DAS ZERBROCHENE SCHWERTDAS ZERBROCHENE SCHWERT

Eine Dark-Angels-NovelleEine Dark-Angels-Novelle

Dark Angels

Teil 2 von 2Part 2 of 2 · 38 Min. Lesezeit38 min read

„Von allen Rätseln, die wir seit zehntausend Jahren jagen, ist er das einzige, das sich weigert, sich lösen zu lassen. Vielleicht, weil es kein Rätsel ist. Vielleicht, weil es ein Spiegel ist."

„Von allen Rätseln, die wir seit zehntausend Jahren jagen, ist er das einzige, das sich weigert, sich lösen zu lassen. Vielleicht, weil es kein Rätsel ist. Vielleicht, weil es ein Spiegel ist."

— Unbekannter Scriptor, Randnotiz in einem Cypher-Dossier des Inneren Zirkels

I. DER AUFTRAGI. DER AUFTRAG

Der Ruf erreichte Bariel neunzehn Tage, nachdem er die Beobachtungsstation am Rand des toten Systems verlassen hatte, in Form einer verschlüsselten Übertragung, die keinen Absender trug, nur eine Reihe von Koordinaten und ein einziges Wort, geschrieben in der archaischen Form des Calibanit-Dialekts, die er inzwischen mit einer Vertrautheit las, die ihm noch vor einem Monat unmöglich erschienen wäre.

*Camarth.*

Bariel hatte in den neunzehn Tagen seit seiner Rückkehr von der Beobachtungsstation kaum geruht, seine Zeit zwischen der Abfassung seines Berichts über Luther und den ersten, vorsichtigen Vorbereitungen für eine Mission verbracht, deren genaue Parameter ihm bis zu diesem Moment verborgen geblieben waren. Er hatte erwartet, dass die Antwort des Obersten Großmeisters Wochen, vielleicht Monate auf sich warten lassen würde — eine Entscheidung von solcher Tragweite, dachte er, würde kaum in weniger als drei Wochen getroffen werden. Die Kürze der Wartezeit selbst war eine Botschaft, die er nicht ignorieren konnte: Was auch immer im Inneren Zirkel des Ordens seit seiner Rückkehr besprochen worden war, es hatte eine Dringlichkeit besessen, die keinen weiteren Aufschub duldete.

Er wusste, ohne dass es einer weiteren Erklärung bedurfte, was diese eine Koordinate bedeutete. Camarth war der Ort, an dem der Löwe selbst zuerst wieder in der materiellen Galaxie erschienen war, nach zehntausend Jahren des Schlafes — ein Name, der inzwischen durch jeden geheimen Kanal der Unversöhnten wanderte, ausgesprochen mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Unglauben, die Bariel selbst noch nicht vollständig teilte, weil er zu beschäftigt gewesen war mit der komplizierteren, näheren Wahrheit von Luthers Existenz, um sich mit der ferneren, größeren Wahrheit der Rückkehr seines Primarchen auseinanderzusetzen.

Er traf Terminator-Sergeant Malachar in der Waffenkammer eines kleinen, unauffälligen Erkundungsschiffs namens Stiller Zeuge — kein Angriffskreuzer wie die Sturmklinge, sondern ein Fahrzeug, gebaut für Diskretion, nicht für Kampfkraft, was Bariel als deutliches Zeichen dafür wertete, dass diese Mission niemals als offene Jagd geplant war.

Bevor er das Schiff bestieg, hatte Bariel einen letzten Bericht über Luthers Zustand erhalten, übermittelt durch einen verschlüsselten Kanal, den nur eine Handvoll Offiziere des Ordens kannten. Der Arch-Verräter wartete noch immer an dem neutralen Ort, den der Innere Zirkel für ihn bestimmt hatte, seine einzige Botschaft an seine gesammelten Brüder erfolgreich übermittelt und verifiziert, ohne jeden Hinweis auf Täuschung. Es war eine kleine, aber bedeutsame Bestätigung dessen, was Bariel in der Kammer von Sethrak Vier zu erkennen begonnen hatte — dass manchmal die riskantere Entscheidung tatsächlich die richtigere war.

Bariel dachte an die Worte, die der Wächter im Dunkel ihm auf der Beobachtungsstation direkt in sein Bewusstsein übertragen hatte — *du hast ihm zugehört, als andere nur jagten* — und wusste, dass Malachars zweite Vermutung der Wahrheit näherkam, so unbequem sie auch war. Er war nicht ausgewählt worden, weil er der beste Jäger des Ordens war. Er war ausgewählt worden, weil jemand in der höchsten Führung der Unversöhnten begonnen hatte zu glauben, dass zehntausend Jahre reiner Jagd nicht die richtige Methode gewesen waren, und dass ein anderer Ansatz nötig war, bevor diese Geschichte — die Geschichte des Löwen, Luthers und Cyphers, die sich alle drei nach zehntausend Jahren Stille wieder zu verweben begannen — sich selbst zerstörte, bevor sie ihr eigentliches Ende erreichen konnte.

„Weißt du, was mich beunruhigt, Malachar?" Bariel setzte sich auf eine der schmalen Bänke der Waffenkammer, seine Hände über die Kontur seines Krosius gleitend, eine Geste, die er in Momenten des Nachdenkens unbewusst wiederholte. „Nicht die Möglichkeit, dass wir scheitern. Sondern die Möglichkeit, dass wir Erfolg haben — dass wir Cypher tatsächlich finden, dass er tatsächlich bereit ist zu sprechen, und dass das, was er uns sagt, unser gesamtes Verständnis dessen, was unser Orden in den letzten zehntausend Jahren getan hat, in einer Weise infrage stellt, für die keiner von uns bereit ist."

„Das ist eine seltsame Sorge für einen Interrogator-Ordenspriester", sagte Malachar, aber seine Stimme trug keinen Spott, nur echte Neugier. „Wart ihr nicht genau dafür ausgebildet? Um Wahrheiten zu finden, egal wie unbequem sie sind?"

„Ausgebildet, ja. Vorbereitet — das ist eine andere Frage." Bariel stand wieder auf, seine Rüstung im schwachen Licht der Kammer schwarz wie die Leere zwischen den Sternen. „Ich habe zwölf Jahre lang Gefallene interrogiert, in dem festen Glauben, dass ich nach einer einzigen, unveränderlichen Wahrheit suchte — ihrer Schuld, dokumentiert, kategorisiert, gerichtet. Was ich in den letzten Wochen gelernt habe, ist, dass manche Wahrheiten sich nicht in diese Kategorien fügen lassen, egal wie sehr wir es versuchen. Ich fürchte, Cypher wird die komplizierteste dieser Wahrheiten sein, die ich je zu fassen versuche."

„Sie haben uns beide für dies ausgewählt", sagte Malachar, während er die letzten Ausrüstungsgegenstände in ihre Halterungen sicherte — eine deutlich reduzierte Bewaffnung im Vergleich zu dem, was ein Deathwing-Terminator gewöhnlich trug, als hätte jemand bewusst entschieden, dass reine Feuerkraft für diese Aufgabe nicht das Entscheidende sein würde. „Nur uns beide, Interrogator-Ordenspriester. Kein Trupp, keine Eskorte, kein Großmeister, der über unsere Entscheidungen wacht."

„Was sagt dir das?"

„Dass der Oberste Großmeister glaubt, eine große Streitmacht würde Cypher eher vertreiben als finden." Malachar sah zu ihm auf, seine Miene ungewöhnlich offen für einen Mann, dessen gesamte Existenz der Disziplin der Deathwing gewidmet war. „Oder dass er glaubt, sollten wir tatsächlich Erfolg haben, wäre es besser, wenn nur zwei Augenzeugen existieren, die berichten können, was tatsächlich geschah."

Bariel dachte an die Worte, die der Wächter im Dunkel ihm auf der Beobachtungsstation direkt in sein Bewusstsein übertragen hatte — *du hast ihm zugehört, als andere nur jagten* — und wusste, dass Malachars zweite Vermutung der Wahrheit näherkam, so unbequem sie auch war. Er war nicht ausgewählt worden, weil er der beste Jäger des Ordens war. Er war ausgewählt worden, weil jemand in der höchsten Führung der Unversöhnten begonnen hatte zu glauben, dass zehntausend Jahre reiner Jagd nicht die richtige Methode gewesen waren, und dass ein anderer Ansatz nötig war, bevor diese Geschichte — die Geschichte des Löwen, Luthers und Cyphers, die sich alle drei nach zehntausend Jahren Stille wieder zu verweben begannen — sich selbst zerstörte, bevor sie ihr eigentliches Ende erreichen konnte.

„Was wissen wir über seine letzte bestätigte Sichtung?", fragte Bariel, während er sich neben Malachar an den taktischen Tisch des kleinen Schiffs stellte.

„Ein Grenzsystem namens Perdyns Fall, drei Wochen alt." Malachar rief die begrenzten Daten auf, die ihnen zur Verfügung gestellt worden waren — fragmentarisch, wie jedes Dossier über Cypher, das Bariel je gesehen hatte. „Eine kleine imperiale Garnisonswelt, angegriffen von einer Ork-Waaagh, die alle vernünftigen Erwartungen an Größe und Koordination überstieg. Die Verteidiger — eine Handvoll Regimenter der Astra Militarum, unterstützt, unerklärlicherweise, von einem einzelnen Krieger in weißer Rüstung, der, nach den Zeugenberichten, im Alleingang einen Warboss und dessen persönliche Leibwache eliminierte, bevor er ebenso plötzlich verschwand, wie er erschienen war."

„Das klingt nicht wie ein Mann, der sich verbirgt", sagte Bariel.

„Das klingt wie ein Mann, der seine eigenen Prioritäten setzt, unabhängig davon, wer ihn beobachtet." Malachar sah zu ihm auf, seine Stimme jetzt ruhiger, nachdenklicher. „Ich habe in meiner gesamten Laufbahn nie an einer Cypher-Jagd teilgenommen, Interrogator-Ordenspriester. Wenige Brüder unseres Ordens haben das je. Was ich über ihn weiß, stammt aus denselben widersprüchlichen Dossiers, die auch dir zur Verfügung stehen — Berichte von Männern, die entweder überzeugt sind, dass er der schlimmste unter allen Gefallenen ist, oder überzeugt sind, dass er, aus Gründen, die niemand versteht, tatsächlich auf unserer Seite steht. Ich habe keine eigene Meinung, die ich in diese Mission mitbringe. Ich hoffe, das macht mich zu einem nützlicheren Begleiter für dich, als es ein überzeugter Jäger gewesen wäre."

„Es macht dich zu einem besseren Begleiter, als du selbst vielleicht glaubst." Bariel sah auf die begrenzten Dossiers, die ihnen zur Verfügung standen, seine Gedanken bereits bei den widersprüchlichen Berichten, die er in den letzten zwölf Jahren am Rande seiner eigentlichen Pflichten gesammelt hatte, ohne je zu erwarten, dass er sie selbst brauchen würde. „Ich habe drei getrennte Berichte gefunden, alle aus verschiedenen Jahrhunderten, die von seiner Rüstung sprechen — die gleiche weiße, verwitterte Robenpanzerung, jedes Mal beschrieben mit denselben Details, obwohl Jahrhunderte zwischen den Sichtungen lagen. Entweder trägt er dieselbe Rüstung seit zehntausend Jahren, ungealtert, unrepariert außer durch eigene Hand, oder es gibt eine Tradition, eine Nachfolge, die wir nicht verstehen — dass 'Cypher' kein einzelner Mann ist, sondern ein Titel, weitergegeben von einem Träger zum nächsten."

„Glaubst du das?", fragte Malachar.

„Ich weiß es nicht." Bariel schüttelte den Kopf. „Aber ich glaube, dass die Frage selbst wichtig ist, unabhängig von der Antwort. Wenn Cypher ein Titel ist, dann verändert das alles, was unser Orden über zehntausend Jahre Jagd angenommen hat. Wenn er ein einzelner Mann ist, der zehntausend Jahre überdauert hat, dann müssen wir fragen, was genau ihn am Leben erhält, und ob dieselbe Kraft, die ihn erhält, auch seine Motive prägt, auf eine Weise, die kein gewöhnlicher Gefallener je erfahren hat."

Bariel sah auf die spärlichen Koordinaten, die vor ihnen aufleuchteten, und dachte an die letzten Worte, die Cypher ihm in der Kammer von Sethrak Vier zugeflüstert hatte — ein Versprechen, dass sich ihre Wege wieder kreuzen würden. Er hatte nicht erwartet, dass es so bald geschehen würde, oder dass die Suche ihn so direkt in die Richtung des Löwen selbst führen würde.

„Setze Kurs auf Perdyns Fall", sagte er. „Wenn er dort war, werden wir dort beginnen, seine Spur zu finden — und mit etwas Glück herausfinden, wohin sie als Nächstes führt."

Der Ruf erreichte Bariel neunzehn Tage, nachdem er die Beobachtungsstation am Rand des toten Systems verlassen hatte, in Form einer verschlüsselten Übertragung, die keinen Absender trug, nur eine Reihe von Koordinaten und ein einziges Wort, geschrieben in der archaischen Form des Calibanit-Dialekts, die er inzwischen mit einer Vertrautheit las, die ihm noch vor einem Monat unmöglich erschienen wäre.

*Camarth.*

Bariel hatte in den neunzehn Tagen seit seiner Rückkehr von der Beobachtungsstation kaum geruht, seine Zeit zwischen der Abfassung seines Berichts über Luther und den ersten, vorsichtigen Vorbereitungen für eine Mission verbracht, deren genaue Parameter ihm bis zu diesem Moment verborgen geblieben waren. Er hatte erwartet, dass die Antwort des Obersten Großmeisters Wochen, vielleicht Monate auf sich warten lassen würde — eine Entscheidung von solcher Tragweite, dachte er, würde kaum in weniger als drei Wochen getroffen werden. Die Kürze der Wartezeit selbst war eine Botschaft, die er nicht ignorieren konnte: Was auch immer im Inneren Zirkel des Ordens seit seiner Rückkehr besprochen worden war, es hatte eine Dringlichkeit besessen, die keinen weiteren Aufschub duldete.

Er wusste, ohne dass es einer weiteren Erklärung bedurfte, was diese eine Koordinate bedeutete. Camarth war der Ort, an dem der Löwe selbst zuerst wieder in der materiellen Galaxie erschienen war, nach zehntausend Jahren des Schlafes — ein Name, der inzwischen durch jeden geheimen Kanal der Unversöhnten wanderte, ausgesprochen mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Unglauben, die Bariel selbst noch nicht vollständig teilte, weil er zu beschäftigt gewesen war mit der komplizierteren, näheren Wahrheit von Luthers Existenz, um sich mit der ferneren, größeren Wahrheit der Rückkehr seines Primarchen auseinanderzusetzen.

Er traf Terminator-Sergeant Malachar in der Waffenkammer eines kleinen, unauffälligen Erkundungsschiffs namens Stiller Zeuge — kein Angriffskreuzer wie die Sturmklinge, sondern ein Fahrzeug, gebaut für Diskretion, nicht für Kampfkraft, was Bariel als deutliches Zeichen dafür wertete, dass diese Mission niemals als offene Jagd geplant war.

Bevor er das Schiff bestieg, hatte Bariel einen letzten Bericht über Luthers Zustand erhalten, übermittelt durch einen verschlüsselten Kanal, den nur eine Handvoll Offiziere des Ordens kannten. Der Arch-Verräter wartete noch immer an dem neutralen Ort, den der Innere Zirkel für ihn bestimmt hatte, seine einzige Botschaft an seine gesammelten Brüder erfolgreich übermittelt und verifiziert, ohne jeden Hinweis auf Täuschung. Es war eine kleine, aber bedeutsame Bestätigung dessen, was Bariel in der Kammer von Sethrak Vier zu erkennen begonnen hatte — dass manchmal die riskantere Entscheidung tatsächlich die richtigere war.

Bariel dachte an die Worte, die der Wächter im Dunkel ihm auf der Beobachtungsstation direkt in sein Bewusstsein übertragen hatte — *du hast ihm zugehört, als andere nur jagten* — und wusste, dass Malachars zweite Vermutung der Wahrheit näherkam, so unbequem sie auch war. Er war nicht ausgewählt worden, weil er der beste Jäger des Ordens war. Er war ausgewählt worden, weil jemand in der höchsten Führung der Unversöhnten begonnen hatte zu glauben, dass zehntausend Jahre reiner Jagd nicht die richtige Methode gewesen waren, und dass ein anderer Ansatz nötig war, bevor diese Geschichte — die Geschichte des Löwen, Luthers und Cyphers, die sich alle drei nach zehntausend Jahren Stille wieder zu verweben begannen — sich selbst zerstörte, bevor sie ihr eigentliches Ende erreichen konnte.

„Weißt du, was mich beunruhigt, Malachar?" Bariel setzte sich auf eine der schmalen Bänke der Waffenkammer, seine Hände über die Kontur seines Krosius gleitend, eine Geste, die er in Momenten des Nachdenkens unbewusst wiederholte. „Nicht die Möglichkeit, dass wir scheitern. Sondern die Möglichkeit, dass wir Erfolg haben — dass wir Cypher tatsächlich finden, dass er tatsächlich bereit ist zu sprechen, und dass das, was er uns sagt, unser gesamtes Verständnis dessen, was unser Orden in den letzten zehntausend Jahren getan hat, in einer Weise infrage stellt, für die keiner von uns bereit ist."

„Das ist eine seltsame Sorge für einen Interrogator-Ordenspriester", sagte Malachar, aber seine Stimme trug keinen Spott, nur echte Neugier. „Wart ihr nicht genau dafür ausgebildet? Um Wahrheiten zu finden, egal wie unbequem sie sind?"

„Ausgebildet, ja. Vorbereitet — das ist eine andere Frage." Bariel stand wieder auf, seine Rüstung im schwachen Licht der Kammer schwarz wie die Leere zwischen den Sternen. „Ich habe zwölf Jahre lang Gefallene interrogiert, in dem festen Glauben, dass ich nach einer einzigen, unveränderlichen Wahrheit suchte — ihrer Schuld, dokumentiert, kategorisiert, gerichtet. Was ich in den letzten Wochen gelernt habe, ist, dass manche Wahrheiten sich nicht in diese Kategorien fügen lassen, egal wie sehr wir es versuchen. Ich fürchte, Cypher wird die komplizierteste dieser Wahrheiten sein, die ich je zu fassen versuche."

„Sie haben uns beide für dies ausgewählt", sagte Malachar, während er die letzten Ausrüstungsgegenstände in ihre Halterungen sicherte — eine deutlich reduzierte Bewaffnung im Vergleich zu dem, was ein Deathwing-Terminator gewöhnlich trug, als hätte jemand bewusst entschieden, dass reine Feuerkraft für diese Aufgabe nicht das Entscheidende sein würde. „Nur uns beide, Interrogator-Ordenspriester. Kein Trupp, keine Eskorte, kein Großmeister, der über unsere Entscheidungen wacht."

„Was sagt dir das?"

„Dass der Oberste Großmeister glaubt, eine große Streitmacht würde Cypher eher vertreiben als finden." Malachar sah zu ihm auf, seine Miene ungewöhnlich offen für einen Mann, dessen gesamte Existenz der Disziplin der Deathwing gewidmet war. „Oder dass er glaubt, sollten wir tatsächlich Erfolg haben, wäre es besser, wenn nur zwei Augenzeugen existieren, die berichten können, was tatsächlich geschah."

Bariel dachte an die Worte, die der Wächter im Dunkel ihm auf der Beobachtungsstation direkt in sein Bewusstsein übertragen hatte — *du hast ihm zugehört, als andere nur jagten* — und wusste, dass Malachars zweite Vermutung der Wahrheit näherkam, so unbequem sie auch war. Er war nicht ausgewählt worden, weil er der beste Jäger des Ordens war. Er war ausgewählt worden, weil jemand in der höchsten Führung der Unversöhnten begonnen hatte zu glauben, dass zehntausend Jahre reiner Jagd nicht die richtige Methode gewesen waren, und dass ein anderer Ansatz nötig war, bevor diese Geschichte — die Geschichte des Löwen, Luthers und Cyphers, die sich alle drei nach zehntausend Jahren Stille wieder zu verweben begannen — sich selbst zerstörte, bevor sie ihr eigentliches Ende erreichen konnte.

„Was wissen wir über seine letzte bestätigte Sichtung?", fragte Bariel, während er sich neben Malachar an den taktischen Tisch des kleinen Schiffs stellte.

„Ein Grenzsystem namens Perdyns Fall, drei Wochen alt." Malachar rief die begrenzten Daten auf, die ihnen zur Verfügung gestellt worden waren — fragmentarisch, wie jedes Dossier über Cypher, das Bariel je gesehen hatte. „Eine kleine imperiale Garnisonswelt, angegriffen von einer Ork-Waaagh, die alle vernünftigen Erwartungen an Größe und Koordination überstieg. Die Verteidiger — eine Handvoll Regimenter der Astra Militarum, unterstützt, unerklärlicherweise, von einem einzelnen Krieger in weißer Rüstung, der, nach den Zeugenberichten, im Alleingang einen Warboss und dessen persönliche Leibwache eliminierte, bevor er ebenso plötzlich verschwand, wie er erschienen war."

„Das klingt nicht wie ein Mann, der sich verbirgt", sagte Bariel.

„Das klingt wie ein Mann, der seine eigenen Prioritäten setzt, unabhängig davon, wer ihn beobachtet." Malachar sah zu ihm auf, seine Stimme jetzt ruhiger, nachdenklicher. „Ich habe in meiner gesamten Laufbahn nie an einer Cypher-Jagd teilgenommen, Interrogator-Ordenspriester. Wenige Brüder unseres Ordens haben das je. Was ich über ihn weiß, stammt aus denselben widersprüchlichen Dossiers, die auch dir zur Verfügung stehen — Berichte von Männern, die entweder überzeugt sind, dass er der schlimmste unter allen Gefallenen ist, oder überzeugt sind, dass er, aus Gründen, die niemand versteht, tatsächlich auf unserer Seite steht. Ich habe keine eigene Meinung, die ich in diese Mission mitbringe. Ich hoffe, das macht mich zu einem nützlicheren Begleiter für dich, als es ein überzeugter Jäger gewesen wäre."

„Es macht dich zu einem besseren Begleiter, als du selbst vielleicht glaubst." Bariel sah auf die begrenzten Dossiers, die ihnen zur Verfügung standen, seine Gedanken bereits bei den widersprüchlichen Berichten, die er in den letzten zwölf Jahren am Rande seiner eigentlichen Pflichten gesammelt hatte, ohne je zu erwarten, dass er sie selbst brauchen würde. „Ich habe drei getrennte Berichte gefunden, alle aus verschiedenen Jahrhunderten, die von seiner Rüstung sprechen — die gleiche weiße, verwitterte Robenpanzerung, jedes Mal beschrieben mit denselben Details, obwohl Jahrhunderte zwischen den Sichtungen lagen. Entweder trägt er dieselbe Rüstung seit zehntausend Jahren, ungealtert, unrepariert außer durch eigene Hand, oder es gibt eine Tradition, eine Nachfolge, die wir nicht verstehen — dass 'Cypher' kein einzelner Mann ist, sondern ein Titel, weitergegeben von einem Träger zum nächsten."

„Glaubst du das?", fragte Malachar.

„Ich weiß es nicht." Bariel schüttelte den Kopf. „Aber ich glaube, dass die Frage selbst wichtig ist, unabhängig von der Antwort. Wenn Cypher ein Titel ist, dann verändert das alles, was unser Orden über zehntausend Jahre Jagd angenommen hat. Wenn er ein einzelner Mann ist, der zehntausend Jahre überdauert hat, dann müssen wir fragen, was genau ihn am Leben erhält, und ob dieselbe Kraft, die ihn erhält, auch seine Motive prägt, auf eine Weise, die kein gewöhnlicher Gefallener je erfahren hat."

Bariel sah auf die spärlichen Koordinaten, die vor ihnen aufleuchteten, und dachte an die letzten Worte, die Cypher ihm in der Kammer von Sethrak Vier zugeflüstert hatte — ein Versprechen, dass sich ihre Wege wieder kreuzen würden. Er hatte nicht erwartet, dass es so bald geschehen würde, oder dass die Suche ihn so direkt in die Richtung des Löwen selbst führen würde.

„Setze Kurs auf Perdyns Fall", sagte er. „Wenn er dort war, werden wir dort beginnen, seine Spur zu finden — und mit etwas Glück herausfinden, wohin sie als Nächstes führt."

II. ERSTE SPURII. ERSTE SPUR

Perdyns Fall war eine Welt, die den Kampf gegen die Waaagh nur knapp überlebt hatte, ihre Oberfläche noch immer von den Narben des Krieges gezeichnet, als Bariel und Malachar drei Wochen nach der letzten bestätigten Sichtung ihres Ziels landeten, in einem kleinen, unauffälligen Shuttle, das keine der Erkennungsmerkmale trug, die einen imperialen Militärbesuch ankündigen würden.

Aus dem Orbit hatte die Welt bereits die Zeichen der jüngsten Invasion getragen — ganze Kontinente, deren einst grüne Oberfläche unter dem grob-grünen Wuchern verlassener Ork-Lager begraben lag, Kraterfelder, die sich über hundert Kilometer erstreckten, wo orbitale Bombardements die letzten großen Widerstandsnester der Waaagh vernichtet hatten. Es war, dachte Bariel, während das Shuttle durch die Atmosphäre sank, eine Welt, die auf den ersten Blick keine besondere Bedeutung für die größere Geschichte der Galaxie zu besitzen schien — und doch hatte ein einzelner Mann sie offenbar für wichtig genug gehalten, um sein eigenes Leben zu riskieren, um sie zu retten.

Die Hauptstadt der Welt, eine befestigte Garnisonssiedlung namens Korridor Sieben, trug noch immer die Spuren der Belagerung — geschwärzte Gebäude, provisorisch reparierte Mauern, eine Bevölkerung, die mit der erschöpften, wachsamen Vorsicht von Menschen agierte, die kürzlich der vollständigen Vernichtung entgangen waren. Bariel bewegte sich durch die Straßen in ziviler Verkleidung, seine massive Statur notdürftig unter einem schweren Mantel verborgen, während Malachar, dessen Terminator-Rüstung sich unmöglich verbergen ließ, außerhalb der Stadt zurückblieb, um keine unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Straßen von Korridor Sieben trugen die eigentümliche Stille einer Bevölkerung, die den Tod aus nächster Nähe gesehen hatte und noch dabei war, sich daran zu erinnern, wie man wieder lebte. Bariel bewegte sich durch improvisierte Märkte, an Trümmerhaufen vorbei, die noch immer von freiwilligen Arbeitstrupps geräumt wurden, und registrierte mit der geübten Aufmerksamkeit seines Amtes, wie viele der Überlebenden unwillkürlich zum Himmel blickten, wann immer ein ungewöhnliches Geräusch die Stille durchbrach — ein Reflex, den nur die Traumatisierten teilten. Kinder, die eigentlich spielen sollten, halfen stattdessen beim Sortieren von Trümmern; alte Frauen kochten in improvisierten Gemeinschaftsküchen für Familien, die ihre eigenen Häuser verloren hatten. Es war das vertraute, erschöpfende Bild jeder Welt, die einen Krieg knapp überlebt hatte, und Bariel hatte in seiner Laufbahn genug solcher Bilder gesehen, um zu wissen, dass die wahren Narben eines solchen Kampfes selten in den zerstörten Gebäuden lagen, sondern in den Gesichtern derer, die weiterleben mussten, mit dem, was übrig geblieben war.

Er fand den Regimentskommandanten, Oberst Halven Rask, in einem improvisierten Hauptquartier, das früher, nach den Wandmalereien zu urteilen, eine Schule gewesen war. Rask war ein Mann mittleren Alters, dessen linker Arm in einer notdürftigen Schlinge ruhte, dessen Augen die Art von Erschöpfung trugen, die keine Nacht Schlaf beheben konnte.

„Der weiße Krieger." Rasks Stimme trug eine Mischung aus Dankbarkeit und Unbehagen, als Bariel seine Fragen stellte, unter dem Deckmantel eines imperialen Untersuchungsbeauftragten, der die Umstände der Verteidigung dokumentierte. „Ich habe nie erfahren, wer er war, oder woher er kam. Er erschien, während die zweite Welle der Waaagh bereits durch unsere äußere Verteidigungslinie brach, und innerhalb von zwanzig Minuten hatte er den Warboss selbst erledigt, gemeinsam mit einer Elitegarde, die nach jeder taktischen Einschätzung, die meine eigenen Offiziere durchführten, unmöglich von einem einzelnen Krieger hätte besiegt werden können."

„Hat er mit Ihnen gesprochen?"

„Kurz." Rask zögerte, seine Hand unwillkürlich über seinen verletzten Arm gleitend. „Er sagte mir, dass mehr Verstärkung kommen würde, aus einer Richtung, die ich nicht erwartete — und tatsächlich, zwei Tage später traf eine Flotteneinheit ein, die, wie sich später herausstellte, aufgrund eines astropathischen Notrufs umgeleitet worden war, den niemand in meinem Kommando je gesendet hatte. Als ich ihn danach fragte, ob er diesen Notruf gesendet hatte, lächelte er nur und sagte, dass manche Botschaften ihren Weg finden, unabhängig davon, wer sie ausspricht."

Bariel notierte diese Details mit wachsender Faszination, die weit über die Grenzen einer reinen Interrogation hinausging. Es war ein Muster, das er in den fragmentarischen Dossiers des Ordens bereits mehrfach angedeutet gesehen hatte, ohne es je vollständig zu verstehen: Cyphers Eingreifen war nie zufällig, nie bloße Gelegenheit. Es trug immer die Handschrift einer Planung, die weit über die unmittelbare Situation hinausging, als würde er Fäden ziehen, deren Muster nur er selbst vollständig erkennen konnte.

„In welche Richtung ist er gegangen, als er verschwand?", fragte Bariel.

„Zu seinem Landungsschiff, nehme ich an, obwohl niemand es tatsächlich gesehen hat." Rask deutete durch das zerbrochene Fenster seines Hauptquartiers, zu den fernen Bergen im Norden der Stadt.

Bariel folgte dem Blick des Obersten, seine Gedanken bereits die Landschaft nach möglichen Landeplätzen absuchend, während Rask fortfuhr, mit der Sorgfalt eines Mannes, der jedes Detail dieser außergewöhnlichen Begegnung in seinem Gedächtnis bewahrt hatte, weil er instinktiv wusste, dass sie von größerer Bedeutung war, als seine Vorgesetzten ihm je erklären würden.

„Es gab noch etwas", fügte Rask hinzu, seine Stimme leiser werdend, als würde er sich einer Erinnerung nähern, die er bisher niemandem anvertraut hatte. „In der Nacht vor der entscheidenden Schlacht, bevor überhaupt klar war, dass wir eine Chance hatten, zu überleben, fand ich ihn allein auf der äußeren Mauer, den Blick auf die Sterne gerichtet. Ich fragte ihn, ob er betete. Er sagte mir, dass er nicht mehr sicher sei, an wen er beten sollte, aber dass er trotzdem die Gewohnheit beibehalten hätte, weil sie ihm half, sich an etwas zu erinnern, das er fast vergessen hätte, in all den Jahrtausenden, die er, wie er es ausdrückte, 'zwischen den Rissen der Geschichte' verbracht hatte."

„Was meinte er damit?"

„Das habe ich ihn auch gefragt." Rask schüttelte den Kopf, seine Augen für einen Moment in die Ferne gerichtet. „Er sagte nur: 'Dass es einmal eine Zeit gab, in der ich wusste, wer ich war, bevor ich lernte, wer ich sein musste.' Ich habe diese Worte seither nicht vergessen, Untersuchungsbeauftragter, so seltsam sie auch klingen mögen für einen Mann Ihrer offensichtlichen Autorität. Sie klangen nicht wie die Worte eines Fanatikers oder eines Verräters. Sie klangen wie die Worte eines Mannes, der eine sehr lange, sehr einsame Last trägt."

„Sagte er sonst noch etwas, bevor er verschwand? Irgendetwas, das wie eine Botschaft klang, die weitergegeben werden sollte?"

Rask nickte langsam. „Eine letzte Bemerkung, ja, die ich seither nicht vergessen konnte, obwohl ich ihre Bedeutung nicht verstehe. Er sagte: *Sag deinen Vorgesetzten, dass der Löwe wieder wacht, und dass diejenigen, die ihm dienen wollen, sich nach Camarth wenden sollten, wenn sie können. Die Zeit der Verborgenheit nähert sich ihrem Ende.*"

Bariel spürte, wie sich sein Puls beschleunigte — nicht durch physische Bedrohung, sondern durch die Bestätigung eines Musters, das er zu erkennen begann, seit er die Kammer von Sethrak Vier verlassen hatte.

„Sie haben Camarth persönlich besucht?", fragte er den Oberst, eine plötzliche Neugier ihn ergreifend.

„Nein, das nicht. Aber ich habe mit einem Handelskapitän gesprochen, der vor zwei Monaten dort andockte, um Vorräte zu liefern, bevor er von imperialen Wachen abgewiesen wurde." Rask senkte die Stimme, als würde er ein Geheimnis teilen, das er nicht sollte. „Er sagte, der gesamte Planet sei in einen Zustand versetzt worden, der eher an eine Belagerung erinnerte als an eine Befreiung — Legionen von Kultisten, die aus allen Richtungen strömten, angezogen, wie er vermutete, von der bloßen Anwesenheit eures Primarchen, als würde seine Rückkehr selbst eine Art Fanal sein, das sowohl Loyale als auch Feinde aus der ganzen Galaxie herbeirief."

Cypher bewegte sich nicht willkürlich durch die Galaxie. Er bewegte sich auf ein einziges, kohärentes Ziel zu, und dieses Ziel schien mit jedem Schritt klarer zu werden: eine direkte, öffentliche Verbindung zwischen den verstreuten loyalen Kräften des Imperiums und dem zurückgekehrten Primarchen der Dark Angels selbst.

Bariel notierte diese Details mit wachsender Faszination, die weit über die Grenzen einer reinen Interrogation hinausging.

„Darf ich Sie etwas fragen, Untersuchungsbeauftragter?" Rask zögerte, seine Hand unbewusst zu seinem verletzten Arm gleitend. „Warum interessiert sich das Imperium plötzlich so sehr für diesen einen Mann? Ich habe in dreißig Jahren Militärdienst ein Dutzend außergewöhnlicher Kämpfer gesehen. Keiner von ihnen wurde je mit dieser Art von Aufmerksamkeit untersucht."

Bariel wog seine Antwort sorgfältig ab, bewusst, dass jedes Wort, das er hier sprach, Konsequenzen haben könnte, die weit über dieses eine Gespräch hinausgingen. „Weil er älter ist, als er aussieht, Oberst, und weil seine Geschichte mit Ereignissen verknüpft ist, die für die Sicherheit dieses gesamten Sektors von Bedeutung sein könnten. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen, ohne Geheimnisse zu verraten, die nicht meine eigenen sind."

„Ein ehrlicher Mann, der zugibt, dass er nicht ehrlich sein kann." Rask nickte, ein müdes, verstehendes Lächeln auf seinen Lippen. „Das ist mehr, als die meisten imperialen Untersuchungsbeauftragten mir je angeboten haben. Ich danke Ihnen dafür, so wenig es auch sein mag."

Er erhob sich schließlich, seine Gedanken bereits bei der nächsten Etappe seiner eigenen Reise. „Ich danke Ihnen für Ihre Zeit, Oberst. Eine letzte Frage: Hat er irgendeine Waffe bei sich getragen, die Ihnen ungewöhnlich erschien? Neben seinen Pistolen?"

Rask dachte einen Moment nach, sein Gesicht sich langsam erhellend bei der Erinnerung. „Ein Schwert, ja — aber ein seltsames. Er trug es nie gezogen, nicht ein einziges Mal, selbst während des heftigsten Kampfes. Es war zerbrochen, oder zumindest sah es so aus, als würde die Klinge in einem eigentümlichen Winkel aus der Scheide ragen, als wäre sie einst geteilt und dann wieder notdürftig zusammengefügt worden. Ich fragte ihn danach, aus reiner Neugier, während wir auf die Verstärkung warteten. Er sagte mir nur, dass es eine Schuld sei, die er noch nicht beglichen hatte, und dass er hoffte, sie bald begleichen zu können, bevor es zu spät war."

Perdyns Fall war eine Welt, die den Kampf gegen die Waaagh nur knapp überlebt hatte, ihre Oberfläche noch immer von den Narben des Krieges gezeichnet, als Bariel und Malachar drei Wochen nach der letzten bestätigten Sichtung ihres Ziels landeten, in einem kleinen, unauffälligen Shuttle, das keine der Erkennungsmerkmale trug, die einen imperialen Militärbesuch ankündigen würden.

Aus dem Orbit hatte die Welt bereits die Zeichen der jüngsten Invasion getragen — ganze Kontinente, deren einst grüne Oberfläche unter dem grob-grünen Wuchern verlassener Ork-Lager begraben lag, Kraterfelder, die sich über hundert Kilometer erstreckten, wo orbitale Bombardements die letzten großen Widerstandsnester der Waaagh vernichtet hatten. Es war, dachte Bariel, während das Shuttle durch die Atmosphäre sank, eine Welt, die auf den ersten Blick keine besondere Bedeutung für die größere Geschichte der Galaxie zu besitzen schien — und doch hatte ein einzelner Mann sie offenbar für wichtig genug gehalten, um sein eigenes Leben zu riskieren, um sie zu retten.

Die Hauptstadt der Welt, eine befestigte Garnisonssiedlung namens Korridor Sieben, trug noch immer die Spuren der Belagerung — geschwärzte Gebäude, provisorisch reparierte Mauern, eine Bevölkerung, die mit der erschöpften, wachsamen Vorsicht von Menschen agierte, die kürzlich der vollständigen Vernichtung entgangen waren. Bariel bewegte sich durch die Straßen in ziviler Verkleidung, seine massive Statur notdürftig unter einem schweren Mantel verborgen, während Malachar, dessen Terminator-Rüstung sich unmöglich verbergen ließ, außerhalb der Stadt zurückblieb, um keine unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Straßen von Korridor Sieben trugen die eigentümliche Stille einer Bevölkerung, die den Tod aus nächster Nähe gesehen hatte und noch dabei war, sich daran zu erinnern, wie man wieder lebte. Bariel bewegte sich durch improvisierte Märkte, an Trümmerhaufen vorbei, die noch immer von freiwilligen Arbeitstrupps geräumt wurden, und registrierte mit der geübten Aufmerksamkeit seines Amtes, wie viele der Überlebenden unwillkürlich zum Himmel blickten, wann immer ein ungewöhnliches Geräusch die Stille durchbrach — ein Reflex, den nur die Traumatisierten teilten. Kinder, die eigentlich spielen sollten, halfen stattdessen beim Sortieren von Trümmern; alte Frauen kochten in improvisierten Gemeinschaftsküchen für Familien, die ihre eigenen Häuser verloren hatten. Es war das vertraute, erschöpfende Bild jeder Welt, die einen Krieg knapp überlebt hatte, und Bariel hatte in seiner Laufbahn genug solcher Bilder gesehen, um zu wissen, dass die wahren Narben eines solchen Kampfes selten in den zerstörten Gebäuden lagen, sondern in den Gesichtern derer, die weiterleben mussten, mit dem, was übrig geblieben war.

Er fand den Regimentskommandanten, Oberst Halven Rask, in einem improvisierten Hauptquartier, das früher, nach den Wandmalereien zu urteilen, eine Schule gewesen war. Rask war ein Mann mittleren Alters, dessen linker Arm in einer notdürftigen Schlinge ruhte, dessen Augen die Art von Erschöpfung trugen, die keine Nacht Schlaf beheben konnte.

„Der weiße Krieger." Rasks Stimme trug eine Mischung aus Dankbarkeit und Unbehagen, als Bariel seine Fragen stellte, unter dem Deckmantel eines imperialen Untersuchungsbeauftragten, der die Umstände der Verteidigung dokumentierte. „Ich habe nie erfahren, wer er war, oder woher er kam. Er erschien, während die zweite Welle der Waaagh bereits durch unsere äußere Verteidigungslinie brach, und innerhalb von zwanzig Minuten hatte er den Warboss selbst erledigt, gemeinsam mit einer Elitegarde, die nach jeder taktischen Einschätzung, die meine eigenen Offiziere durchführten, unmöglich von einem einzelnen Krieger hätte besiegt werden können."

„Hat er mit Ihnen gesprochen?"

„Kurz." Rask zögerte, seine Hand unwillkürlich über seinen verletzten Arm gleitend. „Er sagte mir, dass mehr Verstärkung kommen würde, aus einer Richtung, die ich nicht erwartete — und tatsächlich, zwei Tage später traf eine Flotteneinheit ein, die, wie sich später herausstellte, aufgrund eines astropathischen Notrufs umgeleitet worden war, den niemand in meinem Kommando je gesendet hatte. Als ich ihn danach fragte, ob er diesen Notruf gesendet hatte, lächelte er nur und sagte, dass manche Botschaften ihren Weg finden, unabhängig davon, wer sie ausspricht."

Bariel notierte diese Details mit wachsender Faszination, die weit über die Grenzen einer reinen Interrogation hinausging. Es war ein Muster, das er in den fragmentarischen Dossiers des Ordens bereits mehrfach angedeutet gesehen hatte, ohne es je vollständig zu verstehen: Cyphers Eingreifen war nie zufällig, nie bloße Gelegenheit. Es trug immer die Handschrift einer Planung, die weit über die unmittelbare Situation hinausging, als würde er Fäden ziehen, deren Muster nur er selbst vollständig erkennen konnte.

„In welche Richtung ist er gegangen, als er verschwand?", fragte Bariel.

„Zu seinem Landungsschiff, nehme ich an, obwohl niemand es tatsächlich gesehen hat." Rask deutete durch das zerbrochene Fenster seines Hauptquartiers, zu den fernen Bergen im Norden der Stadt.

Bariel folgte dem Blick des Obersten, seine Gedanken bereits die Landschaft nach möglichen Landeplätzen absuchend, während Rask fortfuhr, mit der Sorgfalt eines Mannes, der jedes Detail dieser außergewöhnlichen Begegnung in seinem Gedächtnis bewahrt hatte, weil er instinktiv wusste, dass sie von größerer Bedeutung war, als seine Vorgesetzten ihm je erklären würden.

„Es gab noch etwas", fügte Rask hinzu, seine Stimme leiser werdend, als würde er sich einer Erinnerung nähern, die er bisher niemandem anvertraut hatte. „In der Nacht vor der entscheidenden Schlacht, bevor überhaupt klar war, dass wir eine Chance hatten, zu überleben, fand ich ihn allein auf der äußeren Mauer, den Blick auf die Sterne gerichtet. Ich fragte ihn, ob er betete. Er sagte mir, dass er nicht mehr sicher sei, an wen er beten sollte, aber dass er trotzdem die Gewohnheit beibehalten hätte, weil sie ihm half, sich an etwas zu erinnern, das er fast vergessen hätte, in all den Jahrtausenden, die er, wie er es ausdrückte, 'zwischen den Rissen der Geschichte' verbracht hatte."

„Was meinte er damit?"

„Das habe ich ihn auch gefragt." Rask schüttelte den Kopf, seine Augen für einen Moment in die Ferne gerichtet. „Er sagte nur: 'Dass es einmal eine Zeit gab, in der ich wusste, wer ich war, bevor ich lernte, wer ich sein musste.' Ich habe diese Worte seither nicht vergessen, Untersuchungsbeauftragter, so seltsam sie auch klingen mögen für einen Mann Ihrer offensichtlichen Autorität. Sie klangen nicht wie die Worte eines Fanatikers oder eines Verräters. Sie klangen wie die Worte eines Mannes, der eine sehr lange, sehr einsame Last trägt."

„Sagte er sonst noch etwas, bevor er verschwand? Irgendetwas, das wie eine Botschaft klang, die weitergegeben werden sollte?"

Rask nickte langsam. „Eine letzte Bemerkung, ja, die ich seither nicht vergessen konnte, obwohl ich ihre Bedeutung nicht verstehe. Er sagte: *Sag deinen Vorgesetzten, dass der Löwe wieder wacht, und dass diejenigen, die ihm dienen wollen, sich nach Camarth wenden sollten, wenn sie können. Die Zeit der Verborgenheit nähert sich ihrem Ende.*"

Bariel spürte, wie sich sein Puls beschleunigte — nicht durch physische Bedrohung, sondern durch die Bestätigung eines Musters, das er zu erkennen begann, seit er die Kammer von Sethrak Vier verlassen hatte.

„Sie haben Camarth persönlich besucht?", fragte er den Oberst, eine plötzliche Neugier ihn ergreifend.

„Nein, das nicht. Aber ich habe mit einem Handelskapitän gesprochen, der vor zwei Monaten dort andockte, um Vorräte zu liefern, bevor er von imperialen Wachen abgewiesen wurde." Rask senkte die Stimme, als würde er ein Geheimnis teilen, das er nicht sollte. „Er sagte, der gesamte Planet sei in einen Zustand versetzt worden, der eher an eine Belagerung erinnerte als an eine Befreiung — Legionen von Kultisten, die aus allen Richtungen strömten, angezogen, wie er vermutete, von der bloßen Anwesenheit eures Primarchen, als würde seine Rückkehr selbst eine Art Fanal sein, das sowohl Loyale als auch Feinde aus der ganzen Galaxie herbeirief."

Cypher bewegte sich nicht willkürlich durch die Galaxie. Er bewegte sich auf ein einziges, kohärentes Ziel zu, und dieses Ziel schien mit jedem Schritt klarer zu werden: eine direkte, öffentliche Verbindung zwischen den verstreuten loyalen Kräften des Imperiums und dem zurückgekehrten Primarchen der Dark Angels selbst.

Bariel notierte diese Details mit wachsender Faszination, die weit über die Grenzen einer reinen Interrogation hinausging.

„Darf ich Sie etwas fragen, Untersuchungsbeauftragter?" Rask zögerte, seine Hand unbewusst zu seinem verletzten Arm gleitend. „Warum interessiert sich das Imperium plötzlich so sehr für diesen einen Mann? Ich habe in dreißig Jahren Militärdienst ein Dutzend außergewöhnlicher Kämpfer gesehen. Keiner von ihnen wurde je mit dieser Art von Aufmerksamkeit untersucht."

Bariel wog seine Antwort sorgfältig ab, bewusst, dass jedes Wort, das er hier sprach, Konsequenzen haben könnte, die weit über dieses eine Gespräch hinausgingen. „Weil er älter ist, als er aussieht, Oberst, und weil seine Geschichte mit Ereignissen verknüpft ist, die für die Sicherheit dieses gesamten Sektors von Bedeutung sein könnten. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen, ohne Geheimnisse zu verraten, die nicht meine eigenen sind."

„Ein ehrlicher Mann, der zugibt, dass er nicht ehrlich sein kann." Rask nickte, ein müdes, verstehendes Lächeln auf seinen Lippen. „Das ist mehr, als die meisten imperialen Untersuchungsbeauftragten mir je angeboten haben. Ich danke Ihnen dafür, so wenig es auch sein mag."

Er erhob sich schließlich, seine Gedanken bereits bei der nächsten Etappe seiner eigenen Reise. „Ich danke Ihnen für Ihre Zeit, Oberst. Eine letzte Frage: Hat er irgendeine Waffe bei sich getragen, die Ihnen ungewöhnlich erschien? Neben seinen Pistolen?"

Rask dachte einen Moment nach, sein Gesicht sich langsam erhellend bei der Erinnerung. „Ein Schwert, ja — aber ein seltsames. Er trug es nie gezogen, nicht ein einziges Mal, selbst während des heftigsten Kampfes. Es war zerbrochen, oder zumindest sah es so aus, als würde die Klinge in einem eigentümlichen Winkel aus der Scheide ragen, als wäre sie einst geteilt und dann wieder notdürftig zusammengefügt worden. Ich fragte ihn danach, aus reiner Neugier, während wir auf die Verstärkung warteten. Er sagte mir nur, dass es eine Schuld sei, die er noch nicht beglichen hatte, und dass er hoffte, sie bald begleichen zu können, bevor es zu spät war."

III. DIE ÜBERLEBENDENIII. DIE ÜBERLEBENDEN

Bariel verbrachte zwei weitere Tage in Korridor Sieben, sprach mit jedem Zeugen, den er finden konnte, sammelte Fragmente einer Geschichte, die sich mit jedem neuen Bericht weiter verdichtete, ohne sich je vollständig zu einem klaren Bild zusammenzufügen.

Er sprach mit einem jungen Gardisten namens Perrek, der geschworen hatte, den weißen Krieger tatsächlich weinen gesehen zu haben, in einem stillen Moment nach der Schlacht, als er glaubte, unbeobachtet zu sein, über einem gefallenen Gardisten kniend, dessen Namen niemand in der Einheit kannte, weil er erst wenige Tage zuvor als Ersatz eingetroffen war. Er sprach mit einer Feldsanitäterin, Schwester Adaine, die berichtete, dass der weiße Krieger, bevor er verschwand, eine kleine Menge kostbarer Medikamente zurückgelassen hatte, die er, wie sich herausstellte, aus einem zerstörten Ork-Lager erbeutet hatte — Vorräte, die, wie sie schätzte, mindestens fünfzig weiteren Verwundeten das Leben gerettet hatten, die sonst ohne angemessene Versorgung gestorben wären.

Am zweiten Tag seiner Nachforschungen fand Bariel schließlich einen Zeugen, dessen Bericht ihn tiefer beunruhigte als jeder andere — ein pensionierter Waffenschmied namens Orrin Vask, der behauptete, den weißen Krieger nicht nur während der Schlacht gesehen zu haben, sondern auch in den Stunden davor, als dieser allein durch die äußeren Werkstätten der Stadt gegangen war, offenbar auf der Suche nach etwas Bestimmtem.

„Er kam zu mir und fragte, ob ich je von einem bestimmten Metallverfahren gehört hätte", erzählte Vask, seine alten Hände zitternd, während er sich an die Begegnung erinnerte. „Eine Legierungstechnik, die, wie er sagte, seit Jahrtausenden als verloren galt, praktiziert nur von einer Handvoll Tempelschmieden des alten Mechanicum, lange bevor die Häresie das Antlitz der Galaxie veränderte. Ich hatte nie davon gehört. Er schien nicht überrascht, nur — enttäuscht, auf eine Weise, die mich noch immer verfolgt. Als würde er nach etwas suchen, das er seit sehr langer Zeit sucht, ohne je näher zu kommen."

„Hat er gesagt, wonach genau er suchte?", fragte Bariel.

„Nur, dass es um eine Reparatur ginge. Etwas, das gebrochen war und wieder ganz gemacht werden musste, nicht durch gewöhnliches Handwerk, sondern durch etwas, das er ein 'Ritual der Erinnerung' nannte." Vask schüttelte den Kopf. „Ich konnte ihm nicht helfen, Untersuchungsbeauftragter. Aber ich habe seither oft darüber nachgedacht, was für ein Mann so etwas sucht, nach — wie lange, glauben Sie? Jahrhunderte? Jahrtausende? Es lag etwas in seiner Stimme, das älter klang, als jedes Wesen sein sollte, das noch atmet."

Jedes Detail, das er sammelte, vertiefte den Widerspruch, der im Zentrum jedes Cypher-Dossiers lag, das Bariel je studiert hatte. Hier war ein Mann, der zehntausend Jahre lang als einer der gefährlichsten und verräterischsten aller Gefallenen gejagt wurde, und doch handelte jede einzelne bezeugte Aktion, die Bariel in diesen zwei Tagen dokumentierte, mit einer Konsequenz, die eher an einen Heiligen erinnerte als an einen Verräter.

Er sprach auch mit einem alten Astropathen namens Chiel, dessen Sinne durch die Warpstürme, die seit dem Großen Riss über diesen Teil der Galaxie zogen, fast vollständig zerstört worden waren, der aber, in einem seltenen Moment der Klarheit, berichtete, dass er in der Nacht vor der Schlacht einen fremden psychischen Abdruck in seinen eigenen Träumen gespürt hatte — nicht bedrohlich, sondern eher wie eine ferne, geduldige Präsenz, die er später, nachdem er den weißen Krieger persönlich gesehen hatte, unwillkürlich mit ihm in Verbindung brachte. „Es fühlte sich an wie eine sehr alte Trauer, Untersuchungsbeauftragter", sagte Chiel, seine blinden Augen ins Leere gerichtet. „Eine Trauer, die so lange getragen wurde, dass sie fast zu einem Teil der Seele selbst geworden ist, unauslöschlich, aber auch nicht mehr schmerzhaft im gewöhnlichen Sinne — nur noch dort, ständig, wie ein zweiter Herzschlag."

„Vielleicht ist das der Punkt", sagte Malachar, als sie am Abend des zweiten Tages gemeinsam die gesammelten Berichte durchgingen, in der Abgeschiedenheit ihres kleinen Shuttles, außerhalb der Stadt geparkt. „Vielleicht ist die Widersprüchlichkeit selbst die Botschaft, Interrogator-Ordenspriester. Vielleicht will er, dass wir uns fragen, warum ein Mann, der angeblich der größte Verräter unseres Ordens ist, sich verhält, als wäre er das genaue Gegenteil."

„Oder er ist genau das, was er zu sein scheint — beides und keines, wie er es mir selbst sagte." Bariel legte die Datenslates beiseite, seine Gedanken zurück zu dem Moment in der Kammer von Sethrak Vier wandernd, zu der seltsamen, unerschütterlichen Gewissheit, die Cyphers Stimme getragen hatte, wenn er von seinen eigenen Motiven sprach. „Ich beginne zu glauben, dass wir die falsche Frage stellen, wenn wir fragen, ob er Freund oder Feind ist. Vielleicht ist die richtige Frage, welchem Zweck er dient, der größer ist als beide Kategorien."

Es war in diesem Moment, während sie über die gesammelten Berichte diskutierten, dass ihr Vox-Kanal eine unerwartete Störung registrierte — ein kurzes, verschlüsseltes Signal, das nicht von ihrer eigenen Flotte stammte, sondern von einer Quelle, die Malachars Sensoren zunächst nicht identifizieren konnten.

„Wir werden beobachtet", sagte Malachar leise, seine Hand bereits zu seinem Sturmbolter greifend. „Und wer auch immer es ist, sie kennen unsere Frequenz. Das ist keine zufällige Überwachung, Interrogator-Ordenspriester."

Bariel spürte, wie sich seine eigene Wachsamkeit schärfte, während er die Anzeigen ihres Schiffs überprüfte, seine Hand unwillkürlich zu seinem Krosius gleitend. In den letzten Wochen hatte er gelernt, dass unerwartete Überwachung selten Zufall war — dass jede Partei, die sich für Cyphers Bewegungen interessierte, auch ein Interesse daran hatte, zu wissen, wer sonst noch danach suchte. „Können wir die Quelle lokalisieren?"

„Bereits dabei." Malachars Finger bewegten sich über die Kontrollen mit der Präzision jahrzehntelanger Ausbildung. „Fünfhundert Meter östlich, in den Ruinen des äußeren Verteidigungsrings. Eine einzelne Signatur, menschlich in ihrer Größe, aber mit einer energetischen Signatur, die —" Er hielt inne, seine Stimme sich verhärtend. „Das ist keine gewöhnliche menschliche Signatur, Bariel. Das ist ein Astartes."

Bariel verbrachte zwei weitere Tage in Korridor Sieben, sprach mit jedem Zeugen, den er finden konnte, sammelte Fragmente einer Geschichte, die sich mit jedem neuen Bericht weiter verdichtete, ohne sich je vollständig zu einem klaren Bild zusammenzufügen.

Er sprach mit einem jungen Gardisten namens Perrek, der geschworen hatte, den weißen Krieger tatsächlich weinen gesehen zu haben, in einem stillen Moment nach der Schlacht, als er glaubte, unbeobachtet zu sein, über einem gefallenen Gardisten kniend, dessen Namen niemand in der Einheit kannte, weil er erst wenige Tage zuvor als Ersatz eingetroffen war. Er sprach mit einer Feldsanitäterin, Schwester Adaine, die berichtete, dass der weiße Krieger, bevor er verschwand, eine kleine Menge kostbarer Medikamente zurückgelassen hatte, die er, wie sich herausstellte, aus einem zerstörten Ork-Lager erbeutet hatte — Vorräte, die, wie sie schätzte, mindestens fünfzig weiteren Verwundeten das Leben gerettet hatten, die sonst ohne angemessene Versorgung gestorben wären.

Am zweiten Tag seiner Nachforschungen fand Bariel schließlich einen Zeugen, dessen Bericht ihn tiefer beunruhigte als jeder andere — ein pensionierter Waffenschmied namens Orrin Vask, der behauptete, den weißen Krieger nicht nur während der Schlacht gesehen zu haben, sondern auch in den Stunden davor, als dieser allein durch die äußeren Werkstätten der Stadt gegangen war, offenbar auf der Suche nach etwas Bestimmtem.

„Er kam zu mir und fragte, ob ich je von einem bestimmten Metallverfahren gehört hätte", erzählte Vask, seine alten Hände zitternd, während er sich an die Begegnung erinnerte. „Eine Legierungstechnik, die, wie er sagte, seit Jahrtausenden als verloren galt, praktiziert nur von einer Handvoll Tempelschmieden des alten Mechanicum, lange bevor die Häresie das Antlitz der Galaxie veränderte. Ich hatte nie davon gehört. Er schien nicht überrascht, nur — enttäuscht, auf eine Weise, die mich noch immer verfolgt. Als würde er nach etwas suchen, das er seit sehr langer Zeit sucht, ohne je näher zu kommen."

„Hat er gesagt, wonach genau er suchte?", fragte Bariel.

„Nur, dass es um eine Reparatur ginge. Etwas, das gebrochen war und wieder ganz gemacht werden musste, nicht durch gewöhnliches Handwerk, sondern durch etwas, das er ein 'Ritual der Erinnerung' nannte." Vask schüttelte den Kopf. „Ich konnte ihm nicht helfen, Untersuchungsbeauftragter. Aber ich habe seither oft darüber nachgedacht, was für ein Mann so etwas sucht, nach — wie lange, glauben Sie? Jahrhunderte? Jahrtausende? Es lag etwas in seiner Stimme, das älter klang, als jedes Wesen sein sollte, das noch atmet."

Jedes Detail, das er sammelte, vertiefte den Widerspruch, der im Zentrum jedes Cypher-Dossiers lag, das Bariel je studiert hatte. Hier war ein Mann, der zehntausend Jahre lang als einer der gefährlichsten und verräterischsten aller Gefallenen gejagt wurde, und doch handelte jede einzelne bezeugte Aktion, die Bariel in diesen zwei Tagen dokumentierte, mit einer Konsequenz, die eher an einen Heiligen erinnerte als an einen Verräter.

Er sprach auch mit einem alten Astropathen namens Chiel, dessen Sinne durch die Warpstürme, die seit dem Großen Riss über diesen Teil der Galaxie zogen, fast vollständig zerstört worden waren, der aber, in einem seltenen Moment der Klarheit, berichtete, dass er in der Nacht vor der Schlacht einen fremden psychischen Abdruck in seinen eigenen Träumen gespürt hatte — nicht bedrohlich, sondern eher wie eine ferne, geduldige Präsenz, die er später, nachdem er den weißen Krieger persönlich gesehen hatte, unwillkürlich mit ihm in Verbindung brachte. „Es fühlte sich an wie eine sehr alte Trauer, Untersuchungsbeauftragter", sagte Chiel, seine blinden Augen ins Leere gerichtet. „Eine Trauer, die so lange getragen wurde, dass sie fast zu einem Teil der Seele selbst geworden ist, unauslöschlich, aber auch nicht mehr schmerzhaft im gewöhnlichen Sinne — nur noch dort, ständig, wie ein zweiter Herzschlag."

„Vielleicht ist das der Punkt", sagte Malachar, als sie am Abend des zweiten Tages gemeinsam die gesammelten Berichte durchgingen, in der Abgeschiedenheit ihres kleinen Shuttles, außerhalb der Stadt geparkt. „Vielleicht ist die Widersprüchlichkeit selbst die Botschaft, Interrogator-Ordenspriester. Vielleicht will er, dass wir uns fragen, warum ein Mann, der angeblich der größte Verräter unseres Ordens ist, sich verhält, als wäre er das genaue Gegenteil."

„Oder er ist genau das, was er zu sein scheint — beides und keines, wie er es mir selbst sagte." Bariel legte die Datenslates beiseite, seine Gedanken zurück zu dem Moment in der Kammer von Sethrak Vier wandernd, zu der seltsamen, unerschütterlichen Gewissheit, die Cyphers Stimme getragen hatte, wenn er von seinen eigenen Motiven sprach. „Ich beginne zu glauben, dass wir die falsche Frage stellen, wenn wir fragen, ob er Freund oder Feind ist. Vielleicht ist die richtige Frage, welchem Zweck er dient, der größer ist als beide Kategorien."

Es war in diesem Moment, während sie über die gesammelten Berichte diskutierten, dass ihr Vox-Kanal eine unerwartete Störung registrierte — ein kurzes, verschlüsseltes Signal, das nicht von ihrer eigenen Flotte stammte, sondern von einer Quelle, die Malachars Sensoren zunächst nicht identifizieren konnten.

„Wir werden beobachtet", sagte Malachar leise, seine Hand bereits zu seinem Sturmbolter greifend. „Und wer auch immer es ist, sie kennen unsere Frequenz. Das ist keine zufällige Überwachung, Interrogator-Ordenspriester."

Bariel spürte, wie sich seine eigene Wachsamkeit schärfte, während er die Anzeigen ihres Schiffs überprüfte, seine Hand unwillkürlich zu seinem Krosius gleitend. In den letzten Wochen hatte er gelernt, dass unerwartete Überwachung selten Zufall war — dass jede Partei, die sich für Cyphers Bewegungen interessierte, auch ein Interesse daran hatte, zu wissen, wer sonst noch danach suchte. „Können wir die Quelle lokalisieren?"

„Bereits dabei." Malachars Finger bewegten sich über die Kontrollen mit der Präzision jahrzehntelanger Ausbildung. „Fünfhundert Meter östlich, in den Ruinen des äußeren Verteidigungsrings. Eine einzelne Signatur, menschlich in ihrer Größe, aber mit einer energetischen Signatur, die —" Er hielt inne, seine Stimme sich verhärtend. „Das ist keine gewöhnliche menschliche Signatur, Bariel. Das ist ein Astartes."

IV. DER RIVALEIV. DER RIVALE

Sie fanden ihn wartend, offen sichtbar auf einem zerstörten Wachturm am Rand der äußeren Verteidigungslinie, als hätte er ihre Annäherung die ganze Zeit erwartet und keinerlei Interesse daran gehabt, sich zu verbergen. Er trug keine Rüstung eines bekannten Ordens, sondern eine unmarkierte, dunkelgraue Panzerung, deren Herkunft Bariel nicht sofort zuordnen konnte, bis er die kleine, kaum sichtbare Aquila-Inschrift an seinem Kragen bemerkte, die eine ganz andere, weit ältere Zugehörigkeit verriet als jeder Space-Marine-Orden.

„Ein Inquisitor", sagte Bariel, seine Stimme gedämpft, als sie näher kamen.

„Inquisitor Vantel Corvyn, Ordo Hereticus." Der Mann sprach, bevor sie ihn direkt ansprechen konnten, seine Stimme trocken, mit dem Unterton eines Menschen, der lange gelernt hatte, jede Situation zu kontrollieren, in die er sich begab. „Ich habe erwartet, dass die Dark Angels früher oder später hier eintreffen würden, Interrogator-Ordenspriester Bariel. Cyphers Spur zieht immer mehr an als nur eure eigene Jagd."

„Sie kennen meinen Namen." Bariel blieb stehen, seine Hand nahe an seinem Krosius, obwohl er wusste, dass ein offener Konflikt mit einem Inquisitor Konsequenzen nach sich ziehen würde, die weit über diese eine Begegnung hinausgingen.

„Ich kenne die Namen der meisten, die in den letzten Jahrzehnten dem Weißen Wanderer zu nahe gekommen sind." Corvyn stieg vom Wachturm herab, seine Bewegungen bedächtig, ohne jede Eile. „Ich verfolge diese Spur seit siebenundvierzig Jahren, Interrogator-Ordenspriester — mein gesamtes Leben als Inquisitor, gewidmet einem einzigen Fall, den meine Vorgesetzten längst als hoffnungslos aufgegeben haben. Ich bin näher an eine Antwort gekommen als jeder andere lebende Diener des Imperiums, und ich habe nicht die Absicht, diesen Fortschritt an einen Orden abzutreten, dessen eigene Geheimniskrämerei diese Jagd erst so kompliziert gemacht hat, wie sie ist."

„Was wollen Sie von uns?", fragte Malachar direkt, sein Sturmbolter noch immer gesenkt, aber bereit.

Der Inquisitor musterte Malachar einen Moment lang, mit dem geübten Blick eines Mannes, der es gewohnt war, jede Begegnung als potenzielle Bedrohung zu bewerten, bevor er antwortete.

„Zusammenarbeit, so widerwillig sie auch für beide Seiten sein mag." Corvyn blieb einige Schritte entfernt stehen, seine Hände sichtbar, ohne Waffen. „Ich habe in den letzten Wochen dieselben Zeugen befragt wie ihr, dieselben Spuren verfolgt. Ich glaube, wir nähern uns demselben Ziel, aus unterschiedlichen Richtungen, mit möglicherweise sehr unterschiedlichen Absichten, sobald wir es erreichen."

„Welche Absicht verfolgen Sie?", fragte Bariel.

Corvyns Gesicht verhärtete sich, eine Kälte, die Bariel unmittelbar beunruhigte. „Cypher ist seit siebenundvierzig Jahren mein Fall, weil ich glaube, dass er, ungeachtet all der wohltätigen Legenden, die sich um seine Erscheinungen ranken, letztlich eine Bedrohung darstellt, die das Imperium nicht länger tolerieren kann. Er manipuliert Schlachten. Er lenkt Flotten um, ohne jede offizielle Autorität. Er beeinflusst die Geschicke ganzer Sektoren, ohne dass irgendjemand außerhalb einer Handvoll Legenden je die wahre Kette seiner Motive nachvollziehen kann. Ein Mann mit solcher Macht, der außerhalb jeder imperialen Kontrolle operiert, ist per Definition eine Häresie, ganz gleich, wie viele Leben er scheinbar rettet, während er sie begeht."

„Sie wollen ihn also gefangen nehmen. Oder töten."

„Ich will ihn verstehen, bevor ich entscheide, welche der beiden Optionen die Sicherheit des Imperiums besser dient." Corvyns Stimme milderte sich leicht, eine Andeutung von Ehrlichkeit, die Bariel trotz seines Misstrauens registrierte. „Ich bin nicht Ihr Feind, Interrogator-Ordenspriester, auch wenn unsere Ziele nicht identisch sein mögen. Und ich glaube, dass wir beide, jeder für sich, weniger Erfolgschancen haben, als wenn wir zumindest vorübergehend unsere Informationen teilen."

Bariel sah zu Malachar, der eine kaum wahrnehmbare, warnende Geste andeutete — die instinktive Vorsicht eines Deathwing-Terminators gegenüber jeder externen Autorität, die Anspruch auf eine Angelegenheit erhob, die traditionell allein der Domäne der Unversöhnten vorbehalten war. Aber Bariel dachte auch an die Worte, die er in den letzten Wochen gelernt hatte zu hören, statt sie sofort abzulehnen — die Lektion, die ihm Sarnuel vor zwölf Jahren beigebracht hatte, die Lektion, die Luther ihm auf Sethrak Vier bestätigt hatte, dass wahre Antworten selten dort gefunden wurden, wo man sich weigerte, überhaupt zuzuhören.

„Ich habe keine Absicht, meine Autorität hier mit Ihnen zu teilen, Inquisitor." Malachars Stimme trug die unverhohlene Skepsis eines Mannes, dessen gesamte Ausbildung ihn gelehrt hatte, dass externe Einmischung in Angelegenheiten der Unversöhnten selten gut endete. „Unser Orden hat seine eigenen Methoden, seine eigenen Gründe, diese Jagd zu führen. Wir brauchen die Hilfe des Ordo Hereticus nicht."

„Und doch", sagte Corvyn, ein dünnes Lächeln um seine Lippen, „sind Sie hier, an der Peripherie eines Grenzsystems, mit einem einzigen Begleiter und keiner offensichtlichen Unterstützung, während ich siebenundvierzig Jahre Ermittlungsarbeit mitbringe, auf die Sie andernfalls Jahrzehnte warten müssten, um sie selbst zusammenzutragen. Ich schlage keine Unterordnung vor, Sergeant. Ich schlage einen Handel vor, zwischen zwei Parteien, die beide etwas besitzen, das die andere braucht."

Bariel betrachtete den Inquisitor mit der geschulten Aufmerksamkeit eines Mannes, dessen Amt ihn gelehrt hatte, jede Nuance einer Verhandlung zu lesen. Corvyns Angebot trug echte Substanz — das spürte er, mit derselben Instinktsicherheit, die ihm bei Luther geholfen hatte, Wahrheit von Täuschung zu unterscheiden —, aber es trug auch ein Risiko, das er nicht leichtfertig ignorieren durfte. Ein Inquisitor, der siebenundvierzig Jahre seines Lebens einer einzigen Jagd gewidmet hatte, würde selten bereit sein, den letzten, entscheidenden Moment dieser Jagd einem anderen zu überlassen, ganz gleich, welche vorläufigen Zusicherungen er jetzt anbot.

„Bevor wir irgendeine Vereinbarung treffen", sagte Bariel, „muss ich wissen: Was geschieht, wenn wir Cypher tatsächlich finden, und unsere jeweiligen Vorgesetzten unterschiedliche Anweisungen für sein Schicksal erteilt haben? Mein Orden unterliegt dem Obersten Großmeister. Ihre Befugnis unterliegt dem Ordo Hereticus. Wer entscheidet, wenn diese beiden Autoritäten kollidieren?"

Corvyns Ausdruck verhärtete sich leicht, eine seltene Offenbarung echter Unsicherheit unter der routinierten Fassade eines erfahrenen Ermittlers. „Ich habe keine vollständige Antwort auf diese Frage, Interrogator-Ordenspriester, und ich werde Sie nicht mit einer Lüge beleidigen, indem ich vorgebe, eine zu haben. Ich kann Ihnen nur versichern, dass mein primäres Interesse Wahrheit ist, nicht Vergeltung. Wenn Cypher tatsächlich das ist, wofür ihn die letzten drei Jahre meiner Ermittlung zunehmend zu sprechen scheinen — ein Mann, der, aus Gründen, die ich noch nicht vollständig verstehe, im verborgenen Dienst des Imperiums operiert —, dann werde ich diese Wahrheit meinen Vorgesetzten genauso ungeschönt berichten, wie ich jede andere Ermittlung berichte, ungeachtet dessen, wie unbequem sie für die offizielle Doktrin sein mag."

„Was genau wissen Sie, das wir nicht wissen?", fragte Bariel schließlich.

„Bevor ich antworte, sollten Sie wissen, warum ich dieser Spur überhaupt folge." Corvyn setzte sich auf einen umgestürzten Ceramit-Block am Rand des Wachturms, seine Bewegungen die eines Mannes, der plötzlich viel älter wirkte, als sein tatsächliches Alter vermuten ließ. „Ich war neunzehn Jahre alt, ein junger Akolyth im Dienst meines Lehrmeisters, als unsere Ermittlungszelle eine Spur Cyphers auf einer Welt namens Voss Prime verfolgte. Wir fanden ihn — oder glaubten, ihn gefunden zu haben. Mein Lehrmeister, überzeugt von seiner Schuld, befahl den sofortigen Angriff, ohne Verhör, ohne Gelegenheit zur Erklärung. Cypher tötete ihn und vier weitere Akolythen in weniger als einer Minute, floh, und ließ mich als einzigen Überlebenden zurück — nicht durch Gnade, glaube ich, sondern weil er erkannte, dass ich zu jung war, um eine wirkliche Bedrohung darzustellen." Er sah zu Bariel, seine Augen von einer alten, ungelösten Last gezeichnet. „Ich habe die letzten siebenundvierzig Jahre damit verbracht, herauszufinden, ob mein Lehrmeister recht hatte, oder ob wir an jenem Tag einen Mann töteten — beinahe töteten —, der etwas ganz anderes war, als wofür wir ihn hielten."

„Das erklärt Ihre Hartnäckigkeit", sagte Bariel. „Aber nicht, warum Sie uns jetzt Ihre Informationen anbieten, statt sie für sich zu behalten."

„Weil ich siebenundvierzig Jahre allein gejagt habe, Interrogator-Ordenspriester, und weil ich beginne zu fürchten, dass ich sterben werde, bevor ich die Antwort finde, die ich suche." Corvyns Stimme trug eine seltene, ungeschützte Ehrlichkeit. „Ich bin nicht mehr jung. Ich habe vielleicht noch zwanzig, dreißig Jahre, bevor mein Körper mich im Stich lässt. Ich brauche Verbündete, die diese Suche fortsetzen können, sollte ich es nicht mehr schaffen — und ich glaube, ein Interrogator-Ordenspriester, der bereits bereit war, mit dem Arch-Verräter selbst zu verhandeln, statt ihn sofort zu töten, ist der beste Verbündete, den ich in siebenundvierzig Jahren gefunden habe."

Corvyns Mundwinkel hoben sich zu etwas, das fast ein Lächeln war. „Ich weiß, wohin er als Nächstes geht, Interrogator-Ordenspriester. Und ich glaube nicht, dass Ihnen gefallen wird, was ich Ihnen zu sagen habe."

Sie fanden ihn wartend, offen sichtbar auf einem zerstörten Wachturm am Rand der äußeren Verteidigungslinie, als hätte er ihre Annäherung die ganze Zeit erwartet und keinerlei Interesse daran gehabt, sich zu verbergen. Er trug keine Rüstung eines bekannten Ordens, sondern eine unmarkierte, dunkelgraue Panzerung, deren Herkunft Bariel nicht sofort zuordnen konnte, bis er die kleine, kaum sichtbare Aquila-Inschrift an seinem Kragen bemerkte, die eine ganz andere, weit ältere Zugehörigkeit verriet als jeder Space-Marine-Orden.

„Ein Inquisitor", sagte Bariel, seine Stimme gedämpft, als sie näher kamen.

„Inquisitor Vantel Corvyn, Ordo Hereticus." Der Mann sprach, bevor sie ihn direkt ansprechen konnten, seine Stimme trocken, mit dem Unterton eines Menschen, der lange gelernt hatte, jede Situation zu kontrollieren, in die er sich begab. „Ich habe erwartet, dass die Dark Angels früher oder später hier eintreffen würden, Interrogator-Ordenspriester Bariel. Cyphers Spur zieht immer mehr an als nur eure eigene Jagd."

„Sie kennen meinen Namen." Bariel blieb stehen, seine Hand nahe an seinem Krosius, obwohl er wusste, dass ein offener Konflikt mit einem Inquisitor Konsequenzen nach sich ziehen würde, die weit über diese eine Begegnung hinausgingen.

„Ich kenne die Namen der meisten, die in den letzten Jahrzehnten dem Weißen Wanderer zu nahe gekommen sind." Corvyn stieg vom Wachturm herab, seine Bewegungen bedächtig, ohne jede Eile. „Ich verfolge diese Spur seit siebenundvierzig Jahren, Interrogator-Ordenspriester — mein gesamtes Leben als Inquisitor, gewidmet einem einzigen Fall, den meine Vorgesetzten längst als hoffnungslos aufgegeben haben. Ich bin näher an eine Antwort gekommen als jeder andere lebende Diener des Imperiums, und ich habe nicht die Absicht, diesen Fortschritt an einen Orden abzutreten, dessen eigene Geheimniskrämerei diese Jagd erst so kompliziert gemacht hat, wie sie ist."

„Was wollen Sie von uns?", fragte Malachar direkt, sein Sturmbolter noch immer gesenkt, aber bereit.

Der Inquisitor musterte Malachar einen Moment lang, mit dem geübten Blick eines Mannes, der es gewohnt war, jede Begegnung als potenzielle Bedrohung zu bewerten, bevor er antwortete.

„Zusammenarbeit, so widerwillig sie auch für beide Seiten sein mag." Corvyn blieb einige Schritte entfernt stehen, seine Hände sichtbar, ohne Waffen. „Ich habe in den letzten Wochen dieselben Zeugen befragt wie ihr, dieselben Spuren verfolgt. Ich glaube, wir nähern uns demselben Ziel, aus unterschiedlichen Richtungen, mit möglicherweise sehr unterschiedlichen Absichten, sobald wir es erreichen."

„Welche Absicht verfolgen Sie?", fragte Bariel.

Corvyns Gesicht verhärtete sich, eine Kälte, die Bariel unmittelbar beunruhigte. „Cypher ist seit siebenundvierzig Jahren mein Fall, weil ich glaube, dass er, ungeachtet all der wohltätigen Legenden, die sich um seine Erscheinungen ranken, letztlich eine Bedrohung darstellt, die das Imperium nicht länger tolerieren kann. Er manipuliert Schlachten. Er lenkt Flotten um, ohne jede offizielle Autorität. Er beeinflusst die Geschicke ganzer Sektoren, ohne dass irgendjemand außerhalb einer Handvoll Legenden je die wahre Kette seiner Motive nachvollziehen kann. Ein Mann mit solcher Macht, der außerhalb jeder imperialen Kontrolle operiert, ist per Definition eine Häresie, ganz gleich, wie viele Leben er scheinbar rettet, während er sie begeht."

„Sie wollen ihn also gefangen nehmen. Oder töten."

„Ich will ihn verstehen, bevor ich entscheide, welche der beiden Optionen die Sicherheit des Imperiums besser dient." Corvyns Stimme milderte sich leicht, eine Andeutung von Ehrlichkeit, die Bariel trotz seines Misstrauens registrierte. „Ich bin nicht Ihr Feind, Interrogator-Ordenspriester, auch wenn unsere Ziele nicht identisch sein mögen. Und ich glaube, dass wir beide, jeder für sich, weniger Erfolgschancen haben, als wenn wir zumindest vorübergehend unsere Informationen teilen."

Bariel sah zu Malachar, der eine kaum wahrnehmbare, warnende Geste andeutete — die instinktive Vorsicht eines Deathwing-Terminators gegenüber jeder externen Autorität, die Anspruch auf eine Angelegenheit erhob, die traditionell allein der Domäne der Unversöhnten vorbehalten war. Aber Bariel dachte auch an die Worte, die er in den letzten Wochen gelernt hatte zu hören, statt sie sofort abzulehnen — die Lektion, die ihm Sarnuel vor zwölf Jahren beigebracht hatte, die Lektion, die Luther ihm auf Sethrak Vier bestätigt hatte, dass wahre Antworten selten dort gefunden wurden, wo man sich weigerte, überhaupt zuzuhören.

„Ich habe keine Absicht, meine Autorität hier mit Ihnen zu teilen, Inquisitor." Malachars Stimme trug die unverhohlene Skepsis eines Mannes, dessen gesamte Ausbildung ihn gelehrt hatte, dass externe Einmischung in Angelegenheiten der Unversöhnten selten gut endete. „Unser Orden hat seine eigenen Methoden, seine eigenen Gründe, diese Jagd zu führen. Wir brauchen die Hilfe des Ordo Hereticus nicht."

„Und doch", sagte Corvyn, ein dünnes Lächeln um seine Lippen, „sind Sie hier, an der Peripherie eines Grenzsystems, mit einem einzigen Begleiter und keiner offensichtlichen Unterstützung, während ich siebenundvierzig Jahre Ermittlungsarbeit mitbringe, auf die Sie andernfalls Jahrzehnte warten müssten, um sie selbst zusammenzutragen. Ich schlage keine Unterordnung vor, Sergeant. Ich schlage einen Handel vor, zwischen zwei Parteien, die beide etwas besitzen, das die andere braucht."

Bariel betrachtete den Inquisitor mit der geschulten Aufmerksamkeit eines Mannes, dessen Amt ihn gelehrt hatte, jede Nuance einer Verhandlung zu lesen. Corvyns Angebot trug echte Substanz — das spürte er, mit derselben Instinktsicherheit, die ihm bei Luther geholfen hatte, Wahrheit von Täuschung zu unterscheiden —, aber es trug auch ein Risiko, das er nicht leichtfertig ignorieren durfte. Ein Inquisitor, der siebenundvierzig Jahre seines Lebens einer einzigen Jagd gewidmet hatte, würde selten bereit sein, den letzten, entscheidenden Moment dieser Jagd einem anderen zu überlassen, ganz gleich, welche vorläufigen Zusicherungen er jetzt anbot.

„Bevor wir irgendeine Vereinbarung treffen", sagte Bariel, „muss ich wissen: Was geschieht, wenn wir Cypher tatsächlich finden, und unsere jeweiligen Vorgesetzten unterschiedliche Anweisungen für sein Schicksal erteilt haben? Mein Orden unterliegt dem Obersten Großmeister. Ihre Befugnis unterliegt dem Ordo Hereticus. Wer entscheidet, wenn diese beiden Autoritäten kollidieren?"

Corvyns Ausdruck verhärtete sich leicht, eine seltene Offenbarung echter Unsicherheit unter der routinierten Fassade eines erfahrenen Ermittlers. „Ich habe keine vollständige Antwort auf diese Frage, Interrogator-Ordenspriester, und ich werde Sie nicht mit einer Lüge beleidigen, indem ich vorgebe, eine zu haben. Ich kann Ihnen nur versichern, dass mein primäres Interesse Wahrheit ist, nicht Vergeltung. Wenn Cypher tatsächlich das ist, wofür ihn die letzten drei Jahre meiner Ermittlung zunehmend zu sprechen scheinen — ein Mann, der, aus Gründen, die ich noch nicht vollständig verstehe, im verborgenen Dienst des Imperiums operiert —, dann werde ich diese Wahrheit meinen Vorgesetzten genauso ungeschönt berichten, wie ich jede andere Ermittlung berichte, ungeachtet dessen, wie unbequem sie für die offizielle Doktrin sein mag."

„Was genau wissen Sie, das wir nicht wissen?", fragte Bariel schließlich.

„Bevor ich antworte, sollten Sie wissen, warum ich dieser Spur überhaupt folge." Corvyn setzte sich auf einen umgestürzten Ceramit-Block am Rand des Wachturms, seine Bewegungen die eines Mannes, der plötzlich viel älter wirkte, als sein tatsächliches Alter vermuten ließ. „Ich war neunzehn Jahre alt, ein junger Akolyth im Dienst meines Lehrmeisters, als unsere Ermittlungszelle eine Spur Cyphers auf einer Welt namens Voss Prime verfolgte. Wir fanden ihn — oder glaubten, ihn gefunden zu haben. Mein Lehrmeister, überzeugt von seiner Schuld, befahl den sofortigen Angriff, ohne Verhör, ohne Gelegenheit zur Erklärung. Cypher tötete ihn und vier weitere Akolythen in weniger als einer Minute, floh, und ließ mich als einzigen Überlebenden zurück — nicht durch Gnade, glaube ich, sondern weil er erkannte, dass ich zu jung war, um eine wirkliche Bedrohung darzustellen." Er sah zu Bariel, seine Augen von einer alten, ungelösten Last gezeichnet. „Ich habe die letzten siebenundvierzig Jahre damit verbracht, herauszufinden, ob mein Lehrmeister recht hatte, oder ob wir an jenem Tag einen Mann töteten — beinahe töteten —, der etwas ganz anderes war, als wofür wir ihn hielten."

„Das erklärt Ihre Hartnäckigkeit", sagte Bariel. „Aber nicht, warum Sie uns jetzt Ihre Informationen anbieten, statt sie für sich zu behalten."

„Weil ich siebenundvierzig Jahre allein gejagt habe, Interrogator-Ordenspriester, und weil ich beginne zu fürchten, dass ich sterben werde, bevor ich die Antwort finde, die ich suche." Corvyns Stimme trug eine seltene, ungeschützte Ehrlichkeit. „Ich bin nicht mehr jung. Ich habe vielleicht noch zwanzig, dreißig Jahre, bevor mein Körper mich im Stich lässt. Ich brauche Verbündete, die diese Suche fortsetzen können, sollte ich es nicht mehr schaffen — und ich glaube, ein Interrogator-Ordenspriester, der bereits bereit war, mit dem Arch-Verräter selbst zu verhandeln, statt ihn sofort zu töten, ist der beste Verbündete, den ich in siebenundvierzig Jahren gefunden habe."

Corvyns Mundwinkel hoben sich zu etwas, das fast ein Lächeln war. „Ich weiß, wohin er als Nächstes geht, Interrogator-Ordenspriester. Und ich glaube nicht, dass Ihnen gefallen wird, was ich Ihnen zu sagen habe."

V. DIE SPUR NACH CAMARTHV. DIE SPUR NACH CAMARTH

Sie trafen sich in der Abgeschiedenheit von Bariels und Malachars Shuttle, eine ungewöhnliche, vorsichtige Allianz zwischen den Vertretern zweier Institutionen, die sich seit Jahrtausenden mit tiefem, gegenseitigem Misstrauen begegneten, während Corvyn eine Reihe eigener Datenslates ausbreitete, jede mit sorgfältig gesammelten Fragmenten einer Geschichte, die sich über Jahrzehnte erstreckte.

Malachar beobachtete die Vorbereitung mit unverhohlener Wachsamkeit, sein Sturmbolter griffbereit auf seinem Schoß, auch wenn die formelle Etikette der Situation eine offene Bedrohung ausschloss. „Ich vertraue keinem Mann, der siebenundvierzig Jahre einer einzigen Idee gewidmet hat, ohne dass sie sich als falsch erwiesen hätte", murmelte er zu Bariel, während Corvyn seine Ausrüstung ordnete. „Solche Besessenheit macht Männer blind für Alternativen, die ihrer eigenen Version der Wahrheit widersprechen."

„Vielleicht", erwiderte Bariel leise. „Oder vielleicht hat gerade diese Besessenheit ihn zu Erkenntnissen geführt, die uns fehlen. Wir werden es erst wissen, wenn wir seine Informationen mit unseren eigenen vergleichen."

„Cypher bewegt sich seit ungefähr drei Jahren in einem Muster, das ich zuvor nie beobachtet hatte, in siebenundvierzig Jahren der Verfolgung", begann Corvyn, seine Finger über die projizierten Sternkarten gleitend. „Zuvor war seine Bewegung, wie es scheint, tatsächlich zufällig — jede Sichtung schien unabhängig von der vorherigen, ohne erkennbares Ziel, ohne erkennbares Muster. Seit der Großen Riss die Galaxie zerriss, seit ich zum ersten Mal die Gerüchte von der möglichen Rückkehr eures Primarchen hörte, hat sich das geändert."

Er projizierte eine Reihe von Punkten über die Karte, jeder mit einem Datum versehen, die sich, wie Bariel mit wachsender Faszination erkannte, tatsächlich zu einer erkennbaren Linie formten — einer Linie, die sich, langsam aber stetig, in Richtung des Imperium Nihilus bewegte, in Richtung jenes zerrissenen, kaum kartierten Raums, in dem der Löwe zuerst wieder erschienen war.

„Er bewegt sich auf Camarth zu", sagte Bariel, die Bestätigung dessen aussprechend, was Oberst Rasks letzte Worte bereits angedeutet hatten.

„Nicht mehr", sagte Corvyn, und in seiner Stimme lag eine Note von Dringlichkeit, die Bariel zum ersten Mal seit Beginn ihres Gesprächs wirklich beunruhigte. „Meine letzten Informationen, gesammelt vor weniger als einer Woche, deuten darauf hin, dass er Camarth bereits verlassen hat — dass der Primarch selbst nicht mehr dort ist, sondern sich, mit einer kleinen, aber wachsenden Streitmacht, weiter durch das Imperium Nihilus bewegt, in Richtung einer Reihe von belagerten imperialen Enklaven. Cypher folgt ihm, nicht direkt, sondern in einer Art Parallelbewegung, als würde er den Weg vorbereiten, bevor der Löwe selbst dort eintrifft."

„Woher stammen diese Informationen?", fragte Malachar, seine Stimme von unverhohlenem Misstrauen geprägt. „Der Innere Zirkel unseres eigenen Ordens besitzt kaum zuverlässige Berichte über die Bewegungen unseres Primarchen. Wie kommt ein einzelner Inquisitor zu detaillierteren Kenntnissen?"

„Weil ich nicht auf offizielle Kanäle angewiesen bin, Sergeant." Corvyns Stimme trug einen Anflug von Stolz, gemischt mit der Müdigkeit eines Mannes, der seine Methoden über Jahrzehnte hinweg gegen ständige Skepsis verteidigen musste. „Ich unterhalte ein Netzwerk unabhängiger Informanten über ein Dutzend Sektoren hinweg — Handelskapitäne, rogue Trader, sogar einige verbannte Adepten, die aus Gründen, die nichts mit Loyalität zu tun haben, bereit sind, für Bezahlung zu berichten, was sie sehen. Keiner von ihnen weiß, wofür ich diese Informationen tatsächlich verwende. Aber in ihrer Summe ergeben sie ein Bild, das präziser ist als jeder offizielle astropathische Bericht, der durch ein Dutzend bürokratischer Filter läuft, bevor er sein Ziel erreicht."

„Warum?", fragte Malachar.

„Das", sagte Corvyn, „ist die Frage, die mich seit drei Jahren nicht schlafen lässt." Er projizierte eine letzte Karte, eine Konzentration von Sichtungen um ein einzelnes System, das Bariel nicht kannte, ein Name, der auf keiner der Karten stand, die er in seiner Ausbildung studiert hatte. „Vor sechs Tagen wurde er zuletzt gesichtet, hier, in einem System namens Threndal, an der Peripherie des Nihilus-Raums. Threndal ist, nach allem, was meine eigenen Quellen mir berichten konnten, das nächste vorgesehene Ziel der Streitmacht des Löwen — eine kritische, aber schwer verteidigte imperiale Welt, deren Fall der Sache des Imperiums in diesem gesamten Sektor einen verheerenden Schlag versetzen würde."

Bariel studierte die Projektion, sein Verstand die Implikationen zusammensetzend, mit einer Geschwindigkeit, die selbst ihn überraschte. „Sie glauben, dass Cypher versucht, Threndal zu sichern, bevor der Löwe eintrifft. Nicht als Verräter. Als — Vorhut."

„Threndal ist nicht die einzige Welt auf dieser Liste", fügte Corvyn hinzu, eine zweite Karte projizierend, übersät mit einem Dutzend weiterer markierter Systeme. „In den letzten drei Jahren habe ich sieben weitere Fälle dokumentiert, in denen Cypher, kurz bevor eine bedeutende imperiale Streitmacht eintraf, bereits vor Ort war — jedes Mal, um eine versteckte Bedrohung zu neutralisieren, die andernfalls unentdeckt geblieben wäre. Eine Kultzelle hier. Ein sabotiertes Void-Schild dort. Ein Verräter innerhalb der planetaren Verteidigung, den er persönlich exponierte, bevor er wieder verschwand. Das Muster ist zu konsistent, um Zufall zu sein, Interrogator-Ordenspriester. Er bereitet buchstäblich den Weg für euren Primarchen vor, System für System, ohne dass irgendjemand außerhalb einer Handvoll Ermittler wie mich es je bemerkt hätte."

Malachar betrachtete die Karte mit wachsendem Unbehagen. „Das würde bedeuten, dass er über Informationen verfügt, die selbst unser eigener Orden nicht besitzt — genaue Kenntnis der Route des Löwen, lange bevor sie öffentlich wird."

„Oder er verfügt über etwas noch Bemerkenswerteres", sagte Bariel langsam, eine Möglichkeit erwägend, die ihm erst jetzt, im Angesicht der vollständigen Karte, in ihrer ganzen Tragweite bewusst wurde. „Direkte Kommunikation mit dem Löwen selbst. Nicht Gerücht, nicht Vermutung — eine tatsächliche, fortlaufende Verbindung, die es ihm erlaubt, dessen Bewegungen vorherzusehen, weil er sie im Voraus kennt."

„Ich glaube, dass ich siebenundvierzig Jahre damit verbracht habe, einen Mann zu jagen, den ich nicht mehr sicher als Verräter bezeichnen kann, obwohl jede offizielle Akte des Imperiums genau das über ihn behauptet." Corvyns Stimme trug jetzt eine Erschöpfung, die der von Cassiel während der langen Reise mit Luther nicht unähnlich war — die Erschöpfung eines Mannes, dessen gesamte Lebensarbeit von einer Wahrheit infrage gestellt wurde, die er sich selbst nie erlaubt hatte, vollständig zu erwägen. „Und ich glaube, dass wir, wenn wir Threndal rechtzeitig erreichen, endlich die Gelegenheit haben werden, diese Frage direkt zu klären — nicht durch Vermutung, sondern durch direkte Konfrontation."

Sie trafen sich in der Abgeschiedenheit von Bariels und Malachars Shuttle, eine ungewöhnliche, vorsichtige Allianz zwischen den Vertretern zweier Institutionen, die sich seit Jahrtausenden mit tiefem, gegenseitigem Misstrauen begegneten, während Corvyn eine Reihe eigener Datenslates ausbreitete, jede mit sorgfältig gesammelten Fragmenten einer Geschichte, die sich über Jahrzehnte erstreckte.

Malachar beobachtete die Vorbereitung mit unverhohlener Wachsamkeit, sein Sturmbolter griffbereit auf seinem Schoß, auch wenn die formelle Etikette der Situation eine offene Bedrohung ausschloss. „Ich vertraue keinem Mann, der siebenundvierzig Jahre einer einzigen Idee gewidmet hat, ohne dass sie sich als falsch erwiesen hätte", murmelte er zu Bariel, während Corvyn seine Ausrüstung ordnete. „Solche Besessenheit macht Männer blind für Alternativen, die ihrer eigenen Version der Wahrheit widersprechen."

„Vielleicht", erwiderte Bariel leise. „Oder vielleicht hat gerade diese Besessenheit ihn zu Erkenntnissen geführt, die uns fehlen. Wir werden es erst wissen, wenn wir seine Informationen mit unseren eigenen vergleichen."

„Cypher bewegt sich seit ungefähr drei Jahren in einem Muster, das ich zuvor nie beobachtet hatte, in siebenundvierzig Jahren der Verfolgung", begann Corvyn, seine Finger über die projizierten Sternkarten gleitend. „Zuvor war seine Bewegung, wie es scheint, tatsächlich zufällig — jede Sichtung schien unabhängig von der vorherigen, ohne erkennbares Ziel, ohne erkennbares Muster. Seit der Großen Riss die Galaxie zerriss, seit ich zum ersten Mal die Gerüchte von der möglichen Rückkehr eures Primarchen hörte, hat sich das geändert."

Er projizierte eine Reihe von Punkten über die Karte, jeder mit einem Datum versehen, die sich, wie Bariel mit wachsender Faszination erkannte, tatsächlich zu einer erkennbaren Linie formten — einer Linie, die sich, langsam aber stetig, in Richtung des Imperium Nihilus bewegte, in Richtung jenes zerrissenen, kaum kartierten Raums, in dem der Löwe zuerst wieder erschienen war.

„Er bewegt sich auf Camarth zu", sagte Bariel, die Bestätigung dessen aussprechend, was Oberst Rasks letzte Worte bereits angedeutet hatten.

„Nicht mehr", sagte Corvyn, und in seiner Stimme lag eine Note von Dringlichkeit, die Bariel zum ersten Mal seit Beginn ihres Gesprächs wirklich beunruhigte. „Meine letzten Informationen, gesammelt vor weniger als einer Woche, deuten darauf hin, dass er Camarth bereits verlassen hat — dass der Primarch selbst nicht mehr dort ist, sondern sich, mit einer kleinen, aber wachsenden Streitmacht, weiter durch das Imperium Nihilus bewegt, in Richtung einer Reihe von belagerten imperialen Enklaven. Cypher folgt ihm, nicht direkt, sondern in einer Art Parallelbewegung, als würde er den Weg vorbereiten, bevor der Löwe selbst dort eintrifft."

„Woher stammen diese Informationen?", fragte Malachar, seine Stimme von unverhohlenem Misstrauen geprägt. „Der Innere Zirkel unseres eigenen Ordens besitzt kaum zuverlässige Berichte über die Bewegungen unseres Primarchen. Wie kommt ein einzelner Inquisitor zu detaillierteren Kenntnissen?"

„Weil ich nicht auf offizielle Kanäle angewiesen bin, Sergeant." Corvyns Stimme trug einen Anflug von Stolz, gemischt mit der Müdigkeit eines Mannes, der seine Methoden über Jahrzehnte hinweg gegen ständige Skepsis verteidigen musste. „Ich unterhalte ein Netzwerk unabhängiger Informanten über ein Dutzend Sektoren hinweg — Handelskapitäne, rogue Trader, sogar einige verbannte Adepten, die aus Gründen, die nichts mit Loyalität zu tun haben, bereit sind, für Bezahlung zu berichten, was sie sehen. Keiner von ihnen weiß, wofür ich diese Informationen tatsächlich verwende. Aber in ihrer Summe ergeben sie ein Bild, das präziser ist als jeder offizielle astropathische Bericht, der durch ein Dutzend bürokratischer Filter läuft, bevor er sein Ziel erreicht."

„Warum?", fragte Malachar.

„Das", sagte Corvyn, „ist die Frage, die mich seit drei Jahren nicht schlafen lässt." Er projizierte eine letzte Karte, eine Konzentration von Sichtungen um ein einzelnes System, das Bariel nicht kannte, ein Name, der auf keiner der Karten stand, die er in seiner Ausbildung studiert hatte. „Vor sechs Tagen wurde er zuletzt gesichtet, hier, in einem System namens Threndal, an der Peripherie des Nihilus-Raums. Threndal ist, nach allem, was meine eigenen Quellen mir berichten konnten, das nächste vorgesehene Ziel der Streitmacht des Löwen — eine kritische, aber schwer verteidigte imperiale Welt, deren Fall der Sache des Imperiums in diesem gesamten Sektor einen verheerenden Schlag versetzen würde."

Bariel studierte die Projektion, sein Verstand die Implikationen zusammensetzend, mit einer Geschwindigkeit, die selbst ihn überraschte. „Sie glauben, dass Cypher versucht, Threndal zu sichern, bevor der Löwe eintrifft. Nicht als Verräter. Als — Vorhut."

„Threndal ist nicht die einzige Welt auf dieser Liste", fügte Corvyn hinzu, eine zweite Karte projizierend, übersät mit einem Dutzend weiterer markierter Systeme. „In den letzten drei Jahren habe ich sieben weitere Fälle dokumentiert, in denen Cypher, kurz bevor eine bedeutende imperiale Streitmacht eintraf, bereits vor Ort war — jedes Mal, um eine versteckte Bedrohung zu neutralisieren, die andernfalls unentdeckt geblieben wäre. Eine Kultzelle hier. Ein sabotiertes Void-Schild dort. Ein Verräter innerhalb der planetaren Verteidigung, den er persönlich exponierte, bevor er wieder verschwand. Das Muster ist zu konsistent, um Zufall zu sein, Interrogator-Ordenspriester. Er bereitet buchstäblich den Weg für euren Primarchen vor, System für System, ohne dass irgendjemand außerhalb einer Handvoll Ermittler wie mich es je bemerkt hätte."

Malachar betrachtete die Karte mit wachsendem Unbehagen. „Das würde bedeuten, dass er über Informationen verfügt, die selbst unser eigener Orden nicht besitzt — genaue Kenntnis der Route des Löwen, lange bevor sie öffentlich wird."

„Oder er verfügt über etwas noch Bemerkenswerteres", sagte Bariel langsam, eine Möglichkeit erwägend, die ihm erst jetzt, im Angesicht der vollständigen Karte, in ihrer ganzen Tragweite bewusst wurde. „Direkte Kommunikation mit dem Löwen selbst. Nicht Gerücht, nicht Vermutung — eine tatsächliche, fortlaufende Verbindung, die es ihm erlaubt, dessen Bewegungen vorherzusehen, weil er sie im Voraus kennt."

„Ich glaube, dass ich siebenundvierzig Jahre damit verbracht habe, einen Mann zu jagen, den ich nicht mehr sicher als Verräter bezeichnen kann, obwohl jede offizielle Akte des Imperiums genau das über ihn behauptet." Corvyns Stimme trug jetzt eine Erschöpfung, die der von Cassiel während der langen Reise mit Luther nicht unähnlich war — die Erschöpfung eines Mannes, dessen gesamte Lebensarbeit von einer Wahrheit infrage gestellt wurde, die er sich selbst nie erlaubt hatte, vollständig zu erwägen. „Und ich glaube, dass wir, wenn wir Threndal rechtzeitig erreichen, endlich die Gelegenheit haben werden, diese Frage direkt zu klären — nicht durch Vermutung, sondern durch direkte Konfrontation."

VI. EIN GEFALLENER, DER IHN EBENFALLS JAGTVI. EIN GEFALLENER, DER IHN EBENFALLS JAGT

Die Reise nach Threndal dauerte sechs Tage, in denen sich eine vorsichtige, aber echte Zusammenarbeit zwischen Bariel, Malachar und dem Inquisitor entwickelte — eine Allianz, die keiner der drei je öffentlich zugegeben hätte, gegenüber seinen jeweiligen Vorgesetzten, aber die dennoch, mit jedem geteilten Fragment ihrer jeweiligen Untersuchungen, an gegenseitigem Respekt gewann.

Threndal war eine Agrarwelt am äußersten Rand des kartierten Nihilus-Raums, ihre Verteidigungslinien bereits dünn gespannt gegen einen kontinuierlichen Strom kleinerer Chaos-Überfälle, die seit der Entstehung des Großen Risses nicht nachgelassen hatten. Die Hauptstadt der Welt, eine befestigte Minensiedlung, deren Wirtschaft fast ausschließlich von der Förderung seltener Erze abhing, die für die Waffenschmieden des Sektors von Bedeutung waren, trug bereits die Zeichen einer Bevölkerung, die sich auf eine bevorstehende Belagerung vorbereitete — verstärkte Barrikaden, evakuierte Außenbezirke, eine spürbare Anspannung, die selbst durch die dicke Panzerung ihres Shuttles hindurch fühlbar war, als sie den äußeren Orbit erreichten. Als ihr Shuttle in den äußeren Orbit eintrat, empfingen sie sofort Anzeichen einer aktiven, aber noch nicht offen deklarierten Bedrohung — verschlüsselte imperiale Notrufe, gemischt mit Signaturen, die Malachars Sensoren als Chaos-Kultaktivität identifizierten, tief in den unterirdischen Minenkomplexen der Hauptsiedlung.

„Es ist bereits im Gange", sagte Corvyn, seine Stimme angespannt, während sie sich auf die Landung vorbereiteten. „Was auch immer hier geschieht, es hat bereits begonnen, bevor wir eintrafen."

Sie landeten in einer abgelegenen Ecke des äußeren Verteidigungsrings, außerhalb der Sichtweite der regulären Garnisonstruppen, und bewegten sich zu Fuß in Richtung der Minenkomplexe, aus denen die stärksten Signaturen ausstrahlten. Es war Malachar, der die erste konkrete Spur fand — ein frisches Kampffeld, tief in einem der äußeren Zugangstunnel, übersät mit den Leichen dessen, was einst ein kleiner Trupp Chaos-Kultisten gewesen war, jeder mit derselben präzisen, wirtschaftlichen Tödlichkeit getötet, die Bariel bereits aus den Berichten von Perdyns Fall kannte.

„Er ist uns voraus", sagte Bariel, während er die Szene studierte. „Und er kämpft bereits."

Es war in diesem Moment, während sie tiefer in den Tunnel vordrangen, dass sie auf den Gefallenen stießen — einen Mann in einer Rüstung, die Bariel sofort als weitaus älter erkannte als jede, die er zuvor gesehen hatte, mit calibanitischen Ursprüngen, die noch tiefer in die Geschichte des Ordens zurückreichten als selbst Luthers eigene Panzerung. Er kniete über der Leiche eines der Kultisten, ein langes, gebogenes Messer in der Hand, mit einer Konzentration, die auf ein Verhör hindeutete, das gerade erst begonnen hatte, als sie eintrafen.

Er blickte auf, ohne jede Überraschung, als hätte er ihre Ankunft die ganze Zeit erwartet.

„Dark Angels." Seine Stimme war rau, gezeichnet von Jahrtausenden, die Bariel bereits aus Luthers eigenem Klang vertraut waren, aber härter, kälter, ohne die zerbrochene Verzweiflung, die Luthers Worte durchdrungen hatte. „Und ein Inquisitor. Wie passend. Ihr jagt alle dasselbe Gespenst wie ich, nehme ich an."

„Wer bist du?", verlangte Corvyn, seine eigene Waffe bereits erhoben.

„Sar Ashkelon, einst Ritter des Ordens, jetzt —" Der Gefallene lachte, ein bitteres, kurzes Geräusch. „Jetzt nichts Bestimmtes mehr, außer einem Mann mit einer einzigen verbliebenen Aufgabe. Ich jage Cypher, so wie ihr ihn jagt, aber aus einem Grund, den keiner von euch, glaube ich, vollständig teilen wird."

Bariel musterte den Gefallenen mit der geschulten Aufmerksamkeit seines Amtes, registrierte die Details, die eine lange, komplizierte Geschichte verrieten — die Art, wie seine Rüstung, so alt sie auch war, mit einer Sorgfalt gepflegt worden war, die auf jahrhundertelange, disziplinierte Gewohnheit hindeutete, nicht auf den Verfall, den er bei den meisten Gefallenen erwartet hätte, die er in den letzten Wochen begegnet war. Dies war kein Mann, der sich dem Chaos vollständig ergeben hatte. Dies war ein Mann, der etwas von seiner ursprünglichen Disziplin bewahrt hatte, selbst durch zehntausend Jahre der Verbannung, und diese Beobachtung allein machte ihn gefährlicher, unberechenbarer als jeder gewöhnliche Fallen-Kultist, dem Bariel in seiner Laufbahn begegnet war.

„Sprich", sagte Bariel.

Sar Ashkelon erhob sich langsam, das Messer noch immer in der Hand, aber nicht drohend erhoben. „Cypher hat in den letzten Jahrzehnten Dutzende unserer verstreuten Zellen verraten — nicht an euch, Dark Angels, sondern an andere Mächte, die uns aus Gründen jagten, die mit eurer Doktrin nichts zu tun hatten. Ich habe Brüder verloren, die ich seit Jahrhunderten kannte, weil dieser Mann glaubte, dass ihre Existenz einem größeren Ziel im Wege stand, dessen Natur er nie jemandem offenbarte. Ich bin nicht hier, um ihm zuzuhören, wie es scheint, dass ihr es beabsichtigt. Ich bin hier, um ihn endlich für das zur Rechenschaft zu ziehen, was er über Jahrtausende hinweg getan hat."

Die Reise nach Threndal dauerte sechs Tage, in denen sich eine vorsichtige, aber echte Zusammenarbeit zwischen Bariel, Malachar und dem Inquisitor entwickelte — eine Allianz, die keiner der drei je öffentlich zugegeben hätte, gegenüber seinen jeweiligen Vorgesetzten, aber die dennoch, mit jedem geteilten Fragment ihrer jeweiligen Untersuchungen, an gegenseitigem Respekt gewann.

Threndal war eine Agrarwelt am äußersten Rand des kartierten Nihilus-Raums, ihre Verteidigungslinien bereits dünn gespannt gegen einen kontinuierlichen Strom kleinerer Chaos-Überfälle, die seit der Entstehung des Großen Risses nicht nachgelassen hatten. Die Hauptstadt der Welt, eine befestigte Minensiedlung, deren Wirtschaft fast ausschließlich von der Förderung seltener Erze abhing, die für die Waffenschmieden des Sektors von Bedeutung waren, trug bereits die Zeichen einer Bevölkerung, die sich auf eine bevorstehende Belagerung vorbereitete — verstärkte Barrikaden, evakuierte Außenbezirke, eine spürbare Anspannung, die selbst durch die dicke Panzerung ihres Shuttles hindurch fühlbar war, als sie den äußeren Orbit erreichten. Als ihr Shuttle in den äußeren Orbit eintrat, empfingen sie sofort Anzeichen einer aktiven, aber noch nicht offen deklarierten Bedrohung — verschlüsselte imperiale Notrufe, gemischt mit Signaturen, die Malachars Sensoren als Chaos-Kultaktivität identifizierten, tief in den unterirdischen Minenkomplexen der Hauptsiedlung.

„Es ist bereits im Gange", sagte Corvyn, seine Stimme angespannt, während sie sich auf die Landung vorbereiteten. „Was auch immer hier geschieht, es hat bereits begonnen, bevor wir eintrafen."

Sie landeten in einer abgelegenen Ecke des äußeren Verteidigungsrings, außerhalb der Sichtweite der regulären Garnisonstruppen, und bewegten sich zu Fuß in Richtung der Minenkomplexe, aus denen die stärksten Signaturen ausstrahlten. Es war Malachar, der die erste konkrete Spur fand — ein frisches Kampffeld, tief in einem der äußeren Zugangstunnel, übersät mit den Leichen dessen, was einst ein kleiner Trupp Chaos-Kultisten gewesen war, jeder mit derselben präzisen, wirtschaftlichen Tödlichkeit getötet, die Bariel bereits aus den Berichten von Perdyns Fall kannte.

„Er ist uns voraus", sagte Bariel, während er die Szene studierte. „Und er kämpft bereits."

Es war in diesem Moment, während sie tiefer in den Tunnel vordrangen, dass sie auf den Gefallenen stießen — einen Mann in einer Rüstung, die Bariel sofort als weitaus älter erkannte als jede, die er zuvor gesehen hatte, mit calibanitischen Ursprüngen, die noch tiefer in die Geschichte des Ordens zurückreichten als selbst Luthers eigene Panzerung. Er kniete über der Leiche eines der Kultisten, ein langes, gebogenes Messer in der Hand, mit einer Konzentration, die auf ein Verhör hindeutete, das gerade erst begonnen hatte, als sie eintrafen.

Er blickte auf, ohne jede Überraschung, als hätte er ihre Ankunft die ganze Zeit erwartet.

„Dark Angels." Seine Stimme war rau, gezeichnet von Jahrtausenden, die Bariel bereits aus Luthers eigenem Klang vertraut waren, aber härter, kälter, ohne die zerbrochene Verzweiflung, die Luthers Worte durchdrungen hatte. „Und ein Inquisitor. Wie passend. Ihr jagt alle dasselbe Gespenst wie ich, nehme ich an."

„Wer bist du?", verlangte Corvyn, seine eigene Waffe bereits erhoben.

„Sar Ashkelon, einst Ritter des Ordens, jetzt —" Der Gefallene lachte, ein bitteres, kurzes Geräusch. „Jetzt nichts Bestimmtes mehr, außer einem Mann mit einer einzigen verbliebenen Aufgabe. Ich jage Cypher, so wie ihr ihn jagt, aber aus einem Grund, den keiner von euch, glaube ich, vollständig teilen wird."

Bariel musterte den Gefallenen mit der geschulten Aufmerksamkeit seines Amtes, registrierte die Details, die eine lange, komplizierte Geschichte verrieten — die Art, wie seine Rüstung, so alt sie auch war, mit einer Sorgfalt gepflegt worden war, die auf jahrhundertelange, disziplinierte Gewohnheit hindeutete, nicht auf den Verfall, den er bei den meisten Gefallenen erwartet hätte, die er in den letzten Wochen begegnet war. Dies war kein Mann, der sich dem Chaos vollständig ergeben hatte. Dies war ein Mann, der etwas von seiner ursprünglichen Disziplin bewahrt hatte, selbst durch zehntausend Jahre der Verbannung, und diese Beobachtung allein machte ihn gefährlicher, unberechenbarer als jeder gewöhnliche Fallen-Kultist, dem Bariel in seiner Laufbahn begegnet war.

„Sprich", sagte Bariel.

Sar Ashkelon erhob sich langsam, das Messer noch immer in der Hand, aber nicht drohend erhoben. „Cypher hat in den letzten Jahrzehnten Dutzende unserer verstreuten Zellen verraten — nicht an euch, Dark Angels, sondern an andere Mächte, die uns aus Gründen jagten, die mit eurer Doktrin nichts zu tun hatten. Ich habe Brüder verloren, die ich seit Jahrhunderten kannte, weil dieser Mann glaubte, dass ihre Existenz einem größeren Ziel im Wege stand, dessen Natur er nie jemandem offenbarte. Ich bin nicht hier, um ihm zuzuhören, wie es scheint, dass ihr es beabsichtigt. Ich bin hier, um ihn endlich für das zur Rechenschaft zu ziehen, was er über Jahrtausende hinweg getan hat."

VII. DER HINTERHALTVII. DER HINTERHALT

Die Spannung in dem engen Minentunnel war beinahe greifbar, vier bewaffnete Männer, deren Loyalitäten und Ziele sich in vier verschiedene Richtungen zogen, während in der Tiefe der Minen, irgendwo jenseits ihrer unmittelbaren Wahrnehmung, das Geräusch weiterer Kämpfe widerhallte.

„Wenn du hier bist, um ihn zu töten", sagte Bariel vorsichtig, „dann stehen unsere Ziele im Widerspruch zueinander, Sar Ashkelon. Ich bin nicht hier, um ihn zu exekutieren. Ich bin hier, um zu verstehen."

„Verstehen." Sar Ashkelons Stimme trug tiefe Verachtung für das Wort. „Ich habe zehntausend Jahre gehabt, um zu verstehen, Interrogator-Ordenspriester, und alles, was ich verstanden habe, ist, dass jeder, der Cyphers Weg zu nahe kommt, am Ende entweder tot ist oder in seinen eigenen Dienst gezwungen wird, auf eine Weise, die keiner von uns vollständig kontrolliert. Ich habe gesehen, wie er Männer manipulierte, die glaubten, freiwillig zu handeln, während sie in Wirklichkeit Steine auf einem Brett waren, dessen vollständiges Muster nur er kannte."

„Das ist eine Anklage, keine Beweisführung", sagte Corvyn scharf, seine Inquisitor-Ausbildung selbst in dieser angespannten Situation die Präzision seiner Sprache formend.

„Ihr werdet euren Beweis erhalten, wenn wir ihn finden." Sar Ashkelon wandte sich zum tieferen Tunnel, seine Bewegung eine unmissverständliche Einladung, ihm zu folgen, oder ihn allein weitergehen zu lassen. „Er ist hier, um die Kultisten zu vertreiben, bevor der Löwe eintrifft — genau, wie eure eigenen Informationen es vermutlich andeuten. Wenn ihr mit mir kommt, werden wir ihn gemeinsam finden. Was danach geschieht, hängt davon ab, wessen Ziel sich in diesem Moment als das Stärkere erweist."

„Wie lange jagst du ihn schon?", fragte Bariel, während sie sich in Bewegung setzten, seine Stimme mit dem vorsichtigen Respekt eines Mannes, der bereits gelernt hatte, dass Sar Ashkelons Feindseligkeit tiefere Wurzeln hatte als bloße Bosheit. Selbst inmitten der angespannten Vorsicht, die ihre unwahrscheinliche Allianz prägte, hatte Bariel gelernt, dass ein Interrogator, der die Fragen stellte, die andere zu stellen vermieden, oft die aufschlussreichsten Antworten erhielt.

„Achthundertsiebzig Jahre, seit dem Tag, an dem ich zum ersten Mal begriff, dass er es war, der eine meiner Zellen an eine Kill-Team der Grauen Ritter verriet — nicht aus Bosheit, wie er es später behauptete, sondern, wie er sagte, weil einer meiner Brüder begonnen hatte, einen dämonischen Pakt zu erwägen, den er nicht dulden wollte." Sar Ashkelons Stimme war flach, kontrolliert, die Kontrolle eines Mannes, der seinen Zorn über Jahrhunderte zu einem kalten, funktionalen Werkzeug geformt hatte. „Ich habe seither jede Sichtung verfolgt, jedes Gerücht, jede Spur, die andere für zu vage hielten, um sie zu verfolgen. Ich kenne seine Muster besser als irgendjemand sonst in dieser Galaxie, mit der möglichen Ausnahme des Mannes selbst."

„Und was hoffst du zu erreichen, wenn du ihn endlich stellst?"

Sar Ashkelon schwieg lange, sein Blick auf den dunklen Tunnel vor ihnen gerichtet. „Ich habe mir diese Frage selbst oft gestellt, Interrogator-Ordenspriester, in den stillen Jahrzehnten zwischen den Sichtungen. Ich glaube, es begann als reine Rache. Ich glaube nicht mehr, dass es das ist, was mich heute noch antreibt. Vielleicht suche ich nur eine Antwort, so wie du sie suchst — eine, die mir erlaubt, endlich zu verstehen, was ich in jener Nacht auf Caliban tatsächlich verloren habe, und ob es je wiedergefunden werden kann."

Sie bewegten sich gemeinsam tiefer in die Minen, eine unbehagliche Vierergruppe, deren gegenseitiges Misstrauen mit jedem Schritt spürbarer wurde, während die Anzeichen des Kampfes um sie herum intensiver wurden — verkohlte Kultistenleichen, zerstörte rituelle Symbole, die Bariel als eine primitive, aber dennoch gefährliche Form der Warp-Anrufung identifizierte, ähnlich, wenn auch weniger ausgereift, als jene, die er in den geheimen Archiven des Fels bereits studiert hatte.

„Wie kannst du sicher sein, dass Cypher hier ist, und nicht bereits weitergezogen ist?", fragte Corvyn, während sie vorrückten, seine Stimme gedämpft, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

„Weil er niemals einen Kampf verlässt, bevor er sicher ist, dass jene, die er schützen wollte, tatsächlich sicher sind." Sar Ashkelons Stimme trug eine Bitterkeit, die dennoch eine widerwillige Anerkennung enthielt. „Das ist eine seiner wenigen vorhersehbaren Eigenschaften, in zehntausend Jahren der Beobachtung. Er bleibt, bis die Arbeit vollständig getan ist, ungeachtet des persönlichen Risikos. Manche würden das Tapferkeit nennen. Ich habe gelernt, es als eine Form der Selbstbestrafung zu betrachten — als würde er glauben, dass er das Recht auf Sicherheit erst verdienen muss, durch endloses, unermüdliches Opfer."

Der Tunnel weitete sich schließlich zu einer natürlichen Kaverne, deren Wände von phosphoreszierenden Mineraladern durchzogen waren, ein schwaches, unwirkliches Licht auf die Szene werfend, die sich vor ihnen ausbreitete — ein improvisierter Ritualkreis, Dutzende Kultisten in verschiedenen Stadien einer Zeremonie, deren Zweck Bariel nicht sofort verstand, deren Bedrohlichkeit jedoch keine weitere Erklärung benötigte.

„Sie versuchen, etwas herbeizurufen", sagte Corvyn leise, seine Inquisitor-Ausbildung die Symbole mit geübter Schnelligkeit entschlüsselnd. „Nicht groß genug, um einen echten Dämonenprinzen zu manifestieren, aber genug, um etwas zu erschaffen, das eine Garnison dieser Größe überwältigen könnte."

Am Rand des Ritualkreises, halb verborgen im Schatten einer natürlichen Felsformation, entdeckte Bariel etwas, das seine Aufmerksamkeit sofort auf sich zog — ein kleiner, provisorischer Altar, bedeckt mit persönlichen Gegenständen, die eindeutig nicht rituellen Ursprungs waren: ein zerbrochenes Familienfoto, ein Kinderspielzeug, ein Ehering. Gegenstände, die eher zu trauernden Menschen passten als zu überzeugten Chaos-Anbetern.

„Sie sind keine geborenen Ketzer", sagte er leise zu Corvyn. „Sieh dir das an. Das sind Menschen, die etwas verloren haben — wahrscheinlich in derselben Waaagh-Invasion, die diese Welt fast zerstörte — und die glaubten, dass diese Zeremonie ihnen etwas zurückgeben würde."

„Das macht sie nicht weniger gefährlich", erwiderte Corvyn, aber seine Stimme trug einen Anflug von Mitgefühl, den Bariel bei einem Inquisitor nicht erwartet hätte. „Verzweiflung ist einer der häufigsten Wege in die Korruption, Interrogator-Ordenspriester. Vielleicht der häufigste von allen. Das Chaos verspricht selten Macht um ihrer selbst willen. Es verspricht, den Schmerz zu beenden."

Es war Malachar, der die Falle als Erster erkannte — ein zu offensichtlicher Pfad, zu wenige Widerstandsspuren, eine Stille, die nicht zur Intensität der vorherigen Kampfspuren passte.

„Das ist ein Hinterhalt", sagte er scharf, gerade als die Wände des Tunnels um sie herum von einer neuen Welle von Kultisten durchbrochen wurden, verstärkt diesmal durch etwas Größeres, Dunkleres — eine Kreatur, deren Herkunft eindeutig jenseits reiner menschlicher Korruption lag, ihre Gestalt sich mit jedem Schritt weiter von jeder erkennbaren Form entfernend.

Die Kreatur, die sich aus dem Zentrum des zusammenbrechenden Ritualkreises erhob, trug keine erkennbare Form — ein Gewirr aus zu vielen Gliedmaßen, zu vielen Augen, eine Anatomie, die sich weigerte, in einer einzigen Gestalt zu verharren, als würde die Realität selbst um sie herum unsicher sein, welche Regeln noch galten. Ihr erster Schlag traf einen der äußeren Kultisten, der zu langsam reagierte, und zerriss ihn mit einer Beiläufigkeit, die tiefer beunruhigte als jede gezielte Grausamkeit es vermocht hätte.

Der Kampf, der folgte, war brutal und chaotisch, vier Krieger unterschiedlicher Loyalität, gezwungen, in den engen Grenzen des Tunnels gemeinsam zu kämpfen, während die Dämonenkreatur mit einer Kraft zuschlug, die selbst Sar Ashkelons Jahrtausende der Erfahrung an ihre Grenzen brachte. Bariel kämpfte mit einer Konzentration, die jede philosophische Frage für den Moment beiseiteschob, sein Krosius gegen chitinöse Panzerung schlagend, während Corvyns Inquisitorenwaffen — exotisch, unkonventionell, aber verheerend effektiv — Löcher in die Formation der Kultisten rissen.

Ein Kultist, sein Gesicht bereits unter den ersten Anzeichen mutierender Korruption kaum noch menschlich, warf sich auf Bariel mit einem primitiven, aber tödlichen Klingenwerkzeug. Bariel parierte, spürte den Aufprall durch seine gesamte Rüstung hindurch, und erwiderte mit einer Wucht, die den Mann zu Boden schleuderte. Für einen Herzschlag, während er den Todesstoß führte, sah Bariel in den Augen des Sterbenden nicht Bosheit, sondern reine, unverfälschte Verzweiflung — das Gesicht eines Mannes, der irgendwann, vor Jahren oder Jahrzehnten, geglaubt hatte, dass diese Zeremonie ihm etwas geben würde, das sein eigenes verzweifeltes Leben nicht bieten konnte, bevor die Warp-Korruption ihn vollständig verzehrte.

Malachar kämpfte mit der methodischen Präzision seiner Deathwing-Ausbildung, jeder Schlag seines Kettenschwerts berechnet, ökonomisch, während er gleichzeitig eine Verteidigungslinie um die verwundbareren Positionen ihrer ungewöhnlichen Alliierten aufrechterhielt — eine stille, professionelle Fürsorge, die selbst in diesem Chaos nicht unbemerkt blieb.

Corvyn kämpfte anders als jeder Astartes, den Bariel je an seiner Seite gesehen hatte — nicht mit roher Kraft, sondern mit einer kalkulierten, fast wissenschaftlichen Präzision, jede seiner exotischen Waffen für einen spezifischen Zweck eingesetzt, jede Bewegung berechnet, um maximalen Effekt bei minimalem Risiko zu erzielen. Ein Kultistenanführer, der versuchte, das Ritual trotz des Angriffs fortzusetzen, fiel zu Corvyns Füßen, von einer einzigen, präzisen Kugel getroffen, bevor er auch nur die Hälfte seiner Beschwörungsformel vollenden konnte.

„Die Rituale müssen unterbrochen werden, bevor sie ihre Klimax erreichen!", rief Corvyn über den Lärm der Schlacht. „Sonst wird das, was wir hier bekämpfen, nur der Anfang sein!"

Es war Sar Ashkelon, der den entscheidenden Schlag führte, sein uraltes Kettenschwert tief in die Flanke der Kreatur treibend, in einem Moment reiner, unkontrollierter Wut, die Bariel eine flüchtige Ahnung dessen gab, was zehntausend Jahre Verlust und Bitterkeit aus einem einst ehrenhaften Ritter des Ordens gemacht hatten. Die Kreatur kollabierte mit einem Schrei, der durch keine sterbliche Kehle hätte erzeugt werden können, ihr Körper sich auflösend in eine Substanz, die weder ganz Fleisch noch ganz Warp-Materie war, während der Ritualkreis um sie herum ohne seinen zentralen Fokus in sich zusammenfiel.

Die Dämonenkreatur, geschwächt von Sar Ashkelons entscheidendem Schlag, wandte sich in ihren letzten Momenten gegen den nächststehenden Kultisten, ihre Instinkte zu chaotisch, zu fragmentiert, um noch zwischen Beschwörer und Feind zu unterscheiden — ein letztes, grausames Zeugnis dessen, was jede Beschwörung dieser Art unweigerlich mit sich brachte, unabhängig von der Reinheit der Absicht dahinter.

Als der Kampf endete, standen sie in einer plötzlichen, erschöpften Stille, umgeben von den Überresten der Kultistenzelle, während am anderen Ende der Kammer, in einer Öffnung, die zu tieferen Tunneln führte, eine vertraute weiße Gestalt aus dem Schatten trat, die beiden Pistolen noch immer rauchend in seinen Händen.

„Ihr seid spät dran", sagte Cypher, seine Stimme ruhig, fast belustigt angesichts des Blutbades um ihn herum. „Aber, wie es scheint, gerade rechtzeitig, um zu helfen, statt nur zuzusehen."

Die Spannung in dem engen Minentunnel war beinahe greifbar, vier bewaffnete Männer, deren Loyalitäten und Ziele sich in vier verschiedene Richtungen zogen, während in der Tiefe der Minen, irgendwo jenseits ihrer unmittelbaren Wahrnehmung, das Geräusch weiterer Kämpfe widerhallte.

„Wenn du hier bist, um ihn zu töten", sagte Bariel vorsichtig, „dann stehen unsere Ziele im Widerspruch zueinander, Sar Ashkelon. Ich bin nicht hier, um ihn zu exekutieren. Ich bin hier, um zu verstehen."

„Verstehen." Sar Ashkelons Stimme trug tiefe Verachtung für das Wort. „Ich habe zehntausend Jahre gehabt, um zu verstehen, Interrogator-Ordenspriester, und alles, was ich verstanden habe, ist, dass jeder, der Cyphers Weg zu nahe kommt, am Ende entweder tot ist oder in seinen eigenen Dienst gezwungen wird, auf eine Weise, die keiner von uns vollständig kontrolliert. Ich habe gesehen, wie er Männer manipulierte, die glaubten, freiwillig zu handeln, während sie in Wirklichkeit Steine auf einem Brett waren, dessen vollständiges Muster nur er kannte."

„Das ist eine Anklage, keine Beweisführung", sagte Corvyn scharf, seine Inquisitor-Ausbildung selbst in dieser angespannten Situation die Präzision seiner Sprache formend.

„Ihr werdet euren Beweis erhalten, wenn wir ihn finden." Sar Ashkelon wandte sich zum tieferen Tunnel, seine Bewegung eine unmissverständliche Einladung, ihm zu folgen, oder ihn allein weitergehen zu lassen. „Er ist hier, um die Kultisten zu vertreiben, bevor der Löwe eintrifft — genau, wie eure eigenen Informationen es vermutlich andeuten. Wenn ihr mit mir kommt, werden wir ihn gemeinsam finden. Was danach geschieht, hängt davon ab, wessen Ziel sich in diesem Moment als das Stärkere erweist."

„Wie lange jagst du ihn schon?", fragte Bariel, während sie sich in Bewegung setzten, seine Stimme mit dem vorsichtigen Respekt eines Mannes, der bereits gelernt hatte, dass Sar Ashkelons Feindseligkeit tiefere Wurzeln hatte als bloße Bosheit. Selbst inmitten der angespannten Vorsicht, die ihre unwahrscheinliche Allianz prägte, hatte Bariel gelernt, dass ein Interrogator, der die Fragen stellte, die andere zu stellen vermieden, oft die aufschlussreichsten Antworten erhielt.

„Achthundertsiebzig Jahre, seit dem Tag, an dem ich zum ersten Mal begriff, dass er es war, der eine meiner Zellen an eine Kill-Team der Grauen Ritter verriet — nicht aus Bosheit, wie er es später behauptete, sondern, wie er sagte, weil einer meiner Brüder begonnen hatte, einen dämonischen Pakt zu erwägen, den er nicht dulden wollte." Sar Ashkelons Stimme war flach, kontrolliert, die Kontrolle eines Mannes, der seinen Zorn über Jahrhunderte zu einem kalten, funktionalen Werkzeug geformt hatte. „Ich habe seither jede Sichtung verfolgt, jedes Gerücht, jede Spur, die andere für zu vage hielten, um sie zu verfolgen. Ich kenne seine Muster besser als irgendjemand sonst in dieser Galaxie, mit der möglichen Ausnahme des Mannes selbst."

„Und was hoffst du zu erreichen, wenn du ihn endlich stellst?"

Sar Ashkelon schwieg lange, sein Blick auf den dunklen Tunnel vor ihnen gerichtet. „Ich habe mir diese Frage selbst oft gestellt, Interrogator-Ordenspriester, in den stillen Jahrzehnten zwischen den Sichtungen. Ich glaube, es begann als reine Rache. Ich glaube nicht mehr, dass es das ist, was mich heute noch antreibt. Vielleicht suche ich nur eine Antwort, so wie du sie suchst — eine, die mir erlaubt, endlich zu verstehen, was ich in jener Nacht auf Caliban tatsächlich verloren habe, und ob es je wiedergefunden werden kann."

Sie bewegten sich gemeinsam tiefer in die Minen, eine unbehagliche Vierergruppe, deren gegenseitiges Misstrauen mit jedem Schritt spürbarer wurde, während die Anzeichen des Kampfes um sie herum intensiver wurden — verkohlte Kultistenleichen, zerstörte rituelle Symbole, die Bariel als eine primitive, aber dennoch gefährliche Form der Warp-Anrufung identifizierte, ähnlich, wenn auch weniger ausgereift, als jene, die er in den geheimen Archiven des Fels bereits studiert hatte.

„Wie kannst du sicher sein, dass Cypher hier ist, und nicht bereits weitergezogen ist?", fragte Corvyn, während sie vorrückten, seine Stimme gedämpft, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

„Weil er niemals einen Kampf verlässt, bevor er sicher ist, dass jene, die er schützen wollte, tatsächlich sicher sind." Sar Ashkelons Stimme trug eine Bitterkeit, die dennoch eine widerwillige Anerkennung enthielt. „Das ist eine seiner wenigen vorhersehbaren Eigenschaften, in zehntausend Jahren der Beobachtung. Er bleibt, bis die Arbeit vollständig getan ist, ungeachtet des persönlichen Risikos. Manche würden das Tapferkeit nennen. Ich habe gelernt, es als eine Form der Selbstbestrafung zu betrachten — als würde er glauben, dass er das Recht auf Sicherheit erst verdienen muss, durch endloses, unermüdliches Opfer."

Der Tunnel weitete sich schließlich zu einer natürlichen Kaverne, deren Wände von phosphoreszierenden Mineraladern durchzogen waren, ein schwaches, unwirkliches Licht auf die Szene werfend, die sich vor ihnen ausbreitete — ein improvisierter Ritualkreis, Dutzende Kultisten in verschiedenen Stadien einer Zeremonie, deren Zweck Bariel nicht sofort verstand, deren Bedrohlichkeit jedoch keine weitere Erklärung benötigte.

„Sie versuchen, etwas herbeizurufen", sagte Corvyn leise, seine Inquisitor-Ausbildung die Symbole mit geübter Schnelligkeit entschlüsselnd. „Nicht groß genug, um einen echten Dämonenprinzen zu manifestieren, aber genug, um etwas zu erschaffen, das eine Garnison dieser Größe überwältigen könnte."

Am Rand des Ritualkreises, halb verborgen im Schatten einer natürlichen Felsformation, entdeckte Bariel etwas, das seine Aufmerksamkeit sofort auf sich zog — ein kleiner, provisorischer Altar, bedeckt mit persönlichen Gegenständen, die eindeutig nicht rituellen Ursprungs waren: ein zerbrochenes Familienfoto, ein Kinderspielzeug, ein Ehering. Gegenstände, die eher zu trauernden Menschen passten als zu überzeugten Chaos-Anbetern.

„Sie sind keine geborenen Ketzer", sagte er leise zu Corvyn. „Sieh dir das an. Das sind Menschen, die etwas verloren haben — wahrscheinlich in derselben Waaagh-Invasion, die diese Welt fast zerstörte — und die glaubten, dass diese Zeremonie ihnen etwas zurückgeben würde."

„Das macht sie nicht weniger gefährlich", erwiderte Corvyn, aber seine Stimme trug einen Anflug von Mitgefühl, den Bariel bei einem Inquisitor nicht erwartet hätte. „Verzweiflung ist einer der häufigsten Wege in die Korruption, Interrogator-Ordenspriester. Vielleicht der häufigste von allen. Das Chaos verspricht selten Macht um ihrer selbst willen. Es verspricht, den Schmerz zu beenden."

Es war Malachar, der die Falle als Erster erkannte — ein zu offensichtlicher Pfad, zu wenige Widerstandsspuren, eine Stille, die nicht zur Intensität der vorherigen Kampfspuren passte.

„Das ist ein Hinterhalt", sagte er scharf, gerade als die Wände des Tunnels um sie herum von einer neuen Welle von Kultisten durchbrochen wurden, verstärkt diesmal durch etwas Größeres, Dunkleres — eine Kreatur, deren Herkunft eindeutig jenseits reiner menschlicher Korruption lag, ihre Gestalt sich mit jedem Schritt weiter von jeder erkennbaren Form entfernend.

Die Kreatur, die sich aus dem Zentrum des zusammenbrechenden Ritualkreises erhob, trug keine erkennbare Form — ein Gewirr aus zu vielen Gliedmaßen, zu vielen Augen, eine Anatomie, die sich weigerte, in einer einzigen Gestalt zu verharren, als würde die Realität selbst um sie herum unsicher sein, welche Regeln noch galten. Ihr erster Schlag traf einen der äußeren Kultisten, der zu langsam reagierte, und zerriss ihn mit einer Beiläufigkeit, die tiefer beunruhigte als jede gezielte Grausamkeit es vermocht hätte.

Der Kampf, der folgte, war brutal und chaotisch, vier Krieger unterschiedlicher Loyalität, gezwungen, in den engen Grenzen des Tunnels gemeinsam zu kämpfen, während die Dämonenkreatur mit einer Kraft zuschlug, die selbst Sar Ashkelons Jahrtausende der Erfahrung an ihre Grenzen brachte. Bariel kämpfte mit einer Konzentration, die jede philosophische Frage für den Moment beiseiteschob, sein Krosius gegen chitinöse Panzerung schlagend, während Corvyns Inquisitorenwaffen — exotisch, unkonventionell, aber verheerend effektiv — Löcher in die Formation der Kultisten rissen.

Ein Kultist, sein Gesicht bereits unter den ersten Anzeichen mutierender Korruption kaum noch menschlich, warf sich auf Bariel mit einem primitiven, aber tödlichen Klingenwerkzeug. Bariel parierte, spürte den Aufprall durch seine gesamte Rüstung hindurch, und erwiderte mit einer Wucht, die den Mann zu Boden schleuderte. Für einen Herzschlag, während er den Todesstoß führte, sah Bariel in den Augen des Sterbenden nicht Bosheit, sondern reine, unverfälschte Verzweiflung — das Gesicht eines Mannes, der irgendwann, vor Jahren oder Jahrzehnten, geglaubt hatte, dass diese Zeremonie ihm etwas geben würde, das sein eigenes verzweifeltes Leben nicht bieten konnte, bevor die Warp-Korruption ihn vollständig verzehrte.

Malachar kämpfte mit der methodischen Präzision seiner Deathwing-Ausbildung, jeder Schlag seines Kettenschwerts berechnet, ökonomisch, während er gleichzeitig eine Verteidigungslinie um die verwundbareren Positionen ihrer ungewöhnlichen Alliierten aufrechterhielt — eine stille, professionelle Fürsorge, die selbst in diesem Chaos nicht unbemerkt blieb.

Corvyn kämpfte anders als jeder Astartes, den Bariel je an seiner Seite gesehen hatte — nicht mit roher Kraft, sondern mit einer kalkulierten, fast wissenschaftlichen Präzision, jede seiner exotischen Waffen für einen spezifischen Zweck eingesetzt, jede Bewegung berechnet, um maximalen Effekt bei minimalem Risiko zu erzielen. Ein Kultistenanführer, der versuchte, das Ritual trotz des Angriffs fortzusetzen, fiel zu Corvyns Füßen, von einer einzigen, präzisen Kugel getroffen, bevor er auch nur die Hälfte seiner Beschwörungsformel vollenden konnte.

„Die Rituale müssen unterbrochen werden, bevor sie ihre Klimax erreichen!", rief Corvyn über den Lärm der Schlacht. „Sonst wird das, was wir hier bekämpfen, nur der Anfang sein!"

Es war Sar Ashkelon, der den entscheidenden Schlag führte, sein uraltes Kettenschwert tief in die Flanke der Kreatur treibend, in einem Moment reiner, unkontrollierter Wut, die Bariel eine flüchtige Ahnung dessen gab, was zehntausend Jahre Verlust und Bitterkeit aus einem einst ehrenhaften Ritter des Ordens gemacht hatten. Die Kreatur kollabierte mit einem Schrei, der durch keine sterbliche Kehle hätte erzeugt werden können, ihr Körper sich auflösend in eine Substanz, die weder ganz Fleisch noch ganz Warp-Materie war, während der Ritualkreis um sie herum ohne seinen zentralen Fokus in sich zusammenfiel.

Die Dämonenkreatur, geschwächt von Sar Ashkelons entscheidendem Schlag, wandte sich in ihren letzten Momenten gegen den nächststehenden Kultisten, ihre Instinkte zu chaotisch, zu fragmentiert, um noch zwischen Beschwörer und Feind zu unterscheiden — ein letztes, grausames Zeugnis dessen, was jede Beschwörung dieser Art unweigerlich mit sich brachte, unabhängig von der Reinheit der Absicht dahinter.

Als der Kampf endete, standen sie in einer plötzlichen, erschöpften Stille, umgeben von den Überresten der Kultistenzelle, während am anderen Ende der Kammer, in einer Öffnung, die zu tieferen Tunneln führte, eine vertraute weiße Gestalt aus dem Schatten trat, die beiden Pistolen noch immer rauchend in seinen Händen.

„Ihr seid spät dran", sagte Cypher, seine Stimme ruhig, fast belustigt angesichts des Blutbades um ihn herum. „Aber, wie es scheint, gerade rechtzeitig, um zu helfen, statt nur zuzusehen."

VIII. DIE BEGEGNUNGVIII. DIE BEGEGNUNG

Für einen langen Moment bewegte sich niemand in der Kammer, vier bewaffnete Männer und der Mann, den jeder von ihnen aus unterschiedlichen Gründen gesucht hatte, in einem stillen Patt, das keiner bereit war, als Erster zu brechen.

Bariel nutzte den Moment der Stille, um Cypher aus der Nähe zu studieren, mit der geübten Aufmerksamkeit seines Amtes — Details, die aus der Distanz der Kammer von Sethrak Vier verborgen geblieben waren. Die weiße Rüstung trug tatsächlich keine sichtbaren Abnutzungserscheinungen, die man bei einer zehntausend Jahre alten Panzerung erwarten würde, nur eine gleichmäßige, fast makellose Patina, die eher an ein sorgfältig gepflegtes Museumsstück erinnerte als an eine Kampfausrüstung. Und doch trug sie die unverkennbaren Spuren tatsächlichen Kampfes — frische Ceramit-Absplitterungen, ein noch feuchter Blutfleck an der linken Schulter, der nicht seiner eigenen Rüstungsfarbe entsprach.

„Du bist verletzt", bemerkte Bariel.

„Eine Kleinigkeit." Cyphers Stimme trug keine Sorge über die eigene Verwundung. „Ich habe Schlimmeres überlebt, in weit größerer Zahl, als eine Handvoll Kultisten es je zustande bringen könnten."

„Sar Ashkelon." Cyphers Blick fiel auf den Gefallenen, und für einen Moment sah Bariel etwas, das wie echtes Bedauern aussah, in den Zügen unter der Kapuze. „Ich hatte gehofft, dich nicht wiederzusehen, unter diesen Umständen. Wie geht es Bruder Kellin? Ich hoffe, er hat die Warnung, die ich vor drei Jahren sandte, rechtzeitig erhalten."

„Kellin ist tot." Sar Ashkelons Stimme war eisig. „Ermordet von einer Inquisitionszelle, die genau die Koordinaten erhielt, die nur du kennen konntest."

Corvyn trat unwillkürlich einen Schritt zurück bei dieser Anschuldigung, sein Gesicht eine Mischung aus Verwirrung und beginnender Sorge. „Ich habe von keiner Operation gegen einen Gefallenen namens Kellin gehört", sagte er. „Und ich würde es wissen — der Ordo Hereticus koordiniert solche Aktionen sorgfältig, gerade wegen der Sensibilität, die mit jedem Gefallenen-Fall verbunden ist."

„Dann war es nicht dein Orden direkt", sagte Cypher, seine Stimme angespannt. „Es war eine Splittergruppe, radikaler als die offizielle Doktrin es zulässt — Männer, die glauben, dass jeder Gefallene ohne Ausnahme sterben muss, unabhängig von Umständen oder Kooperation. Ich kenne diese Gruppe, Sar Ashkelon. Ich habe versucht, ihren Einfluss seit Jahrzehnten einzudämmen, mit begrenztem Erfolg."

Cyphers Ausdruck verdüsterte sich, eine echte, unverfälschte Trauer, die selbst Bariel, dessen Amt ihn gelehrt hatte, jede Nuance von Täuschung zu erkennen, nicht als vorgetäuscht einstufen konnte. „Das war nicht meine Absicht", sagte er leise. „Ich sandte diese Koordinaten an eine bestimmte Fraktion innerhalb der Inquisition, in der Hoffnung, dass sie Kellin gefangen nehmen und ihm die Möglichkeit zur Reue geben würden, wie es einigen anderen unter meiner — Führung, wenn du es so nennen willst — bereits gelungen ist. Ich hatte nicht erwartet, dass die Botschaft in die falschen Hände fallen würde."

„Eine bequeme Ausrede."

„Eine Wahrheit, die dir nicht gefällt, was nicht dasselbe ist wie eine Lüge." Cyphers Stimme blieb ruhig, aber es lag eine Härte darin, die Bariel bisher nicht gehört hatte, seit ihrer ersten Begegnung in der Kammer von Sethrak Vier. „Ich habe in zehntausend Jahren mehr Fehler gemacht, als ich zählen kann, Sar Ashkelon. Ich beanspruche keine Unfehlbarkeit. Aber ich bestreite, dass ich je bewusst einen Bruder in den Tod geschickt habe, ohne dass es einen größeren Zweck gab, der das Opfer, so schrecklich es auch war, zu rechtfertigen versuchte."

„Größere Zwecke." Sar Ashkelon spuckte die Worte fast aus. „Das ist es, was jeder Tyrann in der Geschichte der Menschheit gesagt hat, um seine eigenen Verbrechen zu rechtfertigen."

Corvyn, der bisher schweigend zugehört hatte, trat einen Schritt vor, seine Stimme mit der Vorsicht eines Mannes, der spürte, dass er sich einem Wendepunkt näherte, den er nicht überstürzen durfte. „War Kellin dir wichtig?", fragte er unerwartet, seine Inquisitor-Stimme für einen Moment von echter, unprofessioneller Neugier durchbrochen.

Sar Ashkelon wandte sich zu ihm, seine Augen für einen Moment die harte Fassade verlierend, die er seit ihrer ersten Begegnung aufrechterhalten hatte. „Er war der Letzte, der sich noch an mich als den Mann erinnerte, der ich vor Caliban war", sagte er leise. „Wir kämpften gemeinsam, in den Wäldern, bevor der Löwe überhaupt geboren wurde. Zweihundert Jahre teilten wir dasselbe Exil, denselben Schatten. Als Cyphers Informationen ihn töteten, verlor ich nicht nur einen Bruder. Ich verlor den letzten lebenden Zeugen meines eigenen, vergessenen Lebens."

Bariel sah, wie diese Worte auch Cypher trafen, mit einer Wucht, die keine geübte Fassade vollständig verbergen konnte. „Das wusste ich nicht", sagte Cypher, seine Stimme jetzt kaum mehr als ein Flüstern. „Hätte ich es gewusst, hätte ich einen anderen Weg gesucht, Ashkelon. Ich schwöre es dir, bei allem, was von meiner Ehre noch übrig ist."

„Deine Ehre." Sar Ashkelons Lachen war bitter, aber leiser jetzt, die Wut allmählich einer tieferen, erschöpfteren Trauer weichend. „Ich weiß nicht mehr, ob dieses Wort für einen von uns beiden noch irgendeine Bedeutung trägt."

„Vielleicht", sagte Cypher. „Oder vielleicht bin ich einfach ein Mann, der versucht, das Beste aus einer Situation zu machen, die zehntausend Jahre vor meiner Geburt bereits unrettbar zerbrochen war." Er wandte sich schließlich zu Bariel, sein Ausdruck sich verändernd, milder, fast erleichtert, als würde er einer Konfrontation entkommen, die er nicht wollte. „Interrogator-Ordenspriester. Ich hatte gesagt, dass sich unsere Wege wieder kreuzen würden. Ich hatte nicht erwartet, dass es so bald geschehen würde, oder in einer solchen Gesellschaft."

„Wir haben viel zu besprechen", sagte Bariel. „Angefangen mit der einfachsten Frage von allen: Warum bist du hier, auf Threndal, statt bereits auf dem Weg zu deinem Schmied? Wenn die zerbrochene Klinge tatsächlich deine oberste Priorität ist, warum riskierst du sie für eine Handvoll Kultisten in einem Bergwerk am Rand der Zivilisation?"

Cypher sah ihn an, und für einen Moment lag in seinem Blick etwas, das wie echte Überraschung aussah, gefolgt von etwas, das eher Anerkennung glich. „Eine gute Frage, Interrogator-Ordenspriester — besser als die meisten, die man mir in zehntausend Jahren gestellt hat. Die Antwort ist einfach: Der Löwe wird diese Welt in weniger als einer Woche erreichen, um sie vor genau der Bedrohung zu verteidigen, die diese Kultisten hier vorzubereiten begonnen hatten. Hätte ich sie nicht gestoppt, hätte seine Ankunft in eine Falle geführt, die er nicht erwartet hätte. Meine Klinge kann warten. Sein Leben, glaube ich, kann es nicht."

„Das haben wir." Cyphers Blick wanderte kurz zu Corvyn, dann zu Sar Ashkelon, eine stumme Einschätzung, die ihre jeweiligen Absichten zu wägen schien. „Aber nicht hier, und nicht, während einer von euch bereits entschieden hat, dass diese Begegnung mit Blut enden muss." Er richtete seinen Blick fest auf Sar Ashkelon. „Ich werde nicht gegen dich kämpfen, alter Freund, ganz gleich, wie sehr du glaubst, dass ich es verdiene. Aber ich werde auch nicht zulassen, dass diese Begegnung endet, bevor ich gesagt habe, was gesagt werden muss."

Für einen langen Moment bewegte sich niemand in der Kammer, vier bewaffnete Männer und der Mann, den jeder von ihnen aus unterschiedlichen Gründen gesucht hatte, in einem stillen Patt, das keiner bereit war, als Erster zu brechen.

Bariel nutzte den Moment der Stille, um Cypher aus der Nähe zu studieren, mit der geübten Aufmerksamkeit seines Amtes — Details, die aus der Distanz der Kammer von Sethrak Vier verborgen geblieben waren. Die weiße Rüstung trug tatsächlich keine sichtbaren Abnutzungserscheinungen, die man bei einer zehntausend Jahre alten Panzerung erwarten würde, nur eine gleichmäßige, fast makellose Patina, die eher an ein sorgfältig gepflegtes Museumsstück erinnerte als an eine Kampfausrüstung. Und doch trug sie die unverkennbaren Spuren tatsächlichen Kampfes — frische Ceramit-Absplitterungen, ein noch feuchter Blutfleck an der linken Schulter, der nicht seiner eigenen Rüstungsfarbe entsprach.

„Du bist verletzt", bemerkte Bariel.

„Eine Kleinigkeit." Cyphers Stimme trug keine Sorge über die eigene Verwundung. „Ich habe Schlimmeres überlebt, in weit größerer Zahl, als eine Handvoll Kultisten es je zustande bringen könnten."

„Sar Ashkelon." Cyphers Blick fiel auf den Gefallenen, und für einen Moment sah Bariel etwas, das wie echtes Bedauern aussah, in den Zügen unter der Kapuze. „Ich hatte gehofft, dich nicht wiederzusehen, unter diesen Umständen. Wie geht es Bruder Kellin? Ich hoffe, er hat die Warnung, die ich vor drei Jahren sandte, rechtzeitig erhalten."

„Kellin ist tot." Sar Ashkelons Stimme war eisig. „Ermordet von einer Inquisitionszelle, die genau die Koordinaten erhielt, die nur du kennen konntest."

Corvyn trat unwillkürlich einen Schritt zurück bei dieser Anschuldigung, sein Gesicht eine Mischung aus Verwirrung und beginnender Sorge. „Ich habe von keiner Operation gegen einen Gefallenen namens Kellin gehört", sagte er. „Und ich würde es wissen — der Ordo Hereticus koordiniert solche Aktionen sorgfältig, gerade wegen der Sensibilität, die mit jedem Gefallenen-Fall verbunden ist."

„Dann war es nicht dein Orden direkt", sagte Cypher, seine Stimme angespannt. „Es war eine Splittergruppe, radikaler als die offizielle Doktrin es zulässt — Männer, die glauben, dass jeder Gefallene ohne Ausnahme sterben muss, unabhängig von Umständen oder Kooperation. Ich kenne diese Gruppe, Sar Ashkelon. Ich habe versucht, ihren Einfluss seit Jahrzehnten einzudämmen, mit begrenztem Erfolg."

Cyphers Ausdruck verdüsterte sich, eine echte, unverfälschte Trauer, die selbst Bariel, dessen Amt ihn gelehrt hatte, jede Nuance von Täuschung zu erkennen, nicht als vorgetäuscht einstufen konnte. „Das war nicht meine Absicht", sagte er leise. „Ich sandte diese Koordinaten an eine bestimmte Fraktion innerhalb der Inquisition, in der Hoffnung, dass sie Kellin gefangen nehmen und ihm die Möglichkeit zur Reue geben würden, wie es einigen anderen unter meiner — Führung, wenn du es so nennen willst — bereits gelungen ist. Ich hatte nicht erwartet, dass die Botschaft in die falschen Hände fallen würde."

„Eine bequeme Ausrede."

„Eine Wahrheit, die dir nicht gefällt, was nicht dasselbe ist wie eine Lüge." Cyphers Stimme blieb ruhig, aber es lag eine Härte darin, die Bariel bisher nicht gehört hatte, seit ihrer ersten Begegnung in der Kammer von Sethrak Vier. „Ich habe in zehntausend Jahren mehr Fehler gemacht, als ich zählen kann, Sar Ashkelon. Ich beanspruche keine Unfehlbarkeit. Aber ich bestreite, dass ich je bewusst einen Bruder in den Tod geschickt habe, ohne dass es einen größeren Zweck gab, der das Opfer, so schrecklich es auch war, zu rechtfertigen versuchte."

„Größere Zwecke." Sar Ashkelon spuckte die Worte fast aus. „Das ist es, was jeder Tyrann in der Geschichte der Menschheit gesagt hat, um seine eigenen Verbrechen zu rechtfertigen."

Corvyn, der bisher schweigend zugehört hatte, trat einen Schritt vor, seine Stimme mit der Vorsicht eines Mannes, der spürte, dass er sich einem Wendepunkt näherte, den er nicht überstürzen durfte. „War Kellin dir wichtig?", fragte er unerwartet, seine Inquisitor-Stimme für einen Moment von echter, unprofessioneller Neugier durchbrochen.

Sar Ashkelon wandte sich zu ihm, seine Augen für einen Moment die harte Fassade verlierend, die er seit ihrer ersten Begegnung aufrechterhalten hatte. „Er war der Letzte, der sich noch an mich als den Mann erinnerte, der ich vor Caliban war", sagte er leise. „Wir kämpften gemeinsam, in den Wäldern, bevor der Löwe überhaupt geboren wurde. Zweihundert Jahre teilten wir dasselbe Exil, denselben Schatten. Als Cyphers Informationen ihn töteten, verlor ich nicht nur einen Bruder. Ich verlor den letzten lebenden Zeugen meines eigenen, vergessenen Lebens."

Bariel sah, wie diese Worte auch Cypher trafen, mit einer Wucht, die keine geübte Fassade vollständig verbergen konnte. „Das wusste ich nicht", sagte Cypher, seine Stimme jetzt kaum mehr als ein Flüstern. „Hätte ich es gewusst, hätte ich einen anderen Weg gesucht, Ashkelon. Ich schwöre es dir, bei allem, was von meiner Ehre noch übrig ist."

„Deine Ehre." Sar Ashkelons Lachen war bitter, aber leiser jetzt, die Wut allmählich einer tieferen, erschöpfteren Trauer weichend. „Ich weiß nicht mehr, ob dieses Wort für einen von uns beiden noch irgendeine Bedeutung trägt."

„Vielleicht", sagte Cypher. „Oder vielleicht bin ich einfach ein Mann, der versucht, das Beste aus einer Situation zu machen, die zehntausend Jahre vor meiner Geburt bereits unrettbar zerbrochen war." Er wandte sich schließlich zu Bariel, sein Ausdruck sich verändernd, milder, fast erleichtert, als würde er einer Konfrontation entkommen, die er nicht wollte. „Interrogator-Ordenspriester. Ich hatte gesagt, dass sich unsere Wege wieder kreuzen würden. Ich hatte nicht erwartet, dass es so bald geschehen würde, oder in einer solchen Gesellschaft."

„Wir haben viel zu besprechen", sagte Bariel. „Angefangen mit der einfachsten Frage von allen: Warum bist du hier, auf Threndal, statt bereits auf dem Weg zu deinem Schmied? Wenn die zerbrochene Klinge tatsächlich deine oberste Priorität ist, warum riskierst du sie für eine Handvoll Kultisten in einem Bergwerk am Rand der Zivilisation?"

Cypher sah ihn an, und für einen Moment lag in seinem Blick etwas, das wie echte Überraschung aussah, gefolgt von etwas, das eher Anerkennung glich. „Eine gute Frage, Interrogator-Ordenspriester — besser als die meisten, die man mir in zehntausend Jahren gestellt hat. Die Antwort ist einfach: Der Löwe wird diese Welt in weniger als einer Woche erreichen, um sie vor genau der Bedrohung zu verteidigen, die diese Kultisten hier vorzubereiten begonnen hatten. Hätte ich sie nicht gestoppt, hätte seine Ankunft in eine Falle geführt, die er nicht erwartet hätte. Meine Klinge kann warten. Sein Leben, glaube ich, kann es nicht."

„Das haben wir." Cyphers Blick wanderte kurz zu Corvyn, dann zu Sar Ashkelon, eine stumme Einschätzung, die ihre jeweiligen Absichten zu wägen schien. „Aber nicht hier, und nicht, während einer von euch bereits entschieden hat, dass diese Begegnung mit Blut enden muss." Er richtete seinen Blick fest auf Sar Ashkelon. „Ich werde nicht gegen dich kämpfen, alter Freund, ganz gleich, wie sehr du glaubst, dass ich es verdiene. Aber ich werde auch nicht zulassen, dass diese Begegnung endet, bevor ich gesagt habe, was gesagt werden muss."

IX. WAS CYPHER WIRKLICH TRÄGTIX. WAS CYPHER WIRKLICH TRÄGT

Sie fanden einen provisorischen Waffenstillstand in einer größeren Kammer tiefer im Minensystem, weit genug von der Oberfläche entfernt, um sicher vor weiteren Kultistenüberfällen zu sein, nah genug, um bei Bedarf schnell zu fliehen. Cypher setzte sich auf einen umgestürzten Förderwagen, seine beiden Pistolen wieder gesichert, aber nicht vollständig weggelegt, während die drei anderen sich in einem vorsichtigen Halbkreis um ihn positionierten.

Malachar postierte sich am Eingang der Kammer, seine Aufmerksamkeit zwischen der Konversation und den tieferen Tunneln geteilt, aus denen weitere Bedrohungen kommen könnten. Es war eine unbequeme Position für einen Deathwing-Terminator — gezwungen, gleichzeitig Wache zu halten und Zeuge eines Gesprächs zu sein, das möglicherweise zehntausend Jahre Ordensdoktrin widerlegte, ohne selbst eingreifen zu können, um es zu verhindern oder zu bestätigen.

„Wie hast du überhaupt überlebt, all diese Jahrtausende?", fragte Bariel, eine Frage, die er sich seit ihrer ersten Begegnung gestellt hatte, ohne je die Gelegenheit gehabt zu haben, sie direkt zu stellen. „Selbst mit Astartes-Physiologie sollte ein einzelner Mann nicht zehntausend Jahre ohne Unterstützung, ohne Gensaat-Erneuerung, ohne die Ressourcen eines Ordens überdauern können."

Cypher lächelte, ein müdes, wissendes Lächeln, das mehr verriet, als es zu verbergen versuchte. „Das, Interrogator-Ordenspriester, ist eine Frage, deren Antwort selbst ich nicht vollständig kenne. Ich weiß nur, dass ich am Leben bin, wenn ich nach jeder vernünftigen Erwartung längst hätte sterben sollen, und dass diese Tatsache mich manchmal mehr beunruhigt als jede Bedrohung, der ich je gegenüberstand."

„Ich trage etwas, das keiner von euch bisher gesehen hat", begann Cypher, seine Hand zu seinem Rücken gleitend, wo unter einem schweren Mantel die Kontur einer langen, schmalen Form sichtbar wurde — eine Klinge, deren gebrochene Silhouette Bariel sofort als das erkannte, was Oberst Rask auf Perdyns Fall beschrieben hatte.

Er zog sie langsam hervor, und im schwachen Licht der Minenkammer sahen sie zum ersten Mal die tatsächliche Klinge, die Cypher seit zehntausend Jahren trug — ein Schwert von offensichtlich meisterhafter, uralter Handwerkskunst, dessen Klinge tatsächlich in zwei Teile gebrochen war, notdürftig durch ein Netzwerk feiner, silberner Verstrebungen zusammengehalten, die selbst nicht genug waren, um die Waffe wieder vollständig funktionsfähig zu machen. Selbst gebrochen strahlte die Klinge eine Art stille Majestät aus, ihre Oberfläche mit Gravuren bedeckt, die im schwachen Licht kaum zu erkennen waren, aber unverkennbar von einer Hand stammten, die weit über gewöhnliches Handwerk hinausging — die Arbeit eines Meisters, der für einen einzigen, außergewöhnlichen Träger geschmiedet hatte.

„Das ist —" Bariels Stimme stockte, als die Erkenntnis ihn traf. „Das ist die Klinge der Häresie. Das Schwert, das der Löwe auf Caliban führte, als er gegen Luther kämpfte."

„Ja." Cyphers Stimme trug eine Ehrfurcht, die er bisher nicht gezeigt hatte. „Ich war dort, an jenem Tag, als sie zerbrach — im letzten Moment des Duells zwischen dem Löwen und Luther, als beide Klingen aufeinandertrafen, mit einer Kraft, die selbst die widerstandsfähigsten Materialien nicht überstehen konnten. Ich fand sie später, in den Trümmern der zerfallenden Festung, während alles andere um mich herum in den Warpsturm gerissen wurde, der Caliban schließlich vollständig zerstörte."

„Warum hast du sie all diese Zeit getragen?", fragte Corvyn, seine Stimme jetzt weniger von Misstrauen als von echter Neugier geprägt.

„Weil ich glaube, dass sie das einzige verbleibende Symbol dessen ist, was an jenem Tag tatsächlich zerbrach — nicht nur ein Schwert, sondern eine Bruderschaft, eine Familie, ein Orden, der nie wieder ganz sein würde, egal wie viele Jahrtausende vergingen." Cyphers Hand strich über die gebrochene Klinge mit einer Zärtlichkeit, die selbst Sar Ashkelons Feindseligkeit für einen Moment zum Schweigen brachte. „Ich habe zehntausend Jahre gesucht, nach einem Schmied, der fähig ist, sie zu reparieren — nicht durch bloße mechanische Reparatur, sondern durch ein Ritual, das alt genug, mächtig genug ist, um die tatsächliche Bedeutung der Klinge wiederherzustellen, nicht nur ihre physische Form. Ich glaube, ich habe diesen Schmied endlich gefunden, in einem der letzten Tempel des alten Mechanicum, verborgen tief in einem System, das ich noch nicht bereit bin, mit euch zu teilen."

„Und wenn sie repariert ist?", fragte Bariel. „Was wirst du damit tun?"

„Ich werde sie dorthin bringen, wo sie hingehört." Cyphers Stimme wurde leiser, fast ehrfürchtig. „Nicht zurück zum Löwen — er trägt jetzt eine andere Klinge, eine, die für den Mann geschmiedet wurde, der er geworden ist, nicht für die Vergangenheit, die er hinter sich lassen möchte. Ich werde sie nach Terra bringen, zum Thron selbst, als eine Geste — nicht der Buße, das Wort ist zu klein für das, was ich meine, sondern der Rechenschaft. Zehntausend Jahre lang habe ich in den Schatten operiert, ohne je vollständig zu wissen, ob meine Handlungen dem Imperium dienten oder ihm schadeten. Ich glaube, es ist Zeit, dass ich vor die einzige Autorität trete, die tatsächlich über mein gesamtes langes Leben urteilen kann, und diese Klinge als Beweis dessen präsentiere, was ich zu tun versuchte, selbst wenn es nicht ausreicht, das zu rechtfertigen, was ich unterwegs opfern musste."

„Der Thron ist kein lebendiges Wesen mehr, das urteilen kann, Cypher." Corvyns Stimme trug die nüchterne Sachlichkeit eines Mannes, der die Realität des Goldenen Throns aus offiziellen Berichten kannte, die den meisten Bewohnern des Imperiums verwehrt blieben. „Was auch immer der Imperator einst war, das, was heute auf Terra thront, spricht keine Urteile mehr, in dem Sinne, wie du es dir vorstellst."

„Ich weiß, was der Thron heute ist, Inquisitor, besser vielleicht, als es dir lieb wäre." Cyphers Stimme trug eine Schwere, die andeutete, dass diese Worte aus eigener, direkter Erfahrung stammten, nicht aus bloßem Hörensagen. „Aber ich glaube nicht, dass ein Urteil immer in Worten gesprochen werden muss, um real zu sein. Manchmal ist die Geste selbst das Urteil — der Akt, endlich vor die Wahrheit zu treten, statt für immer vor ihr zu fliehen. Das ist es, was ich suche, nicht eine Stimme, die mir Absolution gewährt, sondern die Gelegenheit, endlich aufzuhören, mich zu verstecken."

Sar Ashkelon lachte, ein bitteres, brüchiges Geräusch. „Du glaubst, ein zerbrochenes Schwert wird zehntausend Jahre Manipulation und Verrat aufwiegen?"

„Nein." Cyphers Blick traf den des Gefallenen direkt, ohne jede Ausflucht. „Ich glaube gar nichts wird das aufwiegen, Sar Ashkelon. Ich glaube nur, dass es besser ist, vor dem Urteil zu stehen, mit allem, was ich zu bieten habe, als für immer in den Schatten zu bleiben, wo weder Vergebung noch Verurteilung je möglich sind."

Bariel betrachtete die gebrochene Klinge lange, seine Gedanken zwischen zwei Bildern wandernd — der kleinen, kindlichen Klinge, die Luther jetzt in seiner Zelle bewahrte, und dieser hier, größer, mächtiger, aber ebenso zerbrochen, ebenso beladen mit der Last einer einzigen, katastrophalen Nacht.

Er trat näher, seine Hand — mit Cyphers stiller, abwartender Erlaubnis — über die silbernen Verstrebungen gleitend, die die beiden Hälften notdürftig zusammenhielten. Selbst durch seinen Handschuh spürte er etwas, das er nicht vollständig erklären konnte, eine Art schwaches, kaum wahrnehmbares Summen, als würde die Klinge, trotz ihres zerbrochenen Zustands, noch immer eine Erinnerung an das tragen, was sie einst gewesen war. „Zwei Klingen", sagte er langsam. „Beide von jener Nacht auf Caliban. Beide getragen von Männern, die seither versucht haben, mit dem umzugehen, was sie verloren haben. Ist das Zufall, Cypher, oder ist es etwas, das du absichtlich orchestriert hast?"

Cyphers Ausdruck wurde nachdenklich, fast überrascht von der Direktheit der Frage. „Ich habe die kleine Klinge Luther nicht gegeben, um ein Muster zu erschaffen, Interrogator-Ordenspriester, falls das deine Vermutung ist. Ich gab sie ihm, weil ich glaubte, dass er sie brauchte, mehr als ich sie brauchte. Aber ich werde nicht leugnen, dass ich seit einiger Zeit das Gefühl habe, dass diese gesamte Geschichte — Luthers Befreiung, die Rückkehr des Löwen, meine eigene, sehr späte Entscheidung, mich endlich zu zeigen — sich in einer Weise zusammenfügt, die größer ist als jede einzelne Entscheidung, die ich oder sonst irgendjemand getroffen hat. Vielleicht ist es der Wille des Imperators selbst. Vielleicht ist es einfach die Art, wie zehntausend Jahre aufgeschobener Rechnungen sich schließlich selbst einfordern, unabhängig davon, wer bereit ist, sie zu begleichen."

„Das klingt nach einer Ausrede für mangelnde Verantwortung", sagte Corvyn scharf.

„Oder es klingt nach der ehrlichsten Beschreibung, die ich für etwas geben kann, das ich selbst nicht vollständig verstehe." Cyphers Stimme blieb ruhig, aber es lag eine tiefe Müdigkeit darin, die Bariel bereits von Luther kannte — die Erschöpfung zweier Männer, die beide, auf unterschiedliche Weise, zehntausend Jahre unter demselben Gewicht getragen hatten.

Sie fanden einen provisorischen Waffenstillstand in einer größeren Kammer tiefer im Minensystem, weit genug von der Oberfläche entfernt, um sicher vor weiteren Kultistenüberfällen zu sein, nah genug, um bei Bedarf schnell zu fliehen. Cypher setzte sich auf einen umgestürzten Förderwagen, seine beiden Pistolen wieder gesichert, aber nicht vollständig weggelegt, während die drei anderen sich in einem vorsichtigen Halbkreis um ihn positionierten.

Malachar postierte sich am Eingang der Kammer, seine Aufmerksamkeit zwischen der Konversation und den tieferen Tunneln geteilt, aus denen weitere Bedrohungen kommen könnten. Es war eine unbequeme Position für einen Deathwing-Terminator — gezwungen, gleichzeitig Wache zu halten und Zeuge eines Gesprächs zu sein, das möglicherweise zehntausend Jahre Ordensdoktrin widerlegte, ohne selbst eingreifen zu können, um es zu verhindern oder zu bestätigen.

„Wie hast du überhaupt überlebt, all diese Jahrtausende?", fragte Bariel, eine Frage, die er sich seit ihrer ersten Begegnung gestellt hatte, ohne je die Gelegenheit gehabt zu haben, sie direkt zu stellen. „Selbst mit Astartes-Physiologie sollte ein einzelner Mann nicht zehntausend Jahre ohne Unterstützung, ohne Gensaat-Erneuerung, ohne die Ressourcen eines Ordens überdauern können."

Cypher lächelte, ein müdes, wissendes Lächeln, das mehr verriet, als es zu verbergen versuchte. „Das, Interrogator-Ordenspriester, ist eine Frage, deren Antwort selbst ich nicht vollständig kenne. Ich weiß nur, dass ich am Leben bin, wenn ich nach jeder vernünftigen Erwartung längst hätte sterben sollen, und dass diese Tatsache mich manchmal mehr beunruhigt als jede Bedrohung, der ich je gegenüberstand."

„Ich trage etwas, das keiner von euch bisher gesehen hat", begann Cypher, seine Hand zu seinem Rücken gleitend, wo unter einem schweren Mantel die Kontur einer langen, schmalen Form sichtbar wurde — eine Klinge, deren gebrochene Silhouette Bariel sofort als das erkannte, was Oberst Rask auf Perdyns Fall beschrieben hatte.

Er zog sie langsam hervor, und im schwachen Licht der Minenkammer sahen sie zum ersten Mal die tatsächliche Klinge, die Cypher seit zehntausend Jahren trug — ein Schwert von offensichtlich meisterhafter, uralter Handwerkskunst, dessen Klinge tatsächlich in zwei Teile gebrochen war, notdürftig durch ein Netzwerk feiner, silberner Verstrebungen zusammengehalten, die selbst nicht genug waren, um die Waffe wieder vollständig funktionsfähig zu machen. Selbst gebrochen strahlte die Klinge eine Art stille Majestät aus, ihre Oberfläche mit Gravuren bedeckt, die im schwachen Licht kaum zu erkennen waren, aber unverkennbar von einer Hand stammten, die weit über gewöhnliches Handwerk hinausging — die Arbeit eines Meisters, der für einen einzigen, außergewöhnlichen Träger geschmiedet hatte.

„Das ist —" Bariels Stimme stockte, als die Erkenntnis ihn traf. „Das ist die Klinge der Häresie. Das Schwert, das der Löwe auf Caliban führte, als er gegen Luther kämpfte."

„Ja." Cyphers Stimme trug eine Ehrfurcht, die er bisher nicht gezeigt hatte. „Ich war dort, an jenem Tag, als sie zerbrach — im letzten Moment des Duells zwischen dem Löwen und Luther, als beide Klingen aufeinandertrafen, mit einer Kraft, die selbst die widerstandsfähigsten Materialien nicht überstehen konnten. Ich fand sie später, in den Trümmern der zerfallenden Festung, während alles andere um mich herum in den Warpsturm gerissen wurde, der Caliban schließlich vollständig zerstörte."

„Warum hast du sie all diese Zeit getragen?", fragte Corvyn, seine Stimme jetzt weniger von Misstrauen als von echter Neugier geprägt.

„Weil ich glaube, dass sie das einzige verbleibende Symbol dessen ist, was an jenem Tag tatsächlich zerbrach — nicht nur ein Schwert, sondern eine Bruderschaft, eine Familie, ein Orden, der nie wieder ganz sein würde, egal wie viele Jahrtausende vergingen." Cyphers Hand strich über die gebrochene Klinge mit einer Zärtlichkeit, die selbst Sar Ashkelons Feindseligkeit für einen Moment zum Schweigen brachte. „Ich habe zehntausend Jahre gesucht, nach einem Schmied, der fähig ist, sie zu reparieren — nicht durch bloße mechanische Reparatur, sondern durch ein Ritual, das alt genug, mächtig genug ist, um die tatsächliche Bedeutung der Klinge wiederherzustellen, nicht nur ihre physische Form. Ich glaube, ich habe diesen Schmied endlich gefunden, in einem der letzten Tempel des alten Mechanicum, verborgen tief in einem System, das ich noch nicht bereit bin, mit euch zu teilen."

„Und wenn sie repariert ist?", fragte Bariel. „Was wirst du damit tun?"

„Ich werde sie dorthin bringen, wo sie hingehört." Cyphers Stimme wurde leiser, fast ehrfürchtig. „Nicht zurück zum Löwen — er trägt jetzt eine andere Klinge, eine, die für den Mann geschmiedet wurde, der er geworden ist, nicht für die Vergangenheit, die er hinter sich lassen möchte. Ich werde sie nach Terra bringen, zum Thron selbst, als eine Geste — nicht der Buße, das Wort ist zu klein für das, was ich meine, sondern der Rechenschaft. Zehntausend Jahre lang habe ich in den Schatten operiert, ohne je vollständig zu wissen, ob meine Handlungen dem Imperium dienten oder ihm schadeten. Ich glaube, es ist Zeit, dass ich vor die einzige Autorität trete, die tatsächlich über mein gesamtes langes Leben urteilen kann, und diese Klinge als Beweis dessen präsentiere, was ich zu tun versuchte, selbst wenn es nicht ausreicht, das zu rechtfertigen, was ich unterwegs opfern musste."

„Der Thron ist kein lebendiges Wesen mehr, das urteilen kann, Cypher." Corvyns Stimme trug die nüchterne Sachlichkeit eines Mannes, der die Realität des Goldenen Throns aus offiziellen Berichten kannte, die den meisten Bewohnern des Imperiums verwehrt blieben. „Was auch immer der Imperator einst war, das, was heute auf Terra thront, spricht keine Urteile mehr, in dem Sinne, wie du es dir vorstellst."

„Ich weiß, was der Thron heute ist, Inquisitor, besser vielleicht, als es dir lieb wäre." Cyphers Stimme trug eine Schwere, die andeutete, dass diese Worte aus eigener, direkter Erfahrung stammten, nicht aus bloßem Hörensagen. „Aber ich glaube nicht, dass ein Urteil immer in Worten gesprochen werden muss, um real zu sein. Manchmal ist die Geste selbst das Urteil — der Akt, endlich vor die Wahrheit zu treten, statt für immer vor ihr zu fliehen. Das ist es, was ich suche, nicht eine Stimme, die mir Absolution gewährt, sondern die Gelegenheit, endlich aufzuhören, mich zu verstecken."

Sar Ashkelon lachte, ein bitteres, brüchiges Geräusch. „Du glaubst, ein zerbrochenes Schwert wird zehntausend Jahre Manipulation und Verrat aufwiegen?"

„Nein." Cyphers Blick traf den des Gefallenen direkt, ohne jede Ausflucht. „Ich glaube gar nichts wird das aufwiegen, Sar Ashkelon. Ich glaube nur, dass es besser ist, vor dem Urteil zu stehen, mit allem, was ich zu bieten habe, als für immer in den Schatten zu bleiben, wo weder Vergebung noch Verurteilung je möglich sind."

Bariel betrachtete die gebrochene Klinge lange, seine Gedanken zwischen zwei Bildern wandernd — der kleinen, kindlichen Klinge, die Luther jetzt in seiner Zelle bewahrte, und dieser hier, größer, mächtiger, aber ebenso zerbrochen, ebenso beladen mit der Last einer einzigen, katastrophalen Nacht.

Er trat näher, seine Hand — mit Cyphers stiller, abwartender Erlaubnis — über die silbernen Verstrebungen gleitend, die die beiden Hälften notdürftig zusammenhielten. Selbst durch seinen Handschuh spürte er etwas, das er nicht vollständig erklären konnte, eine Art schwaches, kaum wahrnehmbares Summen, als würde die Klinge, trotz ihres zerbrochenen Zustands, noch immer eine Erinnerung an das tragen, was sie einst gewesen war. „Zwei Klingen", sagte er langsam. „Beide von jener Nacht auf Caliban. Beide getragen von Männern, die seither versucht haben, mit dem umzugehen, was sie verloren haben. Ist das Zufall, Cypher, oder ist es etwas, das du absichtlich orchestriert hast?"

Cyphers Ausdruck wurde nachdenklich, fast überrascht von der Direktheit der Frage. „Ich habe die kleine Klinge Luther nicht gegeben, um ein Muster zu erschaffen, Interrogator-Ordenspriester, falls das deine Vermutung ist. Ich gab sie ihm, weil ich glaubte, dass er sie brauchte, mehr als ich sie brauchte. Aber ich werde nicht leugnen, dass ich seit einiger Zeit das Gefühl habe, dass diese gesamte Geschichte — Luthers Befreiung, die Rückkehr des Löwen, meine eigene, sehr späte Entscheidung, mich endlich zu zeigen — sich in einer Weise zusammenfügt, die größer ist als jede einzelne Entscheidung, die ich oder sonst irgendjemand getroffen hat. Vielleicht ist es der Wille des Imperators selbst. Vielleicht ist es einfach die Art, wie zehntausend Jahre aufgeschobener Rechnungen sich schließlich selbst einfordern, unabhängig davon, wer bereit ist, sie zu begleichen."

„Das klingt nach einer Ausrede für mangelnde Verantwortung", sagte Corvyn scharf.

„Oder es klingt nach der ehrlichsten Beschreibung, die ich für etwas geben kann, das ich selbst nicht vollständig verstehe." Cyphers Stimme blieb ruhig, aber es lag eine tiefe Müdigkeit darin, die Bariel bereits von Luther kannte — die Erschöpfung zweier Männer, die beide, auf unterschiedliche Weise, zehntausend Jahre unter demselben Gewicht getragen hatten.

X. DIE WAHLX. DIE WAHL

Die Kammer verharrte in einem angespannten Schweigen, während jeder der Anwesenden die Implikationen dessen abwog, was Cypher soeben offenbart hatte — eine Wahrheit, die, wenn sie tatsächlich der Realität entsprach, zehntausend Jahre der Ordensdoktrin über den mysteriösesten aller Gefallenen radikal infrage stellte.

„Ich glaube dir nicht vollständig", sagte Corvyn schließlich, seine Inquisitor-Ausbildung sich gegen die emotionale Kraft von Cyphers Worten stemmend. „Aber ich glaube auch nicht, dass du lügst, in dem Sinne, in dem ich es siebenundvierzig Jahre lang angenommen habe. Ich glaube, du glaubst das, was du sagst. Ob es tatsächlich die vollständige Wahrheit ist, oder nur die Wahrheit, wie du sie dir selbst erzählst, um mit dem zu leben, was du getan hast — das ist eine Frage, die ich nicht in dieser einen Begegnung beantworten kann."

Bariel nickte langsam, seine eigenen Gedanken sich mit Corvyns Worten überschneidend, auf eine Weise, die er als bestätigend statt widersprüchlich empfand. Es war genau diese Unsicherheit, dieses bewusste Zurückhalten endgültigen Urteils, das er selbst in den letzten Wochen gelernt hatte zu praktizieren, seit seiner ersten Begegnung mit Luther in der Kammer von Sethrak Vier — nicht Naivität, sondern eine härter erkämpfte, ehrlichere Form der Wachsamkeit, die zugab, was sie nicht wissen konnte, statt sich hinter falscher Gewissheit zu verstecken.

„Das ist mehr Gnade, als ich von einem Inquisitor erwartet hätte, der siebenundvierzig Jahre seines Lebens damit verbracht hat, mich zu jagen", sagte Cypher, ein Anflug echter Überraschung in seiner Stimme.

„Ich habe siebenundvierzig Jahre damit verbracht, die Wahrheit zu jagen, Cypher, nicht dich persönlich." Corvyns Stimme trug eine Müdigkeit, die tiefer ging als bloße körperliche Erschöpfung. „Du bist nur der Faden, an dem sie hängt. Ich habe gelernt, in all diesen Jahren, dass eine gute Ermittlung niemals mit dem Ergebnis beginnt, das man beweisen will. Sie beginnt mit der Bereitschaft, jede Möglichkeit zu erwägen, so unbequem sie auch sein mag. Ich schulde dir keine Gnade, aber ich schulde meinem eigenen Amt die Ehrlichkeit, zuzugeben, wenn eine langjährige Annahme sich als zu einfach erweist."

„Das ist eine faire Einschätzung", sagte Cypher, ohne jede Verteidigung in der Stimme. „Ich fordere nicht euer Vertrauen, Inquisitor. Ich fordere nur, dass ihr mir erlaubt, diese letzte Aufgabe zu vollenden, bevor ihr entscheidet, was mit mir geschehen soll."

Sar Ashkelon trat vor, sein Kettenschwert noch immer in der Hand, seine Augen voller einer Wut, die zehntausend Jahre nicht gelindert hatten. „Und wenn ich entscheide, dass Gerechtigkeit heute geschieht, statt in einer ungewissen Zukunft, die vielleicht nie kommt?"

Cypher sah ihn an, ohne jede Verteidigungshaltung, seine Hände sichtbar an seinen Seiten, weit von seinen Pistolen entfernt. „Wenn du das glaubst, Ashkelon, dann tu, was du für richtig hältst. Ich habe zehntausend Jahre lang gelernt, dass ich niemanden zwingen kann, mir zu vertrauen, und ich werde nicht damit beginnen, es von dir zu verlangen, nach allem, was ich dir genommen habe."

„Dann wirst du mich töten müssen, hier, in dieser Kammer, vor den Augen zweier Zeugen, die beide, glaube ich, inzwischen mehr Fragen haben als Gewissheiten." Cyphers Stimme blieb ruhig, ohne jede Furcht. „Ich werde nicht gegen dich kämpfen, Ashkelon. Ich habe zu viele Brüder verloren, in zu vielen Jahrhunderten, um noch einen weiteren Kampf gegen jemanden zu führen, der einst an meiner Seite kämpfte, aus Gründen, die ich, selbst nach all dieser Zeit, verstehe, auch wenn ich sie nicht teile."

Bariel beobachtete diesen Moment mit einer wachsenden Dringlichkeit, spürte, wie die Situation kurz davor stand, in unwiderrufliche Gewalt umzuschlagen, und traf eine Entscheidung, die er später nicht vollständig würde erklären können, außer als eine direkte Anwendung dessen, was er in den letzten Wochen gelernt hatte.

„Sar Ashkelon." Seine Stimme trug die volle Autorität seines Amtes, verstärkt durch eine Überzeugung, die tiefer ging als bloße Doktrin. „Wenn du ihn hier tötest, wirst du nie die Wahrheit erfahren, die du seit zehntausend Jahren suchst. Du wirst nur eine weitere Frage mit Blut beantworten, so wie es unser Orden seit Jahrtausenden getan hat, ohne dass es je die Fragen tatsächlich löste, die uns am meisten quälten. Lass ihn seine Aufgabe vollenden. Wenn er nach Terra kommt, wird das Urteil, das dort gesprochen wird, eine Autorität tragen, die keiner von uns hier allein beanspruchen kann."

„Und wenn er nie ankommt? Wenn dies nur ein weiterer seiner zehntausend Tricks ist?"

„Dann wird die Galaxie einen Verräter weniger haben, aber du wirst wissen, dass du ihm die Gelegenheit gegeben hast, die Wahrheit zu beweisen, bevor du geurteilt hast." Bariel trat zwischen die beiden, seine eigene Klinge nicht erhoben, aber bereit. „Das ist die einzige Gerechtigkeit, die ich in dieser Kammer anbieten kann, Sar Ashkelon. Sie mag dir nicht genügen. Aber ich glaube, es ist die einzige, die uns allen erlaubt, morgen noch mit uns selbst leben zu können."

Malachar trat ebenfalls vor, sein Sturmbolter nicht erhoben, aber seine massive Präsenz eine unmissverständliche Verstärkung von Bariels Position. „Ich habe in dieser Kammer keine eigene Meinung darüber, wer Cypher wirklich ist, Sar Ashkelon", sagte er, seine Stimme mit der ruhigen Autorität eines Deathwing-Sergeanten. „Aber ich habe eine Meinung darüber, was es bedeutet, einen unbewaffneten, kapitulierenden Mann in kaltem Blut zu töten, während drei Zeugen zusehen. Das ist nicht die Gerechtigkeit, die ich zu verteidigen geschworen habe. Wenn du diesen Weg trotzdem gehen willst, wirst du zuerst durch mich gehen müssen."

Sar Ashkelon sah zwischen den beiden Dark Angels und Cypher hin und her, sein Gesicht ein Schlachtfeld widerstreitender Impulse, die zehntausend Jahre Bitterkeit gegen die neue, unerwartete Realität dreier Zeugen abwogen, die alle, aus unterschiedlichen Gründen, gegen eine sofortige Hinrichtung waren.

Die Kammer verharrte in einem angespannten Schweigen, während jeder der Anwesenden die Implikationen dessen abwog, was Cypher soeben offenbart hatte — eine Wahrheit, die, wenn sie tatsächlich der Realität entsprach, zehntausend Jahre der Ordensdoktrin über den mysteriösesten aller Gefallenen radikal infrage stellte.

„Ich glaube dir nicht vollständig", sagte Corvyn schließlich, seine Inquisitor-Ausbildung sich gegen die emotionale Kraft von Cyphers Worten stemmend. „Aber ich glaube auch nicht, dass du lügst, in dem Sinne, in dem ich es siebenundvierzig Jahre lang angenommen habe. Ich glaube, du glaubst das, was du sagst. Ob es tatsächlich die vollständige Wahrheit ist, oder nur die Wahrheit, wie du sie dir selbst erzählst, um mit dem zu leben, was du getan hast — das ist eine Frage, die ich nicht in dieser einen Begegnung beantworten kann."

Bariel nickte langsam, seine eigenen Gedanken sich mit Corvyns Worten überschneidend, auf eine Weise, die er als bestätigend statt widersprüchlich empfand. Es war genau diese Unsicherheit, dieses bewusste Zurückhalten endgültigen Urteils, das er selbst in den letzten Wochen gelernt hatte zu praktizieren, seit seiner ersten Begegnung mit Luther in der Kammer von Sethrak Vier — nicht Naivität, sondern eine härter erkämpfte, ehrlichere Form der Wachsamkeit, die zugab, was sie nicht wissen konnte, statt sich hinter falscher Gewissheit zu verstecken.

„Das ist mehr Gnade, als ich von einem Inquisitor erwartet hätte, der siebenundvierzig Jahre seines Lebens damit verbracht hat, mich zu jagen", sagte Cypher, ein Anflug echter Überraschung in seiner Stimme.

„Ich habe siebenundvierzig Jahre damit verbracht, die Wahrheit zu jagen, Cypher, nicht dich persönlich." Corvyns Stimme trug eine Müdigkeit, die tiefer ging als bloße körperliche Erschöpfung. „Du bist nur der Faden, an dem sie hängt. Ich habe gelernt, in all diesen Jahren, dass eine gute Ermittlung niemals mit dem Ergebnis beginnt, das man beweisen will. Sie beginnt mit der Bereitschaft, jede Möglichkeit zu erwägen, so unbequem sie auch sein mag. Ich schulde dir keine Gnade, aber ich schulde meinem eigenen Amt die Ehrlichkeit, zuzugeben, wenn eine langjährige Annahme sich als zu einfach erweist."

„Das ist eine faire Einschätzung", sagte Cypher, ohne jede Verteidigung in der Stimme. „Ich fordere nicht euer Vertrauen, Inquisitor. Ich fordere nur, dass ihr mir erlaubt, diese letzte Aufgabe zu vollenden, bevor ihr entscheidet, was mit mir geschehen soll."

Sar Ashkelon trat vor, sein Kettenschwert noch immer in der Hand, seine Augen voller einer Wut, die zehntausend Jahre nicht gelindert hatten. „Und wenn ich entscheide, dass Gerechtigkeit heute geschieht, statt in einer ungewissen Zukunft, die vielleicht nie kommt?"

Cypher sah ihn an, ohne jede Verteidigungshaltung, seine Hände sichtbar an seinen Seiten, weit von seinen Pistolen entfernt. „Wenn du das glaubst, Ashkelon, dann tu, was du für richtig hältst. Ich habe zehntausend Jahre lang gelernt, dass ich niemanden zwingen kann, mir zu vertrauen, und ich werde nicht damit beginnen, es von dir zu verlangen, nach allem, was ich dir genommen habe."

„Dann wirst du mich töten müssen, hier, in dieser Kammer, vor den Augen zweier Zeugen, die beide, glaube ich, inzwischen mehr Fragen haben als Gewissheiten." Cyphers Stimme blieb ruhig, ohne jede Furcht. „Ich werde nicht gegen dich kämpfen, Ashkelon. Ich habe zu viele Brüder verloren, in zu vielen Jahrhunderten, um noch einen weiteren Kampf gegen jemanden zu führen, der einst an meiner Seite kämpfte, aus Gründen, die ich, selbst nach all dieser Zeit, verstehe, auch wenn ich sie nicht teile."

Bariel beobachtete diesen Moment mit einer wachsenden Dringlichkeit, spürte, wie die Situation kurz davor stand, in unwiderrufliche Gewalt umzuschlagen, und traf eine Entscheidung, die er später nicht vollständig würde erklären können, außer als eine direkte Anwendung dessen, was er in den letzten Wochen gelernt hatte.

„Sar Ashkelon." Seine Stimme trug die volle Autorität seines Amtes, verstärkt durch eine Überzeugung, die tiefer ging als bloße Doktrin. „Wenn du ihn hier tötest, wirst du nie die Wahrheit erfahren, die du seit zehntausend Jahren suchst. Du wirst nur eine weitere Frage mit Blut beantworten, so wie es unser Orden seit Jahrtausenden getan hat, ohne dass es je die Fragen tatsächlich löste, die uns am meisten quälten. Lass ihn seine Aufgabe vollenden. Wenn er nach Terra kommt, wird das Urteil, das dort gesprochen wird, eine Autorität tragen, die keiner von uns hier allein beanspruchen kann."

„Und wenn er nie ankommt? Wenn dies nur ein weiterer seiner zehntausend Tricks ist?"

„Dann wird die Galaxie einen Verräter weniger haben, aber du wirst wissen, dass du ihm die Gelegenheit gegeben hast, die Wahrheit zu beweisen, bevor du geurteilt hast." Bariel trat zwischen die beiden, seine eigene Klinge nicht erhoben, aber bereit. „Das ist die einzige Gerechtigkeit, die ich in dieser Kammer anbieten kann, Sar Ashkelon. Sie mag dir nicht genügen. Aber ich glaube, es ist die einzige, die uns allen erlaubt, morgen noch mit uns selbst leben zu können."

Malachar trat ebenfalls vor, sein Sturmbolter nicht erhoben, aber seine massive Präsenz eine unmissverständliche Verstärkung von Bariels Position. „Ich habe in dieser Kammer keine eigene Meinung darüber, wer Cypher wirklich ist, Sar Ashkelon", sagte er, seine Stimme mit der ruhigen Autorität eines Deathwing-Sergeanten. „Aber ich habe eine Meinung darüber, was es bedeutet, einen unbewaffneten, kapitulierenden Mann in kaltem Blut zu töten, während drei Zeugen zusehen. Das ist nicht die Gerechtigkeit, die ich zu verteidigen geschworen habe. Wenn du diesen Weg trotzdem gehen willst, wirst du zuerst durch mich gehen müssen."

Sar Ashkelon sah zwischen den beiden Dark Angels und Cypher hin und her, sein Gesicht ein Schlachtfeld widerstreitender Impulse, die zehntausend Jahre Bitterkeit gegen die neue, unerwartete Realität dreier Zeugen abwogen, die alle, aus unterschiedlichen Gründen, gegen eine sofortige Hinrichtung waren.

XI. DAS OFFENE ENDEXI. DAS OFFENE ENDE

Sar Ashkelon senkte schließlich sein Kettenschwert, sein Gesicht eine Maske aus ungelöstem Zorn und einer widerwilligen, erschöpften Erkenntnis, dass Bariels Worte, so unbefriedigend sie auch waren, mehr Weisheit trugen als jede sofortige Vergeltung, die er sich in zehntausend Jahren vorgestellt hatte.

„Ich werde dich nicht heute töten, Cypher", sagte er schließlich, seine Stimme schwer. „Aber ich werde dich beobachten, jeden Schritt deiner Reise nach Terra, und sollte ich auch nur den geringsten Hinweis darauf finden, dass dies eine weitere deiner Täuschungen ist, werde ich nicht zögern, zu vollenden, was ich heute begonnen habe."

„Das ist eine faire Bedingung", sagte Cypher, seine Stimme von echter Erleichterung getragen. „Ich erwarte nicht mehr als das."

Er wandte sich zu Bariel, die zerbrochene Klinge sorgfältig wieder unter seinem Mantel verstauend. „Du hast mir heute etwas gegeben, das ich in zehntausend Jahren selten erhalten habe, Interrogator-Ordenspriester — nicht Vertrauen, das wäre zu viel verlangt, sondern die Gelegenheit, meine eigene Geschichte zu Ende zu erzählen, bevor sie von anderen für mich beendet wird." Er trat einen Schritt zurück, seine Bewegungen bereits die vertraute, lautlose Geschwindigkeit andeutend, mit der er zu verschwinden pflegte. „Sag deinem Obersten Großmeister, dass Luthers Bitte gerecht ist, und dass der Löwe, wenn er von ihr erfährt, bereit sein wird, sie zu hören — nicht, weil ich es ihm sage, sondern weil ich glaube, dass er selbst, tief in sich, nach demselben Frieden sucht, den sein alter Lehrer sucht."

„Woher weißt du das?", fragte Bariel. „Wie kannst du sicher sein, was der Löwe fühlt, nach zehntausend Jahren?"

Cyphers Blick, für einen letzten Moment, trug etwas, das Bariel nicht sofort einordnen konnte — eine Vertrautheit, eine Intimität, die weit über das hinausging, was ein gewöhnlicher Gefallener je über seinen Primarchen hätte beanspruchen können.

„Weil ich ihn kannte, bevor er der Löwe wurde, den die Galaxie heute fürchtet und verehrt", sagte Cypher leise. „So wie Luther ihn kannte. Vielleicht besser. Das ist eine Geschichte, Interrogator-Ordenspriester, die ich dir vielleicht eines Tages erzählen werde, wenn diese lange Reise endlich ihr Ende gefunden hat. Heute ist nicht dieser Tag."

Bevor irgendjemand in der Kammer reagieren konnte, war er bereits verschwunden, in denselben tieferen Tunnel, aus dem er ursprünglich erschienen war, seine Bewegungen so lautlos, so vollständig, dass selbst Malachars Sensoren keine verwertbare Spur zurückließen.

Sie standen eine Weile in Stille, vier — jetzt drei — Krieger, deren jeweilige Jagd, so unterschiedlich ihre Ziele auch gewesen waren, sich für einen einzigen, kurzen Moment gekreuzt hatte, bevor sie sich wieder in ihre eigenen, ungewissen Richtungen trennten.

Sar Ashkelon war der Erste, der ging, ohne ein weiteres Wort, seine massive Gestalt in den tieferen Tunneln verschwindend, aus denen sie ursprünglich gekommen waren — zurück, wie Bariel vermutete, in dieselbe jahrtausendealte Einsamkeit, die ihn hierhergeführt hatte, jetzt beladen mit einer neuen, ungewohnten Last: dem Warten, dem Zusehen, statt dem sofortigen, befriedigenden Akt der Rache, den er sich seit so langer Zeit vorgestellt hatte.

Bevor er ging, hielt Sar Ashkelon jedoch einen Moment inne, sich zu Bariel umwendend, seine Stimme leiser, als sie während der gesamten Begegnung gewesen war. „Du hast heute etwas getan, das ich in achthundertsiebzig Jahren der Jagd nie erwartet hätte, Interrogator-Ordenspriester — du hast mich davon abgehalten, etwas zu tun, das ich seit Jahrhunderten für unvermeidlich hielt. Ich weiß nicht, ob ich dir dafür danken oder es dir verübeln soll. Vielleicht beides zugleich."

„Das verstehe ich", sagte Bariel einfach.

„Wenn Cypher lügt", fügte Sar Ashkelon hinzu, „wenn all dies nur ein weiterer, ausgeklügelter Trick ist, wirst du derjenige sein, der die Konsequenzen zu tragen hat, nicht ich. Ich hoffe, für deinetwillen, dass du heute richtig gelesen hast, was ich seit Jahrhunderten nicht mehr zu lesen wagte."

Er verschwand, ohne ein weiteres Wort, in die Dunkelheit der tieferen Tunnel, seine Schritte verklingend, bis nur noch Stille zurückblieb.

„Was wirst du deinem Orden berichten?", fragte Corvyn, als sie schließlich den Rückweg zur Oberfläche antraten, seine Stimme jetzt weniger von professioneller Distanz geprägt als von echter, kollegialer Neugier.

„Die Wahrheit, so unvollständig sie auch ist." Bariel dachte an Luther, der irgendwo in einer gesicherten Kammer wartete, an den Löwen, der sich durch das zerrissene Imperium Nihilus bewegte, an Cypher, der mit einer zerbrochenen Klinge auf dem Weg nach Terra war, um ein Urteil zu suchen, das er sich vielleicht nie wirklich stellen würde. „Dass wir noch immer nicht wissen, wer Cypher wirklich ist, oder was er wirklich will. Aber dass ich, nach allem, was ich gesehen und gehört habe, nicht mehr glaube, dass wir die richtige Frage stellen, wenn wir ihn nur als Freund oder Feind kategorisieren wollen."

„Und was werden Sie meinen Vorgesetzten berichten, glauben Sie?" Corvyns Stimme trug einen Anflug echter Sorge. „Der Ordo Hereticus wird nicht zufrieden sein mit 'ich habe ihn gefunden und ihn weiterziehen lassen', Interrogator-Ordenspriester, ganz gleich, wie überzeugend meine Argumente dafür sind."

„Dann berichten Sie ihnen genau das, was Sie mir gesagt haben, als wir uns zum ersten Mal trafen — dass Sie glauben, dass Cypher eine Wahrheit über das Imperium repräsentiert, die komplizierter ist, als jede offizielle Doktrin es zulassen möchte." Bariel sah den Inquisitor an, mit einem Respekt, der in den letzten Tagen gewachsen war, trotz — oder vielleicht wegen — ihrer anfänglichen Rivalität. „Ich glaube, Sie werden Konsequenzen tragen müssen, für diese Entscheidung, so wie ich sie tragen werde. Aber ich glaube auch, dass Sie, wie ich, bereits gewusst haben, dass dies der Preis für echte Wahrheit ist, lange bevor wir diese Kammer betraten."

Corvyn nickte langsam, ein Ausdruck stiller Übereinkunft zwischen zwei Männern, die, aus sehr unterschiedlichen Institutionen kommend, zu einer ähnlichen, unbequemen Erkenntnis gelangt waren. „Vielleicht kreuzen sich unsere Wege wieder, Interrogator-Ordenspriester, sollte Cypher tatsächlich Terra erreichen. Ich würde gerne dabei sein, wenn diese ganze Geschichte ihr Ende findet, was auch immer dieses Ende sein mag."

„Das würde ich auch", gab Bariel zu.

Bevor Corvyn ging, hielt er inne, seine Hand einen Moment auf Bariels Schulter ruhend — eine Geste, die zwischen einem Inquisitor und einem Astartes höchst ungewöhnlich war. „Ich habe siebenundvierzig Jahre gebraucht, um zu der Erkenntnis zu gelangen, zu der du in wenigen Wochen gelangt bist, Interrogator-Ordenspriester", sagte er. „Das sagt entweder etwas über deine außergewöhnliche Klarsicht aus, oder etwas darüber, wie viel schneller Wahrheit ans Licht kommt, wenn mehr als eine Institution bereit ist, gemeinsam danach zu suchen, statt sich gegenseitig zu misstrauen. Ich hoffe, es ist Letzteres — denn das würde bedeuten, dass diese Zusammenarbeit, so unwahrscheinlich sie war, wiederholt werden könnte, sollte die Notwendigkeit erneut entstehen."

„Ich würde eine solche Wiederholung nicht ablehnen", sagte Bariel ehrlich.

„Dann bis wir uns wiedersehen, Interrogator-Ordenspriester — auf Terra, oder wo auch immer diese Geschichte uns als Nächstes hinführt." Corvyn nickte einmal, knapp, und wandte sich zum Gehen, seine Gestalt bald in der Dämmerung von Threndal verschwindend.

Sie trennten sich am Rand der Ruinen, Corvyn zu seinem eigenen, unauffälligen Schiff zurückkehrend, während Bariel und Malachar zur Stiller Zeuge gingen, deren Silhouette bereits gegen den sich verdunkelnden Himmel von Threndal sichtbar wurde.

„Und Sar Ashkelon?", fragte Malachar. „Wird er ihn tatsächlich in Ruhe lassen, bis Terra?"

„Ich weiß es nicht", gab Bariel zu, während sie das Tageslicht der Oberfläche erreichten, die zerstörte Landschaft von Threndal sich vor ihnen ausbreitend, noch immer gezeichnet von einem Kampf, der erst vor Stunden geendet hatte. „Ich weiß nur, dass ich heute eine Entscheidung getroffen habe, die zehntausend Jahre Doktrin nicht vorgesehen hätten — dass ich einem Mann, den mein gesamter Orden seit Jahrtausenden zu fassen versucht, erlaubt habe, weiterzuziehen, in der Hoffnung, dass eine größere Wahrheit ans Licht kommt, als jede Jagd sie je hätte liefern können."

Malachar ging schweigend neben ihm, seine massive Gestalt im letzten Licht des Threndal-Sonnenuntergangs eine vertraute, verlässliche Präsenz. „Ich habe heute etwas gelernt, das kein Ausbildungshandbuch mir je vermittelt hat, Interrogator-Ordenspriester", sagte er schließlich, seine Stimme ungewohnt nachdenklich für einen Deathwing-Sergeant. „Dass Gerechtigkeit manchmal aussieht wie Untätigkeit, und dass die schwerste Entscheidung, die ein Krieger treffen kann, nicht immer die ist, zu kämpfen — manchmal ist es die, das Schwert zu senken, während jeder Instinkt in einem schreit, es zu erheben."

„Das ist eine Lektion, die ich selbst erst in den letzten Wochen zu verstehen begonnen habe", sagte Bariel.

Während sie zu ihrem Shuttle zurückkehrten, dachte Bariel an Sarnuel, den alten Ordenspriester, der ihn in sein Amt eingeführt hatte, und fragte sich, was der alte Mann von der Entscheidung gehalten hätte, die er heute getroffen hatte. Er würde es nie erfahren — Sarnuel war vor sechs Jahren gefallen, auf einer Welt, deren Namen Bariel absichtlich vergessen hatte, weil die Erinnerung an seinen Tod zu schwer war, um sie ständig zu tragen. Aber er glaubte, mit einer Gewissheit, die aus zwölf Jahren gemeinsamer Lehre stammte, dass Sarnuel stolz gewesen wäre — nicht auf das Ergebnis, das noch ungewiss war, sondern auf die Bereitschaft, wirklich zuzuhören, bevor er urteilte.

Er sah zum Himmel, wo, irgendwo jenseits der Sichtweite, die Streitmacht des Löwen sich durch das zerrissene Imperium Nihilus bewegte, während Luther in einer fernen Kammer wartete, und Cypher, mit einer zerbrochenen Klinge unter seinem Mantel, seinen eigenen, einsamen Weg nach Terra fortsetzte.

An Bord der Stiller Zeuge, während sie Threndal verließen, verfasste Bariel seinen Bericht an den Obersten Großmeister mit einer Sorgfalt, die er in zwölf Jahren des Dienstes nie zuvor auf ein einzelnes Dokument verwendet hatte. Er wusste, dass jedes Wort geprüft werden würde, dass seine Entscheidung — Cypher ziehen zu lassen, mit einem zerbrochenen Schwert und einem ungewissen Ziel — von manchen im Inneren Zirkel als Verrat an der Doktrin selbst gewertet werden könnte, unabhängig davon, wie überzeugend seine Argumente waren.

„Bereust du es?", fragte Malachar, als er über Bariels Schulter auf den fast fertigen Bericht blickte, eine Frage, die Cassiel ihm selbst, Wochen zuvor, in einer anderen Kammer, gestellt hatte.

Bariel hielt inne, seine Feder über dem letzten Absatz des Berichts schwebend, und dachte an alles, was diese eine Mission ihm gelehrt hatte — über Cypher, über Sar Ashkelon, über Corvyn, über sich selbst. Er dachte an die Kammer von Sethrak Vier, an Luther, der zum ersten Mal seit zehntausend Jahren wieder Hoffnung gefunden hatte, an den Löwen, der irgendwo im zerrissenen Nihilus-Raum eine Galaxie zu einen versuchte, die er kaum wiedererkannte. Er dachte an all die Zeugen, die er befragt hatte, an ihre Geschichten von einem Mann, der sich weigerte, in die einfachen Kategorien zu passen, die zehntausend Jahre Doktrin für ihn vorgesehen hatten. Er dachte an Rasks Beschreibung eines Mannes, der heimlich weinte; an Chiels Erinnerung an eine uralte, unauslöschliche Trauer; an Vasks Bericht von einer Suche, die Jahrtausende überdauert hatte. Keines dieser Fragmente allein hätte genügt, um zehntausend Jahre Doktrin zu widerlegen. Aber in ihrer Summe, dachte Bariel, während er die letzten Worte seines Berichts niederschrieb, bildeten sie etwas, das keine offizielle Chronik je vollständig erfasst hatte: das Porträt eines Mannes, dessen Last so schwer war, dass selbst zehntausend Jahre sie nicht hatten lindern können, und der dennoch, trotz allem, weiterhin wählte, sie zu tragen, statt sie einfach abzulegen.

„Nein", sagte Bariel, mit derselben Gewissheit, die er in Cassiels Stimme gehört hatte, als dieser dieselbe Frage beantwortete. „Ich weiß nicht, ob ich richtig gehandelt habe. Aber ich weiß, dass ich zum ersten Mal in meiner Laufbahn eine Entscheidung getroffen habe, die tatsächlich meine eigene war, nicht nur die Ausführung einer Doktrin, die zehntausend Jahre vor meiner Geburt geschrieben wurde."

Drei Fäden einer Geschichte, die vor zehntausend Jahren auf Caliban begonnen hatte, bewegten sich, zum ersten Mal seit dem Fall ihrer Heimatwelt, wieder aufeinander zu — und Bariel, der Interrogator-Ordenspriester, der gelernt hatte zuzuhören, statt nur zu jagen, wusste, dass er, welches Urteil am Ende auch gesprochen werden würde, für immer einer der wenigen Zeugen sein würde, die tatsächlich verstanden hatten, was auf dem Spiel stand, bevor die letzte Seite dieser uralten, ungelösten Geschichte geschrieben wurde.

**ENDE VON TEIL II**

*Nachwort: Diese Zwillingsgeschichten lassen bewusst offen, ob Luther tatsächlich Vergebung finden wird, ob Cypher seine zerbrochene Klinge je nach Terra bringt, und ob der Löwe, wenn er schließlich mit beiden Männern aus seiner Vergangenheit konfrontiert wird, Gnade oder Urteil sprechen wird. Das ist beabsichtigt. Manche der größten Geheimnisse des Warhammer-40.000-Universums — Cyphers wahre Natur allen voran — behalten ihre Kraft gerade dadurch, dass sie nie vollständig aufgelöst werden. Was diese Geschichten stattdessen anbieten, ist ein Interrogator-Ordenspriester, der lernte, dass zehntausend Jahre Gewissheit manchmal weniger Wahrheit enthalten als eine einzige Bereitschaft, wirklich zuzuhören.*

Sar Ashkelon senkte schließlich sein Kettenschwert, sein Gesicht eine Maske aus ungelöstem Zorn und einer widerwilligen, erschöpften Erkenntnis, dass Bariels Worte, so unbefriedigend sie auch waren, mehr Weisheit trugen als jede sofortige Vergeltung, die er sich in zehntausend Jahren vorgestellt hatte.

„Ich werde dich nicht heute töten, Cypher", sagte er schließlich, seine Stimme schwer. „Aber ich werde dich beobachten, jeden Schritt deiner Reise nach Terra, und sollte ich auch nur den geringsten Hinweis darauf finden, dass dies eine weitere deiner Täuschungen ist, werde ich nicht zögern, zu vollenden, was ich heute begonnen habe."

„Das ist eine faire Bedingung", sagte Cypher, seine Stimme von echter Erleichterung getragen. „Ich erwarte nicht mehr als das."

Er wandte sich zu Bariel, die zerbrochene Klinge sorgfältig wieder unter seinem Mantel verstauend. „Du hast mir heute etwas gegeben, das ich in zehntausend Jahren selten erhalten habe, Interrogator-Ordenspriester — nicht Vertrauen, das wäre zu viel verlangt, sondern die Gelegenheit, meine eigene Geschichte zu Ende zu erzählen, bevor sie von anderen für mich beendet wird." Er trat einen Schritt zurück, seine Bewegungen bereits die vertraute, lautlose Geschwindigkeit andeutend, mit der er zu verschwinden pflegte. „Sag deinem Obersten Großmeister, dass Luthers Bitte gerecht ist, und dass der Löwe, wenn er von ihr erfährt, bereit sein wird, sie zu hören — nicht, weil ich es ihm sage, sondern weil ich glaube, dass er selbst, tief in sich, nach demselben Frieden sucht, den sein alter Lehrer sucht."

„Woher weißt du das?", fragte Bariel. „Wie kannst du sicher sein, was der Löwe fühlt, nach zehntausend Jahren?"

Cyphers Blick, für einen letzten Moment, trug etwas, das Bariel nicht sofort einordnen konnte — eine Vertrautheit, eine Intimität, die weit über das hinausging, was ein gewöhnlicher Gefallener je über seinen Primarchen hätte beanspruchen können.

„Weil ich ihn kannte, bevor er der Löwe wurde, den die Galaxie heute fürchtet und verehrt", sagte Cypher leise. „So wie Luther ihn kannte. Vielleicht besser. Das ist eine Geschichte, Interrogator-Ordenspriester, die ich dir vielleicht eines Tages erzählen werde, wenn diese lange Reise endlich ihr Ende gefunden hat. Heute ist nicht dieser Tag."

Bevor irgendjemand in der Kammer reagieren konnte, war er bereits verschwunden, in denselben tieferen Tunnel, aus dem er ursprünglich erschienen war, seine Bewegungen so lautlos, so vollständig, dass selbst Malachars Sensoren keine verwertbare Spur zurückließen.

Sie standen eine Weile in Stille, vier — jetzt drei — Krieger, deren jeweilige Jagd, so unterschiedlich ihre Ziele auch gewesen waren, sich für einen einzigen, kurzen Moment gekreuzt hatte, bevor sie sich wieder in ihre eigenen, ungewissen Richtungen trennten.

Sar Ashkelon war der Erste, der ging, ohne ein weiteres Wort, seine massive Gestalt in den tieferen Tunneln verschwindend, aus denen sie ursprünglich gekommen waren — zurück, wie Bariel vermutete, in dieselbe jahrtausendealte Einsamkeit, die ihn hierhergeführt hatte, jetzt beladen mit einer neuen, ungewohnten Last: dem Warten, dem Zusehen, statt dem sofortigen, befriedigenden Akt der Rache, den er sich seit so langer Zeit vorgestellt hatte.

Bevor er ging, hielt Sar Ashkelon jedoch einen Moment inne, sich zu Bariel umwendend, seine Stimme leiser, als sie während der gesamten Begegnung gewesen war. „Du hast heute etwas getan, das ich in achthundertsiebzig Jahren der Jagd nie erwartet hätte, Interrogator-Ordenspriester — du hast mich davon abgehalten, etwas zu tun, das ich seit Jahrhunderten für unvermeidlich hielt. Ich weiß nicht, ob ich dir dafür danken oder es dir verübeln soll. Vielleicht beides zugleich."

„Das verstehe ich", sagte Bariel einfach.

„Wenn Cypher lügt", fügte Sar Ashkelon hinzu, „wenn all dies nur ein weiterer, ausgeklügelter Trick ist, wirst du derjenige sein, der die Konsequenzen zu tragen hat, nicht ich. Ich hoffe, für deinetwillen, dass du heute richtig gelesen hast, was ich seit Jahrhunderten nicht mehr zu lesen wagte."

Er verschwand, ohne ein weiteres Wort, in die Dunkelheit der tieferen Tunnel, seine Schritte verklingend, bis nur noch Stille zurückblieb.

„Was wirst du deinem Orden berichten?", fragte Corvyn, als sie schließlich den Rückweg zur Oberfläche antraten, seine Stimme jetzt weniger von professioneller Distanz geprägt als von echter, kollegialer Neugier.

„Die Wahrheit, so unvollständig sie auch ist." Bariel dachte an Luther, der irgendwo in einer gesicherten Kammer wartete, an den Löwen, der sich durch das zerrissene Imperium Nihilus bewegte, an Cypher, der mit einer zerbrochenen Klinge auf dem Weg nach Terra war, um ein Urteil zu suchen, das er sich vielleicht nie wirklich stellen würde. „Dass wir noch immer nicht wissen, wer Cypher wirklich ist, oder was er wirklich will. Aber dass ich, nach allem, was ich gesehen und gehört habe, nicht mehr glaube, dass wir die richtige Frage stellen, wenn wir ihn nur als Freund oder Feind kategorisieren wollen."

„Und was werden Sie meinen Vorgesetzten berichten, glauben Sie?" Corvyns Stimme trug einen Anflug echter Sorge. „Der Ordo Hereticus wird nicht zufrieden sein mit 'ich habe ihn gefunden und ihn weiterziehen lassen', Interrogator-Ordenspriester, ganz gleich, wie überzeugend meine Argumente dafür sind."

„Dann berichten Sie ihnen genau das, was Sie mir gesagt haben, als wir uns zum ersten Mal trafen — dass Sie glauben, dass Cypher eine Wahrheit über das Imperium repräsentiert, die komplizierter ist, als jede offizielle Doktrin es zulassen möchte." Bariel sah den Inquisitor an, mit einem Respekt, der in den letzten Tagen gewachsen war, trotz — oder vielleicht wegen — ihrer anfänglichen Rivalität. „Ich glaube, Sie werden Konsequenzen tragen müssen, für diese Entscheidung, so wie ich sie tragen werde. Aber ich glaube auch, dass Sie, wie ich, bereits gewusst haben, dass dies der Preis für echte Wahrheit ist, lange bevor wir diese Kammer betraten."

Corvyn nickte langsam, ein Ausdruck stiller Übereinkunft zwischen zwei Männern, die, aus sehr unterschiedlichen Institutionen kommend, zu einer ähnlichen, unbequemen Erkenntnis gelangt waren. „Vielleicht kreuzen sich unsere Wege wieder, Interrogator-Ordenspriester, sollte Cypher tatsächlich Terra erreichen. Ich würde gerne dabei sein, wenn diese ganze Geschichte ihr Ende findet, was auch immer dieses Ende sein mag."

„Das würde ich auch", gab Bariel zu.

Bevor Corvyn ging, hielt er inne, seine Hand einen Moment auf Bariels Schulter ruhend — eine Geste, die zwischen einem Inquisitor und einem Astartes höchst ungewöhnlich war. „Ich habe siebenundvierzig Jahre gebraucht, um zu der Erkenntnis zu gelangen, zu der du in wenigen Wochen gelangt bist, Interrogator-Ordenspriester", sagte er. „Das sagt entweder etwas über deine außergewöhnliche Klarsicht aus, oder etwas darüber, wie viel schneller Wahrheit ans Licht kommt, wenn mehr als eine Institution bereit ist, gemeinsam danach zu suchen, statt sich gegenseitig zu misstrauen. Ich hoffe, es ist Letzteres — denn das würde bedeuten, dass diese Zusammenarbeit, so unwahrscheinlich sie war, wiederholt werden könnte, sollte die Notwendigkeit erneut entstehen."

„Ich würde eine solche Wiederholung nicht ablehnen", sagte Bariel ehrlich.

„Dann bis wir uns wiedersehen, Interrogator-Ordenspriester — auf Terra, oder wo auch immer diese Geschichte uns als Nächstes hinführt." Corvyn nickte einmal, knapp, und wandte sich zum Gehen, seine Gestalt bald in der Dämmerung von Threndal verschwindend.

Sie trennten sich am Rand der Ruinen, Corvyn zu seinem eigenen, unauffälligen Schiff zurückkehrend, während Bariel und Malachar zur Stiller Zeuge gingen, deren Silhouette bereits gegen den sich verdunkelnden Himmel von Threndal sichtbar wurde.

„Und Sar Ashkelon?", fragte Malachar. „Wird er ihn tatsächlich in Ruhe lassen, bis Terra?"

„Ich weiß es nicht", gab Bariel zu, während sie das Tageslicht der Oberfläche erreichten, die zerstörte Landschaft von Threndal sich vor ihnen ausbreitend, noch immer gezeichnet von einem Kampf, der erst vor Stunden geendet hatte. „Ich weiß nur, dass ich heute eine Entscheidung getroffen habe, die zehntausend Jahre Doktrin nicht vorgesehen hätten — dass ich einem Mann, den mein gesamter Orden seit Jahrtausenden zu fassen versucht, erlaubt habe, weiterzuziehen, in der Hoffnung, dass eine größere Wahrheit ans Licht kommt, als jede Jagd sie je hätte liefern können."

Malachar ging schweigend neben ihm, seine massive Gestalt im letzten Licht des Threndal-Sonnenuntergangs eine vertraute, verlässliche Präsenz. „Ich habe heute etwas gelernt, das kein Ausbildungshandbuch mir je vermittelt hat, Interrogator-Ordenspriester", sagte er schließlich, seine Stimme ungewohnt nachdenklich für einen Deathwing-Sergeant. „Dass Gerechtigkeit manchmal aussieht wie Untätigkeit, und dass die schwerste Entscheidung, die ein Krieger treffen kann, nicht immer die ist, zu kämpfen — manchmal ist es die, das Schwert zu senken, während jeder Instinkt in einem schreit, es zu erheben."

„Das ist eine Lektion, die ich selbst erst in den letzten Wochen zu verstehen begonnen habe", sagte Bariel.

Während sie zu ihrem Shuttle zurückkehrten, dachte Bariel an Sarnuel, den alten Ordenspriester, der ihn in sein Amt eingeführt hatte, und fragte sich, was der alte Mann von der Entscheidung gehalten hätte, die er heute getroffen hatte. Er würde es nie erfahren — Sarnuel war vor sechs Jahren gefallen, auf einer Welt, deren Namen Bariel absichtlich vergessen hatte, weil die Erinnerung an seinen Tod zu schwer war, um sie ständig zu tragen. Aber er glaubte, mit einer Gewissheit, die aus zwölf Jahren gemeinsamer Lehre stammte, dass Sarnuel stolz gewesen wäre — nicht auf das Ergebnis, das noch ungewiss war, sondern auf die Bereitschaft, wirklich zuzuhören, bevor er urteilte.

Er sah zum Himmel, wo, irgendwo jenseits der Sichtweite, die Streitmacht des Löwen sich durch das zerrissene Imperium Nihilus bewegte, während Luther in einer fernen Kammer wartete, und Cypher, mit einer zerbrochenen Klinge unter seinem Mantel, seinen eigenen, einsamen Weg nach Terra fortsetzte.

An Bord der Stiller Zeuge, während sie Threndal verließen, verfasste Bariel seinen Bericht an den Obersten Großmeister mit einer Sorgfalt, die er in zwölf Jahren des Dienstes nie zuvor auf ein einzelnes Dokument verwendet hatte. Er wusste, dass jedes Wort geprüft werden würde, dass seine Entscheidung — Cypher ziehen zu lassen, mit einem zerbrochenen Schwert und einem ungewissen Ziel — von manchen im Inneren Zirkel als Verrat an der Doktrin selbst gewertet werden könnte, unabhängig davon, wie überzeugend seine Argumente waren.

„Bereust du es?", fragte Malachar, als er über Bariels Schulter auf den fast fertigen Bericht blickte, eine Frage, die Cassiel ihm selbst, Wochen zuvor, in einer anderen Kammer, gestellt hatte.

Bariel hielt inne, seine Feder über dem letzten Absatz des Berichts schwebend, und dachte an alles, was diese eine Mission ihm gelehrt hatte — über Cypher, über Sar Ashkelon, über Corvyn, über sich selbst. Er dachte an die Kammer von Sethrak Vier, an Luther, der zum ersten Mal seit zehntausend Jahren wieder Hoffnung gefunden hatte, an den Löwen, der irgendwo im zerrissenen Nihilus-Raum eine Galaxie zu einen versuchte, die er kaum wiedererkannte. Er dachte an all die Zeugen, die er befragt hatte, an ihre Geschichten von einem Mann, der sich weigerte, in die einfachen Kategorien zu passen, die zehntausend Jahre Doktrin für ihn vorgesehen hatten. Er dachte an Rasks Beschreibung eines Mannes, der heimlich weinte; an Chiels Erinnerung an eine uralte, unauslöschliche Trauer; an Vasks Bericht von einer Suche, die Jahrtausende überdauert hatte. Keines dieser Fragmente allein hätte genügt, um zehntausend Jahre Doktrin zu widerlegen. Aber in ihrer Summe, dachte Bariel, während er die letzten Worte seines Berichts niederschrieb, bildeten sie etwas, das keine offizielle Chronik je vollständig erfasst hatte: das Porträt eines Mannes, dessen Last so schwer war, dass selbst zehntausend Jahre sie nicht hatten lindern können, und der dennoch, trotz allem, weiterhin wählte, sie zu tragen, statt sie einfach abzulegen.

„Nein", sagte Bariel, mit derselben Gewissheit, die er in Cassiels Stimme gehört hatte, als dieser dieselbe Frage beantwortete. „Ich weiß nicht, ob ich richtig gehandelt habe. Aber ich weiß, dass ich zum ersten Mal in meiner Laufbahn eine Entscheidung getroffen habe, die tatsächlich meine eigene war, nicht nur die Ausführung einer Doktrin, die zehntausend Jahre vor meiner Geburt geschrieben wurde."

Drei Fäden einer Geschichte, die vor zehntausend Jahren auf Caliban begonnen hatte, bewegten sich, zum ersten Mal seit dem Fall ihrer Heimatwelt, wieder aufeinander zu — und Bariel, der Interrogator-Ordenspriester, der gelernt hatte zuzuhören, statt nur zu jagen, wusste, dass er, welches Urteil am Ende auch gesprochen werden würde, für immer einer der wenigen Zeugen sein würde, die tatsächlich verstanden hatten, was auf dem Spiel stand, bevor die letzte Seite dieser uralten, ungelösten Geschichte geschrieben wurde.

**ENDE VON TEIL II**

*Nachwort: Diese Zwillingsgeschichten lassen bewusst offen, ob Luther tatsächlich Vergebung finden wird, ob Cypher seine zerbrochene Klinge je nach Terra bringt, und ob der Löwe, wenn er schließlich mit beiden Männern aus seiner Vergangenheit konfrontiert wird, Gnade oder Urteil sprechen wird. Das ist beabsichtigt. Manche der größten Geheimnisse des Warhammer-40.000-Universums — Cyphers wahre Natur allen voran — behalten ihre Kraft gerade dadurch, dass sie nie vollständig aufgelöst werden. Was diese Geschichten stattdessen anbieten, ist ein Interrogator-Ordenspriester, der lernte, dass zehntausend Jahre Gewissheit manchmal weniger Wahrheit enthalten als eine einzige Bereitschaft, wirklich zuzuhören.*

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