DIE STILLE VOR DEM ZORNDIE STILLE VOR DEM ZORN

Eine Novelle aus den Jahren nach der HäresieEine Novelle aus den Jahren nach der Häresie

World Eaters · Blood Angels

Teil 1 von 1Part 1 of 1 · 29 Min. Lesezeit29 min read

„Man fragt mich oft, was schlimmer ist — ein Mann, der das Böse wählt, oder ein Mann, dem das Böse aufgezwungen wird, während er schreit, es nicht zu wollen. Ich habe keine Antwort. Ich habe nur einen Bruder gekannt, der beides war, zur gleichen Zeit, für den Rest seines langen, gequälten Lebens."

„Man fragt mich oft, was schlimmer ist — ein Mann, der das Böse wählt, oder ein Mann, dem das Böse aufgezwungen wird, während er schreit, es nicht zu wollen. Ich habe keine Antwort. Ich habe nur einen Bruder gekannt, der beides war, zur gleichen Zeit, für den Rest seines langen, gequälten Lebens."

— Zugeschrieben einem ungenannten Chronisten der Großen Säuberung

I. DIE STILLE VOR DEM STURMI. DIE STILLE VOR DEM STURM

Es begann, wie es immer begann, mit einem Geräusch, das kein Ohr je wirklich hörte — ein Ziehen, tief in seinem Schädel, als würde etwas Kaltes und Metallenes sich durch die Falten seines Gehirns bohren, obwohl die Nägel selbst seit dreißig Jahren an derselben Stelle saßen, unbeweglich, wartend.

Draedus stand auf einem Hügel aus Trümmern, was einst die äußere Verteidigungslinie von Karthax Secundus gewesen war, und spürte, wie die Welt um ihn herum ihre Farbe verlor. Nicht buchstäblich — seine Augen funktionierten noch, registrierten noch Licht und Form —, aber etwas dahinter, etwas, das ihm erlaubte, in diesen Formen Bedeutung zu erkennen, begann zu verblassen, ersetzt durch eine einzige, alles verzehrende Klarheit: dort. Bewegung. Fleisch. Ziel.

„Nicht jetzt", flüsterte er, seine Stimme durch den Helmvox kaum mehr als ein Knurren. „Nicht jetzt, nicht jetzt, nicht —"

Die Nägel hörten nicht zu. Sie hatten nie zugehört, in dreißig Jahren nicht, seit dem Tag, an dem Apothecarius Skarr Nyx sie mit zitternden Händen in seinen Schädel getrieben hatte, während zwei Brüder ihn niederhielten, weil er sich gegen das gewehrt hatte, was ihm als Gabe verkauft wurde. Dreißig Jahre, gemessen in imperialen Standardjahren, obwohl Draedus selbst längst aufgehört hatte, die Zeit auf diese Weise zu zählen — dreißig Jahre, gemessen stattdessen in den Gesichtern der Toten, die er nicht mehr zählen konnte, in den Momenten der Klarheit, die mit jedem weiteren Jahr seltener wurden, in der langsamen, unaufhaltsamen Erosion dessen, was er einst als seine eigene, unveräußerliche Identität betrachtet hatte.

Er sah die imperialen Verteidiger unten am Fuß des Hügels, eine improvisierte Miliz aus Karthax Secundus' letzten Überlebenden, bewaffnet mit Waffen, die kaum älter waren als ihre eigene, verzweifelte Hoffnung, die Belagerung zu überleben. Karthax Secundus war einst eine unbedeutende Agrarwelt gewesen, bevor der Krieg sie erreichte — ein Planet, dessen einzige strategische Bedeutung darin lag, dass er zufällig auf einer der wenigen stabilen Warp-Routen lag, die aus dem sich ausdehnenden Chaos der post-häretischen Galaxie noch zuverlässig navigierbar waren. Die Menschen, die hier lebten, hatten mit dem Krieg selbst wenig zu tun, bis die zersprengten Reste von Draedus' Kriegsband, auf der Flucht vor größeren imperialen Streitkräften, beschlossen hatten, dass eine kurze, brutale Plünderung dieser Welt notwendige Ressourcen liefern würde, um ihre eigene, zunehmend prekäre Existenz zu sichern. Er sah ihre Gesichter, aus dieser Entfernung noch als Gesichter erkennbar — Furcht, Entschlossenheit, die kleinen, menschlichen Regungen eines Volkes, das kämpfte, weil es keine andere Wahl hatte.

Dann sah er nur noch Ziele.

Er erinnerte sich später an Fragmente — das Gewicht seiner Kettenaxt in der Hand, das Gefühl heißen Blutes, das durch die Fugen seiner Kraftrüstung sickerte, ein Schrei, der nicht sein eigener war und doch aus seiner eigenen Kehle kam, gemischt mit einem Gelächter, das er nicht kontrollierte, das er nicht einmal als sein eigenes erkannte, obwohl er wusste, mit der letzten, verzweifelten Ecke seines Bewusstseins, die noch ihm selbst gehörte, dass es aus seinem eigenen Mund kam.

Er erinnerte sich an einen Moment, in dem er glaubte, innezuhalten — ein Kind, vielleicht acht Jahre alt, das sich hinter einem umgestürzten Karren versteckte, seine Augen weit vor Entsetzen. Er erinnerte sich, wie seine Hand sich hob, die Axt bereits im Schwung, und wie irgendetwas, tief in ihm, gegen diese Bewegung ankämpfte, mit einer Kraft, die er selbst nicht für möglich gehalten hätte.

Er erinnerte sich nicht daran, ob das Kind lebte oder starb.

Er erinnerte sich auch an andere Fragmente jenes Tages, verstreut wie Scherben eines zerbrochenen Spiegels — den Klang zerberstender Türen, das Echo von Schreien, die sich mit dem eigenen, unkontrollierten Gelächter vermischten, die Empfindung von Widerstand unter seiner Klinge, gefolgt von dessen plötzlichem Nachlassen. Er erinnerte sich an einen Mann, der versuchte, seine Familie zu beschützen, seine bloßen Hände gegen Kraftrüstung und Kettenaxt erhoben, mit einem Mut, der unter anderen Umständen Bewunderung verdient hätte. Er erinnerte sich nicht, was mit diesem Mann geschah, aber er wusste, mit der bitteren Gewissheit eines Mannes, der die Muster seiner eigenen Raserei über Jahrzehnte studiert hatte, dass der Ausgang selten anders war als jener, den die schlimmsten seiner Befürchtungen ihm vorschlugen.

Als die Klarheit zurückkehrte — sie kehrte immer zurück, das war die grausamste Wahrheit der Nägel, dass sie ihn niemals ganz auslöschten, sondern ihn stattdessen zurückließen, um die Trümmer dessen zu betrachten, was sie in seiner Abwesenheit angerichtet hatten —, stand Draedus allein auf einem Feld aus Toten, seine Kettenaxt tropfend, sein gesamter Körper zitternd von einer Erschöpfung, die tiefer ging als bloße körperliche Anstrengung.

Er sah sich nicht um, um das Kind zu suchen. Er hatte gelernt, in dreißig Jahren, dass manche Wahrheiten es nicht wert waren, gefunden zu werden. Stattdessen stand er lange reglos zwischen den Toten, sein Atem noch immer unregelmäßig von der Nachwirkung des Rausches, während der Wind über Karthax Secundus den Geruch von Blut und verbranntem Fleisch zu ihm trug — ein Geruch, den er nach dreißig Jahren hätte gewöhnt sein sollen, der ihn aber jedes Mal aufs Neue mit derselben, unauslöschlichen Übelkeit erfüllte.

Es begann, wie es immer begann, mit einem Geräusch, das kein Ohr je wirklich hörte — ein Ziehen, tief in seinem Schädel, als würde etwas Kaltes und Metallenes sich durch die Falten seines Gehirns bohren, obwohl die Nägel selbst seit dreißig Jahren an derselben Stelle saßen, unbeweglich, wartend.

Draedus stand auf einem Hügel aus Trümmern, was einst die äußere Verteidigungslinie von Karthax Secundus gewesen war, und spürte, wie die Welt um ihn herum ihre Farbe verlor. Nicht buchstäblich — seine Augen funktionierten noch, registrierten noch Licht und Form —, aber etwas dahinter, etwas, das ihm erlaubte, in diesen Formen Bedeutung zu erkennen, begann zu verblassen, ersetzt durch eine einzige, alles verzehrende Klarheit: dort. Bewegung. Fleisch. Ziel.

„Nicht jetzt", flüsterte er, seine Stimme durch den Helmvox kaum mehr als ein Knurren. „Nicht jetzt, nicht jetzt, nicht —"

Die Nägel hörten nicht zu. Sie hatten nie zugehört, in dreißig Jahren nicht, seit dem Tag, an dem Apothecarius Skarr Nyx sie mit zitternden Händen in seinen Schädel getrieben hatte, während zwei Brüder ihn niederhielten, weil er sich gegen das gewehrt hatte, was ihm als Gabe verkauft wurde. Dreißig Jahre, gemessen in imperialen Standardjahren, obwohl Draedus selbst längst aufgehört hatte, die Zeit auf diese Weise zu zählen — dreißig Jahre, gemessen stattdessen in den Gesichtern der Toten, die er nicht mehr zählen konnte, in den Momenten der Klarheit, die mit jedem weiteren Jahr seltener wurden, in der langsamen, unaufhaltsamen Erosion dessen, was er einst als seine eigene, unveräußerliche Identität betrachtet hatte.

Er sah die imperialen Verteidiger unten am Fuß des Hügels, eine improvisierte Miliz aus Karthax Secundus' letzten Überlebenden, bewaffnet mit Waffen, die kaum älter waren als ihre eigene, verzweifelte Hoffnung, die Belagerung zu überleben. Karthax Secundus war einst eine unbedeutende Agrarwelt gewesen, bevor der Krieg sie erreichte — ein Planet, dessen einzige strategische Bedeutung darin lag, dass er zufällig auf einer der wenigen stabilen Warp-Routen lag, die aus dem sich ausdehnenden Chaos der post-häretischen Galaxie noch zuverlässig navigierbar waren. Die Menschen, die hier lebten, hatten mit dem Krieg selbst wenig zu tun, bis die zersprengten Reste von Draedus' Kriegsband, auf der Flucht vor größeren imperialen Streitkräften, beschlossen hatten, dass eine kurze, brutale Plünderung dieser Welt notwendige Ressourcen liefern würde, um ihre eigene, zunehmend prekäre Existenz zu sichern. Er sah ihre Gesichter, aus dieser Entfernung noch als Gesichter erkennbar — Furcht, Entschlossenheit, die kleinen, menschlichen Regungen eines Volkes, das kämpfte, weil es keine andere Wahl hatte.

Dann sah er nur noch Ziele.

Er erinnerte sich später an Fragmente — das Gewicht seiner Kettenaxt in der Hand, das Gefühl heißen Blutes, das durch die Fugen seiner Kraftrüstung sickerte, ein Schrei, der nicht sein eigener war und doch aus seiner eigenen Kehle kam, gemischt mit einem Gelächter, das er nicht kontrollierte, das er nicht einmal als sein eigenes erkannte, obwohl er wusste, mit der letzten, verzweifelten Ecke seines Bewusstseins, die noch ihm selbst gehörte, dass es aus seinem eigenen Mund kam.

Er erinnerte sich an einen Moment, in dem er glaubte, innezuhalten — ein Kind, vielleicht acht Jahre alt, das sich hinter einem umgestürzten Karren versteckte, seine Augen weit vor Entsetzen. Er erinnerte sich, wie seine Hand sich hob, die Axt bereits im Schwung, und wie irgendetwas, tief in ihm, gegen diese Bewegung ankämpfte, mit einer Kraft, die er selbst nicht für möglich gehalten hätte.

Er erinnerte sich nicht daran, ob das Kind lebte oder starb.

Er erinnerte sich auch an andere Fragmente jenes Tages, verstreut wie Scherben eines zerbrochenen Spiegels — den Klang zerberstender Türen, das Echo von Schreien, die sich mit dem eigenen, unkontrollierten Gelächter vermischten, die Empfindung von Widerstand unter seiner Klinge, gefolgt von dessen plötzlichem Nachlassen. Er erinnerte sich an einen Mann, der versuchte, seine Familie zu beschützen, seine bloßen Hände gegen Kraftrüstung und Kettenaxt erhoben, mit einem Mut, der unter anderen Umständen Bewunderung verdient hätte. Er erinnerte sich nicht, was mit diesem Mann geschah, aber er wusste, mit der bitteren Gewissheit eines Mannes, der die Muster seiner eigenen Raserei über Jahrzehnte studiert hatte, dass der Ausgang selten anders war als jener, den die schlimmsten seiner Befürchtungen ihm vorschlugen.

Als die Klarheit zurückkehrte — sie kehrte immer zurück, das war die grausamste Wahrheit der Nägel, dass sie ihn niemals ganz auslöschten, sondern ihn stattdessen zurückließen, um die Trümmer dessen zu betrachten, was sie in seiner Abwesenheit angerichtet hatten —, stand Draedus allein auf einem Feld aus Toten, seine Kettenaxt tropfend, sein gesamter Körper zitternd von einer Erschöpfung, die tiefer ging als bloße körperliche Anstrengung.

Er sah sich nicht um, um das Kind zu suchen. Er hatte gelernt, in dreißig Jahren, dass manche Wahrheiten es nicht wert waren, gefunden zu werden. Stattdessen stand er lange reglos zwischen den Toten, sein Atem noch immer unregelmäßig von der Nachwirkung des Rausches, während der Wind über Karthax Secundus den Geruch von Blut und verbranntem Fleisch zu ihm trug — ein Geruch, den er nach dreißig Jahren hätte gewöhnt sein sollen, der ihn aber jedes Mal aufs Neue mit derselben, unauslöschlichen Übelkeit erfüllte.

II. WAS DIE NÄGEL ZURÜCKLASSENII. WAS DIE NÄGEL ZURÜCKLASSEN

Er fand den Weg zurück zu ihrem improvisierten Lager erst Stunden später, nachdem die Sonne von Karthax Secundus hinter den zerklüfteten Bergketten im Westen verschwunden war, sein Körper von der Nachwirkung des Nägel-Rausches so erschöpft, dass jeder Schritt sich anfühlte, als würde er durch zähen, widerstrebenden Schlamm waten.

Vorn fand ihn zuerst, der jüngste ihrer kleinen, versprengten Kriegsband, kaum fünfzig Jahre in seiner Kraftrüstung, seine Augen noch immer mit jenem Rest von Unschuld versehen, den die meisten anderen World Eaters längst verloren hatten. „Du hast überlebt", sagte er, seine Stimme eine Mischung aus Erleichterung und einer Vorsicht, die Draedus nur zu gut verstand.

„Ich habe überlebt." Draedus ließ sich gegen die Wand eines eingestürzten Gebäudes sinken, seine Kettenaxt neben sich fallen lassend, als könnte er die bloße Nähe der Waffe nicht mehr ertragen. „Wie viele haben wir verloren?"

„Zwei Brüder. Karnak und Ossian." Vorn zögerte, bevor er die nächste Information preisgab, mit der Vorsicht eines Mannes, der wusste, dass manche Nachrichten mehr Schaden anrichteten als der Feind selbst. Er kannte Draedus lange genug, um zu wissen, dass die Nachricht von toten Brüdern, so schmerzhaft sie auch war, niemals so sehr wog wie die Frage, die zwangsläufig als Nächstes folgen würde. „Die Verteidiger haben nicht überlebt, Draedus. Keiner von ihnen."

Draedus schloss kurz die Augen. Karnak war ein Veteran gewesen, älter noch als Draedus selbst, einer der wenigen verbliebenen Brüder, die sich noch an die Zeit vor der Fleischung erinnerten, an gemeinsame Kämpfe während des Großen Kreuzzugs, lange bevor Angron überhaupt befreit worden war. Ossian war jünger gewesen, kaum älter als Vorn, ein Mann, dessen Witz selbst in den dunkelsten Momenten ihrer gemeinsamen, verzweifelten Existenz manchmal ein Lächeln hervorzurufen vermocht hatte. Beide Tode würden Draedus in den kommenden Nächten begleiten, zusammen mit all den anderen, deren Namen er nicht mehr zu zählen vermochte.

„Wie viele?"

„Vierhundert. Vielleicht mehr."

Draedus schloss die Augen, obwohl die Dunkelheit dahinter keine Erleichterung brachte — nur die immer gleichen, fragmentarischen Bilder, die die Nägel ihm überließen, wie Trümmer nach einem Sturm, den er selbst nicht gesehen hatte, obwohl sein eigener Körper ihn verursacht hatte. „Das Kind", sagte er leise. „Beim umgestürzten Karren, am östlichen Rand des Marktplatzes. Hast du es gesehen?"

Vorn schwieg lange, und dieses Schweigen sagte Draedus mehr, als jede Antwort es vermocht hätte.

„Ich habe es begraben", sagte Vorn schließlich. „Zusammen mit den anderen. Ich dachte, du würdest es wissen wollen, statt dich zu fragen."

Draedus nickte, unfähig, mehr als diese eine, stumme Anerkennung zu geben, während etwas in seinem Inneren zerbrach, das er zu reparieren aufgehört hatte zu versuchen, vor Jahren, weil jeder Versuch nur zu neuem, tieferem Schmerz geführt hatte. Er dachte an die Worte, die er sich selbst nach jedem solchen Massaker sagte, die er sich selbst seit dreißig Jahren sagte, ohne dass sie je leichter geworden wären: *Das war nicht ich. Das waren die Nägel.*

Er wusste, mit der bitteren Klarheit eines Mannes, der lange genug mit sich selbst gerungen hatte, dass diese Unterscheidung eine Lüge war, die er sich erzählte, um weiterleben zu können. Die Nägel waren in seinem Schädel, ja. Aber die Hand, die die Axt schwang, war seine eigene. Der Körper, der tötete, war seiner. Und egal, wie sehr er sich wünschte, dass es anders wäre, gab es keine Möglichkeit, diese Wahrheit vollständig von sich zu weisen, ohne sich selbst noch tiefer zu belügen, als die Nägel es je könnten.

Vorn setzte sich neben ihn, seine jüngere, noch nicht vollständig abgestumpfte Gestalt eine stille, unwillkommene Erinnerung daran, wie auch Draedus einst gewesen war, bevor dreißig Jahre der Nägel ihn ausgehöhlt hatten. „Ich habe gehört, wie die anderen über dich reden, wenn sie glauben, ich höre es nicht", sagte er nach einer Weile. „Manche nennen dich schwach, weil du dich noch immer quälst, wo andere längst aufgehört haben, sich zu fragen, was ihre Hände getan haben."

„Und was denkst du, Vorn?"

„Ich denke, dass ich lieber neben einem Mann kämpfe, der sich noch quält, als neben einem, der es nicht mehr tut." Der junge Krieger sah zu Boden, seine Stimme leiser werdend. „Ich fürchte mich davor, Draedus. Vor dem Tag, an dem ich aufhöre, mich zu quälen. Ich glaube, das wird der Tag sein, an dem nichts mehr von mir übrig ist, das es wert wäre, gerettet zu werden."

Draedus legte seine Hand auf die Schulter des jüngeren Mannes, eine Geste, die zwischen ihnen selten war, in einer Kriegsband, die Zärtlichkeit längst als Schwäche zu verachten gelernt hatte. „Dann halte an dieser Furcht fest, Vorn, so lange du kannst. Sie ist vielleicht das Einzige, das dich am Ende noch von den Bestien unterscheidet, zu denen wir alle langsam werden."

Er fand den Weg zurück zu ihrem improvisierten Lager erst Stunden später, nachdem die Sonne von Karthax Secundus hinter den zerklüfteten Bergketten im Westen verschwunden war, sein Körper von der Nachwirkung des Nägel-Rausches so erschöpft, dass jeder Schritt sich anfühlte, als würde er durch zähen, widerstrebenden Schlamm waten.

Vorn fand ihn zuerst, der jüngste ihrer kleinen, versprengten Kriegsband, kaum fünfzig Jahre in seiner Kraftrüstung, seine Augen noch immer mit jenem Rest von Unschuld versehen, den die meisten anderen World Eaters längst verloren hatten. „Du hast überlebt", sagte er, seine Stimme eine Mischung aus Erleichterung und einer Vorsicht, die Draedus nur zu gut verstand.

„Ich habe überlebt." Draedus ließ sich gegen die Wand eines eingestürzten Gebäudes sinken, seine Kettenaxt neben sich fallen lassend, als könnte er die bloße Nähe der Waffe nicht mehr ertragen. „Wie viele haben wir verloren?"

„Zwei Brüder. Karnak und Ossian." Vorn zögerte, bevor er die nächste Information preisgab, mit der Vorsicht eines Mannes, der wusste, dass manche Nachrichten mehr Schaden anrichteten als der Feind selbst. Er kannte Draedus lange genug, um zu wissen, dass die Nachricht von toten Brüdern, so schmerzhaft sie auch war, niemals so sehr wog wie die Frage, die zwangsläufig als Nächstes folgen würde. „Die Verteidiger haben nicht überlebt, Draedus. Keiner von ihnen."

Draedus schloss kurz die Augen. Karnak war ein Veteran gewesen, älter noch als Draedus selbst, einer der wenigen verbliebenen Brüder, die sich noch an die Zeit vor der Fleischung erinnerten, an gemeinsame Kämpfe während des Großen Kreuzzugs, lange bevor Angron überhaupt befreit worden war. Ossian war jünger gewesen, kaum älter als Vorn, ein Mann, dessen Witz selbst in den dunkelsten Momenten ihrer gemeinsamen, verzweifelten Existenz manchmal ein Lächeln hervorzurufen vermocht hatte. Beide Tode würden Draedus in den kommenden Nächten begleiten, zusammen mit all den anderen, deren Namen er nicht mehr zu zählen vermochte.

„Wie viele?"

„Vierhundert. Vielleicht mehr."

Draedus schloss die Augen, obwohl die Dunkelheit dahinter keine Erleichterung brachte — nur die immer gleichen, fragmentarischen Bilder, die die Nägel ihm überließen, wie Trümmer nach einem Sturm, den er selbst nicht gesehen hatte, obwohl sein eigener Körper ihn verursacht hatte. „Das Kind", sagte er leise. „Beim umgestürzten Karren, am östlichen Rand des Marktplatzes. Hast du es gesehen?"

Vorn schwieg lange, und dieses Schweigen sagte Draedus mehr, als jede Antwort es vermocht hätte.

„Ich habe es begraben", sagte Vorn schließlich. „Zusammen mit den anderen. Ich dachte, du würdest es wissen wollen, statt dich zu fragen."

Draedus nickte, unfähig, mehr als diese eine, stumme Anerkennung zu geben, während etwas in seinem Inneren zerbrach, das er zu reparieren aufgehört hatte zu versuchen, vor Jahren, weil jeder Versuch nur zu neuem, tieferem Schmerz geführt hatte. Er dachte an die Worte, die er sich selbst nach jedem solchen Massaker sagte, die er sich selbst seit dreißig Jahren sagte, ohne dass sie je leichter geworden wären: *Das war nicht ich. Das waren die Nägel.*

Er wusste, mit der bitteren Klarheit eines Mannes, der lange genug mit sich selbst gerungen hatte, dass diese Unterscheidung eine Lüge war, die er sich erzählte, um weiterleben zu können. Die Nägel waren in seinem Schädel, ja. Aber die Hand, die die Axt schwang, war seine eigene. Der Körper, der tötete, war seiner. Und egal, wie sehr er sich wünschte, dass es anders wäre, gab es keine Möglichkeit, diese Wahrheit vollständig von sich zu weisen, ohne sich selbst noch tiefer zu belügen, als die Nägel es je könnten.

Vorn setzte sich neben ihn, seine jüngere, noch nicht vollständig abgestumpfte Gestalt eine stille, unwillkommene Erinnerung daran, wie auch Draedus einst gewesen war, bevor dreißig Jahre der Nägel ihn ausgehöhlt hatten. „Ich habe gehört, wie die anderen über dich reden, wenn sie glauben, ich höre es nicht", sagte er nach einer Weile. „Manche nennen dich schwach, weil du dich noch immer quälst, wo andere längst aufgehört haben, sich zu fragen, was ihre Hände getan haben."

„Und was denkst du, Vorn?"

„Ich denke, dass ich lieber neben einem Mann kämpfe, der sich noch quält, als neben einem, der es nicht mehr tut." Der junge Krieger sah zu Boden, seine Stimme leiser werdend. „Ich fürchte mich davor, Draedus. Vor dem Tag, an dem ich aufhöre, mich zu quälen. Ich glaube, das wird der Tag sein, an dem nichts mehr von mir übrig ist, das es wert wäre, gerettet zu werden."

Draedus legte seine Hand auf die Schulter des jüngeren Mannes, eine Geste, die zwischen ihnen selten war, in einer Kriegsband, die Zärtlichkeit längst als Schwäche zu verachten gelernt hatte. „Dann halte an dieser Furcht fest, Vorn, so lange du kannst. Sie ist vielleicht das Einzige, das dich am Ende noch von den Bestien unterscheidet, zu denen wir alle langsam werden."

III. DRAEDUS DER STILLEIII. DRAEDUS DER STILLE

Er war nicht immer so gewesen. Das war die Erinnerung, die er am sorgfältigsten hütete, tiefer verborgen als jede andere, weil sie zugleich sein größter Trost und seine grausamste Qual war — die Erinnerung an den Mann, der er gewesen war, bevor die Nägel ihn für immer veränderten.

Vor der Häresie, in den letzten goldenen Jahren des Großen Kreuzzugs, hatte man ihn Draedus den Stillen genannt — ein Name, den er sich nicht ausgesucht hatte, der ihm aber von seinen Brüdern verliehen worden war, mit einem Respekt, der über bloße Kampfkraft hinausging. Er war ein Duellant gewesen, ein Meister der einzelnen Klinge, dessen Stil sich durch Präzision und Kontrolle auszeichnete, statt durch die rohe, unkontrollierte Wut, die selbst in jenen frühen Tagen bereits einen Teil der World-Eaters-Kultur definierte. Er war nicht von Nuceria selbst rekrutiert worden, wie es bei den frühesten Mitgliedern des Legion der Fall gewesen war — er stammte von einer fernen Feudalwelt, deren Name in den Jahrzehnten seither aus fast jeder verfügbaren Aufzeichnung getilgt worden war, ein Sohn eines lokalen Kriegerhäuptlings, dessen eigene Fähigkeiten mit der Klinge ihn früh von seinen Altersgenossen abhoben. Die Rekrutierer des Imperiums hatten ihn im Alter von vierzehn Jahren gefunden, während eines Turniers, das eigentlich der Unterhaltung eines lokalen Adligen dienen sollte, und in ihm etwas erkannt, das über bloße körperliche Begabung hinausging — eine Disziplin, eine innere Ruhe inmitten des Kampfes, die selbst erfahrene Veteranen selten besaßen.

Er erinnerte sich an Angron, an die ersten Jahre nach der Befreiung des Primarchen von Nuceria — an einen Mann, dessen Zorn real war, dessen Schmerz über die verlorenen Kameraden seiner Gladiatorentage echt war, aber der dennoch, in jenen frühen Jahren, noch Raum für Ehre besaß, für einen Kampfkodex, der mehr war als bloßes Schlachten. Er erinnerte sich an Duelle, ausgetragen nach strengen Regeln, an Siege, die mit Respekt für den Besiegten endeten, statt mit seiner Zerstückelung. Er erinnerte sich an einen bestimmten Kampf, gegen einen Champion einer rivalisierenden Kompanie, ausgetragen nicht aus Hass, sondern aus dem reinen, fast meditativen Wunsch zweier Meister ihres Handwerks, ihre Fähigkeiten aneinander zu messen — ein Kampf, der Stunden dauerte, der beide Männer an die Grenzen ihrer Ausdauer brachte, und der endete, nicht mit dem Tod des Unterlegenen, sondern mit einem gemeinsamen, erschöpften Lachen, während sie sich gegenseitig aufhalfen, ihre Waffen gesenkt, ihre Ehre für alle sichtbar in der Art, wie sie einander behandelten, statt in der Zahl der Toten, die sie hinterließen.

Er erinnerte sich an seinen Bruder Kaelen, mit dem er dreißig Jahre lang gekämpft hatte, bevor die Nägel kamen — ein Mann, dessen Freundschaft er mehr geschätzt hatte als jede Ehre, die das Legion ihm je hätte verleihen können. Kaelen war einer der Ersten gewesen, der sich der Fleischung widersetzte, als Angron, gebrochen von seinem eigenen, unauslöschlichen Zorn über sein Schicksal als Primarch, beschloss, dass sein gesamtes Legion die Nägel tragen sollte, die ihn selbst zerstört hatten.

Kaelen war einer der Ersten gewesen, der dafür starb.

Draedus hatte seinen Tod mit angesehen, gefesselt von zwei anderen Brüdern, die selbst nicht bereit gewesen waren, sich der Order des Primarchen zu widersetzen, während ein dritter Bruder — ein Mann, dessen Namen Draedus sich weigerte, je wieder auszusprechen — Kaelen die Kehle durchschnitt, für das Verbrechen, gefragt zu haben, ob es einen anderen Weg gab.

„Es gibt keinen anderen Weg", hatte Angron selbst gesagt, seine Stimme mit einer Trauer durchsetzt, die Draedus erst Jahre später vollständig verstehen sollte — die Trauer eines Mannes, der wusste, dass er seinen Söhnen dasselbe Schicksal auferlegte, das ihn selbst zerbrochen hatte, weil er keinen anderen Weg sah, sie für den kommenden Krieg zu stärken. „Wir werden alle Zorn tragen, meine Söhne. Es ist besser, ihn gemeinsam zu tragen, als allein daran zu zerbrechen."

Draedus hatte diese Worte dreißig Jahre lang mit sich getragen, unfähig, sie vollständig zu vergessen, unfähig, sie vollständig zu akzeptieren.

Er erinnerte sich auch an die Stunden danach, an das stille, erschütterte Schweigen, das sich über ihre gesamte Kompanie legte, während sie Kaelens Leichnam für die letzten Ehren vorbereiteten — nicht die Ehren eines gefallenen Helden, denn dafür gab es keine Zeremonie mehr in einem Legion, das seinen eigenen Ehrenkodex bereits zu verlieren begann, sondern die stillen, verzweifelten Gesten von Männern, die nicht wussten, wie sie um einen Bruder trauern sollten, den sie selbst, aus Feigheit oder Verzweiflung, nicht zu retten gewagt hatten. Draedus hatte in jener Nacht geschworen, dass er, sollte er je die Fleischung überleben, niemals vollständig vergessen würde, wer Kaelen gewesen war, und wofür er gestorben war. Es war ein Schwur, den er, trotz allem, was die Nägel ihm genommen hatten, in dreißig Jahren nie gebrochen hatte.

Er war nicht immer so gewesen. Das war die Erinnerung, die er am sorgfältigsten hütete, tiefer verborgen als jede andere, weil sie zugleich sein größter Trost und seine grausamste Qual war — die Erinnerung an den Mann, der er gewesen war, bevor die Nägel ihn für immer veränderten.

Vor der Häresie, in den letzten goldenen Jahren des Großen Kreuzzugs, hatte man ihn Draedus den Stillen genannt — ein Name, den er sich nicht ausgesucht hatte, der ihm aber von seinen Brüdern verliehen worden war, mit einem Respekt, der über bloße Kampfkraft hinausging. Er war ein Duellant gewesen, ein Meister der einzelnen Klinge, dessen Stil sich durch Präzision und Kontrolle auszeichnete, statt durch die rohe, unkontrollierte Wut, die selbst in jenen frühen Tagen bereits einen Teil der World-Eaters-Kultur definierte. Er war nicht von Nuceria selbst rekrutiert worden, wie es bei den frühesten Mitgliedern des Legion der Fall gewesen war — er stammte von einer fernen Feudalwelt, deren Name in den Jahrzehnten seither aus fast jeder verfügbaren Aufzeichnung getilgt worden war, ein Sohn eines lokalen Kriegerhäuptlings, dessen eigene Fähigkeiten mit der Klinge ihn früh von seinen Altersgenossen abhoben. Die Rekrutierer des Imperiums hatten ihn im Alter von vierzehn Jahren gefunden, während eines Turniers, das eigentlich der Unterhaltung eines lokalen Adligen dienen sollte, und in ihm etwas erkannt, das über bloße körperliche Begabung hinausging — eine Disziplin, eine innere Ruhe inmitten des Kampfes, die selbst erfahrene Veteranen selten besaßen.

Er erinnerte sich an Angron, an die ersten Jahre nach der Befreiung des Primarchen von Nuceria — an einen Mann, dessen Zorn real war, dessen Schmerz über die verlorenen Kameraden seiner Gladiatorentage echt war, aber der dennoch, in jenen frühen Jahren, noch Raum für Ehre besaß, für einen Kampfkodex, der mehr war als bloßes Schlachten. Er erinnerte sich an Duelle, ausgetragen nach strengen Regeln, an Siege, die mit Respekt für den Besiegten endeten, statt mit seiner Zerstückelung. Er erinnerte sich an einen bestimmten Kampf, gegen einen Champion einer rivalisierenden Kompanie, ausgetragen nicht aus Hass, sondern aus dem reinen, fast meditativen Wunsch zweier Meister ihres Handwerks, ihre Fähigkeiten aneinander zu messen — ein Kampf, der Stunden dauerte, der beide Männer an die Grenzen ihrer Ausdauer brachte, und der endete, nicht mit dem Tod des Unterlegenen, sondern mit einem gemeinsamen, erschöpften Lachen, während sie sich gegenseitig aufhalfen, ihre Waffen gesenkt, ihre Ehre für alle sichtbar in der Art, wie sie einander behandelten, statt in der Zahl der Toten, die sie hinterließen.

Er erinnerte sich an seinen Bruder Kaelen, mit dem er dreißig Jahre lang gekämpft hatte, bevor die Nägel kamen — ein Mann, dessen Freundschaft er mehr geschätzt hatte als jede Ehre, die das Legion ihm je hätte verleihen können. Kaelen war einer der Ersten gewesen, der sich der Fleischung widersetzte, als Angron, gebrochen von seinem eigenen, unauslöschlichen Zorn über sein Schicksal als Primarch, beschloss, dass sein gesamtes Legion die Nägel tragen sollte, die ihn selbst zerstört hatten.

Kaelen war einer der Ersten gewesen, der dafür starb.

Draedus hatte seinen Tod mit angesehen, gefesselt von zwei anderen Brüdern, die selbst nicht bereit gewesen waren, sich der Order des Primarchen zu widersetzen, während ein dritter Bruder — ein Mann, dessen Namen Draedus sich weigerte, je wieder auszusprechen — Kaelen die Kehle durchschnitt, für das Verbrechen, gefragt zu haben, ob es einen anderen Weg gab.

„Es gibt keinen anderen Weg", hatte Angron selbst gesagt, seine Stimme mit einer Trauer durchsetzt, die Draedus erst Jahre später vollständig verstehen sollte — die Trauer eines Mannes, der wusste, dass er seinen Söhnen dasselbe Schicksal auferlegte, das ihn selbst zerbrochen hatte, weil er keinen anderen Weg sah, sie für den kommenden Krieg zu stärken. „Wir werden alle Zorn tragen, meine Söhne. Es ist besser, ihn gemeinsam zu tragen, als allein daran zu zerbrechen."

Draedus hatte diese Worte dreißig Jahre lang mit sich getragen, unfähig, sie vollständig zu vergessen, unfähig, sie vollständig zu akzeptieren.

Er erinnerte sich auch an die Stunden danach, an das stille, erschütterte Schweigen, das sich über ihre gesamte Kompanie legte, während sie Kaelens Leichnam für die letzten Ehren vorbereiteten — nicht die Ehren eines gefallenen Helden, denn dafür gab es keine Zeremonie mehr in einem Legion, das seinen eigenen Ehrenkodex bereits zu verlieren begann, sondern die stillen, verzweifelten Gesten von Männern, die nicht wussten, wie sie um einen Bruder trauern sollten, den sie selbst, aus Feigheit oder Verzweiflung, nicht zu retten gewagt hatten. Draedus hatte in jener Nacht geschworen, dass er, sollte er je die Fleischung überleben, niemals vollständig vergessen würde, wer Kaelen gewesen war, und wofür er gestorben war. Es war ein Schwur, den er, trotz allem, was die Nägel ihm genommen hatten, in dreißig Jahren nie gebrochen hatte.

IV. DIE FLEISCHUNGIV. DIE FLEISCHUNG

Sie kamen für ihn drei Tage nach Kaelens Tod, in der Nacht, während er allein in seinem Quartier saß, seine Gedanken zwischen Trauer und einer wachsenden, verzweifelten Angst gefangen. Apothecarius Skarr Nyx führte die kleine Gruppe an, seine Miene von einer Last gezeichnet, die selbst damals schon spürbar gewesen war, obwohl Draedus in diesem Moment keinen Raum für Mitgefühl mit dem Mann fand, der gekommen war, um ihm dasselbe Schicksal aufzuzwingen, das Kaelen das Leben gekostet hatte. Draedus hatte die drei Tage seit Kaelens Tod damit verbracht, allein zu sitzen, seine Waffen ungereinigt, seine Rüstung nicht gewartet — kleine, bedeutungslose Akte der Verweigerung gegenüber einem Legion, das ihm plötzlich fremd geworden war, obwohl er sein gesamtes erwachsenes Leben in seinen Reihen verbracht hatte. Er hatte in diesen drei Tagen mehrmals erwogen, selbst den Weg zu wählen, den Kaelen gewählt hatte — offener Widerstand, mit dem Wissen, dass der Tod die einzige mögliche Konsequenz sein würde —, aber jedes Mal hatte ihn etwas zurückgehalten, eine leise, verzweifelte Stimme, die ihm sagte, dass sein Tod nichts ändern würde, außer die Zahl der Trauernden um eine weitere Person zu erhöhen.

„Es muss nicht so sein, wie es bei deinem Bruder war", sagte Skarr Nyx, seine Stimme leiser, als Draedus es von einem Mann seines Ranges erwartet hätte. „Wenn du dich fügst, wirst du leben. Wenn du kämpfst —"

„Dann werde ich sterben, so wie Kaelen starb, für das Verbrechen, ein Mann zu bleiben, statt ein Werkzeug des Zorns unseres Primarchen zu werden." Draedus stand auf, seine Hand instinktiv zu seiner Klinge greifend, obwohl er wusste, dass Widerstand gegen vier vollständig gerüstete Brüder aussichtslos war. „Sag mir, Apothecarius — glaubst du selbst, dass das, was du tust, richtig ist?"

Skarr Nyx' Antwort kam nicht sofort, und in diesem Zögern sah Draedus etwas, das er später, in den Jahren der Reflexion, die folgten, als den ersten Beweis dafür erkennen sollte, dass er nicht der Einzige in seinem gesamten Legion war, der an dem zweifelte, was aus ihnen gemacht wurde.

„Ich glaube, dass ich keine Wahl habe, ebenso wenig wie du", sagte Skarr Nyx schließlich. „Ich glaube, dass unser Primarch einen Krieg vor sich sieht, den wir nicht überleben werden, wenn wir nicht bereit sind, alles zu opfern, was uns zu Männern macht, um zu Waffen zu werden, die ihn gewinnen können. Ob das richtig ist —" Er hielt inne, seine Stimme brechend unter einer Last, die Draedus in diesem Moment nicht vollständig verstand, die er aber, dreißig Jahre später, mit schmerzhafter Klarheit nachvollziehen konnte. „Ich weiß es nicht, Draedus. Ich weiß nur, dass ich es tun muss, und dass ich lieber derjenige bin, der es mit einem letzten Rest von Sorgfalt tut, als jemand, dem deine Qualen gleichgültig sind."

Der Kampf, der folgte, war kurz und erniedrigend — Draedus, überwältigt von vier Brüdern, die er einst als Freunde betrachtet hatte, zu Boden gedrückt, während Skarr Nyx mit zitternden Händen die Instrumente vorbereitete, die sein gesamtes weiteres Leben verändern würden.

Der Schmerz, als die Nägel in seinen Schädel getrieben wurden, überstieg alles, was Draedus in seinem gesamten Leben als Krieger je erlebt hatte — nicht nur physisch, obwohl auch das schier unerträglich war, sondern auf einer tieferen, fundamentaleren Ebene, als würde etwas in ihm selbst, etwas, das die Essenz dessen ausmachte, wer er war, gewaltsam zur Seite gedrängt, um Platz für etwas anderes zu schaffen — etwas Älteres, Hungrigeres, das nur darauf gewartet hatte, dass die letzten Barrieren seiner Menschlichkeit fielen.

„Es tut mir leid", flüsterte Skarr Nyx, während er arbeitete, seine Worte kaum hörbar über Draedus' eigene Schreie hinweg. „Es tut mir so leid, Bruder. Ich hoffe, du wirst mir eines Tages vergeben können, was ich dir heute Nacht antue."

Draedus hatte in dreißig Jahren nie vergeben. Aber er hatte auch nie vollständig aufgehört, sich zu fragen, ob Vergebung überhaupt der richtige Maßstab war, für eine Tat, die aus derselben verzweifelten, hilflosen Liebe zu seinen Brüdern entstanden war, die auch Kaelens Widerstand motiviert hatte.

Er erinnerte sich an das erste Erwachen danach, an das Gefühl, in einem fremden Körper zu erwachen, der zufällig sein eigener war — an die Art, wie selbst die vertrautesten Empfindungen, das Gewicht seiner eigenen Rüstung, der Klang seiner eigenen Stimme, plötzlich fremd wirkten, überlagert von etwas Neuem, Hungrigem, das er nicht eingeladen hatte. Er erinnerte sich, wie er in den ersten Wochen danach versuchte, mit den Fingern zu spüren, wo genau die Nägel saßen, als könnte er sie durch bloße Berührung wieder herausziehen, bevor er verstand, dass sie tiefer verankert waren, als jede Klinge oder jedes Werkzeug erreichen könnte — nicht nur in seinem Schädel, sondern in der Architektur seines eigenen Nervensystems, untrennbar mit allem verwoben, was ihn am Leben erhielt.

Sie kamen für ihn drei Tage nach Kaelens Tod, in der Nacht, während er allein in seinem Quartier saß, seine Gedanken zwischen Trauer und einer wachsenden, verzweifelten Angst gefangen. Apothecarius Skarr Nyx führte die kleine Gruppe an, seine Miene von einer Last gezeichnet, die selbst damals schon spürbar gewesen war, obwohl Draedus in diesem Moment keinen Raum für Mitgefühl mit dem Mann fand, der gekommen war, um ihm dasselbe Schicksal aufzuzwingen, das Kaelen das Leben gekostet hatte. Draedus hatte die drei Tage seit Kaelens Tod damit verbracht, allein zu sitzen, seine Waffen ungereinigt, seine Rüstung nicht gewartet — kleine, bedeutungslose Akte der Verweigerung gegenüber einem Legion, das ihm plötzlich fremd geworden war, obwohl er sein gesamtes erwachsenes Leben in seinen Reihen verbracht hatte. Er hatte in diesen drei Tagen mehrmals erwogen, selbst den Weg zu wählen, den Kaelen gewählt hatte — offener Widerstand, mit dem Wissen, dass der Tod die einzige mögliche Konsequenz sein würde —, aber jedes Mal hatte ihn etwas zurückgehalten, eine leise, verzweifelte Stimme, die ihm sagte, dass sein Tod nichts ändern würde, außer die Zahl der Trauernden um eine weitere Person zu erhöhen.

„Es muss nicht so sein, wie es bei deinem Bruder war", sagte Skarr Nyx, seine Stimme leiser, als Draedus es von einem Mann seines Ranges erwartet hätte. „Wenn du dich fügst, wirst du leben. Wenn du kämpfst —"

„Dann werde ich sterben, so wie Kaelen starb, für das Verbrechen, ein Mann zu bleiben, statt ein Werkzeug des Zorns unseres Primarchen zu werden." Draedus stand auf, seine Hand instinktiv zu seiner Klinge greifend, obwohl er wusste, dass Widerstand gegen vier vollständig gerüstete Brüder aussichtslos war. „Sag mir, Apothecarius — glaubst du selbst, dass das, was du tust, richtig ist?"

Skarr Nyx' Antwort kam nicht sofort, und in diesem Zögern sah Draedus etwas, das er später, in den Jahren der Reflexion, die folgten, als den ersten Beweis dafür erkennen sollte, dass er nicht der Einzige in seinem gesamten Legion war, der an dem zweifelte, was aus ihnen gemacht wurde.

„Ich glaube, dass ich keine Wahl habe, ebenso wenig wie du", sagte Skarr Nyx schließlich. „Ich glaube, dass unser Primarch einen Krieg vor sich sieht, den wir nicht überleben werden, wenn wir nicht bereit sind, alles zu opfern, was uns zu Männern macht, um zu Waffen zu werden, die ihn gewinnen können. Ob das richtig ist —" Er hielt inne, seine Stimme brechend unter einer Last, die Draedus in diesem Moment nicht vollständig verstand, die er aber, dreißig Jahre später, mit schmerzhafter Klarheit nachvollziehen konnte. „Ich weiß es nicht, Draedus. Ich weiß nur, dass ich es tun muss, und dass ich lieber derjenige bin, der es mit einem letzten Rest von Sorgfalt tut, als jemand, dem deine Qualen gleichgültig sind."

Der Kampf, der folgte, war kurz und erniedrigend — Draedus, überwältigt von vier Brüdern, die er einst als Freunde betrachtet hatte, zu Boden gedrückt, während Skarr Nyx mit zitternden Händen die Instrumente vorbereitete, die sein gesamtes weiteres Leben verändern würden.

Der Schmerz, als die Nägel in seinen Schädel getrieben wurden, überstieg alles, was Draedus in seinem gesamten Leben als Krieger je erlebt hatte — nicht nur physisch, obwohl auch das schier unerträglich war, sondern auf einer tieferen, fundamentaleren Ebene, als würde etwas in ihm selbst, etwas, das die Essenz dessen ausmachte, wer er war, gewaltsam zur Seite gedrängt, um Platz für etwas anderes zu schaffen — etwas Älteres, Hungrigeres, das nur darauf gewartet hatte, dass die letzten Barrieren seiner Menschlichkeit fielen.

„Es tut mir leid", flüsterte Skarr Nyx, während er arbeitete, seine Worte kaum hörbar über Draedus' eigene Schreie hinweg. „Es tut mir so leid, Bruder. Ich hoffe, du wirst mir eines Tages vergeben können, was ich dir heute Nacht antue."

Draedus hatte in dreißig Jahren nie vergeben. Aber er hatte auch nie vollständig aufgehört, sich zu fragen, ob Vergebung überhaupt der richtige Maßstab war, für eine Tat, die aus derselben verzweifelten, hilflosen Liebe zu seinen Brüdern entstanden war, die auch Kaelens Widerstand motiviert hatte.

Er erinnerte sich an das erste Erwachen danach, an das Gefühl, in einem fremden Körper zu erwachen, der zufällig sein eigener war — an die Art, wie selbst die vertrautesten Empfindungen, das Gewicht seiner eigenen Rüstung, der Klang seiner eigenen Stimme, plötzlich fremd wirkten, überlagert von etwas Neuem, Hungrigem, das er nicht eingeladen hatte. Er erinnerte sich, wie er in den ersten Wochen danach versuchte, mit den Fingern zu spüren, wo genau die Nägel saßen, als könnte er sie durch bloße Berührung wieder herausziehen, bevor er verstand, dass sie tiefer verankert waren, als jede Klinge oder jedes Werkzeug erreichen könnte — nicht nur in seinem Schädel, sondern in der Architektur seines eigenen Nervensystems, untrennbar mit allem verwoben, was ihn am Leben erhielt.

V. SKARR NYXV. SKARR NYX

Draedus fand Apothecarius Skarr Nyx am folgenden Morgen in der improvisierten Krankenstation, die ihre kleine Kriegsband in den Ruinen eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes von Karthax Secundus eingerichtet hatte, seine Hände noch immer beschäftigt mit der Versorgung der wenigen Verwundeten, die den Angriff des Vortages überlebt hatten.

„Ich habe wieder die Kontrolle verloren", sagte Draedus, ohne Umschweife, seine Stimme heiser von der Nachwirkung des vorherigen Tages.

Skarr Nyx sah nicht auf, seine Hände weiterhin mit chirurgischer Präzision arbeitend. „Das tust du immer, Bruder. Das ist der Preis, den wir alle zahlen, seit jener Nacht vor dreißig Jahren."

„Ich habe ein Kind getötet."

Diese Worte ließen den Apothecarius innehalten, seine Hände für einen Moment reglos über dem verwundeten Bruder, den er behandelte. Als er schließlich aufsah, trugen seine Augen — so viel von seinem Gesicht noch sichtbar unter den Jahrzehnten der Augmentation und Verbesserung war — eine Erschöpfung, die tiefer ging als bloße körperliche Müdigkeit.

„Ich weiß es nicht mit Sicherheit", sagte Draedus, seine Stimme brechend unter dem Gewicht dieses Zugeständnisses. „Ich erinnere mich nicht mit Sicherheit. Aber ich erinnere mich, wie meine Hand sich hob, wie die Axt sich zu bewegen begann, und ich weiß nicht, ob irgendein Teil von mir sie aufhielt, bevor es zu spät war."

Skarr Nyx legte seine Instrumente beiseite, seine volle Aufmerksamkeit nun auf Draedus gerichtet. „Warum erzählst du mir das?"

„Weil ich glaube, dass du der Einzige bist, der mir vielleicht helfen kann." Draedus trat näher, seine Stimme leiser, dringlicher. „Du hast mich in diesen Zustand versetzt, Skarr Nyx. Ich glaube, du bist auch der Einzige, der einen Weg kennen könnte, ihn rückgängig zu machen — oder zumindest zu lindern."

Der Apothecarius schwieg lange, seine Gedanken sichtbar mit etwas ringend, das er offensichtlich lange Zeit für sich behalten hatte. „Es gibt ein Gerücht", sagte er schließlich, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern, als würde er fürchten, belauscht zu werden, selbst hier, in ihrem eigenen, notdürftig gesicherten Lager. „Eine alte Tradition von Nuceria selbst, aus der Zeit vor Angrons Erhebung — Techniken, die die Gladiatorenmeister nutzten, um ihre Kämpfer nach den brutalsten Kämpfen zu beruhigen, ihre Aggression zu kontrollieren, statt sie einfach zu unterdrücken. Ich habe Fragmente dieser Techniken in alten Aufzeichnungen gefunden, die wir aus den Trümmern von Nuceria selbst bargen, bevor der Planet endgültig zerstört wurde." Skarr Nyx' Stimme trug jetzt eine Wehmut, die selten in seinem sonst so kontrollierten, klinischen Auftreten durchschien. „Ich fand diese Aufzeichnungen vor über zehn Jahren, während einer Plünderung, die nichts mit ihnen zu tun hatte — ein Zufall, den ich seither nie vollständig erklären konnte, außer als eine Art Ironie des Schicksals. Ich habe sie all diese Jahre bei mir getragen, ohne zu wissen, was ich mit ihnen anfangen sollte, unfähig, sie zu vernichten, aber auch unfähig, den Mut zu finden, sie tatsächlich zu nutzen.

„Kannst du sie anwenden?"

„Ich weiß es nicht." Skarr Nyx' Ehrlichkeit trug ein Gewicht, das Draedus mehr überzeugte als jede falsche Zuversicht es vermocht hätte. „Die Fragmente sind unvollständig, die Techniken selbst gefährlich, unerprobt an jemandem, der die Nägel bereits so lange trägt wie du. Es könnte funktionieren. Es könnte dich auch töten, oder schlimmer — dich in einen Zustand versetzen, in dem selbst die letzten Reste deiner eigenen Kontrolle für immer verloren gehen."

„Ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen."

Skarr Nyx sah ihn lange an, seine Augen von einer komplizierten Mischung aus Hoffnung und Furcht gezeichnet. „Dann lass uns gemeinsam einen Weg finden, Bruder. Aber ich warne dich — der Ort, an dem ich glaube, die vollständigen Aufzeichnungen zu finden, liegt tief in einem Gebiet, das selbst für uns gefährlich ist. Ein altes Nuceria-Reliquiar, gerettet von loyalen Dienern vor der Zerstörung unserer Heimatwelt, versteckt an einem Ort, den nur wenige noch kennen."

„Warum hast du dieses Wissen nicht schon früher mit mir geteilt?", fragte Draedus, ein Anflug von Bitterkeit in seiner Stimme, der sich gegen seinen Willen durchsetzte. „Wie viele Jahre habe ich vergeudet, wie viel Unschuld habe ich vernichtet, während du dieses Wissen für dich behalten hast?"

Skarr Nyx sah ihn lange an, und in seinem Blick lag eine Erschöpfung, die Jahrzehnte stiller, unausgesprochener Schuld verriet. „Weil ich Angst hatte, Bruder. Angst, dass ich dich in ein weiteres, sinnloses Leiden führen würde, sollte sich die Fragmente als unvollständig oder falsch erweisen. Angst, dass Kroth oder ein anderer unserer Brüder mich für den Verrat, den diese Suche selbst darstellt, exekutieren würde, bevor ich auch nur die Gelegenheit hätte, sie zu Ende zu führen. Ich habe diese Angst dreißig Jahre lang mit mir getragen, zusammen mit der Schuld, dich in diesen Zustand versetzt zu haben. Ich weiß nicht, ob das eine Entschuldigung ist, Draedus. Ich weiß nur, dass es die Wahrheit ist."

Draedus fand Apothecarius Skarr Nyx am folgenden Morgen in der improvisierten Krankenstation, die ihre kleine Kriegsband in den Ruinen eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes von Karthax Secundus eingerichtet hatte, seine Hände noch immer beschäftigt mit der Versorgung der wenigen Verwundeten, die den Angriff des Vortages überlebt hatten.

„Ich habe wieder die Kontrolle verloren", sagte Draedus, ohne Umschweife, seine Stimme heiser von der Nachwirkung des vorherigen Tages.

Skarr Nyx sah nicht auf, seine Hände weiterhin mit chirurgischer Präzision arbeitend. „Das tust du immer, Bruder. Das ist der Preis, den wir alle zahlen, seit jener Nacht vor dreißig Jahren."

„Ich habe ein Kind getötet."

Diese Worte ließen den Apothecarius innehalten, seine Hände für einen Moment reglos über dem verwundeten Bruder, den er behandelte. Als er schließlich aufsah, trugen seine Augen — so viel von seinem Gesicht noch sichtbar unter den Jahrzehnten der Augmentation und Verbesserung war — eine Erschöpfung, die tiefer ging als bloße körperliche Müdigkeit.

„Ich weiß es nicht mit Sicherheit", sagte Draedus, seine Stimme brechend unter dem Gewicht dieses Zugeständnisses. „Ich erinnere mich nicht mit Sicherheit. Aber ich erinnere mich, wie meine Hand sich hob, wie die Axt sich zu bewegen begann, und ich weiß nicht, ob irgendein Teil von mir sie aufhielt, bevor es zu spät war."

Skarr Nyx legte seine Instrumente beiseite, seine volle Aufmerksamkeit nun auf Draedus gerichtet. „Warum erzählst du mir das?"

„Weil ich glaube, dass du der Einzige bist, der mir vielleicht helfen kann." Draedus trat näher, seine Stimme leiser, dringlicher. „Du hast mich in diesen Zustand versetzt, Skarr Nyx. Ich glaube, du bist auch der Einzige, der einen Weg kennen könnte, ihn rückgängig zu machen — oder zumindest zu lindern."

Der Apothecarius schwieg lange, seine Gedanken sichtbar mit etwas ringend, das er offensichtlich lange Zeit für sich behalten hatte. „Es gibt ein Gerücht", sagte er schließlich, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern, als würde er fürchten, belauscht zu werden, selbst hier, in ihrem eigenen, notdürftig gesicherten Lager. „Eine alte Tradition von Nuceria selbst, aus der Zeit vor Angrons Erhebung — Techniken, die die Gladiatorenmeister nutzten, um ihre Kämpfer nach den brutalsten Kämpfen zu beruhigen, ihre Aggression zu kontrollieren, statt sie einfach zu unterdrücken. Ich habe Fragmente dieser Techniken in alten Aufzeichnungen gefunden, die wir aus den Trümmern von Nuceria selbst bargen, bevor der Planet endgültig zerstört wurde." Skarr Nyx' Stimme trug jetzt eine Wehmut, die selten in seinem sonst so kontrollierten, klinischen Auftreten durchschien. „Ich fand diese Aufzeichnungen vor über zehn Jahren, während einer Plünderung, die nichts mit ihnen zu tun hatte — ein Zufall, den ich seither nie vollständig erklären konnte, außer als eine Art Ironie des Schicksals. Ich habe sie all diese Jahre bei mir getragen, ohne zu wissen, was ich mit ihnen anfangen sollte, unfähig, sie zu vernichten, aber auch unfähig, den Mut zu finden, sie tatsächlich zu nutzen.

„Kannst du sie anwenden?"

„Ich weiß es nicht." Skarr Nyx' Ehrlichkeit trug ein Gewicht, das Draedus mehr überzeugte als jede falsche Zuversicht es vermocht hätte. „Die Fragmente sind unvollständig, die Techniken selbst gefährlich, unerprobt an jemandem, der die Nägel bereits so lange trägt wie du. Es könnte funktionieren. Es könnte dich auch töten, oder schlimmer — dich in einen Zustand versetzen, in dem selbst die letzten Reste deiner eigenen Kontrolle für immer verloren gehen."

„Ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen."

Skarr Nyx sah ihn lange an, seine Augen von einer komplizierten Mischung aus Hoffnung und Furcht gezeichnet. „Dann lass uns gemeinsam einen Weg finden, Bruder. Aber ich warne dich — der Ort, an dem ich glaube, die vollständigen Aufzeichnungen zu finden, liegt tief in einem Gebiet, das selbst für uns gefährlich ist. Ein altes Nuceria-Reliquiar, gerettet von loyalen Dienern vor der Zerstörung unserer Heimatwelt, versteckt an einem Ort, den nur wenige noch kennen."

„Warum hast du dieses Wissen nicht schon früher mit mir geteilt?", fragte Draedus, ein Anflug von Bitterkeit in seiner Stimme, der sich gegen seinen Willen durchsetzte. „Wie viele Jahre habe ich vergeudet, wie viel Unschuld habe ich vernichtet, während du dieses Wissen für dich behalten hast?"

Skarr Nyx sah ihn lange an, und in seinem Blick lag eine Erschöpfung, die Jahrzehnte stiller, unausgesprochener Schuld verriet. „Weil ich Angst hatte, Bruder. Angst, dass ich dich in ein weiteres, sinnloses Leiden führen würde, sollte sich die Fragmente als unvollständig oder falsch erweisen. Angst, dass Kroth oder ein anderer unserer Brüder mich für den Verrat, den diese Suche selbst darstellt, exekutieren würde, bevor ich auch nur die Gelegenheit hätte, sie zu Ende zu führen. Ich habe diese Angst dreißig Jahre lang mit mir getragen, zusammen mit der Schuld, dich in diesen Zustand versetzt zu haben. Ich weiß nicht, ob das eine Entschuldigung ist, Draedus. Ich weiß nur, dass es die Wahrheit ist."

VI. DIE JAGD BEGINNTVI. DIE JAGD BEGINNT

Sie brachen drei Tage später auf, eine kleine Gruppe von sechs — Draedus, Skarr Nyx, der junge Vorn, und drei weitere Brüder ihrer versprengten Kriegsband, deren Loyalität zu Draedus persönlich, statt zu einer abstrakten Vorstellung von Khornes Zorn, sie zu unwahrscheinlichen Verbündeten in diesem gefährlichen Unterfangen machte.

Unter ihnen war Kroth, ein Veteran, dessen Hingabe an den Blutgott sich in den Jahren seit der Fleischung zu einer Art religiösem Eifer entwickelt hatte, der Draedus zunehmend beunruhigte. Er hatte Kroth nicht aus Vertrauen mitgenommen, sondern aus Notwendigkeit — ihre Kriegsband war zu klein geworden, um sich den Luxus zu leisten, Kampfkraft zurückzulassen, egal wie sehr diese Kampfkraft mit ideologischem Gepäck beladen war.

„Wohin führst du uns wirklich, Draedus?", fragte Kroth, während sie durch die verwüsteten Außenbezirke von Karthax Secundus marschierten, seine Stimme mit einem Unterton von Misstrauen, der Draedus nicht überraschte. „Skarr Nyx spricht von alten Reliquien, aber ich rieche etwas anderes in dieser Mission. Etwas, das nach Schwäche riecht."

„Wir suchen Wissen, das uns im kommenden Krieg von Nutzen sein könnte", log Draedus, mit einer Leichtigkeit, die ihn selbst überraschte. „Nichts weiter."

Kroth sah ihn lange an, seine Augen von einer Schärfe gezeichnet, die Draedus daran erinnerte, wie gefährlich es war, einen Mann zu täuschen, dessen gesamte Existenz sich um die Erkennung von Schwäche und Verrat drehte. „Ich hoffe, das ist wahr, Bruder. Denn wenn ich je den Verdacht bekäme, dass du versuchst, dich von der Gabe zu befreien, die unser Primarch uns allen gab, würde ich diesen Verrat nicht dulden — selbst wenn es bedeuten würde, gegen einen Bruder zu kämpfen, den ich einst respektierte."

Die Drohung hing zwischen ihnen, ungesprochen, aber unmissverständlich, während sie weitermarschierten, tiefer in ein Gebiet, das selbst nach den Maßstäben eines von Krieg zerrissenen Planeten außergewöhnlich gefährlich war — verstrahlte Ruinen, deren genaue Ursache selbst Skarr Nyx' fortschrittliche Sensoren nicht vollständig erklären konnten, Überreste einer imperialen Verteidigungsanlage, deren automatisierte Systeme, Jahrzehnte nach der ursprünglichen Belagerung, noch immer sporadisch aktiv wurden, um jeden anzugreifen, der sich zu nahe wagte.

Sie überstanden drei solcher automatisierter Angriffe in den folgenden Tagen, jeder von ihnen ein Test ihrer Fähigkeit, als koordinierte Einheit zu kämpfen, statt sich, wie es die Natur der Butcher's Nails in vielen ihrer Brüder hervorrief, in unkoordinierte, individuelle Raserei aufzulösen. Der zweite dieser Angriffe erwies sich als der gefährlichste — ein automatisiertes Verteidigungsgeschütz, dessen Sensoren, trotz Jahrzehnten der Verwahrlosung, noch immer mit erschreckender Präzision funktionierten, das drei Salven auf sie abfeuerte, bevor Skarr Nyx einen Weg fand, seine primitive Logik zu durchbrechen und es zum Schweigen zu bringen. Einer ihrer verbliebenen Brüder, ein Mann namens Threxus, wurde bei diesem Angriff schwer verwundet, sein linker Arm bis zur Unbrauchbarkeit zerstört — eine Verletzung, die er mit stoischer Gleichgültigkeit hinnahm, eine weitere Narbe unter unzähligen anderen, die sein Körper über die Jahrzehnte angesammelt hatte. Draedus bemerkte, mit wachsender Sorge, wie nahe er selbst mehrmals daran war, die Kontrolle zu verlieren, jeder Kampf eine neue Prüfung seiner fragilen, mühsam bewahrten Selbstbeherrschung.

„Du kämpfst anders als die anderen", bemerkte Vorn, während sie eine kurze Rast einlegten, nach dem dritten dieser automatisierten Angriffe. „Ich sehe es, wenn die Nägel dich zu übernehmen drohen. Du kämpfst dagegen an, auf eine Weise, die ich bei keinem anderen Bruder beobachtet habe, außer vielleicht bei Skarr Nyx selbst."

„Es ist ein Kampf, den ich seit dreißig Jahren führe, Vorn. Manchmal gewinne ich ihn. Meistens nicht."

„Glaubst du, dass wir finden werden, was wir suchen?"

Draedus sah in die Ferne, zu den zerklüfteten Bergen, hinter denen, wenn Skarr Nyx' Informationen korrekt waren, das versteckte Nuceria-Reliquiar auf sie wartete. „Ich weiß es nicht", gab er ehrlich zu. „Aber ich weiß, dass ich nicht aufhören kann, zu suchen, egal wie gering die Chance auf Erfolg sein mag. Die Alternative — einfach zu akzeptieren, was ich geworden bin, ohne je wieder zu versuchen, etwas Besseres zu werden — ist eine Alternative, die ich nicht mehr ertragen kann."

Sie marschierten weiter, während die Dämmerung von Karthax Secundus in eine giftige, orangefarbene Nacht überging, das ferne Grollen automatisierter Verteidigungsanlagen wie ein stetiger, unheilvoller Herzschlag durch die Ruinen hallend. Die übrigen Brüder ihrer kleinen Kriegsband hielten sich abseits dieses Gesprächs, jeder von ihnen in seine eigenen, stillen Gedanken versunken — außer Kroth, dessen Blick, wann immer Draedus in seine Richtung sah, eine wachsende, unverhohlene Wachsamkeit trug, die mehr sagte, als es Worte je vermocht hätten.

Sie brachen drei Tage später auf, eine kleine Gruppe von sechs — Draedus, Skarr Nyx, der junge Vorn, und drei weitere Brüder ihrer versprengten Kriegsband, deren Loyalität zu Draedus persönlich, statt zu einer abstrakten Vorstellung von Khornes Zorn, sie zu unwahrscheinlichen Verbündeten in diesem gefährlichen Unterfangen machte.

Unter ihnen war Kroth, ein Veteran, dessen Hingabe an den Blutgott sich in den Jahren seit der Fleischung zu einer Art religiösem Eifer entwickelt hatte, der Draedus zunehmend beunruhigte. Er hatte Kroth nicht aus Vertrauen mitgenommen, sondern aus Notwendigkeit — ihre Kriegsband war zu klein geworden, um sich den Luxus zu leisten, Kampfkraft zurückzulassen, egal wie sehr diese Kampfkraft mit ideologischem Gepäck beladen war.

„Wohin führst du uns wirklich, Draedus?", fragte Kroth, während sie durch die verwüsteten Außenbezirke von Karthax Secundus marschierten, seine Stimme mit einem Unterton von Misstrauen, der Draedus nicht überraschte. „Skarr Nyx spricht von alten Reliquien, aber ich rieche etwas anderes in dieser Mission. Etwas, das nach Schwäche riecht."

„Wir suchen Wissen, das uns im kommenden Krieg von Nutzen sein könnte", log Draedus, mit einer Leichtigkeit, die ihn selbst überraschte. „Nichts weiter."

Kroth sah ihn lange an, seine Augen von einer Schärfe gezeichnet, die Draedus daran erinnerte, wie gefährlich es war, einen Mann zu täuschen, dessen gesamte Existenz sich um die Erkennung von Schwäche und Verrat drehte. „Ich hoffe, das ist wahr, Bruder. Denn wenn ich je den Verdacht bekäme, dass du versuchst, dich von der Gabe zu befreien, die unser Primarch uns allen gab, würde ich diesen Verrat nicht dulden — selbst wenn es bedeuten würde, gegen einen Bruder zu kämpfen, den ich einst respektierte."

Die Drohung hing zwischen ihnen, ungesprochen, aber unmissverständlich, während sie weitermarschierten, tiefer in ein Gebiet, das selbst nach den Maßstäben eines von Krieg zerrissenen Planeten außergewöhnlich gefährlich war — verstrahlte Ruinen, deren genaue Ursache selbst Skarr Nyx' fortschrittliche Sensoren nicht vollständig erklären konnten, Überreste einer imperialen Verteidigungsanlage, deren automatisierte Systeme, Jahrzehnte nach der ursprünglichen Belagerung, noch immer sporadisch aktiv wurden, um jeden anzugreifen, der sich zu nahe wagte.

Sie überstanden drei solcher automatisierter Angriffe in den folgenden Tagen, jeder von ihnen ein Test ihrer Fähigkeit, als koordinierte Einheit zu kämpfen, statt sich, wie es die Natur der Butcher's Nails in vielen ihrer Brüder hervorrief, in unkoordinierte, individuelle Raserei aufzulösen. Der zweite dieser Angriffe erwies sich als der gefährlichste — ein automatisiertes Verteidigungsgeschütz, dessen Sensoren, trotz Jahrzehnten der Verwahrlosung, noch immer mit erschreckender Präzision funktionierten, das drei Salven auf sie abfeuerte, bevor Skarr Nyx einen Weg fand, seine primitive Logik zu durchbrechen und es zum Schweigen zu bringen. Einer ihrer verbliebenen Brüder, ein Mann namens Threxus, wurde bei diesem Angriff schwer verwundet, sein linker Arm bis zur Unbrauchbarkeit zerstört — eine Verletzung, die er mit stoischer Gleichgültigkeit hinnahm, eine weitere Narbe unter unzähligen anderen, die sein Körper über die Jahrzehnte angesammelt hatte. Draedus bemerkte, mit wachsender Sorge, wie nahe er selbst mehrmals daran war, die Kontrolle zu verlieren, jeder Kampf eine neue Prüfung seiner fragilen, mühsam bewahrten Selbstbeherrschung.

„Du kämpfst anders als die anderen", bemerkte Vorn, während sie eine kurze Rast einlegten, nach dem dritten dieser automatisierten Angriffe. „Ich sehe es, wenn die Nägel dich zu übernehmen drohen. Du kämpfst dagegen an, auf eine Weise, die ich bei keinem anderen Bruder beobachtet habe, außer vielleicht bei Skarr Nyx selbst."

„Es ist ein Kampf, den ich seit dreißig Jahren führe, Vorn. Manchmal gewinne ich ihn. Meistens nicht."

„Glaubst du, dass wir finden werden, was wir suchen?"

Draedus sah in die Ferne, zu den zerklüfteten Bergen, hinter denen, wenn Skarr Nyx' Informationen korrekt waren, das versteckte Nuceria-Reliquiar auf sie wartete. „Ich weiß es nicht", gab er ehrlich zu. „Aber ich weiß, dass ich nicht aufhören kann, zu suchen, egal wie gering die Chance auf Erfolg sein mag. Die Alternative — einfach zu akzeptieren, was ich geworden bin, ohne je wieder zu versuchen, etwas Besseres zu werden — ist eine Alternative, die ich nicht mehr ertragen kann."

Sie marschierten weiter, während die Dämmerung von Karthax Secundus in eine giftige, orangefarbene Nacht überging, das ferne Grollen automatisierter Verteidigungsanlagen wie ein stetiger, unheilvoller Herzschlag durch die Ruinen hallend. Die übrigen Brüder ihrer kleinen Kriegsband hielten sich abseits dieses Gesprächs, jeder von ihnen in seine eigenen, stillen Gedanken versunken — außer Kroth, dessen Blick, wann immer Draedus in seine Richtung sah, eine wachsende, unverhohlene Wachsamkeit trug, die mehr sagte, als es Worte je vermocht hätten.

VII. DER GEFANGENEVII. DER GEFANGENE

Sie fanden ihn am fünften Tag ihrer Reise, gefesselt und schwer verwundet in den Ruinen eines abgestürzten Landungsschiffs, dessen imperiale Kennzeichnung selbst durch den Ruß und die Trümmer noch deutlich erkennbar war — ein einzelner Astartes, dessen rote Rüstung, durchsetzt mit den Symbolen eines Ordens, den Draedus seit der Häresie nicht mehr direkt bekämpft hatte, ihn sofort als Blood Angel identifizierte.

Das Wrack selbst erzählte seine eigene, stille Geschichte der Verzweiflung — ein kleines Aufklärungsschiff, offensichtlich von seiner ursprünglichen Flotte getrennt und im Sturzflug abgestürzt, seine Außenhülle über hunderte Meter verstreut, während im Inneren die Überreste eines Piloten und zweier weiterer Besatzungsmitglieder bezeugten, dass nicht jeder an Bord die Landung überlebt hatte.

„Ein Loyalist", spie Kroth aus, seine Hand bereits zu seiner Waffe greifend. „Ein Geschenk unseres Gottes, das wir nicht zurückweisen sollten."

„Warte." Draedus trat vor, seine Hand erhoben, um Kroths Vorstoß zu stoppen, obwohl er selbst nicht mit vollständiger Sicherheit sagen konnte, warum er diesen Impuls verspürte. „Er ist gefangen, verwundet, keine unmittelbare Bedrohung. Lasst uns zumindest verstehen, warum er hier ist, bevor wir ihn töten."

Der Blood Angel sah zu ihnen auf, seine Augen trotz seiner offensichtlichen Schwäche von einer trotzigen, unerschütterlichen Ruhe gezeichnet, die Draedus unwillkürlich an etwas erinnerte, das er selbst vor sehr langer Zeit besessen hatte, bevor die Nägel es ihm nahmen. „Ihr werdet nichts von mir erfahren, Verräter, außer meinem Tod, wenn ihr ihn mir gewährt."

„Wie ist dein Name?", fragte Draedus, ignorierend Kroths wachsende Ungeduld hinter ihm.

„Corvantes." Der Blood Angel sprach den Namen mit trotziger Deutlichkeit aus, als würde er selbst in dieser hilflosen Position darauf bestehen, als Individuum anerkannt zu werden, statt als bloßes Ziel. „Von der zwölften Kompanie. Was auch immer ihr mit mir vorhabt, tut es schnell. Ich habe keine Lust, meine letzten Stunden mit Verrätern zu verbringen, die vorgeben, Interesse an meiner Geschichte zu haben."

„Wir haben nicht vor, dich sofort zu töten", sagte Draedus, seine Entscheidung mit einer Gewissheit fällend, die ihn selbst überraschte. „Nicht, bevor ich verstehe, was ein einzelner Blood Angel hier tut, so weit entfernt von jeder bekannten loyalistischen Operation."

Kroth trat vor, seine Stimme jetzt von unverhohlener Wut geprägt. „Das ist Schwäche, Draedus. Der Blutgott verlangt Opfer, nicht Verhöre, die zu nichts als verschwendeter Zeit führen."

„Der Blutgott wird sein Opfer erhalten, Kroth, wenn ich entscheide, dass die Zeit dafür gekommen ist." Draedus' Stimme trug eine Autorität, die er in den letzten Jahren selten so direkt eingesetzt hatte, eine stille Erinnerung daran, dass er, trotz allem, was er verloren hatte, noch immer der ranghöchste Krieger ihrer kleinen Kriegsband war. „Bis dahin bleibt er am Leben, unter meiner persönlichen Verantwortung."

Es dauerte zwei weitere Tage, bevor Corvantes bereit war, mehr preiszugeben als bloßen Trotz — zwei Tage, in denen Skarr Nyx seine Wunden mit derselben Sorgfalt behandelte, die er jedem verwundeten Bruder ihrer eigenen Kriegsband zuteilwerden ließ, trotz des Blood Angels wiederholter, zunehmend schwächerer Proteste. „Mein Landungsschiff wurde von einer imperialen Verteidigungsbatterie abgeschossen, die die eigenen Koordinaten falsch übermittelt hatte", gestand er schließlich, seine Stimme von der Bitterkeit eines Kriegers gezeichnet, der durch das eigene Versagen seiner Verbündeten fast gestorben wäre. „Eine Ironie, die selbst du zu schätzen wissen wirst, Verräter — dass mich am Ende nicht ihr, sondern die Unfähigkeit meiner eigenen Seite beinahe getötet hätte."

„Der Krieg macht selten Unterschiede zwischen Feind und Freund, wenn es um seine grausamsten Zufälle geht", sagte Draedus.

„Nein", stimmte Corvantes zu, seine Stimme jetzt leiser. „Das tut er nicht."

Sie fanden ihn am fünften Tag ihrer Reise, gefesselt und schwer verwundet in den Ruinen eines abgestürzten Landungsschiffs, dessen imperiale Kennzeichnung selbst durch den Ruß und die Trümmer noch deutlich erkennbar war — ein einzelner Astartes, dessen rote Rüstung, durchsetzt mit den Symbolen eines Ordens, den Draedus seit der Häresie nicht mehr direkt bekämpft hatte, ihn sofort als Blood Angel identifizierte.

Das Wrack selbst erzählte seine eigene, stille Geschichte der Verzweiflung — ein kleines Aufklärungsschiff, offensichtlich von seiner ursprünglichen Flotte getrennt und im Sturzflug abgestürzt, seine Außenhülle über hunderte Meter verstreut, während im Inneren die Überreste eines Piloten und zweier weiterer Besatzungsmitglieder bezeugten, dass nicht jeder an Bord die Landung überlebt hatte.

„Ein Loyalist", spie Kroth aus, seine Hand bereits zu seiner Waffe greifend. „Ein Geschenk unseres Gottes, das wir nicht zurückweisen sollten."

„Warte." Draedus trat vor, seine Hand erhoben, um Kroths Vorstoß zu stoppen, obwohl er selbst nicht mit vollständiger Sicherheit sagen konnte, warum er diesen Impuls verspürte. „Er ist gefangen, verwundet, keine unmittelbare Bedrohung. Lasst uns zumindest verstehen, warum er hier ist, bevor wir ihn töten."

Der Blood Angel sah zu ihnen auf, seine Augen trotz seiner offensichtlichen Schwäche von einer trotzigen, unerschütterlichen Ruhe gezeichnet, die Draedus unwillkürlich an etwas erinnerte, das er selbst vor sehr langer Zeit besessen hatte, bevor die Nägel es ihm nahmen. „Ihr werdet nichts von mir erfahren, Verräter, außer meinem Tod, wenn ihr ihn mir gewährt."

„Wie ist dein Name?", fragte Draedus, ignorierend Kroths wachsende Ungeduld hinter ihm.

„Corvantes." Der Blood Angel sprach den Namen mit trotziger Deutlichkeit aus, als würde er selbst in dieser hilflosen Position darauf bestehen, als Individuum anerkannt zu werden, statt als bloßes Ziel. „Von der zwölften Kompanie. Was auch immer ihr mit mir vorhabt, tut es schnell. Ich habe keine Lust, meine letzten Stunden mit Verrätern zu verbringen, die vorgeben, Interesse an meiner Geschichte zu haben."

„Wir haben nicht vor, dich sofort zu töten", sagte Draedus, seine Entscheidung mit einer Gewissheit fällend, die ihn selbst überraschte. „Nicht, bevor ich verstehe, was ein einzelner Blood Angel hier tut, so weit entfernt von jeder bekannten loyalistischen Operation."

Kroth trat vor, seine Stimme jetzt von unverhohlener Wut geprägt. „Das ist Schwäche, Draedus. Der Blutgott verlangt Opfer, nicht Verhöre, die zu nichts als verschwendeter Zeit führen."

„Der Blutgott wird sein Opfer erhalten, Kroth, wenn ich entscheide, dass die Zeit dafür gekommen ist." Draedus' Stimme trug eine Autorität, die er in den letzten Jahren selten so direkt eingesetzt hatte, eine stille Erinnerung daran, dass er, trotz allem, was er verloren hatte, noch immer der ranghöchste Krieger ihrer kleinen Kriegsband war. „Bis dahin bleibt er am Leben, unter meiner persönlichen Verantwortung."

Es dauerte zwei weitere Tage, bevor Corvantes bereit war, mehr preiszugeben als bloßen Trotz — zwei Tage, in denen Skarr Nyx seine Wunden mit derselben Sorgfalt behandelte, die er jedem verwundeten Bruder ihrer eigenen Kriegsband zuteilwerden ließ, trotz des Blood Angels wiederholter, zunehmend schwächerer Proteste. „Mein Landungsschiff wurde von einer imperialen Verteidigungsbatterie abgeschossen, die die eigenen Koordinaten falsch übermittelt hatte", gestand er schließlich, seine Stimme von der Bitterkeit eines Kriegers gezeichnet, der durch das eigene Versagen seiner Verbündeten fast gestorben wäre. „Eine Ironie, die selbst du zu schätzen wissen wirst, Verräter — dass mich am Ende nicht ihr, sondern die Unfähigkeit meiner eigenen Seite beinahe getötet hätte."

„Der Krieg macht selten Unterschiede zwischen Feind und Freund, wenn es um seine grausamsten Zufälle geht", sagte Draedus.

„Nein", stimmte Corvantes zu, seine Stimme jetzt leiser. „Das tut er nicht."

VIII. DER FLUCH DES ROTEN DURSTESVIII. DER FLUCH DES ROTEN DURSTES

Sie transportierten Corvantes mit sich, seine Wunden notdürftig von Skarr Nyx versorgt, trotz des Blood Angels eigener, wiederholter Beteuerung, dass er lieber sterben würde, als von einem World-Eaters-Apothecarius behandelt zu werden — eine Beteuerung, die mit jedem weiteren Tag ihrer gemeinsamen Reise schwächer wurde, während die schlichte, unbestreitbare Realität seiner eigenen Sterblichkeit gegen seinen anfänglichen Trotz ankämpfte.

Die ersten Tage ihrer gemeinsamen Reise verliefen in angespanntem, fast vollständigem Schweigen — Corvantes, der jede Interaktion mit seinen Entführern auf das absolute Minimum beschränkte, das seine eigene, würdevolle Haltung ihm noch erlaubte, und Draedus, der sich selbst nicht vollständig erklären konnte, warum er den Blood Angel überhaupt am Leben erhalten hatte, außer durch einen Instinkt, den er nicht bereit war, laut auszusprechen. Kroth beobachtete diese stille Spannung mit wachsendem Argwohn, seine Kommentare gegenüber den anderen Brüdern zunehmend spitz, während Skarr Nyx sich, wie es seine Art war, auf die praktischen Aufgaben der Versorgung konzentrierte, ohne sich in die komplizierteren emotionalen Untertöne ihrer ungewöhnlichen Situation einzumischen.

Es war am siebten Tag, während einer nächtlichen Rast, dass Draedus, unfähig zu schlafen, Corvantes wach vorfand, seine Augen auf die fernen, künstlichen Sterne gerichtet, die durch den permanenten Rauch der Kriegszerstörung Karthax Secundus' schwach hindurchschimmerten.

„Du kämpfst gegen etwas", sagte Corvantes unerwartet, ohne sich Draedus zuzuwenden. „Ich habe es beobachtet, in den Tagen, seit ihr mich gefangen genommen habt. Du kämpfst gegen etwas in dir selbst, mit derselben Verzweiflung, mit der ich gegen etwas in mir selbst kämpfe."

„Was weißt du über meinen Kampf?"

„Vielleicht mehr, als du erwartest." Corvantes wandte sich schließlich zu ihm, seine Augen von einer Ehrlichkeit gezeichnet, die zwischen Feind und Gefangenem selten war. „Mein Orden trägt seinen eigenen Fluch, Verräter, seit der Häresie, seit dem Tod unseres Primarchen. Wir nennen ihn den Roten Durst — eine Gier nach Blut, die in jedem von uns schlummert, die manche von uns irgendwann vollständig verzehrt, bis nichts mehr von dem Mann übrig bleibt, der wir einst waren, nur noch eine Bestie in geweihter Rüstung."

Draedus setzte sich langsam neben ihn, seine eigene Neugier die Vorsicht überwindend, die er normalerweise gegenüber jedem Loyalisten empfand. „Wie kämpfst du dagegen an?"

„Mit Disziplin. Mit Brüderlichkeit. Mit dem Wissen, dass, selbst wenn ich den Kampf am Ende verliere, wie es viele vor mir taten, der Kampf selbst bedeutungsvoll ist — dass jeder Tag, an dem ich die Bestie in mir zurückhalte, ein Tag ist, an dem ich noch der Mann bin, der ich sein möchte, statt des Monsters, zu dem ich werden könnte." Corvantes sah ihn direkt an, seine Stimme jetzt leiser, fast mitfühlend, trotz allem, was zwischen ihnen stand. „Ist das nicht derselbe Kampf, den du führst, Verräter, mit deinen eigenen Nägeln?"

Die Worte trafen Draedus mit einer Wucht, die er nicht erwartet hatte — nicht, weil sie neu waren, sondern weil sie von einer Quelle kamen, die er nie erwartet hätte, ihm dieselbe Wahrheit zu offenbaren, die er selbst seit dreißig Jahren zu verstehen versuchte. „Der Unterschied ist", sagte er schließlich, „dass du wenigstens die Hoffnung hast, dass dein Kampf am Ende bedeutet. Meiner —" Er hielt inne, unfähig, die volle Bitterkeit seiner eigenen Situation vollständig auszusprechen. „Meiner hat mich bereits zu einem Mörder von Kindern gemacht, Blood Angel. Welche Bedeutung könnte ein solcher Kampf noch haben, nachdem er bereits so viel Unschuld gekostet hat?"

Corvantes schwieg lange, bevor er antwortete, seine eigene Stimme jetzt von einer Schwere getragen, die seine anfängliche, trotzige Distanz vollständig vermissen ließ. „Ich habe auch Dinge getan, in den Momenten, in denen der Rote Durst mich übernahm, für die ich nie vollständige Vergebung finden werde. Das macht den Kampf nicht bedeutungslos, Verräter. Es macht ihn nur schwerer zu ertragen."

„Erzähl mir von einem dieser Momente", sagte Draedus, seine Bitte von einer echten, unerwarteten Neugier getragen.

Corvantes schwieg lange, sein Blick auf die fernen, rauchverhangenen Sterne gerichtet, bevor er zu sprechen begann, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Es war während der Belagerung von Hesperus Tertius, drei Jahre nach dem Tod unseres Primarchen. Ich hatte einen Bruder verloren, in derselben Schlacht, in der der Rote Durst mich zum ersten Mal vollständig übernahm. Als ich wieder zu mir kam, stand ich über den Leichen einer imperialen Garnison, die sich bereits ergeben hatte, ihre Waffen niedergelegt, ihre Hände erhoben. Ich hatte sie alle getötet, jeden Einzelnen, ohne mich an einen einzigen Moment davon zu erinnern." Er sah zu Draedus, seine Augen von derselben Last gezeichnet, die auch Draedus selbst kannte. „Mein eigener Ordenspriester nannte es später eine Tragödie des Krieges. Ich nannte es nie etwas anderes als das, was es war — ein Mord, begangen von meinen eigenen Händen, an Männern, die kein Recht mehr hatten, für ihre Kapitulation zu sterben."

Draedus schwieg lange, die Parallelen zwischen ihren beiden Geschichten mit einer Klarheit erkennend, die ihn selbst überraschte. „Wie lebst du damit weiter?"

„Ich lebe damit, indem ich jeden Tag daran erinnere, was ich verlieren könnte, sollte ich aufhören, dagegen anzukämpfen." Corvantes' Stimme trug jetzt eine Entschlossenheit, die seine vorherige Trauer überlagerte. „Das ist alles, was irgendeiner von uns tun kann, Verräter. Nicht vergessen. Nicht vergeben, nicht einmal uns selbst. Nur weiterkämpfen, jeden einzelnen Tag."

Sie transportierten Corvantes mit sich, seine Wunden notdürftig von Skarr Nyx versorgt, trotz des Blood Angels eigener, wiederholter Beteuerung, dass er lieber sterben würde, als von einem World-Eaters-Apothecarius behandelt zu werden — eine Beteuerung, die mit jedem weiteren Tag ihrer gemeinsamen Reise schwächer wurde, während die schlichte, unbestreitbare Realität seiner eigenen Sterblichkeit gegen seinen anfänglichen Trotz ankämpfte.

Die ersten Tage ihrer gemeinsamen Reise verliefen in angespanntem, fast vollständigem Schweigen — Corvantes, der jede Interaktion mit seinen Entführern auf das absolute Minimum beschränkte, das seine eigene, würdevolle Haltung ihm noch erlaubte, und Draedus, der sich selbst nicht vollständig erklären konnte, warum er den Blood Angel überhaupt am Leben erhalten hatte, außer durch einen Instinkt, den er nicht bereit war, laut auszusprechen. Kroth beobachtete diese stille Spannung mit wachsendem Argwohn, seine Kommentare gegenüber den anderen Brüdern zunehmend spitz, während Skarr Nyx sich, wie es seine Art war, auf die praktischen Aufgaben der Versorgung konzentrierte, ohne sich in die komplizierteren emotionalen Untertöne ihrer ungewöhnlichen Situation einzumischen.

Es war am siebten Tag, während einer nächtlichen Rast, dass Draedus, unfähig zu schlafen, Corvantes wach vorfand, seine Augen auf die fernen, künstlichen Sterne gerichtet, die durch den permanenten Rauch der Kriegszerstörung Karthax Secundus' schwach hindurchschimmerten.

„Du kämpfst gegen etwas", sagte Corvantes unerwartet, ohne sich Draedus zuzuwenden. „Ich habe es beobachtet, in den Tagen, seit ihr mich gefangen genommen habt. Du kämpfst gegen etwas in dir selbst, mit derselben Verzweiflung, mit der ich gegen etwas in mir selbst kämpfe."

„Was weißt du über meinen Kampf?"

„Vielleicht mehr, als du erwartest." Corvantes wandte sich schließlich zu ihm, seine Augen von einer Ehrlichkeit gezeichnet, die zwischen Feind und Gefangenem selten war. „Mein Orden trägt seinen eigenen Fluch, Verräter, seit der Häresie, seit dem Tod unseres Primarchen. Wir nennen ihn den Roten Durst — eine Gier nach Blut, die in jedem von uns schlummert, die manche von uns irgendwann vollständig verzehrt, bis nichts mehr von dem Mann übrig bleibt, der wir einst waren, nur noch eine Bestie in geweihter Rüstung."

Draedus setzte sich langsam neben ihn, seine eigene Neugier die Vorsicht überwindend, die er normalerweise gegenüber jedem Loyalisten empfand. „Wie kämpfst du dagegen an?"

„Mit Disziplin. Mit Brüderlichkeit. Mit dem Wissen, dass, selbst wenn ich den Kampf am Ende verliere, wie es viele vor mir taten, der Kampf selbst bedeutungsvoll ist — dass jeder Tag, an dem ich die Bestie in mir zurückhalte, ein Tag ist, an dem ich noch der Mann bin, der ich sein möchte, statt des Monsters, zu dem ich werden könnte." Corvantes sah ihn direkt an, seine Stimme jetzt leiser, fast mitfühlend, trotz allem, was zwischen ihnen stand. „Ist das nicht derselbe Kampf, den du führst, Verräter, mit deinen eigenen Nägeln?"

Die Worte trafen Draedus mit einer Wucht, die er nicht erwartet hatte — nicht, weil sie neu waren, sondern weil sie von einer Quelle kamen, die er nie erwartet hätte, ihm dieselbe Wahrheit zu offenbaren, die er selbst seit dreißig Jahren zu verstehen versuchte. „Der Unterschied ist", sagte er schließlich, „dass du wenigstens die Hoffnung hast, dass dein Kampf am Ende bedeutet. Meiner —" Er hielt inne, unfähig, die volle Bitterkeit seiner eigenen Situation vollständig auszusprechen. „Meiner hat mich bereits zu einem Mörder von Kindern gemacht, Blood Angel. Welche Bedeutung könnte ein solcher Kampf noch haben, nachdem er bereits so viel Unschuld gekostet hat?"

Corvantes schwieg lange, bevor er antwortete, seine eigene Stimme jetzt von einer Schwere getragen, die seine anfängliche, trotzige Distanz vollständig vermissen ließ. „Ich habe auch Dinge getan, in den Momenten, in denen der Rote Durst mich übernahm, für die ich nie vollständige Vergebung finden werde. Das macht den Kampf nicht bedeutungslos, Verräter. Es macht ihn nur schwerer zu ertragen."

„Erzähl mir von einem dieser Momente", sagte Draedus, seine Bitte von einer echten, unerwarteten Neugier getragen.

Corvantes schwieg lange, sein Blick auf die fernen, rauchverhangenen Sterne gerichtet, bevor er zu sprechen begann, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Es war während der Belagerung von Hesperus Tertius, drei Jahre nach dem Tod unseres Primarchen. Ich hatte einen Bruder verloren, in derselben Schlacht, in der der Rote Durst mich zum ersten Mal vollständig übernahm. Als ich wieder zu mir kam, stand ich über den Leichen einer imperialen Garnison, die sich bereits ergeben hatte, ihre Waffen niedergelegt, ihre Hände erhoben. Ich hatte sie alle getötet, jeden Einzelnen, ohne mich an einen einzigen Moment davon zu erinnern." Er sah zu Draedus, seine Augen von derselben Last gezeichnet, die auch Draedus selbst kannte. „Mein eigener Ordenspriester nannte es später eine Tragödie des Krieges. Ich nannte es nie etwas anderes als das, was es war — ein Mord, begangen von meinen eigenen Händen, an Männern, die kein Recht mehr hatten, für ihre Kapitulation zu sterben."

Draedus schwieg lange, die Parallelen zwischen ihren beiden Geschichten mit einer Klarheit erkennend, die ihn selbst überraschte. „Wie lebst du damit weiter?"

„Ich lebe damit, indem ich jeden Tag daran erinnere, was ich verlieren könnte, sollte ich aufhören, dagegen anzukämpfen." Corvantes' Stimme trug jetzt eine Entschlossenheit, die seine vorherige Trauer überlagerte. „Das ist alles, was irgendeiner von uns tun kann, Verräter. Nicht vergessen. Nicht vergeben, nicht einmal uns selbst. Nur weiterkämpfen, jeden einzelnen Tag."

IX. KROTHS VERDACHTIX. KROTHS VERDACHT

Die wachsende, unerwartete Verbindung zwischen Draedus und ihrem gefangenen Blood Angel blieb Kroth nicht verborgen, und in den folgenden Tagen ihrer Reise wuchs sein Misstrauen zu etwas, das Draedus zunehmend als offene Bedrohung erkannte.

„Du sprichst mit ihm wie mit einem Bruder, nicht mit einem Gefangenen", sagte Kroth eines Abends, als Draedus von einem weiteren dieser nächtlichen Gespräche mit Corvantes zurückkehrte, seine Stimme mit einer Anklage, die keine weitere Ausrede duldete. „Ich beginne zu verstehen, was diese gesamte Reise tatsächlich bedeutet, Draedus. Du suchst nicht nach Wissen für den Krieg. Du suchst nach einem Weg, deine eigene Gabe abzulehnen."

„Und wenn es so wäre?", fragte Draedus direkt, müde von der Notwendigkeit, eine Täuschung aufrechtzuerhalten, die ohnehin zu bröckeln begann.

Kroths Reaktion war sofort und unmissverständlich, seine Kettenaxt bereits halb aus ihrer Halterung gezogen. „Dann wärst du ein Verräter, nicht nur an unserem Primarchen, sondern an jedem Bruder, der die Gabe der Nägel mit Stolz trägt, statt sie als Fluch zu betrachten, den man loszuwerden versucht."

„Es ist ein Fluch, Kroth." Draedus' Stimme trug eine Härte, die er selten gegenüber einem eigenen Bruder einsetzte. „Ich habe ein Kind getötet, vor wenigen Tagen, ohne es auch nur zu bemerken, bis es bereits geschehen war. Wenn du glaubst, dass das ein Geschenk ist, das man mit Stolz tragen sollte, dann haben wir bereits jetzt nichts mehr gemeinsam, das eine gemeinsame Kriegsband rechtfertigen würde."

„Ich glaube, dass Khorne Stärke verlangt, keine Schwäche verkleidet als Gewissen." Kroth trat einen Schritt näher, seine Haltung jetzt unverhohlen bedrohlich. „Ich glaube, dass du dabei bist, uns alle zu verraten, für eine Hoffnung, die niemals real war — die Hoffnung, dass wir je wieder das werden könnten, was wir vor der Fleischung waren."

„Und wenn diese Hoffnung real wäre, Kroth?", fragte Draedus, seine eigene Stimme jetzt ebenso hart. „Würdest du sie ablehnen, allein aus Loyalität zu einem Gott, der dir nichts als endloses, sinnloses Schlachten anbietet, bis auch du eines Tages stirbst, ohne dass sich irgendjemand an den Mann erinnert, der du einst warst?"

„Ich würde sie ablehnen, weil ich glaube, dass es keine Rückkehr gibt, für keinen von uns, und dass jeder, der etwas anderes behauptet, entweder ein Narr oder ein Lügner ist." Kroths Stimme trug eine Bitterkeit, die tiefer ging als bloßer religiöser Eifer, eine persönliche, ungeheilte Wunde, die Draedus in diesem Moment zum ersten Mal wirklich wahrnahm. „Ich habe selbst einmal gehofft, Draedus. In den ersten Jahren nach der Fleischung, bevor ich lernte, dass Hoffnung nur ein weiterer Weg ist, sich selbst zu quälen, ohne je eine Belohnung dafür zu erhalten."

Für einen Moment sah Draedus etwas hinter Kroths Zorn, das er nicht erwartet hatte — nicht reine, unreflektierte Grausamkeit, sondern eine tiefe, verhärtete Verzweiflung, geboren aus derselben Qual, die auch ihn selbst plagte, nur verarbeitet auf einem fundamental anderen Weg.

„Was geschah, in jenen ersten Jahren, als du noch gehofft hast?", fragte Draedus, seine Stimme jetzt sanfter, die Konfrontation für einen Moment einem echten Interesse weichend.

Kroth schwieg lange, bevor er antwortete, seine Haltung sich fast unmerklich verändernd, als würde er eine Tür öffnen, die er seit Jahrzehnten verschlossen gehalten hatte. „Ich hatte eine Frau, auf meiner Heimatwelt, bevor ich rekrutiert wurde. Ich schwor mir, in den ersten Jahren nach der Fleischung, dass ich eines Tages einen Weg finden würde, zu ihr zurückzukehren, dass die Nägel nur eine vorübergehende Last wären, die ich überwinden könnte, wenn ich nur hart genug kämpfte." Seine Stimme wurde härter, kälter. „Ich fand später heraus, dass sie längst gestorben war, Jahrzehnte bevor ich überhaupt daran dachte, zurückzukehren. Zeit bedeutet für uns nichts, Draedus, aber sie bedeutet alles für jene, die wir zurücklassen. In diesem Moment lernte ich, dass Hoffnung nur eine weitere Form der Grausamkeit ist, die wir uns selbst antun."

Die Konfrontation, die sich in diesem Moment zwischen ihnen aufzubauen drohte, wurde nur durch das plötzliche Eingreifen von Skarr Nyx unterbrochen, dessen Stimme mit der Autorität eines Mannes sprach, der selbst die Last dieser gesamten Reise seit ihrem Beginn getragen hatte. „Wir sind fast am Ziel", sagte er, seine Worte an beide gerichtet, aber vor allem an Kroth, in der Hoffnung, den drohenden Konflikt zumindest vorübergehend abzuwenden. „Das Reliquiar liegt weniger als einen Tagesmarsch entfernt. Was auch immer zwischen euch beiden ausgetragen werden muss, kann warten, bis wir wissen, ob diese gesamte Reise überhaupt einen Sinn hatte."

Kroth senkte langsam seine Waffe, seine Augen jedoch nicht von Draedus abwendend. „Das ist noch nicht vorbei, Draedus. Aber ich werde warten, bis wir sehen, was am Ende dieses Weges liegt, bevor ich ein endgültiges Urteil fälle."

Die wachsende, unerwartete Verbindung zwischen Draedus und ihrem gefangenen Blood Angel blieb Kroth nicht verborgen, und in den folgenden Tagen ihrer Reise wuchs sein Misstrauen zu etwas, das Draedus zunehmend als offene Bedrohung erkannte.

„Du sprichst mit ihm wie mit einem Bruder, nicht mit einem Gefangenen", sagte Kroth eines Abends, als Draedus von einem weiteren dieser nächtlichen Gespräche mit Corvantes zurückkehrte, seine Stimme mit einer Anklage, die keine weitere Ausrede duldete. „Ich beginne zu verstehen, was diese gesamte Reise tatsächlich bedeutet, Draedus. Du suchst nicht nach Wissen für den Krieg. Du suchst nach einem Weg, deine eigene Gabe abzulehnen."

„Und wenn es so wäre?", fragte Draedus direkt, müde von der Notwendigkeit, eine Täuschung aufrechtzuerhalten, die ohnehin zu bröckeln begann.

Kroths Reaktion war sofort und unmissverständlich, seine Kettenaxt bereits halb aus ihrer Halterung gezogen. „Dann wärst du ein Verräter, nicht nur an unserem Primarchen, sondern an jedem Bruder, der die Gabe der Nägel mit Stolz trägt, statt sie als Fluch zu betrachten, den man loszuwerden versucht."

„Es ist ein Fluch, Kroth." Draedus' Stimme trug eine Härte, die er selten gegenüber einem eigenen Bruder einsetzte. „Ich habe ein Kind getötet, vor wenigen Tagen, ohne es auch nur zu bemerken, bis es bereits geschehen war. Wenn du glaubst, dass das ein Geschenk ist, das man mit Stolz tragen sollte, dann haben wir bereits jetzt nichts mehr gemeinsam, das eine gemeinsame Kriegsband rechtfertigen würde."

„Ich glaube, dass Khorne Stärke verlangt, keine Schwäche verkleidet als Gewissen." Kroth trat einen Schritt näher, seine Haltung jetzt unverhohlen bedrohlich. „Ich glaube, dass du dabei bist, uns alle zu verraten, für eine Hoffnung, die niemals real war — die Hoffnung, dass wir je wieder das werden könnten, was wir vor der Fleischung waren."

„Und wenn diese Hoffnung real wäre, Kroth?", fragte Draedus, seine eigene Stimme jetzt ebenso hart. „Würdest du sie ablehnen, allein aus Loyalität zu einem Gott, der dir nichts als endloses, sinnloses Schlachten anbietet, bis auch du eines Tages stirbst, ohne dass sich irgendjemand an den Mann erinnert, der du einst warst?"

„Ich würde sie ablehnen, weil ich glaube, dass es keine Rückkehr gibt, für keinen von uns, und dass jeder, der etwas anderes behauptet, entweder ein Narr oder ein Lügner ist." Kroths Stimme trug eine Bitterkeit, die tiefer ging als bloßer religiöser Eifer, eine persönliche, ungeheilte Wunde, die Draedus in diesem Moment zum ersten Mal wirklich wahrnahm. „Ich habe selbst einmal gehofft, Draedus. In den ersten Jahren nach der Fleischung, bevor ich lernte, dass Hoffnung nur ein weiterer Weg ist, sich selbst zu quälen, ohne je eine Belohnung dafür zu erhalten."

Für einen Moment sah Draedus etwas hinter Kroths Zorn, das er nicht erwartet hatte — nicht reine, unreflektierte Grausamkeit, sondern eine tiefe, verhärtete Verzweiflung, geboren aus derselben Qual, die auch ihn selbst plagte, nur verarbeitet auf einem fundamental anderen Weg.

„Was geschah, in jenen ersten Jahren, als du noch gehofft hast?", fragte Draedus, seine Stimme jetzt sanfter, die Konfrontation für einen Moment einem echten Interesse weichend.

Kroth schwieg lange, bevor er antwortete, seine Haltung sich fast unmerklich verändernd, als würde er eine Tür öffnen, die er seit Jahrzehnten verschlossen gehalten hatte. „Ich hatte eine Frau, auf meiner Heimatwelt, bevor ich rekrutiert wurde. Ich schwor mir, in den ersten Jahren nach der Fleischung, dass ich eines Tages einen Weg finden würde, zu ihr zurückzukehren, dass die Nägel nur eine vorübergehende Last wären, die ich überwinden könnte, wenn ich nur hart genug kämpfte." Seine Stimme wurde härter, kälter. „Ich fand später heraus, dass sie längst gestorben war, Jahrzehnte bevor ich überhaupt daran dachte, zurückzukehren. Zeit bedeutet für uns nichts, Draedus, aber sie bedeutet alles für jene, die wir zurücklassen. In diesem Moment lernte ich, dass Hoffnung nur eine weitere Form der Grausamkeit ist, die wir uns selbst antun."

Die Konfrontation, die sich in diesem Moment zwischen ihnen aufzubauen drohte, wurde nur durch das plötzliche Eingreifen von Skarr Nyx unterbrochen, dessen Stimme mit der Autorität eines Mannes sprach, der selbst die Last dieser gesamten Reise seit ihrem Beginn getragen hatte. „Wir sind fast am Ziel", sagte er, seine Worte an beide gerichtet, aber vor allem an Kroth, in der Hoffnung, den drohenden Konflikt zumindest vorübergehend abzuwenden. „Das Reliquiar liegt weniger als einen Tagesmarsch entfernt. Was auch immer zwischen euch beiden ausgetragen werden muss, kann warten, bis wir wissen, ob diese gesamte Reise überhaupt einen Sinn hatte."

Kroth senkte langsam seine Waffe, seine Augen jedoch nicht von Draedus abwendend. „Das ist noch nicht vorbei, Draedus. Aber ich werde warten, bis wir sehen, was am Ende dieses Weges liegt, bevor ich ein endgültiges Urteil fälle."

X. DIE WAHRHEIT ÜBER DIE NÄGELX. DIE WAHRHEIT ÜBER DIE NÄGEL

Das Nuceria-Reliquiar erwies sich als eine kleine, sorgfältig verborgene Kammer, tief in einem natürlichen Höhlensystem verborgen, dessen Zugang durch Generationen loyaler Diener geschützt worden war, die selbst nach der Zerstörung ihrer Heimatwelt daran festgehalten hatten, die letzten kulturellen Schätze Nucerias zu bewahren.

Was sie darin fanden, war weder die vollständige Lösung, die Draedus zu erhoffen gewagt hatte, noch die vollständige Enttäuschung, die er insgeheim befürchtet hatte — sondern etwas Komplizierteres, etwas, das seine gesamte Reise in ein neues, unerwartetes Licht rückte. Die Kammer selbst war klein, kaum größer als ein bescheidenes Quartier, ihre Wände bedeckt mit verblassten Fresken, die Szenen aus einer längst vergangenen Zeit zeigten — Gladiatoren, die im Sand kämpften, nicht mit dem wilden, unkontrollierten Zorn, der Draedus' eigene Erinnerungen an Nuceria dominierte, sondern mit einer Anmut, die selbst nach Jahrtausenden noch spürbar war. In der Mitte der Kammer stand ein einzelner, steinerner Altar, auf dem die uralten Datenkerne und Pergamente ruhten, die die letzten Diener Nucerias vor der Zerstörung ihrer Heimatwelt gerettet hatten, ihre Oberfläche von Staub bedeckt, der seit Jahrzehnten ungestört geblieben war.

„Es gibt keine Technik, die die Nägel entfernt", sagte Skarr Nyx, nachdem er Stunden damit verbracht hatte, die uralten, fragilen Aufzeichnungen zu studieren, seine Stimme von einer Enttäuschung geprägt, die Draedus mit einer Wucht traf, die er nicht erwartet hatte. „Das habe ich befürchtet, aber gehofft, dass ich mich irrte. Die Gladiatorenmeister Nucerias entfernten die Aggression ihrer Kämpfer nicht. Sie lehrten sie, sie zu kanalisieren, zu formen, zu einem Werkzeug zu machen, das sie kontrollierten, statt umgekehrt."

„Was bedeutet das für mich?", fragte Draedus, seine Stimme zwischen Hoffnung und wachsender Verzweiflung gefangen.

„Es bedeutet, dass es keinen einfachen Weg zurück gibt, Bruder. Keine Operation, kein Ritual, das die Nägel aus deinem Schädel entfernt und dich zu dem Mann macht, der du vor dreißig Jahren warst." Skarr Nyx sah zu ihm auf, seine Augen von einer Mischung aus Mitgefühl und einer harten, unausweichlichen Wahrheit gezeichnet. „Aber die Techniken, die ich hier gefunden habe, deuten auf etwas anderes hin — eine Disziplin, eine Methode, den Moment zwischen dem ersten Ziehen der Nägel und dem vollständigen Verlust der Kontrolle zu erweitern, zu verlangsamen. Keine Heilung, Draedus. Aber vielleicht ein Werkzeug, mit dem du lernen könntest, öfter zu gewinnen, als zu verlieren."

Draedus stand lange schweigend in der kleinen Kammer, seine Gedanken zwischen der bitteren Enttäuschung dessen, was er nicht finden würde, und der zerbrechlichen, aber realen Hoffnung dessen, was tatsächlich vor ihm lag, gefangen. Er dachte an Corvantes' Worte, an den Roten Durst, an einen Kampf, der nie vollständig gewonnen wurde, aber dennoch bedeutungsvoll blieb, gerade weil er fortgesetzt wurde, Tag für Tag, ohne Garantie auf endgültigen Sieg.

„Zeig mir diese Techniken", sagte er schließlich. „Was auch immer sie sind, was auch immer sie kosten — ich bin bereit, sie zu lernen."

Skarr Nyx führte ihn zu den letzten, am besten erhaltenen Fragmenten der alten Aufzeichnungen, ihre Oberfläche mit einer Schrift bedeckt, die selbst für Draedus, der Nucerianisch in seiner Jugend gesprochen hatte, kaum mehr als vage vertraut wirkte. „Die erste Technik nennt sich, so gut ich es übersetzen kann, *das Auge des Sturms*", erklärte der Apothecarius, seine Finger über die uralten Zeichen gleitend. „Ein Zustand meditativer Konzentration, den die Gladiatorenmeister ihre Kämpfer lehrten, bevor sie in die Arena traten — eine Art innerer Ruhepunkt, den man in sich selbst finden musste, bevor das Chaos der Schlacht überhaupt begann, damit man einen Ort hatte, zu dem man zurückkehren konnte, wenn die Raserei drohte, alles andere zu verzehren."

„Wie finde ich diesen Ort?"

„Das, fürchte ich, muss jeder für sich selbst entdecken. Die Aufzeichnungen beschreiben nur den Zustand, nicht den genauen Weg dorthin. Aber sie deuten an, dass er oft mit einer einzigen, kraftvollen Erinnerung verbunden ist — einem Anker, der stark genug ist, um selbst gegen die Nägel Bestand zu haben." Skarr Nyx sah zu ihm auf, seine Frage mehr eine Vermutung als eine echte Unsicherheit. „Hast du eine solche Erinnerung, Draedus? Etwas, das stark genug sein könnte, dich zurückzuholen, selbst wenn alles andere verloren scheint?"

Draedus dachte an Kaelen, an das letzte gemeinsame Lachen nach jenem langen, ehrenvollen Duell, an eine Zeit, in der er noch wusste, wer er war, ohne daran zweifeln zu müssen. „Ich glaube, ja", sagte er leise. „Ich glaube, ich weiß, wo ich suchen muss."

Das Nuceria-Reliquiar erwies sich als eine kleine, sorgfältig verborgene Kammer, tief in einem natürlichen Höhlensystem verborgen, dessen Zugang durch Generationen loyaler Diener geschützt worden war, die selbst nach der Zerstörung ihrer Heimatwelt daran festgehalten hatten, die letzten kulturellen Schätze Nucerias zu bewahren.

Was sie darin fanden, war weder die vollständige Lösung, die Draedus zu erhoffen gewagt hatte, noch die vollständige Enttäuschung, die er insgeheim befürchtet hatte — sondern etwas Komplizierteres, etwas, das seine gesamte Reise in ein neues, unerwartetes Licht rückte. Die Kammer selbst war klein, kaum größer als ein bescheidenes Quartier, ihre Wände bedeckt mit verblassten Fresken, die Szenen aus einer längst vergangenen Zeit zeigten — Gladiatoren, die im Sand kämpften, nicht mit dem wilden, unkontrollierten Zorn, der Draedus' eigene Erinnerungen an Nuceria dominierte, sondern mit einer Anmut, die selbst nach Jahrtausenden noch spürbar war. In der Mitte der Kammer stand ein einzelner, steinerner Altar, auf dem die uralten Datenkerne und Pergamente ruhten, die die letzten Diener Nucerias vor der Zerstörung ihrer Heimatwelt gerettet hatten, ihre Oberfläche von Staub bedeckt, der seit Jahrzehnten ungestört geblieben war.

„Es gibt keine Technik, die die Nägel entfernt", sagte Skarr Nyx, nachdem er Stunden damit verbracht hatte, die uralten, fragilen Aufzeichnungen zu studieren, seine Stimme von einer Enttäuschung geprägt, die Draedus mit einer Wucht traf, die er nicht erwartet hatte. „Das habe ich befürchtet, aber gehofft, dass ich mich irrte. Die Gladiatorenmeister Nucerias entfernten die Aggression ihrer Kämpfer nicht. Sie lehrten sie, sie zu kanalisieren, zu formen, zu einem Werkzeug zu machen, das sie kontrollierten, statt umgekehrt."

„Was bedeutet das für mich?", fragte Draedus, seine Stimme zwischen Hoffnung und wachsender Verzweiflung gefangen.

„Es bedeutet, dass es keinen einfachen Weg zurück gibt, Bruder. Keine Operation, kein Ritual, das die Nägel aus deinem Schädel entfernt und dich zu dem Mann macht, der du vor dreißig Jahren warst." Skarr Nyx sah zu ihm auf, seine Augen von einer Mischung aus Mitgefühl und einer harten, unausweichlichen Wahrheit gezeichnet. „Aber die Techniken, die ich hier gefunden habe, deuten auf etwas anderes hin — eine Disziplin, eine Methode, den Moment zwischen dem ersten Ziehen der Nägel und dem vollständigen Verlust der Kontrolle zu erweitern, zu verlangsamen. Keine Heilung, Draedus. Aber vielleicht ein Werkzeug, mit dem du lernen könntest, öfter zu gewinnen, als zu verlieren."

Draedus stand lange schweigend in der kleinen Kammer, seine Gedanken zwischen der bitteren Enttäuschung dessen, was er nicht finden würde, und der zerbrechlichen, aber realen Hoffnung dessen, was tatsächlich vor ihm lag, gefangen. Er dachte an Corvantes' Worte, an den Roten Durst, an einen Kampf, der nie vollständig gewonnen wurde, aber dennoch bedeutungsvoll blieb, gerade weil er fortgesetzt wurde, Tag für Tag, ohne Garantie auf endgültigen Sieg.

„Zeig mir diese Techniken", sagte er schließlich. „Was auch immer sie sind, was auch immer sie kosten — ich bin bereit, sie zu lernen."

Skarr Nyx führte ihn zu den letzten, am besten erhaltenen Fragmenten der alten Aufzeichnungen, ihre Oberfläche mit einer Schrift bedeckt, die selbst für Draedus, der Nucerianisch in seiner Jugend gesprochen hatte, kaum mehr als vage vertraut wirkte. „Die erste Technik nennt sich, so gut ich es übersetzen kann, *das Auge des Sturms*", erklärte der Apothecarius, seine Finger über die uralten Zeichen gleitend. „Ein Zustand meditativer Konzentration, den die Gladiatorenmeister ihre Kämpfer lehrten, bevor sie in die Arena traten — eine Art innerer Ruhepunkt, den man in sich selbst finden musste, bevor das Chaos der Schlacht überhaupt begann, damit man einen Ort hatte, zu dem man zurückkehren konnte, wenn die Raserei drohte, alles andere zu verzehren."

„Wie finde ich diesen Ort?"

„Das, fürchte ich, muss jeder für sich selbst entdecken. Die Aufzeichnungen beschreiben nur den Zustand, nicht den genauen Weg dorthin. Aber sie deuten an, dass er oft mit einer einzigen, kraftvollen Erinnerung verbunden ist — einem Anker, der stark genug ist, um selbst gegen die Nägel Bestand zu haben." Skarr Nyx sah zu ihm auf, seine Frage mehr eine Vermutung als eine echte Unsicherheit. „Hast du eine solche Erinnerung, Draedus? Etwas, das stark genug sein könnte, dich zurückzuholen, selbst wenn alles andere verloren scheint?"

Draedus dachte an Kaelen, an das letzte gemeinsame Lachen nach jenem langen, ehrenvollen Duell, an eine Zeit, in der er noch wusste, wer er war, ohne daran zweifeln zu müssen. „Ich glaube, ja", sagte er leise. „Ich glaube, ich weiß, wo ich suchen muss."

XI. VERRATXI. VERRAT

Es war Kroth, der die Entscheidung traf, die alles veränderte, in der Nacht, nachdem Skarr Nyx begonnen hatte, Draedus die ersten, fragmentarischen Techniken der alten Nuceria-Disziplin beizubringen — eine Entscheidung, die aus einer Mischung von religiösem Eifer und persönlichem Verrat geboren wurde, die Draedus, selbst im Rückblick, nie vollständig verstehen sollte.

Der Angriff kam ohne Vorwarnung, während Draedus in tiefer Konzentration verharrte, Skarr Nyx' Anweisungen folgend, um zum ersten Mal in dreißig Jahren bewusst gegen das erste, leise Ziehen der Nägel anzukämpfen, statt es einfach zu ignorieren, bis es zu spät war.

„Genug von diesem Verrat", brüllte Kroth, seine Kettenaxt bereits im Anschlag, während er sich nicht auf Draedus selbst stürzte, sondern auf den wehrlosen, noch immer geschwächten Corvantes, der abseits des improvisierten Lagers gefesselt lag. „Wenn ich schon nicht verhindern kann, dass unser Anführer sich seiner eigenen Schwäche hingibt, werde ich wenigstens dafür sorgen, dass dieser Loyalist nicht länger als Symbol dieser Schwäche existiert."

Draedus reagierte, bevor sein bewusster Verstand die volle Tragweite der Situation vollständig verarbeitet hatte, sein Körper sich zwischen Kroths Klinge und Corvantes' wehrlose Gestalt werfend, mit einer Geschwindigkeit, die selbst ihn selbst überraschte.

„Du wirst ihn nicht töten", sagte er, seine eigene Kettenaxt jetzt gegen einen Bruder erhoben, den er einst als Verbündeten betrachtet hatte.

„Dann bist du tatsächlich der Verräter, den ich in dir vermutet habe." Kroths Stimme trug jetzt eine Wut, die weit über bloße ideologische Differenz hinausging, eine persönliche, verletzte Wut eines Mannes, der glaubte, von einem Bruder betrogen worden zu sein, dem er einst vertraut hatte. „Ich werde dich für diesen Verrat töten, Draedus, und dann werde ich den Loyalisten töten, den du zu beschützen versuchst, und dann werde ich zu unserer verbliebenen Kriegsband zurückkehren, um ihnen zu berichten, wie ihr einstiger Anführer zum Feigling wurde."

Vorn, aus dem Schlaf gerissen von Kroths Schrei, kam gerade rechtzeitig zur Stelle, um Zeuge der Konfrontation zu werden, sein Gesicht von Entsetzen gezeichnet, während er zwischen den beiden Kämpfern hin- und herblickte, unfähig, sich zu entscheiden, wem er zu Hilfe eilen sollte, unfähig überhaupt zu begreifen, dass zwei Brüder, die er sein gesamtes kurzes Leben als Astartes als unzertrennlich betrachtet hatte, nun bereit waren, sich gegenseitig zu töten.

Der Kampf, der folgte, war das Brutalste, das Draedus seit Jahren erlebt hatte — nicht gegen einen Feind, sondern gegen einen Bruder, dessen Fähigkeiten er selbst über Jahrzehnte gemeinsamen Kampfes kennengelernt hatte, jeder Schlag von einer Präzision geführt, die zeigte, wie gut sie einst zusammengekämpft hatten, bevor diese eine, unüberbrückbare Differenz zwischen ihnen entstand.

Draedus spürte, wie die Nägel bei diesem Kampf zu ziehen begannen, wie sie es immer taten, wenn Blut und Gefahr sich vereinten — aber diesmal, zum ersten Mal seit dreißig Jahren, versuchte er bewusst, die Techniken einzusetzen, die Skarr Nyx ihm gerade erst beigebracht hatte, den Moment zwischen dem ersten Ziehen und dem vollständigen Verlust der Kontrolle zu erweitern, statt sich einfach der Woge zu ergeben.

Es war unglaublich schwer. Es war fast unmöglich. Aber es war, zum ersten Mal in seinem gesamten Leben als World Eater, nicht vollständig unmöglich.

Er fand, mitten im Chaos des Kampfes, für einen einzigen, kostbaren Herzschlag, jenen Ort, den Skarr Nyx ihm beschrieben hatte — das Auge des Sturms, ein stiller, unerschütterlicher Kern in sich selbst, verankert an der Erinnerung an Kaelens Lachen, an einer Zeit, in der Ehre noch mehr bedeutet hatte als Blutvergießen. In diesem einen Moment, während Kroths Klinge auf ihn zuraste, sah Draedus den Angriff nicht durch den roten Schleier der Nägel, sondern mit der klaren, kalkulierten Präzision des Duellanten, der er einst gewesen war.

Es war Kroth, der die Entscheidung traf, die alles veränderte, in der Nacht, nachdem Skarr Nyx begonnen hatte, Draedus die ersten, fragmentarischen Techniken der alten Nuceria-Disziplin beizubringen — eine Entscheidung, die aus einer Mischung von religiösem Eifer und persönlichem Verrat geboren wurde, die Draedus, selbst im Rückblick, nie vollständig verstehen sollte.

Der Angriff kam ohne Vorwarnung, während Draedus in tiefer Konzentration verharrte, Skarr Nyx' Anweisungen folgend, um zum ersten Mal in dreißig Jahren bewusst gegen das erste, leise Ziehen der Nägel anzukämpfen, statt es einfach zu ignorieren, bis es zu spät war.

„Genug von diesem Verrat", brüllte Kroth, seine Kettenaxt bereits im Anschlag, während er sich nicht auf Draedus selbst stürzte, sondern auf den wehrlosen, noch immer geschwächten Corvantes, der abseits des improvisierten Lagers gefesselt lag. „Wenn ich schon nicht verhindern kann, dass unser Anführer sich seiner eigenen Schwäche hingibt, werde ich wenigstens dafür sorgen, dass dieser Loyalist nicht länger als Symbol dieser Schwäche existiert."

Draedus reagierte, bevor sein bewusster Verstand die volle Tragweite der Situation vollständig verarbeitet hatte, sein Körper sich zwischen Kroths Klinge und Corvantes' wehrlose Gestalt werfend, mit einer Geschwindigkeit, die selbst ihn selbst überraschte.

„Du wirst ihn nicht töten", sagte er, seine eigene Kettenaxt jetzt gegen einen Bruder erhoben, den er einst als Verbündeten betrachtet hatte.

„Dann bist du tatsächlich der Verräter, den ich in dir vermutet habe." Kroths Stimme trug jetzt eine Wut, die weit über bloße ideologische Differenz hinausging, eine persönliche, verletzte Wut eines Mannes, der glaubte, von einem Bruder betrogen worden zu sein, dem er einst vertraut hatte. „Ich werde dich für diesen Verrat töten, Draedus, und dann werde ich den Loyalisten töten, den du zu beschützen versuchst, und dann werde ich zu unserer verbliebenen Kriegsband zurückkehren, um ihnen zu berichten, wie ihr einstiger Anführer zum Feigling wurde."

Vorn, aus dem Schlaf gerissen von Kroths Schrei, kam gerade rechtzeitig zur Stelle, um Zeuge der Konfrontation zu werden, sein Gesicht von Entsetzen gezeichnet, während er zwischen den beiden Kämpfern hin- und herblickte, unfähig, sich zu entscheiden, wem er zu Hilfe eilen sollte, unfähig überhaupt zu begreifen, dass zwei Brüder, die er sein gesamtes kurzes Leben als Astartes als unzertrennlich betrachtet hatte, nun bereit waren, sich gegenseitig zu töten.

Der Kampf, der folgte, war das Brutalste, das Draedus seit Jahren erlebt hatte — nicht gegen einen Feind, sondern gegen einen Bruder, dessen Fähigkeiten er selbst über Jahrzehnte gemeinsamen Kampfes kennengelernt hatte, jeder Schlag von einer Präzision geführt, die zeigte, wie gut sie einst zusammengekämpft hatten, bevor diese eine, unüberbrückbare Differenz zwischen ihnen entstand.

Draedus spürte, wie die Nägel bei diesem Kampf zu ziehen begannen, wie sie es immer taten, wenn Blut und Gefahr sich vereinten — aber diesmal, zum ersten Mal seit dreißig Jahren, versuchte er bewusst, die Techniken einzusetzen, die Skarr Nyx ihm gerade erst beigebracht hatte, den Moment zwischen dem ersten Ziehen und dem vollständigen Verlust der Kontrolle zu erweitern, statt sich einfach der Woge zu ergeben.

Es war unglaublich schwer. Es war fast unmöglich. Aber es war, zum ersten Mal in seinem gesamten Leben als World Eater, nicht vollständig unmöglich.

Er fand, mitten im Chaos des Kampfes, für einen einzigen, kostbaren Herzschlag, jenen Ort, den Skarr Nyx ihm beschrieben hatte — das Auge des Sturms, ein stiller, unerschütterlicher Kern in sich selbst, verankert an der Erinnerung an Kaelens Lachen, an einer Zeit, in der Ehre noch mehr bedeutet hatte als Blutvergießen. In diesem einen Moment, während Kroths Klinge auf ihn zuraste, sah Draedus den Angriff nicht durch den roten Schleier der Nägel, sondern mit der klaren, kalkulierten Präzision des Duellanten, der er einst gewesen war.

XII. DAS AUGE DES STURMSXII. DAS AUGE DES STURMS

Der Kampf dauerte länger, als jeder von ihnen erwartet hatte, beide Krieger auf einem Niveau kämpfend, das selbst unter den elitärsten Astartes des gesamten Imperiums selten war, während Skarr Nyx und Vorn, unfähig, direkt einzugreifen, ohne das Risiko einzugehen, einen der beiden Kämpfer versehentlich zu verletzen, hilflos zusahen, wie sich das Schicksal ihrer gesamten kleinen Kriegsband in diesem einen, verzweifelten Duell entschied. Skarr Nyx hielt seine eigene Waffe bereit, seine Finger mehrmals unsicher um den Griff geschlossen, während er abwog, ob ein Eingreifen die Situation retten oder nur weiter verschlimmern würde — eine Entscheidung, die er, wie er sich später eingestehen würde, nie vollständig zu treffen wagte, aus Furcht, den falschen Moment zu wählen und dadurch selbst zur Ursache einer Katastrophe zu werden, die er zu verhindern versuchte.

Draedus spürte, wie seine Kontrolle mehrmals fast vollständig zerbrach, wie die vertraute, alles verzehrende Klarheit der Nägel danach griff, ihn zu übernehmen, ihn in dasselbe unkontrollierte Werkzeug zu verwandeln, das vor wenigen Tagen ein unschuldiges Kind getötet hatte. Aber jedes Mal, wenn er spürte, wie die Kontrolle zu entgleiten drohte, dachte er an Corvantes' Worte, an einen Kampf, der bedeutungsvoll blieb, selbst wenn er nicht vollständig gewonnen werden konnte, und fand, tief in sich, die Kraft, einen weiteren Moment der Klarheit zu erkämpfen.

Der entscheidende Moment kam, als Kroth, in einem letzten, verzweifelten Angriff, versuchte, an Draedus vorbei zu Corvantes durchzubrechen, seine Klinge in einem Bogen geführt, der, wäre er erfolgreich gewesen, den wehrlosen Blood Angel augenblicklich getötet hätte.

Draedus warf sich zwischen die Klinge und ihr Ziel, spürend, wie die Kettenaxt tief in seine eigene Schulter schnitt, ein Schmerz, der selbst durch die betäubende Klarheit seines Kampfrausches hindurch brannte. Aber der Schlag, der Kroth beinahe den Sieg gebracht hätte, öffnete auch eine Lücke in seiner eigenen Verteidigung — eine Lücke, die Draedus, mit der letzten, verzweifelten Präzision, die dreißig Jahre Training in ihm verankert hatten, nutzte, um seine eigene Klinge tief in Kroths ungeschützte Seite zu treiben.

Kroth kollabierte, seine Augen von Unglauben gezeichnet, während er zu Boden sank, sein Blut sich mit dem von Draedus selbst vermischend, das aus der klaffenden Wunde in seiner Schulter strömte.

„Du hättest —", begann Kroth, seine Stimme brechend unter der Wucht seiner eigenen, tödlichen Verwundung, „du hättest ein wahrer Krieger unseres Blutgottes sein können, Draedus. Stattdessen —"

„Stattdessen habe ich mich entschieden, ein Mann zu bleiben, so gut ich es noch kann." Draedus kniete neben seinem sterbenden Bruder, seine eigene Stimme von Erschöpfung und Trauer gleichermaßen gezeichnet. „Es tut mir leid, Kroth. Nicht, dass ich diese Wahl traf. Aber dass wir beide zu einem Punkt kamen, an dem diese Wahl uns gegeneinander stellte, statt uns, wie einst, zu vereinen."

Kroth starb, ohne eine weitere Antwort zu geben, sein Gesicht in seinen letzten Momenten von einer Mischung aus Zorn und, vielleicht, einem winzigen Fragment jener Menschlichkeit gezeichnet, die auch er einst besessen hatte, bevor die Nägel und Khornes Ruf sie fast vollständig ausgelöscht hatten.

Vorn kniete neben dem Leichnam ihres gefallenen Bruders, seine Hand zitternd, während er die alten, kaum noch praktizierten Riten sprach, die einst jeder Tod innerhalb ihres Legion begleitet hatten, bevor Khornes Ruf auch diese letzten Reste ihrer Menschlichkeit zu verdrängen begann. „Er war nicht immer so", sagte Vorn leise, mehr zu sich selbst als zu irgendjemand anderem. „Ich erinnere mich, wie er mich beschützte, in meinen ersten Jahren nach der Fleischung, als ich selbst kaum wusste, wie ich mit dem umgehen sollte, was ich geworden war."

„Wir alle waren nicht immer so", sagte Draedus, seine eigene Wunde notdürftig von Skarr Nyx versorgt, während er zusah, wie sein junger Bruder um einen Mann trauerte, der Minuten zuvor versucht hatte, sie beide zu töten. „Das ist vielleicht die grausamste Wahrheit dieses gesamten Krieges, Vorn. Wir waren alle einmal etwas Besseres, bevor wir wurden, was wir heute sind."

Der Kampf dauerte länger, als jeder von ihnen erwartet hatte, beide Krieger auf einem Niveau kämpfend, das selbst unter den elitärsten Astartes des gesamten Imperiums selten war, während Skarr Nyx und Vorn, unfähig, direkt einzugreifen, ohne das Risiko einzugehen, einen der beiden Kämpfer versehentlich zu verletzen, hilflos zusahen, wie sich das Schicksal ihrer gesamten kleinen Kriegsband in diesem einen, verzweifelten Duell entschied. Skarr Nyx hielt seine eigene Waffe bereit, seine Finger mehrmals unsicher um den Griff geschlossen, während er abwog, ob ein Eingreifen die Situation retten oder nur weiter verschlimmern würde — eine Entscheidung, die er, wie er sich später eingestehen würde, nie vollständig zu treffen wagte, aus Furcht, den falschen Moment zu wählen und dadurch selbst zur Ursache einer Katastrophe zu werden, die er zu verhindern versuchte.

Draedus spürte, wie seine Kontrolle mehrmals fast vollständig zerbrach, wie die vertraute, alles verzehrende Klarheit der Nägel danach griff, ihn zu übernehmen, ihn in dasselbe unkontrollierte Werkzeug zu verwandeln, das vor wenigen Tagen ein unschuldiges Kind getötet hatte. Aber jedes Mal, wenn er spürte, wie die Kontrolle zu entgleiten drohte, dachte er an Corvantes' Worte, an einen Kampf, der bedeutungsvoll blieb, selbst wenn er nicht vollständig gewonnen werden konnte, und fand, tief in sich, die Kraft, einen weiteren Moment der Klarheit zu erkämpfen.

Der entscheidende Moment kam, als Kroth, in einem letzten, verzweifelten Angriff, versuchte, an Draedus vorbei zu Corvantes durchzubrechen, seine Klinge in einem Bogen geführt, der, wäre er erfolgreich gewesen, den wehrlosen Blood Angel augenblicklich getötet hätte.

Draedus warf sich zwischen die Klinge und ihr Ziel, spürend, wie die Kettenaxt tief in seine eigene Schulter schnitt, ein Schmerz, der selbst durch die betäubende Klarheit seines Kampfrausches hindurch brannte. Aber der Schlag, der Kroth beinahe den Sieg gebracht hätte, öffnete auch eine Lücke in seiner eigenen Verteidigung — eine Lücke, die Draedus, mit der letzten, verzweifelten Präzision, die dreißig Jahre Training in ihm verankert hatten, nutzte, um seine eigene Klinge tief in Kroths ungeschützte Seite zu treiben.

Kroth kollabierte, seine Augen von Unglauben gezeichnet, während er zu Boden sank, sein Blut sich mit dem von Draedus selbst vermischend, das aus der klaffenden Wunde in seiner Schulter strömte.

„Du hättest —", begann Kroth, seine Stimme brechend unter der Wucht seiner eigenen, tödlichen Verwundung, „du hättest ein wahrer Krieger unseres Blutgottes sein können, Draedus. Stattdessen —"

„Stattdessen habe ich mich entschieden, ein Mann zu bleiben, so gut ich es noch kann." Draedus kniete neben seinem sterbenden Bruder, seine eigene Stimme von Erschöpfung und Trauer gleichermaßen gezeichnet. „Es tut mir leid, Kroth. Nicht, dass ich diese Wahl traf. Aber dass wir beide zu einem Punkt kamen, an dem diese Wahl uns gegeneinander stellte, statt uns, wie einst, zu vereinen."

Kroth starb, ohne eine weitere Antwort zu geben, sein Gesicht in seinen letzten Momenten von einer Mischung aus Zorn und, vielleicht, einem winzigen Fragment jener Menschlichkeit gezeichnet, die auch er einst besessen hatte, bevor die Nägel und Khornes Ruf sie fast vollständig ausgelöscht hatten.

Vorn kniete neben dem Leichnam ihres gefallenen Bruders, seine Hand zitternd, während er die alten, kaum noch praktizierten Riten sprach, die einst jeder Tod innerhalb ihres Legion begleitet hatten, bevor Khornes Ruf auch diese letzten Reste ihrer Menschlichkeit zu verdrängen begann. „Er war nicht immer so", sagte Vorn leise, mehr zu sich selbst als zu irgendjemand anderem. „Ich erinnere mich, wie er mich beschützte, in meinen ersten Jahren nach der Fleischung, als ich selbst kaum wusste, wie ich mit dem umgehen sollte, was ich geworden war."

„Wir alle waren nicht immer so", sagte Draedus, seine eigene Wunde notdürftig von Skarr Nyx versorgt, während er zusah, wie sein junger Bruder um einen Mann trauerte, der Minuten zuvor versucht hatte, sie beide zu töten. „Das ist vielleicht die grausamste Wahrheit dieses gesamten Krieges, Vorn. Wir waren alle einmal etwas Besseres, bevor wir wurden, was wir heute sind."

XIII. WAS BLEIBTXIII. WAS BLEIBT

Sie verbrachten die folgenden Tage mit der Versorgung ihrer Wunden, sowohl der körperlichen als auch der tieferen, komplizierteren Wunden, die Kroths Verrat und Tod in ihrer kleinen, versprengten Kriegsband hinterlassen hatte. Corvantes, dessen eigene Wunden sich unter Skarr Nyx' fortgesetzter Behandlung langsam besserten, verbrachte diese Tage in einem eigenartigen, nie vollständig aufgelösten Zustand zwischen Gefangenschaft und etwas, das sich zunehmend wie eine unwahrscheinliche Waffenbrüderschaft anfühlte.

„Du hast mein Leben gerettet, auf Kosten deines eigenen Blutes", sagte Corvantes, als sie eines Abends gemeinsam am Rand ihres Lagers saßen, seine Stimme von einer Ehrlichkeit getragen, die er sich gegenüber einem Verräter nie hätte vorstellen können, bevor diese gesamte, unwahrscheinliche Reise begann. „Ich weiß nicht, wie ich das mit allem in Einklang bringen soll, was mich gelehrt wurde, über das, was du und deinesgleichen repräsentieren."

„Vielleicht musst du es nicht vollständig in Einklang bringen", sagte Draedus. „Vielleicht ist es genug, zu wissen, dass es Momente gibt, Ausnahmen von jeder Regel, die wir uns über die Welt erzählen, um sie einfacher zu verstehen, als sie tatsächlich ist."

„Was wirst du jetzt tun? Jetzt, da du weißt, dass es keine vollständige Heilung gibt?"

Draedus schwieg lange, seine Gedanken die Implikationen dieser Frage abwägend, mit einer Klarheit, die er sich erst in den letzten, chaotischen Tagen erarbeitet hatte. „Ich werde weiterkämpfen, Corvantes. Nicht gegen einen Feind, den ich besiegen kann, denn die Nägel werden mich mein ganzes weiteres Leben begleiten, ohne Aussicht auf endgültigen Sieg. Aber ich werde weiterkämpfen, jeden Tag, um öfter zu gewinnen, als zu verlieren, so wie du es mir beschrieben hast, mit deinem eigenen Fluch."

Skarr Nyx trat zu ihnen, sein eigenes Gesicht von einer stillen, komplizierten Erleichterung gezeichnet, die dreißig Jahre Schuld nicht vollständig auszulöschen vermochten, aber die dennoch echt war. „Ich werde bei dir bleiben, Draedus, so lange du mich brauchst", sagte er. „Ich habe dich in diesen Zustand versetzt. Es ist nur recht, dass ich dir helfe, einen Weg zu finden, mit ihm zu leben, selbst wenn dieser Weg niemals zu vollständiger Heilung führt."

„Und die anderen?", fragte Draedus, seinen Blick auf die verbliebenen Brüder ihrer dezimierten Kriegsband richtend, die sich in respektvoller Distanz versammelt hatten, ihre eigenen Gedanken über die Ereignisse der letzten Wochen sichtbar noch nicht vollständig geordnet.

„Sie werden entscheiden müssen, jeder für sich, ob sie diesen Weg mit uns gehen wollen", sagte Skarr Nyx. „Ich werde niemanden zwingen, eine Hoffnung zu teilen, die er selbst nicht zu tragen bereit ist."

„Das klingt nach einem einsamen Weg."

„Es ist der einzige Weg, den ich noch habe." Draedus sah zu den fernen Sternen, die durch den permanenten Rauch von Karthax Secundus schwach hindurchschimmerten. „Ich kann nicht zum Imperium zurückkehren, Corvantes. Selbst wenn sie mir glauben würden, dass ich es versuche, meine eigene Natur zu kontrollieren, statt sie zu feiern — meine Hände tragen zu viel Blut, das niemals vergeben werden kann, von Männern, die ein weit besseres Recht auf Rache haben, als ich auf Vergebung. Aber ich kann auch nicht zu dem zurückkehren, was ich in den letzten dreißig Jahren war, jetzt, da ich weiß, dass es einen anderen Weg gibt, selbst wenn dieser Weg niemals zu einer vollständigen Erlösung führen wird."

Corvantes nickte langsam, seine Miene von einem Respekt gezeichnet, den er sich selbst gegenüber einem Verräter niemals hätte vorstellen können, bevor diese Reise begann. „Es gibt einen alten Ausspruch in meinem eigenen Orden, Draedus, geboren aus unserem eigenen Kampf mit dem Roten Durst: 'Wir werden nicht danach beurteilt, ob wir fallen. Wir werden danach beurteilt, wie oft wir uns wieder erheben.' Ich weiß nicht, ob dieser Ausspruch für einen Mann wie dich gedacht war, als er zum ersten Mal gesprochen wurde. Aber ich glaube, er passt auf dich, besser als auf die meisten Brüder meines eigenen Ordens, die ich kenne."

„Das ist eine großzügigere Beurteilung, als ich erwartet hätte, von einem Mann, dessen Brüder ich vielleicht eines Tages wieder bekämpfen werde."

„Großzügigkeit ist selten, in dieser Galaxie", sagte Corvantes. „Aber sie ist nicht deshalb weniger wahr."

Sie verbrachten die folgenden Tage mit der Versorgung ihrer Wunden, sowohl der körperlichen als auch der tieferen, komplizierteren Wunden, die Kroths Verrat und Tod in ihrer kleinen, versprengten Kriegsband hinterlassen hatte. Corvantes, dessen eigene Wunden sich unter Skarr Nyx' fortgesetzter Behandlung langsam besserten, verbrachte diese Tage in einem eigenartigen, nie vollständig aufgelösten Zustand zwischen Gefangenschaft und etwas, das sich zunehmend wie eine unwahrscheinliche Waffenbrüderschaft anfühlte.

„Du hast mein Leben gerettet, auf Kosten deines eigenen Blutes", sagte Corvantes, als sie eines Abends gemeinsam am Rand ihres Lagers saßen, seine Stimme von einer Ehrlichkeit getragen, die er sich gegenüber einem Verräter nie hätte vorstellen können, bevor diese gesamte, unwahrscheinliche Reise begann. „Ich weiß nicht, wie ich das mit allem in Einklang bringen soll, was mich gelehrt wurde, über das, was du und deinesgleichen repräsentieren."

„Vielleicht musst du es nicht vollständig in Einklang bringen", sagte Draedus. „Vielleicht ist es genug, zu wissen, dass es Momente gibt, Ausnahmen von jeder Regel, die wir uns über die Welt erzählen, um sie einfacher zu verstehen, als sie tatsächlich ist."

„Was wirst du jetzt tun? Jetzt, da du weißt, dass es keine vollständige Heilung gibt?"

Draedus schwieg lange, seine Gedanken die Implikationen dieser Frage abwägend, mit einer Klarheit, die er sich erst in den letzten, chaotischen Tagen erarbeitet hatte. „Ich werde weiterkämpfen, Corvantes. Nicht gegen einen Feind, den ich besiegen kann, denn die Nägel werden mich mein ganzes weiteres Leben begleiten, ohne Aussicht auf endgültigen Sieg. Aber ich werde weiterkämpfen, jeden Tag, um öfter zu gewinnen, als zu verlieren, so wie du es mir beschrieben hast, mit deinem eigenen Fluch."

Skarr Nyx trat zu ihnen, sein eigenes Gesicht von einer stillen, komplizierten Erleichterung gezeichnet, die dreißig Jahre Schuld nicht vollständig auszulöschen vermochten, aber die dennoch echt war. „Ich werde bei dir bleiben, Draedus, so lange du mich brauchst", sagte er. „Ich habe dich in diesen Zustand versetzt. Es ist nur recht, dass ich dir helfe, einen Weg zu finden, mit ihm zu leben, selbst wenn dieser Weg niemals zu vollständiger Heilung führt."

„Und die anderen?", fragte Draedus, seinen Blick auf die verbliebenen Brüder ihrer dezimierten Kriegsband richtend, die sich in respektvoller Distanz versammelt hatten, ihre eigenen Gedanken über die Ereignisse der letzten Wochen sichtbar noch nicht vollständig geordnet.

„Sie werden entscheiden müssen, jeder für sich, ob sie diesen Weg mit uns gehen wollen", sagte Skarr Nyx. „Ich werde niemanden zwingen, eine Hoffnung zu teilen, die er selbst nicht zu tragen bereit ist."

„Das klingt nach einem einsamen Weg."

„Es ist der einzige Weg, den ich noch habe." Draedus sah zu den fernen Sternen, die durch den permanenten Rauch von Karthax Secundus schwach hindurchschimmerten. „Ich kann nicht zum Imperium zurückkehren, Corvantes. Selbst wenn sie mir glauben würden, dass ich es versuche, meine eigene Natur zu kontrollieren, statt sie zu feiern — meine Hände tragen zu viel Blut, das niemals vergeben werden kann, von Männern, die ein weit besseres Recht auf Rache haben, als ich auf Vergebung. Aber ich kann auch nicht zu dem zurückkehren, was ich in den letzten dreißig Jahren war, jetzt, da ich weiß, dass es einen anderen Weg gibt, selbst wenn dieser Weg niemals zu einer vollständigen Erlösung führen wird."

Corvantes nickte langsam, seine Miene von einem Respekt gezeichnet, den er sich selbst gegenüber einem Verräter niemals hätte vorstellen können, bevor diese Reise begann. „Es gibt einen alten Ausspruch in meinem eigenen Orden, Draedus, geboren aus unserem eigenen Kampf mit dem Roten Durst: 'Wir werden nicht danach beurteilt, ob wir fallen. Wir werden danach beurteilt, wie oft wir uns wieder erheben.' Ich weiß nicht, ob dieser Ausspruch für einen Mann wie dich gedacht war, als er zum ersten Mal gesprochen wurde. Aber ich glaube, er passt auf dich, besser als auf die meisten Brüder meines eigenen Ordens, die ich kenne."

„Das ist eine großzügigere Beurteilung, als ich erwartet hätte, von einem Mann, dessen Brüder ich vielleicht eines Tages wieder bekämpfen werde."

„Großzügigkeit ist selten, in dieser Galaxie", sagte Corvantes. „Aber sie ist nicht deshalb weniger wahr."

XIV. DER WEG OHNE HEIMKEHRXIV. DER WEG OHNE HEIMKEHR

Sie ließen Corvantes schließlich frei, eine Woche später, an einem Ort, von dem aus er mit realistischer Aussicht auf Erfolg zu den verbliebenen imperialen Verteidigungslinien von Karthax Secundus zurückkehren konnte, bevor die letzte Phase der Belagerung begann. Der Abschied war von einer eigentümlichen Feierlichkeit geprägt, wie sie zwischen erklärten Feinden selten vorkam — keine der üblichen Rituale des Krieges, weder Triumph noch Erniedrigung, sondern etwas, das näher an gegenseitigem, hart erkämpftem Respekt lag.

„Was wirst du deinen eigenen Brüdern berichten?", fragte Draedus, als sie sich zum letzten Mal gegenüberstanden, Feinde nach jeder gewöhnlichen Definition des Krieges, und dennoch etwas anderes geworden, in den Tagen, die sie gemeinsam durchlebt hatten.

„Die Wahrheit, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag." Corvantes' Stimme trug eine Ernsthaftigkeit, die keinen Raum für Täuschung ließ. „Dass ich einem World Eater begegnet bin, der gegen seine eigene Natur kämpft, mit derselben Verzweiflung, mit der ich gegen meine eigene kämpfe. Ich weiß nicht, ob sie mir glauben werden. Ich weiß nicht, ob es überhaupt wichtig ist, ob sie es tun."

„Wird man dich nicht bestrafen, für die bloße Tatsache, dass du mit uns gesprochen hast, statt sofort zu fliehen oder zu kämpfen?"

„Vielleicht." Corvantes zuckte mit den Schultern, eine Geste, die trotz seiner noch immer sichtbaren Erschöpfung eine gewisse Gelassenheit verriet. „Aber ich habe gelernt, in den Jahren seit der Häresie, dass Wahrheit wichtiger ist als bequeme Berichte, die niemandem wehtun. Wenn mein eigener Orden mich für das bestraft, was ich hier gesehen und gelernt habe, dann sagt das mehr über die Grenzen ihres eigenen Verständnisses aus als über irgendeinen Fehler, den ich begangen habe."

„Und wenn wir uns wiederbegegnen, auf einem zukünftigen Schlachtfeld?"

Corvantes schwieg lange, bevor er antwortete, seine Augen von derselben, komplizierten Ehrlichkeit gezeichnet, die ihre gesamte unwahrscheinliche Verbindung definiert hatte. „Dann werden wir tun, was Pflicht und Umstände von uns verlangen, Draedus. Ich bin kein Narr, der glaubt, dass eine einzige Begegnung zehntausend Jahre Krieg auslöschen könnte, die noch kommen werden. Aber ich werde mich erinnern, an diese Tage, und an das, was sie mich über den Unterschied zwischen einem Feind und einem Monster gelehrt haben. Das ist mehr, als ich erwartet hätte, als deine Brüder mich gefangen nahmen."

Bevor er ging, hielt Corvantes inne, seine Hand sich zu einer Geste erhebend, die zwischen einem militärischen Gruß und etwas Persönlicherem lag. „Wenn es einen Gott gibt, der noch für Männer wie uns beide Raum in seinem Urteil hat, Draedus — nicht Khorne, nicht die Chaosgötter, sondern etwas Älteres, Gerechteres —, dann hoffe ich, dass er sieht, was du hier zu tun versuchst, und es als das anerkennt, was es ist: der Versuch eines Mannes, der mehr verloren hat, als die meisten ertragen könnten, dennoch nicht vollständig aufzugeben."

„Und wenn es keinen solchen Gott gibt?"

„Dann wird es trotzdem wahr sein, ganz gleich, ob irgendjemand es je bezeugt." Corvantes wandte sich zum Gehen, seine Silhouette bald in den Trümmern von Karthax Secundus verschwindend, in Richtung der fernen, noch immer kämpfenden imperialen Verteidigungslinien.

Sie trennten sich ohne weitere Worte, jeder zu seinem eigenen, unsicheren Schicksal zurückkehrend, während Draedus, zusammen mit Skarr Nyx, Vorn und den letzten verbliebenen Brüdern ihrer kleinen, dezimierten Kriegsband, sich tiefer in die zerklüfteten Ödländer von Karthax Secundus zurückzog, fort von jeder unmittelbaren Front des Krieges, der ihre gesamte Existenz definiert hatte.

„Wohin gehen wir jetzt?", fragte Vorn, während sie durch die Dämmerung marschierten, seine Stimme von einer Hoffnung getragen, die selbst die Ereignisse der letzten Wochen nicht vollständig auslöschen konnten.

„Ich weiß es nicht mit Sicherheit", gab Draedus zu, seine Hand unwillkürlich zu seiner verwundeten Schulter wandernd, deren Narbe, so wusste er bereits, ihn für den Rest seines langen, ungewissen Lebens begleiten würde. „Aber ich weiß, dass wir nicht länger blind Khornes Ruf folgen werden, ohne die Kontrolle zu suchen, die uns dieser Ruf so lange verweigert hat. Wir werden die Techniken üben, die Skarr Nyx in jenem Reliquiar fand. Wir werden lernen, öfter zu gewinnen, als zu verlieren. Und vielleicht, eines Tages, werden wir einen Weg finden, diese fragile Kontrolle für etwas einzusetzen, das mehr ist als bloßes Überleben — für einen Zweck, der uns erlaubt, mit dem zu leben, was wir geworden sind, ohne uns vollständig darin zu verlieren."

Vorn ging schweigend neben ihm, seine junge Gestalt von den Ereignissen der letzten Wochen sichtbar verändert, gealtert auf eine Weise, die keine Zahl von Jahren allein hätte bewirken können. „Ich werde diesen Weg mit dir gehen, Draedus", sagte er schließlich, seine Stimme von einer Entschlossenheit getragen, die seine anfängliche Unschuld nun mit etwas Härterem, aber nicht weniger Wertvollem verband. „Nicht, weil ich glaube, dass wir Erfolg haben werden. Sondern weil ich glaube, dass der Versuch selbst wichtiger ist als jede Garantie auf Erfolg."

„Das ist eine weise Erkenntnis, für einen so jungen Mann."

„Ich hatte einen guten Lehrer", sagte Vorn, ein schwaches, aber echtes Lächeln auf seinen von Narben gezeichneten Zügen.

Er dachte, während sie weitergingen, tiefer in eine ungewisse Zukunft, an Kaelen, an seinen alten Namen, Draedus der Stille, an eine Version seiner selbst, die er nie wieder vollständig sein würde. Er dachte an das Kind, dessen Namen er nie erfahren hatte, dessen Tod er mit sich tragen würde, für den Rest seines unnatürlich langen Lebens, als stummer, unauslöschlicher Beweis dafür, dass manche Schulden niemals vollständig beglichen werden konnten. Skarr Nyx ging schweigend hinter ihnen, sein eigener Blick immer wieder zu den fernen Trümmern der Stadt wandernd, in der so viele ihrer Opfer begraben lagen, seine eigene Last von dreißig Jahren stiller Mitschuld nicht geringer als die von Draedus selbst, nur anders getragen, anders verarbeitet, ein Apothecarius, dessen Hände sowohl heilten als auch, an jenem einen, unauslöschlichen Abend vor dreißig Jahren, unwiderruflich zerstörten.

Und er dachte an Corvantes, an einen Feind, der für einen kurzen, unwahrscheinlichen Moment mehr Verständnis gezeigt hatte als jeder Bruder, der ihm in den letzten dreißig Jahren begegnet war — an die stille, bittere Hoffnung, dass es, selbst in einer Galaxie, die von endlosem Krieg und unheilbarer Korruption zerrissen wurde, noch immer möglich war, einen Weg zu finden, der weder vollständige Erlösung noch vollständige Verdammnis bedeutete, sondern etwas dazwischen — schwerer zu tragen als beides, aber, vielleicht, ehrlicher als jede einfachere Antwort, die er sich hätte wünschen können.

Er würde niemals zum Imperium zurückkehren können. Das wusste er mit absoluter Gewissheit, während sie weiter in die Dunkelheit marschierten. Aber er musste, entschied er in diesem Moment, mit derselben Gewissheit, mit der er diese Unmöglichkeit akzeptierte, auch nicht vollständig das bleiben, wozu die Nägel ihn machen wollten. Zwischen diesen beiden Unmöglichkeiten lag ein schmaler, ungewisser Pfad, den er von nun an zu beschreiten gedachte, Tag für Tag, Kampf für Kampf, ohne Garantie auf endgültigen Frieden, aber mit der einzigen Art von Hoffnung, die ihm nach dreißig Jahren der Nägel noch geblieben war.

**ENDE**

*Nachwort: Diese Novelle lässt bewusst offen, ob Draedus' fragiler Weg der Selbstbeherrschung ihn am Ende retten oder nur seinen Fall verlangsamen wird. Ebenso bleibt ungeklärt, was aus Corvantes' Bericht an seinen eigenen Orden wird, und ob sich die beiden Krieger je wiederbegegnen — als Feinde, als etwas Komplizierteres, oder gar nicht mehr. Das ist beabsichtigt: In einem Universum, das auf dem Prinzip aufgebaut ist, dass Hoffnung existiert, aber niemals ohne Kosten, gibt es keine sauberen Rückkehrwege aus dem, was die Häresie und ihre Folgen aus den Söhnen der Primarchen machten — nur die tägliche, erschöpfende Entscheidung, weiterzukämpfen, gegen einen Feind, der niemals vollständig besiegt werden kann, aber auch niemals vollständig gewinnen muss, solange noch ein Funke des Mannes bleibt, der man einst war.*

Sie ließen Corvantes schließlich frei, eine Woche später, an einem Ort, von dem aus er mit realistischer Aussicht auf Erfolg zu den verbliebenen imperialen Verteidigungslinien von Karthax Secundus zurückkehren konnte, bevor die letzte Phase der Belagerung begann. Der Abschied war von einer eigentümlichen Feierlichkeit geprägt, wie sie zwischen erklärten Feinden selten vorkam — keine der üblichen Rituale des Krieges, weder Triumph noch Erniedrigung, sondern etwas, das näher an gegenseitigem, hart erkämpftem Respekt lag.

„Was wirst du deinen eigenen Brüdern berichten?", fragte Draedus, als sie sich zum letzten Mal gegenüberstanden, Feinde nach jeder gewöhnlichen Definition des Krieges, und dennoch etwas anderes geworden, in den Tagen, die sie gemeinsam durchlebt hatten.

„Die Wahrheit, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag." Corvantes' Stimme trug eine Ernsthaftigkeit, die keinen Raum für Täuschung ließ. „Dass ich einem World Eater begegnet bin, der gegen seine eigene Natur kämpft, mit derselben Verzweiflung, mit der ich gegen meine eigene kämpfe. Ich weiß nicht, ob sie mir glauben werden. Ich weiß nicht, ob es überhaupt wichtig ist, ob sie es tun."

„Wird man dich nicht bestrafen, für die bloße Tatsache, dass du mit uns gesprochen hast, statt sofort zu fliehen oder zu kämpfen?"

„Vielleicht." Corvantes zuckte mit den Schultern, eine Geste, die trotz seiner noch immer sichtbaren Erschöpfung eine gewisse Gelassenheit verriet. „Aber ich habe gelernt, in den Jahren seit der Häresie, dass Wahrheit wichtiger ist als bequeme Berichte, die niemandem wehtun. Wenn mein eigener Orden mich für das bestraft, was ich hier gesehen und gelernt habe, dann sagt das mehr über die Grenzen ihres eigenen Verständnisses aus als über irgendeinen Fehler, den ich begangen habe."

„Und wenn wir uns wiederbegegnen, auf einem zukünftigen Schlachtfeld?"

Corvantes schwieg lange, bevor er antwortete, seine Augen von derselben, komplizierten Ehrlichkeit gezeichnet, die ihre gesamte unwahrscheinliche Verbindung definiert hatte. „Dann werden wir tun, was Pflicht und Umstände von uns verlangen, Draedus. Ich bin kein Narr, der glaubt, dass eine einzige Begegnung zehntausend Jahre Krieg auslöschen könnte, die noch kommen werden. Aber ich werde mich erinnern, an diese Tage, und an das, was sie mich über den Unterschied zwischen einem Feind und einem Monster gelehrt haben. Das ist mehr, als ich erwartet hätte, als deine Brüder mich gefangen nahmen."

Bevor er ging, hielt Corvantes inne, seine Hand sich zu einer Geste erhebend, die zwischen einem militärischen Gruß und etwas Persönlicherem lag. „Wenn es einen Gott gibt, der noch für Männer wie uns beide Raum in seinem Urteil hat, Draedus — nicht Khorne, nicht die Chaosgötter, sondern etwas Älteres, Gerechteres —, dann hoffe ich, dass er sieht, was du hier zu tun versuchst, und es als das anerkennt, was es ist: der Versuch eines Mannes, der mehr verloren hat, als die meisten ertragen könnten, dennoch nicht vollständig aufzugeben."

„Und wenn es keinen solchen Gott gibt?"

„Dann wird es trotzdem wahr sein, ganz gleich, ob irgendjemand es je bezeugt." Corvantes wandte sich zum Gehen, seine Silhouette bald in den Trümmern von Karthax Secundus verschwindend, in Richtung der fernen, noch immer kämpfenden imperialen Verteidigungslinien.

Sie trennten sich ohne weitere Worte, jeder zu seinem eigenen, unsicheren Schicksal zurückkehrend, während Draedus, zusammen mit Skarr Nyx, Vorn und den letzten verbliebenen Brüdern ihrer kleinen, dezimierten Kriegsband, sich tiefer in die zerklüfteten Ödländer von Karthax Secundus zurückzog, fort von jeder unmittelbaren Front des Krieges, der ihre gesamte Existenz definiert hatte.

„Wohin gehen wir jetzt?", fragte Vorn, während sie durch die Dämmerung marschierten, seine Stimme von einer Hoffnung getragen, die selbst die Ereignisse der letzten Wochen nicht vollständig auslöschen konnten.

„Ich weiß es nicht mit Sicherheit", gab Draedus zu, seine Hand unwillkürlich zu seiner verwundeten Schulter wandernd, deren Narbe, so wusste er bereits, ihn für den Rest seines langen, ungewissen Lebens begleiten würde. „Aber ich weiß, dass wir nicht länger blind Khornes Ruf folgen werden, ohne die Kontrolle zu suchen, die uns dieser Ruf so lange verweigert hat. Wir werden die Techniken üben, die Skarr Nyx in jenem Reliquiar fand. Wir werden lernen, öfter zu gewinnen, als zu verlieren. Und vielleicht, eines Tages, werden wir einen Weg finden, diese fragile Kontrolle für etwas einzusetzen, das mehr ist als bloßes Überleben — für einen Zweck, der uns erlaubt, mit dem zu leben, was wir geworden sind, ohne uns vollständig darin zu verlieren."

Vorn ging schweigend neben ihm, seine junge Gestalt von den Ereignissen der letzten Wochen sichtbar verändert, gealtert auf eine Weise, die keine Zahl von Jahren allein hätte bewirken können. „Ich werde diesen Weg mit dir gehen, Draedus", sagte er schließlich, seine Stimme von einer Entschlossenheit getragen, die seine anfängliche Unschuld nun mit etwas Härterem, aber nicht weniger Wertvollem verband. „Nicht, weil ich glaube, dass wir Erfolg haben werden. Sondern weil ich glaube, dass der Versuch selbst wichtiger ist als jede Garantie auf Erfolg."

„Das ist eine weise Erkenntnis, für einen so jungen Mann."

„Ich hatte einen guten Lehrer", sagte Vorn, ein schwaches, aber echtes Lächeln auf seinen von Narben gezeichneten Zügen.

Er dachte, während sie weitergingen, tiefer in eine ungewisse Zukunft, an Kaelen, an seinen alten Namen, Draedus der Stille, an eine Version seiner selbst, die er nie wieder vollständig sein würde. Er dachte an das Kind, dessen Namen er nie erfahren hatte, dessen Tod er mit sich tragen würde, für den Rest seines unnatürlich langen Lebens, als stummer, unauslöschlicher Beweis dafür, dass manche Schulden niemals vollständig beglichen werden konnten. Skarr Nyx ging schweigend hinter ihnen, sein eigener Blick immer wieder zu den fernen Trümmern der Stadt wandernd, in der so viele ihrer Opfer begraben lagen, seine eigene Last von dreißig Jahren stiller Mitschuld nicht geringer als die von Draedus selbst, nur anders getragen, anders verarbeitet, ein Apothecarius, dessen Hände sowohl heilten als auch, an jenem einen, unauslöschlichen Abend vor dreißig Jahren, unwiderruflich zerstörten.

Und er dachte an Corvantes, an einen Feind, der für einen kurzen, unwahrscheinlichen Moment mehr Verständnis gezeigt hatte als jeder Bruder, der ihm in den letzten dreißig Jahren begegnet war — an die stille, bittere Hoffnung, dass es, selbst in einer Galaxie, die von endlosem Krieg und unheilbarer Korruption zerrissen wurde, noch immer möglich war, einen Weg zu finden, der weder vollständige Erlösung noch vollständige Verdammnis bedeutete, sondern etwas dazwischen — schwerer zu tragen als beides, aber, vielleicht, ehrlicher als jede einfachere Antwort, die er sich hätte wünschen können.

Er würde niemals zum Imperium zurückkehren können. Das wusste er mit absoluter Gewissheit, während sie weiter in die Dunkelheit marschierten. Aber er musste, entschied er in diesem Moment, mit derselben Gewissheit, mit der er diese Unmöglichkeit akzeptierte, auch nicht vollständig das bleiben, wozu die Nägel ihn machen wollten. Zwischen diesen beiden Unmöglichkeiten lag ein schmaler, ungewisser Pfad, den er von nun an zu beschreiten gedachte, Tag für Tag, Kampf für Kampf, ohne Garantie auf endgültigen Frieden, aber mit der einzigen Art von Hoffnung, die ihm nach dreißig Jahren der Nägel noch geblieben war.

**ENDE**

*Nachwort: Diese Novelle lässt bewusst offen, ob Draedus' fragiler Weg der Selbstbeherrschung ihn am Ende retten oder nur seinen Fall verlangsamen wird. Ebenso bleibt ungeklärt, was aus Corvantes' Bericht an seinen eigenen Orden wird, und ob sich die beiden Krieger je wiederbegegnen — als Feinde, als etwas Komplizierteres, oder gar nicht mehr. Das ist beabsichtigt: In einem Universum, das auf dem Prinzip aufgebaut ist, dass Hoffnung existiert, aber niemals ohne Kosten, gibt es keine sauberen Rückkehrwege aus dem, was die Häresie und ihre Folgen aus den Söhnen der Primarchen machten — nur die tägliche, erschöpfende Entscheidung, weiterzukämpfen, gegen einen Feind, der niemals vollständig besiegt werden kann, aber auch niemals vollständig gewinnen muss, solange noch ein Funke des Mannes bleibt, der man einst war.*

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