DIE LÜGE VON ESKRADORDIE LÜGE VON ESKRADOR
Eine Novelle der VerräterlegionenEine Novelle der Verräterlegionen
Alpha Legion
„Es gibt keine Wahrheit über die Alpha Legion. Es gibt nur die Version, die sie dich zu glauben lässt, in dem Moment, in dem es ihnen nützt."
„Es gibt keine Wahrheit über die Alpha Legion. Es gibt nur die Version, die sie dich zu glauben lässt, in dem Moment, in dem es ihnen nützt."
— Zugeschrieben Inquisitor Kravin, Ordo Malleus, vor seinem Verschwinden
I. DER CHRONISTI. DER CHRONIST
Chronist Ptolan Vaas hatte sein gesamtes Leben als Astartes damit verbracht, Wahrheiten zu bewahren, die niemand mehr infrage stellen konnte — bis der Primarch selbst zurückkehrte und jede einzelne davon plötzlich wieder offen war.
Er saß in der siebten Ebene des Index Athanaeum, tief unter der Festung von Macragge, umgeben von zehntausend Jahren Chronikschrift, als der Auftrag eintraf, der sein gesamtes Verständnis seines Ordens verändern würde. Der Index selbst war eine der ehrwürdigsten Institutionen der Ultramarines — eine Bibliothek, größer als manche Hive-Städte, in der jede Schlacht, jeder Feldzug, jeder Tod eines Bruders seit der Gründung des Ordens in sorgfältiger, unbestechlicher Schrift festgehalten wurde. Vaas hatte vierzig Jahre in ihren Gängen gedient, zunächst als Lehrling, dann als vollwertiger Chronist, verantwortlich für die Richtigkeit von Aufzeichnungen, die Generationen von Brüdern als unumstößliche Wahrheit studierten.
Seine gegenwärtige Aufgabe war, auf den ersten Blick, bürokratischer Natur: Seit der Rückkehr des Primarchen Roboute Guilliman vor mehreren Jahren hatte der Index begonnen, ein beispielloses Projekt zu verfolgen — die systematische Überprüfung jeder historischen Chronik der Zehntausend-Jahre-Lücke gegen die persönlichen Erinnerungen des Primarchen selbst, wo immer dieser bereit war, sie zu teilen. Zehn Jahrtausende lang hatten die Ultramarines ihre eigene Geschichte aus zweiter Hand rekonstruiert, aus fragmentarischen Berichten, aus Vermutungen, aus dem, was Überlebende in ihren letzten Momenten noch hatten aussprechen können. Jetzt, zum ersten Mal, existierte ein lebender Zeuge fast der gesamten Zeitspanne — ein Zeuge, dessen Gedächtnis, wie Vaas in den letzten Monaten gelernt hatte, präziser war als jedes Archiv, das der Orden je besessen hatte.
Vaas war neunundzwanzig Jahre alt gewesen, ein vielversprechender junger Krieger der Zweiten Kompanie, als eine Verwundung während der Rückeroberung von Parmenio seine aktive Kampflaufbahn abrupt beendete — nicht so schwer, dass sie sein Leben gefährdet hätte, aber schwer genug, dass die Apothecarii des Ordens entschieden, seine langfristige Verwendung in einem weniger körperlich fordernden Dienst zu suchen. Er hatte diese Entscheidung zunächst als Niederlage empfunden, eine stille Schande, die er niemandem gegenüber aussprach, aber die ihn in den ersten Jahren seines neuen Dienstes im Index Athanaeum wie ein Schatten begleitete. Erst mit der Zeit, während er lernte, wie viel Verantwortung tatsächlich in der Bewahrung von Wahrheit lag, hatte er begonnen, seine neue Rolle nicht als Rückzug vom eigentlichen Dienst zu verstehen, sondern als eine andere, ebenso notwendige Form davon. Der entscheidende Moment dieser Wandlung war eine Nacht gewesen, in seinem dritten Jahr im Index Athanaeum, als er einen Bericht über einen gefallenen Bruder aus der Zeit der Indomitus-Kreuzzüge las — ein Mann, dessen letzte Taten sonst für immer verloren gewesen wären, hätte nicht ein Chronist wie Vaas sie sorgfältig aus fragmentarischen Zeugenaussagen rekonstruiert. In diesem Moment hatte er verstanden, dass Erinnerung selbst eine Form des Dienstes war, ebenso ehrenhaft wie das Schwert eines Kampfbruders, auch wenn sie sich in stilleren, weniger sichtbaren Taten ausdrückte.
Es war eine ehrfurchtgebietende Aufgabe, und Vaas hatte sie mit der gleichen methodischen Hingabe angegangen, die jede Aufgabe seines Amtes verlangte. Er hatte mit den kleineren Diskrepanzen begonnen — falsch datierte Schlachten, verwechselte Truppennamen, kleine Übertreibungen, die sich über Jahrtausende der Weitergabe eingeschlichen hatten. Nichts davon hatte ihn auf das vorbereitet, was er heute Morgen entdeckte, als er die offizielle Chronik der Schlacht von Eskrador gegen ein neu freigegebenes Transkript legte — ein Gespräch, das der Primarch persönlich mit dem Obersten Chronisten geführt hatte, drei Monate zuvor, in dem er, beiläufig, wie es schien, Details erwähnte, die der offiziellen Aufzeichnung in einer Weise widersprachen, die kein bloßer Übertragungsfehler erklären konnte.
Vaas legte die beiden Dokumente nebeneinander auf seinen Lesetisch, seine Hände — trotz seiner Astartes-Disziplin — unwillkürlich zögernd, bevor er sie ein drittes Mal verglich.
Die offizielle Chronik, verfasst von Chronisten, die zwei Jahrhunderte nach den Ereignissen selbst gelebt hatten, auf Grundlage überlieferter mündlicher Berichte, beschrieb die Schlacht von Eskrador mit der gewohnten epischen Klarheit imperialer Geschichtsschreibung: Guilliman, der die methodische Vorsicht seiner eigenen Doktrin durchbrach, um seine Elite-Einheiten in einem verzweifelten, unerwarteten Sturmangriff auf das Hauptquartier der Alpha Legion zu führen; das persönliche Duell mit Alpharius, das mit dem Tod des Verräter-Primarchen endete; die anschließende Verbrennung des Leichnams auf einem großen Scheiterhaufen, unter den Augen der versammelten Ultramarines, als endgültiger Beweis für den Sieg.
Der Chronist, der dieses Gespräch mit dem Primarchen persönlich geführt hatte — ein hochbetagter Bruder namens Oberster Chronist Halvorn, dessen eigene Laufbahn bereits acht Jahrhunderte zählte — hatte, wie Vaas aus einer beigefügten Randnotiz entnahm, offenbar selbst nicht bemerkt, welche Tragweite die beiläufigen Bemerkungen des Primarchen besaßen. Er hatte sie schlicht transkribiert, mit der professionellen Distanz eines Mannes, der zu sehr daran gewöhnt war, historische Zeugnisse aufzuzeichnen, um jedes einzelne Detail sofort gegen das gesamte Gewicht der bestehenden Chronik abzuwägen. Es hatte eines frischeren, weniger vom Gewicht der Tradition belasteten Blicks bedurft — Vaas' eigenen Blicks —, um die Diskrepanz überhaupt zu bemerken.
Guilliman selbst, im Transkript des Gesprächs mit dem Obersten Chronisten, erinnerte sich an die Schlacht anders — nicht in großen Widersprüchen, sondern in kleinen, unbequemen Details, die Vaas' geschultes Auge sofort als bedeutsam erkannte. Der Primarch erinnerte sich, dass er das Duell selbst als seltsam leicht empfunden hatte, leichter, als er es von einem Gegner erwartet hätte, dessen Legion für ihre Unberechenbarkeit berüchtigt war. Er erinnerte sich, dass sein Gegner, in den letzten Momenten vor dem tödlichen Stoß, etwas gesagt hatte, das Guilliman nie ganz entschlüsselt hatte — nicht die Verzweiflung eines sterbenden Mannes, sondern etwas, das eher wie eine letzte, private Feststellung klang, gerichtet an niemanden außer sich selbst. Und, am beunruhigendsten von allem: Guilliman erinnerte sich, dass er die Verbrennung des Leichnams nicht persönlich überwacht hatte — dass er, erschöpft von der Schlacht und bereits mit der Organisation des Rückzugs beschäftigt, die Aufgabe seinen Apothecarii überlassen hatte, und dass er sich nicht mit Sicherheit erinnern konnte, ob er den toten Primarchen mit eigenen Augen ein zweites Mal gesehen hatte, bevor die Flammen ihn verzehrten.
Am Rand des Transkripts fand sich eine handschriftliche Notiz des Obersten Chronisten Halvorn selbst, offensichtlich als private Randbemerkung gedacht, nie für die offizielle Chronik bestimmt: *Der Primarch schien selbst überrascht von dieser Erinnerungslücke, als würde er sie zum ersten Mal während unseres Gesprächs vollständig realisieren. Er bat mich, diesen Teil der Unterhaltung nicht in den offiziellen Bericht aufzunehmen, „bis mehr Klarheit besteht". Ich habe seinem Wunsch entsprochen, aber ich vermerke ihn hier, für meine eigenen Unterlagen, falls sich die Frage je erneut stellen sollte.*
Vaas las diese Randbemerkung mit wachsender Erregung. Hier war der Beweis, dass er nicht der Erste war, der diese Diskrepanz bemerkt hatte — dass selbst der Oberste Chronist, in einem Moment der Offenheit, denselben Zweifel gespürt hatte, den Vaas nun selbst zu untersuchen begann.
Er dachte an die unzähligen Male, die er selbst diese offizielle Chronik jungen Aspiranten vorgelesen hatte, in den zeremoniellen Unterrichtsstunden, die jeder Novize des Ordens durchlief, bevor er den Rang eines vollwertigen Astartes erreichte — wie er die Worte über den Sieg auf Eskrador mit derselben unerschütterlichen Gewissheit ausgesprochen hatte, mit der er über die Gründung des Ordens selbst sprach. Wie viele Generationen von Ultramarines, fragte er sich, hatten diese Geschichte als Fundament ihres eigenen Verständnisses von Sieg und Opfer in sich getragen, ohne je zu ahnen, dass die Grundlage selbst auf Sand gebaut sein könnte?
Vaas saß lange still, die beiden Dokumente vor sich, und spürte, wie sich eine Frage in ihm formte, die er in vierzig Jahren als Chronist nie hatte stellen müssen: Was, wenn die Geschichte, die sein gesamter Orden seit zehntausend Jahren als abgeschlossen betrachtete, tatsächlich nie abgeschlossen worden war?
Chronist Ptolan Vaas hatte sein gesamtes Leben als Astartes damit verbracht, Wahrheiten zu bewahren, die niemand mehr infrage stellen konnte — bis der Primarch selbst zurückkehrte und jede einzelne davon plötzlich wieder offen war.
Er saß in der siebten Ebene des Index Athanaeum, tief unter der Festung von Macragge, umgeben von zehntausend Jahren Chronikschrift, als der Auftrag eintraf, der sein gesamtes Verständnis seines Ordens verändern würde. Der Index selbst war eine der ehrwürdigsten Institutionen der Ultramarines — eine Bibliothek, größer als manche Hive-Städte, in der jede Schlacht, jeder Feldzug, jeder Tod eines Bruders seit der Gründung des Ordens in sorgfältiger, unbestechlicher Schrift festgehalten wurde. Vaas hatte vierzig Jahre in ihren Gängen gedient, zunächst als Lehrling, dann als vollwertiger Chronist, verantwortlich für die Richtigkeit von Aufzeichnungen, die Generationen von Brüdern als unumstößliche Wahrheit studierten.
Seine gegenwärtige Aufgabe war, auf den ersten Blick, bürokratischer Natur: Seit der Rückkehr des Primarchen Roboute Guilliman vor mehreren Jahren hatte der Index begonnen, ein beispielloses Projekt zu verfolgen — die systematische Überprüfung jeder historischen Chronik der Zehntausend-Jahre-Lücke gegen die persönlichen Erinnerungen des Primarchen selbst, wo immer dieser bereit war, sie zu teilen. Zehn Jahrtausende lang hatten die Ultramarines ihre eigene Geschichte aus zweiter Hand rekonstruiert, aus fragmentarischen Berichten, aus Vermutungen, aus dem, was Überlebende in ihren letzten Momenten noch hatten aussprechen können. Jetzt, zum ersten Mal, existierte ein lebender Zeuge fast der gesamten Zeitspanne — ein Zeuge, dessen Gedächtnis, wie Vaas in den letzten Monaten gelernt hatte, präziser war als jedes Archiv, das der Orden je besessen hatte.
Vaas war neunundzwanzig Jahre alt gewesen, ein vielversprechender junger Krieger der Zweiten Kompanie, als eine Verwundung während der Rückeroberung von Parmenio seine aktive Kampflaufbahn abrupt beendete — nicht so schwer, dass sie sein Leben gefährdet hätte, aber schwer genug, dass die Apothecarii des Ordens entschieden, seine langfristige Verwendung in einem weniger körperlich fordernden Dienst zu suchen. Er hatte diese Entscheidung zunächst als Niederlage empfunden, eine stille Schande, die er niemandem gegenüber aussprach, aber die ihn in den ersten Jahren seines neuen Dienstes im Index Athanaeum wie ein Schatten begleitete. Erst mit der Zeit, während er lernte, wie viel Verantwortung tatsächlich in der Bewahrung von Wahrheit lag, hatte er begonnen, seine neue Rolle nicht als Rückzug vom eigentlichen Dienst zu verstehen, sondern als eine andere, ebenso notwendige Form davon. Der entscheidende Moment dieser Wandlung war eine Nacht gewesen, in seinem dritten Jahr im Index Athanaeum, als er einen Bericht über einen gefallenen Bruder aus der Zeit der Indomitus-Kreuzzüge las — ein Mann, dessen letzte Taten sonst für immer verloren gewesen wären, hätte nicht ein Chronist wie Vaas sie sorgfältig aus fragmentarischen Zeugenaussagen rekonstruiert. In diesem Moment hatte er verstanden, dass Erinnerung selbst eine Form des Dienstes war, ebenso ehrenhaft wie das Schwert eines Kampfbruders, auch wenn sie sich in stilleren, weniger sichtbaren Taten ausdrückte.
Es war eine ehrfurchtgebietende Aufgabe, und Vaas hatte sie mit der gleichen methodischen Hingabe angegangen, die jede Aufgabe seines Amtes verlangte. Er hatte mit den kleineren Diskrepanzen begonnen — falsch datierte Schlachten, verwechselte Truppennamen, kleine Übertreibungen, die sich über Jahrtausende der Weitergabe eingeschlichen hatten. Nichts davon hatte ihn auf das vorbereitet, was er heute Morgen entdeckte, als er die offizielle Chronik der Schlacht von Eskrador gegen ein neu freigegebenes Transkript legte — ein Gespräch, das der Primarch persönlich mit dem Obersten Chronisten geführt hatte, drei Monate zuvor, in dem er, beiläufig, wie es schien, Details erwähnte, die der offiziellen Aufzeichnung in einer Weise widersprachen, die kein bloßer Übertragungsfehler erklären konnte.
Vaas legte die beiden Dokumente nebeneinander auf seinen Lesetisch, seine Hände — trotz seiner Astartes-Disziplin — unwillkürlich zögernd, bevor er sie ein drittes Mal verglich.
Die offizielle Chronik, verfasst von Chronisten, die zwei Jahrhunderte nach den Ereignissen selbst gelebt hatten, auf Grundlage überlieferter mündlicher Berichte, beschrieb die Schlacht von Eskrador mit der gewohnten epischen Klarheit imperialer Geschichtsschreibung: Guilliman, der die methodische Vorsicht seiner eigenen Doktrin durchbrach, um seine Elite-Einheiten in einem verzweifelten, unerwarteten Sturmangriff auf das Hauptquartier der Alpha Legion zu führen; das persönliche Duell mit Alpharius, das mit dem Tod des Verräter-Primarchen endete; die anschließende Verbrennung des Leichnams auf einem großen Scheiterhaufen, unter den Augen der versammelten Ultramarines, als endgültiger Beweis für den Sieg.
Der Chronist, der dieses Gespräch mit dem Primarchen persönlich geführt hatte — ein hochbetagter Bruder namens Oberster Chronist Halvorn, dessen eigene Laufbahn bereits acht Jahrhunderte zählte — hatte, wie Vaas aus einer beigefügten Randnotiz entnahm, offenbar selbst nicht bemerkt, welche Tragweite die beiläufigen Bemerkungen des Primarchen besaßen. Er hatte sie schlicht transkribiert, mit der professionellen Distanz eines Mannes, der zu sehr daran gewöhnt war, historische Zeugnisse aufzuzeichnen, um jedes einzelne Detail sofort gegen das gesamte Gewicht der bestehenden Chronik abzuwägen. Es hatte eines frischeren, weniger vom Gewicht der Tradition belasteten Blicks bedurft — Vaas' eigenen Blicks —, um die Diskrepanz überhaupt zu bemerken.
Guilliman selbst, im Transkript des Gesprächs mit dem Obersten Chronisten, erinnerte sich an die Schlacht anders — nicht in großen Widersprüchen, sondern in kleinen, unbequemen Details, die Vaas' geschultes Auge sofort als bedeutsam erkannte. Der Primarch erinnerte sich, dass er das Duell selbst als seltsam leicht empfunden hatte, leichter, als er es von einem Gegner erwartet hätte, dessen Legion für ihre Unberechenbarkeit berüchtigt war. Er erinnerte sich, dass sein Gegner, in den letzten Momenten vor dem tödlichen Stoß, etwas gesagt hatte, das Guilliman nie ganz entschlüsselt hatte — nicht die Verzweiflung eines sterbenden Mannes, sondern etwas, das eher wie eine letzte, private Feststellung klang, gerichtet an niemanden außer sich selbst. Und, am beunruhigendsten von allem: Guilliman erinnerte sich, dass er die Verbrennung des Leichnams nicht persönlich überwacht hatte — dass er, erschöpft von der Schlacht und bereits mit der Organisation des Rückzugs beschäftigt, die Aufgabe seinen Apothecarii überlassen hatte, und dass er sich nicht mit Sicherheit erinnern konnte, ob er den toten Primarchen mit eigenen Augen ein zweites Mal gesehen hatte, bevor die Flammen ihn verzehrten.
Am Rand des Transkripts fand sich eine handschriftliche Notiz des Obersten Chronisten Halvorn selbst, offensichtlich als private Randbemerkung gedacht, nie für die offizielle Chronik bestimmt: *Der Primarch schien selbst überrascht von dieser Erinnerungslücke, als würde er sie zum ersten Mal während unseres Gesprächs vollständig realisieren. Er bat mich, diesen Teil der Unterhaltung nicht in den offiziellen Bericht aufzunehmen, „bis mehr Klarheit besteht". Ich habe seinem Wunsch entsprochen, aber ich vermerke ihn hier, für meine eigenen Unterlagen, falls sich die Frage je erneut stellen sollte.*
Vaas las diese Randbemerkung mit wachsender Erregung. Hier war der Beweis, dass er nicht der Erste war, der diese Diskrepanz bemerkt hatte — dass selbst der Oberste Chronist, in einem Moment der Offenheit, denselben Zweifel gespürt hatte, den Vaas nun selbst zu untersuchen begann.
Er dachte an die unzähligen Male, die er selbst diese offizielle Chronik jungen Aspiranten vorgelesen hatte, in den zeremoniellen Unterrichtsstunden, die jeder Novize des Ordens durchlief, bevor er den Rang eines vollwertigen Astartes erreichte — wie er die Worte über den Sieg auf Eskrador mit derselben unerschütterlichen Gewissheit ausgesprochen hatte, mit der er über die Gründung des Ordens selbst sprach. Wie viele Generationen von Ultramarines, fragte er sich, hatten diese Geschichte als Fundament ihres eigenen Verständnisses von Sieg und Opfer in sich getragen, ohne je zu ahnen, dass die Grundlage selbst auf Sand gebaut sein könnte?
Vaas saß lange still, die beiden Dokumente vor sich, und spürte, wie sich eine Frage in ihm formte, die er in vierzig Jahren als Chronist nie hatte stellen müssen: Was, wenn die Geschichte, die sein gesamter Orden seit zehntausend Jahren als abgeschlossen betrachtete, tatsächlich nie abgeschlossen worden war?
II. DER RISS IM BERICHTII. DER RISS IM BERICHT
Er verbrachte die nächsten drei Tage damit, jedes verfügbare Fragment über die Schlacht von Eskrador zu sammeln, mit einer Gründlichkeit, die selbst für seine eigenen, hohen Standards ungewöhnlich war. Er arbeitete überwiegend allein, in den späten Stunden, wenn die übrigen Chronisten des Index Athanaeum sich in ihre Meditationskammern zurückgezogen hatten, aus einem Instinkt heraus, den er selbst zunächst nicht vollständig verstand — eine wachsende Vorsicht, die ihm sagte, dass diese Nachforschung, so früh sie auch noch war, besser im Verborgenen fortgeführt wurde, bis er selbst ein klareres Bild dessen besaß, womit er es tatsächlich zu tun hatte. Er durchsuchte die Randnotizen längst verstorbener Chronisten, die Feldberichte der überlebenden Kompanien, die spärlichen Erwähnungen in den Chroniken anderer Orden, die zufällig von der Schlacht gehört hatten.
Was er fand, beunruhigte ihn mehr mit jedem weiteren Dokument.
Die ursprünglichen Feldberichte — nicht die spätere, geglättete offizielle Chronik, sondern die rohen, unmittelbaren Meldungen der Truppenführer vor Ort — enthielten Widersprüche, die in der endgültigen Version stillschweigend geglättet worden waren. Ein Hauptmann namens Ancaeus berichtete, dass der Leichnam, den er auf dem Scheiterhaufen sah, „kleiner erschien, als die Berichte über Alpharius' Statur vermuten ließen" — eine Beobachtung, die in der offiziellen Chronik komplett fehlte. Ein Apothecarius namens Sennian, dessen vollständiger Bericht Vaas nach stundenlanger Suche in einem selten konsultierten Archivzweig fand, erwähnte, dass die genetische Verifizierung des Leichnams „aufgrund der extremen Schäden durch das vorangegangene Gefecht nicht mit vollständiger Sicherheit durchgeführt werden konnte" — eine Formulierung, die in ihrer bürokratischen Zurückhaltung eine Bombe unter zehntausend Jahre Gewissheit legte.
Vaas las diesen einen Satz mindestens ein Dutzend Mal, jedes Mal mit wachsendem Unbehagen, während er sich vorstellte, wie viele Generationen von Chronisten vor ihm dieselben Worte gelesen und, aus welchen Gründen auch immer, nie die volle Tragweite ihrer Bedeutung erkannt hatten. War es bloße Nachlässigkeit gewesen, ein Detail, das im Trubel der Nachkriegsdokumentation unterging? Oder hatte jemand, mit voller Absicht, diese eine, entscheidende Formulierung so vergraben, dass nur ein außergewöhnlich gründlicher Nachfolger sie je wiederfinden würde?
Er fand außerdem, in einem fast vergessenen Anhang zu den Truppenbewegungslisten, eine Unstimmigkeit, die für sich genommen bedeutungslos gewirkt hätte, aber im Kontext der übrigen Entdeckungen ein weiteres Puzzlestück lieferte: Die Zahl der bei der finalen Verbrennungszeremonie anwesenden Zeugen war in der offiziellen Chronik deutlich höher angegeben, als es die ursprünglichen Wachlisten der Vierten und Siebten Kompanie belegten — eine Diskrepanz von beinahe vierzig Kriegern, die entweder aus Nachlässigkeit falsch gezählt, oder, wie Vaas zunehmend zu vermuten begann, absichtlich hinzugefügt worden waren, um den Eindruck einer breiteren, unbestreitbareren Bezeugung zu erwecken, als tatsächlich stattgefunden hatte.
„Das kann nicht Zufall sein", murmelte Vaas zu sich selbst, während er die Dokumente vor sich ausbreitete, ihre Verbindungen mit roten Fäden auf einer holographischen Projektion markierend, die seinen gesamten Arbeitsbereich ausfüllte. Jedes einzelne Detail, für sich genommen, war zu klein, um Verdacht zu erregen — eine Fußnote hier, eine unpräzise Formulierung dort. Aber in ihrer Summe zeichneten sie ein Bild, das der offiziellen Geschichte fundamental widersprach.
Bevor er Castigon aufsuchte, verbrachte Vaas einen weiteren Tag damit, die verstreuten Chroniken anderer Orden zu durchforsten, die möglicherweise unabhängige Zeugnisse über Eskrador bewahrt hatten — eine mühsame, größtenteils fruchtlose Suche, da nur wenige andere Orden zu jener Zeit in der Nähe des Kampfgeschehens operiert hatten. Eine einzige Erwähnung, in einer fragmentarischen White-Scars-Chronik über spätere Begegnungen mit Alpha-Legion-Zellen, blieb bei ihm hängen: eine beiläufige Notiz, dass die Alpha Legion nach der „angeblichen Vernichtung ihres Primarchen auf Eskrador" mit unveränderter, wenn nicht sogar gesteigerter Effizienz weiterkämpfte — eine Beobachtung, die die White-Scars-Chronisten selbst offenbar nicht weiter hinterfragt hatten, aber die Vaas' wachsendem Verdacht ein weiteres Gewicht verlieh.
Er suchte schließlich einen alten Bruder auf, dessen Existenz selbst eine Art lebendiges Archiv darstellte — Cybot-Veteran Castigon, dessen sterblicher Körper vor über achttausend Jahren in der Schlacht von Calth so schwer verwundet worden war, dass nur die Aufnahme in einen Cybot-Sarkophag sein Leben hatte retten können. Castigon war zu alt, um sich an Eskrador persönlich zu erinnern — er hatte die Schlacht selbst nicht miterlebt — aber er hatte, in den Jahrhunderten seines Dienstes danach, mit genug Veteranen gesprochen, um Vaas mit einer weiteren, ungewöhnlichen Information zu versorgen.
„Es gab Gerüchte", sagte Castigon, seine Stimme durch den Vox des massiven Cybot-Chassis verzerrt, aber dennoch von einer altertümlichen Würde getragen, die Jahrtausende nicht gemindert hatten. „Nicht in den offiziellen Kanälen, natürlich. Aber unter den Veteranen, in den ruhigen Stunden nach einem Feldzug, wenn Männer Dinge aussprechen, die sie nie in einen Bericht schreiben würden. Ich hörte sie vor über siebentausend Jahren zum ersten Mal, von einem Bruder, der selbst bei Eskrador gedient hatte und kurz darauf im Feld fiel — er sagte mir, dass etwas an jener Verbrennung nicht stimmte, dass die Männer, die den Scheiterhaufen bewachten, sich seltsam verhielten, fast erleichtert, auf eine Weise, die nicht zur Trauer eines errungenen, aber kostspieligen Sieges passte."
„Erleichtert, wovon?"
„Das habe ich mich seither auch gefragt, Chronist, ohne je eine Antwort zu finden." Castigons massiver Sarkophag bewegte sich leicht, eine Geste, die bei einem Mann seines Zustands fast wie ein Achselzucken wirkte. „Ich habe die Geschichte für eine Legende gehalten, wie so viele, die unter Veteranen kursieren. Aber du fragst mich mit einer Ernsthaftigkeit, die mir sagt, dass du bereits mehr weißt, als du zugibst."
Vaas schwieg einen Moment, seine Gedanken die Implikationen dessen abwägend, was er soeben gehört hatte. „Ich weiß nichts mit Sicherheit, Bruder Castigon. Ich weiß nur, dass die Löcher in unserer eigenen Geschichte größer sind, als irgendjemand in zehntausend Jahren zuzugeben bereit war."
Castigon schwieg lange, sein massiver Sarkophag reglos in der stillen Kammer, die man ihm als Ruheplatz zugewiesen hatte, weit entfernt von den lärmenden Trainingshallen der aktiven Kompanien. „Ich habe achttausend Jahre in diesem Körper gedient, Chronist", sagte er schließlich, seine mechanische Stimme von einer Müdigkeit durchdrungen, die kein Vox-Modulator vollständig verbergen konnte. „Ich habe gelernt, dass die Geschichten, die wir uns über unsere eigenen Siege erzählen, oft mehr über das aussagen, was wir zu glauben brauchen, als über das, was tatsächlich geschah. Das macht sie nicht wertlos. Aber es macht sie auch nicht unfehlbar."
„Was würdest du mir raten, Bruder?"
„Ich würde dir raten, vorsichtig zu sein, mit wem du diese Fragen teilst, bevor du selbst sicher bist, welche Antworten du suchst." Castigons Sarkophag bewegte sich leicht, ein mechanisches Ächzen begleitend, das fast wie ein Seufzer klang. „Es gibt Wahrheiten, Chronist, die ein Orden tragen kann, und solche, die ihn zerbrechen können, nicht durch ihre Größe, sondern durch die Art, wie sie ausgesprochen werden. Sei sicher, dass du bereit bist, mit den Konsequenzen zu leben, bevor du diese Tür weiter öffnest, als sie bereits offensteht."
Er verbrachte die nächsten drei Tage damit, jedes verfügbare Fragment über die Schlacht von Eskrador zu sammeln, mit einer Gründlichkeit, die selbst für seine eigenen, hohen Standards ungewöhnlich war. Er arbeitete überwiegend allein, in den späten Stunden, wenn die übrigen Chronisten des Index Athanaeum sich in ihre Meditationskammern zurückgezogen hatten, aus einem Instinkt heraus, den er selbst zunächst nicht vollständig verstand — eine wachsende Vorsicht, die ihm sagte, dass diese Nachforschung, so früh sie auch noch war, besser im Verborgenen fortgeführt wurde, bis er selbst ein klareres Bild dessen besaß, womit er es tatsächlich zu tun hatte. Er durchsuchte die Randnotizen längst verstorbener Chronisten, die Feldberichte der überlebenden Kompanien, die spärlichen Erwähnungen in den Chroniken anderer Orden, die zufällig von der Schlacht gehört hatten.
Was er fand, beunruhigte ihn mehr mit jedem weiteren Dokument.
Die ursprünglichen Feldberichte — nicht die spätere, geglättete offizielle Chronik, sondern die rohen, unmittelbaren Meldungen der Truppenführer vor Ort — enthielten Widersprüche, die in der endgültigen Version stillschweigend geglättet worden waren. Ein Hauptmann namens Ancaeus berichtete, dass der Leichnam, den er auf dem Scheiterhaufen sah, „kleiner erschien, als die Berichte über Alpharius' Statur vermuten ließen" — eine Beobachtung, die in der offiziellen Chronik komplett fehlte. Ein Apothecarius namens Sennian, dessen vollständiger Bericht Vaas nach stundenlanger Suche in einem selten konsultierten Archivzweig fand, erwähnte, dass die genetische Verifizierung des Leichnams „aufgrund der extremen Schäden durch das vorangegangene Gefecht nicht mit vollständiger Sicherheit durchgeführt werden konnte" — eine Formulierung, die in ihrer bürokratischen Zurückhaltung eine Bombe unter zehntausend Jahre Gewissheit legte.
Vaas las diesen einen Satz mindestens ein Dutzend Mal, jedes Mal mit wachsendem Unbehagen, während er sich vorstellte, wie viele Generationen von Chronisten vor ihm dieselben Worte gelesen und, aus welchen Gründen auch immer, nie die volle Tragweite ihrer Bedeutung erkannt hatten. War es bloße Nachlässigkeit gewesen, ein Detail, das im Trubel der Nachkriegsdokumentation unterging? Oder hatte jemand, mit voller Absicht, diese eine, entscheidende Formulierung so vergraben, dass nur ein außergewöhnlich gründlicher Nachfolger sie je wiederfinden würde?
Er fand außerdem, in einem fast vergessenen Anhang zu den Truppenbewegungslisten, eine Unstimmigkeit, die für sich genommen bedeutungslos gewirkt hätte, aber im Kontext der übrigen Entdeckungen ein weiteres Puzzlestück lieferte: Die Zahl der bei der finalen Verbrennungszeremonie anwesenden Zeugen war in der offiziellen Chronik deutlich höher angegeben, als es die ursprünglichen Wachlisten der Vierten und Siebten Kompanie belegten — eine Diskrepanz von beinahe vierzig Kriegern, die entweder aus Nachlässigkeit falsch gezählt, oder, wie Vaas zunehmend zu vermuten begann, absichtlich hinzugefügt worden waren, um den Eindruck einer breiteren, unbestreitbareren Bezeugung zu erwecken, als tatsächlich stattgefunden hatte.
„Das kann nicht Zufall sein", murmelte Vaas zu sich selbst, während er die Dokumente vor sich ausbreitete, ihre Verbindungen mit roten Fäden auf einer holographischen Projektion markierend, die seinen gesamten Arbeitsbereich ausfüllte. Jedes einzelne Detail, für sich genommen, war zu klein, um Verdacht zu erregen — eine Fußnote hier, eine unpräzise Formulierung dort. Aber in ihrer Summe zeichneten sie ein Bild, das der offiziellen Geschichte fundamental widersprach.
Bevor er Castigon aufsuchte, verbrachte Vaas einen weiteren Tag damit, die verstreuten Chroniken anderer Orden zu durchforsten, die möglicherweise unabhängige Zeugnisse über Eskrador bewahrt hatten — eine mühsame, größtenteils fruchtlose Suche, da nur wenige andere Orden zu jener Zeit in der Nähe des Kampfgeschehens operiert hatten. Eine einzige Erwähnung, in einer fragmentarischen White-Scars-Chronik über spätere Begegnungen mit Alpha-Legion-Zellen, blieb bei ihm hängen: eine beiläufige Notiz, dass die Alpha Legion nach der „angeblichen Vernichtung ihres Primarchen auf Eskrador" mit unveränderter, wenn nicht sogar gesteigerter Effizienz weiterkämpfte — eine Beobachtung, die die White-Scars-Chronisten selbst offenbar nicht weiter hinterfragt hatten, aber die Vaas' wachsendem Verdacht ein weiteres Gewicht verlieh.
Er suchte schließlich einen alten Bruder auf, dessen Existenz selbst eine Art lebendiges Archiv darstellte — Cybot-Veteran Castigon, dessen sterblicher Körper vor über achttausend Jahren in der Schlacht von Calth so schwer verwundet worden war, dass nur die Aufnahme in einen Cybot-Sarkophag sein Leben hatte retten können. Castigon war zu alt, um sich an Eskrador persönlich zu erinnern — er hatte die Schlacht selbst nicht miterlebt — aber er hatte, in den Jahrhunderten seines Dienstes danach, mit genug Veteranen gesprochen, um Vaas mit einer weiteren, ungewöhnlichen Information zu versorgen.
„Es gab Gerüchte", sagte Castigon, seine Stimme durch den Vox des massiven Cybot-Chassis verzerrt, aber dennoch von einer altertümlichen Würde getragen, die Jahrtausende nicht gemindert hatten. „Nicht in den offiziellen Kanälen, natürlich. Aber unter den Veteranen, in den ruhigen Stunden nach einem Feldzug, wenn Männer Dinge aussprechen, die sie nie in einen Bericht schreiben würden. Ich hörte sie vor über siebentausend Jahren zum ersten Mal, von einem Bruder, der selbst bei Eskrador gedient hatte und kurz darauf im Feld fiel — er sagte mir, dass etwas an jener Verbrennung nicht stimmte, dass die Männer, die den Scheiterhaufen bewachten, sich seltsam verhielten, fast erleichtert, auf eine Weise, die nicht zur Trauer eines errungenen, aber kostspieligen Sieges passte."
„Erleichtert, wovon?"
„Das habe ich mich seither auch gefragt, Chronist, ohne je eine Antwort zu finden." Castigons massiver Sarkophag bewegte sich leicht, eine Geste, die bei einem Mann seines Zustands fast wie ein Achselzucken wirkte. „Ich habe die Geschichte für eine Legende gehalten, wie so viele, die unter Veteranen kursieren. Aber du fragst mich mit einer Ernsthaftigkeit, die mir sagt, dass du bereits mehr weißt, als du zugibst."
Vaas schwieg einen Moment, seine Gedanken die Implikationen dessen abwägend, was er soeben gehört hatte. „Ich weiß nichts mit Sicherheit, Bruder Castigon. Ich weiß nur, dass die Löcher in unserer eigenen Geschichte größer sind, als irgendjemand in zehntausend Jahren zuzugeben bereit war."
Castigon schwieg lange, sein massiver Sarkophag reglos in der stillen Kammer, die man ihm als Ruheplatz zugewiesen hatte, weit entfernt von den lärmenden Trainingshallen der aktiven Kompanien. „Ich habe achttausend Jahre in diesem Körper gedient, Chronist", sagte er schließlich, seine mechanische Stimme von einer Müdigkeit durchdrungen, die kein Vox-Modulator vollständig verbergen konnte. „Ich habe gelernt, dass die Geschichten, die wir uns über unsere eigenen Siege erzählen, oft mehr über das aussagen, was wir zu glauben brauchen, als über das, was tatsächlich geschah. Das macht sie nicht wertlos. Aber es macht sie auch nicht unfehlbar."
„Was würdest du mir raten, Bruder?"
„Ich würde dir raten, vorsichtig zu sein, mit wem du diese Fragen teilst, bevor du selbst sicher bist, welche Antworten du suchst." Castigons Sarkophag bewegte sich leicht, ein mechanisches Ächzen begleitend, das fast wie ein Seufzer klang. „Es gibt Wahrheiten, Chronist, die ein Orden tragen kann, und solche, die ihn zerbrechen können, nicht durch ihre Größe, sondern durch die Art, wie sie ausgesprochen werden. Sei sicher, dass du bereit bist, mit den Konsequenzen zu leben, bevor du diese Tür weiter öffnest, als sie bereits offensteht."
III. DER HAUPTMANN UND DIE AKTEIII. DER HAUPTMANN UND DIE AKTE
Er trug seine gesammelten Erkenntnisse schließlich zu Hauptmann Heraclon der Vierten Kompanie, einem Mann, den Vaas seit Jahrzehnten kannte, nicht als engen Freund — Astartes-Freundschaften folgten selten den Mustern menschlicher Nähe —, sondern als einen Offizier, dessen Urteilskraft er über die eines jeden anderen in der gegenwärtigen Ordensführung stellte. Heraclon hatte sich einen Ruf für unerschütterliche Loyalität sowohl gegenüber der Wahrheit als auch gegenüber dem Wohlergehen seines Ordens erworben — eine seltene Kombination, die ihn, wie Vaas hoffte, zum idealen ersten Vertrauten für eine Entdeckung machte, die beide Loyalitäten auf eine harte Probe stellen würde. Er hatte in seiner eigenen Laufbahn bereits einmal erlebt, wie Heraclon eine unbequeme taktische Wahrheit gegen den Widerstand höherrangiger Offiziere verteidigte, in einer Angelegenheit, die nichts mit der gegenwärtigen Situation zu tun hatte, aber die Vaas als verlässlichen Beweis für den Charakter des Hauptmanns diente.
Heraclon hörte sich Vaas' Darlegung in seinem privaten Quartier an, ohne ein einziges Mal zu unterbrechen, seine Miene während der gesamten Präsentation unbewegt, mit der disziplinierten Aufmerksamkeit eines Mannes, der gelernt hatte, dass vorschnelle Reaktionen selten der Wahrheitsfindung dienten.
„Du deutest an", sagte er schließlich, als Vaas geendet hatte, „dass unser Primarch möglicherweise nicht den Mann tötete, den er zu töten glaubte."
„Ich deute an, dass die Beweise, die wir zehntausend Jahre lang als endgültig betrachtet haben, bei genauerer Prüfung diese Gewissheit nicht rechtfertigen." Vaas wählte seine Worte mit der Sorgfalt eines Mannes, der wusste, dass jeder Satz, den er in diesem Raum aussprach, Konsequenzen tragen würde, die weit über diese eine Unterredung hinausgingen. „Ich sage nicht, dass Alpharius lebt. Ich sage, dass wir es nicht mit der Sicherheit wissen, die unsere gesamte Chronik behauptet."
Heraclon stand auf, trat zum schmalen Fenster seines Quartiers, das einen Blick über die weiten, geordneten Verteidigungsanlagen von Macragge bot — eine Stadt, die selbst ein Denkmal für die Prinzipien war, für die Guilliman sein gesamtes Leben eingetreten war: Ordnung, Klarheit, Gewissheit. „Weißt du, was diese Erkenntnis bedeuten würde, wenn sie öffentlich würde, Chronist? Nicht nur für unsere Geschichtsschreibung. Für den Primarchen selbst. Er trägt den Tod Alpharius' als eine seiner wenigen persönlichen Siege aus jener Zeit — nicht mit Stolz, das würde nicht zu ihm passen, aber mit einer Art abgeschlossenem Frieden, dass zumindest diese eine Bedrohung endgültig neutralisiert wurde, während so vieles andere aus jenen Jahren unvollendet blieb."
„Ich verstehe das Gewicht, Hauptmann." Vaas trat einen Schritt näher, seine Stimme fester werdend, obwohl er den Respekt, den er für seinen Gesprächspartner empfand, nicht verlor. „Aber ich denke auch an etwas anderes, Hauptmann — an all die Brüder, die in den letzten zehntausend Jahren im Namen jenes einen, vermeintlich endgültigen Sieges gefallen sind, überzeugt, dass zumindest eine Bedrohung endgültig gebannt war. Wenn das eine Lüge war, und sei sie noch so gut gemeint, dann haben wir eine Schuld gegenüber jedem von ihnen, diese Lüge nicht länger zu bewahren, nur weil die Wahrheit unbequem ist.
„Ich bin nicht sicher, dass du es vollständig verstehst." Heraclons Stimme trug jetzt eine Schärfe, die Vaas selten von ihm gehört hatte. „Der Primarch hat in den wenigen Jahren seit seiner Rückkehr bereits genug Lasten zu tragen — eine Galaxie, die er kaum wiedererkennt, ein Imperium, das sich in seiner Abwesenheit auf eine Weise verändert hat, die seinen ursprünglichen Prinzipien in vielem widerspricht, Brüder-Primarchen, die entweder tot oder auf Wegen verloren sind, die er nicht vorhergesehen hatte. Wenn wir ihm jetzt sagen, dass selbst dieser eine, klare Sieg möglicherweise eine Illusion war —"
„Dann sagen wir ihm die Wahrheit", unterbrach Vaas, mit einer Direktheit, die für sein Amt unüblich war, aber die er in diesem Moment für notwendig hielt. „Oder eine Annäherung an sie, so unvollständig sie auch sein mag. Das ist meine Aufgabe, Hauptmann. Nicht, Wahrheiten zu bewahren, die bequem sind. Wahrheiten zu bewahren, die wahr sind."
Heraclon wandte sich vollständig zu ihm, sein Gesicht von einem inneren Konflikt gezeichnet, den Vaas selten bei einem Mann seines Ranges beobachtet hatte. „Weißt du, was mich am meisten beunruhigt, Chronist? Nicht die Möglichkeit, dass wir eine unbequeme Wahrheit entdecken. Es ist die Möglichkeit, dass diese Wahrheit, einmal ausgesprochen, nicht mehr zurückgenommen werden kann — dass wir, in unserem Streben nach Genauigkeit, etwas zerstören, das unser Orden über zehntausend Jahre gebraucht hat, um sich selbst zu verstehen. Der Primarch verkörpert Klarheit, Ordnung, Gewissheit. Er hat sein gesamtes Leben, vor und nach seiner langen Abwesenheit, diesen Prinzipien gewidmet. Was geschieht mit einem Mann, der Klarheit über alles stellt, wenn wir ihm zeigen, dass eine der wenigen wirklich klaren Erinnerungen, die er aus jener chaotischen Zeit bewahrt, möglicherweise eine Illusion war?"
„Ich weiß es nicht", gab Vaas ehrlich zu. „Aber ich glaube, dass ein Mann, der Klarheit über alles stellt, letztlich mehr durch eine unbequeme Wahrheit gestärkt wird als durch eine bequeme Lüge, egal wie schmerzhaft der erste Moment der Erkenntnis sein mag."
Heraclon schwieg lange, sein Blick noch immer auf die Stadt draußen gerichtet. „Bevor wir irgendjemandem etwas sagen, brauchen wir mehr als Vermutungen, die aus alten Feldberichten und Veteranengerüchten zusammengesetzt sind."
Er trat vom Fenster zurück, seine Hände hinter dem Rücken verschränkt, eine Haltung, die Vaas oft bei ihm beobachtet hatte, wenn er ein taktisches Problem durchdachte, das keine einfache Lösung zuließ. „Ich habe selbst zweimal mit unserem Primarchen gesprochen, seit seiner Rückkehr", sagte Heraclon, seine Stimme leiser werdend, fast vertraulich. „Beide Male war ich beeindruckt von seiner Klarheit, seiner Fähigkeit, selbst die kompliziertesten strategischen Situationen mit einer Präzision zu durchdringen, die zehntausend Jahre Abwesenheit nicht getrübt haben. Aber ich habe auch etwas anderes bemerkt, Chronist — eine Müdigkeit, tief unter dieser Klarheit verborgen, die eines Mannes würdig ist, der zehn Jahrtausende übersprungen hat, nur um festzustellen, dass die Galaxie, die er zu retten glaubte, in seiner Abwesenheit tausend neue Wunden erlitten hat."
„Du fürchtest, dass diese Entdeckung eine weitere Wunde wäre."
„Ich fürchte, dass sie die eine Wunde sein könnte, die er nicht mehr zu tragen imstande ist." Er wandte sich schließlich zu Vaas, seine Entscheidung sichtbar Gestalt annehmend. „Wir werden diese Untersuchung fortsetzen, aber diskret, ohne die Aufmerksamkeit des Ordensrates zu erregen, bevor wir etwas Konkreteres in Händen halten. Ich werde eine kleine Eskorte zusammenstellen. Wenn es einen Weg gibt, mehr Gewissheit über das zu erlangen, was auf Eskrador tatsächlich geschah, dann werden wir ihn finden — bevor wir eine Last auf die Schultern unseres Primarchen legen, die sich am Ende als unnötig erweisen könnte."
Er trug seine gesammelten Erkenntnisse schließlich zu Hauptmann Heraclon der Vierten Kompanie, einem Mann, den Vaas seit Jahrzehnten kannte, nicht als engen Freund — Astartes-Freundschaften folgten selten den Mustern menschlicher Nähe —, sondern als einen Offizier, dessen Urteilskraft er über die eines jeden anderen in der gegenwärtigen Ordensführung stellte. Heraclon hatte sich einen Ruf für unerschütterliche Loyalität sowohl gegenüber der Wahrheit als auch gegenüber dem Wohlergehen seines Ordens erworben — eine seltene Kombination, die ihn, wie Vaas hoffte, zum idealen ersten Vertrauten für eine Entdeckung machte, die beide Loyalitäten auf eine harte Probe stellen würde. Er hatte in seiner eigenen Laufbahn bereits einmal erlebt, wie Heraclon eine unbequeme taktische Wahrheit gegen den Widerstand höherrangiger Offiziere verteidigte, in einer Angelegenheit, die nichts mit der gegenwärtigen Situation zu tun hatte, aber die Vaas als verlässlichen Beweis für den Charakter des Hauptmanns diente.
Heraclon hörte sich Vaas' Darlegung in seinem privaten Quartier an, ohne ein einziges Mal zu unterbrechen, seine Miene während der gesamten Präsentation unbewegt, mit der disziplinierten Aufmerksamkeit eines Mannes, der gelernt hatte, dass vorschnelle Reaktionen selten der Wahrheitsfindung dienten.
„Du deutest an", sagte er schließlich, als Vaas geendet hatte, „dass unser Primarch möglicherweise nicht den Mann tötete, den er zu töten glaubte."
„Ich deute an, dass die Beweise, die wir zehntausend Jahre lang als endgültig betrachtet haben, bei genauerer Prüfung diese Gewissheit nicht rechtfertigen." Vaas wählte seine Worte mit der Sorgfalt eines Mannes, der wusste, dass jeder Satz, den er in diesem Raum aussprach, Konsequenzen tragen würde, die weit über diese eine Unterredung hinausgingen. „Ich sage nicht, dass Alpharius lebt. Ich sage, dass wir es nicht mit der Sicherheit wissen, die unsere gesamte Chronik behauptet."
Heraclon stand auf, trat zum schmalen Fenster seines Quartiers, das einen Blick über die weiten, geordneten Verteidigungsanlagen von Macragge bot — eine Stadt, die selbst ein Denkmal für die Prinzipien war, für die Guilliman sein gesamtes Leben eingetreten war: Ordnung, Klarheit, Gewissheit. „Weißt du, was diese Erkenntnis bedeuten würde, wenn sie öffentlich würde, Chronist? Nicht nur für unsere Geschichtsschreibung. Für den Primarchen selbst. Er trägt den Tod Alpharius' als eine seiner wenigen persönlichen Siege aus jener Zeit — nicht mit Stolz, das würde nicht zu ihm passen, aber mit einer Art abgeschlossenem Frieden, dass zumindest diese eine Bedrohung endgültig neutralisiert wurde, während so vieles andere aus jenen Jahren unvollendet blieb."
„Ich verstehe das Gewicht, Hauptmann." Vaas trat einen Schritt näher, seine Stimme fester werdend, obwohl er den Respekt, den er für seinen Gesprächspartner empfand, nicht verlor. „Aber ich denke auch an etwas anderes, Hauptmann — an all die Brüder, die in den letzten zehntausend Jahren im Namen jenes einen, vermeintlich endgültigen Sieges gefallen sind, überzeugt, dass zumindest eine Bedrohung endgültig gebannt war. Wenn das eine Lüge war, und sei sie noch so gut gemeint, dann haben wir eine Schuld gegenüber jedem von ihnen, diese Lüge nicht länger zu bewahren, nur weil die Wahrheit unbequem ist.
„Ich bin nicht sicher, dass du es vollständig verstehst." Heraclons Stimme trug jetzt eine Schärfe, die Vaas selten von ihm gehört hatte. „Der Primarch hat in den wenigen Jahren seit seiner Rückkehr bereits genug Lasten zu tragen — eine Galaxie, die er kaum wiedererkennt, ein Imperium, das sich in seiner Abwesenheit auf eine Weise verändert hat, die seinen ursprünglichen Prinzipien in vielem widerspricht, Brüder-Primarchen, die entweder tot oder auf Wegen verloren sind, die er nicht vorhergesehen hatte. Wenn wir ihm jetzt sagen, dass selbst dieser eine, klare Sieg möglicherweise eine Illusion war —"
„Dann sagen wir ihm die Wahrheit", unterbrach Vaas, mit einer Direktheit, die für sein Amt unüblich war, aber die er in diesem Moment für notwendig hielt. „Oder eine Annäherung an sie, so unvollständig sie auch sein mag. Das ist meine Aufgabe, Hauptmann. Nicht, Wahrheiten zu bewahren, die bequem sind. Wahrheiten zu bewahren, die wahr sind."
Heraclon wandte sich vollständig zu ihm, sein Gesicht von einem inneren Konflikt gezeichnet, den Vaas selten bei einem Mann seines Ranges beobachtet hatte. „Weißt du, was mich am meisten beunruhigt, Chronist? Nicht die Möglichkeit, dass wir eine unbequeme Wahrheit entdecken. Es ist die Möglichkeit, dass diese Wahrheit, einmal ausgesprochen, nicht mehr zurückgenommen werden kann — dass wir, in unserem Streben nach Genauigkeit, etwas zerstören, das unser Orden über zehntausend Jahre gebraucht hat, um sich selbst zu verstehen. Der Primarch verkörpert Klarheit, Ordnung, Gewissheit. Er hat sein gesamtes Leben, vor und nach seiner langen Abwesenheit, diesen Prinzipien gewidmet. Was geschieht mit einem Mann, der Klarheit über alles stellt, wenn wir ihm zeigen, dass eine der wenigen wirklich klaren Erinnerungen, die er aus jener chaotischen Zeit bewahrt, möglicherweise eine Illusion war?"
„Ich weiß es nicht", gab Vaas ehrlich zu. „Aber ich glaube, dass ein Mann, der Klarheit über alles stellt, letztlich mehr durch eine unbequeme Wahrheit gestärkt wird als durch eine bequeme Lüge, egal wie schmerzhaft der erste Moment der Erkenntnis sein mag."
Heraclon schwieg lange, sein Blick noch immer auf die Stadt draußen gerichtet. „Bevor wir irgendjemandem etwas sagen, brauchen wir mehr als Vermutungen, die aus alten Feldberichten und Veteranengerüchten zusammengesetzt sind."
Er trat vom Fenster zurück, seine Hände hinter dem Rücken verschränkt, eine Haltung, die Vaas oft bei ihm beobachtet hatte, wenn er ein taktisches Problem durchdachte, das keine einfache Lösung zuließ. „Ich habe selbst zweimal mit unserem Primarchen gesprochen, seit seiner Rückkehr", sagte Heraclon, seine Stimme leiser werdend, fast vertraulich. „Beide Male war ich beeindruckt von seiner Klarheit, seiner Fähigkeit, selbst die kompliziertesten strategischen Situationen mit einer Präzision zu durchdringen, die zehntausend Jahre Abwesenheit nicht getrübt haben. Aber ich habe auch etwas anderes bemerkt, Chronist — eine Müdigkeit, tief unter dieser Klarheit verborgen, die eines Mannes würdig ist, der zehn Jahrtausende übersprungen hat, nur um festzustellen, dass die Galaxie, die er zu retten glaubte, in seiner Abwesenheit tausend neue Wunden erlitten hat."
„Du fürchtest, dass diese Entdeckung eine weitere Wunde wäre."
„Ich fürchte, dass sie die eine Wunde sein könnte, die er nicht mehr zu tragen imstande ist." Er wandte sich schließlich zu Vaas, seine Entscheidung sichtbar Gestalt annehmend. „Wir werden diese Untersuchung fortsetzen, aber diskret, ohne die Aufmerksamkeit des Ordensrates zu erregen, bevor wir etwas Konkreteres in Händen halten. Ich werde eine kleine Eskorte zusammenstellen. Wenn es einen Weg gibt, mehr Gewissheit über das zu erlangen, was auf Eskrador tatsächlich geschah, dann werden wir ihn finden — bevor wir eine Last auf die Schultern unseres Primarchen legen, die sich am Ende als unnötig erweisen könnte."
IV. DER LETZTE VETERANIV. DER LETZTE VETERAN
Die Spur, die sie schließlich zu einer konkreten nächsten Handlung führte, kam nicht aus den Archiven selbst, sondern aus einer Randnotiz, die Vaas beinahe übersehen hätte — ein Verweis auf einen einzelnen überlebenden Veteranen der Schlacht von Eskrador, einen Mann namens Sergeant Tyrellian, der, nach seiner ehrenvollen Entlassung aus dem aktiven Dienst vor über neunhundert Jahren, sein restliches Leben als Chapter-Serf auf einer kleinen Agrarwelt am Rand von Ultramar verbracht hatte.
Neunhundert Jahre waren eine lange Zeit selbst für einen ehemaligen Astartes, dessen verlängerte Lebensspanne durch die Härten des Dienstes bereits ausgereizt worden war. Sie fanden Tyrellian schließlich, alt und gebrechlich, aber geistig noch immer klar, in einem kleinen Gehöft, das er sich in den Ausläufern eines terraformten Waldgebiets erbaut hatte — ein Mann, der die letzten Jahrhunderte seines langen Lebens in bewusster Zurückgezogenheit verbracht hatte, weit entfernt von der Ordnung und dem Zeremoniell des Ordens, dem er einst gedient hatte. Die Reise zu seinem abgelegenen Gehöft allein hatte zwei zusätzliche Tage in Anspruch genommen, über unbefestigte Wege, die kaum für den gelegentlichen Handelskarren ausgelegt waren, geschweige denn für zwei Astartes in ziviler Verkleidung — eine Abgeschiedenheit, die Vaas als weiteres, stilles Indiz für die Last verstand, die der alte Veteran mit sich trug.
Das Gehöft selbst war bescheiden, aber sorgfältig gepflegt, umgeben von Feldern, die Tyrellian, wie sie später erfuhren, größtenteils mit eigenen Händen bestellte, trotz seines fortgeschrittenen Alters — eine Beschäftigung, die er, wie er ihnen erklärte, der Untätigkeit vorzog, die ihn mit seinen eigenen Gedanken allein gelassen hätte.
„Ich habe gewartet", sagte Tyrellian, als Vaas und Heraclon, in einfacher Kleidung statt voller Rüstung, um keine Aufmerksamkeit auf dem kleinen Gehöft zu erregen, an seine Tür klopften. Seine Augen, obwohl von Alter getrübt, trugen noch immer die scharfe Aufmerksamkeit eines Mannes, der in seiner Jugend gelernt hatte, jede Bedrohung sofort zu erkennen. „Ich wusste, dass irgendwann jemand kommen würde, um Fragen über Eskrador zu stellen. Ich hatte nur nicht erwartet, dass es so lange dauern würde."
„Sie erwarteten uns?", fragte Heraclon, überrascht von der Direktheit des alten Mannes.
„Ich habe es befürchtet, seit dem Tag der Schlacht selbst." Tyrellian führte sie in sein bescheidenes Haus, seine Bewegungen langsam, aber nicht ohne eine gewisse verbliebene Würde. „Setzt euch. Was ich zu sagen habe, wird eine Weile dauern, und ich bin nicht mehr so schnell im Sprechen, wie ich es einst war."
Er erzählte ihnen, über die folgenden zwei Stunden, eine Version der Schlacht von Eskrador, die in keiner offiziellen Chronik je aufgezeichnet worden war. Er war Teil der Elite-Einheit gewesen, die Guilliman persönlich in den finalen, verzweifelten Sturmangriff auf das Hauptquartier der Alpha Legion geführt hatte. Er hatte das Duell zwischen den beiden Primarchen mit eigenen Augen gesehen, aus einer Entfernung, die nah genug war, um Details zu erfassen, die spätere Chronisten, die selbst nie dort gewesen waren, unmöglich hätten kennen können.
Er beschrieb die Schlacht selbst mit der lebendigen, schmerzhaften Präzision eines Mannes, der die entscheidenden Momente seines Lebens nie ganz losgelassen hatte — den ohrenbetäubenden Lärm des Sturmangriffs, die überraschende Leichtigkeit, mit der die Elite-Einheit die äußeren Verteidigungslinien der Alpha Legion durchbrach, ein Vorstoß, der im Rückblick, wie Tyrellian selbst zugab, verdächtig reibungslos verlaufen war für einen Feind, der für seine unberechenbare Verteidigungstaktik berüchtigt war.
„Es war ein gutes Duell, wenn man so etwas als gut bezeichnen kann", sagte Tyrellian, seine Stimme leiser werdend, während er sich an die Details erinnerte. „Aber es fühlte sich falsch an, selbst in dem Moment, in dem ich es beobachtete. Alpharius kämpfte gut, aber nicht mit der vollen Kraft, die die Legenden ihm zuschrieben. Es war, als würde er testen, statt zu kämpfen — als würde er unseren Primarchen studieren, mehr als gegen ihn zu kämpfen, um sein Leben zu bewahren."
„Und als er starb?", fragte Vaas.
„Er sagte etwas, in den letzten Augenblicken, bevor die Klinge unseres Primarchen ihn durchbohrte." Tyrellians Hände, faltig und altersfleckig, zitterten leicht, während er sich an die Worte erinnerte. „Ich war nah genug, um es zu hören, obwohl ich zweifle, dass irgendjemand sonst es tat, inmitten des Lärms der noch immer tobenden Schlacht um uns herum. Er sagte: 'Gut. Das ist gut. Jetzt bin ich frei, und mein Bruder kann die Arbeit vollenden, die ich begonnen habe.'"
Die Worte hingen im stillen Raum, während Vaas und Heraclon einander einen Blick zuwarfen, der eine wortlose Bestätigung ihrer schlimmsten Befürchtungen trug.
„'Mein Bruder'", wiederholte Vaas langsam. „Er sprach von Omegon."
„Ich weiß nicht, von wem er sprach, Chronist. Ich weiß nur, was ich hörte, und dass diese Worte mich seither nicht mehr losgelassen haben, in neunhundert Jahren stiller Reflexion." Tyrellians Hände zitterten stärker jetzt, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Wisst ihr, was das Schlimmste daran ist? Ich habe neunhundert Jahre lang mit niemandem darüber gesprochen — nicht aus Loyalität zum Schweigen, sondern weil ich fürchtete, dass man mich für wahnsinnig erklären würde, oder schlimmer, dass man mich der Häresie bezichtigen würde, weil ich es wagte, an der offiziellen Geschichte unseres größten Sieges zu zweifeln. Ich habe diese Worte mit mir getragen wie einen Stein, der mit jedem Jahrhundert schwerer wurde, bis ich mich schließlich hierher zurückzog, weit weg von jedem, der mich hätte fragen können, warum ein Veteran von Eskrador nie über seine größte Schlacht sprechen wollte."
„Warum erzählen Sie es uns jetzt?", fragte Vaas leise.
„Weil ihr gekommen seid, um zu fragen, statt mir eine Antwort aufzuzwingen." Der alte Mann sah zwischen den beiden Ultramarines hin und her, seine trüben Augen von einer Erleichterung gezeichnet, die neun Jahrhunderte lang aufgeschoben worden war. „Und weil ich zu alt bin, um diese Last noch viel länger zu tragen, ohne dass sie mit mir stirbt, unausgesprochen, wie sie es fast getan hätte."
Er schwieg einen Moment, seine Hände um eine Tasse längst kalt gewordenen Tees geschlossen, die er sich zu Beginn ihres Gesprächs zubereitet, aber nie berührt hatte. „Wisst ihr, was mich all die Jahre am meisten quälte? Nicht die Ungewissheit selbst. Sondern die Vorstellung, dass ich, indem ich schwieg, Teil derselben Lüge wurde, die ich zu fürchten begann — dass mein Schweigen ebenso viel Schaden anrichtete wie jede bewusste Täuschung, weil es einer Wahrheit erlaubte, ungeprüft zu bleiben, die vielleicht Tausende weiterer Männer hätte warnen können, wäre sie früher ans Licht gekommen."
Tyrellian sah zwischen den beiden Ultramarines hin und her, seine alten Augen von einer Last gezeichnet, die er offensichtlich schon sehr lange getragen hatte. „Ich habe nie den Mut gefunden, es einem Vorgesetzten zu melden. Was hätte ich sagen sollen? Dass ich glaubte, unser Primarch hätte möglicherweise den falschen Mann getötet, oder dass er den richtigen tötete, aber dass dieser Tod Teil eines größeren Plans war, den keiner von uns verstand? Beides klang wie der Wahnsinn eines alten Soldaten, der zu lange auf dem Schlachtfeld verbracht hatte."
Die Spur, die sie schließlich zu einer konkreten nächsten Handlung führte, kam nicht aus den Archiven selbst, sondern aus einer Randnotiz, die Vaas beinahe übersehen hätte — ein Verweis auf einen einzelnen überlebenden Veteranen der Schlacht von Eskrador, einen Mann namens Sergeant Tyrellian, der, nach seiner ehrenvollen Entlassung aus dem aktiven Dienst vor über neunhundert Jahren, sein restliches Leben als Chapter-Serf auf einer kleinen Agrarwelt am Rand von Ultramar verbracht hatte.
Neunhundert Jahre waren eine lange Zeit selbst für einen ehemaligen Astartes, dessen verlängerte Lebensspanne durch die Härten des Dienstes bereits ausgereizt worden war. Sie fanden Tyrellian schließlich, alt und gebrechlich, aber geistig noch immer klar, in einem kleinen Gehöft, das er sich in den Ausläufern eines terraformten Waldgebiets erbaut hatte — ein Mann, der die letzten Jahrhunderte seines langen Lebens in bewusster Zurückgezogenheit verbracht hatte, weit entfernt von der Ordnung und dem Zeremoniell des Ordens, dem er einst gedient hatte. Die Reise zu seinem abgelegenen Gehöft allein hatte zwei zusätzliche Tage in Anspruch genommen, über unbefestigte Wege, die kaum für den gelegentlichen Handelskarren ausgelegt waren, geschweige denn für zwei Astartes in ziviler Verkleidung — eine Abgeschiedenheit, die Vaas als weiteres, stilles Indiz für die Last verstand, die der alte Veteran mit sich trug.
Das Gehöft selbst war bescheiden, aber sorgfältig gepflegt, umgeben von Feldern, die Tyrellian, wie sie später erfuhren, größtenteils mit eigenen Händen bestellte, trotz seines fortgeschrittenen Alters — eine Beschäftigung, die er, wie er ihnen erklärte, der Untätigkeit vorzog, die ihn mit seinen eigenen Gedanken allein gelassen hätte.
„Ich habe gewartet", sagte Tyrellian, als Vaas und Heraclon, in einfacher Kleidung statt voller Rüstung, um keine Aufmerksamkeit auf dem kleinen Gehöft zu erregen, an seine Tür klopften. Seine Augen, obwohl von Alter getrübt, trugen noch immer die scharfe Aufmerksamkeit eines Mannes, der in seiner Jugend gelernt hatte, jede Bedrohung sofort zu erkennen. „Ich wusste, dass irgendwann jemand kommen würde, um Fragen über Eskrador zu stellen. Ich hatte nur nicht erwartet, dass es so lange dauern würde."
„Sie erwarteten uns?", fragte Heraclon, überrascht von der Direktheit des alten Mannes.
„Ich habe es befürchtet, seit dem Tag der Schlacht selbst." Tyrellian führte sie in sein bescheidenes Haus, seine Bewegungen langsam, aber nicht ohne eine gewisse verbliebene Würde. „Setzt euch. Was ich zu sagen habe, wird eine Weile dauern, und ich bin nicht mehr so schnell im Sprechen, wie ich es einst war."
Er erzählte ihnen, über die folgenden zwei Stunden, eine Version der Schlacht von Eskrador, die in keiner offiziellen Chronik je aufgezeichnet worden war. Er war Teil der Elite-Einheit gewesen, die Guilliman persönlich in den finalen, verzweifelten Sturmangriff auf das Hauptquartier der Alpha Legion geführt hatte. Er hatte das Duell zwischen den beiden Primarchen mit eigenen Augen gesehen, aus einer Entfernung, die nah genug war, um Details zu erfassen, die spätere Chronisten, die selbst nie dort gewesen waren, unmöglich hätten kennen können.
Er beschrieb die Schlacht selbst mit der lebendigen, schmerzhaften Präzision eines Mannes, der die entscheidenden Momente seines Lebens nie ganz losgelassen hatte — den ohrenbetäubenden Lärm des Sturmangriffs, die überraschende Leichtigkeit, mit der die Elite-Einheit die äußeren Verteidigungslinien der Alpha Legion durchbrach, ein Vorstoß, der im Rückblick, wie Tyrellian selbst zugab, verdächtig reibungslos verlaufen war für einen Feind, der für seine unberechenbare Verteidigungstaktik berüchtigt war.
„Es war ein gutes Duell, wenn man so etwas als gut bezeichnen kann", sagte Tyrellian, seine Stimme leiser werdend, während er sich an die Details erinnerte. „Aber es fühlte sich falsch an, selbst in dem Moment, in dem ich es beobachtete. Alpharius kämpfte gut, aber nicht mit der vollen Kraft, die die Legenden ihm zuschrieben. Es war, als würde er testen, statt zu kämpfen — als würde er unseren Primarchen studieren, mehr als gegen ihn zu kämpfen, um sein Leben zu bewahren."
„Und als er starb?", fragte Vaas.
„Er sagte etwas, in den letzten Augenblicken, bevor die Klinge unseres Primarchen ihn durchbohrte." Tyrellians Hände, faltig und altersfleckig, zitterten leicht, während er sich an die Worte erinnerte. „Ich war nah genug, um es zu hören, obwohl ich zweifle, dass irgendjemand sonst es tat, inmitten des Lärms der noch immer tobenden Schlacht um uns herum. Er sagte: 'Gut. Das ist gut. Jetzt bin ich frei, und mein Bruder kann die Arbeit vollenden, die ich begonnen habe.'"
Die Worte hingen im stillen Raum, während Vaas und Heraclon einander einen Blick zuwarfen, der eine wortlose Bestätigung ihrer schlimmsten Befürchtungen trug.
„'Mein Bruder'", wiederholte Vaas langsam. „Er sprach von Omegon."
„Ich weiß nicht, von wem er sprach, Chronist. Ich weiß nur, was ich hörte, und dass diese Worte mich seither nicht mehr losgelassen haben, in neunhundert Jahren stiller Reflexion." Tyrellians Hände zitterten stärker jetzt, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Wisst ihr, was das Schlimmste daran ist? Ich habe neunhundert Jahre lang mit niemandem darüber gesprochen — nicht aus Loyalität zum Schweigen, sondern weil ich fürchtete, dass man mich für wahnsinnig erklären würde, oder schlimmer, dass man mich der Häresie bezichtigen würde, weil ich es wagte, an der offiziellen Geschichte unseres größten Sieges zu zweifeln. Ich habe diese Worte mit mir getragen wie einen Stein, der mit jedem Jahrhundert schwerer wurde, bis ich mich schließlich hierher zurückzog, weit weg von jedem, der mich hätte fragen können, warum ein Veteran von Eskrador nie über seine größte Schlacht sprechen wollte."
„Warum erzählen Sie es uns jetzt?", fragte Vaas leise.
„Weil ihr gekommen seid, um zu fragen, statt mir eine Antwort aufzuzwingen." Der alte Mann sah zwischen den beiden Ultramarines hin und her, seine trüben Augen von einer Erleichterung gezeichnet, die neun Jahrhunderte lang aufgeschoben worden war. „Und weil ich zu alt bin, um diese Last noch viel länger zu tragen, ohne dass sie mit mir stirbt, unausgesprochen, wie sie es fast getan hätte."
Er schwieg einen Moment, seine Hände um eine Tasse längst kalt gewordenen Tees geschlossen, die er sich zu Beginn ihres Gesprächs zubereitet, aber nie berührt hatte. „Wisst ihr, was mich all die Jahre am meisten quälte? Nicht die Ungewissheit selbst. Sondern die Vorstellung, dass ich, indem ich schwieg, Teil derselben Lüge wurde, die ich zu fürchten begann — dass mein Schweigen ebenso viel Schaden anrichtete wie jede bewusste Täuschung, weil es einer Wahrheit erlaubte, ungeprüft zu bleiben, die vielleicht Tausende weiterer Männer hätte warnen können, wäre sie früher ans Licht gekommen."
Tyrellian sah zwischen den beiden Ultramarines hin und her, seine alten Augen von einer Last gezeichnet, die er offensichtlich schon sehr lange getragen hatte. „Ich habe nie den Mut gefunden, es einem Vorgesetzten zu melden. Was hätte ich sagen sollen? Dass ich glaubte, unser Primarch hätte möglicherweise den falschen Mann getötet, oder dass er den richtigen tötete, aber dass dieser Tod Teil eines größeren Plans war, den keiner von uns verstand? Beides klang wie der Wahnsinn eines alten Soldaten, der zu lange auf dem Schlachtfeld verbracht hatte."
V. DIE FEHLENDEN ARCHIVEV. DIE FEHLENDEN ARCHIVE
Der Rückflug von Tyrellians abgelegenem Gehöft verlief in nachdenklichem Schweigen, beide Männer mit den Implikationen dessen ringend, was sie soeben gehört hatten. Vaas fand sich immer wieder zu den alten Worten zurückkehrend — *jetzt bin ich frei, und mein Bruder kann die Arbeit vollenden, die ich begonnen habe* — und versuchte, jede mögliche Interpretation zu erwägen, die diese Aussage zulassen könnte, ohne dass eine einzige davon seine wachsende Unruhe vollständig zu lindern vermochte.
Zurück auf Macragge, mit Tyrellians Zeugnis als neuer, gewichtiger Bestätigung ihrer wachsenden Zweifel, wandte sich Vaas der letzten verbliebenen Quelle zu, die er noch nicht vollständig ausgeschöpft hatte — den ursprünglichen physischen Archiven, nicht den digitalisierten, leicht zugänglichen Kopien, sondern den originalen Datenkernen und Pergamenten, die in den tiefsten, am wenigsten besuchten Ebenen des Index Athanaeum lagerten.
Was er dort fand, oder vielmehr, was er nicht fand, beunruhigte ihn noch mehr als alles zuvor. Er verbrachte den größten Teil eines vollen Tages allein in dieser Kammer, seine Mahlzeiten vergessend, seine übrigen Pflichten an einen jüngeren Kollegen delegierend, so vollständig war seine Konzentration auf die Aufgabe, die vor ihm lag.
Vaas durchsuchte die staubigen, selten besuchten Regale mit einer Akribie, die selbst für sein Amt ungewöhnlich war, jeden Datenkern einzeln prüfend, jede Katalogeintragung mit den physischen Beständen abgleichend, in der Hoffnung, dass irgendwo in diesem gewaltigen, jahrtausendealten Labyrinth aus Wissen ein einzelnes übersehenes Fragment die fehlenden Antworten liefern würde.
Die vollständigen Apothecarius-Berichte über die genetische Verifizierung des Leichnams — jene, aus denen Sennians vorsichtig formulierte Zusammenfassung stammte — fehlten vollständig aus dem physischen Archiv. Nicht beschädigt, nicht verloren durch die üblichen Zufälle von zehntausend Jahren Lagerung, sondern, wie die Katalogeinträge selbst andeuteten, formal entfernt, zu einem Zeitpunkt, der sich präzise auf wenige Jahrzehnte nach der Schlacht selbst datieren ließ.
„Jemand hat diese Aufzeichnungen absichtlich entfernt", sagte Vaas zu Heraclon, während sie gemeinsam die leere Stelle im Archivregal betrachteten, wo die fehlenden Dokumente hätten liegen sollen. „Und wer auch immer es war, er hatte die Autorität, dies zu tun, ohne dass es in den nachfolgenden Jahrtausenden je bemerkt wurde."
„Oder es bemerkt wurde, und diejenigen, die es bemerkten, entschieden sich, zu schweigen." Heraclons Stimme trug eine neue, tiefere Beunruhigung. „Chronist, ich muss dich etwas fragen, das mich seit unserem Gespräch mit Tyrellian nicht loslässt: Wie sicher können wir sein, dass diese Entfernung nicht selbst das Werk der Alpha Legion war? Ihre Infiltrationsfähigkeiten sind legendär, selbst innerhalb loyalistischer Orden. Wenn sie es geschafft haben, ihre Spuren aus unseren eigenen Archiven zu tilgen, welche Garantie haben wir, dass sie nicht auch heute noch, in irgendeiner Form, unter uns operieren?"
Die Vorstellung setzte sich in Vaas fest wie ein kalter Stein. Er dachte an jeden Bruder, mit dem er in den letzten vierzig Jahren im Index Athanaeum zusammengearbeitet hatte, an jeden Chronisten, jeden Archivar, jeden Besucher, der Zugang zu den innersten Kammern der Bibliothek gehabt hatte — und erkannte mit wachsendem Unbehagen, dass er, wie jeder andere in seinem Orden, nie wirklich eine Möglichkeit gehabt hätte, einen geschickt getarnten Infiltrator von einem echten Bruder zu unterscheiden, wenn die Alpha Legion tatsächlich über die Mittel verfügte, die die Legenden ihr zuschrieben.
„Wir können diese Möglichkeit nicht ausschließen", sagte Vaas schließlich, seine Stimme belastet mit der Schwere dieser neuen Erkenntnis. „Aber wir können sie auch nicht beweisen, indem wir jeden Bruder in unserem Orden mit Misstrauen betrachten. Das wäre genau die Art von Paranoia, die die Alpha Legion, wenn sie tatsächlich hier operiert, zu ihrem eigenen Vorteil nutzen würde — uns dazu zu bringen, uns selbst zu zerfleischen, aus bloßem Verdacht."
„Dann was schlägst du vor, dass wir tun?", fragte Heraclon, seine Stimme angespannt mit der Last einer Verantwortung, die weit über seine übliche Kommandogewalt hinausging.
„Wir gehen methodisch vor, wie es unser Amt von uns verlangt." Vaas begann, die verstreuten Datenkerne systematisch zu ordnen, seine Hände trotz der Unruhe in seinem Inneren mit geübter Präzision arbeitend. „Wir dokumentieren jede Lücke, jede Diskrepanz, ohne voreilige Schlüsse über ihre Ursache zu ziehen. Wenn die Alpha Legion tatsächlich für diese Entfernung verantwortlich ist, wird sich das früher oder später aus dem Muster selbst ergeben — aus der Präzision, mit der die Löschung durchgeführt wurde, aus den spezifischen Dokumenten, die betroffen sind, verglichen mit jenen, die unangetastet blieben."
„Und wenn wir feststellen, dass es tatsächlich ihr Werk war?"
„Dann wissen wir wenigstens, wogegen wir uns wappnen müssen." Vaas hielt inne, ein Datenkern in seiner Hand, dessen Katalogeintrag auf einen weiteren fehlenden Bericht hindeutete. „Ich ziehe eine unbequeme Wahrheit einer bequemen Ahnungslosigkeit vor, Hauptmann. Das war schon immer der Kern meines Amtes, auch wenn ich erst jetzt zu verstehen beginne, wie schwer diese Präferenz tatsächlich zu tragen sein kann."
Die Frage hing schwer in der Luft der stillen Archivkammer, und Vaas spürte, wie sich ein kalter, unwillkommener Zweifel in ihm festsetzte — ein Zweifel, der über die ursprüngliche historische Frage hinausging, zu etwas viel Beunruhigenderem: dass die Ultramarines selbst, seit zehntausend Jahren, möglicherweise nie vollständig sicher gewesen waren vor der Legion, die sie für endgültig besiegt gehalten hatten.
„Es gibt einen Weg, das zu überprüfen", sagte Vaas schließlich, seine Stimme leiser, als hätte er Angst, dass sie selbst in dieser abgeschiedenen Kammer belauscht werden könnten. „Wenn die Verifizierungsberichte entfernt wurden, aber der eigentliche Ort der Verbrennung noch existiert, könnten moderne Forensik-Methoden — Techniken, die vor zehntausend Jahren nicht verfügbar waren — möglicherweise noch immer verwertbare Spuren finden. Genetisches Material, das selbst in verbrannter Asche über Jahrtausende hinweg in Spuren überdauern kann, wenn man weiß, wonach man suchen muss."
„Du schlägst vor, dass wir eine Expedition nach Eskrador entsenden."
„Ich schlage vor, dass wir dorthin zurückkehren, wo diese Geschichte begann, und selbst nachsehen, was zehntausend Jahre Schweigen möglicherweise verborgen haben." Vaas sah Heraclon direkt an. „Ich weiß, was das bedeutet, Hauptmann. Es bedeutet, eine Welt zu betreten, die seit zehn Jahrtausenden als abgeschlossenes Schlachtfeld gilt, aber die, wenn meine wachsenden Befürchtungen zutreffen, möglicherweise nie vollständig von jenen verlassen wurde, die dort einst kämpften."
Der Rückflug von Tyrellians abgelegenem Gehöft verlief in nachdenklichem Schweigen, beide Männer mit den Implikationen dessen ringend, was sie soeben gehört hatten. Vaas fand sich immer wieder zu den alten Worten zurückkehrend — *jetzt bin ich frei, und mein Bruder kann die Arbeit vollenden, die ich begonnen habe* — und versuchte, jede mögliche Interpretation zu erwägen, die diese Aussage zulassen könnte, ohne dass eine einzige davon seine wachsende Unruhe vollständig zu lindern vermochte.
Zurück auf Macragge, mit Tyrellians Zeugnis als neuer, gewichtiger Bestätigung ihrer wachsenden Zweifel, wandte sich Vaas der letzten verbliebenen Quelle zu, die er noch nicht vollständig ausgeschöpft hatte — den ursprünglichen physischen Archiven, nicht den digitalisierten, leicht zugänglichen Kopien, sondern den originalen Datenkernen und Pergamenten, die in den tiefsten, am wenigsten besuchten Ebenen des Index Athanaeum lagerten.
Was er dort fand, oder vielmehr, was er nicht fand, beunruhigte ihn noch mehr als alles zuvor. Er verbrachte den größten Teil eines vollen Tages allein in dieser Kammer, seine Mahlzeiten vergessend, seine übrigen Pflichten an einen jüngeren Kollegen delegierend, so vollständig war seine Konzentration auf die Aufgabe, die vor ihm lag.
Vaas durchsuchte die staubigen, selten besuchten Regale mit einer Akribie, die selbst für sein Amt ungewöhnlich war, jeden Datenkern einzeln prüfend, jede Katalogeintragung mit den physischen Beständen abgleichend, in der Hoffnung, dass irgendwo in diesem gewaltigen, jahrtausendealten Labyrinth aus Wissen ein einzelnes übersehenes Fragment die fehlenden Antworten liefern würde.
Die vollständigen Apothecarius-Berichte über die genetische Verifizierung des Leichnams — jene, aus denen Sennians vorsichtig formulierte Zusammenfassung stammte — fehlten vollständig aus dem physischen Archiv. Nicht beschädigt, nicht verloren durch die üblichen Zufälle von zehntausend Jahren Lagerung, sondern, wie die Katalogeinträge selbst andeuteten, formal entfernt, zu einem Zeitpunkt, der sich präzise auf wenige Jahrzehnte nach der Schlacht selbst datieren ließ.
„Jemand hat diese Aufzeichnungen absichtlich entfernt", sagte Vaas zu Heraclon, während sie gemeinsam die leere Stelle im Archivregal betrachteten, wo die fehlenden Dokumente hätten liegen sollen. „Und wer auch immer es war, er hatte die Autorität, dies zu tun, ohne dass es in den nachfolgenden Jahrtausenden je bemerkt wurde."
„Oder es bemerkt wurde, und diejenigen, die es bemerkten, entschieden sich, zu schweigen." Heraclons Stimme trug eine neue, tiefere Beunruhigung. „Chronist, ich muss dich etwas fragen, das mich seit unserem Gespräch mit Tyrellian nicht loslässt: Wie sicher können wir sein, dass diese Entfernung nicht selbst das Werk der Alpha Legion war? Ihre Infiltrationsfähigkeiten sind legendär, selbst innerhalb loyalistischer Orden. Wenn sie es geschafft haben, ihre Spuren aus unseren eigenen Archiven zu tilgen, welche Garantie haben wir, dass sie nicht auch heute noch, in irgendeiner Form, unter uns operieren?"
Die Vorstellung setzte sich in Vaas fest wie ein kalter Stein. Er dachte an jeden Bruder, mit dem er in den letzten vierzig Jahren im Index Athanaeum zusammengearbeitet hatte, an jeden Chronisten, jeden Archivar, jeden Besucher, der Zugang zu den innersten Kammern der Bibliothek gehabt hatte — und erkannte mit wachsendem Unbehagen, dass er, wie jeder andere in seinem Orden, nie wirklich eine Möglichkeit gehabt hätte, einen geschickt getarnten Infiltrator von einem echten Bruder zu unterscheiden, wenn die Alpha Legion tatsächlich über die Mittel verfügte, die die Legenden ihr zuschrieben.
„Wir können diese Möglichkeit nicht ausschließen", sagte Vaas schließlich, seine Stimme belastet mit der Schwere dieser neuen Erkenntnis. „Aber wir können sie auch nicht beweisen, indem wir jeden Bruder in unserem Orden mit Misstrauen betrachten. Das wäre genau die Art von Paranoia, die die Alpha Legion, wenn sie tatsächlich hier operiert, zu ihrem eigenen Vorteil nutzen würde — uns dazu zu bringen, uns selbst zu zerfleischen, aus bloßem Verdacht."
„Dann was schlägst du vor, dass wir tun?", fragte Heraclon, seine Stimme angespannt mit der Last einer Verantwortung, die weit über seine übliche Kommandogewalt hinausging.
„Wir gehen methodisch vor, wie es unser Amt von uns verlangt." Vaas begann, die verstreuten Datenkerne systematisch zu ordnen, seine Hände trotz der Unruhe in seinem Inneren mit geübter Präzision arbeitend. „Wir dokumentieren jede Lücke, jede Diskrepanz, ohne voreilige Schlüsse über ihre Ursache zu ziehen. Wenn die Alpha Legion tatsächlich für diese Entfernung verantwortlich ist, wird sich das früher oder später aus dem Muster selbst ergeben — aus der Präzision, mit der die Löschung durchgeführt wurde, aus den spezifischen Dokumenten, die betroffen sind, verglichen mit jenen, die unangetastet blieben."
„Und wenn wir feststellen, dass es tatsächlich ihr Werk war?"
„Dann wissen wir wenigstens, wogegen wir uns wappnen müssen." Vaas hielt inne, ein Datenkern in seiner Hand, dessen Katalogeintrag auf einen weiteren fehlenden Bericht hindeutete. „Ich ziehe eine unbequeme Wahrheit einer bequemen Ahnungslosigkeit vor, Hauptmann. Das war schon immer der Kern meines Amtes, auch wenn ich erst jetzt zu verstehen beginne, wie schwer diese Präferenz tatsächlich zu tragen sein kann."
Die Frage hing schwer in der Luft der stillen Archivkammer, und Vaas spürte, wie sich ein kalter, unwillkommener Zweifel in ihm festsetzte — ein Zweifel, der über die ursprüngliche historische Frage hinausging, zu etwas viel Beunruhigenderem: dass die Ultramarines selbst, seit zehntausend Jahren, möglicherweise nie vollständig sicher gewesen waren vor der Legion, die sie für endgültig besiegt gehalten hatten.
„Es gibt einen Weg, das zu überprüfen", sagte Vaas schließlich, seine Stimme leiser, als hätte er Angst, dass sie selbst in dieser abgeschiedenen Kammer belauscht werden könnten. „Wenn die Verifizierungsberichte entfernt wurden, aber der eigentliche Ort der Verbrennung noch existiert, könnten moderne Forensik-Methoden — Techniken, die vor zehntausend Jahren nicht verfügbar waren — möglicherweise noch immer verwertbare Spuren finden. Genetisches Material, das selbst in verbrannter Asche über Jahrtausende hinweg in Spuren überdauern kann, wenn man weiß, wonach man suchen muss."
„Du schlägst vor, dass wir eine Expedition nach Eskrador entsenden."
„Ich schlage vor, dass wir dorthin zurückkehren, wo diese Geschichte begann, und selbst nachsehen, was zehntausend Jahre Schweigen möglicherweise verborgen haben." Vaas sah Heraclon direkt an. „Ich weiß, was das bedeutet, Hauptmann. Es bedeutet, eine Welt zu betreten, die seit zehn Jahrtausenden als abgeschlossenes Schlachtfeld gilt, aber die, wenn meine wachsenden Befürchtungen zutreffen, möglicherweise nie vollständig von jenen verlassen wurde, die dort einst kämpften."
VI. RÜCKKEHR NACH ESKRADORVI. RÜCKKEHR NACH ESKRADOR
Die Reise nach Eskrador dauerte neun Tage, an Bord eines kleinen, unauffälligen Erkundungsschiffs, das Heraclon persönlich requiriert hatte, unter dem offiziellen Vorwand einer routinemäßigen historischen Vermessungsmission — eine Tarnung, dünn genug, um bei näherer Prüfung nicht standzuhalten, aber ausreichend, um keine unmittelbaren Fragen im Ordensrat aufzuwerfen.
Vaas verbrachte einen Großteil der Reise damit, jedes verfügbare Detail über die geographische Lage der ursprünglichen Schlacht zu studieren, mit der Hilfe eines mitgereisten Scriptors — Epistolarius Delvain, ein Mann mit außergewöhnlichen forensischen und psionischen Fähigkeiten, dessen Anwesenheit Heraclon für unerlässlich hielt, falls sie tatsächlich verwertbare Spuren am Ort der ursprünglichen Verbrennung finden sollten.
Delvain war ein ungewöhnlicher Scriptor, selbst nach den Maßstäben eines Ordens, der seine psionisch Begabten mit besonderer Sorgfalt und Argwohn zugleich behandelte — ein Mann, dessen Fähigkeiten sich weniger auf offensive Kampfkraft konzentrierten, wie es bei vielen seiner Brüder der Fall war, sondern auf eine seltene Sensitivität für das, was er selbst „die Echos der Vergangenheit" nannte: die Fähigkeit, Spuren vergangener Ereignisse in der Struktur der Realität selbst zu lesen, lange nachdem jede physische Erinnerung verblasst war. Vaas hatte in den Wochen ihrer Zusammenarbeit gelernt, diese Gabe sowohl zu bewundern als auch zu fürchten, denn sie erlaubte Delvain, Dinge wahrzunehmen, die kein Chronist, und sei er noch so gründlich, je aus bloßen Dokumenten hätte erschließen können. Er dachte an einen Vorfall aus den ersten Wochen ihrer Zusammenarbeit, als Delvain, während einer routinemäßigen Überprüfung eines scheinbar unbedeutenden Verwaltungsberichts, eine subtile emotionale Dissonanz in den Worten eines längst verstorbenen Schreibers wahrgenommen hatte — eine Dissonanz, die sich später als Beweis für eine ganz andere, in keinem offiziellen Dokument festgehaltene Verschwörung innerhalb der Verwaltung einer Grenzwelt entpuppte. Es war diese Erfahrung gewesen, die Heraclon überzeugt hatte, den Scriptor für diese besondere Mission anzufordern, trotz der zusätzlichen Komplexität, die seine Anwesenheit für die Geheimhaltung ihrer Untersuchung mit sich brachte.
Vaas beobachtete Delvains sorgfältige Vorbereitungen mit wachsender Anspannung, seine Gedanken zwischen Hoffnung auf endliche Klarheit und der wachsenden Furcht schwankend, dass sie am Ende dieser Reise mit noch mehr Fragen dastehen würden, als sie mit sich brachten. Er beobachtete, wie der Scriptor Stunde um Stunde damit verbrachte, seine psionischen Fähigkeiten durch Meditation zu schärfen, seine Konzentration auf eine Präzision zu kalibrieren, die für die bevorstehende Aufgabe notwendig sein würde — eine Vorbereitung, die Vaas an die eigene, jahrzehntelange Disziplin erinnerte, die sein Amt als Chronist von ihm verlangte, wenn auch auf eine gänzlich andere Weise ausgeübt. „Wenn dort tatsächlich noch etwas zu finden ist, nach zehntausend Jahren", sagte Delvain, während er seine eigenen Instrumente vorbereitete, „wird es kaum durch gewöhnliche forensische Mittel zugänglich sein. Aber genetisches Echo, besonders von einem Wesen mit primarchischer Physiologie, kann sich manchmal in einer Weise in die umgebende Materie einbrennen, die selbst Jahrtausende überdauert — nicht als physische Substanz mehr, sondern als eine Art psionischer Abdruck, den ein geübter Scriptor lesen kann, wenn die Bedingungen stimmen."
„Und wenn die Bedingungen nicht stimmen?" fragte Vaas, seine eigene Unsicherheit über das Unterfangen nicht länger verbergend.
„Dann werden wir mit leeren Händen zurückkehren, und diese gesamte Reise wird sich als Verschwendung erweisen." Delvains Stimme trug keine Illusion über die Unsicherheit ihres Unterfangens. „Aber ich glaube, Chronist, dass Sie und ich uns beide bewusst sind, dass wir hier auf mehr hoffen als bloße forensische Bestätigung. Wir hoffen auf eine Wahrheit, die uns erlaubt, entweder mit reinem Gewissen zu unserem Primarchen zurückzukehren und ihm zu sagen, dass seine Erinnerung ihn getäuscht hat, oder mit der schwereren Last, ihm zu sagen, dass ein Feind, den er für tot hielt, möglicherweise noch immer irgendwo in der Galaxie operiert."
Während der letzten Tage ihrer Reise durch den Warp fand Vaas sich immer wieder in Gesprächen mit Heraclon wieder, die weit über die unmittelbare Mission hinausgingen — Gespräche über den Zweck des Ordens selbst, über die Frage, was es bedeutete, einem Primarchen zu dienen, der, anders als in den zehntausend Jahren zuvor, tatsächlich lebte, sprach, urteilte, fehlbar war auf eine Weise, die die reine Legende nie zugelassen hatte. „Wir haben zehntausend Jahre lang einen abwesenden Gott verehrt", sagte Heraclon einmal, in einem seltenen Moment der Offenheit, während sie gemeinsam die Sternenkarten des bevorstehenden Ziels studierten. „Jetzt haben wir einen lebenden Bruder, der Fehler machen kann, der getäuscht werden kann, der zweifeln kann. Ich bin nicht sicher, ob unser gesamter Orden bereits vollständig verstanden hat, was das bedeutet."
Sie erreichten Eskrador am zehnten Tag, und Vaas, als er zum ersten Mal die Oberfläche der Welt durch das Sichtfenster ihres Landungsshuttles betrachtete, verstand sofort, warum diese Schlacht selbst nach zehntausend Jahren einen solchen Schatten über die Geschichte seines Ordens warf. Der Planet trug noch immer, in seiner geologischen Struktur selbst, die Narben des orbitalen Bombardements, mit dem Guilliman die Schlacht beendet hatte — weite, verglaste Krater, deren Ränder auch nach zehn Jahrtausenden noch immer eine unheimliche, unnatürliche Glätte trugen, als hätte die schiere Gewalt der Zerstörung die Zeit selbst in diesem einen Moment eingefroren.
„Wo genau fand die Verbrennung statt?", fragte Heraclon, während sie sich der Oberfläche näherten.
„Laut den originalen Feldberichten, hier." Vaas deutete auf eine Koordinate am Rand eines der größten Krater, ein Ort, der in der offiziellen Chronik als „das Hydra-Nest" bezeichnet wurde — das ehemalige Hauptquartier der Alpha Legion auf diesem Planeten, jetzt nichts weiter als eine weite, verglaste Fläche, in deren Zentrum, wenn Tyrellians Erinnerung korrekt war, einst ein Scheiterhaufen gebrannt hatte, der eine ganze Galaxie glauben ließ, ihr gefährlichster Feind sei endlich vernichtet.
Die Reise nach Eskrador dauerte neun Tage, an Bord eines kleinen, unauffälligen Erkundungsschiffs, das Heraclon persönlich requiriert hatte, unter dem offiziellen Vorwand einer routinemäßigen historischen Vermessungsmission — eine Tarnung, dünn genug, um bei näherer Prüfung nicht standzuhalten, aber ausreichend, um keine unmittelbaren Fragen im Ordensrat aufzuwerfen.
Vaas verbrachte einen Großteil der Reise damit, jedes verfügbare Detail über die geographische Lage der ursprünglichen Schlacht zu studieren, mit der Hilfe eines mitgereisten Scriptors — Epistolarius Delvain, ein Mann mit außergewöhnlichen forensischen und psionischen Fähigkeiten, dessen Anwesenheit Heraclon für unerlässlich hielt, falls sie tatsächlich verwertbare Spuren am Ort der ursprünglichen Verbrennung finden sollten.
Delvain war ein ungewöhnlicher Scriptor, selbst nach den Maßstäben eines Ordens, der seine psionisch Begabten mit besonderer Sorgfalt und Argwohn zugleich behandelte — ein Mann, dessen Fähigkeiten sich weniger auf offensive Kampfkraft konzentrierten, wie es bei vielen seiner Brüder der Fall war, sondern auf eine seltene Sensitivität für das, was er selbst „die Echos der Vergangenheit" nannte: die Fähigkeit, Spuren vergangener Ereignisse in der Struktur der Realität selbst zu lesen, lange nachdem jede physische Erinnerung verblasst war. Vaas hatte in den Wochen ihrer Zusammenarbeit gelernt, diese Gabe sowohl zu bewundern als auch zu fürchten, denn sie erlaubte Delvain, Dinge wahrzunehmen, die kein Chronist, und sei er noch so gründlich, je aus bloßen Dokumenten hätte erschließen können. Er dachte an einen Vorfall aus den ersten Wochen ihrer Zusammenarbeit, als Delvain, während einer routinemäßigen Überprüfung eines scheinbar unbedeutenden Verwaltungsberichts, eine subtile emotionale Dissonanz in den Worten eines längst verstorbenen Schreibers wahrgenommen hatte — eine Dissonanz, die sich später als Beweis für eine ganz andere, in keinem offiziellen Dokument festgehaltene Verschwörung innerhalb der Verwaltung einer Grenzwelt entpuppte. Es war diese Erfahrung gewesen, die Heraclon überzeugt hatte, den Scriptor für diese besondere Mission anzufordern, trotz der zusätzlichen Komplexität, die seine Anwesenheit für die Geheimhaltung ihrer Untersuchung mit sich brachte.
Vaas beobachtete Delvains sorgfältige Vorbereitungen mit wachsender Anspannung, seine Gedanken zwischen Hoffnung auf endliche Klarheit und der wachsenden Furcht schwankend, dass sie am Ende dieser Reise mit noch mehr Fragen dastehen würden, als sie mit sich brachten. Er beobachtete, wie der Scriptor Stunde um Stunde damit verbrachte, seine psionischen Fähigkeiten durch Meditation zu schärfen, seine Konzentration auf eine Präzision zu kalibrieren, die für die bevorstehende Aufgabe notwendig sein würde — eine Vorbereitung, die Vaas an die eigene, jahrzehntelange Disziplin erinnerte, die sein Amt als Chronist von ihm verlangte, wenn auch auf eine gänzlich andere Weise ausgeübt. „Wenn dort tatsächlich noch etwas zu finden ist, nach zehntausend Jahren", sagte Delvain, während er seine eigenen Instrumente vorbereitete, „wird es kaum durch gewöhnliche forensische Mittel zugänglich sein. Aber genetisches Echo, besonders von einem Wesen mit primarchischer Physiologie, kann sich manchmal in einer Weise in die umgebende Materie einbrennen, die selbst Jahrtausende überdauert — nicht als physische Substanz mehr, sondern als eine Art psionischer Abdruck, den ein geübter Scriptor lesen kann, wenn die Bedingungen stimmen."
„Und wenn die Bedingungen nicht stimmen?" fragte Vaas, seine eigene Unsicherheit über das Unterfangen nicht länger verbergend.
„Dann werden wir mit leeren Händen zurückkehren, und diese gesamte Reise wird sich als Verschwendung erweisen." Delvains Stimme trug keine Illusion über die Unsicherheit ihres Unterfangens. „Aber ich glaube, Chronist, dass Sie und ich uns beide bewusst sind, dass wir hier auf mehr hoffen als bloße forensische Bestätigung. Wir hoffen auf eine Wahrheit, die uns erlaubt, entweder mit reinem Gewissen zu unserem Primarchen zurückzukehren und ihm zu sagen, dass seine Erinnerung ihn getäuscht hat, oder mit der schwereren Last, ihm zu sagen, dass ein Feind, den er für tot hielt, möglicherweise noch immer irgendwo in der Galaxie operiert."
Während der letzten Tage ihrer Reise durch den Warp fand Vaas sich immer wieder in Gesprächen mit Heraclon wieder, die weit über die unmittelbare Mission hinausgingen — Gespräche über den Zweck des Ordens selbst, über die Frage, was es bedeutete, einem Primarchen zu dienen, der, anders als in den zehntausend Jahren zuvor, tatsächlich lebte, sprach, urteilte, fehlbar war auf eine Weise, die die reine Legende nie zugelassen hatte. „Wir haben zehntausend Jahre lang einen abwesenden Gott verehrt", sagte Heraclon einmal, in einem seltenen Moment der Offenheit, während sie gemeinsam die Sternenkarten des bevorstehenden Ziels studierten. „Jetzt haben wir einen lebenden Bruder, der Fehler machen kann, der getäuscht werden kann, der zweifeln kann. Ich bin nicht sicher, ob unser gesamter Orden bereits vollständig verstanden hat, was das bedeutet."
Sie erreichten Eskrador am zehnten Tag, und Vaas, als er zum ersten Mal die Oberfläche der Welt durch das Sichtfenster ihres Landungsshuttles betrachtete, verstand sofort, warum diese Schlacht selbst nach zehntausend Jahren einen solchen Schatten über die Geschichte seines Ordens warf. Der Planet trug noch immer, in seiner geologischen Struktur selbst, die Narben des orbitalen Bombardements, mit dem Guilliman die Schlacht beendet hatte — weite, verglaste Krater, deren Ränder auch nach zehn Jahrtausenden noch immer eine unheimliche, unnatürliche Glätte trugen, als hätte die schiere Gewalt der Zerstörung die Zeit selbst in diesem einen Moment eingefroren.
„Wo genau fand die Verbrennung statt?", fragte Heraclon, während sie sich der Oberfläche näherten.
„Laut den originalen Feldberichten, hier." Vaas deutete auf eine Koordinate am Rand eines der größten Krater, ein Ort, der in der offiziellen Chronik als „das Hydra-Nest" bezeichnet wurde — das ehemalige Hauptquartier der Alpha Legion auf diesem Planeten, jetzt nichts weiter als eine weite, verglaste Fläche, in deren Zentrum, wenn Tyrellians Erinnerung korrekt war, einst ein Scheiterhaufen gebrannt hatte, der eine ganze Galaxie glauben ließ, ihr gefährlichster Feind sei endlich vernichtet.
VII. DIE ASCHE DES SCHEITERHAUFENSVII. DIE ASCHE DES SCHEITERHAUFENS
Die Landung verlief ohne Zwischenfall, aber vom ersten Moment an, in dem sie den Boden von Eskrador betraten, spürte Vaas eine Unruhe, die sich nicht allein durch die physische Verlassenheit der Umgebung erklären ließ. Die Luft selbst trug einen eigentümlichen, metallischen Geruch, ein Überbleibsel, wie Delvain vermutete, der massiven orbitalen Bombardierung, die selbst nach zehntausend Jahren die chemische Zusammensetzung der oberen Atmosphärenschichten verändert hatte. Über ihnen hing ein permanenter, dünner Dunstschleier, der das Licht der fernen Sonne in ein fahles, fast unheimliches Grau tauchte, als würde der Planet selbst sich weigern, jemals wieder vollständig ans Licht zurückzukehren.
„Etwas beobachtet uns", sagte Delvain leise, kaum zehn Minuten nach ihrer Landung, sein Gesicht unter der Konzentration seiner psionischen Sinne angespannt. „Ich kann es nicht genau lokalisieren, aber die Präsenz ist real, nicht eingebildet. Wir sind nicht allein hier, Hauptmann."
Heraclon reagierte sofort, seine Eskorte — vier zusätzliche Ultramarine-Brüder, ausgewählt für ihre Diskretion ebenso wie für ihre Kampffähigkeiten — in eine defensive Formation befehlend, während sie sich vorsichtig dem markierten Standort des ehemaligen Hydra-Nests näherten.
Die vier Eskortbrüder, deren Namen Vaas in den vorbereitenden Tagen kaum mehr als beiläufig registriert hatte — Bruder Cassian, Bruder Ordell, Bruder Thessan und der junge Aulen, dessen erste echte Feldmission dies war — bewegten sich mit der disziplinierten Präzision, die jede Ultramarines-Ausbildung einprägte, ihre Waffen bereit, aber nicht offen aggressiv, während sie die zerklüftete, von Kratern übersäte Landschaft durchquerten. Vaas bemerkte, wie selbst diese erfahrenen Krieger eine unterschwellige Anspannung zeigten, die über gewöhnliche Feldvorsicht hinausging — als würde die Welt selbst, mit ihrer unnatürlichen Stille und ihrer permanenten Dämmerung, jedem, der sie betrat, eine tief verwurzelte Unruhe einflößen.
Sie passierten die Überreste dessen, was einst äußere Verteidigungswälle gewesen sein mussten, jetzt kaum mehr als angeschmolzene, unregelmäßige Erhebungen im verglasten Boden, deren ursprüngliche Form nur noch durch sorgfältige geologische Analyse rekonstruierbar gewesen wäre. Delvain blieb mehrmals stehen, seine psionischen Sinne offensichtlich schwache, aber beunruhigende Echos aus der Vergangenheit registrierend, die er nicht immer bereit war, laut zu kommentieren.
Der Ort selbst, als sie ihn erreichten, war kaum wiederzuerkennen als das, was einst ein befestigtes Hauptquartier gewesen sein musste — nur noch eine weite, verglaste Senke, überzogen mit dem grauen, körnigen Staub von zehntausend Jahren Verwitterung, unterbrochen von vereinzelten, fast vollständig erodierten Strukturfragmenten, die wie die Rippen eines längst verwesten Tieres aus dem Boden ragten.
Sie durchsuchten die verbleibenden Strukturfragmente eine volle Stunde lang, ohne konkrete Ergebnisse, bevor Delvain schließlich innehielt, seine Bewegungen sich verlangsamend, während er sich einem bestimmten Punkt inmitten der verglasten Senke näherte, als würde ihn eine unsichtbare Kraft dorthin ziehen.
„Hier", sagte Delvain, sich an einer bestimmten Stelle niederkniend, seine Hand über den Staub gleitend, mit einer Konzentration, die sein gesamtes Gesicht verzerrte. „Hier war der Scheiterhaufen. Ich kann noch immer ein Echo spüren — schwach, verwittert, aber vorhanden. Eine Art Narbe im psionischen Gefüge dieses Ortes, wie eine Wunde, die nie vollständig verheilt ist."
„Primarchisch?", fragte Vaas.
„Ich glaube schon. Aber —" Delvain zögerte, seine Konzentration sich vertiefend. „Es gibt etwas Seltsames an diesem Abdruck, Chronist. Es fühlt sich nicht an wie das Echo eines vollständigen Todes. Es fühlt sich an wie —" Er suchte nach den richtigen Worten, seine geübte Präzision für einen Moment von der Fremdartigkeit dessen, was er wahrnahm, überfordert. „Wie das Echo eines Abschieds. Als würde etwas — jemand — von diesem Ort weggegangen sein, nicht durch den Tod ausgelöscht, sondern bewusst verlassen, mit einer Absicht, die ich nicht vollständig entschlüsseln kann."
Vaas kniete sich neben Delvain, seine Hand vorsichtig über denselben Staub gleitend, obwohl er wusste, dass er selbst über keine der psionischen Fähigkeiten verfügte, die seinem Begleiter solche Wahrnehmungen erlaubten. Dennoch spürte er, auf eine Weise, die er sich nicht vollständig erklären konnte, ein Gewicht in dieser Stelle, eine Bedeutungsschwere, die über bloße Einbildung hinausging — als würde die Geschichte selbst, die dieser Ort still bewahrte, ihn direkt ansehen und auf eine Antwort warten, die er noch nicht zu geben wusste.
Bevor irgendjemand auf diese beunruhigende Enthüllung reagieren konnte, durchbrach ein scharfer, metallischer Klang die Stille um sie herum — das unverkennbare Geräusch eines aktivierten Kraftfeldgenerators, gefolgt von einer Stimme, die aus dem Staub selbst zu kommen schien, verstärkt durch einen Helmvox, dessen Klangfarbe Vaas' gesamter Körper mit einer instinktiven, tief verwurzelten Alarmreaktion füllte.
„Ihr grabt in einem Grab, das nicht euch gehört", sagte die Stimme, ruhig, fast belustigt, während sich aus dem umgebenden Staub und den erodierten Strukturfragmenten mehrere Gestalten in tarnungsähnlicher, kaum wahrnehmbarer Rüstung erhoben, ihre Waffen bereits auf die kleine Gruppe von Ultramarines gerichtet. „Das ist eine Unhöflichkeit, die wir seit zehntausend Jahren nicht mehr dulden mussten. Aber vielleicht ist es Zeit, dass ihr endlich eine Antwort erhaltet, die zu lange aufgeschoben wurde."
Die Landung verlief ohne Zwischenfall, aber vom ersten Moment an, in dem sie den Boden von Eskrador betraten, spürte Vaas eine Unruhe, die sich nicht allein durch die physische Verlassenheit der Umgebung erklären ließ. Die Luft selbst trug einen eigentümlichen, metallischen Geruch, ein Überbleibsel, wie Delvain vermutete, der massiven orbitalen Bombardierung, die selbst nach zehntausend Jahren die chemische Zusammensetzung der oberen Atmosphärenschichten verändert hatte. Über ihnen hing ein permanenter, dünner Dunstschleier, der das Licht der fernen Sonne in ein fahles, fast unheimliches Grau tauchte, als würde der Planet selbst sich weigern, jemals wieder vollständig ans Licht zurückzukehren.
„Etwas beobachtet uns", sagte Delvain leise, kaum zehn Minuten nach ihrer Landung, sein Gesicht unter der Konzentration seiner psionischen Sinne angespannt. „Ich kann es nicht genau lokalisieren, aber die Präsenz ist real, nicht eingebildet. Wir sind nicht allein hier, Hauptmann."
Heraclon reagierte sofort, seine Eskorte — vier zusätzliche Ultramarine-Brüder, ausgewählt für ihre Diskretion ebenso wie für ihre Kampffähigkeiten — in eine defensive Formation befehlend, während sie sich vorsichtig dem markierten Standort des ehemaligen Hydra-Nests näherten.
Die vier Eskortbrüder, deren Namen Vaas in den vorbereitenden Tagen kaum mehr als beiläufig registriert hatte — Bruder Cassian, Bruder Ordell, Bruder Thessan und der junge Aulen, dessen erste echte Feldmission dies war — bewegten sich mit der disziplinierten Präzision, die jede Ultramarines-Ausbildung einprägte, ihre Waffen bereit, aber nicht offen aggressiv, während sie die zerklüftete, von Kratern übersäte Landschaft durchquerten. Vaas bemerkte, wie selbst diese erfahrenen Krieger eine unterschwellige Anspannung zeigten, die über gewöhnliche Feldvorsicht hinausging — als würde die Welt selbst, mit ihrer unnatürlichen Stille und ihrer permanenten Dämmerung, jedem, der sie betrat, eine tief verwurzelte Unruhe einflößen.
Sie passierten die Überreste dessen, was einst äußere Verteidigungswälle gewesen sein mussten, jetzt kaum mehr als angeschmolzene, unregelmäßige Erhebungen im verglasten Boden, deren ursprüngliche Form nur noch durch sorgfältige geologische Analyse rekonstruierbar gewesen wäre. Delvain blieb mehrmals stehen, seine psionischen Sinne offensichtlich schwache, aber beunruhigende Echos aus der Vergangenheit registrierend, die er nicht immer bereit war, laut zu kommentieren.
Der Ort selbst, als sie ihn erreichten, war kaum wiederzuerkennen als das, was einst ein befestigtes Hauptquartier gewesen sein musste — nur noch eine weite, verglaste Senke, überzogen mit dem grauen, körnigen Staub von zehntausend Jahren Verwitterung, unterbrochen von vereinzelten, fast vollständig erodierten Strukturfragmenten, die wie die Rippen eines längst verwesten Tieres aus dem Boden ragten.
Sie durchsuchten die verbleibenden Strukturfragmente eine volle Stunde lang, ohne konkrete Ergebnisse, bevor Delvain schließlich innehielt, seine Bewegungen sich verlangsamend, während er sich einem bestimmten Punkt inmitten der verglasten Senke näherte, als würde ihn eine unsichtbare Kraft dorthin ziehen.
„Hier", sagte Delvain, sich an einer bestimmten Stelle niederkniend, seine Hand über den Staub gleitend, mit einer Konzentration, die sein gesamtes Gesicht verzerrte. „Hier war der Scheiterhaufen. Ich kann noch immer ein Echo spüren — schwach, verwittert, aber vorhanden. Eine Art Narbe im psionischen Gefüge dieses Ortes, wie eine Wunde, die nie vollständig verheilt ist."
„Primarchisch?", fragte Vaas.
„Ich glaube schon. Aber —" Delvain zögerte, seine Konzentration sich vertiefend. „Es gibt etwas Seltsames an diesem Abdruck, Chronist. Es fühlt sich nicht an wie das Echo eines vollständigen Todes. Es fühlt sich an wie —" Er suchte nach den richtigen Worten, seine geübte Präzision für einen Moment von der Fremdartigkeit dessen, was er wahrnahm, überfordert. „Wie das Echo eines Abschieds. Als würde etwas — jemand — von diesem Ort weggegangen sein, nicht durch den Tod ausgelöscht, sondern bewusst verlassen, mit einer Absicht, die ich nicht vollständig entschlüsseln kann."
Vaas kniete sich neben Delvain, seine Hand vorsichtig über denselben Staub gleitend, obwohl er wusste, dass er selbst über keine der psionischen Fähigkeiten verfügte, die seinem Begleiter solche Wahrnehmungen erlaubten. Dennoch spürte er, auf eine Weise, die er sich nicht vollständig erklären konnte, ein Gewicht in dieser Stelle, eine Bedeutungsschwere, die über bloße Einbildung hinausging — als würde die Geschichte selbst, die dieser Ort still bewahrte, ihn direkt ansehen und auf eine Antwort warten, die er noch nicht zu geben wusste.
Bevor irgendjemand auf diese beunruhigende Enthüllung reagieren konnte, durchbrach ein scharfer, metallischer Klang die Stille um sie herum — das unverkennbare Geräusch eines aktivierten Kraftfeldgenerators, gefolgt von einer Stimme, die aus dem Staub selbst zu kommen schien, verstärkt durch einen Helmvox, dessen Klangfarbe Vaas' gesamter Körper mit einer instinktiven, tief verwurzelten Alarmreaktion füllte.
„Ihr grabt in einem Grab, das nicht euch gehört", sagte die Stimme, ruhig, fast belustigt, während sich aus dem umgebenden Staub und den erodierten Strukturfragmenten mehrere Gestalten in tarnungsähnlicher, kaum wahrnehmbarer Rüstung erhoben, ihre Waffen bereits auf die kleine Gruppe von Ultramarines gerichtet. „Das ist eine Unhöflichkeit, die wir seit zehntausend Jahren nicht mehr dulden mussten. Aber vielleicht ist es Zeit, dass ihr endlich eine Antwort erhaltet, die zu lange aufgeschoben wurde."
VIII. DER HINTERHALTVIII. DER HINTERHALT
Heraclon reagierte mit der Geschwindigkeit eines Mannes, der genau für solche Momente trainiert worden war, seine Bolt-Pistole bereits gezogen, während er gleichzeitig einen scharfen, nonverbalen Befehl an seine Eskorte übermittelte, sich in eine defensivere Formation zurückzuziehen.
„Alpha Legion", sagte er, seine Stimme hart, aber kontrolliert. „Nach zehntausend Jahren immer noch hier, immer noch dieses Grab bewachend."
Vaas zählte instinktiv die sichtbaren Gestalten, die sich aus der Tarnung erhoben hatten — sieben, vielleicht acht, obwohl er wusste, dass die tatsächliche Zahl weit höher liegen konnte, verborgen in Positionen, die selbst seine geschulten Sinne nicht erfassten. Es war eine erschreckende Demonstration dessen, was es bedeutete, einer Legion zu begegnen, deren gesamte Kriegsführung auf dem Prinzip beruhte, niemals vollständig sichtbar zu sein, bis der Moment gewählt wurde, in dem Sichtbarkeit selbst zur Waffe wurde.
„Nicht das Grab, Hauptmann." Die Gestalt, die zuerst gesprochen hatte, trat vor, ihre Tarnung sich in vollere Sichtbarkeit auflösend, um eine Rüstung zu offenbaren, deren hydraköpfiges Symbol selbst nach Jahrtausenden unverkennbar war, wenn auch verwittert von unzähligen unbekannten Kampagnen. „Die Wahrheit. Und ich glaube, ihr seid endlich bereit, sie zu hören, sonst wärt ihr nicht hierhergekommen, mit einem Scriptor, der genau das sucht, was wir seit zehntausend Jahren verborgen halten."
„Wie viele seid ihr?", fragte Delvain, seine psionischen Sinne die umgebende Dunkelheit abtastend.
„Genug, um diese Unterhaltung in jede Richtung zu lenken, die wir wählen." Die Stimme trug einen Unterton, der sowohl Drohung als auch, seltsamerweise, eine Art Einladung enthielt. „Aber wir sind nicht hier, um euch zu töten, Ultramarines. Wären wir das, ihr wärt bereits tot, in dem Moment, in dem euer Schiff diese Welt betrat. Wir sind hier, weil eure Neugier, so unbequem sie für uns auch ist, endlich eine Frage stellt, die vor zehntausend Jahren hätte gestellt werden müssen."
Heraclon musterte die umstehenden Gestalten mit der Präzision eines Mannes, der ihre relative Positionierung, ihre Deckung, jede mögliche Fluchtlinie bereits automatisch erfasste, selbst inmitten der Unsicherheit des Moments. „Ihr habt uns nicht getötet, als wir landeten, obwohl ihr es offensichtlich gekonnt hättet", sagte er langsam. „Warum dieses eine Zugeständnis, nach zehntausend Jahren vollkommener Geheimhaltung?"
„Weil Geheimhaltung ihren Zweck erfüllt hat, so lange sie gebraucht wurde, Hauptmann. Aber jede Strategie hat ihre Zeit, und ich glaube, unsere Zeit der vollständigen Verborgenheit nähert sich, zumindest was Eskrador betrifft, ihrem natürlichen Ende." Die Stimme trug eine Gewissheit, die weder Arroganz noch Verzweiflung verriet, nur eine ruhige, jahrtausendealte Berechnung.
Vaas trat vor, trotz Heraclons unmittelbarer, angespannter Geste, ihn zurückzuhalten. „Wer bist du?"
Die Gestalt lachte, ein Geräusch, das durch den Helmvox verzerrt, aber dennoch unverkennbar von echter Belustigung getragen wurde. „Eine Frage, die jeder stellt, der uns begegnet, Chronist. Die Antwort ist immer dieselbe, und sie war immer dieselbe, seit zehntausend Jahren." Er richtete sich vollständig auf, seine Statur, bemerkte Vaas mit wachsender Beunruhigung, näher an der eines Primarchen als an der eines gewöhnlichen Legionärs, obwohl subtiler, weniger monumental, als es die Legenden über die Söhne des Imperators beschrieben. Um ihn herum, teils sichtbar, teils noch immer in den Schatten der erodierten Ruinen verborgen, zählte Vaas mindestens sieben weitere Gestalten, deren Waffen, obwohl gesenkt, mit einer beiläufigen Bereitschaft gehalten wurden, die keinen Zweifel daran ließ, wie schnell sich die Situation ändern könnte, sollte einer der Ultramarines eine unbedachte Bewegung machen.
„Ich bin Alpharius."
Einer der Ultramarines-Eskortbrüder, ein junger Krieger namens Aulen, der erst vor drei Jahren seine vollen Gelübde abgelegt hatte, reagierte mit der impulsiven Tapferkeit eines Mannes, der die wahre Gefahr der Situation noch nicht vollständig erfasst hatte, und stürmte mit erhobenem Kettenschwert auf die nächststehende Alpha-Legion-Gestalt zu. Er wurde innerhalb von zwei Sekunden entwaffnet, zu Boden gebracht und mit einer Klinge an der Kehle fixiert, bevor er auch nur einen einzigen Schlag hatte führen können — eine Demonstration, die weniger Grausamkeit als vielmehr eine fast beiläufige, überlegene Geduld ausstrahlte, wie ein erfahrener Lehrer, der einem ungestümen Schüler eine schmerzhafte, aber nicht tödliche Lektion erteilt.
„Lasst ihn los", befahl Heraclon scharf, seine eigene Waffe noch immer erhoben, obwohl er bereits erkannte, wie aussichtslos jeder weitere Widerstand war.
Der Kampf, der folgte, war kurz und chirurgisch präzise, eine demonstrative, aber nicht tödliche Machtdemonstration der Alpha-Legion-Krieger, die die Ultramarines-Eskorte innerhalb von Sekunden entwaffneten und umzingelten, ohne einen einzigen tödlichen Schlag zu führen — eine Zurückhaltung, die Vaas mehr beunruhigte als offene Gewalt es getan hätte, denn sie sprach von einer Kontrolle, einer Präzision, die weit über bloße taktische Überlegenheit hinausging.
„Ihr hättet uns töten können, ohne dass wir überhaupt reagieren konnten", sagte Heraclon, als er, entwaffnet, aber unverletzt, dem Anführer der Alpha-Legion-Gruppe gegenüberstand.
Der jüngste der Eskortbrüder, Aulen, dessen Waffe ihm ebenso mühelos entwunden worden war, stand mit gesenktem Kopf da, seine Wangen unter dem Helm gerötet vor Scham über die Leichtigkeit seiner eigenen Niederlage. Vaas sah, wie Heraclon ihm einen kurzen, aufmunternden Blick zuwarf — eine stille Anerkennung, dass die Lektion, so demütigend sie auch war, keine Schande trug angesichts eines Gegners von solcher Überlegenheit. Er sah zu Aulen, der sich, blass, aber unverletzt, wieder aufrappelte, seine Augen von der Erkenntnis seiner eigenen Unterlegenheit gezeichnet, eine Lektion, die er, wie Vaas vermutete, für den Rest seines Lebens nicht vergessen würde.
„Das hätten wir." Der Legionär, der sich Alpharius nannte, senkte seine eigene Waffe, eine Geste, die in ihrer Beiläufigkeit fast beleidigend wirkte angesichts der offensichtlichen Überlegenheit, die sie soeben demonstriert hatten. „Aber Tote können keine Fragen beantworten, und ich glaube, ihr habt eine Frage mitgebracht, die eine Antwort verdient — nach zehntausend Jahren des Schweigens, das selbst mir zu lang erscheint."
Heraclon reagierte mit der Geschwindigkeit eines Mannes, der genau für solche Momente trainiert worden war, seine Bolt-Pistole bereits gezogen, während er gleichzeitig einen scharfen, nonverbalen Befehl an seine Eskorte übermittelte, sich in eine defensivere Formation zurückzuziehen.
„Alpha Legion", sagte er, seine Stimme hart, aber kontrolliert. „Nach zehntausend Jahren immer noch hier, immer noch dieses Grab bewachend."
Vaas zählte instinktiv die sichtbaren Gestalten, die sich aus der Tarnung erhoben hatten — sieben, vielleicht acht, obwohl er wusste, dass die tatsächliche Zahl weit höher liegen konnte, verborgen in Positionen, die selbst seine geschulten Sinne nicht erfassten. Es war eine erschreckende Demonstration dessen, was es bedeutete, einer Legion zu begegnen, deren gesamte Kriegsführung auf dem Prinzip beruhte, niemals vollständig sichtbar zu sein, bis der Moment gewählt wurde, in dem Sichtbarkeit selbst zur Waffe wurde.
„Nicht das Grab, Hauptmann." Die Gestalt, die zuerst gesprochen hatte, trat vor, ihre Tarnung sich in vollere Sichtbarkeit auflösend, um eine Rüstung zu offenbaren, deren hydraköpfiges Symbol selbst nach Jahrtausenden unverkennbar war, wenn auch verwittert von unzähligen unbekannten Kampagnen. „Die Wahrheit. Und ich glaube, ihr seid endlich bereit, sie zu hören, sonst wärt ihr nicht hierhergekommen, mit einem Scriptor, der genau das sucht, was wir seit zehntausend Jahren verborgen halten."
„Wie viele seid ihr?", fragte Delvain, seine psionischen Sinne die umgebende Dunkelheit abtastend.
„Genug, um diese Unterhaltung in jede Richtung zu lenken, die wir wählen." Die Stimme trug einen Unterton, der sowohl Drohung als auch, seltsamerweise, eine Art Einladung enthielt. „Aber wir sind nicht hier, um euch zu töten, Ultramarines. Wären wir das, ihr wärt bereits tot, in dem Moment, in dem euer Schiff diese Welt betrat. Wir sind hier, weil eure Neugier, so unbequem sie für uns auch ist, endlich eine Frage stellt, die vor zehntausend Jahren hätte gestellt werden müssen."
Heraclon musterte die umstehenden Gestalten mit der Präzision eines Mannes, der ihre relative Positionierung, ihre Deckung, jede mögliche Fluchtlinie bereits automatisch erfasste, selbst inmitten der Unsicherheit des Moments. „Ihr habt uns nicht getötet, als wir landeten, obwohl ihr es offensichtlich gekonnt hättet", sagte er langsam. „Warum dieses eine Zugeständnis, nach zehntausend Jahren vollkommener Geheimhaltung?"
„Weil Geheimhaltung ihren Zweck erfüllt hat, so lange sie gebraucht wurde, Hauptmann. Aber jede Strategie hat ihre Zeit, und ich glaube, unsere Zeit der vollständigen Verborgenheit nähert sich, zumindest was Eskrador betrifft, ihrem natürlichen Ende." Die Stimme trug eine Gewissheit, die weder Arroganz noch Verzweiflung verriet, nur eine ruhige, jahrtausendealte Berechnung.
Vaas trat vor, trotz Heraclons unmittelbarer, angespannter Geste, ihn zurückzuhalten. „Wer bist du?"
Die Gestalt lachte, ein Geräusch, das durch den Helmvox verzerrt, aber dennoch unverkennbar von echter Belustigung getragen wurde. „Eine Frage, die jeder stellt, der uns begegnet, Chronist. Die Antwort ist immer dieselbe, und sie war immer dieselbe, seit zehntausend Jahren." Er richtete sich vollständig auf, seine Statur, bemerkte Vaas mit wachsender Beunruhigung, näher an der eines Primarchen als an der eines gewöhnlichen Legionärs, obwohl subtiler, weniger monumental, als es die Legenden über die Söhne des Imperators beschrieben. Um ihn herum, teils sichtbar, teils noch immer in den Schatten der erodierten Ruinen verborgen, zählte Vaas mindestens sieben weitere Gestalten, deren Waffen, obwohl gesenkt, mit einer beiläufigen Bereitschaft gehalten wurden, die keinen Zweifel daran ließ, wie schnell sich die Situation ändern könnte, sollte einer der Ultramarines eine unbedachte Bewegung machen.
„Ich bin Alpharius."
Einer der Ultramarines-Eskortbrüder, ein junger Krieger namens Aulen, der erst vor drei Jahren seine vollen Gelübde abgelegt hatte, reagierte mit der impulsiven Tapferkeit eines Mannes, der die wahre Gefahr der Situation noch nicht vollständig erfasst hatte, und stürmte mit erhobenem Kettenschwert auf die nächststehende Alpha-Legion-Gestalt zu. Er wurde innerhalb von zwei Sekunden entwaffnet, zu Boden gebracht und mit einer Klinge an der Kehle fixiert, bevor er auch nur einen einzigen Schlag hatte führen können — eine Demonstration, die weniger Grausamkeit als vielmehr eine fast beiläufige, überlegene Geduld ausstrahlte, wie ein erfahrener Lehrer, der einem ungestümen Schüler eine schmerzhafte, aber nicht tödliche Lektion erteilt.
„Lasst ihn los", befahl Heraclon scharf, seine eigene Waffe noch immer erhoben, obwohl er bereits erkannte, wie aussichtslos jeder weitere Widerstand war.
Der Kampf, der folgte, war kurz und chirurgisch präzise, eine demonstrative, aber nicht tödliche Machtdemonstration der Alpha-Legion-Krieger, die die Ultramarines-Eskorte innerhalb von Sekunden entwaffneten und umzingelten, ohne einen einzigen tödlichen Schlag zu führen — eine Zurückhaltung, die Vaas mehr beunruhigte als offene Gewalt es getan hätte, denn sie sprach von einer Kontrolle, einer Präzision, die weit über bloße taktische Überlegenheit hinausging.
„Ihr hättet uns töten können, ohne dass wir überhaupt reagieren konnten", sagte Heraclon, als er, entwaffnet, aber unverletzt, dem Anführer der Alpha-Legion-Gruppe gegenüberstand.
Der jüngste der Eskortbrüder, Aulen, dessen Waffe ihm ebenso mühelos entwunden worden war, stand mit gesenktem Kopf da, seine Wangen unter dem Helm gerötet vor Scham über die Leichtigkeit seiner eigenen Niederlage. Vaas sah, wie Heraclon ihm einen kurzen, aufmunternden Blick zuwarf — eine stille Anerkennung, dass die Lektion, so demütigend sie auch war, keine Schande trug angesichts eines Gegners von solcher Überlegenheit. Er sah zu Aulen, der sich, blass, aber unverletzt, wieder aufrappelte, seine Augen von der Erkenntnis seiner eigenen Unterlegenheit gezeichnet, eine Lektion, die er, wie Vaas vermutete, für den Rest seines Lebens nicht vergessen würde.
„Das hätten wir." Der Legionär, der sich Alpharius nannte, senkte seine eigene Waffe, eine Geste, die in ihrer Beiläufigkeit fast beleidigend wirkte angesichts der offensichtlichen Überlegenheit, die sie soeben demonstriert hatten. „Aber Tote können keine Fragen beantworten, und ich glaube, ihr habt eine Frage mitgebracht, die eine Antwort verdient — nach zehntausend Jahren des Schweigens, das selbst mir zu lang erscheint."
IX. DIE WAHRHEIT DES ZEUGENIX. DIE WAHRHEIT DES ZEUGEN
Sie fanden sich schließlich in einer improvisierten, aber überraschend geordneten unterirdischen Kammer wieder, tief unter der verglasten Oberfläche des ehemaligen Hydra-Nests, in einen Raum geführt von Kriegern, deren Existenz seit zehntausend Jahren ein Geheimnis geblieben war, das keine imperiale Untersuchung je aufgedeckt hatte. Die Kammer selbst war spärlich, aber funktional eingerichtet — Kommunikationsgeräte, deren Technologie Vaas' geschultem Auge fremd und dennoch fortschrittlich erschien, Regale mit Datenkernen, deren Inhalte er nur erahnen konnte, und, an einer Wand, eine große, handgezeichnete Karte der gesamten Ultramar-Region, übersät mit Markierungen, deren Bedeutung sich ihm nicht erschloss, die aber von einer jahrtausendelangen, akribischen Überwachung zeugten.
„Ihr habt also gefunden, was wir zehntausend Jahre verborgen hielten", sagte der Legionär, der sich Alpharius nannte, während er sich einer improvisierten Karte gegenübersetzte, die die gesamte Schlacht von Eskrador in einer Detailtiefe darstellte, die kein imperiales Archiv je erreicht hatte. „Ich werde euch nicht mit falscher Bescheidenheit beleidigen, Chronist. Ihr habt recht, an der offiziellen Geschichte zu zweifeln. Aber die Wahrheit, die ihr sucht, ist komplizierter, als selbst eure schlimmsten Befürchtungen vermuten lassen."
„Was geschah tatsächlich auf Eskrador?", fragte Vaas direkt.
„Guilliman tötete meinen Bruder — oder mich, je nachdem, welche Version der Geschichte du glauben möchtest, denn selbst nach zehntausend Jahren bin ich nicht bereit, diese eine, letzte Unsicherheit endgültig zu klären." Der Legionär sprach mit einer Offenheit, die Vaas nicht erwartet hatte, angesichts der jahrtausendelangen Geheimhaltung, die diese Wahrheit umgab. „Das Duell war real. Der Tod war real. Aber die Person, die starb, wusste bereits, dass sie sterben würde, lange bevor die Klinge sie durchbohrte — und akzeptierte diesen Tod nicht als Niederlage, sondern als notwendigen Schritt in einem Plan, der weit über die Grenzen dieser einen Schlacht hinausging."
„Ein Plan der Cabal", sagte Delvain, seine Stimme leise, als würde er eine alte, fast vergessene Legende aussprechen.
Der Legionär sah zu ihm, mit etwas, das wie echte Überraschung aussah. „Du kennst diesen Namen, Scriptor. Wenige außerhalb des innersten Zirkels unseres eigenen Ordens tun das." Er musterte Delvain einen Moment länger, mit einer Aufmerksamkeit, die über bloße Neugier hinauszugehen schien. „Woher kennst du diesen Namen, wenn ich fragen darf? Er ist nicht in irgendeiner öffentlich zugänglichen Chronik verzeichnet, die ich kenne."
„Fragmente", sagte Delvain vorsichtig. „Verstreute Hinweise in alten Interrogationsberichten, die ich im Laufe meiner Ausbildung studierte. Ich habe nie die vollständige Bedeutung verstanden, bis heute."
„Dann bist du gründlicher, als die meisten deines Ranges, Scriptor." Der Legionär wandte sich wieder Vaas zu. Er nickte langsam. „Ja. Ein Teil dessen, was uns durch jene xenische Allianz vor der Häresie offenbart wurde, verlangte, dass wir Opfer brachten, die keiner unserer Brüder in anderen Orden je vollständig verstehen würde — Opfer, die manchmal bedeuteten, den eigenen Tod zu inszenieren, um Freiheit zu gewinnen, die kein lebender Primarch je hätte beanspruchen können, unter der ständigen Beobachtung von Freund und Feind gleichermaßen."
„Und ihr habt zehntausend Jahre lang gewusst, dass eure Doktrin, eure gesamte öffentliche Identität als Chaos-Anhänger, eine Lüge war, gebaut auf einem Fundament, das keiner von euch je vollständig aussprechen durfte?", fragte Heraclon, seine Stimme eine Mischung aus Unglauben und widerwilligem Respekt.
„Nicht ganz eine Lüge, Hauptmann. Manche unserer Brüder haben sich tatsächlich den Ruinösen Mächten verschrieben, in echtem Glauben, in echter Korruption, so wie es jede andere Legion getan hat, die dem Warmaster folgte. Wir sind keine Ausnahme von dieser Wahrheit, so sehr wir sie auch für unsere eigenen Zwecke nutzen. Aber ein bedeutender Kern unserer Legion — ein Kern, dessen genaue Größe selbst ich nicht mit Sicherheit kenne — hat diese Zugehörigkeit stets als Werkzeug behandelt, nicht als Glaubensbekenntnis."
„Du sagst, dass einer von euch — Alpharius oder Omegon — seinen eigenen Tod inszenierte, um sich der imperialen Aufmerksamkeit zu entziehen", sagte Heraclon, die Implikationen zusammensetzend.
„Ich sage, dass die Wahrheit komplizierter ist als reine Inszenierung." Der Legionär stand auf, seine Bewegungen mit einer bedächtigen Würde, die Vaas trotz allem, was er über die Legion gehört hatte, respektabel fand. „Mein Bruder starb tatsächlich, an jenem Tag, auf Eskrador, durch die Hand eures Primarchen. Das ist keine Lüge. Was eure Chronisten nie verstanden, ist, dass sein Tod eine Entscheidung war, die er selbst traf, lange bevor die Schlacht begann — ein letztes, notwendiges Opfer, um dem Rest der Legion zu erlauben, ohne die Last eines lebenden, jagbaren Primarchen zu operieren, während der überlebende Zwilling die eigentliche, langfristige Arbeit fortsetzte, die wir vor der Häresie begonnen hatten."
„Welche Arbeit?", fragte Vaas.
„Eine Arbeit, die weder euer Primarch noch die meisten unserer eigenen Brüder je vollständig verstehen würden, selbst wenn wir sie in aller Ausführlichkeit erklären könnten." Der Legionär trat zur handgezeichneten Karte an der Wand, seine Hand über die unzähligen Markierungen gleitend, die Vaas zuvor bemerkt, aber nicht entschlüsselt hatte. „Jede dieser Markierungen repräsentiert eine Intervention, eine stille Verschiebung, eine Katastrophe, die verhindert wurde, oder manchmal, so schwer es zu akzeptieren sein mag, eine Katastrophe, die wir bewusst zuließen, weil ihre Verhinderung ein noch größeres Unglück nach sich gezogen hätte. Zehntausend Jahre lang haben wir gearbeitet, im Verborgenen, ohne Dank, ohne Anerkennung, oft unter dem Deckmantel derselben Verräter-Bezeichnung, die uns eure Chroniken zuschreiben, weil diese Tarnung uns die Freiheit gab, zu handeln, wo loyale Diener des Imperiums durch Bürokratie, Dogma und Angst gelähmt gewesen wären."
„Das klingt nach einer bequemen Rechtfertigung für zehntausend Jahre Chaos-Zugehörigkeit", sagte Heraclon skeptisch.
„Es ist keine Rechtfertigung, Hauptmann. Es ist eine Erklärung, die ihr nehmen oder verwerfen könnt, wie es euch beliebt." Der Legionär wandte sich wieder zu ihnen, seine Stimme unverändert ruhig. „Ich erwarte nicht, dass ihr uns vertraut. Vertrauen war nie das Ziel unserer Existenz. Nur Überleben — das eurer Spezies, nicht notwendigerweise das unserer eigenen Ehre."
„Die Arbeit, diese Galaxie am Leben zu erhalten, so lange wie möglich, ungeachtet der Kosten für unsere eigene Ehre, unseren eigenen Seelenfrieden." Der Legionär sah direkt zu Vaas, seine Augen unter dem Helm nicht sichtbar, aber seine Stimme trug ein Gewicht, das keine Täuschung zuzulassen schien. „Ihr werdet diese Antwort nicht vollständig verstehen, nicht heute, vielleicht nie. Aber wisst dies, wenn ihr zu eurem Primarchen zurückkehrt: Der Mann, den er auf Eskrador tötete, starb nicht als Feind, der besiegt wurde. Er starb als ein Bruder, der eine letzte, notwendige Entscheidung traf, für einen Zweck, der größer war als sein eigenes Überleben."
Sie fanden sich schließlich in einer improvisierten, aber überraschend geordneten unterirdischen Kammer wieder, tief unter der verglasten Oberfläche des ehemaligen Hydra-Nests, in einen Raum geführt von Kriegern, deren Existenz seit zehntausend Jahren ein Geheimnis geblieben war, das keine imperiale Untersuchung je aufgedeckt hatte. Die Kammer selbst war spärlich, aber funktional eingerichtet — Kommunikationsgeräte, deren Technologie Vaas' geschultem Auge fremd und dennoch fortschrittlich erschien, Regale mit Datenkernen, deren Inhalte er nur erahnen konnte, und, an einer Wand, eine große, handgezeichnete Karte der gesamten Ultramar-Region, übersät mit Markierungen, deren Bedeutung sich ihm nicht erschloss, die aber von einer jahrtausendelangen, akribischen Überwachung zeugten.
„Ihr habt also gefunden, was wir zehntausend Jahre verborgen hielten", sagte der Legionär, der sich Alpharius nannte, während er sich einer improvisierten Karte gegenübersetzte, die die gesamte Schlacht von Eskrador in einer Detailtiefe darstellte, die kein imperiales Archiv je erreicht hatte. „Ich werde euch nicht mit falscher Bescheidenheit beleidigen, Chronist. Ihr habt recht, an der offiziellen Geschichte zu zweifeln. Aber die Wahrheit, die ihr sucht, ist komplizierter, als selbst eure schlimmsten Befürchtungen vermuten lassen."
„Was geschah tatsächlich auf Eskrador?", fragte Vaas direkt.
„Guilliman tötete meinen Bruder — oder mich, je nachdem, welche Version der Geschichte du glauben möchtest, denn selbst nach zehntausend Jahren bin ich nicht bereit, diese eine, letzte Unsicherheit endgültig zu klären." Der Legionär sprach mit einer Offenheit, die Vaas nicht erwartet hatte, angesichts der jahrtausendelangen Geheimhaltung, die diese Wahrheit umgab. „Das Duell war real. Der Tod war real. Aber die Person, die starb, wusste bereits, dass sie sterben würde, lange bevor die Klinge sie durchbohrte — und akzeptierte diesen Tod nicht als Niederlage, sondern als notwendigen Schritt in einem Plan, der weit über die Grenzen dieser einen Schlacht hinausging."
„Ein Plan der Cabal", sagte Delvain, seine Stimme leise, als würde er eine alte, fast vergessene Legende aussprechen.
Der Legionär sah zu ihm, mit etwas, das wie echte Überraschung aussah. „Du kennst diesen Namen, Scriptor. Wenige außerhalb des innersten Zirkels unseres eigenen Ordens tun das." Er musterte Delvain einen Moment länger, mit einer Aufmerksamkeit, die über bloße Neugier hinauszugehen schien. „Woher kennst du diesen Namen, wenn ich fragen darf? Er ist nicht in irgendeiner öffentlich zugänglichen Chronik verzeichnet, die ich kenne."
„Fragmente", sagte Delvain vorsichtig. „Verstreute Hinweise in alten Interrogationsberichten, die ich im Laufe meiner Ausbildung studierte. Ich habe nie die vollständige Bedeutung verstanden, bis heute."
„Dann bist du gründlicher, als die meisten deines Ranges, Scriptor." Der Legionär wandte sich wieder Vaas zu. Er nickte langsam. „Ja. Ein Teil dessen, was uns durch jene xenische Allianz vor der Häresie offenbart wurde, verlangte, dass wir Opfer brachten, die keiner unserer Brüder in anderen Orden je vollständig verstehen würde — Opfer, die manchmal bedeuteten, den eigenen Tod zu inszenieren, um Freiheit zu gewinnen, die kein lebender Primarch je hätte beanspruchen können, unter der ständigen Beobachtung von Freund und Feind gleichermaßen."
„Und ihr habt zehntausend Jahre lang gewusst, dass eure Doktrin, eure gesamte öffentliche Identität als Chaos-Anhänger, eine Lüge war, gebaut auf einem Fundament, das keiner von euch je vollständig aussprechen durfte?", fragte Heraclon, seine Stimme eine Mischung aus Unglauben und widerwilligem Respekt.
„Nicht ganz eine Lüge, Hauptmann. Manche unserer Brüder haben sich tatsächlich den Ruinösen Mächten verschrieben, in echtem Glauben, in echter Korruption, so wie es jede andere Legion getan hat, die dem Warmaster folgte. Wir sind keine Ausnahme von dieser Wahrheit, so sehr wir sie auch für unsere eigenen Zwecke nutzen. Aber ein bedeutender Kern unserer Legion — ein Kern, dessen genaue Größe selbst ich nicht mit Sicherheit kenne — hat diese Zugehörigkeit stets als Werkzeug behandelt, nicht als Glaubensbekenntnis."
„Du sagst, dass einer von euch — Alpharius oder Omegon — seinen eigenen Tod inszenierte, um sich der imperialen Aufmerksamkeit zu entziehen", sagte Heraclon, die Implikationen zusammensetzend.
„Ich sage, dass die Wahrheit komplizierter ist als reine Inszenierung." Der Legionär stand auf, seine Bewegungen mit einer bedächtigen Würde, die Vaas trotz allem, was er über die Legion gehört hatte, respektabel fand. „Mein Bruder starb tatsächlich, an jenem Tag, auf Eskrador, durch die Hand eures Primarchen. Das ist keine Lüge. Was eure Chronisten nie verstanden, ist, dass sein Tod eine Entscheidung war, die er selbst traf, lange bevor die Schlacht begann — ein letztes, notwendiges Opfer, um dem Rest der Legion zu erlauben, ohne die Last eines lebenden, jagbaren Primarchen zu operieren, während der überlebende Zwilling die eigentliche, langfristige Arbeit fortsetzte, die wir vor der Häresie begonnen hatten."
„Welche Arbeit?", fragte Vaas.
„Eine Arbeit, die weder euer Primarch noch die meisten unserer eigenen Brüder je vollständig verstehen würden, selbst wenn wir sie in aller Ausführlichkeit erklären könnten." Der Legionär trat zur handgezeichneten Karte an der Wand, seine Hand über die unzähligen Markierungen gleitend, die Vaas zuvor bemerkt, aber nicht entschlüsselt hatte. „Jede dieser Markierungen repräsentiert eine Intervention, eine stille Verschiebung, eine Katastrophe, die verhindert wurde, oder manchmal, so schwer es zu akzeptieren sein mag, eine Katastrophe, die wir bewusst zuließen, weil ihre Verhinderung ein noch größeres Unglück nach sich gezogen hätte. Zehntausend Jahre lang haben wir gearbeitet, im Verborgenen, ohne Dank, ohne Anerkennung, oft unter dem Deckmantel derselben Verräter-Bezeichnung, die uns eure Chroniken zuschreiben, weil diese Tarnung uns die Freiheit gab, zu handeln, wo loyale Diener des Imperiums durch Bürokratie, Dogma und Angst gelähmt gewesen wären."
„Das klingt nach einer bequemen Rechtfertigung für zehntausend Jahre Chaos-Zugehörigkeit", sagte Heraclon skeptisch.
„Es ist keine Rechtfertigung, Hauptmann. Es ist eine Erklärung, die ihr nehmen oder verwerfen könnt, wie es euch beliebt." Der Legionär wandte sich wieder zu ihnen, seine Stimme unverändert ruhig. „Ich erwarte nicht, dass ihr uns vertraut. Vertrauen war nie das Ziel unserer Existenz. Nur Überleben — das eurer Spezies, nicht notwendigerweise das unserer eigenen Ehre."
„Die Arbeit, diese Galaxie am Leben zu erhalten, so lange wie möglich, ungeachtet der Kosten für unsere eigene Ehre, unseren eigenen Seelenfrieden." Der Legionär sah direkt zu Vaas, seine Augen unter dem Helm nicht sichtbar, aber seine Stimme trug ein Gewicht, das keine Täuschung zuzulassen schien. „Ihr werdet diese Antwort nicht vollständig verstehen, nicht heute, vielleicht nie. Aber wisst dies, wenn ihr zu eurem Primarchen zurückkehrt: Der Mann, den er auf Eskrador tötete, starb nicht als Feind, der besiegt wurde. Er starb als ein Bruder, der eine letzte, notwendige Entscheidung traf, für einen Zweck, der größer war als sein eigenes Überleben."
X. DIE ENTSCHEIDUNG DES CHRONISTENX. DIE ENTSCHEIDUNG DES CHRONISTEN
Delvain, der bisher überwiegend geschwiegen hatte, seine psionischen Sinne weiterhin die Kammer und ihre Bewohner abtastend, stellte schließlich eine Frage, die weder Vaas noch Heraclon zu stellen gewagt hatten. „Wenn du wirklich die Wahrheit sagst, wenn eure Legion tatsächlich seit zehntausend Jahren im Verborgenen für das Überleben der Menschheit arbeitet — warum diese Offenheit jetzt, nach so langer Zeit? Was hat sich verändert, dass ihr bereit seid, auch nur diesen Bruchteil eurer Geheimnisse preiszugeben?"
Der Legionär wandte sich zu ihm, und für einen Moment glaubte Vaas, in seiner Haltung etwas zu erkennen, das über die zuvor demonstrierte Kontrolle hinausging — eine Art vorsichtiger, kalkulierter Hoffnung. „Weil euer Primarch lebt, Scriptor. Zehntausend Jahre lang haben wir für eine Zukunft gearbeitet, die wir selbst nie vollständig verstanden, geleitet von einer Prophezeiung, die uns nur Bruchstücke offenbarte. Jetzt, da einer der mächtigsten Söhne des Imperators zurückgekehrt ist, um diese Galaxie zu führen, verändert sich die Gleichung. Vielleicht ist es Zeit, dass zumindest ein Teil der Wahrheit ans Licht kommt — nicht, weil wir es wollen, sondern weil die Umstände es erfordern."
Delvain, der bisher hauptsächlich seine psionischen Sinne genutzt hatte, um die Wahrhaftigkeit der Aussagen des Legionärs zu prüfen, meldete sich schließlich zu Wort, seine Stimme von einer vorsichtigen, aber echten Überzeugung getragen. „Ich kann nicht mit absoluter Gewissheit sagen, dass jedes Wort, das wir gehört haben, wahr ist. Aber ich kann sagen, dass ich keine Anzeichen bewusster Täuschung in den emotionalen Untertönen seiner Worte finde — was, bei einem Mitglied dieser Legion, an sich schon bemerkenswert ist."
„Das beruhigt mich nicht so sehr, wie du es vielleicht beabsichtigst, Scriptor", sagte Heraclon trocken. „Eine Legion, die für ihre Fähigkeit berühmt ist, selbst psionische Detektion zu täuschen, könnte genau das inszenieren, was du gerade als Zeichen der Aufrichtigkeit interpretierst."
„Das ist wahr", gab Delvain zu. „Aber irgendwann, Hauptmann, müssen wir eine Entscheidung treffen, ob wir überhaupt in der Lage sind, dieser Legion zu vertrauen, in irgendeinem Ausmaß, oder ob wir jede Interaktion mit ihr als grundsätzlich unmöglich zu verifizieren betrachten. Diese zweite Haltung würde bedeuten, dass wir nie irgendetwas über sie lernen können, ungeachtet dessen, wie viele weitere Begegnungen wir suchen."
Vaas, der dem Austausch mit wachsender innerer Zerrissenheit gefolgt war, fand schließlich seine eigene Stimme wieder. „Ich möchte eine letzte Frage stellen, bevor wir diese Kammer verlassen", sagte er, sich direkt an den Legionär wendend. „Wenn dein Bruder — oder du selbst, je nachdem, welche Version wahr ist — auf Eskrador starb, um Freiheit für die restliche Legion zu erkaufen, was genau tat diese Freiheit ermöglichen, das nicht auch unter der Last eines lebenden, bekannten Primarchen möglich gewesen wäre?"
Der Legionär betrachtete Vaas lange, mit einer Aufmerksamkeit, die die Bedeutsamkeit der Frage anzuerkennen schien. „Eine gute Frage, Chronist, vielleicht die beste, die du bisher gestellt hast." Er schwieg einen Moment, als würde er abwägen, wie viel er preisgeben konnte, ohne zu weit zu gehen. „Ein lebender, bekannter Primarch ist ein Ziel — für Attentäter, für rivalisierende Chaos-Mächte, für jeden, der glaubt, dass seine Beseitigung ihm einen strategischen Vorteil verschaffen würde. Ein toter Primarch, dessen Tod öffentlich bezeugt und akzeptiert wurde, ist unsichtbar. Er kann Dinge tun, Orte besuchen, Allianzen schmieden, die einem lebenden, gejagten Ziel für immer verschlossen geblieben wären."
Der Legionär bot keine weiteren Details an, egal wie sehr Vaas und Heraclon in den folgenden Stunden ihrer Unterredung insistierten — eine Zurückhaltung, die selbst inmitten seiner überraschenden Offenheit über die Grundwahrheit der Schlacht bestehen blieb.
„Ich habe euch mehr gesagt, als irgendjemand außerhalb unseres eigenen Ordens in zehntausend Jahren erfahren hat", sagte er schließlich, als die Sonne von Eskrador — kalt und fern, wie jedes Detail dieser verlassenen Welt — sich dem Horizont näherte. „Mehr zu sagen würde bedeuten, Geheimnisse zu offenbaren, die nicht allein meine eigenen sind, sondern die einer Legion gehören, deren gesamte Existenz auf der Prämisse beruht, dass ihre wahren Absichten niemals vollständig bekannt werden dürfen — nicht aus Bosheit, sondern weil das Wissen selbst, in den falschen Händen, mehr Schaden anrichten könnte als jede Lüge, die wir bisher aufrechterhalten haben."
„Was sollen wir unserem Primarchen sagen?", fragte Heraclon, seine Stimme schwer mit der Last der Entscheidung, die vor ihnen lag.
„Das", sagte der Legionär, „ist eine Frage, die ich euch nicht beantworten kann, und die ich auch nicht beantworten sollte. Das ist die Last eures eigenen Amtes, Chronist, Hauptmann — nicht meines." Er wandte sich zum Gehen, seine Gestalt sich bereits in den Schatten der umgebenden Ruinen auflösend, mit derselben lautlosen Präzision, mit der er erschienen war. „Aber ich werde euch dies sagen, bevor ich gehe: Wahrheit, die man nicht bereit ist, vollständig zu tragen, ist manchmal gefährlicher als eine Lüge, die man bewusst wählt zu leben. Denkt darüber nach, bevor ihr entscheidet, was ihr eurem Primarchen berichtet."
Er verschwand, gemeinsam mit seiner gesamten Eskorte, mit einer Geschwindigkeit und Lautlosigkeit, die selbst Delvains geschulte psionische Sinne nicht vollständig verfolgen konnten, und ließ die drei Ultramarines allein zurück, in der wachsenden Dunkelheit eines Planeten, dessen Geheimnisse sich als weitaus komplizierter erwiesen hatten, als jeder von ihnen bei Beginn dieser Reise erwartet hatte.
„Glaubst du ihm?", fragte Heraclon schließlich, während sie zu ihrem wartenden Shuttle zurückkehrten.
„Ich glaube, dass er die Wahrheit sagte, so wie er sie versteht", sagte Vaas langsam. „Ich glaube nicht, dass er uns die vollständige Wahrheit gab — nur genug, um unsere unmittelbare Neugier zu befriedigen, ohne die tieferen Geheimnisse seiner Legion zu gefährden. Das ist, wie ich inzwischen verstehe, die einzige Art von Wahrheit, die die Alpha Legion je gibt."
„Und was berichten wir dem Primarchen?"
„Wir könnten auch entscheiden, gar nichts zu berichten", sagte Heraclon, die Möglichkeit vorsichtig aussprechend, als würde er sie selbst noch prüfen, während er sie formulierte. „Wir könnten diese gesamte Reise als das behandeln, was sie in den Augen des Ordensrates ohnehin bereits ist — eine private, inoffizielle Untersuchung, deren Ergebnisse wir für uns behalten, bis wir vollständige Gewissheit haben, nicht nur Bruchstücke einer möglicherweise unvollständigen Wahrheit."
„Das wäre die vorsichtigere Wahl", stimmte Vaas zu. „Aber ich glaube nicht, dass es die richtige ist. Nicht, weil ich mir sicher bin, was die richtige Wahl ist — sondern weil ich glaube, dass die Entscheidung, was mit dieser Wahrheit geschehen soll, nicht bei uns beiden allein liegen sollte. Wir haben eine Verantwortung, sie weiterzugeben, an jene, die die Autorität haben, endgültig darüber zu urteilen, selbst wenn wir selbst nicht wissen, was diese Autorität mit ihr tun wird."
Vaas schwieg lange, seine Gedanken zwischen seiner Pflicht als Chronist — der Wahrheit verpflichtet, ungeachtet ihrer Konsequenzen — und einem neuen, unerwarteten Mitgefühl für die Last, die diese Wahrheit einem Mann auferlegen würde, der bereits mehr trug, als irgendjemand billigerweise tragen sollte, hin- und hergerissen.
„Die Wahrheit", sagte er schließlich. „Aber nicht die vollständige Version, die wir selbst nicht besitzen. Wir werden ihm sagen, was wir wissen, was wir vermuten, und was wir nicht wissen — und ihm die Entscheidung überlassen, was er mit dieser Unsicherheit tun möchte. Das ist alles, was ich als Chronist anbieten kann, Hauptmann. Nicht Gewissheit. Nur die ehrlichste Annäherung an sie, die ich finden konnte."
Delvain, der bisher überwiegend geschwiegen hatte, seine psionischen Sinne weiterhin die Kammer und ihre Bewohner abtastend, stellte schließlich eine Frage, die weder Vaas noch Heraclon zu stellen gewagt hatten. „Wenn du wirklich die Wahrheit sagst, wenn eure Legion tatsächlich seit zehntausend Jahren im Verborgenen für das Überleben der Menschheit arbeitet — warum diese Offenheit jetzt, nach so langer Zeit? Was hat sich verändert, dass ihr bereit seid, auch nur diesen Bruchteil eurer Geheimnisse preiszugeben?"
Der Legionär wandte sich zu ihm, und für einen Moment glaubte Vaas, in seiner Haltung etwas zu erkennen, das über die zuvor demonstrierte Kontrolle hinausging — eine Art vorsichtiger, kalkulierter Hoffnung. „Weil euer Primarch lebt, Scriptor. Zehntausend Jahre lang haben wir für eine Zukunft gearbeitet, die wir selbst nie vollständig verstanden, geleitet von einer Prophezeiung, die uns nur Bruchstücke offenbarte. Jetzt, da einer der mächtigsten Söhne des Imperators zurückgekehrt ist, um diese Galaxie zu führen, verändert sich die Gleichung. Vielleicht ist es Zeit, dass zumindest ein Teil der Wahrheit ans Licht kommt — nicht, weil wir es wollen, sondern weil die Umstände es erfordern."
Delvain, der bisher hauptsächlich seine psionischen Sinne genutzt hatte, um die Wahrhaftigkeit der Aussagen des Legionärs zu prüfen, meldete sich schließlich zu Wort, seine Stimme von einer vorsichtigen, aber echten Überzeugung getragen. „Ich kann nicht mit absoluter Gewissheit sagen, dass jedes Wort, das wir gehört haben, wahr ist. Aber ich kann sagen, dass ich keine Anzeichen bewusster Täuschung in den emotionalen Untertönen seiner Worte finde — was, bei einem Mitglied dieser Legion, an sich schon bemerkenswert ist."
„Das beruhigt mich nicht so sehr, wie du es vielleicht beabsichtigst, Scriptor", sagte Heraclon trocken. „Eine Legion, die für ihre Fähigkeit berühmt ist, selbst psionische Detektion zu täuschen, könnte genau das inszenieren, was du gerade als Zeichen der Aufrichtigkeit interpretierst."
„Das ist wahr", gab Delvain zu. „Aber irgendwann, Hauptmann, müssen wir eine Entscheidung treffen, ob wir überhaupt in der Lage sind, dieser Legion zu vertrauen, in irgendeinem Ausmaß, oder ob wir jede Interaktion mit ihr als grundsätzlich unmöglich zu verifizieren betrachten. Diese zweite Haltung würde bedeuten, dass wir nie irgendetwas über sie lernen können, ungeachtet dessen, wie viele weitere Begegnungen wir suchen."
Vaas, der dem Austausch mit wachsender innerer Zerrissenheit gefolgt war, fand schließlich seine eigene Stimme wieder. „Ich möchte eine letzte Frage stellen, bevor wir diese Kammer verlassen", sagte er, sich direkt an den Legionär wendend. „Wenn dein Bruder — oder du selbst, je nachdem, welche Version wahr ist — auf Eskrador starb, um Freiheit für die restliche Legion zu erkaufen, was genau tat diese Freiheit ermöglichen, das nicht auch unter der Last eines lebenden, bekannten Primarchen möglich gewesen wäre?"
Der Legionär betrachtete Vaas lange, mit einer Aufmerksamkeit, die die Bedeutsamkeit der Frage anzuerkennen schien. „Eine gute Frage, Chronist, vielleicht die beste, die du bisher gestellt hast." Er schwieg einen Moment, als würde er abwägen, wie viel er preisgeben konnte, ohne zu weit zu gehen. „Ein lebender, bekannter Primarch ist ein Ziel — für Attentäter, für rivalisierende Chaos-Mächte, für jeden, der glaubt, dass seine Beseitigung ihm einen strategischen Vorteil verschaffen würde. Ein toter Primarch, dessen Tod öffentlich bezeugt und akzeptiert wurde, ist unsichtbar. Er kann Dinge tun, Orte besuchen, Allianzen schmieden, die einem lebenden, gejagten Ziel für immer verschlossen geblieben wären."
Der Legionär bot keine weiteren Details an, egal wie sehr Vaas und Heraclon in den folgenden Stunden ihrer Unterredung insistierten — eine Zurückhaltung, die selbst inmitten seiner überraschenden Offenheit über die Grundwahrheit der Schlacht bestehen blieb.
„Ich habe euch mehr gesagt, als irgendjemand außerhalb unseres eigenen Ordens in zehntausend Jahren erfahren hat", sagte er schließlich, als die Sonne von Eskrador — kalt und fern, wie jedes Detail dieser verlassenen Welt — sich dem Horizont näherte. „Mehr zu sagen würde bedeuten, Geheimnisse zu offenbaren, die nicht allein meine eigenen sind, sondern die einer Legion gehören, deren gesamte Existenz auf der Prämisse beruht, dass ihre wahren Absichten niemals vollständig bekannt werden dürfen — nicht aus Bosheit, sondern weil das Wissen selbst, in den falschen Händen, mehr Schaden anrichten könnte als jede Lüge, die wir bisher aufrechterhalten haben."
„Was sollen wir unserem Primarchen sagen?", fragte Heraclon, seine Stimme schwer mit der Last der Entscheidung, die vor ihnen lag.
„Das", sagte der Legionär, „ist eine Frage, die ich euch nicht beantworten kann, und die ich auch nicht beantworten sollte. Das ist die Last eures eigenen Amtes, Chronist, Hauptmann — nicht meines." Er wandte sich zum Gehen, seine Gestalt sich bereits in den Schatten der umgebenden Ruinen auflösend, mit derselben lautlosen Präzision, mit der er erschienen war. „Aber ich werde euch dies sagen, bevor ich gehe: Wahrheit, die man nicht bereit ist, vollständig zu tragen, ist manchmal gefährlicher als eine Lüge, die man bewusst wählt zu leben. Denkt darüber nach, bevor ihr entscheidet, was ihr eurem Primarchen berichtet."
Er verschwand, gemeinsam mit seiner gesamten Eskorte, mit einer Geschwindigkeit und Lautlosigkeit, die selbst Delvains geschulte psionische Sinne nicht vollständig verfolgen konnten, und ließ die drei Ultramarines allein zurück, in der wachsenden Dunkelheit eines Planeten, dessen Geheimnisse sich als weitaus komplizierter erwiesen hatten, als jeder von ihnen bei Beginn dieser Reise erwartet hatte.
„Glaubst du ihm?", fragte Heraclon schließlich, während sie zu ihrem wartenden Shuttle zurückkehrten.
„Ich glaube, dass er die Wahrheit sagte, so wie er sie versteht", sagte Vaas langsam. „Ich glaube nicht, dass er uns die vollständige Wahrheit gab — nur genug, um unsere unmittelbare Neugier zu befriedigen, ohne die tieferen Geheimnisse seiner Legion zu gefährden. Das ist, wie ich inzwischen verstehe, die einzige Art von Wahrheit, die die Alpha Legion je gibt."
„Und was berichten wir dem Primarchen?"
„Wir könnten auch entscheiden, gar nichts zu berichten", sagte Heraclon, die Möglichkeit vorsichtig aussprechend, als würde er sie selbst noch prüfen, während er sie formulierte. „Wir könnten diese gesamte Reise als das behandeln, was sie in den Augen des Ordensrates ohnehin bereits ist — eine private, inoffizielle Untersuchung, deren Ergebnisse wir für uns behalten, bis wir vollständige Gewissheit haben, nicht nur Bruchstücke einer möglicherweise unvollständigen Wahrheit."
„Das wäre die vorsichtigere Wahl", stimmte Vaas zu. „Aber ich glaube nicht, dass es die richtige ist. Nicht, weil ich mir sicher bin, was die richtige Wahl ist — sondern weil ich glaube, dass die Entscheidung, was mit dieser Wahrheit geschehen soll, nicht bei uns beiden allein liegen sollte. Wir haben eine Verantwortung, sie weiterzugeben, an jene, die die Autorität haben, endgültig darüber zu urteilen, selbst wenn wir selbst nicht wissen, was diese Autorität mit ihr tun wird."
Vaas schwieg lange, seine Gedanken zwischen seiner Pflicht als Chronist — der Wahrheit verpflichtet, ungeachtet ihrer Konsequenzen — und einem neuen, unerwarteten Mitgefühl für die Last, die diese Wahrheit einem Mann auferlegen würde, der bereits mehr trug, als irgendjemand billigerweise tragen sollte, hin- und hergerissen.
„Die Wahrheit", sagte er schließlich. „Aber nicht die vollständige Version, die wir selbst nicht besitzen. Wir werden ihm sagen, was wir wissen, was wir vermuten, und was wir nicht wissen — und ihm die Entscheidung überlassen, was er mit dieser Unsicherheit tun möchte. Das ist alles, was ich als Chronist anbieten kann, Hauptmann. Nicht Gewissheit. Nur die ehrlichste Annäherung an sie, die ich finden konnte."
XI. WAS GUILLIMAN NICHT WEISSXI. WAS GUILLIMAN NICHT WEISS
Sie kehrten neun Tage später nach Macragge zurück, und der Bericht, den Vaas schließlich verfasste — sorgfältig, ausgewogen, ohne die Spekulationen zu verschweigen, aber auch ohne sie als endgültige Tatsachen darzustellen — wurde nicht direkt an den Primarchen selbst übermittelt, sondern, auf Heraclons vorsichtigen Rat hin, zunächst an den Obersten Chronisten, dessen jahrhundertelange Erfahrung im Umgang mit sensiblen historischen Erkenntnissen eine zusätzliche Ebene der Prüfung bot, bevor eine Entscheidung über die endgültige Offenlegung getroffen wurde.
„Der Primarch wird informiert werden, wenn der Oberste Chronist es für angemessen hält", sagte Heraclon, als sie den Bericht gemeinsam ein letztes Mal durchgingen, bevor er übermittelt wurde. „Das ist keine Feigheit, Vaas. Das ist die Anerkennung, dass manche Wahrheiten mit größerer Sorgfalt behandelt werden müssen, als eine einzelne Entdeckung sie leisten kann."
„Ich verstehe das", sagte Vaas, obwohl ein Teil von ihm — der Teil, der vierzig Jahre lang gelernt hatte, dass Wahrheit keine Verzögerung verdiente — sich noch immer gegen diese vorsichtige, institutionelle Zurückhaltung sträubte.
In den Wochen, die folgten, hörte Vaas nichts Offizielles über das Schicksal seines Berichts — ob er den Primarchen tatsächlich erreicht hatte, ob Guilliman von der Möglichkeit erfuhr, dass sein alter Feind, in welcher Form auch immer, die zehntausend Jahre seit Eskrador überdauert hatte. Er beobachtete, in dieser Zeit der Ungewissheit, seine eigenen Vorgesetzten mit einer neuen, wachsamen Aufmerksamkeit — suchte nach Anzeichen, dass sein Bericht ernst genommen worden war, nach subtilen Veränderungen im Verhalten des Obersten Chronisten, der ihm gegenüber weiterhin dieselbe professionelle, undurchdringliche Höflichkeit zeigte, die er vor der Übermittlung des Berichts gezeigt hatte. Einmal, in einem beiläufigen Korridorgespräch, glaubte er, einen kurzen, prüfenden Blick des alten Chronisten aufzufangen, der länger dauerte, als eine gewöhnliche Begegnung gerechtfertigt hätte — aber der Moment verging so schnell, dass Vaas sich nicht sicher sein konnte, ob er nicht einfach seine eigene Anspannung in eine Geste hineinprojizierte, die nichts weiter bedeutete. Er kehrte zu seinen gewöhnlichen Pflichten im Index Athanaeum zurück, das Gewicht dessen, was er entdeckt hatte, still mit sich tragend, während er weiterhin die Chroniken pflegte, die nun, wie er wusste, niemals vollständig die Wahrheit enthalten würden, die er selbst kannte. Es war eine seltsame, isolierende Erfahrung, Tag für Tag dieselben Chroniken zu pflegen, dieselben jungen Aspiranten zu unterrichten, die noch immer die alte, unvollständige Version der Geschichte von Eskrador als unumstößliche Wahrheit aufnahmen, während er selbst wusste, wie brüchig dieses Fundament tatsächlich war. Er fragte sich manchmal, in den stillen Stunden zwischen seinen offiziellen Pflichten, wie viele andere Chronisten vor ihm ähnliche Zweifel gehegt, aber nie den Mut gefunden hatten, ihnen nachzugehen — und wie viele weitere unbequeme Wahrheiten, verborgen in den Tiefen des Index Athanaeum, noch auf einen ähnlich hartnäckigen Nachfolger warteten.
Es war Delvain, der ihn schließlich, drei Monate nach ihrer Rückkehr, mit einer neuen, ungewöhnlichen Nachricht aufsuchte — eine verschlüsselte Übertragung, die den Legionären zugeschrieben wurde, dem sie auf Eskrador begegnet waren, adressiert direkt an Vaas, in einer Form, die nur ein Scriptor mit Delvains Fähigkeiten hatte entschlüsseln können.
„Er hat uns eine weitere Spur hinterlassen", sagte Delvain, seine Stimme von einer Mischung aus Vorsicht und Faszination geprägt. „Koordinaten, zu einem System, das ich nicht kenne, begleitet von einer einzigen Nachricht: 'Wenn ihr weiter suchen wollt, wenn ihr bereit seid, zu verstehen, was wir wirklich zu schützen versuchen, dann sucht dort. Aber seid gewarnt — was ihr findet, wird euch nicht die Gewissheit geben, die ihr sucht. Nur mehr Fragen, würdiger, gestellt zu werden.'"
Vaas nahm die Koordinaten mit einer wachsenden, unruhigen Entschlossenheit entgegen, während er sich fragte, ob diese neue Spur ihn näher an eine endgültige Wahrheit über die Alpha Legion bringen würde — oder ob er, wie schon einmal, nur eine weitere Schicht einer Täuschung entdecken würde, die tiefer ging, als irgendjemand außerhalb der Legion selbst je vollständig verstehen könnte.
Er dachte an Tyrellian, allein auf seinem kleinen Gehöft, endlich befreit von neunhundert Jahren stillen Zweifels; an Castigon, dessen jahrhundertealte Warnung ihn nicht losgelassen hatte; an Heraclon, der irgendwo in Macragge mit derselben Ungewissheit rang, die auch Vaas selbst nicht mehr abschütteln konnte. Er dachte vor allem an den Legionär auf Eskrador, an dessen letzte Worte, die sich seither wie ein Echo durch seine Gedanken zogen — dass Wahrheit, die man nicht bereit war, vollständig zu tragen, gefährlicher sein konnte als eine bewusst gewählte Lüge.
Delvain nickte langsam, seine Zustimmung von einer stillen, gemeinsamen Entschlossenheit getragen, bevor er die eigentliche Frage stellte. „Werden wir gehen?"
„Ich habe Familie auf Macragge, die ich seit Monaten nicht besucht habe", sagte Delvain nach einem Moment des Nachdenkens, seine Stimme leicht, aber nicht ohne echtes Gewicht. „Ein jüngerer Bruder, der in der Landwirtschaft arbeitet, weit entfernt von jeder Astartes-Angelegenheit. Manchmal beneide ich ihn um die Einfachheit seines Lebens, besonders in Momenten wie diesem, wenn ich vor der Wahl stehe, noch tiefer in ein Geheimnis vorzudringen, das mich vielleicht nie wieder in Ruhe lassen wird."
„Aber du wirst trotzdem gehen", sagte Vaas.
„Ich werde trotzdem gehen. Weil die Einfachheit meines Bruders eine ist, die ich mir selbst nie erlaubt habe, seit ich meine Gabe entdeckte. Manche von uns sind dazu bestimmt, in den Schatten zu suchen, während andere im Licht leben dürfen. Ich habe meinen Frieden mit dieser Bestimmung gemacht, vor langer Zeit."
Vaas sah auf die Koordinaten, dachte an den Legionär, der sich Alpharius genannt hatte, an Tyrellians neunhundert Jahre stillen Zweifels, an die Last, die Guilliman irgendwo auf Macragge nun möglicherweise trug, ohne dass Vaas es mit Sicherheit wusste.
„Ja", sagte er schließlich. „Wenn wir jetzt aufhören, wird diese Wahrheit für immer unvollständig bleiben — und ich glaube nicht mehr, dass eine unvollständige Wahrheit besser ist als gar keine. Wir werden gehen, Delvain. Und diesmal werden wir nicht nur Fragen stellen. Wir werden Antworten verlangen, so unbequem sie auch sein mögen."
**ENDE VON TEIL I**
*Nachwort: Diese Novelle lässt bewusst offen, ob der Legionär, dem Vaas und Heraclon auf Eskrador begegneten, tatsächlich Omegon war, ein gewöhnlicher Legionär, der die Doktrin „Ich bin Alpharius" befolgte, oder etwas noch Komplizierteres. Ebenso bleibt ungeklärt, ob Guilliman jemals von den Zweifeln seines eigenen Chronisten erfuhr, und wie er, falls doch, mit dieser Erkenntnis umging. Das ist Absicht: Die Alpha Legion, mehr als jede andere Fraktion des Warhammer-40.000-Universums, existiert gerade durch das, was niemals vollständig aufgelöst wird. Teil II, „Hydra Dominatus", folgt Chronist Vaas auf einer Reise, die ihn direkt in das Herz dieser uralten, unauflösbaren Täuschung führen wird.*
Sie kehrten neun Tage später nach Macragge zurück, und der Bericht, den Vaas schließlich verfasste — sorgfältig, ausgewogen, ohne die Spekulationen zu verschweigen, aber auch ohne sie als endgültige Tatsachen darzustellen — wurde nicht direkt an den Primarchen selbst übermittelt, sondern, auf Heraclons vorsichtigen Rat hin, zunächst an den Obersten Chronisten, dessen jahrhundertelange Erfahrung im Umgang mit sensiblen historischen Erkenntnissen eine zusätzliche Ebene der Prüfung bot, bevor eine Entscheidung über die endgültige Offenlegung getroffen wurde.
„Der Primarch wird informiert werden, wenn der Oberste Chronist es für angemessen hält", sagte Heraclon, als sie den Bericht gemeinsam ein letztes Mal durchgingen, bevor er übermittelt wurde. „Das ist keine Feigheit, Vaas. Das ist die Anerkennung, dass manche Wahrheiten mit größerer Sorgfalt behandelt werden müssen, als eine einzelne Entdeckung sie leisten kann."
„Ich verstehe das", sagte Vaas, obwohl ein Teil von ihm — der Teil, der vierzig Jahre lang gelernt hatte, dass Wahrheit keine Verzögerung verdiente — sich noch immer gegen diese vorsichtige, institutionelle Zurückhaltung sträubte.
In den Wochen, die folgten, hörte Vaas nichts Offizielles über das Schicksal seines Berichts — ob er den Primarchen tatsächlich erreicht hatte, ob Guilliman von der Möglichkeit erfuhr, dass sein alter Feind, in welcher Form auch immer, die zehntausend Jahre seit Eskrador überdauert hatte. Er beobachtete, in dieser Zeit der Ungewissheit, seine eigenen Vorgesetzten mit einer neuen, wachsamen Aufmerksamkeit — suchte nach Anzeichen, dass sein Bericht ernst genommen worden war, nach subtilen Veränderungen im Verhalten des Obersten Chronisten, der ihm gegenüber weiterhin dieselbe professionelle, undurchdringliche Höflichkeit zeigte, die er vor der Übermittlung des Berichts gezeigt hatte. Einmal, in einem beiläufigen Korridorgespräch, glaubte er, einen kurzen, prüfenden Blick des alten Chronisten aufzufangen, der länger dauerte, als eine gewöhnliche Begegnung gerechtfertigt hätte — aber der Moment verging so schnell, dass Vaas sich nicht sicher sein konnte, ob er nicht einfach seine eigene Anspannung in eine Geste hineinprojizierte, die nichts weiter bedeutete. Er kehrte zu seinen gewöhnlichen Pflichten im Index Athanaeum zurück, das Gewicht dessen, was er entdeckt hatte, still mit sich tragend, während er weiterhin die Chroniken pflegte, die nun, wie er wusste, niemals vollständig die Wahrheit enthalten würden, die er selbst kannte. Es war eine seltsame, isolierende Erfahrung, Tag für Tag dieselben Chroniken zu pflegen, dieselben jungen Aspiranten zu unterrichten, die noch immer die alte, unvollständige Version der Geschichte von Eskrador als unumstößliche Wahrheit aufnahmen, während er selbst wusste, wie brüchig dieses Fundament tatsächlich war. Er fragte sich manchmal, in den stillen Stunden zwischen seinen offiziellen Pflichten, wie viele andere Chronisten vor ihm ähnliche Zweifel gehegt, aber nie den Mut gefunden hatten, ihnen nachzugehen — und wie viele weitere unbequeme Wahrheiten, verborgen in den Tiefen des Index Athanaeum, noch auf einen ähnlich hartnäckigen Nachfolger warteten.
Es war Delvain, der ihn schließlich, drei Monate nach ihrer Rückkehr, mit einer neuen, ungewöhnlichen Nachricht aufsuchte — eine verschlüsselte Übertragung, die den Legionären zugeschrieben wurde, dem sie auf Eskrador begegnet waren, adressiert direkt an Vaas, in einer Form, die nur ein Scriptor mit Delvains Fähigkeiten hatte entschlüsseln können.
„Er hat uns eine weitere Spur hinterlassen", sagte Delvain, seine Stimme von einer Mischung aus Vorsicht und Faszination geprägt. „Koordinaten, zu einem System, das ich nicht kenne, begleitet von einer einzigen Nachricht: 'Wenn ihr weiter suchen wollt, wenn ihr bereit seid, zu verstehen, was wir wirklich zu schützen versuchen, dann sucht dort. Aber seid gewarnt — was ihr findet, wird euch nicht die Gewissheit geben, die ihr sucht. Nur mehr Fragen, würdiger, gestellt zu werden.'"
Vaas nahm die Koordinaten mit einer wachsenden, unruhigen Entschlossenheit entgegen, während er sich fragte, ob diese neue Spur ihn näher an eine endgültige Wahrheit über die Alpha Legion bringen würde — oder ob er, wie schon einmal, nur eine weitere Schicht einer Täuschung entdecken würde, die tiefer ging, als irgendjemand außerhalb der Legion selbst je vollständig verstehen könnte.
Er dachte an Tyrellian, allein auf seinem kleinen Gehöft, endlich befreit von neunhundert Jahren stillen Zweifels; an Castigon, dessen jahrhundertealte Warnung ihn nicht losgelassen hatte; an Heraclon, der irgendwo in Macragge mit derselben Ungewissheit rang, die auch Vaas selbst nicht mehr abschütteln konnte. Er dachte vor allem an den Legionär auf Eskrador, an dessen letzte Worte, die sich seither wie ein Echo durch seine Gedanken zogen — dass Wahrheit, die man nicht bereit war, vollständig zu tragen, gefährlicher sein konnte als eine bewusst gewählte Lüge.
Delvain nickte langsam, seine Zustimmung von einer stillen, gemeinsamen Entschlossenheit getragen, bevor er die eigentliche Frage stellte. „Werden wir gehen?"
„Ich habe Familie auf Macragge, die ich seit Monaten nicht besucht habe", sagte Delvain nach einem Moment des Nachdenkens, seine Stimme leicht, aber nicht ohne echtes Gewicht. „Ein jüngerer Bruder, der in der Landwirtschaft arbeitet, weit entfernt von jeder Astartes-Angelegenheit. Manchmal beneide ich ihn um die Einfachheit seines Lebens, besonders in Momenten wie diesem, wenn ich vor der Wahl stehe, noch tiefer in ein Geheimnis vorzudringen, das mich vielleicht nie wieder in Ruhe lassen wird."
„Aber du wirst trotzdem gehen", sagte Vaas.
„Ich werde trotzdem gehen. Weil die Einfachheit meines Bruders eine ist, die ich mir selbst nie erlaubt habe, seit ich meine Gabe entdeckte. Manche von uns sind dazu bestimmt, in den Schatten zu suchen, während andere im Licht leben dürfen. Ich habe meinen Frieden mit dieser Bestimmung gemacht, vor langer Zeit."
Vaas sah auf die Koordinaten, dachte an den Legionär, der sich Alpharius genannt hatte, an Tyrellians neunhundert Jahre stillen Zweifels, an die Last, die Guilliman irgendwo auf Macragge nun möglicherweise trug, ohne dass Vaas es mit Sicherheit wusste.
„Ja", sagte er schließlich. „Wenn wir jetzt aufhören, wird diese Wahrheit für immer unvollständig bleiben — und ich glaube nicht mehr, dass eine unvollständige Wahrheit besser ist als gar keine. Wir werden gehen, Delvain. Und diesmal werden wir nicht nur Fragen stellen. Wir werden Antworten verlangen, so unbequem sie auch sein mögen."
**ENDE VON TEIL I**
*Nachwort: Diese Novelle lässt bewusst offen, ob der Legionär, dem Vaas und Heraclon auf Eskrador begegneten, tatsächlich Omegon war, ein gewöhnlicher Legionär, der die Doktrin „Ich bin Alpharius" befolgte, oder etwas noch Komplizierteres. Ebenso bleibt ungeklärt, ob Guilliman jemals von den Zweifeln seines eigenen Chronisten erfuhr, und wie er, falls doch, mit dieser Erkenntnis umging. Das ist Absicht: Die Alpha Legion, mehr als jede andere Fraktion des Warhammer-40.000-Universums, existiert gerade durch das, was niemals vollständig aufgelöst wird. Teil II, „Hydra Dominatus", folgt Chronist Vaas auf einer Reise, die ihn direkt in das Herz dieser uralten, unauflösbaren Täuschung führen wird.*
Geschichte als PDF oder EPUB herunterladenDownload story as PDF or EPUB
Trag deine E-Mail-Adresse ein. Nach Bestätigung der Anmeldung bekommst du sofort und per Mail die Download-Links. Enter your email address. After confirming your subscription you'll get the download links immediately and by email.