."

„Schneidet einen Kopf ab, und zwei weitere werden an seiner Stelle wachsen. Das ist keine Metapher, Chronist. Das ist eine Beschreibung dessen, wie wir überleben."

— Unbekannter Alpha-Legion-Legionär, Eskrador

I. DER AUFTRAGI. DER AUFTRAG

Hauptmann Heraclon hatte der Fortsetzung der Untersuchung zugestimmt, aber nicht ohne Bedingungen, und die erste dieser Bedingungen war es, die Vaas an diesem Morgen in die Waffenkammer der Vierten Kompanie führte, wo eine kleine, sorgfältig ausgewählte Gruppe von Brüdern bereits mit den letzten Vorbereitungen für eine Mission beschäftigt war, deren wahres Ziel den meisten von ihnen bewusst verborgen blieb.

„Fünf Brüder, nicht mehr", sagte Heraclon, während er neben Vaas stand und die Vorbereitungen beobachtete. „Genug, um uns zu verteidigen, sollten wir erneut auf Widerstand stoßen. Nicht genug, um wie eine offizielle Ermittlung des Ordens auszusehen, sollte jemand außerhalb unseres kleinen Kreises von dieser Reise erfahren."

Die drei Wochen seit ihrer Rückkehr von Eskrador waren nicht untätig verstrichen. Vaas hatte, neben seinen offiziellen Pflichten im Index Athanaeum, jede freie Stunde damit verbracht, weitere Fragmente über die Alpha Legion zusammenzutragen — nicht mehr aus reiner Neugier, sondern mit der wachsenden Überzeugung, dass er, ob er wollte oder nicht, bereits zu tief in eine Wahrheit eingedrungen war, die keine bequeme Rückkehr zu seiner früheren, unschuldigeren Sichtweise mehr zuließ. Der Oberste Chronist hatte auf seinen ersten Bericht über Eskrador mit auffälliger Zurückhaltung reagiert — weder Zustimmung noch Tadel, nur eine knappe Bestätigung des Empfangs und die Anweisung, „mit äußerster Diskretion fortzufahren, sollte sich die Gelegenheit ergeben, weitere Klarheit zu gewinnen". Es war eine Antwort, die Vaas mehr beunruhigte als eine offene Zurückweisung es getan hätte, denn sie verriet, dass selbst die höchsten Ränge seines eigenen Ordens nicht sicher waren, wie mit dieser Art von Wahrheit umzugehen war.

Vaas nickte, seine Aufmerksamkeit auf die Koordinaten gerichtet, die Delvain vor drei Wochen entschlüsselt hatte — ein System namens Threxis Sekundus, tief in einem wenig kartierten Grenzbereich zwischen Ultramar und den unruhigeren Randgebieten des Imperiums, dessen offizielle imperiale Aufzeichnungen kaum mehr als eine Handvoll Zeilen über eine bescheidene, von Piratenüberfällen geplagte Agrarwelt enthielten.

„Was wissen wir über Threxis Sekundus?", fragte er, während Delvain sich zu ihnen gesellte, ein Datenslate in der Hand, das er sofort zu aktivieren begann.

„Offiziell, fast nichts, das Beachtung verdient hätte." Delvain projizierte eine sparsame Sammlung von Berichten über die holographische Anzeige zwischen ihnen — Handelslisten, gelegentliche Notrufe, die übliche Bürokratie einer unbedeutenden Grenzwelt. „Aber ich habe in den letzten drei Wochen begonnen, ein Muster zu erkennen, das mich zunehmend beunruhigt, Chronist. Threxis Sekundus hätte, nach jeder vernünftigen strategischen Einschätzung, längst von der Chaos-Flotte überrannt werden müssen, die seit über einem Jahrhundert in diesem Grenzbereich operiert. Stattdessen ist die Welt, trotz gelegentlicher kleinerer Überfälle, bemerkenswert stabil geblieben — zu stabil, wenn man die begrenzten Verteidigungsressourcen bedenkt, die die offiziellen Berichte ihr zuschreiben."

„Du glaubst, die Alpha Legion schützt diese Welt", sagte Heraclon.

„Ich glaube, dass irgendjemand oder irgendetwas diese Welt schützt, auf eine Weise, die keine offizielle Erklärung findet." Delvain sah zu Vaas, seine Miene ernst. „Und angesichts dessen, wo die Koordinaten uns geführt haben, halte ich es für die wahrscheinlichste Erklärung."

Heraclon hatte, bevor sie Macragge verließen, ein letztes vorsichtiges Gespräch mit dem Obersten Chronisten geführt, dessen genauer Inhalt er selbst Vaas gegenüber nur in groben Zügen wiedergab. „Er sagte mir, dass wir vorsichtig sein sollen, aber er sagte mir nicht, wir sollen umkehren", hatte Heraclon erklärt, während sie die letzten Vorbereitungen trafen. „Ich glaube, selbst er weiß nicht genau, was er mit dieser Situation anfangen soll, und ich glaube, er ist erleichtert, dass wir bereit sind, das Risiko auf uns zu nehmen, weiterzugraben, ohne dass er selbst die formelle Verantwortung dafür übernehmen muss, bevor mehr Klarheit besteht."

Bruder Cassian, einer der Eskortbrüder, die auch ihre Reise nach Eskrador begleitet hatten, trat zu ihnen, sein Gesicht von der ruhigen Zuversicht eines Veteranen geprägt, der bereits einmal Zeuge einer Begegnung geworden war, die seine gesamte Weltanschauung ins Wanken gebracht hatte. „Wird es diesmal auch eine direkte Konfrontation geben, Hauptmann?"

„Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, Bruder Cassian. Aber ich würde nicht überrascht sein." Heraclon musterte seine kleine Eskorte mit der prüfenden Aufmerksamkeit eines Mannes, der genau wusste, welche Fähigkeiten jeder Einzelne mitbrachte. „Ihr wisst alle, was auf Eskrador geschah, in den groben Zügen, die ich mit euch teilen konnte. Was auch immer wir auf Threxis Sekundus finden, ich erwarte von euch dieselbe Disziplin, dieselbe Zurückhaltung, die uns dort vor unnötigem Blutvergießen bewahrt hat."

Vaas dachte an die Worte des Legionärs auf Eskrador, an die Karte voller stiller Interventionen, die er in jener unterirdischen Kammer gesehen hatte — jede Markierung eine Katastrophe, die verhindert worden war, ohne dass irgendjemand außerhalb der Legion je davon erfuhr. War Threxis Sekundus eine weitere dieser stillen Interventionen? Und wenn ja, was würde es bedeuten, direkt Zeuge einer solchen Handlung zu werden, statt nur ihre Spuren in verstaubten Archiven zu studieren?

„Wir brechen in zwei Stunden auf", sagte Heraclon, seine Stimme mit der Entschlossenheit eines Mannes, der bereits akzeptiert hatte, dass es kein Zurück mehr gab, seit sie diesen Pfad betreten hatten. „Und Vaas — diesmal gehen wir mit offeneren Augen. Was auch immer wir auf Threxis Sekundus finden, ich will, dass wir bereit sind, es vollständig zu verstehen, nicht nur genug, um unsere unmittelbare Neugier zu befriedigen."

Hauptmann Heraclon hatte der Fortsetzung der Untersuchung zugestimmt, aber nicht ohne Bedingungen, und die erste dieser Bedingungen war es, die Vaas an diesem Morgen in die Waffenkammer der Vierten Kompanie führte, wo eine kleine, sorgfältig ausgewählte Gruppe von Brüdern bereits mit den letzten Vorbereitungen für eine Mission beschäftigt war, deren wahres Ziel den meisten von ihnen bewusst verborgen blieb.

„Fünf Brüder, nicht mehr", sagte Heraclon, während er neben Vaas stand und die Vorbereitungen beobachtete. „Genug, um uns zu verteidigen, sollten wir erneut auf Widerstand stoßen. Nicht genug, um wie eine offizielle Ermittlung des Ordens auszusehen, sollte jemand außerhalb unseres kleinen Kreises von dieser Reise erfahren."

Die drei Wochen seit ihrer Rückkehr von Eskrador waren nicht untätig verstrichen. Vaas hatte, neben seinen offiziellen Pflichten im Index Athanaeum, jede freie Stunde damit verbracht, weitere Fragmente über die Alpha Legion zusammenzutragen — nicht mehr aus reiner Neugier, sondern mit der wachsenden Überzeugung, dass er, ob er wollte oder nicht, bereits zu tief in eine Wahrheit eingedrungen war, die keine bequeme Rückkehr zu seiner früheren, unschuldigeren Sichtweise mehr zuließ. Der Oberste Chronist hatte auf seinen ersten Bericht über Eskrador mit auffälliger Zurückhaltung reagiert — weder Zustimmung noch Tadel, nur eine knappe Bestätigung des Empfangs und die Anweisung, „mit äußerster Diskretion fortzufahren, sollte sich die Gelegenheit ergeben, weitere Klarheit zu gewinnen". Es war eine Antwort, die Vaas mehr beunruhigte als eine offene Zurückweisung es getan hätte, denn sie verriet, dass selbst die höchsten Ränge seines eigenen Ordens nicht sicher waren, wie mit dieser Art von Wahrheit umzugehen war.

Vaas nickte, seine Aufmerksamkeit auf die Koordinaten gerichtet, die Delvain vor drei Wochen entschlüsselt hatte — ein System namens Threxis Sekundus, tief in einem wenig kartierten Grenzbereich zwischen Ultramar und den unruhigeren Randgebieten des Imperiums, dessen offizielle imperiale Aufzeichnungen kaum mehr als eine Handvoll Zeilen über eine bescheidene, von Piratenüberfällen geplagte Agrarwelt enthielten.

„Was wissen wir über Threxis Sekundus?", fragte er, während Delvain sich zu ihnen gesellte, ein Datenslate in der Hand, das er sofort zu aktivieren begann.

„Offiziell, fast nichts, das Beachtung verdient hätte." Delvain projizierte eine sparsame Sammlung von Berichten über die holographische Anzeige zwischen ihnen — Handelslisten, gelegentliche Notrufe, die übliche Bürokratie einer unbedeutenden Grenzwelt. „Aber ich habe in den letzten drei Wochen begonnen, ein Muster zu erkennen, das mich zunehmend beunruhigt, Chronist. Threxis Sekundus hätte, nach jeder vernünftigen strategischen Einschätzung, längst von der Chaos-Flotte überrannt werden müssen, die seit über einem Jahrhundert in diesem Grenzbereich operiert. Stattdessen ist die Welt, trotz gelegentlicher kleinerer Überfälle, bemerkenswert stabil geblieben — zu stabil, wenn man die begrenzten Verteidigungsressourcen bedenkt, die die offiziellen Berichte ihr zuschreiben."

„Du glaubst, die Alpha Legion schützt diese Welt", sagte Heraclon.

„Ich glaube, dass irgendjemand oder irgendetwas diese Welt schützt, auf eine Weise, die keine offizielle Erklärung findet." Delvain sah zu Vaas, seine Miene ernst. „Und angesichts dessen, wo die Koordinaten uns geführt haben, halte ich es für die wahrscheinlichste Erklärung."

Heraclon hatte, bevor sie Macragge verließen, ein letztes vorsichtiges Gespräch mit dem Obersten Chronisten geführt, dessen genauer Inhalt er selbst Vaas gegenüber nur in groben Zügen wiedergab. „Er sagte mir, dass wir vorsichtig sein sollen, aber er sagte mir nicht, wir sollen umkehren", hatte Heraclon erklärt, während sie die letzten Vorbereitungen trafen. „Ich glaube, selbst er weiß nicht genau, was er mit dieser Situation anfangen soll, und ich glaube, er ist erleichtert, dass wir bereit sind, das Risiko auf uns zu nehmen, weiterzugraben, ohne dass er selbst die formelle Verantwortung dafür übernehmen muss, bevor mehr Klarheit besteht."

Bruder Cassian, einer der Eskortbrüder, die auch ihre Reise nach Eskrador begleitet hatten, trat zu ihnen, sein Gesicht von der ruhigen Zuversicht eines Veteranen geprägt, der bereits einmal Zeuge einer Begegnung geworden war, die seine gesamte Weltanschauung ins Wanken gebracht hatte. „Wird es diesmal auch eine direkte Konfrontation geben, Hauptmann?"

„Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen, Bruder Cassian. Aber ich würde nicht überrascht sein." Heraclon musterte seine kleine Eskorte mit der prüfenden Aufmerksamkeit eines Mannes, der genau wusste, welche Fähigkeiten jeder Einzelne mitbrachte. „Ihr wisst alle, was auf Eskrador geschah, in den groben Zügen, die ich mit euch teilen konnte. Was auch immer wir auf Threxis Sekundus finden, ich erwarte von euch dieselbe Disziplin, dieselbe Zurückhaltung, die uns dort vor unnötigem Blutvergießen bewahrt hat."

Vaas dachte an die Worte des Legionärs auf Eskrador, an die Karte voller stiller Interventionen, die er in jener unterirdischen Kammer gesehen hatte — jede Markierung eine Katastrophe, die verhindert worden war, ohne dass irgendjemand außerhalb der Legion je davon erfuhr. War Threxis Sekundus eine weitere dieser stillen Interventionen? Und wenn ja, was würde es bedeuten, direkt Zeuge einer solchen Handlung zu werden, statt nur ihre Spuren in verstaubten Archiven zu studieren?

„Wir brechen in zwei Stunden auf", sagte Heraclon, seine Stimme mit der Entschlossenheit eines Mannes, der bereits akzeptiert hatte, dass es kein Zurück mehr gab, seit sie diesen Pfad betreten hatten. „Und Vaas — diesmal gehen wir mit offeneren Augen. Was auch immer wir auf Threxis Sekundus finden, ich will, dass wir bereit sind, es vollständig zu verstehen, nicht nur genug, um unsere unmittelbare Neugier zu befriedigen."

II. ERSTE SPURII. ERSTE SPUR

Der Flug durch den Warp verlief diesmal ruhiger als ihre vorherige Reise nach Eskrador, ohne die drückende Vorahnung, die jene erste Expedition begleitet hatte — eine Ruhe, die Vaas selbst beunruhigte, denn sie ließ ihm zu viel Raum für Gedanken, die er lieber vermieden hätte. Er verbrachte einen Großteil der Reise damit, mit Delvain gemeinsam die begrenzten verfügbaren Informationen über Threxis Sekundus zu durchforsten, während Heraclon die kleine Eskorte auf jede erdenkliche Eventualität vorbereitete, die eine erneute Begegnung mit der Alpha Legion mit sich bringen könnte.

Threxis Sekundus erwies sich, als ihr kleines Erkundungsschiff schließlich in den Orbit eintrat, als eine Welt von bescheidener, aber zäher Schönheit — weite, terrassierte Agrarflächen, die sich über halbtrockene Kontinente erstreckten, unterbrochen von befestigten Siedlungsclustern, deren Verteidigungsanlagen, wie Vaas aus der Nähe erkannte, eine Qualität und Raffinesse aufwiesen, die für eine Welt dieser Größe und offiziellen Bedeutung höchst ungewöhnlich war.

Aulen, der jüngste der Eskortbrüder, beobachtete die Anflugdaten mit unverhohlener Faszination, seine Stimme die eines Mannes, dessen Ausbildung ihn noch nicht vollständig auf die Widersprüche vorbereitet hatte, denen er in den kommenden Tagen begegnen würde. „Es sieht aus wie jede andere Grenzwelt, die ich je gesehen habe."

„Das ist der Punkt, Bruder", erwiderte Delvain, ohne von seinen Instrumenten aufzublicken. „Die besten Täuschungen sind jene, die wie nichts Besonderes aussehen."

„Sieh dir das an", sagte Delvain, während er die Verteidigungsanlagen der Hauptstadt Threxor durch die Sensoren ihres Landungsshuttles studierte. „Void-Schild-Generatoren, deren Technologie mindestens zwei Jahrhunderte fortschrittlicher ist, als es der offizielle technologische Entwicklungsstand dieser Welt vermuten lässt. Verteidigungsstellungen, die mit einer Präzision positioniert sind, die eher an eine sorgfältig geplante Festung erinnert als an die improvisierte Verteidigung einer Grenzwelt."

Die Stadt Threxor selbst, als sie sie zu Fuß durchquerten, trug den Charakter einer Gemeinschaft, die trotz begrenzter Ressourcen einen bemerkenswerten Wohlstand und eine bemerkenswerte Ordnung bewahrt hatte — gepflasterte Straßen, gut instand gehaltene öffentliche Gebäude, eine Bevölkerung, die, anders als auf vielen vergleichbaren Grenzwelten, die Vaas in seiner Laufbahn besucht hatte, keine sichtbaren Anzeichen der Verzweiflung oder des Verfalls trug, die chronische Bedrohung gewöhnlich mit sich brachte. Kinder spielten in den Straßen ohne die wachsame, ständig zum Himmel gerichtete Vorsicht, die Vaas auf anderen bedrohten Grenzwelten beobachtet hatte; Händler priesen ihre Waren mit einer Unbekümmertheit an, die eher zu einer sicheren Kernwelt des Imperiums gepasst hätte als zu einer Siedlung, die angeblich seit Jahrzehnten am Rand ständiger Vernichtung balancierte.

Sie landeten am Rand von Threxor, wieder in ziviler Kleidung, und Vaas fand sich bald in Gesprächen mit lokalen Beamten wieder, deren anfängliche Vorsicht gegenüber unbekannten Besuchern sich schnell in eine Art stolze Offenheit verwandelte, sobald sie glaubten, mit imperialen Untersuchungsbeauftragten zu sprechen, die gekommen waren, um die bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit ihrer Welt zu dokumentieren.

„Wir haben Glück gehabt", sagte Gouverneurin Yssa Kell, eine Frau mittleren Alters mit dem wettergegerbten Gesicht jemandes, der einen Großteil ihres Lebens im Freien verbracht hatte, während sie Vaas und Heraclon durch die äußeren Verteidigungsanlagen ihrer Hauptstadt führte. Sie bewegte sich mit der zielstrebigen Energie einer Frau, die trotz jahrelanger politischer Verantwortung nie das direkte, praktische Verständnis ihrer Welt verloren hatte, das sie sich in jüngeren Jahren als Feldarbeiterin erworben haben musste, bevor die Umstände sie in ein Amt gehoben hatten, das sie, wie Vaas bald erkannte, mit einer Mischung aus Pflichtbewusstsein und beständiger Wachsamkeit ausfüllte. „Mehr Glück, als jede vernünftige Erklärung rechtfertigen sollte, wenn ich ehrlich bin. Wir sind eine kleine Welt, Untersuchungsbeauftragter, ohne die Ressourcen, die größere Sektorwelten für ihre Verteidigung aufwenden können. Und doch, immer wieder, wenn die Bedrohung am größten schien, geschah etwas — ein technischer Defekt in einem angreifenden Schiff, eine unerwartete Verstärkung aus einer Richtung, die niemand erwartet hatte, ein Sturm, der genau im richtigen Moment aufzog, um eine Invasionsflotte zu zerstreuen."

„Sie klingen, als würden Sie nicht ganz an bloßes Glück glauben", bemerkte Vaas.

Kell sah ihn lange an, ihre Augen von einer Vorsicht gezeichnet, die über bloße politische Zurückhaltung hinausging. Sie schien für einen Moment abzuwägen, wie viel sie zwei Fremden anvertrauen sollte, deren wahre Zugehörigkeit sie noch immer nicht mit Sicherheit kannte, bevor sie sich offensichtlich entschied, dass ihre eigene, jahrzehntelange Frustration über das Ungeklärte schwerer wog als ihre gewohnte politische Vorsicht. „Ich glaube an das, was ich sehen kann, Untersuchungsbeauftragter. Und was ich in den letzten dreißig Jahren gesehen habe, ist ein Muster, das zu konsistent ist, um Zufall zu sein. Manchmal, in den ruhigen Momenten nach einer knapp abgewendeten Katastrophe, habe ich mich gefragt, ob jemand über uns wacht, den wir nie zu Gesicht bekommen — ein Schutzpatron, der aus Gründen, die ich nicht verstehe, diese eine, unbedeutende Welt für schützenswert hält."

Heraclon und Vaas tauschten einen Blick, der eine wortlose, gemeinsame Erkenntnis trug. „Haben Sie je einen direkten Kontakt mit diesem — Schutzpatron gehabt?", fragte Heraclon vorsichtig.

„Einmal", sagte Kell, ihre Stimme leiser werdend, als würde sie eine Erinnerung teilen, die sie selten mit anderen besprach. „Vor zwölf Jahren, während der schlimmsten Krise, die wir je erlebt haben. Ein Mann kam zu mir, in der Nacht vor der entscheidenden Schlacht, unangekündigt, durch Sicherheitsmaßnahmen, die eigentlich unmöglich zu durchdringen hätten sein sollen. Er gab mir eine einzige, präzise taktische Information — die genaue Schwachstelle in der Formation der angreifenden Flotte —, die unsere gesamte Verteidigungsstrategie veränderte und uns letztlich den Sieg sicherte. Als ich ihn fragte, wer er sei, antwortete er nur: 'Ein Freund, der nicht existiert. Vergessen Sie dieses Gespräch, Gouverneurin, für Ihre eigene Sicherheit.' Dann war er fort, und ich habe ihn nie wiedergesehen."

„Beschreiben Sie ihn", bat Vaas, sich vorbeugend, seine gesamte Aufmerksamkeit auf dieses eine, entscheidende Detail konzentriert.

Kell schloss kurz die Augen, als würde sie das Bild in ihrer Erinnerung erneut heraufbeschwören. „Nicht besonders groß, für einen Astartes. Beweglich, fast lautlos in seinen Bewegungen. Er trug keine erkennbaren Abzeichen, keine Farben, die ihn einem bestimmten Orden zugeordnet hätten. Aber seine Augen — ich erinnere mich am deutlichsten an seine Augen. Sie trugen eine Müdigkeit, die viel älter wirkte, als es sein Auftreten vermuten ließ, als hätte er bereits tausend ähnliche Gespräche geführt, in tausend ähnlichen Nächten, auf tausend ähnlichen Welten."

Der Flug durch den Warp verlief diesmal ruhiger als ihre vorherige Reise nach Eskrador, ohne die drückende Vorahnung, die jene erste Expedition begleitet hatte — eine Ruhe, die Vaas selbst beunruhigte, denn sie ließ ihm zu viel Raum für Gedanken, die er lieber vermieden hätte. Er verbrachte einen Großteil der Reise damit, mit Delvain gemeinsam die begrenzten verfügbaren Informationen über Threxis Sekundus zu durchforsten, während Heraclon die kleine Eskorte auf jede erdenkliche Eventualität vorbereitete, die eine erneute Begegnung mit der Alpha Legion mit sich bringen könnte.

Threxis Sekundus erwies sich, als ihr kleines Erkundungsschiff schließlich in den Orbit eintrat, als eine Welt von bescheidener, aber zäher Schönheit — weite, terrassierte Agrarflächen, die sich über halbtrockene Kontinente erstreckten, unterbrochen von befestigten Siedlungsclustern, deren Verteidigungsanlagen, wie Vaas aus der Nähe erkannte, eine Qualität und Raffinesse aufwiesen, die für eine Welt dieser Größe und offiziellen Bedeutung höchst ungewöhnlich war.

Aulen, der jüngste der Eskortbrüder, beobachtete die Anflugdaten mit unverhohlener Faszination, seine Stimme die eines Mannes, dessen Ausbildung ihn noch nicht vollständig auf die Widersprüche vorbereitet hatte, denen er in den kommenden Tagen begegnen würde. „Es sieht aus wie jede andere Grenzwelt, die ich je gesehen habe."

„Das ist der Punkt, Bruder", erwiderte Delvain, ohne von seinen Instrumenten aufzublicken. „Die besten Täuschungen sind jene, die wie nichts Besonderes aussehen."

„Sieh dir das an", sagte Delvain, während er die Verteidigungsanlagen der Hauptstadt Threxor durch die Sensoren ihres Landungsshuttles studierte. „Void-Schild-Generatoren, deren Technologie mindestens zwei Jahrhunderte fortschrittlicher ist, als es der offizielle technologische Entwicklungsstand dieser Welt vermuten lässt. Verteidigungsstellungen, die mit einer Präzision positioniert sind, die eher an eine sorgfältig geplante Festung erinnert als an die improvisierte Verteidigung einer Grenzwelt."

Die Stadt Threxor selbst, als sie sie zu Fuß durchquerten, trug den Charakter einer Gemeinschaft, die trotz begrenzter Ressourcen einen bemerkenswerten Wohlstand und eine bemerkenswerte Ordnung bewahrt hatte — gepflasterte Straßen, gut instand gehaltene öffentliche Gebäude, eine Bevölkerung, die, anders als auf vielen vergleichbaren Grenzwelten, die Vaas in seiner Laufbahn besucht hatte, keine sichtbaren Anzeichen der Verzweiflung oder des Verfalls trug, die chronische Bedrohung gewöhnlich mit sich brachte. Kinder spielten in den Straßen ohne die wachsame, ständig zum Himmel gerichtete Vorsicht, die Vaas auf anderen bedrohten Grenzwelten beobachtet hatte; Händler priesen ihre Waren mit einer Unbekümmertheit an, die eher zu einer sicheren Kernwelt des Imperiums gepasst hätte als zu einer Siedlung, die angeblich seit Jahrzehnten am Rand ständiger Vernichtung balancierte.

Sie landeten am Rand von Threxor, wieder in ziviler Kleidung, und Vaas fand sich bald in Gesprächen mit lokalen Beamten wieder, deren anfängliche Vorsicht gegenüber unbekannten Besuchern sich schnell in eine Art stolze Offenheit verwandelte, sobald sie glaubten, mit imperialen Untersuchungsbeauftragten zu sprechen, die gekommen waren, um die bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit ihrer Welt zu dokumentieren.

„Wir haben Glück gehabt", sagte Gouverneurin Yssa Kell, eine Frau mittleren Alters mit dem wettergegerbten Gesicht jemandes, der einen Großteil ihres Lebens im Freien verbracht hatte, während sie Vaas und Heraclon durch die äußeren Verteidigungsanlagen ihrer Hauptstadt führte. Sie bewegte sich mit der zielstrebigen Energie einer Frau, die trotz jahrelanger politischer Verantwortung nie das direkte, praktische Verständnis ihrer Welt verloren hatte, das sie sich in jüngeren Jahren als Feldarbeiterin erworben haben musste, bevor die Umstände sie in ein Amt gehoben hatten, das sie, wie Vaas bald erkannte, mit einer Mischung aus Pflichtbewusstsein und beständiger Wachsamkeit ausfüllte. „Mehr Glück, als jede vernünftige Erklärung rechtfertigen sollte, wenn ich ehrlich bin. Wir sind eine kleine Welt, Untersuchungsbeauftragter, ohne die Ressourcen, die größere Sektorwelten für ihre Verteidigung aufwenden können. Und doch, immer wieder, wenn die Bedrohung am größten schien, geschah etwas — ein technischer Defekt in einem angreifenden Schiff, eine unerwartete Verstärkung aus einer Richtung, die niemand erwartet hatte, ein Sturm, der genau im richtigen Moment aufzog, um eine Invasionsflotte zu zerstreuen."

„Sie klingen, als würden Sie nicht ganz an bloßes Glück glauben", bemerkte Vaas.

Kell sah ihn lange an, ihre Augen von einer Vorsicht gezeichnet, die über bloße politische Zurückhaltung hinausging. Sie schien für einen Moment abzuwägen, wie viel sie zwei Fremden anvertrauen sollte, deren wahre Zugehörigkeit sie noch immer nicht mit Sicherheit kannte, bevor sie sich offensichtlich entschied, dass ihre eigene, jahrzehntelange Frustration über das Ungeklärte schwerer wog als ihre gewohnte politische Vorsicht. „Ich glaube an das, was ich sehen kann, Untersuchungsbeauftragter. Und was ich in den letzten dreißig Jahren gesehen habe, ist ein Muster, das zu konsistent ist, um Zufall zu sein. Manchmal, in den ruhigen Momenten nach einer knapp abgewendeten Katastrophe, habe ich mich gefragt, ob jemand über uns wacht, den wir nie zu Gesicht bekommen — ein Schutzpatron, der aus Gründen, die ich nicht verstehe, diese eine, unbedeutende Welt für schützenswert hält."

Heraclon und Vaas tauschten einen Blick, der eine wortlose, gemeinsame Erkenntnis trug. „Haben Sie je einen direkten Kontakt mit diesem — Schutzpatron gehabt?", fragte Heraclon vorsichtig.

„Einmal", sagte Kell, ihre Stimme leiser werdend, als würde sie eine Erinnerung teilen, die sie selten mit anderen besprach. „Vor zwölf Jahren, während der schlimmsten Krise, die wir je erlebt haben. Ein Mann kam zu mir, in der Nacht vor der entscheidenden Schlacht, unangekündigt, durch Sicherheitsmaßnahmen, die eigentlich unmöglich zu durchdringen hätten sein sollen. Er gab mir eine einzige, präzise taktische Information — die genaue Schwachstelle in der Formation der angreifenden Flotte —, die unsere gesamte Verteidigungsstrategie veränderte und uns letztlich den Sieg sicherte. Als ich ihn fragte, wer er sei, antwortete er nur: 'Ein Freund, der nicht existiert. Vergessen Sie dieses Gespräch, Gouverneurin, für Ihre eigene Sicherheit.' Dann war er fort, und ich habe ihn nie wiedergesehen."

„Beschreiben Sie ihn", bat Vaas, sich vorbeugend, seine gesamte Aufmerksamkeit auf dieses eine, entscheidende Detail konzentriert.

Kell schloss kurz die Augen, als würde sie das Bild in ihrer Erinnerung erneut heraufbeschwören. „Nicht besonders groß, für einen Astartes. Beweglich, fast lautlos in seinen Bewegungen. Er trug keine erkennbaren Abzeichen, keine Farben, die ihn einem bestimmten Orden zugeordnet hätten. Aber seine Augen — ich erinnere mich am deutlichsten an seine Augen. Sie trugen eine Müdigkeit, die viel älter wirkte, als es sein Auftreten vermuten ließ, als hätte er bereits tausend ähnliche Gespräche geführt, in tausend ähnlichen Nächten, auf tausend ähnlichen Welten."

III. DIE WOHLTAT DES FEINDESIII. DIE WOHLTAT DES FEINDES

Sie verbrachten die folgenden Tage damit, jede verfügbare Spur über den mysteriösen Wohltäter von Threxis Sekundus zu verfolgen, mit einer Gründlichkeit, die Vaas an ihre frühere Untersuchung über Eskrador erinnerte, aber diesmal mit einem grundlegend anderen emotionalen Unterton — nicht die Suche nach einer verborgenen Schande, sondern die Suche nach einem verborgenen Akt der Gnade, dessen Urheber sich aus Gründen, die noch immer unklar blieben, jeder Anerkennung entzog. Heraclon organisierte in dieser Zeit auch eine diskrete Überprüfung der militärischen Aufzeichnungen von Threxis Sekundus, in der Hoffnung, offizielle Berichte zu finden, die möglicherweise mit den zivilen Zeugenaussagen übereinstimmten, während Vaas selbst sich der mühsamen, aber notwendigen Aufgabe widmete, jedes verfügbare historische Dokument über die ursprüngliche Kolonie zu sammeln, aus der die Dessarin-Familie einst geflohen war.

„Ich habe die Muster der letzten dreißig Jahre analysiert", sagte Delvain, als er sich mit Vaas und Heraclon in ihrem provisorischen Hauptquartier traf, einem gemieteten Gebäude am Rand von Threxor, das ihnen als Operationsbasis diente. „Jede der insgesamt siebzehn dokumentierten Krisen, die diese Welt in dieser Zeit überstand, zeigt Anzeichen externer Intervention — mal subtil, mal weniger subtil, aber immer präzise genug, um die minimale Menge an Einmischung zu erfordern, die notwendig war, um eine Katastrophe abzuwenden, ohne die zugrunde liegende Illusion natürlicher Widerstandsfähigkeit zu zerstören."

„Minimal genug, um unentdeckt zu bleiben", sagte Heraclon. „Das ist die Handschrift der Alpha Legion, in jedem Detail."

„Aber warum diese eine Welt?", fragte Vaas, die Frage aussprechend, die ihn seit ihrer Ankunft am meisten beschäftigte. „Threxis Sekundus besitzt keine offensichtliche strategische Bedeutung. Keine seltenen Ressourcen, keine kritische Position entlang wichtiger Handelsrouten, keine besondere kulturelle oder religiöse Bedeutung, soweit ich es aus den verfügbaren Aufzeichnungen erkennen kann. Wenn die Alpha Legion tatsächlich seit dreißig Jahren Ressourcen aufwendet, um diese eine, unbedeutende Grenzwelt zu schützen, muss es einen Grund geben, der nicht offensichtlich ist."

Sie verbrachten einen weiteren Tag damit, die verfügbaren öffentlichen Aufzeichnungen von Threxis Sekundus zu durchsuchen, in der Hoffnung, weitere Muster zu finden, die über Kells persönliche Beobachtungen hinausgingen. Delvain, mit seiner Fähigkeit, subtile Verbindungen zu erkennen, wo gewöhnliche Analyse nur Zufall sah, identifizierte schließlich eine wiederkehrende geografische Konzentration in den dokumentierten Interventionen — eine Häufung von Ereignissen, die sich, wenn man sie auf einer Karte markierte, auffällig in der Nähe eines bestimmten landwirtschaftlichen Bezirks am Rand von Threxor konzentrierten.

Vaas selbst verbrachte einen Nachmittag damit, mit einfachen Bewohnern von Threxor zu sprechen, abseits der offiziellen Kanäle, in der Hoffnung, informelle Perspektiven zu sammeln, die die vorsichtigere, politisch gefärbte Darstellung der Gouverneurin ergänzen könnten. Ein alter Handwerker, der seit seiner Kindheit auf dieser Welt lebte, erzählte ihm von einer Nacht vor fünfzehn Jahren, in der ein „stiller Wächter" — so nannten ihn manche der älteren Bewohner, halb im Scherz, halb in ernsthafter Überzeugung — angeblich eine Gruppe von Saboteuren aufgehalten hatte, die versucht hatten, das zentrale Wasseraufbereitungssystem der Stadt zu vergiften.

„Niemand hat je bewiesen, dass es ihn wirklich gibt", sagte der Handwerker, seine Stimme von der Art beiläufiger Ehrfurcht getragen, mit der Menschen oft von Legenden sprachen, die sie insgeheim für wahr hielten. „Aber genug seltsame Dinge sind auf dieser Welt geschehen, dass ich es nicht für bloßen Aberglauben halte."

Es war Kell selbst, die schließlich, in einem späteren, vertraulicheren Gespräch, einen möglichen Hinweis lieferte. „Es gibt eine Sache, die vielleicht relevant sein könnte", sagte sie, als Vaas sie erneut aufsuchte, diesmal allein, in der Hoffnung, dass eine weniger formelle Umgebung weitere Erinnerungen hervorbringen könnte. „Vor über vierzig Jahren, lange bevor ich Gouverneurin wurde, brachte ein Kolonieschiff eine Gruppe von Flüchtlingen auf diese Welt — Überlebende einer Kolonie, die von einer Chaos-Invasion vollständig zerstört worden war, weit von hier entfernt. Unter ihnen war eine Familie, deren Nachkommen heute noch hier leben, obwohl die meisten Bewohner von Threxis Sekundus ihre besondere Geschichte längst vergessen haben."

„Was macht diese Familie besonders?", fragte Vaas.

„Das weiß ich selbst nicht mit Sicherheit. Aber ich erinnere mich an ein Gerücht aus meiner Jugend, dass der Ursprung dieser Familie mit einem Namen verbunden war, der in gewissen, sehr alten imperialen Kreisen offenbar Gewicht trug — ein Name, der, wie man mir sagte, mit einer der verlorenen Legionen der Häresie in Verbindung stand, nicht als Nachkommen von Verrätern, sondern als Überlebende, die einst unter dem Schutz eines dieser Legionäre gestanden hatten, lange bevor die Kolonie zerstört wurde." Kell zuckte mit den Schultern, eine Geste, die eher Unsicherheit als Gleichgültigkeit ausdrückte. „Es ist wahrscheinlich nur eine alte Legende, verzerrt durch Jahrzehnte der Weitergabe. Aber wenn Sie nach einem Grund suchen, warum diese eine Welt besonderen Schutz genießen könnte, ist es der einzige Hinweis, den ich Ihnen anbieten kann."

Er verbrachte den restlichen Abend damit, mit Heraclon und Delvain die neue Information zu besprechen, ihre gemeinsame Verwunderung über die schiere Persönlichkeit dessen, was sie entdeckten, kaum verhehlend. „Wir haben zehntausend Jahre lang angenommen, dass die Alpha Legion als kollektive Einheit operiert, mit galaxieweiten strategischen Zielen", sagte Delvain, während er die gesammelten Informationen in seiner gewohnten methodischen Weise ordnete. „Aber was wir hier sehen, deutet auf etwas anderes hin — individuelle Legionäre, die eigene, persönliche Verpflichtungen verfolgen, unabhängig von, vielleicht sogar im Widerspruch zu, den größeren Zielen ihrer eigenen Organisation."

„Das würde erklären, warum ihre Handlungen so widersprüchlich erscheinen, wenn man versucht, sie aus der Distanz zu analysieren", sagte Heraclon nachdenklich. „Nicht eine einheitliche Strategie, sondern tausend individuelle Geschichten, die sich zufällig überschneiden, manchmal zu unserem Vorteil, manchmal zu unserem Schaden."

Vaas verließ dieses Gespräch mit einer wachsenden Gewissheit, dass sie sich einer Wahrheit näherten, die weit persönlicher, weit spezifischer war, als er ursprünglich angenommen hatte — keine abstrakte, galaxieweite Strategie der Alpha Legion, sondern etwas, das eher einer individuellen, über Jahrzehnte gepflegten Verpflichtung glich.

Sie verbrachten die folgenden Tage damit, jede verfügbare Spur über den mysteriösen Wohltäter von Threxis Sekundus zu verfolgen, mit einer Gründlichkeit, die Vaas an ihre frühere Untersuchung über Eskrador erinnerte, aber diesmal mit einem grundlegend anderen emotionalen Unterton — nicht die Suche nach einer verborgenen Schande, sondern die Suche nach einem verborgenen Akt der Gnade, dessen Urheber sich aus Gründen, die noch immer unklar blieben, jeder Anerkennung entzog. Heraclon organisierte in dieser Zeit auch eine diskrete Überprüfung der militärischen Aufzeichnungen von Threxis Sekundus, in der Hoffnung, offizielle Berichte zu finden, die möglicherweise mit den zivilen Zeugenaussagen übereinstimmten, während Vaas selbst sich der mühsamen, aber notwendigen Aufgabe widmete, jedes verfügbare historische Dokument über die ursprüngliche Kolonie zu sammeln, aus der die Dessarin-Familie einst geflohen war.

„Ich habe die Muster der letzten dreißig Jahre analysiert", sagte Delvain, als er sich mit Vaas und Heraclon in ihrem provisorischen Hauptquartier traf, einem gemieteten Gebäude am Rand von Threxor, das ihnen als Operationsbasis diente. „Jede der insgesamt siebzehn dokumentierten Krisen, die diese Welt in dieser Zeit überstand, zeigt Anzeichen externer Intervention — mal subtil, mal weniger subtil, aber immer präzise genug, um die minimale Menge an Einmischung zu erfordern, die notwendig war, um eine Katastrophe abzuwenden, ohne die zugrunde liegende Illusion natürlicher Widerstandsfähigkeit zu zerstören."

„Minimal genug, um unentdeckt zu bleiben", sagte Heraclon. „Das ist die Handschrift der Alpha Legion, in jedem Detail."

„Aber warum diese eine Welt?", fragte Vaas, die Frage aussprechend, die ihn seit ihrer Ankunft am meisten beschäftigte. „Threxis Sekundus besitzt keine offensichtliche strategische Bedeutung. Keine seltenen Ressourcen, keine kritische Position entlang wichtiger Handelsrouten, keine besondere kulturelle oder religiöse Bedeutung, soweit ich es aus den verfügbaren Aufzeichnungen erkennen kann. Wenn die Alpha Legion tatsächlich seit dreißig Jahren Ressourcen aufwendet, um diese eine, unbedeutende Grenzwelt zu schützen, muss es einen Grund geben, der nicht offensichtlich ist."

Sie verbrachten einen weiteren Tag damit, die verfügbaren öffentlichen Aufzeichnungen von Threxis Sekundus zu durchsuchen, in der Hoffnung, weitere Muster zu finden, die über Kells persönliche Beobachtungen hinausgingen. Delvain, mit seiner Fähigkeit, subtile Verbindungen zu erkennen, wo gewöhnliche Analyse nur Zufall sah, identifizierte schließlich eine wiederkehrende geografische Konzentration in den dokumentierten Interventionen — eine Häufung von Ereignissen, die sich, wenn man sie auf einer Karte markierte, auffällig in der Nähe eines bestimmten landwirtschaftlichen Bezirks am Rand von Threxor konzentrierten.

Vaas selbst verbrachte einen Nachmittag damit, mit einfachen Bewohnern von Threxor zu sprechen, abseits der offiziellen Kanäle, in der Hoffnung, informelle Perspektiven zu sammeln, die die vorsichtigere, politisch gefärbte Darstellung der Gouverneurin ergänzen könnten. Ein alter Handwerker, der seit seiner Kindheit auf dieser Welt lebte, erzählte ihm von einer Nacht vor fünfzehn Jahren, in der ein „stiller Wächter" — so nannten ihn manche der älteren Bewohner, halb im Scherz, halb in ernsthafter Überzeugung — angeblich eine Gruppe von Saboteuren aufgehalten hatte, die versucht hatten, das zentrale Wasseraufbereitungssystem der Stadt zu vergiften.

„Niemand hat je bewiesen, dass es ihn wirklich gibt", sagte der Handwerker, seine Stimme von der Art beiläufiger Ehrfurcht getragen, mit der Menschen oft von Legenden sprachen, die sie insgeheim für wahr hielten. „Aber genug seltsame Dinge sind auf dieser Welt geschehen, dass ich es nicht für bloßen Aberglauben halte."

Es war Kell selbst, die schließlich, in einem späteren, vertraulicheren Gespräch, einen möglichen Hinweis lieferte. „Es gibt eine Sache, die vielleicht relevant sein könnte", sagte sie, als Vaas sie erneut aufsuchte, diesmal allein, in der Hoffnung, dass eine weniger formelle Umgebung weitere Erinnerungen hervorbringen könnte. „Vor über vierzig Jahren, lange bevor ich Gouverneurin wurde, brachte ein Kolonieschiff eine Gruppe von Flüchtlingen auf diese Welt — Überlebende einer Kolonie, die von einer Chaos-Invasion vollständig zerstört worden war, weit von hier entfernt. Unter ihnen war eine Familie, deren Nachkommen heute noch hier leben, obwohl die meisten Bewohner von Threxis Sekundus ihre besondere Geschichte längst vergessen haben."

„Was macht diese Familie besonders?", fragte Vaas.

„Das weiß ich selbst nicht mit Sicherheit. Aber ich erinnere mich an ein Gerücht aus meiner Jugend, dass der Ursprung dieser Familie mit einem Namen verbunden war, der in gewissen, sehr alten imperialen Kreisen offenbar Gewicht trug — ein Name, der, wie man mir sagte, mit einer der verlorenen Legionen der Häresie in Verbindung stand, nicht als Nachkommen von Verrätern, sondern als Überlebende, die einst unter dem Schutz eines dieser Legionäre gestanden hatten, lange bevor die Kolonie zerstört wurde." Kell zuckte mit den Schultern, eine Geste, die eher Unsicherheit als Gleichgültigkeit ausdrückte. „Es ist wahrscheinlich nur eine alte Legende, verzerrt durch Jahrzehnte der Weitergabe. Aber wenn Sie nach einem Grund suchen, warum diese eine Welt besonderen Schutz genießen könnte, ist es der einzige Hinweis, den ich Ihnen anbieten kann."

Er verbrachte den restlichen Abend damit, mit Heraclon und Delvain die neue Information zu besprechen, ihre gemeinsame Verwunderung über die schiere Persönlichkeit dessen, was sie entdeckten, kaum verhehlend. „Wir haben zehntausend Jahre lang angenommen, dass die Alpha Legion als kollektive Einheit operiert, mit galaxieweiten strategischen Zielen", sagte Delvain, während er die gesammelten Informationen in seiner gewohnten methodischen Weise ordnete. „Aber was wir hier sehen, deutet auf etwas anderes hin — individuelle Legionäre, die eigene, persönliche Verpflichtungen verfolgen, unabhängig von, vielleicht sogar im Widerspruch zu, den größeren Zielen ihrer eigenen Organisation."

„Das würde erklären, warum ihre Handlungen so widersprüchlich erscheinen, wenn man versucht, sie aus der Distanz zu analysieren", sagte Heraclon nachdenklich. „Nicht eine einheitliche Strategie, sondern tausend individuelle Geschichten, die sich zufällig überschneiden, manchmal zu unserem Vorteil, manchmal zu unserem Schaden."

Vaas verließ dieses Gespräch mit einer wachsenden Gewissheit, dass sie sich einer Wahrheit näherten, die weit persönlicher, weit spezifischer war, als er ursprünglich angenommen hatte — keine abstrakte, galaxieweite Strategie der Alpha Legion, sondern etwas, das eher einer individuellen, über Jahrzehnte gepflegten Verpflichtung glich.

IV. DER RIVALEIV. DER RIVALE

Das Gehöft der Dessarins unterschied sich kaum von den umliegenden Höfen, deren einfache, funktionale Architektur die bescheidenen, aber stabilen Lebensverhältnisse der meisten Bewohner von Threxis Sekundus widerspiegelte. Und doch, als Vaas näher kam, bemerkte er subtile Details, die ihm bei den benachbarten Gehöften nicht aufgefallen waren — ein Zaun, dessen Konstruktion eine Präzision aufwies, die über bloße landwirtschaftliche Notwendigkeit hinausging, ein Muster in der Anordnung der Feldfrüchte, das, wenn man es aus der richtigen Höhe betrachtete, fast wie ein Verteidigungsperimeter wirkte.

Die Suche nach der betreffenden Familie erwies sich als komplizierter, als Vaas ursprünglich erwartet hatte — Threxis Sekundus, trotz seiner bescheidenen Größe, besaß keine zentralisierten Bevölkerungsregister, die über bloße Steuerzwecke hinausgingen, und die Spur der ursprünglichen Kolonieflüchtlinge hatte sich über zwei Generationen durch Heirat, Umzug und die gewöhnliche Unordnung menschlichen Lebens verzweigt. Es war schließlich Delvain, der, durch geduldiges Kreuzreferenzieren alter Kirchenbücher mit den fragmentarischen Erinnerungen älterer Bewohner, die er befragte, den Namen Dessarin als wahrscheinlichsten Nachfahren identifizierte.

Sie fanden die betreffende Familie — die Dessarins, wie sie sich nannten — in einem bescheidenen Gehöft am Rand der terrassierten Agrarflächen, drei Generationen, die zusammen unter einem Dach lebten, deren Oberhaupt, eine alte Frau namens Corla Dessarin, sich zunächst weigerte, überhaupt mit ihnen zu sprechen, bis Vaas, mit einer Vorsicht, die er aus seiner Erfahrung mit Tyrellian gelernt hatte, ihr versicherte, dass sie nicht gekommen waren, um Anklage zu erheben, sondern um zu verstehen.

Corla Dessarin selbst, als sie schließlich zu sprechen begann, tat dies mit der vorsichtigen, gemessenen Sorgfalt einer Frau, die ihr ganzes Leben lang gelernt hatte, dass zu viel Offenheit gegenüber Fremden gefährlich sein konnte. „Meine Großmutter sprach selten über die Zeit vor unserer Ankunft hier", sagte sie, ihre Hände unruhig in ihrem Schoß gefaltet. „Aber in ihren letzten Jahren, als ihr Gedächtnis zu schwinden begann, erzählte sie manchmal Fragmente — von einem Mann, der ihr geholfen hatte, einst, lange vor meiner Geburt, und von einem Versprechen, das er ihr gegeben hatte, das unsere Familie über Generationen hinweg beschützen würde."

„Erinnern Sie sich an Details dieses Versprechens?", fragte Vaas vorsichtig.

„Nur Fragmente. Sie sagte, er habe ihr gesagt, dass er eine Schuld habe, die er nie vollständig würde begleichen können, aber dass er sein Bestes tun würde, um sie über die Zeit zu tragen." Corla schüttelte den Kopf, ihre Augen von einer Mischung aus Zweifel und stiller Hoffnung gezeichnet. „Ich habe es all die Jahre für die Fantasie einer alten Frau gehalten, die sich an eine schwere Zeit ihres Lebens erinnerte, verschönert durch die Gnade der Erinnerung. Aber jetzt, nachdem Sie hierhergekommen sind, mit all Ihren Fragen —"

Es war während dieses vorsichtigen, sich langsam entwickelnden Gesprächs, dass eine neue, unerwartete Komplikation ihre Untersuchung durchbrach — eine zweite Landungskapsel, die ohne vorherige Ankündigung am Rand des Gehöfts aufsetzte, aus der eine einzelne, gepanzerte Gestalt trat, deren Rüstung Vaas sofort als die eines Inquisitors identifizierte, wenn auch von einem Stil, der subtil von dem abwich, den er von Ordo-Malleus-Agenten kannte. Der Mann bewegte sich mit der lautlosen, katzenartigen Präzision eines erfahrenen Feldagenten, seine Rüstung dunkel und funktional, ohne die zeremoniellen Verzierungen, die manche Inquisitoren bevorzugten, um ihre Autorität zu unterstreichen — eine Wahl, die Vaas als bewusstes Zeichen praktischer, feldorientierter Erfahrung deutete, statt bloßer institutioneller Eitelkeit.

„Ihr seid nicht die Einzigen, die dieser Spur folgen", sagte die Gestalt, während sie sich näherte, ihre Stimme trocken und wachsam. „Interrogator Sabin Vell, Ordo Xenos. Ich verfolge diese Familie seit sechs Jahren, Ultramarines, seit ich zum ersten Mal Hinweise entdeckte, dass Threxis Sekundus mehr war, als es zu sein schien." Er trug die Spuren dieser sechs Jahre sichtbar mit sich — eine Narbe, die sich über seine linke Wange zog, die Vaas später als Überbleibsel eines früheren Zusammenstoßes mit einer verwandten Ermittlung deutete, und eine Wachsamkeit in seinen Bewegungen, die selbst in diesem Moment relativer Sicherheit nie vollständig nachließ.

„Ordo Xenos?", fragte Heraclon, überrascht von der Zugehörigkeit des Neuankömmlings. Er hatte in seiner Laufbahn mit Vertretern verschiedener Inquisitionsorden zusammengearbeitet, aber die Beteiligung des Ordo Xenos an einer Angelegenheit, die scheinbar allein die Alpha Legion betraf, entsprach keinem Muster, das er kannte. „Was hat eine Familie menschlicher Flüchtlinge mit xenischen Angelegenheiten zu tun?"

„Vielleicht nichts direkt. Aber die Kräfte, die sie beschützen, könnten alles damit zu tun haben." Vell trat näher, seine Augen zwischen Vaas, Heraclon und der zunehmend verängstigten Corla Dessarin wandernd. „Ich vermute seit Jahren, dass die Alpha Legion, in ihrer verborgenen, jahrtausendealten Arbeit, nicht allein operiert — dass ihre stillen Interventionen Teil eines größeren Netzwerks sind, das Verbindungen zu uralten xenischen Organisationen unterhält, deren Ziele und Methoden weit über das hinausgehen, was das Imperium jemals tolerieren würde, wenn die volle Wahrheit bekannt würde."

„Die Cabal", sagte Vaas leise, sich an das Wort erinnernd, das der Legionär auf Eskrador ausgesprochen hatte.

Vells Augen weiteten sich leicht, eine seltene Regung echter Überraschung durchbrechend seine sonst kontrollierte Fassade. „Du kennst diesen Namen. Dann bist du bereits weiter in diese Angelegenheit vorgedrungen, als ich vermutet hatte." Er sah zwischen den beiden Ultramarines hin und her, seine Haltung sich subtil verändernd, von wachsamer Distanz zu etwas, das eher wie vorsichtiges Interesse aussah. „Was genau wisst ihr, das ich nicht weiß?"

Corla Dessarin, die während dieses angespannten Austauschs zunehmend verängstigt zwischen den bewaffneten Fremden hin- und herblickte, ergriff schließlich selbst das Wort, ihre Stimme zitternd, aber entschlossen. „Bitte", sagte sie, „ich weiß nicht, wer von Ihnen ich vertrauen kann, aber ich bitte Sie alle — was auch immer Sie über meine Familie herausfinden, tun Sie ihr keinen Schaden. Wir haben nichts falsch gemacht, außer am Leben zu sein, weil jemand entschied, dass wir es wert waren, geschützt zu werden."

„Niemand hier beabsichtigt, Ihnen oder Ihrer Familie Schaden zuzufügen, Corla Dessarin", sagte Vaas beruhigend, mit einer Sanftheit, die er selten in Momenten wie diesem zeigte. „Wir suchen nur Verständnis, nicht Vergeltung."

„Vielleicht sollten wir diese Frage gemeinsam beantworten, statt uns gegenseitig auszuspionieren", sagte Heraclon, seine Stimme mit der pragmatischen Autorität eines Mannes, der bereits einmal gelernt hatte, dass Zusammenarbeit mit einem unerwarteten Verbündeten mehr Wahrheit hervorbringen konnte als isolierte Ermittlung.

Vell betrachtete Heraclon einen Moment lang, seine jahrelang antrainierte Vorsicht gegenüber unerwarteten Allianzen sichtbar mit dieser neuen Möglichkeit ringend. „Meine Vorgesetzten würden diese Art der Zusammenarbeit nicht billigen", sagte er schließlich. „Der Ordo Xenos und die Adeptus Astartes operieren selten in solcher Offenheit miteinander, besonders nicht bei einer Angelegenheit von dieser Sensibilität."

„Meine Vorgesetzten würden es ebenso wenig billigen", erwiderte Heraclon trocken. „Aber wir sind beide bereits weit über die Grenzen dessen hinausgegangen, was unsere jeweiligen Vorgesetzten für angemessen halten würden, Interrogator. Ich glaube, wir haben beide erkannt, dass diese besondere Wahrheit eine unkonventionelle Herangehensweise erfordert."

Ein Anflug von etwas, das fast wie Erleichterung wirkte, huschte über Vells sonst kontrolliertes Gesicht. „Sechs Jahre habe ich diese Last allein getragen", gestand er. „Ich werde nicht lügen und behaupten, dass mich die Aussicht auf Verbündete nicht anspricht, selbst wenn diese Verbündeten aus einer Institution stammen, der ich normalerweise mit professionellem Argwohn begegne." „Wir haben beide dieselbe Spur verfolgt, Interrogator. Vielleicht ist es Zeit, dass wir sie gemeinsam zu ihrem Ende führen."

Das Gehöft der Dessarins unterschied sich kaum von den umliegenden Höfen, deren einfache, funktionale Architektur die bescheidenen, aber stabilen Lebensverhältnisse der meisten Bewohner von Threxis Sekundus widerspiegelte. Und doch, als Vaas näher kam, bemerkte er subtile Details, die ihm bei den benachbarten Gehöften nicht aufgefallen waren — ein Zaun, dessen Konstruktion eine Präzision aufwies, die über bloße landwirtschaftliche Notwendigkeit hinausging, ein Muster in der Anordnung der Feldfrüchte, das, wenn man es aus der richtigen Höhe betrachtete, fast wie ein Verteidigungsperimeter wirkte.

Die Suche nach der betreffenden Familie erwies sich als komplizierter, als Vaas ursprünglich erwartet hatte — Threxis Sekundus, trotz seiner bescheidenen Größe, besaß keine zentralisierten Bevölkerungsregister, die über bloße Steuerzwecke hinausgingen, und die Spur der ursprünglichen Kolonieflüchtlinge hatte sich über zwei Generationen durch Heirat, Umzug und die gewöhnliche Unordnung menschlichen Lebens verzweigt. Es war schließlich Delvain, der, durch geduldiges Kreuzreferenzieren alter Kirchenbücher mit den fragmentarischen Erinnerungen älterer Bewohner, die er befragte, den Namen Dessarin als wahrscheinlichsten Nachfahren identifizierte.

Sie fanden die betreffende Familie — die Dessarins, wie sie sich nannten — in einem bescheidenen Gehöft am Rand der terrassierten Agrarflächen, drei Generationen, die zusammen unter einem Dach lebten, deren Oberhaupt, eine alte Frau namens Corla Dessarin, sich zunächst weigerte, überhaupt mit ihnen zu sprechen, bis Vaas, mit einer Vorsicht, die er aus seiner Erfahrung mit Tyrellian gelernt hatte, ihr versicherte, dass sie nicht gekommen waren, um Anklage zu erheben, sondern um zu verstehen.

Corla Dessarin selbst, als sie schließlich zu sprechen begann, tat dies mit der vorsichtigen, gemessenen Sorgfalt einer Frau, die ihr ganzes Leben lang gelernt hatte, dass zu viel Offenheit gegenüber Fremden gefährlich sein konnte. „Meine Großmutter sprach selten über die Zeit vor unserer Ankunft hier", sagte sie, ihre Hände unruhig in ihrem Schoß gefaltet. „Aber in ihren letzten Jahren, als ihr Gedächtnis zu schwinden begann, erzählte sie manchmal Fragmente — von einem Mann, der ihr geholfen hatte, einst, lange vor meiner Geburt, und von einem Versprechen, das er ihr gegeben hatte, das unsere Familie über Generationen hinweg beschützen würde."

„Erinnern Sie sich an Details dieses Versprechens?", fragte Vaas vorsichtig.

„Nur Fragmente. Sie sagte, er habe ihr gesagt, dass er eine Schuld habe, die er nie vollständig würde begleichen können, aber dass er sein Bestes tun würde, um sie über die Zeit zu tragen." Corla schüttelte den Kopf, ihre Augen von einer Mischung aus Zweifel und stiller Hoffnung gezeichnet. „Ich habe es all die Jahre für die Fantasie einer alten Frau gehalten, die sich an eine schwere Zeit ihres Lebens erinnerte, verschönert durch die Gnade der Erinnerung. Aber jetzt, nachdem Sie hierhergekommen sind, mit all Ihren Fragen —"

Es war während dieses vorsichtigen, sich langsam entwickelnden Gesprächs, dass eine neue, unerwartete Komplikation ihre Untersuchung durchbrach — eine zweite Landungskapsel, die ohne vorherige Ankündigung am Rand des Gehöfts aufsetzte, aus der eine einzelne, gepanzerte Gestalt trat, deren Rüstung Vaas sofort als die eines Inquisitors identifizierte, wenn auch von einem Stil, der subtil von dem abwich, den er von Ordo-Malleus-Agenten kannte. Der Mann bewegte sich mit der lautlosen, katzenartigen Präzision eines erfahrenen Feldagenten, seine Rüstung dunkel und funktional, ohne die zeremoniellen Verzierungen, die manche Inquisitoren bevorzugten, um ihre Autorität zu unterstreichen — eine Wahl, die Vaas als bewusstes Zeichen praktischer, feldorientierter Erfahrung deutete, statt bloßer institutioneller Eitelkeit.

„Ihr seid nicht die Einzigen, die dieser Spur folgen", sagte die Gestalt, während sie sich näherte, ihre Stimme trocken und wachsam. „Interrogator Sabin Vell, Ordo Xenos. Ich verfolge diese Familie seit sechs Jahren, Ultramarines, seit ich zum ersten Mal Hinweise entdeckte, dass Threxis Sekundus mehr war, als es zu sein schien." Er trug die Spuren dieser sechs Jahre sichtbar mit sich — eine Narbe, die sich über seine linke Wange zog, die Vaas später als Überbleibsel eines früheren Zusammenstoßes mit einer verwandten Ermittlung deutete, und eine Wachsamkeit in seinen Bewegungen, die selbst in diesem Moment relativer Sicherheit nie vollständig nachließ.

„Ordo Xenos?", fragte Heraclon, überrascht von der Zugehörigkeit des Neuankömmlings. Er hatte in seiner Laufbahn mit Vertretern verschiedener Inquisitionsorden zusammengearbeitet, aber die Beteiligung des Ordo Xenos an einer Angelegenheit, die scheinbar allein die Alpha Legion betraf, entsprach keinem Muster, das er kannte. „Was hat eine Familie menschlicher Flüchtlinge mit xenischen Angelegenheiten zu tun?"

„Vielleicht nichts direkt. Aber die Kräfte, die sie beschützen, könnten alles damit zu tun haben." Vell trat näher, seine Augen zwischen Vaas, Heraclon und der zunehmend verängstigten Corla Dessarin wandernd. „Ich vermute seit Jahren, dass die Alpha Legion, in ihrer verborgenen, jahrtausendealten Arbeit, nicht allein operiert — dass ihre stillen Interventionen Teil eines größeren Netzwerks sind, das Verbindungen zu uralten xenischen Organisationen unterhält, deren Ziele und Methoden weit über das hinausgehen, was das Imperium jemals tolerieren würde, wenn die volle Wahrheit bekannt würde."

„Die Cabal", sagte Vaas leise, sich an das Wort erinnernd, das der Legionär auf Eskrador ausgesprochen hatte.

Vells Augen weiteten sich leicht, eine seltene Regung echter Überraschung durchbrechend seine sonst kontrollierte Fassade. „Du kennst diesen Namen. Dann bist du bereits weiter in diese Angelegenheit vorgedrungen, als ich vermutet hatte." Er sah zwischen den beiden Ultramarines hin und her, seine Haltung sich subtil verändernd, von wachsamer Distanz zu etwas, das eher wie vorsichtiges Interesse aussah. „Was genau wisst ihr, das ich nicht weiß?"

Corla Dessarin, die während dieses angespannten Austauschs zunehmend verängstigt zwischen den bewaffneten Fremden hin- und herblickte, ergriff schließlich selbst das Wort, ihre Stimme zitternd, aber entschlossen. „Bitte", sagte sie, „ich weiß nicht, wer von Ihnen ich vertrauen kann, aber ich bitte Sie alle — was auch immer Sie über meine Familie herausfinden, tun Sie ihr keinen Schaden. Wir haben nichts falsch gemacht, außer am Leben zu sein, weil jemand entschied, dass wir es wert waren, geschützt zu werden."

„Niemand hier beabsichtigt, Ihnen oder Ihrer Familie Schaden zuzufügen, Corla Dessarin", sagte Vaas beruhigend, mit einer Sanftheit, die er selten in Momenten wie diesem zeigte. „Wir suchen nur Verständnis, nicht Vergeltung."

„Vielleicht sollten wir diese Frage gemeinsam beantworten, statt uns gegenseitig auszuspionieren", sagte Heraclon, seine Stimme mit der pragmatischen Autorität eines Mannes, der bereits einmal gelernt hatte, dass Zusammenarbeit mit einem unerwarteten Verbündeten mehr Wahrheit hervorbringen konnte als isolierte Ermittlung.

Vell betrachtete Heraclon einen Moment lang, seine jahrelang antrainierte Vorsicht gegenüber unerwarteten Allianzen sichtbar mit dieser neuen Möglichkeit ringend. „Meine Vorgesetzten würden diese Art der Zusammenarbeit nicht billigen", sagte er schließlich. „Der Ordo Xenos und die Adeptus Astartes operieren selten in solcher Offenheit miteinander, besonders nicht bei einer Angelegenheit von dieser Sensibilität."

„Meine Vorgesetzten würden es ebenso wenig billigen", erwiderte Heraclon trocken. „Aber wir sind beide bereits weit über die Grenzen dessen hinausgegangen, was unsere jeweiligen Vorgesetzten für angemessen halten würden, Interrogator. Ich glaube, wir haben beide erkannt, dass diese besondere Wahrheit eine unkonventionelle Herangehensweise erfordert."

Ein Anflug von etwas, das fast wie Erleichterung wirkte, huschte über Vells sonst kontrolliertes Gesicht. „Sechs Jahre habe ich diese Last allein getragen", gestand er. „Ich werde nicht lügen und behaupten, dass mich die Aussicht auf Verbündete nicht anspricht, selbst wenn diese Verbündeten aus einer Institution stammen, der ich normalerweise mit professionellem Argwohn begegne." „Wir haben beide dieselbe Spur verfolgt, Interrogator. Vielleicht ist es Zeit, dass wir sie gemeinsam zu ihrem Ende führen."

V. DIE SPUR ZUM HYDRA-NESTV. DIE SPUR ZUM HYDRA-NEST

Vell erwies sich, entgegen Vaas' anfänglicher Erwartung eines typischen, misstrauischen Inquisitors, als überraschend offener Gesprächspartner, sobald das anfängliche gegenseitige Abtasten überwunden war. „Ich bin seit sechs Jahren allein an dieser Sache dran", gestand er, während sie gemeinsam durch die späteren Nachmittagsstunden arbeiteten, ihre jeweiligen Erkenntnisse zusammentragend. „Das Ordo Xenos hat begrenztes Interesse an dem, was sie für eine rein interne Angelegenheit der Adeptus Astartes halten. Ich habe diese Ermittlung größtenteils in meiner eigenen Zeit geführt, mit Ressourcen, die ich mir selbst zusammensuchen musste, weil ich glaubte, dass hier etwas von größerer Bedeutung verborgen lag, als meine Vorgesetzten zu erkennen bereit waren."

„Was hat Sie zuerst auf diese Spur gebracht?", fragte Vaas.

„Ein Zufall, wie es bei den meisten großen Ermittlungen der Fall ist." Vell lehnte sich zurück, seine Erschöpfung nach Jahren einsamer Arbeit für einen Moment sichtbar durch seine sonst kontrollierte Fassade brechend. „Ich untersuchte ursprünglich eine ganz andere Angelegenheit — Berichte über anomale xenische Aktivität in diesem Sektor. Im Zuge dieser Ermittlung stieß ich auf die statistische Anomalie von Threxis Sekundus' Überleben, rein zufällig, und konnte diesen Faden seither nicht mehr loslassen."

Vell, nachdem er sich widerwillig, aber pragmatisch zur Zusammenarbeit bereit erklärt hatte, brachte eine Fülle eigener Informationen mit, die ihre gemeinsame Untersuchung erheblich beschleunigten. Sechs Jahre eigener Ermittlung hatten ihn zu Erkenntnissen geführt, die Vaas' und Heraclons eigene Entdeckungen sowohl bestätigten als auch erweiterten.

„Corla Dessarins Großmutter war die ursprüngliche Überlebende der zerstörten Kolonie", erklärte Vell, während sie gemeinsam die gesammelten Dokumente in ihrem Hauptquartier durchgingen. „Nach meinen Ermittlungen wurde diese Kolonie nicht zufällig zerstört, sondern gezielt ausgelöscht, von einer kleinen Chaos-Kriegsflotte, deren eigentliches Ziel, wie es scheint, weniger die Kolonie selbst war als vielmehr eine einzelne Familie innerhalb dieser Kolonie — eine Familie, die, aus Gründen, die selbst nach sechs Jahren Ermittlung unklar bleiben, für einen bestimmten Alpha-Legion-Operativen von besonderer Bedeutung war."

„Eine persönliche Verbindung", sagte Vaas. „Nicht eine strategische."

„Genau das vermute ich, ja." Vell projizierte eine Reihe genealogischer Aufzeichnungen, sorgfältig über Jahre zusammengetragen. „Und wenn meine Vermutung korrekt ist, dann verfolgen wir hier nicht die Spur einer abstrakten Legion, sondern die eines einzelnen Individuums, dessen jahrzehntelange, persönliche Verpflichtung gegenüber dieser einen Familie tiefer reicht als jede taktische oder strategische Überlegung."

Sie arbeiteten bis tief in die Nacht, die drei unterschiedlichen Ermittler — Chronist, Hauptmann und Interrogator — ihre jeweiligen Fachkenntnisse kombinierend, um ein zusammenhängendes Bild aus den fragmentarischen Beweisen zu formen, die jeder von ihnen über Wochen und Jahre gesammelt hatte. Es war eine seltsame, aber produktive Partnerschaft, dachte Vaas, während er zusah, wie Vells methodische Ermittlungstechniken sich mit Delvains psionischen Einsichten und Heraclons taktischem Verständnis zu etwas Größerem verbanden, als jeder von ihnen allein hätte erreichen können.

Delvain, der die genealogischen Aufzeichnungen mit wachsender Konzentration studierte, hielt schließlich inne, seine psionischen Sinne offensichtlich etwas wahrnehmend, das den anderen entgangen war. „Es gibt eine Konsistenz in diesen Mustern, die ich zuvor nicht bemerkt hatte", sagte er langsam. „Jede der dokumentierten Interventionen auf Threxis Sekundus trägt eine subtile, aber erkennbare psionische Signatur — nicht identisch bei jedem Vorfall, aber verwandt, wie die Handschrift verschiedener Werke desselben Künstlers. Wenn ich diese Signatur mit ausreichender Präzision verfolgen kann, könnte ich in der Lage sein, ihre Quelle zu lokalisieren."

„Wie lange würde das dauern?", fragte Heraclon.

„Mit den richtigen Ressourcen? Tage, vielleicht weniger." Delvain begann bereits, seine Instrumente für eine tiefere Analyse vorzubereiten, seine Bewegungen von der methodischen Effizienz eines Mannes geprägt, der genau wusste, was als Nächstes zu tun war. „Aber ich brauche einen frischeren Kontaktpunkt, etwas Näheres an der Quelle selbst als diese historischen Fragmente."

Vell, der bisher schweigend zugehört hatte, trat vor, ein eigenes Datenslate aktivierend. „Ich könnte hilfreich sein. In sechs Jahren Ermittlung habe ich mehrere physische Beweisstücke gesammelt, die möglicherweise psionische Rückstände enthalten — Fragmente von Ausrüstung, die bei früheren Vorfällen zurückgelassen wurden, die ich analysieren ließ, ohne dass meine eigenen Techniker die vollständige Bedeutung dessen erkannten, was sie in Händen hielten."

„Das könnte den Prozess erheblich beschleunigen", sagte Delvain, ein Anflug echter Dankbarkeit in seiner Stimme.

Vell öffnete einen versiegelten Behälter, den er aus seinem eigenen Shuttle mitgebracht hatte, und entnahm ihm vorsichtig mehrere in Schutzfolie gewickelte Gegenstände — ein zerbrochenes Kommunikationsgerät, ein Fragment unbekannter Panzerung, ein kleines, unscheinbares Metallstück, dessen Zweck Vaas nicht sofort erkennen konnte. „Jedes dieser Objekte wurde an einem Ort geborgen, an dem eine mutmaßliche Intervention stattfand", erklärte er, während er sie sorgfältig auf dem provisorischen Arbeitstisch anordnete. „Meine eigenen Techniker konnten keine schlüssigen Analysen liefern, aber vielleicht kann ein Scriptor mit den richtigen Fähigkeiten mehr aus ihnen herauslesen, als bloße mechanische Untersuchung je könnte."

Delvain nahm jedes Objekt einzeln in die Hand, seine Konzentration sich mit jedem neuen Gegenstand vertiefend, während Vaas und Heraclon in respektvollem Schweigen zusahen, wie der Scriptor Fragmente einer Geschichte zusammenzusetzen begann, die keiner von ihnen allein hätte entschlüsseln können.

„Mit den richtigen Referenzpunkten? Möglicherweise nur wenige Tage." Delvain sah auf, seine Augen von der Aussicht auf einen konkreten Durchbruch erhellt. „Aber ich brauche einen frischeren Kontaktpunkt als diese historischen Aufzeichnungen. Wenn wir Zugang zu einem Ort hätten, an dem die Intervention kürzlich stattfand, wäre die Signatur klarer, leichter zu verfolgen."

Corla Dessarin, die dem gesamten Gespräch mit wachsender, angespannter Aufmerksamkeit gefolgt war, sprach schließlich zum ersten Mal seit Beginn ihrer Unterredung von sich aus. „Vor zwei Monaten", sagte sie leise, „gab es einen weiteren Vorfall. Kleiner als die vorherigen, kaum bemerkt von den meisten hier, aber ich war dort. Eine Gruppe von Plünderern versuchte, unser Gehöft zu überfallen, in der Nacht. Etwas — jemand — griff ein, bevor sie uns erreichen konnten. Ich sah nur einen Schatten, verschwindend in die Dunkelheit, bevor ich vollständig verstand, was geschehen war."

„Können Sie uns den genauen Ort zeigen?", fragte Delvain, seine Stimme jetzt von echter Dringlichkeit geprägt.

Corla nickte langsam, ihre Augen von einer Mischung aus Furcht und einer seltsamen, lang gehegten Dankbarkeit gezeichnet. Sie stand langsam auf, ihre Bewegungen von der Last vierzig Jahre stillen Wissens gezeichnet, das sie nun endlich, wenn auch widerwillig, mit anderen teilen würde. „Ich kann es Ihnen zeigen. Aber ich muss Sie warnen — was auch immer dort wacht, es hat unsere Familie seit vierzig Jahren beschützt, ohne je etwas dafür zu verlangen. Ich würde es nicht ertragen, wenn Ihre Suche nach Antworten diesem Schutz ein Ende bereiten würde."

Vell erwies sich, entgegen Vaas' anfänglicher Erwartung eines typischen, misstrauischen Inquisitors, als überraschend offener Gesprächspartner, sobald das anfängliche gegenseitige Abtasten überwunden war. „Ich bin seit sechs Jahren allein an dieser Sache dran", gestand er, während sie gemeinsam durch die späteren Nachmittagsstunden arbeiteten, ihre jeweiligen Erkenntnisse zusammentragend. „Das Ordo Xenos hat begrenztes Interesse an dem, was sie für eine rein interne Angelegenheit der Adeptus Astartes halten. Ich habe diese Ermittlung größtenteils in meiner eigenen Zeit geführt, mit Ressourcen, die ich mir selbst zusammensuchen musste, weil ich glaubte, dass hier etwas von größerer Bedeutung verborgen lag, als meine Vorgesetzten zu erkennen bereit waren."

„Was hat Sie zuerst auf diese Spur gebracht?", fragte Vaas.

„Ein Zufall, wie es bei den meisten großen Ermittlungen der Fall ist." Vell lehnte sich zurück, seine Erschöpfung nach Jahren einsamer Arbeit für einen Moment sichtbar durch seine sonst kontrollierte Fassade brechend. „Ich untersuchte ursprünglich eine ganz andere Angelegenheit — Berichte über anomale xenische Aktivität in diesem Sektor. Im Zuge dieser Ermittlung stieß ich auf die statistische Anomalie von Threxis Sekundus' Überleben, rein zufällig, und konnte diesen Faden seither nicht mehr loslassen."

Vell, nachdem er sich widerwillig, aber pragmatisch zur Zusammenarbeit bereit erklärt hatte, brachte eine Fülle eigener Informationen mit, die ihre gemeinsame Untersuchung erheblich beschleunigten. Sechs Jahre eigener Ermittlung hatten ihn zu Erkenntnissen geführt, die Vaas' und Heraclons eigene Entdeckungen sowohl bestätigten als auch erweiterten.

„Corla Dessarins Großmutter war die ursprüngliche Überlebende der zerstörten Kolonie", erklärte Vell, während sie gemeinsam die gesammelten Dokumente in ihrem Hauptquartier durchgingen. „Nach meinen Ermittlungen wurde diese Kolonie nicht zufällig zerstört, sondern gezielt ausgelöscht, von einer kleinen Chaos-Kriegsflotte, deren eigentliches Ziel, wie es scheint, weniger die Kolonie selbst war als vielmehr eine einzelne Familie innerhalb dieser Kolonie — eine Familie, die, aus Gründen, die selbst nach sechs Jahren Ermittlung unklar bleiben, für einen bestimmten Alpha-Legion-Operativen von besonderer Bedeutung war."

„Eine persönliche Verbindung", sagte Vaas. „Nicht eine strategische."

„Genau das vermute ich, ja." Vell projizierte eine Reihe genealogischer Aufzeichnungen, sorgfältig über Jahre zusammengetragen. „Und wenn meine Vermutung korrekt ist, dann verfolgen wir hier nicht die Spur einer abstrakten Legion, sondern die eines einzelnen Individuums, dessen jahrzehntelange, persönliche Verpflichtung gegenüber dieser einen Familie tiefer reicht als jede taktische oder strategische Überlegung."

Sie arbeiteten bis tief in die Nacht, die drei unterschiedlichen Ermittler — Chronist, Hauptmann und Interrogator — ihre jeweiligen Fachkenntnisse kombinierend, um ein zusammenhängendes Bild aus den fragmentarischen Beweisen zu formen, die jeder von ihnen über Wochen und Jahre gesammelt hatte. Es war eine seltsame, aber produktive Partnerschaft, dachte Vaas, während er zusah, wie Vells methodische Ermittlungstechniken sich mit Delvains psionischen Einsichten und Heraclons taktischem Verständnis zu etwas Größerem verbanden, als jeder von ihnen allein hätte erreichen können.

Delvain, der die genealogischen Aufzeichnungen mit wachsender Konzentration studierte, hielt schließlich inne, seine psionischen Sinne offensichtlich etwas wahrnehmend, das den anderen entgangen war. „Es gibt eine Konsistenz in diesen Mustern, die ich zuvor nicht bemerkt hatte", sagte er langsam. „Jede der dokumentierten Interventionen auf Threxis Sekundus trägt eine subtile, aber erkennbare psionische Signatur — nicht identisch bei jedem Vorfall, aber verwandt, wie die Handschrift verschiedener Werke desselben Künstlers. Wenn ich diese Signatur mit ausreichender Präzision verfolgen kann, könnte ich in der Lage sein, ihre Quelle zu lokalisieren."

„Wie lange würde das dauern?", fragte Heraclon.

„Mit den richtigen Ressourcen? Tage, vielleicht weniger." Delvain begann bereits, seine Instrumente für eine tiefere Analyse vorzubereiten, seine Bewegungen von der methodischen Effizienz eines Mannes geprägt, der genau wusste, was als Nächstes zu tun war. „Aber ich brauche einen frischeren Kontaktpunkt, etwas Näheres an der Quelle selbst als diese historischen Fragmente."

Vell, der bisher schweigend zugehört hatte, trat vor, ein eigenes Datenslate aktivierend. „Ich könnte hilfreich sein. In sechs Jahren Ermittlung habe ich mehrere physische Beweisstücke gesammelt, die möglicherweise psionische Rückstände enthalten — Fragmente von Ausrüstung, die bei früheren Vorfällen zurückgelassen wurden, die ich analysieren ließ, ohne dass meine eigenen Techniker die vollständige Bedeutung dessen erkannten, was sie in Händen hielten."

„Das könnte den Prozess erheblich beschleunigen", sagte Delvain, ein Anflug echter Dankbarkeit in seiner Stimme.

Vell öffnete einen versiegelten Behälter, den er aus seinem eigenen Shuttle mitgebracht hatte, und entnahm ihm vorsichtig mehrere in Schutzfolie gewickelte Gegenstände — ein zerbrochenes Kommunikationsgerät, ein Fragment unbekannter Panzerung, ein kleines, unscheinbares Metallstück, dessen Zweck Vaas nicht sofort erkennen konnte. „Jedes dieser Objekte wurde an einem Ort geborgen, an dem eine mutmaßliche Intervention stattfand", erklärte er, während er sie sorgfältig auf dem provisorischen Arbeitstisch anordnete. „Meine eigenen Techniker konnten keine schlüssigen Analysen liefern, aber vielleicht kann ein Scriptor mit den richtigen Fähigkeiten mehr aus ihnen herauslesen, als bloße mechanische Untersuchung je könnte."

Delvain nahm jedes Objekt einzeln in die Hand, seine Konzentration sich mit jedem neuen Gegenstand vertiefend, während Vaas und Heraclon in respektvollem Schweigen zusahen, wie der Scriptor Fragmente einer Geschichte zusammenzusetzen begann, die keiner von ihnen allein hätte entschlüsseln können.

„Mit den richtigen Referenzpunkten? Möglicherweise nur wenige Tage." Delvain sah auf, seine Augen von der Aussicht auf einen konkreten Durchbruch erhellt. „Aber ich brauche einen frischeren Kontaktpunkt als diese historischen Aufzeichnungen. Wenn wir Zugang zu einem Ort hätten, an dem die Intervention kürzlich stattfand, wäre die Signatur klarer, leichter zu verfolgen."

Corla Dessarin, die dem gesamten Gespräch mit wachsender, angespannter Aufmerksamkeit gefolgt war, sprach schließlich zum ersten Mal seit Beginn ihrer Unterredung von sich aus. „Vor zwei Monaten", sagte sie leise, „gab es einen weiteren Vorfall. Kleiner als die vorherigen, kaum bemerkt von den meisten hier, aber ich war dort. Eine Gruppe von Plünderern versuchte, unser Gehöft zu überfallen, in der Nacht. Etwas — jemand — griff ein, bevor sie uns erreichen konnten. Ich sah nur einen Schatten, verschwindend in die Dunkelheit, bevor ich vollständig verstand, was geschehen war."

„Können Sie uns den genauen Ort zeigen?", fragte Delvain, seine Stimme jetzt von echter Dringlichkeit geprägt.

Corla nickte langsam, ihre Augen von einer Mischung aus Furcht und einer seltsamen, lang gehegten Dankbarkeit gezeichnet. Sie stand langsam auf, ihre Bewegungen von der Last vierzig Jahre stillen Wissens gezeichnet, das sie nun endlich, wenn auch widerwillig, mit anderen teilen würde. „Ich kann es Ihnen zeigen. Aber ich muss Sie warnen — was auch immer dort wacht, es hat unsere Familie seit vierzig Jahren beschützt, ohne je etwas dafür zu verlangen. Ich würde es nicht ertragen, wenn Ihre Suche nach Antworten diesem Schutz ein Ende bereiten würde."

VI. EIN GEFALLENER, DER IHN EBENFALLS JAGTVI. EIN GEFALLENER, DER IHN EBENFALLS JAGT

Corla begleitete sie selbst zu diesem Ort, ihre anfängliche Zurückhaltung allmählich einer Art stiller Entschlossenheit gewichen, als hätte die Aussicht, endlich Antworten über den Mann zu erhalten, der ihre Familie über Generationen beschützt hatte, ihre tief verwurzelte Vorsicht überwogen. Sie führte sie über schmale, kaum erkennbare Pfade, die offensichtlich selten genutzt wurden, ihre Schritte mit der Sicherheit eines Menschen, der diesen Weg schon oft gegangen war, auch wenn sie nie zuvor laut darüber gesprochen hatte.

Der Ort, den Corla ihnen zeigte, lag am Rand eines dichten, von künstlicher Bewässerung erhaltenen Waldstücks, kaum zwei Kilometer vom Dessarin-Gehöft entfernt — ein unscheinbarer Fleck Land, der auf den ersten Blick keine besondere Bedeutung zu tragen schien, bis Delvain, sobald sie die Stelle erreichten, in eine tiefe, konzentrierte Trance verfiel, seine psionischen Sinne die verbleibenden Echos des jüngsten Vorfalls abtastend.

Vaas nutzte die Wartezeit, um die Umgebung selbst genauer zu betrachten — ein unscheinbarer Fleck Land, überwuchert von einheimischer Vegetation, die keine erkennbaren Spuren künstlicher Struktur oder Aktivität verriet, zumindest nicht für ein ungeschultes Auge. Und doch, je länger er die Stelle betrachtete, desto mehr begann er, subtile Unregelmäßigkeiten wahrzunehmen — eine Anordnung von Felsen, die zu regelmäßig wirkte, um natürlichen Ursprungs zu sein, ein Muster im Bewuchs, das eher an eine getarnte Struktur erinnerte als an zufälliges Wachstum.

Heraclon postierte seine verbliebenen Eskortbrüder in einem weiten Sicherheitsperimeter um die Lichtung, ihre Anwesenheit diskret genug, um Delvains Konzentration nicht zu stören, aber wachsam genug, um vor jeder unerwarteten Bedrohung zu warnen. Vell beobachtete diese Vorbereitungen mit professioneller Anerkennung, seine eigenen jahrelangen Erfahrungen im Feld ihm ermöglichend, die Qualität der Ultramarines-Disziplin zu würdigen, selbst wenn seine institutionelle Loyalität ihn normalerweise skeptischer gegenüber Adeptus-Astartes-Methoden gemacht hätte.

Es war während dieser angespannten Wartezeit, während Delvain arbeitete und die anderen wachsam die Umgebung beobachteten, dass eine weitere, unerwartete Gestalt aus dem Wald trat — ein Mann in schwerer, improvisierter Rüstung, dessen Statur und Bewegungen sofort eine militärische Vergangenheit verrieten, aber dessen Ausrüstung keinem Vaas bekannten Orden entsprach.

„Ihr solltet nicht hier sein", sagte der Mann, seine Stimme rau, gezeichnet von etwas, das über gewöhnliche körperliche Erschöpfung hinausging. „Dieser Ort gehört niemandem, den ihr suchen wollt, außer mir."

„Wer sind Sie?", verlangte Heraclon, seine Waffe bereits halb erhoben.

„Mein Name spielt keine Rolle mehr. Nennt mich, was ihr wollt — einen Überlebenden, vielleicht, obwohl ich manchmal bezweifle, dass das Wort auf mich zutrifft." Der Mann trat näher, und Vaas erkannte jetzt, in seinen Augen, eine Intensität, die von tief verwurzeltem, persönlichem Schmerz sprach. „Vor zwölf Jahren diente ich in der planetaren Verteidigungsmiliz dieser Welt, während der großen Krise, von der Gouverneurin Kell euch sicher erzählt hat. Meine gesamte Einheit — vierzig Männer, die ich seit meiner Kindheit kannte — wurde in einem einzigen, katastrophalen Gefecht ausgelöscht, weil eine taktische Information, die uns kurz zuvor zugespielt worden war, uns direkt in eine Falle führte."

„Die Information des mysteriösen Wohltäters?", fragte Vaas, eine kalte Ahnung sich in ihm bildend.

„Genau die." Der Mann lachte bitter, ein Geräusch ohne jede Freude. „Während er die gesamte Welt rettete, opferte er meine Einheit als notwendigen Preis — eine Berechnung, die ich erst Jahre später vollständig verstand, als ich begann, tiefer zu graben, als irgendjemand für klug hielt. Ich habe seither jede Spur verfolgt, die ich finden konnte, in der Hoffnung, ihn eines Tages zu finden und ihn für diese Entscheidung zur Rechenschaft zu ziehen."

„Sie wollen ihn töten", sagte Vell, seine Inquisitor-Ausbildung die unmittelbare Absicht des Mannes ohne Umschweife benennend.

„Ich will Gerechtigkeit", erwiderte der Veteran scharf, seine Stimme brechend zwischen kontrollierter Bitterkeit und rohem Schmerz. „Ist das so schwer zu verstehen? Vierzig Männer, Interrogator. Vierzig Männer, deren Namen ich noch heute auswendig kenne, deren Familien ich all die Jahre besucht habe, um ihnen zu sagen, dass ihre Söhne, ihre Väter, ihre Brüder als Helden starben — während ich insgeheim wusste, dass ihr Tod vielleicht nur eine kalte Berechnung war, getroffen von jemandem, der nie das Risiko seines eigenen Lebens trug, während er das ihre verspielte."

Heraclon trat vor, seine Stimme mit ungewohnter Sanftheit für einen Mann seines Ranges. „Wie heißen Sie, Bruder?"

„Sergeant Torvin Halle, ehemals der Threxor-Miliz." Der Mann straffte sich unwillkürlich bei der Nennung seines alten Ranges, ein Reflex jahrelanger militärischer Disziplin, der selbst durch zwölf Jahre der Bitterkeit nicht vollständig ausgelöscht worden war. „Ich habe seither jede freie Stunde meines Lebens dieser Suche gewidmet, auf Kosten meiner eigenen Familie, meines eigenen Friedens. Ich weiß nicht mehr, ob ich noch der Mann bin, der einst diese Männer in die Schlacht führte, oder nur noch ein Schatten, der von einer einzigen, unbeantworteten Frage angetrieben wird."

Vaas spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog, während er Torvins Worte hörte — ein Echo von Tyrellians eigenem, jahrzehntelang getragenem Schweigen, ein weiteres Beispiel dafür, wie die stillen Interventionen der Alpha Legion, so wohlwollend ihre größeren Ergebnisse auch sein mochten, unvermeidlich einzelne Menschenleben mit einer Last zurückließen, die keine noch so große Rettung vollständig aufwiegen konnte. „Ich verstehe Ihren Schmerz, Sergeant Halle", sagte er leise. „Aber ich muss Sie warnen, bevor wir gemeinsam weitergehen — die Antworten, die wir bisher gefunden haben, waren selten so einfach, wie wir es uns erhofft hatten."

„Nichts, was ich in den letzten zwölf Jahren gelernt habe, war einfach, Chronist." Torvins Stimme trug eine müde, abgeklärte Bitterkeit. „Ich erwarte keine einfache Antwort mehr. Ich erwarte nur, endlich eine zu erhalten, gleich welcher Art."

„Ich will, dass er versteht, was seine 'notwendigen Opfer' tatsächlich kosten." Der Mann sah zwischen den Versammelten hin und her, seine Augen schließlich auf Delvain ruhend, der noch immer in seiner Trance verharrte. „Ihr sucht ihn auch. Das kann ich sehen. Vielleicht sollten wir unsere Ziele vereinen, bevor einer von uns die Gelegenheit verpasst, die wir alle zu suchen scheinen."

Corla begleitete sie selbst zu diesem Ort, ihre anfängliche Zurückhaltung allmählich einer Art stiller Entschlossenheit gewichen, als hätte die Aussicht, endlich Antworten über den Mann zu erhalten, der ihre Familie über Generationen beschützt hatte, ihre tief verwurzelte Vorsicht überwogen. Sie führte sie über schmale, kaum erkennbare Pfade, die offensichtlich selten genutzt wurden, ihre Schritte mit der Sicherheit eines Menschen, der diesen Weg schon oft gegangen war, auch wenn sie nie zuvor laut darüber gesprochen hatte.

Der Ort, den Corla ihnen zeigte, lag am Rand eines dichten, von künstlicher Bewässerung erhaltenen Waldstücks, kaum zwei Kilometer vom Dessarin-Gehöft entfernt — ein unscheinbarer Fleck Land, der auf den ersten Blick keine besondere Bedeutung zu tragen schien, bis Delvain, sobald sie die Stelle erreichten, in eine tiefe, konzentrierte Trance verfiel, seine psionischen Sinne die verbleibenden Echos des jüngsten Vorfalls abtastend.

Vaas nutzte die Wartezeit, um die Umgebung selbst genauer zu betrachten — ein unscheinbarer Fleck Land, überwuchert von einheimischer Vegetation, die keine erkennbaren Spuren künstlicher Struktur oder Aktivität verriet, zumindest nicht für ein ungeschultes Auge. Und doch, je länger er die Stelle betrachtete, desto mehr begann er, subtile Unregelmäßigkeiten wahrzunehmen — eine Anordnung von Felsen, die zu regelmäßig wirkte, um natürlichen Ursprungs zu sein, ein Muster im Bewuchs, das eher an eine getarnte Struktur erinnerte als an zufälliges Wachstum.

Heraclon postierte seine verbliebenen Eskortbrüder in einem weiten Sicherheitsperimeter um die Lichtung, ihre Anwesenheit diskret genug, um Delvains Konzentration nicht zu stören, aber wachsam genug, um vor jeder unerwarteten Bedrohung zu warnen. Vell beobachtete diese Vorbereitungen mit professioneller Anerkennung, seine eigenen jahrelangen Erfahrungen im Feld ihm ermöglichend, die Qualität der Ultramarines-Disziplin zu würdigen, selbst wenn seine institutionelle Loyalität ihn normalerweise skeptischer gegenüber Adeptus-Astartes-Methoden gemacht hätte.

Es war während dieser angespannten Wartezeit, während Delvain arbeitete und die anderen wachsam die Umgebung beobachteten, dass eine weitere, unerwartete Gestalt aus dem Wald trat — ein Mann in schwerer, improvisierter Rüstung, dessen Statur und Bewegungen sofort eine militärische Vergangenheit verrieten, aber dessen Ausrüstung keinem Vaas bekannten Orden entsprach.

„Ihr solltet nicht hier sein", sagte der Mann, seine Stimme rau, gezeichnet von etwas, das über gewöhnliche körperliche Erschöpfung hinausging. „Dieser Ort gehört niemandem, den ihr suchen wollt, außer mir."

„Wer sind Sie?", verlangte Heraclon, seine Waffe bereits halb erhoben.

„Mein Name spielt keine Rolle mehr. Nennt mich, was ihr wollt — einen Überlebenden, vielleicht, obwohl ich manchmal bezweifle, dass das Wort auf mich zutrifft." Der Mann trat näher, und Vaas erkannte jetzt, in seinen Augen, eine Intensität, die von tief verwurzeltem, persönlichem Schmerz sprach. „Vor zwölf Jahren diente ich in der planetaren Verteidigungsmiliz dieser Welt, während der großen Krise, von der Gouverneurin Kell euch sicher erzählt hat. Meine gesamte Einheit — vierzig Männer, die ich seit meiner Kindheit kannte — wurde in einem einzigen, katastrophalen Gefecht ausgelöscht, weil eine taktische Information, die uns kurz zuvor zugespielt worden war, uns direkt in eine Falle führte."

„Die Information des mysteriösen Wohltäters?", fragte Vaas, eine kalte Ahnung sich in ihm bildend.

„Genau die." Der Mann lachte bitter, ein Geräusch ohne jede Freude. „Während er die gesamte Welt rettete, opferte er meine Einheit als notwendigen Preis — eine Berechnung, die ich erst Jahre später vollständig verstand, als ich begann, tiefer zu graben, als irgendjemand für klug hielt. Ich habe seither jede Spur verfolgt, die ich finden konnte, in der Hoffnung, ihn eines Tages zu finden und ihn für diese Entscheidung zur Rechenschaft zu ziehen."

„Sie wollen ihn töten", sagte Vell, seine Inquisitor-Ausbildung die unmittelbare Absicht des Mannes ohne Umschweife benennend.

„Ich will Gerechtigkeit", erwiderte der Veteran scharf, seine Stimme brechend zwischen kontrollierter Bitterkeit und rohem Schmerz. „Ist das so schwer zu verstehen? Vierzig Männer, Interrogator. Vierzig Männer, deren Namen ich noch heute auswendig kenne, deren Familien ich all die Jahre besucht habe, um ihnen zu sagen, dass ihre Söhne, ihre Väter, ihre Brüder als Helden starben — während ich insgeheim wusste, dass ihr Tod vielleicht nur eine kalte Berechnung war, getroffen von jemandem, der nie das Risiko seines eigenen Lebens trug, während er das ihre verspielte."

Heraclon trat vor, seine Stimme mit ungewohnter Sanftheit für einen Mann seines Ranges. „Wie heißen Sie, Bruder?"

„Sergeant Torvin Halle, ehemals der Threxor-Miliz." Der Mann straffte sich unwillkürlich bei der Nennung seines alten Ranges, ein Reflex jahrelanger militärischer Disziplin, der selbst durch zwölf Jahre der Bitterkeit nicht vollständig ausgelöscht worden war. „Ich habe seither jede freie Stunde meines Lebens dieser Suche gewidmet, auf Kosten meiner eigenen Familie, meines eigenen Friedens. Ich weiß nicht mehr, ob ich noch der Mann bin, der einst diese Männer in die Schlacht führte, oder nur noch ein Schatten, der von einer einzigen, unbeantworteten Frage angetrieben wird."

Vaas spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog, während er Torvins Worte hörte — ein Echo von Tyrellians eigenem, jahrzehntelang getragenem Schweigen, ein weiteres Beispiel dafür, wie die stillen Interventionen der Alpha Legion, so wohlwollend ihre größeren Ergebnisse auch sein mochten, unvermeidlich einzelne Menschenleben mit einer Last zurückließen, die keine noch so große Rettung vollständig aufwiegen konnte. „Ich verstehe Ihren Schmerz, Sergeant Halle", sagte er leise. „Aber ich muss Sie warnen, bevor wir gemeinsam weitergehen — die Antworten, die wir bisher gefunden haben, waren selten so einfach, wie wir es uns erhofft hatten."

„Nichts, was ich in den letzten zwölf Jahren gelernt habe, war einfach, Chronist." Torvins Stimme trug eine müde, abgeklärte Bitterkeit. „Ich erwarte keine einfache Antwort mehr. Ich erwarte nur, endlich eine zu erhalten, gleich welcher Art."

„Ich will, dass er versteht, was seine 'notwendigen Opfer' tatsächlich kosten." Der Mann sah zwischen den Versammelten hin und her, seine Augen schließlich auf Delvain ruhend, der noch immer in seiner Trance verharrte. „Ihr sucht ihn auch. Das kann ich sehen. Vielleicht sollten wir unsere Ziele vereinen, bevor einer von uns die Gelegenheit verpasst, die wir alle zu suchen scheinen."

VII. DER HINTERHALTVII. DER HINTERHALT

Delvain erwachte aus seiner Trance in diesem Moment, sein Gesicht von der Anstrengung der psionischen Konzentration gezeichnet, aber seine Augen von echter Aufregung erhellt. „Ich habe eine Richtung", sagte er, ohne zunächst die neue, angespannte Situation um ihn herum zu bemerken. „Die Signatur führt nach Nordwesten, tiefer in den Wald, zu einer Struktur, die ich nicht vollständig erfassen kann, aber die eindeutig künstlichen Ursprungs ist."

„Dann lasst uns gehen", sagte der unbekannte Veteran, bevor irgendjemand anders reagieren konnte, seine Stimme von einer Dringlichkeit getragen, die keinen weiteren Verzug duldete.

Sie bewegten sich gemeinsam durch den dichten Wald, eine unwahrscheinliche Sechsergruppe — zwei Ultramarines, ein Scriptor, ein Inquisitor, ein trauernder Veteran und, widerwillig zurückgelassen, Corla Dessarin, die darauf bestanden hatte, zu ihrem Gehöft zurückzukehren, um ihre Familie zu warnen, sollte die Situation eskalieren.

Heraclon führte die Formation mit der gewohnten taktischen Präzision, ständig die Umgebung nach potenziellen Gefahren absuchend, während Torvin, trotz seiner offensichtlichen Unerfahrenheit im Vergleich zu den Astartes um ihn herum, sich mit einer Entschlossenheit bewegte, die von Jahren körperlicher Vorbereitung auf genau diesen Moment sprach — eine Vorbereitung, die, wie Vaas nun erkannte, weit über bloße körperliche Fitness hinausging und tief in eine emotionale Notwendigkeit verwurzelt war, die keiner von ihnen vollständig verstand.

Der Wald selbst trug eine unheimliche, fast zu perfekte Stille, als die Gruppe tiefer vordrang, eine Stille, die Vaas' geschulte Instinkte als Warnung interpretierten, lange bevor die erste konkrete Bedrohung sich manifestierte. Vögel, die zuvor die Baumkronen mit ihrem Gesang gefüllt hatten, verstummten nach und nach, ihre Abwesenheit fast greifbarer als jedes Geräusch es hätte sein können. Selbst der Wind schien sich zu legen, als würde die Umgebung selbst den Atem anhalten, in Erwartung dessen, was als Nächstes geschehen würde.

„Wir werden beobachtet", sagte Delvain leise, kurz bevor die Umgebung um sie herum in kontrolliertes Chaos ausbrach — nicht ein direkter Angriff, sondern eine Reihe präzise koordinierter Störungen: umgestürzte Bäume, die ihren Weg blockierten, subtile akustische Täuschungen, die ihre Orientierung verwirrten, ein plötzlicher, dichter Nebel, der aus versteckten Generatoren aufstieg und ihre Sichtweite auf wenige Meter reduzierte. Torvin, der bis dahin ruhig neben Vaas gegangen war, erstarrte bei den ersten Anzeichen dieser koordinierten Störung, seine Hand instinktiv zu einer Waffe greifend, die er unter seiner improvisierten Rüstung verborgen trug — eine Reaktion, die zwölf Jahre obsessiver Vorbereitung auf genau diesen Moment offenbarte.

„Das ist keine tödliche Falle", rief Heraclon über den entstehenden Lärm, seine Stimme mit der Erfahrung eines Mannes, der bereits einmal Zeuge ähnlicher Taktiken geworden war. „Das ist eine Umleitung. Sie wollen uns trennen, nicht töten."

Vell, dessen Reflexe durch Jahre des Felddienstes geschärft waren, hielt seine Waffe bereit, aber ungezielt, seine Augen den undurchdringlichen Nebel absuchend, während er gleichzeitig versuchte, die Position der übrigen Gruppe im Auge zu behalten. „Wenn das eine kontrollierte Demonstration ist, wie Sie sagen, Hauptmann, dann sollten wir ihrem offensichtlichen Ziel nicht widerstehen", rief er zurück. „Lassen Sie sie tun, was sie beabsichtigen. Widerstand könnte diese kontrollierte Situation in etwas Gefährlicheres verwandeln."

„Einverstanden", erwiderte Heraclon, obwohl seine Stimme die Anspannung eines Mannes verriet, der genau wusste, wie viel Vertrauen dieser Rat in einen Feind erforderte, der seit zehntausend Jahren für seine Täuschungskünste berüchtigt war.

Vaas versuchte, die Formation zusammenzuhalten, seine Stimme über den Lärm rufend, aber der dichte Nebel und die verwirrenden akustischen Täuschungen machten eine koordinierte Reaktion nahezu unmöglich. Er spürte, wie sich eine kalte, wachsende Sorge in ihm festsetzte — nicht um sein eigenes Leben, sondern um das, was geschehen könnte, wenn Torvin, getrieben von zwölf Jahren aufgestauten Zorns, tatsächlich auf den Legionär treffen sollte, bevor kühlere Köpfe die Situation kontrollieren konnten.

Seine Einschätzung erwies sich als korrekt, aber zu spät, um zu verhindern, dass der trauernde Veteran, getrieben von seiner eigenen, unkontrollierten Verzweiflung, sich von der Gruppe löste und tiefer in den Nebel stürzte, seine Stimme sich in einem wütenden Schrei erhebend, der eher an eine Herausforderung als an einen taktischen Vorstoß erinnerte.

„Zeig dich!", brüllte er in die undurchdringliche Weiße. „Zeig dich, du Feigling, der Kinder als Schachfiguren opfert!"

Vaas bewegte sich, um ihm zu folgen, gefolgt von Heraclon, während Vell und Delvain versuchten, die verbleibende Formation zusammenzuhalten, in einem Wald, der sich zunehmend wie ein lebendiges, feindseliges Wesen anfühlte, dessen jede Ecke potenziell eine weitere Täuschung, eine weitere Umleitung barg. Er hörte, hinter sich, Heraclons Stimme, die knappe, präzise Befehle an die verbliebenen Eskortbrüder über den Vox-Kanal übermittelte, während gleichzeitig Vells eigene, geschärfte Sinne die Umgebung nach weiteren Anzeichen der Täuschung absuchten, die sie umgab. Der Nebel um sie herum schien lebendig zu pulsieren, dichter an manchen Stellen, dünner an anderen, ein Muster, das Vaas nicht als natürlich erkennen konnte, egal wie sehr er versuchte, es zu rationalisieren. Zweigeräusche, die von überall und nirgendwo zu kommen schienen, verwirrten seine Orientierung weiter, während er sich durch das dichte Unterholz kämpfte, Torvins Stimme als einzigen verlässlichen Anhaltspunkt in einer Umgebung, die sich zunehmend gegen jede gewöhnliche Navigation zu sträuben schien.

Sie fanden den Veteranen schließlich in einer kleinen Lichtung, umgeben von einem Ring dünner, kaum sichtbarer Energiefelder, die ihn effektiv gefangen hielten, ohne ihn zu verletzen — eine weitere Demonstration jener präzisen, kontrollierten Zurückhaltung, die Vaas bereits auf Eskrador beobachtet hatte.

„Du bist nicht bereit für diese Konfrontation", sagte eine Stimme aus der umgebenden Weiße, ruhig, fast mitfühlend, während sich eine einzelne Gestalt aus dem Nebel löste, ihre Rüstung von derselben tarnungsähnlichen Qualität, die Vaas bereits von der Begegnung auf Eskrador kannte. „Aber du verdienst zumindest die Wahrheit, bevor du weiter in Bitterkeit lebst, die dich innerlich verzehrt."

Delvain erwachte aus seiner Trance in diesem Moment, sein Gesicht von der Anstrengung der psionischen Konzentration gezeichnet, aber seine Augen von echter Aufregung erhellt. „Ich habe eine Richtung", sagte er, ohne zunächst die neue, angespannte Situation um ihn herum zu bemerken. „Die Signatur führt nach Nordwesten, tiefer in den Wald, zu einer Struktur, die ich nicht vollständig erfassen kann, aber die eindeutig künstlichen Ursprungs ist."

„Dann lasst uns gehen", sagte der unbekannte Veteran, bevor irgendjemand anders reagieren konnte, seine Stimme von einer Dringlichkeit getragen, die keinen weiteren Verzug duldete.

Sie bewegten sich gemeinsam durch den dichten Wald, eine unwahrscheinliche Sechsergruppe — zwei Ultramarines, ein Scriptor, ein Inquisitor, ein trauernder Veteran und, widerwillig zurückgelassen, Corla Dessarin, die darauf bestanden hatte, zu ihrem Gehöft zurückzukehren, um ihre Familie zu warnen, sollte die Situation eskalieren.

Heraclon führte die Formation mit der gewohnten taktischen Präzision, ständig die Umgebung nach potenziellen Gefahren absuchend, während Torvin, trotz seiner offensichtlichen Unerfahrenheit im Vergleich zu den Astartes um ihn herum, sich mit einer Entschlossenheit bewegte, die von Jahren körperlicher Vorbereitung auf genau diesen Moment sprach — eine Vorbereitung, die, wie Vaas nun erkannte, weit über bloße körperliche Fitness hinausging und tief in eine emotionale Notwendigkeit verwurzelt war, die keiner von ihnen vollständig verstand.

Der Wald selbst trug eine unheimliche, fast zu perfekte Stille, als die Gruppe tiefer vordrang, eine Stille, die Vaas' geschulte Instinkte als Warnung interpretierten, lange bevor die erste konkrete Bedrohung sich manifestierte. Vögel, die zuvor die Baumkronen mit ihrem Gesang gefüllt hatten, verstummten nach und nach, ihre Abwesenheit fast greifbarer als jedes Geräusch es hätte sein können. Selbst der Wind schien sich zu legen, als würde die Umgebung selbst den Atem anhalten, in Erwartung dessen, was als Nächstes geschehen würde.

„Wir werden beobachtet", sagte Delvain leise, kurz bevor die Umgebung um sie herum in kontrolliertes Chaos ausbrach — nicht ein direkter Angriff, sondern eine Reihe präzise koordinierter Störungen: umgestürzte Bäume, die ihren Weg blockierten, subtile akustische Täuschungen, die ihre Orientierung verwirrten, ein plötzlicher, dichter Nebel, der aus versteckten Generatoren aufstieg und ihre Sichtweite auf wenige Meter reduzierte. Torvin, der bis dahin ruhig neben Vaas gegangen war, erstarrte bei den ersten Anzeichen dieser koordinierten Störung, seine Hand instinktiv zu einer Waffe greifend, die er unter seiner improvisierten Rüstung verborgen trug — eine Reaktion, die zwölf Jahre obsessiver Vorbereitung auf genau diesen Moment offenbarte.

„Das ist keine tödliche Falle", rief Heraclon über den entstehenden Lärm, seine Stimme mit der Erfahrung eines Mannes, der bereits einmal Zeuge ähnlicher Taktiken geworden war. „Das ist eine Umleitung. Sie wollen uns trennen, nicht töten."

Vell, dessen Reflexe durch Jahre des Felddienstes geschärft waren, hielt seine Waffe bereit, aber ungezielt, seine Augen den undurchdringlichen Nebel absuchend, während er gleichzeitig versuchte, die Position der übrigen Gruppe im Auge zu behalten. „Wenn das eine kontrollierte Demonstration ist, wie Sie sagen, Hauptmann, dann sollten wir ihrem offensichtlichen Ziel nicht widerstehen", rief er zurück. „Lassen Sie sie tun, was sie beabsichtigen. Widerstand könnte diese kontrollierte Situation in etwas Gefährlicheres verwandeln."

„Einverstanden", erwiderte Heraclon, obwohl seine Stimme die Anspannung eines Mannes verriet, der genau wusste, wie viel Vertrauen dieser Rat in einen Feind erforderte, der seit zehntausend Jahren für seine Täuschungskünste berüchtigt war.

Vaas versuchte, die Formation zusammenzuhalten, seine Stimme über den Lärm rufend, aber der dichte Nebel und die verwirrenden akustischen Täuschungen machten eine koordinierte Reaktion nahezu unmöglich. Er spürte, wie sich eine kalte, wachsende Sorge in ihm festsetzte — nicht um sein eigenes Leben, sondern um das, was geschehen könnte, wenn Torvin, getrieben von zwölf Jahren aufgestauten Zorns, tatsächlich auf den Legionär treffen sollte, bevor kühlere Köpfe die Situation kontrollieren konnten.

Seine Einschätzung erwies sich als korrekt, aber zu spät, um zu verhindern, dass der trauernde Veteran, getrieben von seiner eigenen, unkontrollierten Verzweiflung, sich von der Gruppe löste und tiefer in den Nebel stürzte, seine Stimme sich in einem wütenden Schrei erhebend, der eher an eine Herausforderung als an einen taktischen Vorstoß erinnerte.

„Zeig dich!", brüllte er in die undurchdringliche Weiße. „Zeig dich, du Feigling, der Kinder als Schachfiguren opfert!"

Vaas bewegte sich, um ihm zu folgen, gefolgt von Heraclon, während Vell und Delvain versuchten, die verbleibende Formation zusammenzuhalten, in einem Wald, der sich zunehmend wie ein lebendiges, feindseliges Wesen anfühlte, dessen jede Ecke potenziell eine weitere Täuschung, eine weitere Umleitung barg. Er hörte, hinter sich, Heraclons Stimme, die knappe, präzise Befehle an die verbliebenen Eskortbrüder über den Vox-Kanal übermittelte, während gleichzeitig Vells eigene, geschärfte Sinne die Umgebung nach weiteren Anzeichen der Täuschung absuchten, die sie umgab. Der Nebel um sie herum schien lebendig zu pulsieren, dichter an manchen Stellen, dünner an anderen, ein Muster, das Vaas nicht als natürlich erkennen konnte, egal wie sehr er versuchte, es zu rationalisieren. Zweigeräusche, die von überall und nirgendwo zu kommen schienen, verwirrten seine Orientierung weiter, während er sich durch das dichte Unterholz kämpfte, Torvins Stimme als einzigen verlässlichen Anhaltspunkt in einer Umgebung, die sich zunehmend gegen jede gewöhnliche Navigation zu sträuben schien.

Sie fanden den Veteranen schließlich in einer kleinen Lichtung, umgeben von einem Ring dünner, kaum sichtbarer Energiefelder, die ihn effektiv gefangen hielten, ohne ihn zu verletzen — eine weitere Demonstration jener präzisen, kontrollierten Zurückhaltung, die Vaas bereits auf Eskrador beobachtet hatte.

„Du bist nicht bereit für diese Konfrontation", sagte eine Stimme aus der umgebenden Weiße, ruhig, fast mitfühlend, während sich eine einzelne Gestalt aus dem Nebel löste, ihre Rüstung von derselben tarnungsähnlichen Qualität, die Vaas bereits von der Begegnung auf Eskrador kannte. „Aber du verdienst zumindest die Wahrheit, bevor du weiter in Bitterkeit lebst, die dich innerlich verzehrt."

VIII. DIE BEGEGNUNGVIII. DIE BEGEGNUNG

Der Nebel begann sich zu lichten, während die Gestalt näher trat, und Vaas erkannte mit wachsender Gewissheit, dass sie es hier nicht mit einem gewöhnlichen Legionär zu tun hatten, sondern mit jemandem, dessen Präsenz eine ähnliche, unbestreitbare Autorität ausstrahlte wie jene, der sie auf Eskrador begegnet waren — vielleicht dieselbe Person, vielleicht eine andere, die dieselbe uralte Rolle innerhalb der Legion einnahm. Seine Rüstung, obwohl von derselben tarnungsähnlichen Technologie geprägt, die sie bereits kannten, trug subtile Unterschiede zu jener, die der Legionär auf Eskrador getragen hatte — kleine, kaum wahrnehmbare Abweichungen im Muster der Panzerplatten, die Vaas' geschultes Auge dennoch registrierte, auch wenn er nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob sie auf eine andere Person oder lediglich auf unterschiedliche taktische Ausrüstung hindeuteten.

„Du", sagte der Veteran, seine Stimme brechend zwischen Wut und einer plötzlichen, überwältigenden Erschöpfung. „Du bist derjenige, der meine Männer sterben ließ."

„Ja", sagte die Gestalt, ohne jede Ausflucht oder Rechtfertigung in der Stimme. „Ich traf diese Entscheidung, vor zwölf Jahren, mit vollem Bewusstsein dessen, was sie kosten würde. Ich werde nicht versuchen, sie dir schönzureden, oder zu behaupten, dass sie leicht war. Aber ich werde dir auch nicht die Wahrheit verweigern, die du seit zwölf Jahren zu suchen scheinst: Deine Männer starben, damit die gesamte Welt lebte. Es gab keinen Weg, diese eine Falle zu umgehen, ohne eine noch größere Katastrophe zuzulassen, die Zehntausende weitere Leben gekostet hätte."

„Das ist eine bequeme Rechnung für denjenigen, der die Entscheidung trifft, aber nicht dafür bezahlt", sagte der Veteran, seine Fäuste geballt, obwohl die umgebenden Energiefelder ihn an jeder physischen Reaktion hinderten.

„Du hast recht." Die Gestalt trat noch näher, ihre Stimme leiser, aber nicht weniger fest. „Ich habe nicht mit meinem eigenen Leben bezahlt, für diese Entscheidung, so wie deine Männer es taten. Das ist eine Last, die ich seit zwölf Jahren trage, zusammen mit tausend ähnlichen Entscheidungen, die sich über zehntausend Jahre erstrecken. Ich behaupte nicht, dass diese Last mich von Schuld befreit. Ich sage nur, dass ich sie nicht leichtfertig getroffen habe, und dass ich jeden einzelnen Namen jener vierzig Männer kenne, obwohl du das vielleicht nicht glauben wirst."

Vaas trat vor, seine eigene Neugier und Vorsicht miteinander ringend. „Bist du derselbe Legionär, dem wir auf Eskrador begegneten?"

Er stellte die Frage mit einer Direktheit, die er selbst überraschend fand, angesichts dessen, was auf dem Spiel stand, sollte die Antwort in die falsche Richtung führen. Aber nach Wochen des Nachdenkens über ihre erste Begegnung auf Eskrador hatte er beschlossen, dass Zurückhaltung selten die Antworten hervorbrachte, die er suchte — eine Lektion, die ihm sein gesamtes Amt als Chronist über vierzig Jahre hinweg beigebracht hatte, auch wenn er sie erst jetzt, konfrontiert mit einem lebenden Rätsel statt bloßen Archiven, vollständig zu verinnerlichen begann.

Die Gestalt wandte sich zu ihm, und für einen Moment glaubte Vaas, unter der Tarnung etwas wie Anerkennung zu sehen. Sie hielt kurz inne, als würde sie die Frage selbst mit größerer Sorgfalt abwägen, als ihre erste Antwort vermuten ließ. „Chronist Vaas. Ich hatte erwartet, dass ihr diesen Faden weiterverfolgen würdet, aber nicht so schnell." Er neigte leicht den Kopf, eine Geste, die zwischen Respekt und vorsichtiger Zurückhaltung lag. „Ob ich derselbe bin oder nicht, ist eine Frage, deren Antwort keine praktische Bedeutung für dich haben sollte. Wir sind viele, und wir sind, auf eine Weise, die ihr vielleicht nie vollständig verstehen werdet, alle derselbe."

„Hydra Dominatus", sagte Vell leise, den alten Schlachtruf der Legion aussprechend, mit einer Mischung aus Furcht und widerwilliger Faszination.

„Genau das, Interrogator." Die Gestalt sah zu ihm, ein Anflug von etwas, das fast wie Belustigung wirkte, in ihrer Haltung erkennbar. „Ihr Ordo-Xenos-Kollegen habt eine Faszination für unsere Legion entwickelt, die selbst mich manchmal überrascht — als würdet ihr hoffen, dass wir der Schlüssel zu jedem xenischen Geheimnis der Galaxie seien, statt nur einer weiteren, fehlbaren Gruppe von Männern, die versuchen, das Richtige zu tun, in einer Galaxie, die selten klare Antworten bietet."

„Ihr habt euch mit der Cabal verbündet", sagte Vell direkt. „Uralte xenische Mächte, deren Ziele mit denen der Menschheit nicht notwendigerweise übereinstimmen. Wie können wir sicher sein, dass eure sogenannte Wohltat nicht letztlich ihren Zielen dient, statt unseren?"

„Das könnt ihr nicht, mit vollständiger Sicherheit." Die Gestalt sah ihn direkt an, ohne jede Ausflucht in der Stimme. „Ich kann euch nur sagen, dass ich, in vierzig Jahren persönlicher Beobachtung, mehr Menschenleben gerettet als geopfert habe, auf dieser einen Welt allein. Ob das genug ist, um euer Misstrauen zu rechtfertigen zu überwinden, ist eure Entscheidung, nicht meine."

„Genau das, Interrogator." Die Gestalt sah zu ihm, ihre Stimme jetzt an alle gerichtet. „Ihr seid hierhergekommen, um Antworten zu finden. Ich werde euch geben, was ich kann, aber ich muss euch warnen — wie schon einmal, wird es nicht die vollständige Gewissheit sein, die ihr euch erhofft."

Der Nebel begann sich zu lichten, während die Gestalt näher trat, und Vaas erkannte mit wachsender Gewissheit, dass sie es hier nicht mit einem gewöhnlichen Legionär zu tun hatten, sondern mit jemandem, dessen Präsenz eine ähnliche, unbestreitbare Autorität ausstrahlte wie jene, der sie auf Eskrador begegnet waren — vielleicht dieselbe Person, vielleicht eine andere, die dieselbe uralte Rolle innerhalb der Legion einnahm. Seine Rüstung, obwohl von derselben tarnungsähnlichen Technologie geprägt, die sie bereits kannten, trug subtile Unterschiede zu jener, die der Legionär auf Eskrador getragen hatte — kleine, kaum wahrnehmbare Abweichungen im Muster der Panzerplatten, die Vaas' geschultes Auge dennoch registrierte, auch wenn er nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob sie auf eine andere Person oder lediglich auf unterschiedliche taktische Ausrüstung hindeuteten.

„Du", sagte der Veteran, seine Stimme brechend zwischen Wut und einer plötzlichen, überwältigenden Erschöpfung. „Du bist derjenige, der meine Männer sterben ließ."

„Ja", sagte die Gestalt, ohne jede Ausflucht oder Rechtfertigung in der Stimme. „Ich traf diese Entscheidung, vor zwölf Jahren, mit vollem Bewusstsein dessen, was sie kosten würde. Ich werde nicht versuchen, sie dir schönzureden, oder zu behaupten, dass sie leicht war. Aber ich werde dir auch nicht die Wahrheit verweigern, die du seit zwölf Jahren zu suchen scheinst: Deine Männer starben, damit die gesamte Welt lebte. Es gab keinen Weg, diese eine Falle zu umgehen, ohne eine noch größere Katastrophe zuzulassen, die Zehntausende weitere Leben gekostet hätte."

„Das ist eine bequeme Rechnung für denjenigen, der die Entscheidung trifft, aber nicht dafür bezahlt", sagte der Veteran, seine Fäuste geballt, obwohl die umgebenden Energiefelder ihn an jeder physischen Reaktion hinderten.

„Du hast recht." Die Gestalt trat noch näher, ihre Stimme leiser, aber nicht weniger fest. „Ich habe nicht mit meinem eigenen Leben bezahlt, für diese Entscheidung, so wie deine Männer es taten. Das ist eine Last, die ich seit zwölf Jahren trage, zusammen mit tausend ähnlichen Entscheidungen, die sich über zehntausend Jahre erstrecken. Ich behaupte nicht, dass diese Last mich von Schuld befreit. Ich sage nur, dass ich sie nicht leichtfertig getroffen habe, und dass ich jeden einzelnen Namen jener vierzig Männer kenne, obwohl du das vielleicht nicht glauben wirst."

Vaas trat vor, seine eigene Neugier und Vorsicht miteinander ringend. „Bist du derselbe Legionär, dem wir auf Eskrador begegneten?"

Er stellte die Frage mit einer Direktheit, die er selbst überraschend fand, angesichts dessen, was auf dem Spiel stand, sollte die Antwort in die falsche Richtung führen. Aber nach Wochen des Nachdenkens über ihre erste Begegnung auf Eskrador hatte er beschlossen, dass Zurückhaltung selten die Antworten hervorbrachte, die er suchte — eine Lektion, die ihm sein gesamtes Amt als Chronist über vierzig Jahre hinweg beigebracht hatte, auch wenn er sie erst jetzt, konfrontiert mit einem lebenden Rätsel statt bloßen Archiven, vollständig zu verinnerlichen begann.

Die Gestalt wandte sich zu ihm, und für einen Moment glaubte Vaas, unter der Tarnung etwas wie Anerkennung zu sehen. Sie hielt kurz inne, als würde sie die Frage selbst mit größerer Sorgfalt abwägen, als ihre erste Antwort vermuten ließ. „Chronist Vaas. Ich hatte erwartet, dass ihr diesen Faden weiterverfolgen würdet, aber nicht so schnell." Er neigte leicht den Kopf, eine Geste, die zwischen Respekt und vorsichtiger Zurückhaltung lag. „Ob ich derselbe bin oder nicht, ist eine Frage, deren Antwort keine praktische Bedeutung für dich haben sollte. Wir sind viele, und wir sind, auf eine Weise, die ihr vielleicht nie vollständig verstehen werdet, alle derselbe."

„Hydra Dominatus", sagte Vell leise, den alten Schlachtruf der Legion aussprechend, mit einer Mischung aus Furcht und widerwilliger Faszination.

„Genau das, Interrogator." Die Gestalt sah zu ihm, ein Anflug von etwas, das fast wie Belustigung wirkte, in ihrer Haltung erkennbar. „Ihr Ordo-Xenos-Kollegen habt eine Faszination für unsere Legion entwickelt, die selbst mich manchmal überrascht — als würdet ihr hoffen, dass wir der Schlüssel zu jedem xenischen Geheimnis der Galaxie seien, statt nur einer weiteren, fehlbaren Gruppe von Männern, die versuchen, das Richtige zu tun, in einer Galaxie, die selten klare Antworten bietet."

„Ihr habt euch mit der Cabal verbündet", sagte Vell direkt. „Uralte xenische Mächte, deren Ziele mit denen der Menschheit nicht notwendigerweise übereinstimmen. Wie können wir sicher sein, dass eure sogenannte Wohltat nicht letztlich ihren Zielen dient, statt unseren?"

„Das könnt ihr nicht, mit vollständiger Sicherheit." Die Gestalt sah ihn direkt an, ohne jede Ausflucht in der Stimme. „Ich kann euch nur sagen, dass ich, in vierzig Jahren persönlicher Beobachtung, mehr Menschenleben gerettet als geopfert habe, auf dieser einen Welt allein. Ob das genug ist, um euer Misstrauen zu rechtfertigen zu überwinden, ist eure Entscheidung, nicht meine."

„Genau das, Interrogator." Die Gestalt sah zu ihm, ihre Stimme jetzt an alle gerichtet. „Ihr seid hierhergekommen, um Antworten zu finden. Ich werde euch geben, was ich kann, aber ich muss euch warnen — wie schon einmal, wird es nicht die vollständige Gewissheit sein, die ihr euch erhofft."

IX. WAS ER WIRKLICH WILLIX. WAS ER WIRKLICH WILL

Sie fanden sich schließlich, nach der Freilassung des Veteranen aus den haltenden Energiefeldern — eine Geste, die der Legionär ohne Zögern ausführte, sobald die unmittelbare Gefahr einer impulsiven Gewalttat vorüber schien —, in einer improvisierten, aber ruhigen Lichtung wieder, wo die Gestalt bereit war, zumindest einen Teil der Fragen zu beantworten, die sie über Wochen der Untersuchung angesammelt hatten. Torvin selbst setzte sich abseits der Gruppe, seine Waffe zwar nicht mehr erhoben, aber seine Haltung noch immer angespannt, während er dem folgenden Gespräch mit einer Aufmerksamkeit zuhörte, die zwischen widerwilligem Interesse und tief verwurzeltem Groll schwankte.

„Warum diese eine Familie?", fragte Vaas. „Warum dreißig Jahre Ressourcen aufwenden, um eine einzelne, unbedeutende Grenzwelt zu schützen, wegen einer einzigen Familie, deren Bedeutung für keinen von uns offensichtlich ist?"

Vell trat ebenfalls näher, seine eigene Neugier die anfängliche professionelle Distanz überwindend. „Und was ist mit den anderen sechzehn dokumentierten Interventionen, die ich in sechs Jahren Ermittlung katalogisiert habe? Wenn Ihre Erklärung sich allein auf eine persönliche Schuld beschränkt, warum dann so viele weitere Rettungen, die keine offensichtliche Verbindung zu dieser einen Familie zu haben scheinen?"

Die Gestalt wandte sich zu ihm, ihre Stimme jetzt von einer Art geduldiger Belehrung getragen, wie ein Lehrer, der eine komplexe Wahrheit einem aufmerksamen, aber noch nicht vollständig informierten Schüler erklärt. „Weil ein Eid, einmal geschworen, selten in Isolation existiert, Interrogator. Um diese eine Familie zu schützen, musste ich die gesamte Welt stabil halten, in der sie lebt. Um diese Welt zu schützen, musste ich Handelsrouten sichern, politische Strukturen stabilisieren, Bedrohungen neutralisieren, die scheinbar nichts mit meiner ursprünglichen Verpflichtung zu tun hatten, aber die, bei genauerer Betrachtung, alle Teil desselben, sich ausbreitenden Netzes von Konsequenzen waren."

„Ein einziger Eid, der sich zu dreißig Jahren stiller Kriegsführung ausweitete", sagte Vaas langsam, die Implikationen verarbeitend.

„Genau das." Die Gestalt nickte. „Das ist es, was die meisten außerhalb unserer Legion nie verstehen: Wir wählen unsere Verpflichtungen selten leichtfertig, gerade weil wir wissen, wie weit ihre Konsequenzen reichen können, sobald sie einmal eingegangen sind."

Heraclon, der bisher überwiegend zugehört hatte, stellte schließlich eine eigene, pragmatischere Frage. „Was geschieht, wenn du stirbst? Zehntausend Jahre haben dich offensichtlich nicht unsterblich gemacht, wie es bei einem Primarchen der Fall wäre. Wer setzt deinen Eid fort, sollte dir etwas zustoßen?"

„Eine faire Sorge, Hauptmann, die ich selbst oft erwäge." Die Gestalt sah zu Corla, die während des gesamten Gesprächs schweigend zugehört hatte, ihre Augen von einer Mischung aus Furcht und wachsendem Verständnis gezeichnet. „Ich habe Vorkehrungen getroffen, für den Fall meines Todes — Informationen, die bei vertrauenswürdigen Kontakten hinterlegt sind, die aktiviert würden, sollte ich nicht mehr in der Lage sein, meine Pflicht zu erfüllen. Aber ich werde nicht leugnen, dass diese Vorkehrungen unvollkommen sind, verglichen mit meiner eigenen, fortgesetzten Wachsamkeit."

Die Gestalt schwieg lange, bevor sie antwortete, und als sie es tat, trug ihre Stimme eine Schwere, die über bloße taktische Erklärung hinausging. „Weil ich der Familie, aus der die Dessarins abstammen, vor über vierzig Jahren einen Eid schwor — nicht als Alpha-Legion-Operativ, sondern als ein Mann, der eine Schuld gegenüber ihrem ursprünglichen Vorfahren trug, die keine taktische Berechnung je vollständig hätte erklären können." Er sah zu Vell, dessen genealogische Nachforschungen offensichtlich näher an die Wahrheit gekommen waren, als selbst er vermutet hatte. „Ihre Ur-Urgroßmutter rettete mein Leben, während einer Mission, die lange vor dem Beginn dieses Zeitalters lag, ohne zu wissen, wen sie rettete, ohne jede Erwartung einer Belohnung. Sie fand mich, verwundet, fast tot, in den Trümmern einer zerstörten Siedlung, und pflegte mich gesund, mit einer Freundlichkeit, die keine der zehntausend Jahre, die seither vergangen sind, je vollständig aus meinem Gedächtnis gelöscht hat."

„Was geschah mit ihr, nachdem sie Ihnen half?", fragte Corla leise, ihre eigene Neugier über die Ursprünge ihrer Familie die anfängliche Furcht überwindend.

„Sie starb, Jahre später, an einer gewöhnlichen Krankheit, wie sie jeden Menschen ereilen kann, der nicht das Glück oder den Fluch trägt, ein Astartes zu sein." Die Stimme der Gestalt trug eine Traurigkeit, die selbst nach den vielen Jahrhunderten, die seither vergangen sein mussten, nicht vollständig verblasst war. „Ich konnte nicht bei ihr sein, in jenen letzten Tagen — meine Pflichten führten mich zu weit entfernten Kriegsschauplätzen. Aber ich schwor mir, in jener Nacht, als ich von ihrem Tod erfuhr, dass ihre Nachkommen nie wieder ohne Schutz sein würden, so lange ich lebte, um ihn zu bieten."

„Und du hast diesen Eid all die Jahre gehalten", sagte Heraclon, eine unerwartete Note von Respekt in seiner Stimme.

„Ich halte jeden Eid, den ich je geschworen habe, Hauptmann, so unvereinbar das mit dem Bild erscheinen mag, das eure eigene Chronik von meiner Legion zeichnet." Die Gestalt wandte sich vollständig zu ihnen, ihre Haltung jetzt offener, weniger von der defensiven Zurückhaltung geprägt, die ihre erste Begegnung dominiert hatte. „Das ist es, was die meisten außerhalb unserer Legion nie verstehen werden: Wir sind nicht formlos, nicht ohne Prinzipien, nur weil unsere Methoden Täuschung und Verborgenheit erfordern. Jeder von uns trägt eigene, persönliche Verpflichtungen, die manchmal über Jahrzehnte, manchmal über Jahrtausende reichen — Verpflichtungen, die wir mit derselben Hartnäckigkeit verfolgen, mit der eure eigenen Orden ihre öffentlichen Eide verfolgen."

„Aber du hast vierzig Männer geopfert, um diese Verpflichtung zu erfüllen", sagte der Veteran, seine Stimme jetzt leiser, weniger von reiner Wut getragen, aber noch immer von tiefem Schmerz gezeichnet.

„Ja." Die Gestalt wandte sich ihm direkt zu, ihre Stimme jetzt von einer Schwere getragen, die selbst Torvins tief verwurzelte Bitterkeit für einen Moment zum Schweigen brachte. „Und ich will dir etwas sagen, das ich noch niemandem außerhalb meiner eigenen Legion gesagt habe: Ich kannte die Namen deiner Männer, bevor die Schlacht begann. Ich studierte ihre Akten, ihre Familien, ihre Hoffnungen, weil ich glaubte — glaube noch immer —, dass eine Entscheidung dieser Tragweite niemals leichtfertig getroffen werden darf, auch wenn sie am Ende unvermeidlich erscheint. Ich erinnere mich an Korporal Dessin Vahl, der eine schwangere Frau zurückließ. An Trooper Alden Marsh, der drei jüngere Geschwister ernährte. Ich trage diese Namen, Torvin Halle, so wie du sie trägst, auch wenn meine Last sich in tausend anderen, ähnlichen Entscheidungen verteilt, die über Jahrtausende reichen."

Torvins Gesicht verzog sich, eine komplexe Mischung aus Ungläubigkeit und einem widerwilligen, schmerzhaften Anerkennen. „Woher — wie könnt Ihr das wissen?"

„Weil es meine Pflicht ist, es zu wissen, bevor ich über ein Leben entscheide, das ich zu opfern bereit bin." Die Gestalt senkte leicht den Kopf, eine Geste, die fast wie eine Verbeugung wirkte. „Das macht die Entscheidung nicht leichter zu ertragen, für dich oder für mich. Aber ich wollte, dass du weißt, dass ihr Tod nicht anonym war, in meinen Augen — dass jeder von ihnen ein Name, ein Leben, eine Geschichte war, die ich mit vollem Bewusstsein opferte, nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus der schlichten, unerträglichen Notwendigkeit, eine noch größere Zahl zu retten."

„Ja." Die Gestalt wandte sich ihm direkt zu. „Und ich werde diese Entscheidung tragen, so lange ich existiere, so wie ich jede ähnliche Entscheidung trage, die ich in zehntausend Jahren treffen musste. Ich biete dir keine Absolution an, weil ich keine besitze, die ich geben könnte. Ich biete dir nur die Wahrheit, so unvollständig sie auch bleibt: Deine Männer starben nicht bedeutungslos. Ihr Tod kaufte das Überleben von über zweihunderttausend Menschen auf dieser Welt, einschließlich der Familie, der ich meinen Eid schwor. Ob das genug ist, um ihren Verlust zu rechtfertigen — das ist eine Frage, die nur du selbst beantworten kannst, nicht ich."

Sie fanden sich schließlich, nach der Freilassung des Veteranen aus den haltenden Energiefeldern — eine Geste, die der Legionär ohne Zögern ausführte, sobald die unmittelbare Gefahr einer impulsiven Gewalttat vorüber schien —, in einer improvisierten, aber ruhigen Lichtung wieder, wo die Gestalt bereit war, zumindest einen Teil der Fragen zu beantworten, die sie über Wochen der Untersuchung angesammelt hatten. Torvin selbst setzte sich abseits der Gruppe, seine Waffe zwar nicht mehr erhoben, aber seine Haltung noch immer angespannt, während er dem folgenden Gespräch mit einer Aufmerksamkeit zuhörte, die zwischen widerwilligem Interesse und tief verwurzeltem Groll schwankte.

„Warum diese eine Familie?", fragte Vaas. „Warum dreißig Jahre Ressourcen aufwenden, um eine einzelne, unbedeutende Grenzwelt zu schützen, wegen einer einzigen Familie, deren Bedeutung für keinen von uns offensichtlich ist?"

Vell trat ebenfalls näher, seine eigene Neugier die anfängliche professionelle Distanz überwindend. „Und was ist mit den anderen sechzehn dokumentierten Interventionen, die ich in sechs Jahren Ermittlung katalogisiert habe? Wenn Ihre Erklärung sich allein auf eine persönliche Schuld beschränkt, warum dann so viele weitere Rettungen, die keine offensichtliche Verbindung zu dieser einen Familie zu haben scheinen?"

Die Gestalt wandte sich zu ihm, ihre Stimme jetzt von einer Art geduldiger Belehrung getragen, wie ein Lehrer, der eine komplexe Wahrheit einem aufmerksamen, aber noch nicht vollständig informierten Schüler erklärt. „Weil ein Eid, einmal geschworen, selten in Isolation existiert, Interrogator. Um diese eine Familie zu schützen, musste ich die gesamte Welt stabil halten, in der sie lebt. Um diese Welt zu schützen, musste ich Handelsrouten sichern, politische Strukturen stabilisieren, Bedrohungen neutralisieren, die scheinbar nichts mit meiner ursprünglichen Verpflichtung zu tun hatten, aber die, bei genauerer Betrachtung, alle Teil desselben, sich ausbreitenden Netzes von Konsequenzen waren."

„Ein einziger Eid, der sich zu dreißig Jahren stiller Kriegsführung ausweitete", sagte Vaas langsam, die Implikationen verarbeitend.

„Genau das." Die Gestalt nickte. „Das ist es, was die meisten außerhalb unserer Legion nie verstehen: Wir wählen unsere Verpflichtungen selten leichtfertig, gerade weil wir wissen, wie weit ihre Konsequenzen reichen können, sobald sie einmal eingegangen sind."

Heraclon, der bisher überwiegend zugehört hatte, stellte schließlich eine eigene, pragmatischere Frage. „Was geschieht, wenn du stirbst? Zehntausend Jahre haben dich offensichtlich nicht unsterblich gemacht, wie es bei einem Primarchen der Fall wäre. Wer setzt deinen Eid fort, sollte dir etwas zustoßen?"

„Eine faire Sorge, Hauptmann, die ich selbst oft erwäge." Die Gestalt sah zu Corla, die während des gesamten Gesprächs schweigend zugehört hatte, ihre Augen von einer Mischung aus Furcht und wachsendem Verständnis gezeichnet. „Ich habe Vorkehrungen getroffen, für den Fall meines Todes — Informationen, die bei vertrauenswürdigen Kontakten hinterlegt sind, die aktiviert würden, sollte ich nicht mehr in der Lage sein, meine Pflicht zu erfüllen. Aber ich werde nicht leugnen, dass diese Vorkehrungen unvollkommen sind, verglichen mit meiner eigenen, fortgesetzten Wachsamkeit."

Die Gestalt schwieg lange, bevor sie antwortete, und als sie es tat, trug ihre Stimme eine Schwere, die über bloße taktische Erklärung hinausging. „Weil ich der Familie, aus der die Dessarins abstammen, vor über vierzig Jahren einen Eid schwor — nicht als Alpha-Legion-Operativ, sondern als ein Mann, der eine Schuld gegenüber ihrem ursprünglichen Vorfahren trug, die keine taktische Berechnung je vollständig hätte erklären können." Er sah zu Vell, dessen genealogische Nachforschungen offensichtlich näher an die Wahrheit gekommen waren, als selbst er vermutet hatte. „Ihre Ur-Urgroßmutter rettete mein Leben, während einer Mission, die lange vor dem Beginn dieses Zeitalters lag, ohne zu wissen, wen sie rettete, ohne jede Erwartung einer Belohnung. Sie fand mich, verwundet, fast tot, in den Trümmern einer zerstörten Siedlung, und pflegte mich gesund, mit einer Freundlichkeit, die keine der zehntausend Jahre, die seither vergangen sind, je vollständig aus meinem Gedächtnis gelöscht hat."

„Was geschah mit ihr, nachdem sie Ihnen half?", fragte Corla leise, ihre eigene Neugier über die Ursprünge ihrer Familie die anfängliche Furcht überwindend.

„Sie starb, Jahre später, an einer gewöhnlichen Krankheit, wie sie jeden Menschen ereilen kann, der nicht das Glück oder den Fluch trägt, ein Astartes zu sein." Die Stimme der Gestalt trug eine Traurigkeit, die selbst nach den vielen Jahrhunderten, die seither vergangen sein mussten, nicht vollständig verblasst war. „Ich konnte nicht bei ihr sein, in jenen letzten Tagen — meine Pflichten führten mich zu weit entfernten Kriegsschauplätzen. Aber ich schwor mir, in jener Nacht, als ich von ihrem Tod erfuhr, dass ihre Nachkommen nie wieder ohne Schutz sein würden, so lange ich lebte, um ihn zu bieten."

„Und du hast diesen Eid all die Jahre gehalten", sagte Heraclon, eine unerwartete Note von Respekt in seiner Stimme.

„Ich halte jeden Eid, den ich je geschworen habe, Hauptmann, so unvereinbar das mit dem Bild erscheinen mag, das eure eigene Chronik von meiner Legion zeichnet." Die Gestalt wandte sich vollständig zu ihnen, ihre Haltung jetzt offener, weniger von der defensiven Zurückhaltung geprägt, die ihre erste Begegnung dominiert hatte. „Das ist es, was die meisten außerhalb unserer Legion nie verstehen werden: Wir sind nicht formlos, nicht ohne Prinzipien, nur weil unsere Methoden Täuschung und Verborgenheit erfordern. Jeder von uns trägt eigene, persönliche Verpflichtungen, die manchmal über Jahrzehnte, manchmal über Jahrtausende reichen — Verpflichtungen, die wir mit derselben Hartnäckigkeit verfolgen, mit der eure eigenen Orden ihre öffentlichen Eide verfolgen."

„Aber du hast vierzig Männer geopfert, um diese Verpflichtung zu erfüllen", sagte der Veteran, seine Stimme jetzt leiser, weniger von reiner Wut getragen, aber noch immer von tiefem Schmerz gezeichnet.

„Ja." Die Gestalt wandte sich ihm direkt zu, ihre Stimme jetzt von einer Schwere getragen, die selbst Torvins tief verwurzelte Bitterkeit für einen Moment zum Schweigen brachte. „Und ich will dir etwas sagen, das ich noch niemandem außerhalb meiner eigenen Legion gesagt habe: Ich kannte die Namen deiner Männer, bevor die Schlacht begann. Ich studierte ihre Akten, ihre Familien, ihre Hoffnungen, weil ich glaubte — glaube noch immer —, dass eine Entscheidung dieser Tragweite niemals leichtfertig getroffen werden darf, auch wenn sie am Ende unvermeidlich erscheint. Ich erinnere mich an Korporal Dessin Vahl, der eine schwangere Frau zurückließ. An Trooper Alden Marsh, der drei jüngere Geschwister ernährte. Ich trage diese Namen, Torvin Halle, so wie du sie trägst, auch wenn meine Last sich in tausend anderen, ähnlichen Entscheidungen verteilt, die über Jahrtausende reichen."

Torvins Gesicht verzog sich, eine komplexe Mischung aus Ungläubigkeit und einem widerwilligen, schmerzhaften Anerkennen. „Woher — wie könnt Ihr das wissen?"

„Weil es meine Pflicht ist, es zu wissen, bevor ich über ein Leben entscheide, das ich zu opfern bereit bin." Die Gestalt senkte leicht den Kopf, eine Geste, die fast wie eine Verbeugung wirkte. „Das macht die Entscheidung nicht leichter zu ertragen, für dich oder für mich. Aber ich wollte, dass du weißt, dass ihr Tod nicht anonym war, in meinen Augen — dass jeder von ihnen ein Name, ein Leben, eine Geschichte war, die ich mit vollem Bewusstsein opferte, nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus der schlichten, unerträglichen Notwendigkeit, eine noch größere Zahl zu retten."

„Ja." Die Gestalt wandte sich ihm direkt zu. „Und ich werde diese Entscheidung tragen, so lange ich existiere, so wie ich jede ähnliche Entscheidung trage, die ich in zehntausend Jahren treffen musste. Ich biete dir keine Absolution an, weil ich keine besitze, die ich geben könnte. Ich biete dir nur die Wahrheit, so unvollständig sie auch bleibt: Deine Männer starben nicht bedeutungslos. Ihr Tod kaufte das Überleben von über zweihunderttausend Menschen auf dieser Welt, einschließlich der Familie, der ich meinen Eid schwor. Ob das genug ist, um ihren Verlust zu rechtfertigen — das ist eine Frage, die nur du selbst beantworten kannst, nicht ich."

X. DIE WAHLX. DIE WAHL

Der Veteran stand lange schweigend da, seine Fäuste sich langsam öffnend, während die rohe, jahrelang genährte Wut in seinem Gesicht allmählich einer tieferen, komplizierteren Trauer wich. Vaas beobachtete diese Wandlung mit einer stillen, tiefen Anteilnahme, erkennend, dass er Zeuge eines Prozesses wurde, der weit über die unmittelbare Situation hinausging — ein Mann, der zwölf Jahre lang einen einzigen, klaren Feind gesucht hatte, nur um festzustellen, dass die Wahrheit weitaus komplizierter, weitaus schwerer zu hassen war, als er es sich je vorgestellt hatte.

„Ich weiß nicht, ob ich dir vergeben kann", sagte er schließlich, seine Stimme brüchig. „Ich weiß nicht einmal, ob Vergebung das ist, was ich hier suche."

Vaas beobachtete diesen Moment mit einer stillen, tiefen Bewegtheit, erkennend, dass er Zeuge einer Art von Heilung wurde, die keine Doktrin, kein Codex je hätte verschreiben können — nicht die vollständige Auflösung von Schmerz, sondern eine Verschiebung in der Art, wie dieser Schmerz getragen wurde, von einer lähmenden Last zu etwas, das, wenn auch immer noch schwer, zumindest nicht mehr die gesamte Existenz eines Mannes zu verzehren drohte.

„Das musst du auch nicht", sagte die Gestalt sanft. „Ich verlange keine Vergebung von dir. Ich schulde dir nur die Wahrheit, die ich dir gerade gegeben habe, und die Anerkennung, dass dein Schmerz real ist, ungeachtet der Berechnung, die zu ihm führte."

Heraclon trat ebenfalls vor, seine Aufmerksamkeit zwischen Torvin und der Gestalt geteilt. „Ich muss dich etwas fragen, das mich seit Beginn dieser Begegnung beschäftigt", sagte er. „Wie viele weitere Torvin Halles gibt es, über die gesamte Galaxie verteilt? Wie viele weitere Männer und Frauen tragen ähnliche Lasten, wegen ähnlicher Entscheidungen, die deine Legion getroffen hat, ohne dass sie je die Gelegenheit erhielten, die Wahrheit zu hören, die wir heute hier erhalten haben?"

Die Gestalt schwieg lange, bevor sie antwortete, und als sie es tat, trug ihre Stimme ein Gewicht, das über die unmittelbare Situation hinausging. „Mehr, als ich zählen kann, Hauptmann. Das ist die Last, die ich trage, und die jeder meiner Brüder auf seine eigene Weise trägt — dass unsere notwendigen Entscheidungen selten die Gelegenheit zur vollständigen Erklärung finden, die Torvin heute erhalten hat. Die meisten sterben, oder leben weiter, ohne je zu erfahren, warum das Schicksal sie auf diese besondere, grausame Weise traf."

Vell trat vor, seine Inquisitor-Ausbildung ihn zu einer pragmatischeren Frage lenkend, während die emotionale Konfrontation sich langsam auflöste. Er hatte während des gesamten Austauschs zwischen Torvin und der Gestalt geschwiegen, seine professionelle Distanz bewusst gewahrt, obwohl Vaas bemerkt hatte, wie auch er von der Aufrichtigkeit der Konfrontation berührt worden war. „Was geschieht jetzt? Wir könnten dich hier und jetzt festnehmen, dich meinem eigenen Orden zur Interrogation übergeben. Deine Informationen über die Cabal, über die tatsächlichen Ziele deiner Legion, wären von unschätzbarem Wert."

„Ihr könntet es versuchen", sagte die Gestalt, ohne jede sichtbare Furcht in der Stimme. „Aber ihr würdet feststellen, dass ich mich nicht so leicht festnehmen lasse, wie es scheinen mag, und dass jeder Versuch, mich zu zwingen, wahrscheinlich mehr Schaden anrichten würde, als die gewonnenen Informationen je wert wären. Ich biete euch stattdessen eine andere Wahl: Lasst mich meine Arbeit fortsetzen, unbehelligt, so wie ich es seit vierzig Jahren getan habe, im Wissen, dass diese Arbeit, so unvollkommen und kostspielig sie manchmal ist, tatsächlich Leben rettet, die sonst verloren wären."

„Und wenn wir das nicht können?", fragte Heraclon. „Wenn unsere Pflicht uns gebietet, dich zu ergreifen, ungeachtet der Konsequenzen?"

Die Gestalt betrachtete Heraclon lange, mit einer Ruhe, die weder Trotz noch Angst verriet. „Dann werde ich tun, was jeder Alpha-Legion-Legionär in einer solchen Situation tun würde, Hauptmann — ich werde verschwinden, so gründlich und so schnell, dass eure gesamte Streitmacht, mobilisiert mit vollem Wissen dessen, was ihr sucht, mich dennoch nicht finden wird, es sei denn, ich wähle, gefunden zu werden. Das ist keine Prahlerei. Das ist die schlichte Realität von zehntausend Jahren Erfahrung im Vermeiden genau solcher Konfrontationen."

„Dann werdet ihr tun, was ihr tun müsst, und ich werde nicht gegen euch kämpfen, es sei denn, mein eigenes Überleben hängt unmittelbar davon ab." Die Gestalt sah zwischen allen Anwesenden hin und her, ihre Haltung eine seltsame Mischung aus Gelassenheit und tiefer, uralter Müdigkeit. „Aber bevor ihr diese Entscheidung trefft, denkt an das, was ihr auf dieser Welt gesehen habt — an eine Bevölkerung, die dreißig Jahre lang überlebte, wegen Handlungen, die eure eigene Doktrin als Verrat bezeichnen würde. Fragt euch, wem eure Pflicht wirklich dient: der reinen Buchstaben eures Codex, oder dem tatsächlichen Überleben derer, die ihr zu schützen geschworen habt?"

Heraclon trat vor, seine Stimme mit der vollen Autorität seines Ranges, aber auch mit einer Nachdenklichkeit, die selten in seinem üblichen Kommandoton mitschwang. „Ich habe in meiner Laufbahn gelernt, dass die schwersten Entscheidungen selten jene sind, bei denen die richtige Antwort klar ist. Diese Entscheidung gehört zu jenen, die ich nicht allein treffen möchte, aber ich glaube, keiner von uns hier besitzt die Autorität, um sie vollständig zu treffen."

Vaas sah zu Heraclon, dann zu Vell, spürte, wie die Last dieser Entscheidung sich auf eine Weise verteilte, die keiner von ihnen allein tragen sollte. „Ich glaube", sagte er schließlich, „dass wir heute nicht die Autorität besitzen, über das endgültige Schicksal dessen zu urteilen, was wir hier entdeckt haben. Aber ich glaube auch, dass eine überstürzte Festnahme, hier, jetzt, mehr zerstören würde, als sie zu bewahren vermag."

Die Gestalt nickte langsam, eine stille Anerkennung dieser Entscheidung, bevor sie sich an Torvin wandte, der noch immer am Rand der Lichtung stand, sein Gesicht von unzähligen widerstreitenden Gefühlen gezeichnet. „Und du, Sergeant Halle? Was ist deine Entscheidung?"

Torvin schwieg lange, sein Blick zwischen der Gestalt und den übrigen Anwesenden wandernd. „Ich werde dich nicht heute töten", sagte er schließlich, seine Stimme brüchig, aber gefasst. „Nicht, weil ich dir vergeben habe. Sondern weil ich erkannt habe, dass Rache mir nicht zurückgeben würde, was ich verloren habe, egal wie sehr ich es mir gewünscht habe, all diese Jahre."

Der Veteran stand lange schweigend da, seine Fäuste sich langsam öffnend, während die rohe, jahrelang genährte Wut in seinem Gesicht allmählich einer tieferen, komplizierteren Trauer wich. Vaas beobachtete diese Wandlung mit einer stillen, tiefen Anteilnahme, erkennend, dass er Zeuge eines Prozesses wurde, der weit über die unmittelbare Situation hinausging — ein Mann, der zwölf Jahre lang einen einzigen, klaren Feind gesucht hatte, nur um festzustellen, dass die Wahrheit weitaus komplizierter, weitaus schwerer zu hassen war, als er es sich je vorgestellt hatte.

„Ich weiß nicht, ob ich dir vergeben kann", sagte er schließlich, seine Stimme brüchig. „Ich weiß nicht einmal, ob Vergebung das ist, was ich hier suche."

Vaas beobachtete diesen Moment mit einer stillen, tiefen Bewegtheit, erkennend, dass er Zeuge einer Art von Heilung wurde, die keine Doktrin, kein Codex je hätte verschreiben können — nicht die vollständige Auflösung von Schmerz, sondern eine Verschiebung in der Art, wie dieser Schmerz getragen wurde, von einer lähmenden Last zu etwas, das, wenn auch immer noch schwer, zumindest nicht mehr die gesamte Existenz eines Mannes zu verzehren drohte.

„Das musst du auch nicht", sagte die Gestalt sanft. „Ich verlange keine Vergebung von dir. Ich schulde dir nur die Wahrheit, die ich dir gerade gegeben habe, und die Anerkennung, dass dein Schmerz real ist, ungeachtet der Berechnung, die zu ihm führte."

Heraclon trat ebenfalls vor, seine Aufmerksamkeit zwischen Torvin und der Gestalt geteilt. „Ich muss dich etwas fragen, das mich seit Beginn dieser Begegnung beschäftigt", sagte er. „Wie viele weitere Torvin Halles gibt es, über die gesamte Galaxie verteilt? Wie viele weitere Männer und Frauen tragen ähnliche Lasten, wegen ähnlicher Entscheidungen, die deine Legion getroffen hat, ohne dass sie je die Gelegenheit erhielten, die Wahrheit zu hören, die wir heute hier erhalten haben?"

Die Gestalt schwieg lange, bevor sie antwortete, und als sie es tat, trug ihre Stimme ein Gewicht, das über die unmittelbare Situation hinausging. „Mehr, als ich zählen kann, Hauptmann. Das ist die Last, die ich trage, und die jeder meiner Brüder auf seine eigene Weise trägt — dass unsere notwendigen Entscheidungen selten die Gelegenheit zur vollständigen Erklärung finden, die Torvin heute erhalten hat. Die meisten sterben, oder leben weiter, ohne je zu erfahren, warum das Schicksal sie auf diese besondere, grausame Weise traf."

Vell trat vor, seine Inquisitor-Ausbildung ihn zu einer pragmatischeren Frage lenkend, während die emotionale Konfrontation sich langsam auflöste. Er hatte während des gesamten Austauschs zwischen Torvin und der Gestalt geschwiegen, seine professionelle Distanz bewusst gewahrt, obwohl Vaas bemerkt hatte, wie auch er von der Aufrichtigkeit der Konfrontation berührt worden war. „Was geschieht jetzt? Wir könnten dich hier und jetzt festnehmen, dich meinem eigenen Orden zur Interrogation übergeben. Deine Informationen über die Cabal, über die tatsächlichen Ziele deiner Legion, wären von unschätzbarem Wert."

„Ihr könntet es versuchen", sagte die Gestalt, ohne jede sichtbare Furcht in der Stimme. „Aber ihr würdet feststellen, dass ich mich nicht so leicht festnehmen lasse, wie es scheinen mag, und dass jeder Versuch, mich zu zwingen, wahrscheinlich mehr Schaden anrichten würde, als die gewonnenen Informationen je wert wären. Ich biete euch stattdessen eine andere Wahl: Lasst mich meine Arbeit fortsetzen, unbehelligt, so wie ich es seit vierzig Jahren getan habe, im Wissen, dass diese Arbeit, so unvollkommen und kostspielig sie manchmal ist, tatsächlich Leben rettet, die sonst verloren wären."

„Und wenn wir das nicht können?", fragte Heraclon. „Wenn unsere Pflicht uns gebietet, dich zu ergreifen, ungeachtet der Konsequenzen?"

Die Gestalt betrachtete Heraclon lange, mit einer Ruhe, die weder Trotz noch Angst verriet. „Dann werde ich tun, was jeder Alpha-Legion-Legionär in einer solchen Situation tun würde, Hauptmann — ich werde verschwinden, so gründlich und so schnell, dass eure gesamte Streitmacht, mobilisiert mit vollem Wissen dessen, was ihr sucht, mich dennoch nicht finden wird, es sei denn, ich wähle, gefunden zu werden. Das ist keine Prahlerei. Das ist die schlichte Realität von zehntausend Jahren Erfahrung im Vermeiden genau solcher Konfrontationen."

„Dann werdet ihr tun, was ihr tun müsst, und ich werde nicht gegen euch kämpfen, es sei denn, mein eigenes Überleben hängt unmittelbar davon ab." Die Gestalt sah zwischen allen Anwesenden hin und her, ihre Haltung eine seltsame Mischung aus Gelassenheit und tiefer, uralter Müdigkeit. „Aber bevor ihr diese Entscheidung trefft, denkt an das, was ihr auf dieser Welt gesehen habt — an eine Bevölkerung, die dreißig Jahre lang überlebte, wegen Handlungen, die eure eigene Doktrin als Verrat bezeichnen würde. Fragt euch, wem eure Pflicht wirklich dient: der reinen Buchstaben eures Codex, oder dem tatsächlichen Überleben derer, die ihr zu schützen geschworen habt?"

Heraclon trat vor, seine Stimme mit der vollen Autorität seines Ranges, aber auch mit einer Nachdenklichkeit, die selten in seinem üblichen Kommandoton mitschwang. „Ich habe in meiner Laufbahn gelernt, dass die schwersten Entscheidungen selten jene sind, bei denen die richtige Antwort klar ist. Diese Entscheidung gehört zu jenen, die ich nicht allein treffen möchte, aber ich glaube, keiner von uns hier besitzt die Autorität, um sie vollständig zu treffen."

Vaas sah zu Heraclon, dann zu Vell, spürte, wie die Last dieser Entscheidung sich auf eine Weise verteilte, die keiner von ihnen allein tragen sollte. „Ich glaube", sagte er schließlich, „dass wir heute nicht die Autorität besitzen, über das endgültige Schicksal dessen zu urteilen, was wir hier entdeckt haben. Aber ich glaube auch, dass eine überstürzte Festnahme, hier, jetzt, mehr zerstören würde, als sie zu bewahren vermag."

Die Gestalt nickte langsam, eine stille Anerkennung dieser Entscheidung, bevor sie sich an Torvin wandte, der noch immer am Rand der Lichtung stand, sein Gesicht von unzähligen widerstreitenden Gefühlen gezeichnet. „Und du, Sergeant Halle? Was ist deine Entscheidung?"

Torvin schwieg lange, sein Blick zwischen der Gestalt und den übrigen Anwesenden wandernd. „Ich werde dich nicht heute töten", sagte er schließlich, seine Stimme brüchig, aber gefasst. „Nicht, weil ich dir vergeben habe. Sondern weil ich erkannt habe, dass Rache mir nicht zurückgeben würde, was ich verloren habe, egal wie sehr ich es mir gewünscht habe, all diese Jahre."

XI. DAS OFFENE ENDEXI. DAS OFFENE ENDE

Vell war der Letzte, der seine Zustimmung zu diesem stillschweigenden Kompromiss gab, sein Gesicht von einem inneren Kampf gezeichnet, der seine gesamte sechsjährige Ermittlung infrage stellte. „Ich habe sechs Jahre meines Lebens dieser Jagd gewidmet", sagte er schließlich, seine Stimme belastet mit der Schwere dieses Zugeständnisses. „Und jetzt, wo ich endlich mein Ziel erreicht habe, finde ich mich nicht in der Lage, es zu vollenden, wie ich es mir all die Jahre vorgestellt hatte. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion, die diese Legion lehrt, ob absichtlich oder nicht — dass die einfachen Antworten, nach denen wir suchen, selten die sind, die wir am Ende finden."

Sie ließen die Gestalt schließlich ziehen, mit demselben unbehaglichen, aber notwendigen Kompromiss, den sie bereits auf Eskrador gefunden hatten — keine Festnahme, keine endgültige Aufklärung, sondern eine stillschweigende Übereinkunft, dass manche Wahrheiten zu groß waren, um in einem einzigen Moment, an einem einzigen Ort, vollständig entschieden zu werden.

„Ich werde diese Welt weiterhin beschützen", sagte die Gestalt, bevor sie sich zum Gehen wandte, ihre Worte an alle Anwesenden gerichtet. „So wie ich es seit vierzig Jahren getan habe, und so wie andere meiner Legion an tausend anderen Orten dasselbe tun, aus Gründen, die so vielfältig sind wie die Individuen, die sie verfolgen. Wenn ihr diese Wahrheit euren jeweiligen Vorgesetzten berichtet, dann tut es mit dem vollen Wissen dessen, was ihr hier gesehen habt — nicht nur die Täuschung, für die unsere Legion berüchtigt ist, sondern auch das, was diese Täuschung manchmal ermöglicht."

Delvain trat vor, seine eigene Frage an die verschwindende Gestalt richtend, bevor diese vollständig außer Hörweite war. „Werden wir uns wiedersehen?"

Die Gestalt hielt kurz inne, ihre Silhouette bereits halb im Dickicht verschwunden. „Das liegt nicht allein in meiner Hand, Scriptor. Aber ich vermute, ja — Geschichten wie diese enden selten wirklich, sie ruhen nur, bis die Umstände sie erneut wecken."

Bevor sie vollständig im Dickicht verschwand, hielt die Gestalt noch einmal inne, sich zu Vaas wendend mit einer Direktheit, die ihn überraschte. „Ein letztes Wort, Chronist, bevor wir uns trennen. Du wirst in den kommenden Jahren weitere Fäden dieser Geschichte finden, ob du danach suchst oder nicht — das liegt in der Natur dessen, was du bereits weißt. Wenn dieser Tag kommt, erinnere dich daran, dass nicht jede Wahrheit, die du entdeckst, dazu bestimmt ist, vollständig verstanden zu werden. Manche sind nur dazu bestimmt, getragen zu werden, mit derselben Sorgfalt, mit der du jede andere Chronik in deiner Obhut trägst."

Sie verschwand, mit derselben lautlosen Präzision, die Vaas bereits von der Begegnung auf Eskrador kannte, und ließ die kleine, unwahrscheinliche Gruppe — zwei Ultramarines, ein Scriptor, ein Inquisitor, ein trauernder Veteran — allein zurück, in der wachsenden Dämmerung eines Waldes, dessen Geheimnisse sich als weitaus komplizierter erwiesen hatten, als jeder von ihnen bei Beginn dieser Reise erwartet hatte.

„Was jetzt?", fragte Vell, während sie den Rückweg zu Threxor antraten.

„Jetzt berichten wir, was wir wissen, jeder an seine eigene Institution, mit der vollen Komplexität, die wir entdeckt haben." Vaas sah zu Heraclon, eine stille Übereinkunft zwischen ihnen bestehend, die keiner weiteren Worte bedurfte. „Ich werde meinem Obersten Chronisten berichten, dass die Alpha Legion, oder zumindest ein bedeutender Teil davon, nicht die einheitliche, monströse Bedrohung ist, die zehntausend Jahre Doktrin uns gelehrt haben zu fürchten. Ob diese Erkenntnis unsere Vorgehensweise ändern wird, liegt nicht in meiner Macht zu entscheiden."

Der Veteran, der die gesamte Rückreise über schweigend geblieben war, sprach schließlich, seine Stimme ruhiger, als sie es während ihrer gesamten Begegnung gewesen war. Er ging jetzt neben Vaas, statt, wie zu Beginn ihrer Bekanntschaft, isoliert am Rand der Gruppe, eine kleine, aber bedeutsame Veränderung in seiner Haltung gegenüber den Fremden, die in seine sorgfältig gehütete Trauer eingedrungen waren. „Ich weiß nicht, ob das, was ich heute gehört habe, meinen Schmerz lindert. Aber ich glaube, es hilft mir, ihn zu tragen, ohne von ihm verzehrt zu werden. Das ist vielleicht alles, was ich heute erwarten konnte."

„Was werden Sie jetzt tun?", fragte Vaas ihn.

Torvin sah in die Ferne, zu den fernen Umrissen von Threxor, die am Horizont sichtbar wurden. „Ich glaube, ich werde nach Hause zurückkehren, zu meiner eigenen Familie, die ich in den letzten zwölf Jahren mehr vernachlässigt habe, als ich mir eingestehen wollte. Vielleicht ist es Zeit, diese Last niederzulegen, nicht weil sie beantwortet wurde, sondern weil ich endlich verstehe, dass manche Fragen keine Antworten haben, die uns vollständig zufriedenstellen — nur Antworten, die uns erlauben, weiterzuleben."

Vaas nickte, dachte an Luther, an Cypher, an jede andere komplizierte, ungelöste Geschichte, die sein eigenes Studium der Ordensgeschichten ihm über die Jahre gezeigt hatte — an die wiederkehrende Wahrheit, dass die größten Konflikte selten zwischen reinem Gut und reinem Böse geführt wurden, sondern zwischen konkurrierenden, aufrichtigen Verständnissen dessen, was Pflicht, Ehre und Opfer tatsächlich bedeuteten.

Bevor sie Threxis Sekundus endgültig verließen, suchte Vaas noch einmal Gouverneurin Kell auf, um sich formell zu verabschieden, ohne ihr die volle Wahrheit dessen zu offenbaren, was sie entdeckt hatten. „Ich hoffe, Ihre Untersuchung war fruchtbar", sagte Kell, ihre Augen von einer Neugier gezeichnet, die sie höflich zurückhielt, statt weiter nachzubohren.

„Fruchtbarer, als ich erwartet hatte", antwortete Vaas ehrlich. „Ihre Welt trägt Geheimnisse, Gouverneurin, die ich nicht vollständig mit Ihnen teilen kann, aber ich kann Ihnen versichern, dass der stille Wächter, von dem Sie sprachen, real ist, und dass seine Motive, so verborgen sie auch bleiben mögen, nicht darauf abzielen, Ihrer Welt zu schaden."

Kell nickte langsam, eine stille Dankbarkeit in ihrem Blick. „Das ist mehr Gewissheit, als ich in dreißig Jahren zu hoffen wagte, Untersuchungsbeauftragter. Ich danke Ihnen dafür, selbst wenn Sie mir nicht alles sagen können."

An Bord ihres Shuttles, während Threxis Sekundus unter ihnen zu einem fernen, grünen Punkt schrumpfte, verfasste Vaas den ersten Entwurf eines Berichts, der, wie er wusste, weitreichendere Fragen aufwerfen würde, als er je zu beantworten hoffen konnte — nicht nur über die wahre Natur der Alpha Legion, sondern über die Frage, was es bedeutete, einem Codex zu dienen, der vor zehntausend Jahren geschrieben worden war, in einer Galaxie, die sich seither auf Weisen verändert hatte, die selbst die weisesten seiner Verfasser nicht hätten vorhersehen können.

Er dachte an Guilliman, irgendwo auf Macragge, noch immer möglicherweise unwissend über die volle Komplexität dessen, was sein Chronist entdeckt hatte, und fragte sich, welche Antwort ein Primarch, der sein gesamtes Leben der Ordnung und Klarheit gewidmet hatte, einer Wahrheit geben würde, die sich so hartnäckig weigerte, sich in eine dieser beiden Kategorien zu fügen.

Delvain, der neben ihm saß, unterbrach seine Gedanken mit einer leisen, nachdenklichen Bemerkung. „Weißt du, was mich am meisten beeindruckt hat, an allem, was wir gesehen haben, Chronist? Nicht die Täuschung, für die die Alpha Legion berüchtigt ist. Sondern die Beständigkeit. Vierzig Jahre, für eine einzige Familie. Zehntausend Jahre, für ein Ziel, das die meisten von uns nicht einmal vollständig verstehen. Es gibt eine Art Hingabe darin, so fremd sie unserer eigenen Auffassung von Ehre auch erscheinen mag, die ich nicht einfach als bloße Täuschung abtun kann."

„Ich auch nicht", gab Vaas zu. „Und das beunruhigt mich vielleicht mehr als alles andere, was wir entdeckt haben. Es wäre einfacher, wenn sie einfach nur Feinde wären, Delvain. Diese Komplexität — das ist es, was unseren gesamten Orden am meisten herausfordern wird, wenn diese Wahrheit sich weiter verbreitet."

„Wir sollten zurückkehren", sagte er schließlich zu Heraclon. „Nicht mit Antworten, die wir nicht besitzen, sondern mit der ehrlichsten Version dessen, was wir gefunden haben. Das ist alles, was ein Chronist je wirklich anbieten kann."

**ENDE VON TEIL II**

*Nachwort: Diese Zwillingsgeschichten lassen bewusst offen, ob der Legionär, dem Vaas wiederholt begegnete, tatsächlich Omegon war, ein hochrangiger Operativ, der im Namen des toten oder verborgenen Primarchen handelte, oder etwas noch Komplizierteres innerhalb der schichtenreichen Täuschungen der Alpha Legion. Ebenso bleibt offen, wie Guilliman, sollte er je die volle Wahrheit erfahren, auf die Erkenntnis reagieren würde, dass sein zehntausend Jahre alter Sieg möglicherweise nie das war, wofür ihn jeder gehalten hatte. Das ist beabsichtigt: Die Alpha Legion existiert, mehr als jede andere Fraktion des Warhammer-40.000-Universums, gerade durch das, was niemals vollständig aufgelöst wird — eine Hydra, deren wahres Gesicht sich jedem entzieht, der glaubt, es endlich gefunden zu haben.*

Vell war der Letzte, der seine Zustimmung zu diesem stillschweigenden Kompromiss gab, sein Gesicht von einem inneren Kampf gezeichnet, der seine gesamte sechsjährige Ermittlung infrage stellte. „Ich habe sechs Jahre meines Lebens dieser Jagd gewidmet", sagte er schließlich, seine Stimme belastet mit der Schwere dieses Zugeständnisses. „Und jetzt, wo ich endlich mein Ziel erreicht habe, finde ich mich nicht in der Lage, es zu vollenden, wie ich es mir all die Jahre vorgestellt hatte. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion, die diese Legion lehrt, ob absichtlich oder nicht — dass die einfachen Antworten, nach denen wir suchen, selten die sind, die wir am Ende finden."

Sie ließen die Gestalt schließlich ziehen, mit demselben unbehaglichen, aber notwendigen Kompromiss, den sie bereits auf Eskrador gefunden hatten — keine Festnahme, keine endgültige Aufklärung, sondern eine stillschweigende Übereinkunft, dass manche Wahrheiten zu groß waren, um in einem einzigen Moment, an einem einzigen Ort, vollständig entschieden zu werden.

„Ich werde diese Welt weiterhin beschützen", sagte die Gestalt, bevor sie sich zum Gehen wandte, ihre Worte an alle Anwesenden gerichtet. „So wie ich es seit vierzig Jahren getan habe, und so wie andere meiner Legion an tausend anderen Orten dasselbe tun, aus Gründen, die so vielfältig sind wie die Individuen, die sie verfolgen. Wenn ihr diese Wahrheit euren jeweiligen Vorgesetzten berichtet, dann tut es mit dem vollen Wissen dessen, was ihr hier gesehen habt — nicht nur die Täuschung, für die unsere Legion berüchtigt ist, sondern auch das, was diese Täuschung manchmal ermöglicht."

Delvain trat vor, seine eigene Frage an die verschwindende Gestalt richtend, bevor diese vollständig außer Hörweite war. „Werden wir uns wiedersehen?"

Die Gestalt hielt kurz inne, ihre Silhouette bereits halb im Dickicht verschwunden. „Das liegt nicht allein in meiner Hand, Scriptor. Aber ich vermute, ja — Geschichten wie diese enden selten wirklich, sie ruhen nur, bis die Umstände sie erneut wecken."

Bevor sie vollständig im Dickicht verschwand, hielt die Gestalt noch einmal inne, sich zu Vaas wendend mit einer Direktheit, die ihn überraschte. „Ein letztes Wort, Chronist, bevor wir uns trennen. Du wirst in den kommenden Jahren weitere Fäden dieser Geschichte finden, ob du danach suchst oder nicht — das liegt in der Natur dessen, was du bereits weißt. Wenn dieser Tag kommt, erinnere dich daran, dass nicht jede Wahrheit, die du entdeckst, dazu bestimmt ist, vollständig verstanden zu werden. Manche sind nur dazu bestimmt, getragen zu werden, mit derselben Sorgfalt, mit der du jede andere Chronik in deiner Obhut trägst."

Sie verschwand, mit derselben lautlosen Präzision, die Vaas bereits von der Begegnung auf Eskrador kannte, und ließ die kleine, unwahrscheinliche Gruppe — zwei Ultramarines, ein Scriptor, ein Inquisitor, ein trauernder Veteran — allein zurück, in der wachsenden Dämmerung eines Waldes, dessen Geheimnisse sich als weitaus komplizierter erwiesen hatten, als jeder von ihnen bei Beginn dieser Reise erwartet hatte.

„Was jetzt?", fragte Vell, während sie den Rückweg zu Threxor antraten.

„Jetzt berichten wir, was wir wissen, jeder an seine eigene Institution, mit der vollen Komplexität, die wir entdeckt haben." Vaas sah zu Heraclon, eine stille Übereinkunft zwischen ihnen bestehend, die keiner weiteren Worte bedurfte. „Ich werde meinem Obersten Chronisten berichten, dass die Alpha Legion, oder zumindest ein bedeutender Teil davon, nicht die einheitliche, monströse Bedrohung ist, die zehntausend Jahre Doktrin uns gelehrt haben zu fürchten. Ob diese Erkenntnis unsere Vorgehensweise ändern wird, liegt nicht in meiner Macht zu entscheiden."

Der Veteran, der die gesamte Rückreise über schweigend geblieben war, sprach schließlich, seine Stimme ruhiger, als sie es während ihrer gesamten Begegnung gewesen war. Er ging jetzt neben Vaas, statt, wie zu Beginn ihrer Bekanntschaft, isoliert am Rand der Gruppe, eine kleine, aber bedeutsame Veränderung in seiner Haltung gegenüber den Fremden, die in seine sorgfältig gehütete Trauer eingedrungen waren. „Ich weiß nicht, ob das, was ich heute gehört habe, meinen Schmerz lindert. Aber ich glaube, es hilft mir, ihn zu tragen, ohne von ihm verzehrt zu werden. Das ist vielleicht alles, was ich heute erwarten konnte."

„Was werden Sie jetzt tun?", fragte Vaas ihn.

Torvin sah in die Ferne, zu den fernen Umrissen von Threxor, die am Horizont sichtbar wurden. „Ich glaube, ich werde nach Hause zurückkehren, zu meiner eigenen Familie, die ich in den letzten zwölf Jahren mehr vernachlässigt habe, als ich mir eingestehen wollte. Vielleicht ist es Zeit, diese Last niederzulegen, nicht weil sie beantwortet wurde, sondern weil ich endlich verstehe, dass manche Fragen keine Antworten haben, die uns vollständig zufriedenstellen — nur Antworten, die uns erlauben, weiterzuleben."

Vaas nickte, dachte an Luther, an Cypher, an jede andere komplizierte, ungelöste Geschichte, die sein eigenes Studium der Ordensgeschichten ihm über die Jahre gezeigt hatte — an die wiederkehrende Wahrheit, dass die größten Konflikte selten zwischen reinem Gut und reinem Böse geführt wurden, sondern zwischen konkurrierenden, aufrichtigen Verständnissen dessen, was Pflicht, Ehre und Opfer tatsächlich bedeuteten.

Bevor sie Threxis Sekundus endgültig verließen, suchte Vaas noch einmal Gouverneurin Kell auf, um sich formell zu verabschieden, ohne ihr die volle Wahrheit dessen zu offenbaren, was sie entdeckt hatten. „Ich hoffe, Ihre Untersuchung war fruchtbar", sagte Kell, ihre Augen von einer Neugier gezeichnet, die sie höflich zurückhielt, statt weiter nachzubohren.

„Fruchtbarer, als ich erwartet hatte", antwortete Vaas ehrlich. „Ihre Welt trägt Geheimnisse, Gouverneurin, die ich nicht vollständig mit Ihnen teilen kann, aber ich kann Ihnen versichern, dass der stille Wächter, von dem Sie sprachen, real ist, und dass seine Motive, so verborgen sie auch bleiben mögen, nicht darauf abzielen, Ihrer Welt zu schaden."

Kell nickte langsam, eine stille Dankbarkeit in ihrem Blick. „Das ist mehr Gewissheit, als ich in dreißig Jahren zu hoffen wagte, Untersuchungsbeauftragter. Ich danke Ihnen dafür, selbst wenn Sie mir nicht alles sagen können."

An Bord ihres Shuttles, während Threxis Sekundus unter ihnen zu einem fernen, grünen Punkt schrumpfte, verfasste Vaas den ersten Entwurf eines Berichts, der, wie er wusste, weitreichendere Fragen aufwerfen würde, als er je zu beantworten hoffen konnte — nicht nur über die wahre Natur der Alpha Legion, sondern über die Frage, was es bedeutete, einem Codex zu dienen, der vor zehntausend Jahren geschrieben worden war, in einer Galaxie, die sich seither auf Weisen verändert hatte, die selbst die weisesten seiner Verfasser nicht hätten vorhersehen können.

Er dachte an Guilliman, irgendwo auf Macragge, noch immer möglicherweise unwissend über die volle Komplexität dessen, was sein Chronist entdeckt hatte, und fragte sich, welche Antwort ein Primarch, der sein gesamtes Leben der Ordnung und Klarheit gewidmet hatte, einer Wahrheit geben würde, die sich so hartnäckig weigerte, sich in eine dieser beiden Kategorien zu fügen.

Delvain, der neben ihm saß, unterbrach seine Gedanken mit einer leisen, nachdenklichen Bemerkung. „Weißt du, was mich am meisten beeindruckt hat, an allem, was wir gesehen haben, Chronist? Nicht die Täuschung, für die die Alpha Legion berüchtigt ist. Sondern die Beständigkeit. Vierzig Jahre, für eine einzige Familie. Zehntausend Jahre, für ein Ziel, das die meisten von uns nicht einmal vollständig verstehen. Es gibt eine Art Hingabe darin, so fremd sie unserer eigenen Auffassung von Ehre auch erscheinen mag, die ich nicht einfach als bloße Täuschung abtun kann."

„Ich auch nicht", gab Vaas zu. „Und das beunruhigt mich vielleicht mehr als alles andere, was wir entdeckt haben. Es wäre einfacher, wenn sie einfach nur Feinde wären, Delvain. Diese Komplexität — das ist es, was unseren gesamten Orden am meisten herausfordern wird, wenn diese Wahrheit sich weiter verbreitet."

„Wir sollten zurückkehren", sagte er schließlich zu Heraclon. „Nicht mit Antworten, die wir nicht besitzen, sondern mit der ehrlichsten Version dessen, was wir gefunden haben. Das ist alles, was ein Chronist je wirklich anbieten kann."

**ENDE VON TEIL II**

*Nachwort: Diese Zwillingsgeschichten lassen bewusst offen, ob der Legionär, dem Vaas wiederholt begegnete, tatsächlich Omegon war, ein hochrangiger Operativ, der im Namen des toten oder verborgenen Primarchen handelte, oder etwas noch Komplizierteres innerhalb der schichtenreichen Täuschungen der Alpha Legion. Ebenso bleibt offen, wie Guilliman, sollte er je die volle Wahrheit erfahren, auf die Erkenntnis reagieren würde, dass sein zehntausend Jahre alter Sieg möglicherweise nie das war, wofür ihn jeder gehalten hatte. Das ist beabsichtigt: Die Alpha Legion existiert, mehr als jede andere Fraktion des Warhammer-40.000-Universums, gerade durch das, was niemals vollständig aufgelöst wird — eine Hydra, deren wahres Gesicht sich jedem entzieht, der glaubt, es endlich gefunden zu haben.*

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