DIE LETZTE BEICHTEDIE LETZTE BEICHTE
Eine Geschichte von Schuld und AscheEine Geschichte von Schuld und Asche
Astra Militarum · Ecclesiarchie · Feuerhüter von Nocturne
I. DAS SCHWEIGEN DES IMPERATORSI. DAS SCHWEIGEN DES IMPERATORS
Die Lichter des Grenzpostens waren das Erste, was Aldous Rethmar seit drei Tagen sah, das nicht aus Fäulnis oder Schatten bestand, und er ging auf sie zu, wie ein Ertrinkender auf die Oberfläche zugeht, ohne zu wissen, ob am Ende Luft oder nur ein weiteres, grausameres Ersticken wartete.
Er hatte die Hände erhoben, lange bevor die ersten Rufe ihn erreichten, seine Handflächen der Nacht entgegengestreckt wie ein Mann, der um eine Gabe bittet, die er nicht verdient hat. Sein Körper war ein Verzeichnis der letzten Jahre — Narben, die sich über alte Narben legten, ein Hunger, der so tief saß, dass er kaum noch als Hunger erkennbar war, sondern nur noch als ein dumpfes, beständiges Brennen irgendwo unter dem Brustbein. Seine Priesterrobe, längst zu Fetzen zerschlissen, hatte er vor Wochen abgelegt; was er jetzt trug, war das, was die Straße ihm gelassen hatte, grau von Staub und braun von älterem, längst getrocknetem Blut, das nicht das seine war.
„Halt! Keine Bewegung, oder wir schießen!“
Die Stimme kam von rechts, jung und von Angst durchsetzt, und Aldous blieb stehen, so abrupt, dass er beinahe stolperte. Er zählte drei Gestalten hinter dem provisorischen Wall aus Sandsäcken und rostigem Wellblech, ihre Lasergewehre auf ihn gerichtet, ihre Silhouetten vom flackernden Licht der Wachfeuer nur unvollständig gegen die Dunkelheit von Sordenvals endloser Nacht abgesetzt. Ein vierter Mann rief etwas nach hinten, in ein Vox-Gerät, dessen Rauschen selbst aus dieser Entfernung wie das Atmen eines kranken Tieres klang.
„Ich bin unbewaffnet“, sagte Aldous, und seine Stimme, so lange nicht benutzt für etwas anderes als Flüstern und Gebete, die er selbst nicht mehr zu glauben wagte, klang fremd in seinen eigenen Ohren. „Ich komme, um zu gestehen.“
Es war das falsche, das absurdeste aller möglichen ersten Worte, das wusste er noch während er es sagte, aber es war auch das einzige, das noch wahr war, nachdem alles andere, was er einst über sich selbst geglaubt hatte, sich als Lüge erwiesen hatte. Er hörte, wie einer der Wachposten etwas murmelte, ein Fluch oder ein Gebet, schwer zu sagen bei dieser Entfernung, und er sah, wie sich die Mündungen der Lasergewehre nicht senkten, sondern im Gegenteil eine Spur höher hoben, als hätte das Wort *gestehen* eher Alarm als Erleichterung ausgelöst.
Das war es, was sie hier draußen gelernt hatten, in den letzten Monaten, seit die Fäulnis begonnen hatte, sich durch die Kornfelder von Sordenval zu fressen wie eine unsichtbare Hand, die alles anfasste und schwärzte, was sie berührte. Sie hatten gelernt, dass jene, die aus der Dunkelheit kamen und von Geständnissen sprachen, selten das waren, was sie zu sein behaupteten. Manchmal waren sie Boten. Manchmal waren sie etwas Schlimmeres, das die Worte eines Menschen trug, während in seinem Inneren längst etwas anderes wohnte.
„Auf die Knie“, befahl die junge Stimme, brüchiger jetzt, und Aldous gehorchte, ließ sich in den aufgeweichten, fauligen Schlamm sinken, der selbst hier, kilometerweit von den eigentlichen Blightfeldern entfernt, den Boden von Sordenval zu durchdringen begann wie ein Vorbote dessen, was noch kommen würde, wenn niemand es aufhielt.
Er dachte, in diesem Moment, an Aschfeld, wie es einmal gewesen war — nicht wie es jetzt war, sondern wie es an jenem letzten wirklich guten Morgen gewesen war, den er sich noch mit Klarheit vorstellen konnte, mit dem Geruch von frischem Brot aus der Gemeindeküche und dem Klang der Kinder, die zur Morgenandacht liefen, ihre Stimmen hoch und ungestüm in der klaren, kalten Luft. Er war damals Konfessor gewesen, kein großer Titel, keine Position von Bedeutung im weiten Gefüge der Ecclesiarchie, nur ein Priester für eine Gemeinde von vielleicht dreitausend Seelen, die ihr Leben dem Anbau von Amaranth-Getreide und dem täglichen, unspektakulären Gebet widmeten. Er hatte das für genug gehalten. Er hatte, Imperator vergib ihm, tatsächlich geglaubt, dass es genug war.
Die Fäulnis war zuerst in den nördlichen Feldern aufgetaucht, ein schwarzer, ölig glänzender Belag auf den Ähren, der sich innerhalb weniger Wochen über ein Drittel der Ernte ausgebreitet hatte. Die Agrari-Bruderschaft hatte es zunächst für eine gewöhnliche Pilzinfektion gehalten, eine jener zyklischen Plagen, die Amaranth-Felder gelegentlich heimsuchten, und die vorgeschriebenen Gegenmittel angewandt — Verbrennung der befallenen Bereiche, Quarantäne der angrenzenden Parzellen, Gebete an den Imperator und an die Schutzheiligen der Ernte, deren Namen Aldous inzwischen kaum noch aussprechen konnte, ohne dass sich sein Magen zusammenzog vor Bitterkeit.
Es hatte nicht funktioniert. Nichts von alledem hatte funktioniert.
Die Fäulnis war weitergekrochen, unter der Erde, wie sich später herausstellen sollte, durch das Grundwasser selbst, das den gesamten Landkreis versorgte, und binnen zwei Monaten hatten nicht nur die Felder, sondern auch das Vieh, und schließlich die Menschen selbst begonnen, die ersten Anzeichen zu zeigen — nässende Wunden, die nicht heilen wollten, ein süßlicher, fauliger Geruch, der sich im Atem der Betroffenen festsetzte, ein Fieber, das kam und ging, aber niemals wirklich verschwand.
Aldous hatte gepredigt. Das war alles, was er zu tun wusste, alles, wofür seine gesamte Ausbildung ihn vorbereitet hatte — er hatte gepredigt, dass der Imperator seine Kinder prüfte, dass Leiden eine Form der Läuterung sei, dass Glaube und Ausdauer belohnt würden, wie sie es in den heiligen Schriften stets gewesen waren. Er hatte an den Betten der Sterbenden gesessen, hatte ihre Hände gehalten, während die Fäulnis sich durch ihr Fleisch fraß, hatte die Litaneien gesprochen, die man ihm beigebracht hatte, mit einer Überzeugung, die ihm zunehmend hohl in den eigenen Ohren klang, wie ein Echo, das die Substanz dessen, was es einst wiedergab, längst verloren hatte.
Und der Imperator hatte geschwiegen.
Er wusste, selbst jetzt, kniend im Schlamm vor Lasergewehren, die jederzeit bereit waren, sein Leben zu beenden, dass dies eine Häresie war, dieser Gedanke, dieser eine, unauslöschliche Zweifel, der sich in jener Zeit in ihm festgesetzt hatte wie die Fäulnis selbst sich in den Feldern festgesetzt hatte. Der Imperator schwieg nicht aus Gleichgültigkeit, so hatte man ihm beigebracht, sondern weil sein Wille sich durch die unendliche Bürokratie des Imperiums selbst manifestierte, durch die Hände der Männer und Frauen, die in seinem Namen handelten, durch die langsamen, oft unzureichenden, aber letztlich vorhandenen Mechanismen der imperialen Verwaltung. Der Imperator schwieg nicht — er sprach durch die Getreidezüge, die schließlich doch noch kommen würden, durch die Medicae-Teams, die man anfordern konnte, wenn man nur lange genug wartete und genug betete.
Sie waren nicht rechtzeitig gekommen.
Er erinnerte sich an die Nacht, in der die imperiale Quarantäne-Einheit endlich eintraf — nicht die Ärzte, auf die er gehofft hatte, sondern eine Abteilung der Planetaren Verteidigungskräfte, ausgerüstet mit Flammenwerfern und dem unerschütterlichen, in Vorschriften verankerten Auftrag, jede Ausbreitung der Kontamination zu verhindern, koste es, was es wolle. Er erinnerte sich an das Gesicht des jungen Leutnants, der die Befehle überbrachte — nicht grausam, das musste er, selbst nach allem, was geschehen war, zugestehen, sondern erschöpft, überfordert, ein Mann, der ausgesandt worden war, um eine Entscheidung zu treffen, für die keine Ausbildung der Welt ihn hätte vorbereiten können.
*Der gesamte südliche Bezirk muss gereinigt werden. Sofort.*
Aldous hatte gebettelt. Er hatte sich vor dem Leutnant auf die Knie geworfen, genau wie er sich jetzt vor diesen namenlosen Wachposten auf die Knie warf, und hatte um mehr Zeit gebeten, um die Möglichkeit, die Kranken zu evakuieren, bevor das Feuer kam, um irgendetwas, das seiner Gemeinde, seiner Familie, mehr als die knappen zwei Stunden Vorwarnung geben würde, die man ihm schließlich zugestand.
Zwei Stunden waren nicht genug gewesen, um dreitausend Menschen zu evakuieren, von denen die Hälfte bereits zu krank war, um selbstständig zu gehen.
Sennah hatte sich geweigert, Talia zurückzulassen, als die Rufe kamen, dass die Verbrennungstrupps bereits vorrückten, dass jeder, der noch im südlichen Bezirk verblieb, ohne weitere Warnung als Kontamination behandelt werden würde. Talia war zu jenem Zeitpunkt bereits zu schwach gewesen, um zu laufen, ihr kleiner Körper von der Fäulnis ausgezehrt, die sich, wie sich später zeigen sollte, bereits vor Wochen in ihr eingenistet hatte, unbemerkt von einem Vater, der zu beschäftigt gewesen war, für die Seelen anderer zu beten, um die Krankheit im eigenen Haus zu erkennen.
Er hatte sie gesucht. Das musste man ihm lassen, dachte er jetzt, mit einer Bitterkeit, die selbst nach all den Jahren nicht verblasst war — er hatte sie gesucht, war zurückgerannt in die brennenden Straßen, hatte ihre Namen gerufen, bis seine Stimme brach, während um ihn herum die Flammenwerfer der PDF-Trupps taten, was Vorschrift und Notwendigkeit von ihnen verlangten. Er hatte das Haus gefunden — oder was davon übrig war, nachdem die Flammen bereits hindurchgezogen waren, ein Gebäude, das nicht mehr als ein Gebäude war, sondern nur noch eine Ansammlung glühender Balken, die in sich zusammenfielen, während er davorstand, unfähig, näher zu kommen, unfähig, sich abzuwenden.
Man hatte ihn schließlich fortgezerrt, zwei Guardsmen, deren Gesichter er nie wieder gesehen hatte und deren Namen er nie erfahren würde, die ihn aus der Gefahrenzone brachten, während er schrie, nicht nach Sennah oder Talia, sondern — und das war das, was ihn am meisten quälte, wenn er sich erlaubte, sich zu erinnern — nach dem Imperator selbst, eine Anklage, die aus ihm herausbrach wie Galle, roh und unverstellt und vollkommen ohne den Trost, den er sein ganzes Leben lang gepredigt hatte, dass der Glaube ihn in solchen Momenten tragen würde.
Der Glaube hatte ihn nicht getragen. Nichts hatte ihn getragen, außer schließlich, Wochen später, als er allein und ausgehöhlt durch die Ruinen dessen wanderte, was einst Aschfeld gewesen war, die Stimme eines Fremden, der ihm Wasser anbot und, was mehr wert schien als Wasser in jenem Moment, zuhörte.
Ein Wachposten trat näher, sein Lasergewehr noch immer erhoben, und Aldous löste sich langsam aus der Erinnerung, kehrte zurück in die gegenwärtige Dunkelheit, in den Schlamm unter seinen Knien und die Kälte, die durch seine zerlumpte Kleidung drang.
„Wer bist du?“, fragte der Wachposten, und Aldous erkannte an der Stimme, dass er nicht mehr jung war, sondern nur müde klang auf eine Weise, die Jugend vortäuschte — die Müdigkeit eines Mannes, der zu viele Nächte an diesem Posten verbracht hatte, wachsam gegen eine Bedrohung, die er nicht vollständig verstand.
„Mein Name ist Aldous Rethmar“, sagte er, und der Name selbst fühlte sich fremd an in seinem Mund, als gehörte er einem anderen Menschen, einem, der vor langer Zeit gestorben war, obwohl sein Körper weiterhin atmete, weiterhin ging, weiterhin die Handlungen eines Lebenden vollzog. „Ich war Konfessor von Aschfeld. Ich bin —“ Er zögerte, und in dieser Zögerung lag mehr Wahrheit, als er in Worte hätte fassen können. „Ich bin dem Wahren Glauben untreu geworden. Ich komme, um zu gestehen, was ich getan habe, und um zu bitten, dass man mir erlaubt, es — auf irgendeine Weise — wiedergutzumachen, bevor ich sterbe.“
Die Stille, die diesen Worten folgte, war lang genug, dass Aldous den Wind hören konnte, der über die fernen, verrotteten Felder strich, einen Geruch mit sich tragend, den er zu gut kannte, süßlich und faulig zugleich, der Geruch, der Aschfeld in den letzten Monaten vor seiner Flucht durchdrungen hatte, der Geruch, den die Anhänger des Gärtners *den Duft der Gnade* nannten.
„Er ist einer von ihnen“, sagte eine andere Stimme, kälter, entschlossener, und Aldous hörte das charakteristische Klicken eines Lasergewehrs, das entsichert wurde. „Ketzer. Von Aschfeld. Erschießt ihn, bevor er —“
„Wartet.“
Das Wort kam nicht von den Wachposten, sondern von hinter ihnen, aus der Richtung des Vox-Postens, und es trug ein Gewicht, das die anderen Stimmen sofort verstummen ließ — nicht Autorität allein, sondern etwas Tieferes, eine physische Präsenz, die selbst durch die Dunkelheit und den Nebel spürbar war, bevor Aldous die Gestalt überhaupt sehen konnte, die aus dem Schatten hinter dem Wall trat.
Er hob den Kopf, zum ersten Mal seit er auf die Knie gegangen war, und sah, in Kraftrüstung gehüllt, die selbst im schwachen Licht der Wachfeuer einen tiefen, erdigen Grünton offenbarte, gezeichnet von Reisen durch ein Dutzend Kriegszonen, die erste Gestalt eines Adeptus Astartes, die er seit Jahren gesehen hatte — vielleicht seit er selbst noch ein Kind gewesen war und ein Trupp der Feuerhüter von Nocturne durch Aschfeld gezogen war, auf dem Weg zu einer wichtigeren Schlacht, ohne auch nur einen Blick auf das unbedeutende kleine Dorf zu werfen, das später zum Ort seines Verderbens werden sollte.
„Bringt ihn zum Kommandoposten“, sagte der Space Marine, seine Stimme durch den Helm-Vox verzerrt, aber dennoch von einer beherrschten Ruhe getragen, die selbst inmitten der Angst der Wachposten wie ein Fels in stürmischer See wirkte. „Lebend. Wenn er wirklich aus Aschfeld kommt, dann weiß er möglicherweise Dinge, die wichtiger sind als seine sofortige Bestrafung.“
„Hauptmann“, protestierte der ältere Wachposten, „mit allem Respekt, dieser Mann ist ein bekennender Ketzer, er hat es selbst —“
„Ich habe gehört, was er gesagt hat, Soldat.“ Die Kraftrüstung bewegte sich näher, jeder Schritt ein gedämpftes Beben in der aufgeweichten Erde, bis der Space Marine direkt über Aldous stand, eine Silhouette, die den größten Teil des Himmels verdeckte. „Und ich habe in dreihundert Jahren des Dienstes gelernt, dass ein Mann, der freiwillig gesteht, während er noch hätte fliehen können, entweder die Wahrheit spricht oder eine sehr viel raffiniertere Lüge vorbereitet, als es dieser erschöpfte, halb verhungerte Anblick vermuten lässt. So oder so verdient es Untersuchung, keine vorschnelle Kugel.“
Er wandte sich an Aldous, und obwohl der Helm keine Mimik zeigte, spürte Aldous, mit der besonderen Klarheit eines Mannes, der gelernt hatte, in den Zwischenräumen der Worte anderer zu lesen, dass hinter dieser Maske keine Barmherzigkeit lag, jedenfalls keine, die er sich erhoffen durfte — nur eine kalte, pragmatische Neugier, die ihn, zumindest für den Moment, am Leben ließ.
„Du hast gesagt, du kommst, um zu gestehen“, sagte der Hauptmann. „Dann wirst du gestehen. Alles. Und danach werden wir entscheiden, was dein Geständnis wert ist.“
Sie zerrten ihn auf die Beine, die Wachposten, deren Gesichter noch immer eine Mischung aus Furcht und unverhohlenem Abscheu trugen, und Aldous ließ es geschehen, ließ seinen Körper zu totem Gewicht werden, während sie ihn durch das provisorische Tor des Grenzpostens führten, hinein in ein Lager, das mit den Feuern und Zelten einer Streitmacht überzogen war, die weit größer war, als er erwartet hatte, weit organisierter — das Zeichen, dass die Imperiale Antwort auf die Fäulnis von Sordenval endlich begonnen hatte, sich in vollem Ausmaß zu manifestieren, drei Jahre zu spät, um Sennah oder Talia zu retten, aber vielleicht, so wagte er in diesem einen, verzweifelten Moment zu hoffen, nicht zu spät für das, was noch von der Wahrheit übrig war, die er zu erzählen hatte.
Die Lichter des Grenzpostens waren das Erste, was Aldous Rethmar seit drei Tagen sah, das nicht aus Fäulnis oder Schatten bestand, und er ging auf sie zu, wie ein Ertrinkender auf die Oberfläche zugeht, ohne zu wissen, ob am Ende Luft oder nur ein weiteres, grausameres Ersticken wartete.
Er hatte die Hände erhoben, lange bevor die ersten Rufe ihn erreichten, seine Handflächen der Nacht entgegengestreckt wie ein Mann, der um eine Gabe bittet, die er nicht verdient hat. Sein Körper war ein Verzeichnis der letzten Jahre — Narben, die sich über alte Narben legten, ein Hunger, der so tief saß, dass er kaum noch als Hunger erkennbar war, sondern nur noch als ein dumpfes, beständiges Brennen irgendwo unter dem Brustbein. Seine Priesterrobe, längst zu Fetzen zerschlissen, hatte er vor Wochen abgelegt; was er jetzt trug, war das, was die Straße ihm gelassen hatte, grau von Staub und braun von älterem, längst getrocknetem Blut, das nicht das seine war.
„Halt! Keine Bewegung, oder wir schießen!“
Die Stimme kam von rechts, jung und von Angst durchsetzt, und Aldous blieb stehen, so abrupt, dass er beinahe stolperte. Er zählte drei Gestalten hinter dem provisorischen Wall aus Sandsäcken und rostigem Wellblech, ihre Lasergewehre auf ihn gerichtet, ihre Silhouetten vom flackernden Licht der Wachfeuer nur unvollständig gegen die Dunkelheit von Sordenvals endloser Nacht abgesetzt. Ein vierter Mann rief etwas nach hinten, in ein Vox-Gerät, dessen Rauschen selbst aus dieser Entfernung wie das Atmen eines kranken Tieres klang.
„Ich bin unbewaffnet“, sagte Aldous, und seine Stimme, so lange nicht benutzt für etwas anderes als Flüstern und Gebete, die er selbst nicht mehr zu glauben wagte, klang fremd in seinen eigenen Ohren. „Ich komme, um zu gestehen.“
Es war das falsche, das absurdeste aller möglichen ersten Worte, das wusste er noch während er es sagte, aber es war auch das einzige, das noch wahr war, nachdem alles andere, was er einst über sich selbst geglaubt hatte, sich als Lüge erwiesen hatte. Er hörte, wie einer der Wachposten etwas murmelte, ein Fluch oder ein Gebet, schwer zu sagen bei dieser Entfernung, und er sah, wie sich die Mündungen der Lasergewehre nicht senkten, sondern im Gegenteil eine Spur höher hoben, als hätte das Wort *gestehen* eher Alarm als Erleichterung ausgelöst.
Das war es, was sie hier draußen gelernt hatten, in den letzten Monaten, seit die Fäulnis begonnen hatte, sich durch die Kornfelder von Sordenval zu fressen wie eine unsichtbare Hand, die alles anfasste und schwärzte, was sie berührte. Sie hatten gelernt, dass jene, die aus der Dunkelheit kamen und von Geständnissen sprachen, selten das waren, was sie zu sein behaupteten. Manchmal waren sie Boten. Manchmal waren sie etwas Schlimmeres, das die Worte eines Menschen trug, während in seinem Inneren längst etwas anderes wohnte.
„Auf die Knie“, befahl die junge Stimme, brüchiger jetzt, und Aldous gehorchte, ließ sich in den aufgeweichten, fauligen Schlamm sinken, der selbst hier, kilometerweit von den eigentlichen Blightfeldern entfernt, den Boden von Sordenval zu durchdringen begann wie ein Vorbote dessen, was noch kommen würde, wenn niemand es aufhielt.
Er dachte, in diesem Moment, an Aschfeld, wie es einmal gewesen war — nicht wie es jetzt war, sondern wie es an jenem letzten wirklich guten Morgen gewesen war, den er sich noch mit Klarheit vorstellen konnte, mit dem Geruch von frischem Brot aus der Gemeindeküche und dem Klang der Kinder, die zur Morgenandacht liefen, ihre Stimmen hoch und ungestüm in der klaren, kalten Luft. Er war damals Konfessor gewesen, kein großer Titel, keine Position von Bedeutung im weiten Gefüge der Ecclesiarchie, nur ein Priester für eine Gemeinde von vielleicht dreitausend Seelen, die ihr Leben dem Anbau von Amaranth-Getreide und dem täglichen, unspektakulären Gebet widmeten. Er hatte das für genug gehalten. Er hatte, Imperator vergib ihm, tatsächlich geglaubt, dass es genug war.
Die Fäulnis war zuerst in den nördlichen Feldern aufgetaucht, ein schwarzer, ölig glänzender Belag auf den Ähren, der sich innerhalb weniger Wochen über ein Drittel der Ernte ausgebreitet hatte. Die Agrari-Bruderschaft hatte es zunächst für eine gewöhnliche Pilzinfektion gehalten, eine jener zyklischen Plagen, die Amaranth-Felder gelegentlich heimsuchten, und die vorgeschriebenen Gegenmittel angewandt — Verbrennung der befallenen Bereiche, Quarantäne der angrenzenden Parzellen, Gebete an den Imperator und an die Schutzheiligen der Ernte, deren Namen Aldous inzwischen kaum noch aussprechen konnte, ohne dass sich sein Magen zusammenzog vor Bitterkeit.
Es hatte nicht funktioniert. Nichts von alledem hatte funktioniert.
Die Fäulnis war weitergekrochen, unter der Erde, wie sich später herausstellen sollte, durch das Grundwasser selbst, das den gesamten Landkreis versorgte, und binnen zwei Monaten hatten nicht nur die Felder, sondern auch das Vieh, und schließlich die Menschen selbst begonnen, die ersten Anzeichen zu zeigen — nässende Wunden, die nicht heilen wollten, ein süßlicher, fauliger Geruch, der sich im Atem der Betroffenen festsetzte, ein Fieber, das kam und ging, aber niemals wirklich verschwand.
Aldous hatte gepredigt. Das war alles, was er zu tun wusste, alles, wofür seine gesamte Ausbildung ihn vorbereitet hatte — er hatte gepredigt, dass der Imperator seine Kinder prüfte, dass Leiden eine Form der Läuterung sei, dass Glaube und Ausdauer belohnt würden, wie sie es in den heiligen Schriften stets gewesen waren. Er hatte an den Betten der Sterbenden gesessen, hatte ihre Hände gehalten, während die Fäulnis sich durch ihr Fleisch fraß, hatte die Litaneien gesprochen, die man ihm beigebracht hatte, mit einer Überzeugung, die ihm zunehmend hohl in den eigenen Ohren klang, wie ein Echo, das die Substanz dessen, was es einst wiedergab, längst verloren hatte.
Und der Imperator hatte geschwiegen.
Er wusste, selbst jetzt, kniend im Schlamm vor Lasergewehren, die jederzeit bereit waren, sein Leben zu beenden, dass dies eine Häresie war, dieser Gedanke, dieser eine, unauslöschliche Zweifel, der sich in jener Zeit in ihm festgesetzt hatte wie die Fäulnis selbst sich in den Feldern festgesetzt hatte. Der Imperator schwieg nicht aus Gleichgültigkeit, so hatte man ihm beigebracht, sondern weil sein Wille sich durch die unendliche Bürokratie des Imperiums selbst manifestierte, durch die Hände der Männer und Frauen, die in seinem Namen handelten, durch die langsamen, oft unzureichenden, aber letztlich vorhandenen Mechanismen der imperialen Verwaltung. Der Imperator schwieg nicht — er sprach durch die Getreidezüge, die schließlich doch noch kommen würden, durch die Medicae-Teams, die man anfordern konnte, wenn man nur lange genug wartete und genug betete.
Sie waren nicht rechtzeitig gekommen.
Er erinnerte sich an die Nacht, in der die imperiale Quarantäne-Einheit endlich eintraf — nicht die Ärzte, auf die er gehofft hatte, sondern eine Abteilung der Planetaren Verteidigungskräfte, ausgerüstet mit Flammenwerfern und dem unerschütterlichen, in Vorschriften verankerten Auftrag, jede Ausbreitung der Kontamination zu verhindern, koste es, was es wolle. Er erinnerte sich an das Gesicht des jungen Leutnants, der die Befehle überbrachte — nicht grausam, das musste er, selbst nach allem, was geschehen war, zugestehen, sondern erschöpft, überfordert, ein Mann, der ausgesandt worden war, um eine Entscheidung zu treffen, für die keine Ausbildung der Welt ihn hätte vorbereiten können.
*Der gesamte südliche Bezirk muss gereinigt werden. Sofort.*
Aldous hatte gebettelt. Er hatte sich vor dem Leutnant auf die Knie geworfen, genau wie er sich jetzt vor diesen namenlosen Wachposten auf die Knie warf, und hatte um mehr Zeit gebeten, um die Möglichkeit, die Kranken zu evakuieren, bevor das Feuer kam, um irgendetwas, das seiner Gemeinde, seiner Familie, mehr als die knappen zwei Stunden Vorwarnung geben würde, die man ihm schließlich zugestand.
Zwei Stunden waren nicht genug gewesen, um dreitausend Menschen zu evakuieren, von denen die Hälfte bereits zu krank war, um selbstständig zu gehen.
Sennah hatte sich geweigert, Talia zurückzulassen, als die Rufe kamen, dass die Verbrennungstrupps bereits vorrückten, dass jeder, der noch im südlichen Bezirk verblieb, ohne weitere Warnung als Kontamination behandelt werden würde. Talia war zu jenem Zeitpunkt bereits zu schwach gewesen, um zu laufen, ihr kleiner Körper von der Fäulnis ausgezehrt, die sich, wie sich später zeigen sollte, bereits vor Wochen in ihr eingenistet hatte, unbemerkt von einem Vater, der zu beschäftigt gewesen war, für die Seelen anderer zu beten, um die Krankheit im eigenen Haus zu erkennen.
Er hatte sie gesucht. Das musste man ihm lassen, dachte er jetzt, mit einer Bitterkeit, die selbst nach all den Jahren nicht verblasst war — er hatte sie gesucht, war zurückgerannt in die brennenden Straßen, hatte ihre Namen gerufen, bis seine Stimme brach, während um ihn herum die Flammenwerfer der PDF-Trupps taten, was Vorschrift und Notwendigkeit von ihnen verlangten. Er hatte das Haus gefunden — oder was davon übrig war, nachdem die Flammen bereits hindurchgezogen waren, ein Gebäude, das nicht mehr als ein Gebäude war, sondern nur noch eine Ansammlung glühender Balken, die in sich zusammenfielen, während er davorstand, unfähig, näher zu kommen, unfähig, sich abzuwenden.
Man hatte ihn schließlich fortgezerrt, zwei Guardsmen, deren Gesichter er nie wieder gesehen hatte und deren Namen er nie erfahren würde, die ihn aus der Gefahrenzone brachten, während er schrie, nicht nach Sennah oder Talia, sondern — und das war das, was ihn am meisten quälte, wenn er sich erlaubte, sich zu erinnern — nach dem Imperator selbst, eine Anklage, die aus ihm herausbrach wie Galle, roh und unverstellt und vollkommen ohne den Trost, den er sein ganzes Leben lang gepredigt hatte, dass der Glaube ihn in solchen Momenten tragen würde.
Der Glaube hatte ihn nicht getragen. Nichts hatte ihn getragen, außer schließlich, Wochen später, als er allein und ausgehöhlt durch die Ruinen dessen wanderte, was einst Aschfeld gewesen war, die Stimme eines Fremden, der ihm Wasser anbot und, was mehr wert schien als Wasser in jenem Moment, zuhörte.
Ein Wachposten trat näher, sein Lasergewehr noch immer erhoben, und Aldous löste sich langsam aus der Erinnerung, kehrte zurück in die gegenwärtige Dunkelheit, in den Schlamm unter seinen Knien und die Kälte, die durch seine zerlumpte Kleidung drang.
„Wer bist du?“, fragte der Wachposten, und Aldous erkannte an der Stimme, dass er nicht mehr jung war, sondern nur müde klang auf eine Weise, die Jugend vortäuschte — die Müdigkeit eines Mannes, der zu viele Nächte an diesem Posten verbracht hatte, wachsam gegen eine Bedrohung, die er nicht vollständig verstand.
„Mein Name ist Aldous Rethmar“, sagte er, und der Name selbst fühlte sich fremd an in seinem Mund, als gehörte er einem anderen Menschen, einem, der vor langer Zeit gestorben war, obwohl sein Körper weiterhin atmete, weiterhin ging, weiterhin die Handlungen eines Lebenden vollzog. „Ich war Konfessor von Aschfeld. Ich bin —“ Er zögerte, und in dieser Zögerung lag mehr Wahrheit, als er in Worte hätte fassen können. „Ich bin dem Wahren Glauben untreu geworden. Ich komme, um zu gestehen, was ich getan habe, und um zu bitten, dass man mir erlaubt, es — auf irgendeine Weise — wiedergutzumachen, bevor ich sterbe.“
Die Stille, die diesen Worten folgte, war lang genug, dass Aldous den Wind hören konnte, der über die fernen, verrotteten Felder strich, einen Geruch mit sich tragend, den er zu gut kannte, süßlich und faulig zugleich, der Geruch, der Aschfeld in den letzten Monaten vor seiner Flucht durchdrungen hatte, der Geruch, den die Anhänger des Gärtners *den Duft der Gnade* nannten.
„Er ist einer von ihnen“, sagte eine andere Stimme, kälter, entschlossener, und Aldous hörte das charakteristische Klicken eines Lasergewehrs, das entsichert wurde. „Ketzer. Von Aschfeld. Erschießt ihn, bevor er —“
„Wartet.“
Das Wort kam nicht von den Wachposten, sondern von hinter ihnen, aus der Richtung des Vox-Postens, und es trug ein Gewicht, das die anderen Stimmen sofort verstummen ließ — nicht Autorität allein, sondern etwas Tieferes, eine physische Präsenz, die selbst durch die Dunkelheit und den Nebel spürbar war, bevor Aldous die Gestalt überhaupt sehen konnte, die aus dem Schatten hinter dem Wall trat.
Er hob den Kopf, zum ersten Mal seit er auf die Knie gegangen war, und sah, in Kraftrüstung gehüllt, die selbst im schwachen Licht der Wachfeuer einen tiefen, erdigen Grünton offenbarte, gezeichnet von Reisen durch ein Dutzend Kriegszonen, die erste Gestalt eines Adeptus Astartes, die er seit Jahren gesehen hatte — vielleicht seit er selbst noch ein Kind gewesen war und ein Trupp der Feuerhüter von Nocturne durch Aschfeld gezogen war, auf dem Weg zu einer wichtigeren Schlacht, ohne auch nur einen Blick auf das unbedeutende kleine Dorf zu werfen, das später zum Ort seines Verderbens werden sollte.
„Bringt ihn zum Kommandoposten“, sagte der Space Marine, seine Stimme durch den Helm-Vox verzerrt, aber dennoch von einer beherrschten Ruhe getragen, die selbst inmitten der Angst der Wachposten wie ein Fels in stürmischer See wirkte. „Lebend. Wenn er wirklich aus Aschfeld kommt, dann weiß er möglicherweise Dinge, die wichtiger sind als seine sofortige Bestrafung.“
„Hauptmann“, protestierte der ältere Wachposten, „mit allem Respekt, dieser Mann ist ein bekennender Ketzer, er hat es selbst —“
„Ich habe gehört, was er gesagt hat, Soldat.“ Die Kraftrüstung bewegte sich näher, jeder Schritt ein gedämpftes Beben in der aufgeweichten Erde, bis der Space Marine direkt über Aldous stand, eine Silhouette, die den größten Teil des Himmels verdeckte. „Und ich habe in dreihundert Jahren des Dienstes gelernt, dass ein Mann, der freiwillig gesteht, während er noch hätte fliehen können, entweder die Wahrheit spricht oder eine sehr viel raffiniertere Lüge vorbereitet, als es dieser erschöpfte, halb verhungerte Anblick vermuten lässt. So oder so verdient es Untersuchung, keine vorschnelle Kugel.“
Er wandte sich an Aldous, und obwohl der Helm keine Mimik zeigte, spürte Aldous, mit der besonderen Klarheit eines Mannes, der gelernt hatte, in den Zwischenräumen der Worte anderer zu lesen, dass hinter dieser Maske keine Barmherzigkeit lag, jedenfalls keine, die er sich erhoffen durfte — nur eine kalte, pragmatische Neugier, die ihn, zumindest für den Moment, am Leben ließ.
„Du hast gesagt, du kommst, um zu gestehen“, sagte der Hauptmann. „Dann wirst du gestehen. Alles. Und danach werden wir entscheiden, was dein Geständnis wert ist.“
Sie zerrten ihn auf die Beine, die Wachposten, deren Gesichter noch immer eine Mischung aus Furcht und unverhohlenem Abscheu trugen, und Aldous ließ es geschehen, ließ seinen Körper zu totem Gewicht werden, während sie ihn durch das provisorische Tor des Grenzpostens führten, hinein in ein Lager, das mit den Feuern und Zelten einer Streitmacht überzogen war, die weit größer war, als er erwartet hatte, weit organisierter — das Zeichen, dass die Imperiale Antwort auf die Fäulnis von Sordenval endlich begonnen hatte, sich in vollem Ausmaß zu manifestieren, drei Jahre zu spät, um Sennah oder Talia zu retten, aber vielleicht, so wagte er in diesem einen, verzweifelten Moment zu hoffen, nicht zu spät für das, was noch von der Wahrheit übrig war, die er zu erzählen hatte.
II. DAS ZWEITE GESICHT MEINER TOCHTERII. DAS ZWEITE GESICHT MEINER TOCHTER
Der Mann, der sich Calder nannte, war zum ersten Mal drei Wochen nach der Verbrennung von Aschfelds südlichem Bezirk aufgetaucht, an einem Ort, den Aldous später nie wieder finden konnte, so sehr er es auch versuchte, in den seltenen Momenten, in denen er sich erlaubte, nach den ersten Schritten seines eigenen Verderbens zu suchen — eine improvisierte Ansiedlung von Vertriebenen, errichtet aus den Trümmern dessen, was die Flammenwerfer verschont hatten, wo Überlebende ohne Zuhause, ohne Familie, ohne die Gewissheit, dass der nächste Tag etwas anderes bringen würde als den vorherigen, sich in einer Art Wartezustand zusammendrängten, der weder Leben noch Tod war.
Aldous hatte zu jener Zeit aufgehört zu predigen. Er hatte, wie er sich erinnerte, sogar aufgehört zu beten, nicht aus einem bewussten Entschluss heraus, sondern weil die Worte, wenn er versuchte, sie zu formen, sich als hohl erwiesen, als leere Gefäße, die einst etwas enthalten hatten, das nun spurlos verschwunden war. Er saß, an jenem Abend, an dem Calder zu ihm kam, am Rand eines improvisierten Lagerfeuers, umgeben von Menschen, die er einst gekannt, deren Beichten er einst gehört, deren Kinder er einst getauft hatte, und die ihn jetzt nicht mehr ansahen, wenn sie an ihm vorbeigingen — nicht aus Feindseligkeit, sondern weil sie, wie er selbst, gelernt hatten, dass der Blick in die Augen eines anderen Überlebenden nur das eigene Elend widerspiegelte, ohne Trost, ohne Erklärung.
„Du bist der Priester“, hatte Calder gesagt, sich unaufgefordert neben ihn setzend, ein Mann von unbestimmtem Alter, dessen Gesicht im Feuerschein sowohl älter als auch jünger wirken konnte, je nachdem, aus welchem Winkel man ihn betrachtete, mit Augen, die eine Freundlichkeit trugen, die Aldous erst viel später als etwas anderes erkennen sollte — nicht Wärme, sondern die geübte Imitation von Wärme, wie ein Räuber, der lernt, das Verhalten seiner Beute nachzuahmen, um sich unbemerkt zu nähern.
„Ich war Priester“, hatte Aldous geantwortet, mit einer Bitterkeit, die selbst ihm fremd vorkam. „Ich weiß nicht mehr, was ich jetzt bin.“
„Ein Mann, der trauert“, hatte Calder gesagt, und in dieser einfachen Feststellung lag eine Anerkennung, die Aldous seit Wochen von niemandem sonst erhalten hatte — keine Ermahnung zum Glauben, keine Erinnerung an die Pflicht, weiterzumachen, nur die schlichte, unverstellte Bestätigung dessen, was er tatsächlich fühlte. „Das ist keine Schande. Das ist der einzig ehrliche Zustand für einen Mann, der alles verloren hat, was ihm etwas bedeutete.“
Sie hatten in jener Nacht lange gesprochen, und Calder hatte, wie Aldous es erst Jahre später vollständig verstehen sollte, nichts von dem gesagt, was ein Kultist des Verrotteten Gottes normalerweise sagte — keine Erwähnung von Nurgle, keine Anspielung auf Rituale oder Opfer, nichts, das auch nur im Entferntesten wie eine Verführung in die Häresie geklungen hätte. Er hatte lediglich zugehört, mit einer Geduld, die menschlich unmöglich schien, und hatte dann, gegen Ende des Gesprächs, eine einzige Idee angeboten, so beiläufig formuliert, dass sie sich erst Wochen später in Aldous' Bewusstsein festsetzen sollte wie ein Samen, der langsam Wurzeln schlägt.
„Ihr Imperialen verbrennt eure Toten“, hatte Calder gesagt, während er in die Flammen des Lagerfeuers starrte, „und ihr verbrennt eure Kranken, und ihr verbrennt alles, was ihr nicht versteht, als wäre Feuer die einzige Antwort, die euer Glaube kennt. Aber Feuer zerstört nur. Es transformiert nicht. Es lässt nichts zurück, aus dem etwas Neues wachsen könnte. Habt ihr euch nie gefragt, ob es vielleicht eine andere Antwort gibt? Eine, die nicht auslöscht, sondern verwandelt? Eine, die das Leiden nicht verneint, sondern es als das erkennt, was es ist — ein notwendiger Teil des großen Zyklus, aus dem letztlich alles Leben entsteht?“
Aldous hatte damals nicht verstanden, was diese Worte bedeuteten, hatte sie für die Philosophie eines trauernden Fremden gehalten, nicht unähnlich seinen eigenen, zunehmend verzweifelten Versuchen, dem Verlust von Sennah und Talia irgendeinen Sinn abzuringen. Erst später, viel später, als er selbst tief genug in die Lehren des Gärtners eingetaucht war, um ihre wahre Natur zu erkennen, verstand er, dass genau das die Methode gewesen war — keine plötzliche Bekehrung, keine dramatische Verführung, sondern eine langsame, geduldige Umformung seiner Trauer in etwas, das sich zunehmend wie Verständnis anfühlte, und schließlich wie Glaube.
Er trat der Gemeinschaft, die sich um Calder gebildet hatte, formell erst ein Jahr später bei, nachdem er Monate damit verbracht hatte, ihre Zusammenkünfte am Rande zu beobachten, ihre Rituale zu belächeln, ihre Theologie in den einsamen Nächten seiner eigenen, fortdauernden Trauer zu widerlegen — und schließlich festzustellen, dass er keine Widerlegung mehr finden konnte, die stärker war als sein eigenes, unauslöschliches Bedürfnis, dass Sennahs und Talias Tod nicht bedeutungslos gewesen sein sollte, dass es *irgendeine* Kraft im Universum geben musste, die auf sein Leiden reagierte, selbst wenn diese Kraft nicht der Imperator war, dessen Schweigen er nie wirklich verwunden hatte.
Sie nannten es *den Garten* — nicht Nurgle, jedenfalls nicht in den ersten Jahren, nicht bis Aldous tief genug in die innere Hierarchie aufgestiegen war, um die wahren Namen zu erfahren, die hinter den poetischen Umschreibungen lagen, mit denen die äußeren Kreise der Gemeinschaft geködert wurden. Der Garten, so lehrte Calder, war das, was jenseits der Illusion von Tod und Verfall existierte — ein Ort, an dem nichts jemals wirklich endete, an dem jede Wunde, jede Krankheit, jeder Verlust letztlich zu etwas Neuem transformiert wurde, wenn man nur bereit war, den Prozess zu akzeptieren, anstatt ihn, wie es die imperiale Doktrin verlangte, mit Feuer und Vernichtung zu bekämpfen.
Aldous stieg innerhalb der Gemeinschaft mit einer Geschwindigkeit auf, die er sich im Nachhinein nur durch die Verzweiflung erklären konnte, mit der er sich in ihre Lehren stürzte — ein Mann, der sein ganzes Leben der Verkündigung eines Glaubens gewidmet hatte, fand in der Theologie des Gärtners eine neue Kanzel, neue Zuhörer, ein neues Gefühl von Bedeutung, das die Leere füllte, die der Imperator, wie er es empfand, hinterlassen hatte. Sie nannten ihn *Bruder Aldous, der Barmherzige*, ein Titel, den er in den ersten Jahren mit einem Stolz trug, an den er sich jetzt, im Schlamm vor dem Grenzposten kniend, nur noch mit körperlicher Übelkeit erinnern konnte — Barmherzigkeit, ausgeübt durch Männer und Frauen, die zusahen, wie Krankheit sich durch ganze Gemeinschaften fraß, und dies als Gnade bezeichneten, während sie selbst, geschützt durch die perversen Segnungen ihres Gottes, unversehrt blieben.
Er hatte Dinge getan in jenen Jahren, an die er sich mit einer Klarheit erinnerte, die grausamer war als jede Amnesie es hätte sein können. Er hatte Kranke besucht, in Dörfern, die noch nicht wussten, was die *Gärtner* wirklich waren, und ihnen Trost gespendet, während er gleichzeitig, mit stiller, methodischer Sorgfalt, Informationen sammelte, die später genutzt wurden, um die Ausbreitung der Fäulnis zu lenken, zu beschleunigen, zu perfektionieren. Er hatte an Ritualen teilgenommen, deren wahre Natur er sich lange geweigert hatte, vollständig anzuerkennen — Zeremonien, bei denen Körper, die er einst für Bestattung vorbereitet hätte, stattdessen in geheime Kammern gebracht wurden, für Zwecke, über die er sich selbst zu fragen verboten hatte.
Er hatte all das ertragen, all das mit sich vereinbart, mit der einen, unerschütterlichen Rechtfertigung, die Calder ihm über die Jahre eingeflößt hatte wie Gift, das sich langsam genug verabreicht, dass der Körper es für Nahrung hält: dass all dies, jedes einzelne Opfer, jede einzelne Kompromittierung dessen, was er einst für seine Seele gehalten hatte, letztlich zu einem einzigen, gerechtfertigten Ziel führen würde.
Sie hatten ihm versprochen, dass sie Talia zurückbringen könnten.
Nicht sofort. Nicht in den ersten Jahren, als er noch zu sehr Trauer als Motivation trug, um für eine solche Versprechung empfänglich zu sein, ohne sofort das Offensichtliche zu erkennen — dass kein Gott, kein Ritual, keine noch so mächtige Kraft des Warp die Toten wirklich zurückbringen konnte, nicht als das, was sie einst gewesen waren. Aber Calder war geduldig gewesen, geduldiger als jeder Verführer, den Aldous sich hätte vorstellen können, und hatte die Idee erst nach Jahren eingeführt, nachdem Aldous bereits so tief in ihre Theologie verstrickt war, dass die üblichen Alarmglocken, die ein vernünftiger Mann bei einem solchen Versprechen hätte hören müssen, längst durch wiederholte, sorgfältig konstruierte Rationalisierungen zum Schweigen gebracht worden waren.
*Der Tod ist nur eine Trennung*, hatte Calder gesagt, in einer jener nächtlichen Unterweisungen, die Aldous inzwischen fast so sehr fürchtete wie ersehnte, *keine Auslöschung. Was der Garten nimmt, gibt er in anderer Form zurück. Deine Tochter ist nicht fort, Bruder Aldous. Sie wartet, in einer Form, die dein imperialer Glaube dich lehrt zu fürchten, aber die in Wahrheit die größte aller Gnaden ist — die Gnade des ewigen Fortbestehens, jenseits der Grenzen, die der falsche Gott-Imperator seinen Kindern auferlegt.*
Das Ritual, als es schließlich stattfand, drei Jahre nach seinem ersten Kontakt mit Calder, erforderte Vorbereitungen, an die sich Aldous mit einer Detailliertheit erinnerte, die er sich wünschte, verloren zu haben — die heimliche Exhumierung dessen, was von Talias Überresten in den Massengräbern jenseits von Aschfelds verbranntem südlichen Bezirk verblieben war, Monate der Sammlung bestimmter Substanzen, deren Herkunft er sich weigerte zu hinterfragen, die Konstruktion einer Kammer tief unter der alten Mühle von Aschfeld, die die Gemeinschaft im Laufe der Jahre zu ihrem heiligsten Ort ausgebaut hatte.
Er erinnerte sich an die Nacht selbst nur in Fragmenten, wie es bei den traumatischsten Erinnerungen eines Menschen oft der Fall ist — der Geruch von Weihrauch, vermischt mit etwas Süßlicherem, Fauligerem, das keiner der Anwesenden zu bemerken schien, außer ihm selbst; der Klang eines Gesangs, der sich anfühlte, als würde er nicht durch die Ohren, sondern direkt durch die Haut in den Körper eindringen; Calders Stimme, die die letzten Worte der Zeremonie sprach, mit einer Autorität, die Aldous in all den Jahren zuvor nie ganz so deutlich als das erkannt hatte, was sie war — nicht die Autorität eines Priesters, sondern die eines Werkzeugs, durch das etwas weit Größeres und weit Hungrigeres sprach.
Und dann die Kammer, die sich öffnete, und das, was aus ihr hervorkam.
Er hatte sich, in den Jahren seiner Vorbereitung, unzählige Male vorgestellt, wie dieser Moment aussehen würde — Talia, wiederhergestellt, vielleicht verändert, vielleicht mit einem Anflug jener seltsamen, unheimlichen Schönheit, die er bei anderen Wiedergängern der Gemeinschaft beobachtet hatte, aber dennoch *sie*, mit ihren Augen, ihrer Stimme, der besonderen Art, wie sie den Kopf zur Seite neigte, wenn sie eine Frage stellte. Er hatte sich vorbereitet, so glaubte er, auf jede erdenkliche Form der Transformation.
Er war nicht vorbereitet auf das, was tatsächlich aus der Dunkelheit trat.
Es war groß geworden, größer als das siebenjährige Kind, das gestorben war, als hätte die Verwesung selbst als eine Art perverses Wachstum fungiert, eine Streckung und Verzerrung des ursprünglichen Körpers zu etwas, das seine Proportionen nicht mehr respektierte. Die Haut, dort, wo noch Haut zu erkennen war, hatte die Farbe alten, wassergetränkten Holzes angenommen, durchzogen von Adern, die nicht Blut, sondern etwas Dickeres, Dunkleres transportierten, das im schwachen Licht der Kammer schwarz schimmerte. Ein Auge war noch erkennbar als Auge, das andere hatte sich zu etwas verändert, das eher einer offenen Wunde glich, aus der ein schwaches, grünliches Leuchten drang.
Aber das Schlimmste, das, was Aldous noch Jahre später in seinen Träumen heimsuchen würde, war die Stimme.
„Vater“, hatte es gesagt, mit Talias eigener Stimme, unverkennbar, unverändert bis auf eine leichte, feuchte Verzerrung, als würde sie durch zu viel Flüssigkeit im eigenen Rachen sprechen. „Vater, es tut so weh. Warum hast du zugelassen, dass es so weh tut?“
Er wusste, selbst in jenem Moment, mit der klinischen, distanzierten Klarheit eines Mannes, dessen Geist sich weigert, die volle Wucht des Grauens zu verarbeiten, dass dies nicht Talia war, die sprach — dass die Stimme, die Worte, selbst die vage Erinnerung an ihre Art zu sprechen, nichts weiter waren als eine Imitation, konstruiert von etwas, das sich in den Überresten seiner Tochter eingenistet hatte wie ein Parasit, der die Hülle seines Wirts nutzte, um näher an seine eigentliche Beute heranzukommen. Er wusste es, und dennoch — dies war die Grausamkeit, die er nie jemandem würde erklären können, der es nicht selbst erlebt hatte — reichte dieses Wissen nicht aus, um den Schmerz zu betäuben, der durch ihn hindurchfuhr wie eine physische Klinge, als das Ding, das einst seine Tochter gewesen war, ihn *Vater* nannte und um Erlösung von einem Leiden bat, das er selbst, durch seinen eigenen, jahrelangen Glauben an Calders Lehren, ermöglicht hatte.
Die anderen in der Kammer — Calder, und ein Dutzend der inneren Kreise der Gemeinschaft — beobachteten mit einer Ehrfurcht, die Aldous erst in diesem Moment vollständig als das erkannte, was sie war: nicht die Anbetung eines Wunders, sondern das Studium eines Experiments, das erfolgreich verlaufen war, unabhängig davon, was dieser Erfolg für das Wesen bedeutete, das gerade vor ihnen litt.
„Sie ist zurückgekehrt“, hatte Calder gesagt, seine Stimme durchdrungen von einer Zufriedenheit, die Aldous erst jetzt, in der Rückschau, als das erkannte, was sie tatsächlich war — nicht Freude über Talias Rückkehr, sondern Genugtuung über den erfolgreichen Abschluss eines Prozesses, der Aldous vollständig in ihre Reihen binden würde, unwiderruflich, durch die Komplizenschaft an dem, was als Nächstes geschehen musste.
Denn das Ding, das einst Talia gewesen war, litt weiter, mit jeder vergehenden Minute lauter werdend, seine Bewegungen zunehmend unkontrolliert, während etwas in seinem Inneren gegen die Grenzen des Fleisches ankämpfte, das es sich angeeignet hatte, mit einer Gewalt, die die Kammer selbst erzittern ließ. Es würde, das erkannte Aldous mit wachsendem Entsetzen, nicht als das enden, was es in diesem ersten Moment gewesen war — ein leidendes, seine Tochter imitierendes Ding —, sondern als etwas weit Gefährlicheres, wenn niemand eingriff, bevor die Transformation sich vollständig vollzogen hatte.
Er hatte das alte eiserne Messer benutzt, das seiner Familie seit Generationen gehört hatte, das einzige Objekt, das er aus den Ruinen ihres Hauses gerettet hatte, weil er es, in einer Ironie, die ihn jetzt fast zum Lachen brachte, immer als eine Art Talisman getragen hatte, eine Erinnerung an das, was er verloren hatte. Er hatte es benutzt, während die anderen um ihn herum protestierten, während Calder etwas rief, das wie eine Warnung klang, aber wie aus großer Entfernung, als hätte Aldous' eigenes Bewusstsein sich bereits von seinem Körper gelöst, um nicht Zeuge dessen sein zu müssen, was seine Hände als Nächstes taten.
Er erinnerte sich nicht an den genauen Moment, in dem die Klinge das fand, was von der ursprünglichen Kehle seiner Tochter übrig geblieben war. Er erinnerte sich nur an das Nachher — die plötzliche Stille, tiefer als jede Stille, die er je erlebt hatte, und den Blick auf seine eigenen Hände, bedeckt mit einer Substanz, die nicht wie Blut aussah, sondern wie geronnener, schwarzer Teer, und das Wissen, mit einer Gewissheit, die jeden weiteren Zweifel auslöschte, dass er soeben zum zweiten Mal seine eigene Tochter getötet hatte — das erste Mal durch sein Versagen, sie zu schützen, das zweite Mal durch seine eigene Hand, im Namen einer Barmherzigkeit, die keine der Lehren, die er in den letzten Jahren gepredigt hatte, ihn hätte lehren können.
Calder hatte ihn danach nicht bestraft, nicht sofort — das war vielleicht das Grausamste an allem, was folgte, dass die Gemeinschaft sein Handeln als eine Art tragischen, aber verständlichen Fehlschlag behandelte, ein Rückschlag im großen Experiment, der bedauert, aber nicht als Verrat gewertet wurde. Sie hatten versucht, ihn zu trösten, mit Worten, die er nicht mehr ertragen konnte zu hören, mit dem Versprechen, dass sie es erneut versuchen könnten, mit mehr Sorgfalt, mit einem besseren Verständnis der notwendigen Rituale.
In dieser Nacht, während die anderen schliefen, hatte Aldous Rethmar zum ersten Mal seit drei Jahren wieder gebetet — nicht zum Gärtner, nicht zu der Kraft, die er *den Garten* genannt hatte, sondern, mit einer Verzweiflung, die keine Logik, keine Theologie, kein rationaler Gedanke mehr durchdrang, an den Imperator selbst, den er seit dem Tag der Verbrennung von Aschfelds südlichem Bezirk für sein Schweigen verflucht hatte.
Er hatte nicht um Vergebung gebeten. Er wusste, selbst in jenem Moment der äußersten Verzweiflung, dass Vergebung etwas war, das er nicht mehr verdienen konnte, ganz gleich, wie sehr er es sich wünschte. Er hatte nur um eine einzige Gnade gebeten — die Gnade, dass ihm erlaubt würde, etwas Wahres zu tun, bevor er starb, etwas, das nicht die Schuld ungeschehen machte, aber vielleicht, in irgendeiner Bilanz, die außerhalb seines eigenen Verständnisses lag, ein Gegengewicht zu ihr bilden könnte.
Er war noch in derselben Nacht geflohen.
Der Mann, der sich Calder nannte, war zum ersten Mal drei Wochen nach der Verbrennung von Aschfelds südlichem Bezirk aufgetaucht, an einem Ort, den Aldous später nie wieder finden konnte, so sehr er es auch versuchte, in den seltenen Momenten, in denen er sich erlaubte, nach den ersten Schritten seines eigenen Verderbens zu suchen — eine improvisierte Ansiedlung von Vertriebenen, errichtet aus den Trümmern dessen, was die Flammenwerfer verschont hatten, wo Überlebende ohne Zuhause, ohne Familie, ohne die Gewissheit, dass der nächste Tag etwas anderes bringen würde als den vorherigen, sich in einer Art Wartezustand zusammendrängten, der weder Leben noch Tod war.
Aldous hatte zu jener Zeit aufgehört zu predigen. Er hatte, wie er sich erinnerte, sogar aufgehört zu beten, nicht aus einem bewussten Entschluss heraus, sondern weil die Worte, wenn er versuchte, sie zu formen, sich als hohl erwiesen, als leere Gefäße, die einst etwas enthalten hatten, das nun spurlos verschwunden war. Er saß, an jenem Abend, an dem Calder zu ihm kam, am Rand eines improvisierten Lagerfeuers, umgeben von Menschen, die er einst gekannt, deren Beichten er einst gehört, deren Kinder er einst getauft hatte, und die ihn jetzt nicht mehr ansahen, wenn sie an ihm vorbeigingen — nicht aus Feindseligkeit, sondern weil sie, wie er selbst, gelernt hatten, dass der Blick in die Augen eines anderen Überlebenden nur das eigene Elend widerspiegelte, ohne Trost, ohne Erklärung.
„Du bist der Priester“, hatte Calder gesagt, sich unaufgefordert neben ihn setzend, ein Mann von unbestimmtem Alter, dessen Gesicht im Feuerschein sowohl älter als auch jünger wirken konnte, je nachdem, aus welchem Winkel man ihn betrachtete, mit Augen, die eine Freundlichkeit trugen, die Aldous erst viel später als etwas anderes erkennen sollte — nicht Wärme, sondern die geübte Imitation von Wärme, wie ein Räuber, der lernt, das Verhalten seiner Beute nachzuahmen, um sich unbemerkt zu nähern.
„Ich war Priester“, hatte Aldous geantwortet, mit einer Bitterkeit, die selbst ihm fremd vorkam. „Ich weiß nicht mehr, was ich jetzt bin.“
„Ein Mann, der trauert“, hatte Calder gesagt, und in dieser einfachen Feststellung lag eine Anerkennung, die Aldous seit Wochen von niemandem sonst erhalten hatte — keine Ermahnung zum Glauben, keine Erinnerung an die Pflicht, weiterzumachen, nur die schlichte, unverstellte Bestätigung dessen, was er tatsächlich fühlte. „Das ist keine Schande. Das ist der einzig ehrliche Zustand für einen Mann, der alles verloren hat, was ihm etwas bedeutete.“
Sie hatten in jener Nacht lange gesprochen, und Calder hatte, wie Aldous es erst Jahre später vollständig verstehen sollte, nichts von dem gesagt, was ein Kultist des Verrotteten Gottes normalerweise sagte — keine Erwähnung von Nurgle, keine Anspielung auf Rituale oder Opfer, nichts, das auch nur im Entferntesten wie eine Verführung in die Häresie geklungen hätte. Er hatte lediglich zugehört, mit einer Geduld, die menschlich unmöglich schien, und hatte dann, gegen Ende des Gesprächs, eine einzige Idee angeboten, so beiläufig formuliert, dass sie sich erst Wochen später in Aldous' Bewusstsein festsetzen sollte wie ein Samen, der langsam Wurzeln schlägt.
„Ihr Imperialen verbrennt eure Toten“, hatte Calder gesagt, während er in die Flammen des Lagerfeuers starrte, „und ihr verbrennt eure Kranken, und ihr verbrennt alles, was ihr nicht versteht, als wäre Feuer die einzige Antwort, die euer Glaube kennt. Aber Feuer zerstört nur. Es transformiert nicht. Es lässt nichts zurück, aus dem etwas Neues wachsen könnte. Habt ihr euch nie gefragt, ob es vielleicht eine andere Antwort gibt? Eine, die nicht auslöscht, sondern verwandelt? Eine, die das Leiden nicht verneint, sondern es als das erkennt, was es ist — ein notwendiger Teil des großen Zyklus, aus dem letztlich alles Leben entsteht?“
Aldous hatte damals nicht verstanden, was diese Worte bedeuteten, hatte sie für die Philosophie eines trauernden Fremden gehalten, nicht unähnlich seinen eigenen, zunehmend verzweifelten Versuchen, dem Verlust von Sennah und Talia irgendeinen Sinn abzuringen. Erst später, viel später, als er selbst tief genug in die Lehren des Gärtners eingetaucht war, um ihre wahre Natur zu erkennen, verstand er, dass genau das die Methode gewesen war — keine plötzliche Bekehrung, keine dramatische Verführung, sondern eine langsame, geduldige Umformung seiner Trauer in etwas, das sich zunehmend wie Verständnis anfühlte, und schließlich wie Glaube.
Er trat der Gemeinschaft, die sich um Calder gebildet hatte, formell erst ein Jahr später bei, nachdem er Monate damit verbracht hatte, ihre Zusammenkünfte am Rande zu beobachten, ihre Rituale zu belächeln, ihre Theologie in den einsamen Nächten seiner eigenen, fortdauernden Trauer zu widerlegen — und schließlich festzustellen, dass er keine Widerlegung mehr finden konnte, die stärker war als sein eigenes, unauslöschliches Bedürfnis, dass Sennahs und Talias Tod nicht bedeutungslos gewesen sein sollte, dass es *irgendeine* Kraft im Universum geben musste, die auf sein Leiden reagierte, selbst wenn diese Kraft nicht der Imperator war, dessen Schweigen er nie wirklich verwunden hatte.
Sie nannten es *den Garten* — nicht Nurgle, jedenfalls nicht in den ersten Jahren, nicht bis Aldous tief genug in die innere Hierarchie aufgestiegen war, um die wahren Namen zu erfahren, die hinter den poetischen Umschreibungen lagen, mit denen die äußeren Kreise der Gemeinschaft geködert wurden. Der Garten, so lehrte Calder, war das, was jenseits der Illusion von Tod und Verfall existierte — ein Ort, an dem nichts jemals wirklich endete, an dem jede Wunde, jede Krankheit, jeder Verlust letztlich zu etwas Neuem transformiert wurde, wenn man nur bereit war, den Prozess zu akzeptieren, anstatt ihn, wie es die imperiale Doktrin verlangte, mit Feuer und Vernichtung zu bekämpfen.
Aldous stieg innerhalb der Gemeinschaft mit einer Geschwindigkeit auf, die er sich im Nachhinein nur durch die Verzweiflung erklären konnte, mit der er sich in ihre Lehren stürzte — ein Mann, der sein ganzes Leben der Verkündigung eines Glaubens gewidmet hatte, fand in der Theologie des Gärtners eine neue Kanzel, neue Zuhörer, ein neues Gefühl von Bedeutung, das die Leere füllte, die der Imperator, wie er es empfand, hinterlassen hatte. Sie nannten ihn *Bruder Aldous, der Barmherzige*, ein Titel, den er in den ersten Jahren mit einem Stolz trug, an den er sich jetzt, im Schlamm vor dem Grenzposten kniend, nur noch mit körperlicher Übelkeit erinnern konnte — Barmherzigkeit, ausgeübt durch Männer und Frauen, die zusahen, wie Krankheit sich durch ganze Gemeinschaften fraß, und dies als Gnade bezeichneten, während sie selbst, geschützt durch die perversen Segnungen ihres Gottes, unversehrt blieben.
Er hatte Dinge getan in jenen Jahren, an die er sich mit einer Klarheit erinnerte, die grausamer war als jede Amnesie es hätte sein können. Er hatte Kranke besucht, in Dörfern, die noch nicht wussten, was die *Gärtner* wirklich waren, und ihnen Trost gespendet, während er gleichzeitig, mit stiller, methodischer Sorgfalt, Informationen sammelte, die später genutzt wurden, um die Ausbreitung der Fäulnis zu lenken, zu beschleunigen, zu perfektionieren. Er hatte an Ritualen teilgenommen, deren wahre Natur er sich lange geweigert hatte, vollständig anzuerkennen — Zeremonien, bei denen Körper, die er einst für Bestattung vorbereitet hätte, stattdessen in geheime Kammern gebracht wurden, für Zwecke, über die er sich selbst zu fragen verboten hatte.
Er hatte all das ertragen, all das mit sich vereinbart, mit der einen, unerschütterlichen Rechtfertigung, die Calder ihm über die Jahre eingeflößt hatte wie Gift, das sich langsam genug verabreicht, dass der Körper es für Nahrung hält: dass all dies, jedes einzelne Opfer, jede einzelne Kompromittierung dessen, was er einst für seine Seele gehalten hatte, letztlich zu einem einzigen, gerechtfertigten Ziel führen würde.
Sie hatten ihm versprochen, dass sie Talia zurückbringen könnten.
Nicht sofort. Nicht in den ersten Jahren, als er noch zu sehr Trauer als Motivation trug, um für eine solche Versprechung empfänglich zu sein, ohne sofort das Offensichtliche zu erkennen — dass kein Gott, kein Ritual, keine noch so mächtige Kraft des Warp die Toten wirklich zurückbringen konnte, nicht als das, was sie einst gewesen waren. Aber Calder war geduldig gewesen, geduldiger als jeder Verführer, den Aldous sich hätte vorstellen können, und hatte die Idee erst nach Jahren eingeführt, nachdem Aldous bereits so tief in ihre Theologie verstrickt war, dass die üblichen Alarmglocken, die ein vernünftiger Mann bei einem solchen Versprechen hätte hören müssen, längst durch wiederholte, sorgfältig konstruierte Rationalisierungen zum Schweigen gebracht worden waren.
*Der Tod ist nur eine Trennung*, hatte Calder gesagt, in einer jener nächtlichen Unterweisungen, die Aldous inzwischen fast so sehr fürchtete wie ersehnte, *keine Auslöschung. Was der Garten nimmt, gibt er in anderer Form zurück. Deine Tochter ist nicht fort, Bruder Aldous. Sie wartet, in einer Form, die dein imperialer Glaube dich lehrt zu fürchten, aber die in Wahrheit die größte aller Gnaden ist — die Gnade des ewigen Fortbestehens, jenseits der Grenzen, die der falsche Gott-Imperator seinen Kindern auferlegt.*
Das Ritual, als es schließlich stattfand, drei Jahre nach seinem ersten Kontakt mit Calder, erforderte Vorbereitungen, an die sich Aldous mit einer Detailliertheit erinnerte, die er sich wünschte, verloren zu haben — die heimliche Exhumierung dessen, was von Talias Überresten in den Massengräbern jenseits von Aschfelds verbranntem südlichen Bezirk verblieben war, Monate der Sammlung bestimmter Substanzen, deren Herkunft er sich weigerte zu hinterfragen, die Konstruktion einer Kammer tief unter der alten Mühle von Aschfeld, die die Gemeinschaft im Laufe der Jahre zu ihrem heiligsten Ort ausgebaut hatte.
Er erinnerte sich an die Nacht selbst nur in Fragmenten, wie es bei den traumatischsten Erinnerungen eines Menschen oft der Fall ist — der Geruch von Weihrauch, vermischt mit etwas Süßlicherem, Fauligerem, das keiner der Anwesenden zu bemerken schien, außer ihm selbst; der Klang eines Gesangs, der sich anfühlte, als würde er nicht durch die Ohren, sondern direkt durch die Haut in den Körper eindringen; Calders Stimme, die die letzten Worte der Zeremonie sprach, mit einer Autorität, die Aldous in all den Jahren zuvor nie ganz so deutlich als das erkannt hatte, was sie war — nicht die Autorität eines Priesters, sondern die eines Werkzeugs, durch das etwas weit Größeres und weit Hungrigeres sprach.
Und dann die Kammer, die sich öffnete, und das, was aus ihr hervorkam.
Er hatte sich, in den Jahren seiner Vorbereitung, unzählige Male vorgestellt, wie dieser Moment aussehen würde — Talia, wiederhergestellt, vielleicht verändert, vielleicht mit einem Anflug jener seltsamen, unheimlichen Schönheit, die er bei anderen Wiedergängern der Gemeinschaft beobachtet hatte, aber dennoch *sie*, mit ihren Augen, ihrer Stimme, der besonderen Art, wie sie den Kopf zur Seite neigte, wenn sie eine Frage stellte. Er hatte sich vorbereitet, so glaubte er, auf jede erdenkliche Form der Transformation.
Er war nicht vorbereitet auf das, was tatsächlich aus der Dunkelheit trat.
Es war groß geworden, größer als das siebenjährige Kind, das gestorben war, als hätte die Verwesung selbst als eine Art perverses Wachstum fungiert, eine Streckung und Verzerrung des ursprünglichen Körpers zu etwas, das seine Proportionen nicht mehr respektierte. Die Haut, dort, wo noch Haut zu erkennen war, hatte die Farbe alten, wassergetränkten Holzes angenommen, durchzogen von Adern, die nicht Blut, sondern etwas Dickeres, Dunkleres transportierten, das im schwachen Licht der Kammer schwarz schimmerte. Ein Auge war noch erkennbar als Auge, das andere hatte sich zu etwas verändert, das eher einer offenen Wunde glich, aus der ein schwaches, grünliches Leuchten drang.
Aber das Schlimmste, das, was Aldous noch Jahre später in seinen Träumen heimsuchen würde, war die Stimme.
„Vater“, hatte es gesagt, mit Talias eigener Stimme, unverkennbar, unverändert bis auf eine leichte, feuchte Verzerrung, als würde sie durch zu viel Flüssigkeit im eigenen Rachen sprechen. „Vater, es tut so weh. Warum hast du zugelassen, dass es so weh tut?“
Er wusste, selbst in jenem Moment, mit der klinischen, distanzierten Klarheit eines Mannes, dessen Geist sich weigert, die volle Wucht des Grauens zu verarbeiten, dass dies nicht Talia war, die sprach — dass die Stimme, die Worte, selbst die vage Erinnerung an ihre Art zu sprechen, nichts weiter waren als eine Imitation, konstruiert von etwas, das sich in den Überresten seiner Tochter eingenistet hatte wie ein Parasit, der die Hülle seines Wirts nutzte, um näher an seine eigentliche Beute heranzukommen. Er wusste es, und dennoch — dies war die Grausamkeit, die er nie jemandem würde erklären können, der es nicht selbst erlebt hatte — reichte dieses Wissen nicht aus, um den Schmerz zu betäuben, der durch ihn hindurchfuhr wie eine physische Klinge, als das Ding, das einst seine Tochter gewesen war, ihn *Vater* nannte und um Erlösung von einem Leiden bat, das er selbst, durch seinen eigenen, jahrelangen Glauben an Calders Lehren, ermöglicht hatte.
Die anderen in der Kammer — Calder, und ein Dutzend der inneren Kreise der Gemeinschaft — beobachteten mit einer Ehrfurcht, die Aldous erst in diesem Moment vollständig als das erkannte, was sie war: nicht die Anbetung eines Wunders, sondern das Studium eines Experiments, das erfolgreich verlaufen war, unabhängig davon, was dieser Erfolg für das Wesen bedeutete, das gerade vor ihnen litt.
„Sie ist zurückgekehrt“, hatte Calder gesagt, seine Stimme durchdrungen von einer Zufriedenheit, die Aldous erst jetzt, in der Rückschau, als das erkannte, was sie tatsächlich war — nicht Freude über Talias Rückkehr, sondern Genugtuung über den erfolgreichen Abschluss eines Prozesses, der Aldous vollständig in ihre Reihen binden würde, unwiderruflich, durch die Komplizenschaft an dem, was als Nächstes geschehen musste.
Denn das Ding, das einst Talia gewesen war, litt weiter, mit jeder vergehenden Minute lauter werdend, seine Bewegungen zunehmend unkontrolliert, während etwas in seinem Inneren gegen die Grenzen des Fleisches ankämpfte, das es sich angeeignet hatte, mit einer Gewalt, die die Kammer selbst erzittern ließ. Es würde, das erkannte Aldous mit wachsendem Entsetzen, nicht als das enden, was es in diesem ersten Moment gewesen war — ein leidendes, seine Tochter imitierendes Ding —, sondern als etwas weit Gefährlicheres, wenn niemand eingriff, bevor die Transformation sich vollständig vollzogen hatte.
Er hatte das alte eiserne Messer benutzt, das seiner Familie seit Generationen gehört hatte, das einzige Objekt, das er aus den Ruinen ihres Hauses gerettet hatte, weil er es, in einer Ironie, die ihn jetzt fast zum Lachen brachte, immer als eine Art Talisman getragen hatte, eine Erinnerung an das, was er verloren hatte. Er hatte es benutzt, während die anderen um ihn herum protestierten, während Calder etwas rief, das wie eine Warnung klang, aber wie aus großer Entfernung, als hätte Aldous' eigenes Bewusstsein sich bereits von seinem Körper gelöst, um nicht Zeuge dessen sein zu müssen, was seine Hände als Nächstes taten.
Er erinnerte sich nicht an den genauen Moment, in dem die Klinge das fand, was von der ursprünglichen Kehle seiner Tochter übrig geblieben war. Er erinnerte sich nur an das Nachher — die plötzliche Stille, tiefer als jede Stille, die er je erlebt hatte, und den Blick auf seine eigenen Hände, bedeckt mit einer Substanz, die nicht wie Blut aussah, sondern wie geronnener, schwarzer Teer, und das Wissen, mit einer Gewissheit, die jeden weiteren Zweifel auslöschte, dass er soeben zum zweiten Mal seine eigene Tochter getötet hatte — das erste Mal durch sein Versagen, sie zu schützen, das zweite Mal durch seine eigene Hand, im Namen einer Barmherzigkeit, die keine der Lehren, die er in den letzten Jahren gepredigt hatte, ihn hätte lehren können.
Calder hatte ihn danach nicht bestraft, nicht sofort — das war vielleicht das Grausamste an allem, was folgte, dass die Gemeinschaft sein Handeln als eine Art tragischen, aber verständlichen Fehlschlag behandelte, ein Rückschlag im großen Experiment, der bedauert, aber nicht als Verrat gewertet wurde. Sie hatten versucht, ihn zu trösten, mit Worten, die er nicht mehr ertragen konnte zu hören, mit dem Versprechen, dass sie es erneut versuchen könnten, mit mehr Sorgfalt, mit einem besseren Verständnis der notwendigen Rituale.
In dieser Nacht, während die anderen schliefen, hatte Aldous Rethmar zum ersten Mal seit drei Jahren wieder gebetet — nicht zum Gärtner, nicht zu der Kraft, die er *den Garten* genannt hatte, sondern, mit einer Verzweiflung, die keine Logik, keine Theologie, kein rationaler Gedanke mehr durchdrang, an den Imperator selbst, den er seit dem Tag der Verbrennung von Aschfelds südlichem Bezirk für sein Schweigen verflucht hatte.
Er hatte nicht um Vergebung gebeten. Er wusste, selbst in jenem Moment der äußersten Verzweiflung, dass Vergebung etwas war, das er nicht mehr verdienen konnte, ganz gleich, wie sehr er es sich wünschte. Er hatte nur um eine einzige Gnade gebeten — die Gnade, dass ihm erlaubt würde, etwas Wahres zu tun, bevor er starb, etwas, das nicht die Schuld ungeschehen machte, aber vielleicht, in irgendeiner Bilanz, die außerhalb seines eigenen Verständnisses lag, ein Gegengewicht zu ihr bilden könnte.
Er war noch in derselben Nacht geflohen.
III. DER WEG AUS DER DUNKELHEITIII. DER WEG AUS DER DUNKELHEIT
Die Flucht selbst hatte fast drei Wochen gedauert, obwohl die Entfernung zwischen der Mühle von Aschfeld und der nächsten gesicherten imperialen Stellung, wie Aldous später erfuhr, kaum mehr als hundertfünfzig Kilometer betrug — eine Strecke, die ein gesunder Mann in guter Verfassung in weniger als einer Woche hätte zurücklegen können. Aber Aldous war kein gesunder Mann mehr, weder körperlich noch in jenem tieferen, schwerer zu benennenden Sinn, der bestimmt, wie viel ein Mensch von sich selbst noch besitzt, wenn alles andere von ihm genommen wurde.
Sie hatten ihn gesucht, das wusste er, noch bevor er die ersten Anzeichen ihrer Verfolgung tatsächlich bemerkte — nicht weil die Gemeinschaft ihn für eine unmittelbare Bedrohung hielt, ein gebrochener Mann, der kaum mehr als ein Gespenst seiner selbst war, sondern weil er, in seinem Kopf, Wissen trug, das für sie von unschätzbarem Wert war: die genaue Lage der Mühle, die Namen der inneren Kreise, die Zeitpläne kommender Rituale. Ein Mann mit einem solchen Wissen, der die Gemeinschaft verließ, war eine Gefahr, die man nicht ungeschoren davonkommen lassen konnte, ganz gleich, wie gebrochen er erschien.
Er hatte sie zum ersten Mal am fünften Tag seiner Flucht bemerkt, drei Gestalten, die sich am Horizont einer verlassenen Agrarsiedlung abzeichneten, ihre Bewegungen zu koordiniert, um zufällige Reisende zu sein, ihre Kleidung, selbst aus dieser Entfernung, mit den charakteristischen Zeichen der Gemeinschaft versehen — kleine, kaum wahrnehmbare Symbole, eingenäht in Stoff, der ansonsten wie gewöhnliche Bauernkleidung aussah, ein Tarnung, die Aldous selbst über Jahre perfektioniert hatte, ohne jemals zu erwarten, dass er eines Tages auf der anderen Seite dieser Jagd stehen würde.
Er hatte sich in den Ruinen eines alten Bewässerungssystems versteckt, tief genug unter der Erde, dass die Feuchtigkeit selbst in seine Knochen zu kriechen schien, und hatte gewartet, während über ihm die Schritte seiner ehemaligen Brüder und Schwestern im Glauben das verlassene Gehöft nach seiner Spur durchsuchten, mit einer methodischen Gründlichkeit, die er selbst ihnen beigebracht hatte, in jenen Jahren, in denen er noch geglaubt hatte, dass Gründlichkeit im Dienst des Gärtners eine Tugend war.
Sie hatten ihn nicht gefunden, an jenem Tag, aber die Nähe des Beinahe-Entdeckens hatte etwas in ihm verändert, eine Wachsamkeit geweckt, die ihn für den Rest seiner Flucht begleiten sollte, gepaart mit einer zunehmend verzweifelten Erschöpfung, die seinen Körper von innen auszuhöhlen schien. Er aß, was er finden konnte — Wurzeln, die er aus seiner Zeit als Priester noch als essbar erkannte, gelegentlich das Fleisch kleiner Tiere, die er mit selbstgebauten Fallen fing, immer in dem Bewusstsein, dass jedes Feuer, das er entzündete, um seine Beute zu garen, ein Signal sein konnte, das seine Verfolger zu ihm führte.
Am zwölften Tag hatten sie ihn beinahe erwischt.
Er hatte sich, in der Abenddämmerung, zu nahe an eine verlassene Straße gewagt, in der Hoffnung, schneller vorankommen zu können, und war direkt in eine Patrouille von vier Kultisten gelaufen, ausgerüstet nicht nur mit den improvisierten Waffen, die die äußeren Kreise der Gemeinschaft normalerweise trugen, sondern mit tatsächlichen Lasergewehren, wahrscheinlich von einer der zahlreichen kleinen imperialen Garnisonen gestohlen, die im Laufe der letzten Jahre der schleichenden Ausbreitung der Fäulnis zum Opfer gefallen waren.
„Bruder Aldous.“ Der Anführer der Patrouille, ein Mann, den Aldous vage als einen der jüngeren Konvertiten der Gemeinschaft erkannte, hatte sein Lasergewehr gehoben, aber nicht sofort gefeuert, eine Verzögerung, die Aldous später als das Einzige erkannte, was ihm das Leben gerettet hatte. „Der Gärtner hat gesagt, dass du zurückkommen würdest. Er hat gesagt, dass die Reue eines Mannes wie dich niemals lange genug anhält, um dem Ruf des Gartens wirklich zu widerstehen.“
„Der Gärtner irrt sich“, hatte Aldous geantwortet, seine Stimme fester, als er es sich selbst zugetraut hätte, während sein Körper sich bereits auf eine Bewegung vorbereitete, die er selbst noch nicht bewusst geplant hatte. „Sagt ihm das, wenn ihr die Gelegenheit dazu bekommt.“
Was folgte, war kein Kampf im eigentlichen Sinne — Aldous war unbewaffnet, gegen vier Männer mit Lasergewehren, und sein Überleben in den folgenden Minuten verdankte er weniger eigener Tapferkeit als der schieren Verzweiflung eines Mannes, der bereits alles verloren hatte, was ihn hätte zurückhalten können. Er hatte den ersten Kultisten mit einem Stein niedergeschlagen, den er aus dem staubigen Boden griff, noch bevor die anderen vollständig realisierten, was geschah, und war dann, in der folgenden Verwirrung, in die Dunkelheit eines nahegelegenen Grabens getaucht, während Laserfeuer über ihn hinwegzischte, nah genug, dass er den ozonartigen Geruch verbrannter Luft riechen konnte.
Er hatte in jener Nacht einen weiteren Mann getötet — mit bloßen Händen, in einem Ringen, das er später nur noch in Fragmenten rekonstruieren konnte, geprägt von der animalischen Klarheit eines Menschen, dessen gesamtes Wesen sich auf das einzige Ziel des Überlebens reduziert hatte. Er erinnerte sich an das Gewicht des anderen Mannes, an den Widerstand, der nachließ, an das Gefühl, das folgte — nicht Triumph, nicht einmal Erleichterung, sondern eine tiefe, erschöpfte Traurigkeit über die schiere Wiederholung der Gewalt, die sein Leben in etwas verwandelt zu haben schien, aus dem es kein Entkommen mehr gab, ganz gleich, in welche Richtung er floh.
Die verbliebenen zwei Kultisten hatten die Verfolgung schließlich aufgegeben, entweder aus Furcht oder aus der pragmatischen Erkenntnis, dass die Dunkelheit und das unwegsame Gelände die Jagd zu kostspielig machten, und Aldous hatte die folgenden Tage in einem Zustand fortgesetzt, der kaum noch als bewusstes Reisen zu bezeichnen war, sondern eher als ein Vorwärtstaumeln, getrieben von nichts als dem einen, unauslöschlichen Gedanken, der ihn seit der Nacht in der Kammer der Mühle begleitete: *Ich muss es jemandem sagen. Ich muss es wiedergutmachen, bevor es zu spät ist.*
Der Verrottete Gott, so hatte er in den Jahren seiner Zugehörigkeit zur Gemeinschaft gelernt, flüsterte auch denen zu, die sich von ihm abwandten — nicht mit der offenen Verführung, die Calder in jener ersten Nacht am Lagerfeuer angewandt hatte, sondern mit einer subtileren, hinterhältigeren Stimme, die in den Momenten größter Erschöpfung und Verzweiflung am lautesten wurde. *Es wäre so viel einfacher*, flüsterte diese Stimme, während er durch die vergiftete Nacht stolperte, sein Körper von Hunger und Erschöpfung ausgezehrt, *aufzugeben. Der Garten nimmt jeden auf, der bereit ist, sich ihm zu ergeben. Kein Schmerz mehr. Kein Kampf mehr. Nur der endlose, sanfte Verfall, der letztlich alles Leiden in etwas Neues verwandelt.*
Er hatte dieser Stimme widerstanden, nicht weil er einen überzeugenden theologischen Gegenargument gefunden hatte — jene Fähigkeit, so schien es ihm inzwischen, hatte er vor Jahren verloren, irgendwo zwischen der Verbrennung von Aschfeld und der Nacht in der Kammer der Mühle —, sondern aus einem einfacheren, körperlicheren Trotz, der sich weigerte, dem Ding nachzugeben, das seine Tochter zum zweiten Mal getötet hatte. *Nicht so*, dachte er, immer wieder, wie ein Mantra, das die Stimme des Gärtners übertönen sollte. *Nicht so werde ich enden. Nicht als ein weiteres Werkzeug in eurem Garten.*
Am siebzehnten Tag hatte er die ersten Anzeichen imperialer Präsenz bemerkt — Fahrzeugspuren, zu frisch, um von den primitiven Karren der lokalen Bauern zu stammen, und später, aus der Ferne, die charakteristischen Silhouetten von Chimera-Transportern, die entlang einer Straße patrouillierten, die er in seinen Jahren als Priester nur als eine unbedeutende Verbindungsstraße zwischen entlegenen Gemeinden gekannt hatte, jetzt aber offensichtlich als eine wichtige Versorgungslinie für eine größere imperiale Operation diente.
Es hatte ihn weitere drei Tage gekostet, den Mut aufzubringen, sich diesen Streitkräften tatsächlich zu nähern, drei Tage, in denen er, aus sicherer Entfernung, ihre Bewegungen beobachtete und mit wachsender Übelkeit erkannte, wie umfangreich die imperiale Reaktion auf die Fäulnis von Sordenval inzwischen geworden war — nicht mehr die überforderten, unzureichend ausgerüsteten PDF-Einheiten, denen er in den ersten Monaten der Katastrophe begegnet war, sondern eine koordinierte Streitmacht, verstärkt, wie er mit einer Mischung aus Furcht und einem seltsamen, unerwarteten Trost feststellte, durch die Präsenz der Adeptus Astartes selbst.
Die Feuerhüter von Nocturne. Er hatte von ihnen gehört, in seinen Jahren als Priester, hatte sogar, als Kind, einmal einen ihrer Trupps durch Aschfeld ziehen sehen, auf dem Weg zu einer Schlacht, die für die Bewohner seines kleinen Dorfes nichts weiter als eine ferne, abstrakte Geschichte gewesen war. Er hatte nie erwartet, dass er selbst eines Tages vor ihnen knien würde, um ein Geständnis abzulegen, das über das hinausging, was jeder gewöhnliche Priester oder Inquisitor hätte hören wollen.
Er hatte den Grenzposten am zwanzigsten Tag seiner Flucht erreicht, in dem Zustand physischer und geistiger Erschöpfung, der ihn schließlich dazu gebracht hatte, alle Vorsicht fallen zu lassen und einfach direkt auf die Lichter zuzugehen, die er in der Dunkelheit erkennen konnte, ohne einen klaren Plan, außer dem einen, unauslöschlichen Bedürfnis, endlich zu sprechen, endlich das Gewicht dessen, was er wusste und was er getan hatte, jemandem zu übergeben, der die Macht hatte, damit etwas anzufangen.
Und jetzt, während sie ihn durch das Lager führten, seine Hände grob hinter seinem Rücken gefesselt, seine Füße kaum in der Lage, dem Tempo der Wachposten zu folgen, die ihn eskortierten, erlaubte sich Aldous zum ersten Mal seit Jahren einen Anflug dessen, was einmal Hoffnung gewesen war — nicht die Hoffnung, dass er überleben würde, das interessierte ihn kaum noch, sondern die Hoffnung, dass das, was er wusste, tatsächlich genutzt werden würde, um zu verhindern, dass anderen Familien widerfuhr, was Sennah und Talia widerfahren war.
Das Kommandozelt, in das man ihn schließlich brachte, war größer und besser ausgestattet, als er erwartet hatte, beleuchtet von Glowglobes, die einen kalten, klinischen Schein über eine Ansammlung von Karten und taktischen Displays warfen, die die Ausdehnung der Blightfelder Sordenvals mit einer Präzision darstellten, die Aldous' eigenes, fragmentarisches Verständnis der Katastrophe in ein größeres, beunruhigenderes Bild einordnete. Und dort, um einen improvisierten Tisch versammelt, standen die Männer, deren Entscheidung in den nächsten Stunden bestimmen würde, ob sein letzter, verzweifelter Versuch der Wiedergutmachung überhaupt eine Chance haben würde.
Hauptmann Bre'kar, den er bereits am Grenzposten gesehen hatte, seine Kraftrüstung nun im volleren Licht des Zeltes sichtbar, verziert mit den erdigen Grün- und Bronzetönen der Feuerhüter von Nocturne, sein Gesicht — nun ohne Helm — von einer Härte gezeichnet, die nichts mit Grausamkeit zu tun hatte, sondern mit der schlichten, unerbittlichen Erfahrung eines Mannes, der Jahrzehnte damit verbracht hatte, Entscheidungen zu treffen, die keine einfachen Antworten zuließen.
Neben ihm stand eine zweite Gestalt in Kraftrüstung, deren Rüstung, im Gegensatz zu Bre'kars, vollständig in tiefem, undurchdringlichem Schwarz gehalten war, ein Totenschädel-Symbol auf der Brust, das selbst einem Mann, der die Feuerhüter nur aus flüchtigen Kindheitserinnerungen kannte, sofort die Position seines Trägers verriet — ein Ordenspriester im Dienst des Ordens, dessen Aufgabe es war, über den spirituellen und moralischen Zustand seiner Brüder zu wachen, und, wie Aldous mit wachsender Beklemmung erkannte, wahrscheinlich auch über den spirituellen Zustand von Männern wie ihm selbst.
„Setzt ihn dort hin“, sagte Bre'kar, auf einen einzelnen, unbequem aussehenden Stuhl in der Mitte des Zeltes deutend, und die Wachposten gehorchten, drückten Aldous mit einer Grobheit auf den Sitz, die eher aus Nervosität als aus tatsächlicher Feindseligkeit zu entspringen schien.
Der Ordenspriester trat näher, seine Bewegungen von jener bedächtigen, fast meditativen Ruhe geprägt, die Aldous später als charakteristisch für ihn erkennen sollte, und musterte ihn mit einem Blick, der weniger nach körperlichen Anzeichen von Täuschung zu suchen schien als nach etwas Tieferem, etwas, das Aldous nicht genau benennen konnte, das sich aber anfühlte, als würde der Priester direkt in die zerklüftete, vernarbte Landschaft seiner Seele blicken.
„Ich bin Vel'Schwur“, sagte der Ordenspriester schließlich, seine Stimme tief und von einer Ruhe getragen, die seltsam beruhigend wirkte, trotz der offensichtlichen Gefahr, die er repräsentierte. „Und du bist der Mann, der behauptet, gestehen zu wollen. Dann lass uns hören, was du zu gestehen hast, Aldous Rethmar. Aber ich warne dich — wir haben in den letzten Monaten genug Lügen von Männern gehört, die ihr eigenes Leben zu retten versuchten, um jede weitere sofort zu erkennen. Wähle deine Worte mit Bedacht.“
Die Flucht selbst hatte fast drei Wochen gedauert, obwohl die Entfernung zwischen der Mühle von Aschfeld und der nächsten gesicherten imperialen Stellung, wie Aldous später erfuhr, kaum mehr als hundertfünfzig Kilometer betrug — eine Strecke, die ein gesunder Mann in guter Verfassung in weniger als einer Woche hätte zurücklegen können. Aber Aldous war kein gesunder Mann mehr, weder körperlich noch in jenem tieferen, schwerer zu benennenden Sinn, der bestimmt, wie viel ein Mensch von sich selbst noch besitzt, wenn alles andere von ihm genommen wurde.
Sie hatten ihn gesucht, das wusste er, noch bevor er die ersten Anzeichen ihrer Verfolgung tatsächlich bemerkte — nicht weil die Gemeinschaft ihn für eine unmittelbare Bedrohung hielt, ein gebrochener Mann, der kaum mehr als ein Gespenst seiner selbst war, sondern weil er, in seinem Kopf, Wissen trug, das für sie von unschätzbarem Wert war: die genaue Lage der Mühle, die Namen der inneren Kreise, die Zeitpläne kommender Rituale. Ein Mann mit einem solchen Wissen, der die Gemeinschaft verließ, war eine Gefahr, die man nicht ungeschoren davonkommen lassen konnte, ganz gleich, wie gebrochen er erschien.
Er hatte sie zum ersten Mal am fünften Tag seiner Flucht bemerkt, drei Gestalten, die sich am Horizont einer verlassenen Agrarsiedlung abzeichneten, ihre Bewegungen zu koordiniert, um zufällige Reisende zu sein, ihre Kleidung, selbst aus dieser Entfernung, mit den charakteristischen Zeichen der Gemeinschaft versehen — kleine, kaum wahrnehmbare Symbole, eingenäht in Stoff, der ansonsten wie gewöhnliche Bauernkleidung aussah, ein Tarnung, die Aldous selbst über Jahre perfektioniert hatte, ohne jemals zu erwarten, dass er eines Tages auf der anderen Seite dieser Jagd stehen würde.
Er hatte sich in den Ruinen eines alten Bewässerungssystems versteckt, tief genug unter der Erde, dass die Feuchtigkeit selbst in seine Knochen zu kriechen schien, und hatte gewartet, während über ihm die Schritte seiner ehemaligen Brüder und Schwestern im Glauben das verlassene Gehöft nach seiner Spur durchsuchten, mit einer methodischen Gründlichkeit, die er selbst ihnen beigebracht hatte, in jenen Jahren, in denen er noch geglaubt hatte, dass Gründlichkeit im Dienst des Gärtners eine Tugend war.
Sie hatten ihn nicht gefunden, an jenem Tag, aber die Nähe des Beinahe-Entdeckens hatte etwas in ihm verändert, eine Wachsamkeit geweckt, die ihn für den Rest seiner Flucht begleiten sollte, gepaart mit einer zunehmend verzweifelten Erschöpfung, die seinen Körper von innen auszuhöhlen schien. Er aß, was er finden konnte — Wurzeln, die er aus seiner Zeit als Priester noch als essbar erkannte, gelegentlich das Fleisch kleiner Tiere, die er mit selbstgebauten Fallen fing, immer in dem Bewusstsein, dass jedes Feuer, das er entzündete, um seine Beute zu garen, ein Signal sein konnte, das seine Verfolger zu ihm führte.
Am zwölften Tag hatten sie ihn beinahe erwischt.
Er hatte sich, in der Abenddämmerung, zu nahe an eine verlassene Straße gewagt, in der Hoffnung, schneller vorankommen zu können, und war direkt in eine Patrouille von vier Kultisten gelaufen, ausgerüstet nicht nur mit den improvisierten Waffen, die die äußeren Kreise der Gemeinschaft normalerweise trugen, sondern mit tatsächlichen Lasergewehren, wahrscheinlich von einer der zahlreichen kleinen imperialen Garnisonen gestohlen, die im Laufe der letzten Jahre der schleichenden Ausbreitung der Fäulnis zum Opfer gefallen waren.
„Bruder Aldous.“ Der Anführer der Patrouille, ein Mann, den Aldous vage als einen der jüngeren Konvertiten der Gemeinschaft erkannte, hatte sein Lasergewehr gehoben, aber nicht sofort gefeuert, eine Verzögerung, die Aldous später als das Einzige erkannte, was ihm das Leben gerettet hatte. „Der Gärtner hat gesagt, dass du zurückkommen würdest. Er hat gesagt, dass die Reue eines Mannes wie dich niemals lange genug anhält, um dem Ruf des Gartens wirklich zu widerstehen.“
„Der Gärtner irrt sich“, hatte Aldous geantwortet, seine Stimme fester, als er es sich selbst zugetraut hätte, während sein Körper sich bereits auf eine Bewegung vorbereitete, die er selbst noch nicht bewusst geplant hatte. „Sagt ihm das, wenn ihr die Gelegenheit dazu bekommt.“
Was folgte, war kein Kampf im eigentlichen Sinne — Aldous war unbewaffnet, gegen vier Männer mit Lasergewehren, und sein Überleben in den folgenden Minuten verdankte er weniger eigener Tapferkeit als der schieren Verzweiflung eines Mannes, der bereits alles verloren hatte, was ihn hätte zurückhalten können. Er hatte den ersten Kultisten mit einem Stein niedergeschlagen, den er aus dem staubigen Boden griff, noch bevor die anderen vollständig realisierten, was geschah, und war dann, in der folgenden Verwirrung, in die Dunkelheit eines nahegelegenen Grabens getaucht, während Laserfeuer über ihn hinwegzischte, nah genug, dass er den ozonartigen Geruch verbrannter Luft riechen konnte.
Er hatte in jener Nacht einen weiteren Mann getötet — mit bloßen Händen, in einem Ringen, das er später nur noch in Fragmenten rekonstruieren konnte, geprägt von der animalischen Klarheit eines Menschen, dessen gesamtes Wesen sich auf das einzige Ziel des Überlebens reduziert hatte. Er erinnerte sich an das Gewicht des anderen Mannes, an den Widerstand, der nachließ, an das Gefühl, das folgte — nicht Triumph, nicht einmal Erleichterung, sondern eine tiefe, erschöpfte Traurigkeit über die schiere Wiederholung der Gewalt, die sein Leben in etwas verwandelt zu haben schien, aus dem es kein Entkommen mehr gab, ganz gleich, in welche Richtung er floh.
Die verbliebenen zwei Kultisten hatten die Verfolgung schließlich aufgegeben, entweder aus Furcht oder aus der pragmatischen Erkenntnis, dass die Dunkelheit und das unwegsame Gelände die Jagd zu kostspielig machten, und Aldous hatte die folgenden Tage in einem Zustand fortgesetzt, der kaum noch als bewusstes Reisen zu bezeichnen war, sondern eher als ein Vorwärtstaumeln, getrieben von nichts als dem einen, unauslöschlichen Gedanken, der ihn seit der Nacht in der Kammer der Mühle begleitete: *Ich muss es jemandem sagen. Ich muss es wiedergutmachen, bevor es zu spät ist.*
Der Verrottete Gott, so hatte er in den Jahren seiner Zugehörigkeit zur Gemeinschaft gelernt, flüsterte auch denen zu, die sich von ihm abwandten — nicht mit der offenen Verführung, die Calder in jener ersten Nacht am Lagerfeuer angewandt hatte, sondern mit einer subtileren, hinterhältigeren Stimme, die in den Momenten größter Erschöpfung und Verzweiflung am lautesten wurde. *Es wäre so viel einfacher*, flüsterte diese Stimme, während er durch die vergiftete Nacht stolperte, sein Körper von Hunger und Erschöpfung ausgezehrt, *aufzugeben. Der Garten nimmt jeden auf, der bereit ist, sich ihm zu ergeben. Kein Schmerz mehr. Kein Kampf mehr. Nur der endlose, sanfte Verfall, der letztlich alles Leiden in etwas Neues verwandelt.*
Er hatte dieser Stimme widerstanden, nicht weil er einen überzeugenden theologischen Gegenargument gefunden hatte — jene Fähigkeit, so schien es ihm inzwischen, hatte er vor Jahren verloren, irgendwo zwischen der Verbrennung von Aschfeld und der Nacht in der Kammer der Mühle —, sondern aus einem einfacheren, körperlicheren Trotz, der sich weigerte, dem Ding nachzugeben, das seine Tochter zum zweiten Mal getötet hatte. *Nicht so*, dachte er, immer wieder, wie ein Mantra, das die Stimme des Gärtners übertönen sollte. *Nicht so werde ich enden. Nicht als ein weiteres Werkzeug in eurem Garten.*
Am siebzehnten Tag hatte er die ersten Anzeichen imperialer Präsenz bemerkt — Fahrzeugspuren, zu frisch, um von den primitiven Karren der lokalen Bauern zu stammen, und später, aus der Ferne, die charakteristischen Silhouetten von Chimera-Transportern, die entlang einer Straße patrouillierten, die er in seinen Jahren als Priester nur als eine unbedeutende Verbindungsstraße zwischen entlegenen Gemeinden gekannt hatte, jetzt aber offensichtlich als eine wichtige Versorgungslinie für eine größere imperiale Operation diente.
Es hatte ihn weitere drei Tage gekostet, den Mut aufzubringen, sich diesen Streitkräften tatsächlich zu nähern, drei Tage, in denen er, aus sicherer Entfernung, ihre Bewegungen beobachtete und mit wachsender Übelkeit erkannte, wie umfangreich die imperiale Reaktion auf die Fäulnis von Sordenval inzwischen geworden war — nicht mehr die überforderten, unzureichend ausgerüsteten PDF-Einheiten, denen er in den ersten Monaten der Katastrophe begegnet war, sondern eine koordinierte Streitmacht, verstärkt, wie er mit einer Mischung aus Furcht und einem seltsamen, unerwarteten Trost feststellte, durch die Präsenz der Adeptus Astartes selbst.
Die Feuerhüter von Nocturne. Er hatte von ihnen gehört, in seinen Jahren als Priester, hatte sogar, als Kind, einmal einen ihrer Trupps durch Aschfeld ziehen sehen, auf dem Weg zu einer Schlacht, die für die Bewohner seines kleinen Dorfes nichts weiter als eine ferne, abstrakte Geschichte gewesen war. Er hatte nie erwartet, dass er selbst eines Tages vor ihnen knien würde, um ein Geständnis abzulegen, das über das hinausging, was jeder gewöhnliche Priester oder Inquisitor hätte hören wollen.
Er hatte den Grenzposten am zwanzigsten Tag seiner Flucht erreicht, in dem Zustand physischer und geistiger Erschöpfung, der ihn schließlich dazu gebracht hatte, alle Vorsicht fallen zu lassen und einfach direkt auf die Lichter zuzugehen, die er in der Dunkelheit erkennen konnte, ohne einen klaren Plan, außer dem einen, unauslöschlichen Bedürfnis, endlich zu sprechen, endlich das Gewicht dessen, was er wusste und was er getan hatte, jemandem zu übergeben, der die Macht hatte, damit etwas anzufangen.
Und jetzt, während sie ihn durch das Lager führten, seine Hände grob hinter seinem Rücken gefesselt, seine Füße kaum in der Lage, dem Tempo der Wachposten zu folgen, die ihn eskortierten, erlaubte sich Aldous zum ersten Mal seit Jahren einen Anflug dessen, was einmal Hoffnung gewesen war — nicht die Hoffnung, dass er überleben würde, das interessierte ihn kaum noch, sondern die Hoffnung, dass das, was er wusste, tatsächlich genutzt werden würde, um zu verhindern, dass anderen Familien widerfuhr, was Sennah und Talia widerfahren war.
Das Kommandozelt, in das man ihn schließlich brachte, war größer und besser ausgestattet, als er erwartet hatte, beleuchtet von Glowglobes, die einen kalten, klinischen Schein über eine Ansammlung von Karten und taktischen Displays warfen, die die Ausdehnung der Blightfelder Sordenvals mit einer Präzision darstellten, die Aldous' eigenes, fragmentarisches Verständnis der Katastrophe in ein größeres, beunruhigenderes Bild einordnete. Und dort, um einen improvisierten Tisch versammelt, standen die Männer, deren Entscheidung in den nächsten Stunden bestimmen würde, ob sein letzter, verzweifelter Versuch der Wiedergutmachung überhaupt eine Chance haben würde.
Hauptmann Bre'kar, den er bereits am Grenzposten gesehen hatte, seine Kraftrüstung nun im volleren Licht des Zeltes sichtbar, verziert mit den erdigen Grün- und Bronzetönen der Feuerhüter von Nocturne, sein Gesicht — nun ohne Helm — von einer Härte gezeichnet, die nichts mit Grausamkeit zu tun hatte, sondern mit der schlichten, unerbittlichen Erfahrung eines Mannes, der Jahrzehnte damit verbracht hatte, Entscheidungen zu treffen, die keine einfachen Antworten zuließen.
Neben ihm stand eine zweite Gestalt in Kraftrüstung, deren Rüstung, im Gegensatz zu Bre'kars, vollständig in tiefem, undurchdringlichem Schwarz gehalten war, ein Totenschädel-Symbol auf der Brust, das selbst einem Mann, der die Feuerhüter nur aus flüchtigen Kindheitserinnerungen kannte, sofort die Position seines Trägers verriet — ein Ordenspriester im Dienst des Ordens, dessen Aufgabe es war, über den spirituellen und moralischen Zustand seiner Brüder zu wachen, und, wie Aldous mit wachsender Beklemmung erkannte, wahrscheinlich auch über den spirituellen Zustand von Männern wie ihm selbst.
„Setzt ihn dort hin“, sagte Bre'kar, auf einen einzelnen, unbequem aussehenden Stuhl in der Mitte des Zeltes deutend, und die Wachposten gehorchten, drückten Aldous mit einer Grobheit auf den Sitz, die eher aus Nervosität als aus tatsächlicher Feindseligkeit zu entspringen schien.
Der Ordenspriester trat näher, seine Bewegungen von jener bedächtigen, fast meditativen Ruhe geprägt, die Aldous später als charakteristisch für ihn erkennen sollte, und musterte ihn mit einem Blick, der weniger nach körperlichen Anzeichen von Täuschung zu suchen schien als nach etwas Tieferem, etwas, das Aldous nicht genau benennen konnte, das sich aber anfühlte, als würde der Priester direkt in die zerklüftete, vernarbte Landschaft seiner Seele blicken.
„Ich bin Vel'Schwur“, sagte der Ordenspriester schließlich, seine Stimme tief und von einer Ruhe getragen, die seltsam beruhigend wirkte, trotz der offensichtlichen Gefahr, die er repräsentierte. „Und du bist der Mann, der behauptet, gestehen zu wollen. Dann lass uns hören, was du zu gestehen hast, Aldous Rethmar. Aber ich warne dich — wir haben in den letzten Monaten genug Lügen von Männern gehört, die ihr eigenes Leben zu retten versuchten, um jede weitere sofort zu erkennen. Wähle deine Worte mit Bedacht.“
IV. DIE PRÜFUNGIV. DIE PRÜFUNG
Aldous sprach für beinahe zwei Stunden, ohne Unterbrechung, während die Männer im Zelt zuhörten mit einer Konzentration, die selbst in ihrem Schweigen eine Art Urteil zu fällen schien — er erzählte von der Verbrennung Aschfelds, von Calder und dem langsamen, methodischen Verfall seines eigenen Glaubens, von den Jahren innerhalb der Gemeinschaft, von der Lage der Mühle und ihrer Verteidigung, von den Namen, die er sich noch erinnerte, von den Ritualen, die er mit eigenen Augen gesehen hatte. Er ließ nichts aus, auch nicht die Details, die ihn am meisten beschämten — seine eigene Komplizenschaft, die Informationen, die er einst gesammelt hatte, um die Ausbreitung der Fäulnis zu unterstützen, die Kranken, die er getröstet hatte, während er gleichzeitig wusste, dass ihr Leiden Teil eines größeren, monströsen Plans war.
Er erzählte auch von Talia — nicht mit der vollen, unerträglichen Detailliertheit, die er sich selbst in den einsamen Nächten seiner Flucht immer wieder vorgehalten hatte, aber genug, dass die Männer im Zelt verstanden, was in jener Kammer unter der Mühle geschehen war, und was es ihn gekostet hatte, es zu beenden.
Als er schließlich verstummte, erschöpft von der schieren Anstrengung, all dies in Worte zu fassen, herrschte im Zelt eine Stille, die schwerer wog als jede Anklage, die man ihm hätte entgegenschleudern können.
„Er lügt nicht“, sagte Vel'Schwur schließlich, seine Stimme ruhig, aber mit einem Unterton, der Aldous erkennen ließ, dass diese Feststellung keine Erleichterung mit sich brachte, sondern eher eine zusätzliche Last. „Ich habe genug gebrochene Männer gesehen, um den Unterschied zwischen einer einstudierten Täuschung und echtem, ausgehöhltem Elend zu erkennen. Was er beschreibt, entspricht in jedem Detail dem, was unsere eigenen Aufklärungsberichte über die Mühle und die Struktur der Gemeinschaft vermuten ließen.“
„Das bedeutet nicht, dass wir ihm vertrauen sollten.“ Die neue Stimme kam von einem dritten Space Marine, den Aldous bisher nicht genau betrachtet hatte, ein Sergeant, dessen Kraftrüstung von zahllosen kleinen Reparaturen gezeichnet war, sein Gesicht hart und von einer unverhohlenen Feindseligkeit geprägt, die er nicht einmal zu verbergen versuchte. „Bei allem Respekt, Bruder-Ordenspriester, ein Mann kann die Wahrheit über seine eigene Häresie sprechen und trotzdem lügen über seine gegenwärtigen Absichten. Er könnte hierhergeschickt worden sein, genau um dieses Vertrauen zu erschleichen, um uns in eine Falle zu locken, die uns mehr kostet als jede einzelne verlorene Ernte.“
„Sergeant Thrax hat nicht Unrecht mit seiner Vorsicht“, sagte Bre'kar, seine Stimme das Gewicht eines Mannes tragend, der die letzte Entscheidung treffen musste, ganz gleich, wie unbequem sie sein würde. „Aber er ignoriert auch etwas — dieser Mann hätte fliehen können. Er hätte sich verstecken können, irgendwo in den unbesiedelten Regionen dieses Planeten, weit weg von jeder imperialen oder ketzerischen Präsenz, bis die Fäulnis entweder besiegt oder Sordenval vollständig verloren war. Stattdessen ist er direkt in unsere Arme gelaufen, mit Informationen, die für unsere Operation von unschätzbarem Wert sein könnten. Das ist entweder die Handlung eines wirklich reuigen Mannes oder die eines außergewöhnlich raffinierten Täuschers — und ich sehe wenig Grund, warum die Gemeinschaft eine derart aufwendige, riskante Täuschung inszenieren sollte, wenn sie ihn einfach hätte töten können, bevor er uns erreichte.“
Aldous, während dieser Debatte, saß schweigend, seine Hände noch immer gefesselt, und beobachtete die Männer, die über sein Schicksal berieten, mit einer seltsamen, distanzierten Ruhe, die er sich selbst nicht ganz erklären konnte — vielleicht, so dachte er, weil er in den letzten drei Wochen bereits akzeptiert hatte, dass sein eigenes Überleben nicht das Wichtigste war, um das es hier ging.
„Darf ich sprechen?“, fragte er schließlich, und alle drei Männer wandten sich ihm zu, mit unterschiedlichen Graden von Überraschung und Argwohn.
Bre'kar nickte knapp.
„Ich verlange nicht, dass ihr mir vertraut“, sagte Aldous, seine Stimme fester, als er erwartet hatte. „Ich weiß nicht einmal, ob ich mir selbst vertrauen würde, wenn unsere Rollen vertauscht wären. Alles, was ich verlange, ist die Gelegenheit, das zu benutzen, was ich weiß, um weiteres Leid zu verhindern. Wenn ihr mich danach hinrichten müsst — und ich verstehe, dass dies wahrscheinlich das ist, was am Ende geschehen wird, ganz gleich, was ich tue —, dann werde ich das akzeptieren, ohne Widerstand. Ich bitte nicht um mein Leben. Ich bitte nur darum, dass mein Wissen nicht mit mir stirbt, ohne genutzt worden zu sein.“
„Sehr edel klingende Worte für einen Mann, der drei Jahre lang Kinder in die Fäulnis geführt hat“, sagte Thrax, seine Stimme scharf wie eine Klinge.
„Ja“, sagte Aldous, ohne zu zögern, ohne den Blick des Sergeanten zu meiden. „Das sind sie. Und ich habe kein Recht, sie zu sprechen, und trotzdem spreche ich sie, weil das Einzige, was schlimmer wäre, als ein Ketzer zu sein, der um eine letzte Chance bittet, ein Ketzer zu sein, der schweigt, während weitere Kinder das erleiden, was meine Tochter erlitten hat.“
Vel'Schwur, der während dieses Austauschs weitgehend geschwiegen hatte, trat nun näher, seine schwarz gerüstete Gestalt eine bedrückende Präsenz im ohnehin schon angespannten Zelt.
„Ich werde dir etwas sagen, Aldous Rethmar, das du vielleicht nicht hören willst“, sagte er, seine Stimme von einer Autorität getragen, die nicht auf Rang, sondern auf tieferer, spiritueller Gewissheit zu beruhen schien. „Der Imperator vergibt nicht. Das habe ich in dreihundert Jahren des Dienstes an unzähligen Sterbebetten gesehen, an unzähligen Orten, an denen Männer und Frauen ihre letzten Atemzüge damit verbrachten, um Absolution zu bitten, die niemand ihnen gewähren konnte, weil Absolution nicht das ist, was der Imperator seinen Kindern anbietet. Was er anbietet, ist Zweck. Die Möglichkeit, dass eine Tat, ganz gleich wie spät sie im Leben eines Mannes kommt, noch immer wahr sein kann, noch immer etwas bewirken kann, unabhängig davon, was sie über die Seele aussagt, die sie vollbrachte.“
„Dann verstehe ich Sie richtig“, sagte Aldous langsam, „wenn ich glaube, dass Sie mir sagen, dass es keine Erlösung für mich gibt, ganz gleich, was ich als Nächstes tue.“
„Ich sage dir, dass Erlösung möglicherweise nie der richtige Rahmen war, innerhalb dessen du diese Entscheidung hättest treffen sollen“, sagte Vel'Schwur. „Du kamst hierher, um zu gestehen, in der Hoffnung, dass ein Geständnis dich von etwas reinigen würde. Aber ein Geständnis reinigt niemanden. Es informiert lediglich diejenigen, die zuhören, über die Wahrheit einer Situation, damit sie besser handeln können. Wenn du eine Tat vollbringen willst, die etwas wert ist, dann vollbringe sie nicht, weil du glaubst, dass sie dich retten wird. Vollbringe sie, weil sie an sich das Richtige ist, unabhängig davon, was danach mit dir geschieht.“
Es war eine harte Lehre, härter vielleicht als jede Verurteilung, die Aldous erwartet hatte, und dennoch spürte er, wie sich etwas in ihm löste, als er die Worte des Ordenspriesters verarbeitete — eine Last, von der er nicht gewusst hatte, dass er sie trug, die Hoffnung, dass es am Ende doch noch eine Art kosmischer Buchhaltung geben könnte, in der seine Taten gegeneinander aufgewogen würden, bis die Bilanz sich, wenn nicht in seinen Gunsten, dann zumindest in Richtung eines gewissen Friedens neigen würde.
Es gab keine solche Buchhaltung. Es gab nur die nächste Handlung, und die danach, jede für sich stehend, ohne die Erlösung, nach der er sich gesehnt hatte, aber auch, wie er zu erkennen begann, ohne die Notwendigkeit dieser Erlösung, um dennoch bedeutsam zu sein.
„Was schlagen Sie vor?“, fragte Bre'kar, sich an Vel'Schwur wendend, seine Stimme das Gewicht des Kommandanten tragend, der letztlich die praktische Entscheidung treffen musste, ganz gleich, welche philosophischen Wahrheiten im Raum standen.
„Ich schlage vor, dass wir seine Informationen nutzen“, sagte Vel'Schwur. „Unter Bewachung, ohne Waffen, bis er sich als vertrauenswürdig erweist oder das Gegenteil beweist. Wenn seine Kenntnis der Mühle korrekt ist, könnte sie uns Wochen an Aufklärung ersparen, in einer Operation, bei der jede verlorene Woche bedeutet, dass sich die Fäulnis weiter ausbreitet.“
„Und wenn er lügt?“, fragte Thrax.
„Dann wird er der Erste sein, der stirbt, wenn wir in eine Falle laufen“, sagte Bre'kar, mit einer Endgültigkeit, die keinen weiteren Widerspruch zuließ. „Das sollte Motivation genug sein, ehrlich zu bleiben, selbst für einen Mann, der bereits erklärt hat, dass ihm sein eigenes Leben nicht mehr wichtig ist.“
In diesem Moment trat ein vierter Mann ins Zelt, in der abgenutzten, aber ordentlichen Uniform eines Hauptfeldwebels der Planetaren Verteidigungskräfte, sein Gesicht von einer Art Zorn gezeichnet, der Aldous sofort erkannte, weil er ihm in den Gesichtern unzähliger Überlebender von Aschfeld begegnet war — der spezifische, unauslöschliche Zorn eines Mannes, der jemanden verloren hatte an das, wofür Aldous jetzt stellvertretend stand.
„Das ist er?“, fragte der Hauptfeldwebel, seine Stimme kaum kontrolliert, seine Hand bereits am Griff seines Lasergewehrs. „Das ist der Priester von Aschfeld?“
„Hauptfeldwebel Dall“, sagte Bre'kar, eine Warnung in seiner Stimme, die selbst durch die Barriere der Kraftrüstung spürbar war. „Wir befinden uns in einer Verhandlung, keiner Hinrichtung.“
„Meine Schwester lebte in Aschfeld“, sagte Dall, seine Augen nicht von Aldous abwendend, seine Stimme jetzt kaum mehr als ein Zischen. „Sie ist gestorben, in den Flammen, die man entzündet hat, um die Fäulnis aufzuhalten, die *dieser Mann* über Jahre hinweg genährt hat, in dem Glauben, dass er damit seine tote Tochter zurückholen könnte. Und jetzt sitzt er hier, in unserem eigenen Kommandozelt, und bittet um eine zweite Chance, als hätte er das Recht, um irgendetwas zu bitten.“
Aldous senkte den Blick, nicht aus Feigheit, sondern weil er wusste, dass er dem Zorn dieses Mannes nichts entgegenzusetzen hatte, keine Verteidigung, die seine Schuld auch nur im Geringsten mindern würde. „Sie haben recht, mit allem, was Sie gesagt haben“, sagte er leise. „Ich bitte nicht um Vergebung für das, was ich getan habe. Ich bitte nur darum, dass mein Wissen genutzt wird, um zu verhindern, dass andere das erleiden, was Ihre Schwester und meine Tochter erlitten haben.“
„Meine Schwester braucht keine Rache, die aus deinem Mund kommt“, sagte Dall, aber etwas in seiner Stimme hatte sich verändert, eine minimale Verschiebung, die Aldous nicht genau zu deuten wusste, ob sie Milderung oder nur eine tiefere, kontrolliertere Form des Zorns darstellte.
„Hauptfeldwebel“, sagte Vel'Schwur, seine Stimme jetzt an Dall gerichtet, mit einer Autorität, die selbst den zornigen Offizier zum Schweigen brachte, „Ihre Trauer ist gerechtfertigt, und niemand hier wird sie Ihnen streitig machen. Aber die Entscheidung, wie wir mit diesem Mann verfahren, wird auf der Grundlage dessen getroffen, was der Mission und dem Schutz weiterer Leben am besten dient, nicht auf der Grundlage persönlicher Rechnungen, so berechtigt sie auch sein mögen. Wenn Sie glauben, dass Sie nicht in der Lage sind, diese Unterscheidung während der kommenden Operation aufrechtzuerhalten, dann sollten Sie jetzt sagen, damit wir entsprechend planen können.“
Dall schwieg einen langen Moment, sein Kiefer angespannt, bevor er schließlich, mit sichtbarer Anstrengung, einen Schritt zurücktrat. „Ich werde meine Pflicht tun“, sagte er schließlich. „Aber ich werde diesen Mann keine Sekunde aus den Augen lassen.“
„Das“, sagte Bre'kar, „ist alles, was wir verlangen.“
Es dauerte eine weitere Stunde, bis die endgültigen Details vereinbart waren — Aldous würde als Führer dienen, unbewaffnet bis zum Beginn der eigentlichen Operation, unter ständiger Bewachung, seine Informationen würden mit den bestehenden Aufklärungsberichten abgeglichen, bevor irgendein finaler Plan verabschiedet wurde. Er würde, so machte Bre'kar unmissverständlich klar, keinerlei Zusicherung bezüglich seines eigenen Schicksals nach Abschluss der Operation erhalten, ganz gleich, wie wertvoll sich seine Hilfe erweisen würde.
Aldous akzeptierte all dies ohne Widerspruch. Es war mehr, als er zu hoffen gewagt hatte, als er sich den Wachposten am Grenzposten ergeben hatte, und weit mehr, als er, wie er selbst zugestand, tatsächlich verdiente.
Aldous sprach für beinahe zwei Stunden, ohne Unterbrechung, während die Männer im Zelt zuhörten mit einer Konzentration, die selbst in ihrem Schweigen eine Art Urteil zu fällen schien — er erzählte von der Verbrennung Aschfelds, von Calder und dem langsamen, methodischen Verfall seines eigenen Glaubens, von den Jahren innerhalb der Gemeinschaft, von der Lage der Mühle und ihrer Verteidigung, von den Namen, die er sich noch erinnerte, von den Ritualen, die er mit eigenen Augen gesehen hatte. Er ließ nichts aus, auch nicht die Details, die ihn am meisten beschämten — seine eigene Komplizenschaft, die Informationen, die er einst gesammelt hatte, um die Ausbreitung der Fäulnis zu unterstützen, die Kranken, die er getröstet hatte, während er gleichzeitig wusste, dass ihr Leiden Teil eines größeren, monströsen Plans war.
Er erzählte auch von Talia — nicht mit der vollen, unerträglichen Detailliertheit, die er sich selbst in den einsamen Nächten seiner Flucht immer wieder vorgehalten hatte, aber genug, dass die Männer im Zelt verstanden, was in jener Kammer unter der Mühle geschehen war, und was es ihn gekostet hatte, es zu beenden.
Als er schließlich verstummte, erschöpft von der schieren Anstrengung, all dies in Worte zu fassen, herrschte im Zelt eine Stille, die schwerer wog als jede Anklage, die man ihm hätte entgegenschleudern können.
„Er lügt nicht“, sagte Vel'Schwur schließlich, seine Stimme ruhig, aber mit einem Unterton, der Aldous erkennen ließ, dass diese Feststellung keine Erleichterung mit sich brachte, sondern eher eine zusätzliche Last. „Ich habe genug gebrochene Männer gesehen, um den Unterschied zwischen einer einstudierten Täuschung und echtem, ausgehöhltem Elend zu erkennen. Was er beschreibt, entspricht in jedem Detail dem, was unsere eigenen Aufklärungsberichte über die Mühle und die Struktur der Gemeinschaft vermuten ließen.“
„Das bedeutet nicht, dass wir ihm vertrauen sollten.“ Die neue Stimme kam von einem dritten Space Marine, den Aldous bisher nicht genau betrachtet hatte, ein Sergeant, dessen Kraftrüstung von zahllosen kleinen Reparaturen gezeichnet war, sein Gesicht hart und von einer unverhohlenen Feindseligkeit geprägt, die er nicht einmal zu verbergen versuchte. „Bei allem Respekt, Bruder-Ordenspriester, ein Mann kann die Wahrheit über seine eigene Häresie sprechen und trotzdem lügen über seine gegenwärtigen Absichten. Er könnte hierhergeschickt worden sein, genau um dieses Vertrauen zu erschleichen, um uns in eine Falle zu locken, die uns mehr kostet als jede einzelne verlorene Ernte.“
„Sergeant Thrax hat nicht Unrecht mit seiner Vorsicht“, sagte Bre'kar, seine Stimme das Gewicht eines Mannes tragend, der die letzte Entscheidung treffen musste, ganz gleich, wie unbequem sie sein würde. „Aber er ignoriert auch etwas — dieser Mann hätte fliehen können. Er hätte sich verstecken können, irgendwo in den unbesiedelten Regionen dieses Planeten, weit weg von jeder imperialen oder ketzerischen Präsenz, bis die Fäulnis entweder besiegt oder Sordenval vollständig verloren war. Stattdessen ist er direkt in unsere Arme gelaufen, mit Informationen, die für unsere Operation von unschätzbarem Wert sein könnten. Das ist entweder die Handlung eines wirklich reuigen Mannes oder die eines außergewöhnlich raffinierten Täuschers — und ich sehe wenig Grund, warum die Gemeinschaft eine derart aufwendige, riskante Täuschung inszenieren sollte, wenn sie ihn einfach hätte töten können, bevor er uns erreichte.“
Aldous, während dieser Debatte, saß schweigend, seine Hände noch immer gefesselt, und beobachtete die Männer, die über sein Schicksal berieten, mit einer seltsamen, distanzierten Ruhe, die er sich selbst nicht ganz erklären konnte — vielleicht, so dachte er, weil er in den letzten drei Wochen bereits akzeptiert hatte, dass sein eigenes Überleben nicht das Wichtigste war, um das es hier ging.
„Darf ich sprechen?“, fragte er schließlich, und alle drei Männer wandten sich ihm zu, mit unterschiedlichen Graden von Überraschung und Argwohn.
Bre'kar nickte knapp.
„Ich verlange nicht, dass ihr mir vertraut“, sagte Aldous, seine Stimme fester, als er erwartet hatte. „Ich weiß nicht einmal, ob ich mir selbst vertrauen würde, wenn unsere Rollen vertauscht wären. Alles, was ich verlange, ist die Gelegenheit, das zu benutzen, was ich weiß, um weiteres Leid zu verhindern. Wenn ihr mich danach hinrichten müsst — und ich verstehe, dass dies wahrscheinlich das ist, was am Ende geschehen wird, ganz gleich, was ich tue —, dann werde ich das akzeptieren, ohne Widerstand. Ich bitte nicht um mein Leben. Ich bitte nur darum, dass mein Wissen nicht mit mir stirbt, ohne genutzt worden zu sein.“
„Sehr edel klingende Worte für einen Mann, der drei Jahre lang Kinder in die Fäulnis geführt hat“, sagte Thrax, seine Stimme scharf wie eine Klinge.
„Ja“, sagte Aldous, ohne zu zögern, ohne den Blick des Sergeanten zu meiden. „Das sind sie. Und ich habe kein Recht, sie zu sprechen, und trotzdem spreche ich sie, weil das Einzige, was schlimmer wäre, als ein Ketzer zu sein, der um eine letzte Chance bittet, ein Ketzer zu sein, der schweigt, während weitere Kinder das erleiden, was meine Tochter erlitten hat.“
Vel'Schwur, der während dieses Austauschs weitgehend geschwiegen hatte, trat nun näher, seine schwarz gerüstete Gestalt eine bedrückende Präsenz im ohnehin schon angespannten Zelt.
„Ich werde dir etwas sagen, Aldous Rethmar, das du vielleicht nicht hören willst“, sagte er, seine Stimme von einer Autorität getragen, die nicht auf Rang, sondern auf tieferer, spiritueller Gewissheit zu beruhen schien. „Der Imperator vergibt nicht. Das habe ich in dreihundert Jahren des Dienstes an unzähligen Sterbebetten gesehen, an unzähligen Orten, an denen Männer und Frauen ihre letzten Atemzüge damit verbrachten, um Absolution zu bitten, die niemand ihnen gewähren konnte, weil Absolution nicht das ist, was der Imperator seinen Kindern anbietet. Was er anbietet, ist Zweck. Die Möglichkeit, dass eine Tat, ganz gleich wie spät sie im Leben eines Mannes kommt, noch immer wahr sein kann, noch immer etwas bewirken kann, unabhängig davon, was sie über die Seele aussagt, die sie vollbrachte.“
„Dann verstehe ich Sie richtig“, sagte Aldous langsam, „wenn ich glaube, dass Sie mir sagen, dass es keine Erlösung für mich gibt, ganz gleich, was ich als Nächstes tue.“
„Ich sage dir, dass Erlösung möglicherweise nie der richtige Rahmen war, innerhalb dessen du diese Entscheidung hättest treffen sollen“, sagte Vel'Schwur. „Du kamst hierher, um zu gestehen, in der Hoffnung, dass ein Geständnis dich von etwas reinigen würde. Aber ein Geständnis reinigt niemanden. Es informiert lediglich diejenigen, die zuhören, über die Wahrheit einer Situation, damit sie besser handeln können. Wenn du eine Tat vollbringen willst, die etwas wert ist, dann vollbringe sie nicht, weil du glaubst, dass sie dich retten wird. Vollbringe sie, weil sie an sich das Richtige ist, unabhängig davon, was danach mit dir geschieht.“
Es war eine harte Lehre, härter vielleicht als jede Verurteilung, die Aldous erwartet hatte, und dennoch spürte er, wie sich etwas in ihm löste, als er die Worte des Ordenspriesters verarbeitete — eine Last, von der er nicht gewusst hatte, dass er sie trug, die Hoffnung, dass es am Ende doch noch eine Art kosmischer Buchhaltung geben könnte, in der seine Taten gegeneinander aufgewogen würden, bis die Bilanz sich, wenn nicht in seinen Gunsten, dann zumindest in Richtung eines gewissen Friedens neigen würde.
Es gab keine solche Buchhaltung. Es gab nur die nächste Handlung, und die danach, jede für sich stehend, ohne die Erlösung, nach der er sich gesehnt hatte, aber auch, wie er zu erkennen begann, ohne die Notwendigkeit dieser Erlösung, um dennoch bedeutsam zu sein.
„Was schlagen Sie vor?“, fragte Bre'kar, sich an Vel'Schwur wendend, seine Stimme das Gewicht des Kommandanten tragend, der letztlich die praktische Entscheidung treffen musste, ganz gleich, welche philosophischen Wahrheiten im Raum standen.
„Ich schlage vor, dass wir seine Informationen nutzen“, sagte Vel'Schwur. „Unter Bewachung, ohne Waffen, bis er sich als vertrauenswürdig erweist oder das Gegenteil beweist. Wenn seine Kenntnis der Mühle korrekt ist, könnte sie uns Wochen an Aufklärung ersparen, in einer Operation, bei der jede verlorene Woche bedeutet, dass sich die Fäulnis weiter ausbreitet.“
„Und wenn er lügt?“, fragte Thrax.
„Dann wird er der Erste sein, der stirbt, wenn wir in eine Falle laufen“, sagte Bre'kar, mit einer Endgültigkeit, die keinen weiteren Widerspruch zuließ. „Das sollte Motivation genug sein, ehrlich zu bleiben, selbst für einen Mann, der bereits erklärt hat, dass ihm sein eigenes Leben nicht mehr wichtig ist.“
In diesem Moment trat ein vierter Mann ins Zelt, in der abgenutzten, aber ordentlichen Uniform eines Hauptfeldwebels der Planetaren Verteidigungskräfte, sein Gesicht von einer Art Zorn gezeichnet, der Aldous sofort erkannte, weil er ihm in den Gesichtern unzähliger Überlebender von Aschfeld begegnet war — der spezifische, unauslöschliche Zorn eines Mannes, der jemanden verloren hatte an das, wofür Aldous jetzt stellvertretend stand.
„Das ist er?“, fragte der Hauptfeldwebel, seine Stimme kaum kontrolliert, seine Hand bereits am Griff seines Lasergewehrs. „Das ist der Priester von Aschfeld?“
„Hauptfeldwebel Dall“, sagte Bre'kar, eine Warnung in seiner Stimme, die selbst durch die Barriere der Kraftrüstung spürbar war. „Wir befinden uns in einer Verhandlung, keiner Hinrichtung.“
„Meine Schwester lebte in Aschfeld“, sagte Dall, seine Augen nicht von Aldous abwendend, seine Stimme jetzt kaum mehr als ein Zischen. „Sie ist gestorben, in den Flammen, die man entzündet hat, um die Fäulnis aufzuhalten, die *dieser Mann* über Jahre hinweg genährt hat, in dem Glauben, dass er damit seine tote Tochter zurückholen könnte. Und jetzt sitzt er hier, in unserem eigenen Kommandozelt, und bittet um eine zweite Chance, als hätte er das Recht, um irgendetwas zu bitten.“
Aldous senkte den Blick, nicht aus Feigheit, sondern weil er wusste, dass er dem Zorn dieses Mannes nichts entgegenzusetzen hatte, keine Verteidigung, die seine Schuld auch nur im Geringsten mindern würde. „Sie haben recht, mit allem, was Sie gesagt haben“, sagte er leise. „Ich bitte nicht um Vergebung für das, was ich getan habe. Ich bitte nur darum, dass mein Wissen genutzt wird, um zu verhindern, dass andere das erleiden, was Ihre Schwester und meine Tochter erlitten haben.“
„Meine Schwester braucht keine Rache, die aus deinem Mund kommt“, sagte Dall, aber etwas in seiner Stimme hatte sich verändert, eine minimale Verschiebung, die Aldous nicht genau zu deuten wusste, ob sie Milderung oder nur eine tiefere, kontrolliertere Form des Zorns darstellte.
„Hauptfeldwebel“, sagte Vel'Schwur, seine Stimme jetzt an Dall gerichtet, mit einer Autorität, die selbst den zornigen Offizier zum Schweigen brachte, „Ihre Trauer ist gerechtfertigt, und niemand hier wird sie Ihnen streitig machen. Aber die Entscheidung, wie wir mit diesem Mann verfahren, wird auf der Grundlage dessen getroffen, was der Mission und dem Schutz weiterer Leben am besten dient, nicht auf der Grundlage persönlicher Rechnungen, so berechtigt sie auch sein mögen. Wenn Sie glauben, dass Sie nicht in der Lage sind, diese Unterscheidung während der kommenden Operation aufrechtzuerhalten, dann sollten Sie jetzt sagen, damit wir entsprechend planen können.“
Dall schwieg einen langen Moment, sein Kiefer angespannt, bevor er schließlich, mit sichtbarer Anstrengung, einen Schritt zurücktrat. „Ich werde meine Pflicht tun“, sagte er schließlich. „Aber ich werde diesen Mann keine Sekunde aus den Augen lassen.“
„Das“, sagte Bre'kar, „ist alles, was wir verlangen.“
Es dauerte eine weitere Stunde, bis die endgültigen Details vereinbart waren — Aldous würde als Führer dienen, unbewaffnet bis zum Beginn der eigentlichen Operation, unter ständiger Bewachung, seine Informationen würden mit den bestehenden Aufklärungsberichten abgeglichen, bevor irgendein finaler Plan verabschiedet wurde. Er würde, so machte Bre'kar unmissverständlich klar, keinerlei Zusicherung bezüglich seines eigenen Schicksals nach Abschluss der Operation erhalten, ganz gleich, wie wertvoll sich seine Hilfe erweisen würde.
Aldous akzeptierte all dies ohne Widerspruch. Es war mehr, als er zu hoffen gewagt hatte, als er sich den Wachposten am Grenzposten ergeben hatte, und weit mehr, als er, wie er selbst zugestand, tatsächlich verdiente.
V. DAS BÜNDNIS DER VERZWEIFELTENV. DAS BÜNDNIS DER VERZWEIFELTEN
Die folgenden drei Tage vergingen in einer Geschäftigkeit, die Aldous fast dankbar begrüßte, weil sie ihm wenig Zeit ließ, sich in den Gedanken zu verlieren, die ihn andernfalls überwältigt hätten — die Vorbereitung einer Operation, die, wie ihm zunehmend klar wurde, weit mehr Risiko und weit mehr Ressourcen band, als er ursprünglich erwartet hatte, als er sich dem Grenzposten ergeben hatte.
Die Streitmacht, die schließlich für den Angriff auf die Mühle von Aschfeld zusammengestellt wurde, war bewusst klein gehalten — ein Trupp von acht Feuerhütern unter Bre'kars direktem Kommando, verstärkt durch ein Dutzend erfahrener PDF-Soldaten unter Hauptfeldwebel Dalls Führung, eine Größe, die groß genug war, um die erwartete Verteidigung der Gemeinschaft zu überwältigen, aber klein genug, um mit der Diskretion vorzugehen, die notwendig war, um die Gefangenen, von deren Existenz Aldous berichtet hatte, lebend zu bergen, bevor die Gemeinschaft die Gelegenheit hatte, sie als Geiseln oder Opfer zu nutzen.
Aldous verbrachte den Großteil dieser Tage in Gesprächen mit den taktischen Offizieren, seine Erinnerungen an die Struktur der Mühle so detailliert wie möglich in Skizzen und mündliche Beschreibungen übersetzend, während ein Servitor-Kartograph diese Informationen in ein dreidimensionales taktisches Modell umwandelte, das mit jedem Tag präziser wurde. Es war seltsam beruhigend, dachte er manchmal, während er über den glühenden Projektionen des Modells saß, zum ersten Mal seit Jahren etwas zu tun, das sich tatsächlich nützlich anfühlte, ohne den Beigeschmack der Komplizenschaft, der jede Handlung während seiner Zeit in der Gemeinschaft begleitet hatte.
Er begegnete den anderen Mitgliedern von Bre'kars Trupp allmählich, im Laufe dieser Vorbereitungstage, und lernte, ihre unterschiedlichen Reaktionen auf seine Anwesenheit zu unterscheiden — die meisten begegneten ihm mit einer professionellen, aber unverkennbaren Distanz, weder freundlich noch offen feindselig, sondern einfach vorsichtig, wie man einer unbekannten, potenziell instabilen Waffe begegnen würde. Thrax hielt weiterhin eine offene Feindseligkeit aufrecht, die sich in kurzen, scharfen Bemerkungen manifestierte, wann immer sich eine Gelegenheit dazu bot, aber Aldous bemerkte auch, dass der Sergeant, trotz seiner Worte, eine gewisse professionelle Sorgfalt walten ließ, wenn es darum ging, Aldous' taktische Informationen tatsächlich zu nutzen — als könnte er seine persönliche Abneigung von seiner Pflicht als Soldat trennen, selbst wenn diese Trennung ihn sichtlich Mühe kostete.
Der jüngste der Feuerhüter, ein Battle-Brother namens Dessin, dessen Kraftrüstung noch die vergleichsweise unbeschädigte Oberfläche eines Mannes trug, der noch nicht Jahrzehnte an Kampferfahrung angesammelt hatte, näherte sich Aldous am zweiten Abend mit einer Frage, die ihn überraschte in ihrer Direktheit.
„Warum hast du geglaubt?“, fragte Dessin, während sie beide an einem improvisierten Feuer saßen, außerhalb der eigentlichen Planungszelte, in einem seltenen Moment, in dem Aldous' Bewachung sich auf eine einzelne, entspanntere Präsenz reduziert hatte. „An Calders Lehren, meine ich. Du warst Priester. Du kanntest die wahre Lehre des Imperiums. Wie konnte ein Mann mit deiner Ausbildung sich derart täuschen lassen?“
Aldous dachte lange nach, bevor er antwortete, weil die Frage, so einfach sie klang, eine Antwort verdiente, die er sich selbst in all den Jahren seiner Zugehörigkeit zur Gemeinschaft nie vollständig gestattet hatte zu formulieren.
„Weil die wahre Lehre des Imperiums mir in dem Moment, in dem ich sie am dringendsten brauchte, nichts anzubieten hatte außer Geduld“, sagte er schließlich. „Geduld, während meine Tochter starb. Geduld, während das Feuer kam, das meine Familie tötete. Der Imperator, so hat man mich gelehrt, prüft seine Kinder durch Leiden, und diese Prüfung dient letztlich einem größeren Zweck, den wir nicht immer verstehen können. Aber als ich Sennah und Talia verlor, war Geduld das Letzte, was ich ertragen konnte. Ich wollte eine Antwort, die *jetzt* kam, die *sofort* etwas veränderte, und Calder — der Gärtner — bot mir genau das an. Nicht sofort, nicht ohne Preis, aber schneller, greifbarer als alles, was meine eigene Theologie mir in jenem Moment anzubieten hatte.“
„Und jetzt?“, fragte Dessin. „Glaubst du jetzt wieder an den Imperator?“
Aldous schüttelte langsam den Kopf. „Ich weiß nicht, was ich glaube“, sagte er ehrlich. „Ich weiß nur, dass das, was der Gärtner mir versprach, eine Lüge war, verpackt in Trost, und dass die Wahrheit dieser Lüge das Gesicht meiner eigenen Tochter trug, als sie mich um Erlösung von einem Schmerz bat, den ich selbst verursacht hatte. Ich weiß nicht, ob der Imperator existiert, in dem Sinne, in dem ich es einst gepredigt habe. Aber ich weiß, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem Gott, der schweigt, weil er nicht antworten kann oder will, und einem, der antwortet, nur um seine Antwort in etwas zu verwandeln, das noch grausamer ist als das ursprüngliche Leiden. Wenn ich mich zwischen diesen beiden entscheiden muss, wähle ich das Schweigen.“
Dessin schwieg eine Weile, den Blick in die Flammen gerichtet, bevor er schließlich sagte: „Ordenspriester Vel'Schwur sagt oft, dass der wahre Test des Glaubens nicht darin besteht, was ein Mann fühlt, sondern was er tut, wenn das Gefühl versagt. Vielleicht ist das, was du jetzt tust, eine Form von Glauben, selbst wenn du das Gefühl, das ihn einst begleitete, nicht mehr spürst.“
Es war eine unerwartete Freundlichkeit, von einem Mann, der jedes Recht gehabt hätte, ihm mit der gleichen Feindseligkeit zu begegnen wie Thrax, und Aldous fand sich, zu seiner eigenen Überraschung, von einer Dankbarkeit ergriffen, die er sich seit Jahren nicht mehr erlaubt hatte zu fühlen.
Am Abend vor dem eigentlichen Angriff suchte Aldous Vel'Schwur auf, in einem Moment relativer Privatsphäre, den er sich, wie er selbst wusste, kaum verdient hatte zu beanspruchen.
„Ordenspriester“, sagte er, „ich muss Sie etwas fragen, bevor wir morgen aufbrechen.“
Vel'Schwur, der eine der zeremoniellen Waffen des Ordens gereinigt hatte, eine Aufgabe, die er mit der Sorgfalt eines Mannes ausführte, für den Ritual und Kampfbereitschaft untrennbar miteinander verbunden waren, blickte auf. „Sprich.“
„Was geschieht mit einem Mann wie mir, wenn er stirbt?“, fragte Aldous. „Nicht theologisch — ich verstehe, dass Sie mir keine Absolution anbieten können, das haben Sie bereits deutlich gemacht. Ich frage nach der praktischen Realität. Wenn ich morgen sterbe, im Kampf gegen die Gemeinschaft, die ich einst mitgegründet habe — wird das etwas bedeuten? Oder werde ich einfach als ein weiterer toter Ketzer verzeichnet, ununterscheidbar von jenen, die ohne jeden Anflug von Reue gestorben sind?“
Vel'Schwur legte die Waffe, an der er gearbeitet hatte, beiseite, und wandte sich Aldous mit voller Aufmerksamkeit zu. „Ich werde dir die Wahrheit sagen, weil du sie verdient hast, selbst wenn sie dir nicht gefällt“, sagte er. „Die offiziellen Aufzeichnungen werden dich als das verzeichnen, was du warst — ein Ketzer, ein Mitglied einer verbotenen Gemeinschaft, ein Mann, der Jahre damit verbrachte, die Ausbreitung der Fäulnis zu unterstützen. Deine letzten Taten, ganz gleich wie tapfer oder aufopfernd sie sein mögen, werden diese Aufzeichnung nicht auslöschen. So funktioniert das Imperium nicht. So hat es nie funktioniert.“
Er machte eine Pause, und als er weitersprach, lag in seiner Stimme etwas, das Aldous nicht ganz als Mitgefühl erkennen konnte, das aber zumindest die Andeutung einer tieferen, persönlicheren Wahrheit trug, als die offizielle Doktrin, die er zuvor formuliert hatte.
„Aber ich werde es wissen“, sagte Vel'Schwur. „Ich werde wissen, was du morgen tust, wenn du es tust, und diese Erkenntnis wird nicht in den offiziellen Aufzeichnungen verschwinden, ganz gleich, was auf dem Papier steht. Das ist vielleicht wenig Trost, gemessen an dem, was du dir erhofft hattest, als du dich dem Grenzposten ergabst. Aber es ist die einzige Form von Zeugenschaft, die ich dir anbieten kann, und ich biete sie dir aufrichtig an.“
Aldous nickte langsam, eine seltsame Ruhe sich in ihm ausbreitend, die er nicht ganz verstand, aber dennoch dankbar annahm. „Das ist mehr, als ich erwartet hatte“, sagte er. „Danke.“
„Dank ist unnötig“, sagte Vel'Schwur. „Ruhe dich aus, Aldous Rethmar. Morgen wird lang.“
Sie brachen vor Sonnenaufgang auf, eine kleine Kolonne aus zwei Chimera-Transportern und einer Handvoll Fußsoldaten, die sich durch die zunehmend verfaulte Landschaft bewegte, die Aldous vor drei Wochen in umgekehrter Richtung durchquert hatte, auf der Flucht vor genau dem Ort, zu dem er jetzt zurückkehrte, diesmal an der Seite jener, die er einst als Feinde betrachtet hatte, um einen Ort zu zerstören, den er einst sein Zuhause genannt hatte.
Die Fahrt dauerte den größten Teil des Tages, durch Felder, die zunehmend die charakteristischen Zeichen der Fäulnis trugen — schwarz glänzende Ähren, die sich im Wind bewegten wie etwas, das lebendiger war, als es sein sollte, Bäume, deren Rinde sich in nässende, pulsierende Muster verwandelt hatte, die Luft selbst schwerer werdend, durchdrungen von jenem süßlich-fauligen Geruch, den Aldous in seinen Albträumen nie ganz hinter sich gelassen hatte.
Als die Silhouette der Mühle schließlich am Horizont erschien, in der Abenddämmerung des Sordenval-Tages, fühlte Aldous, wie sich sein Magen zusammenzog, nicht aus Furcht vor dem, was ihnen bevorstand, sondern aus der schieren, überwältigenden Last der Erinnerung — dies war der Ort, an dem er seine Tochter zum zweiten Mal getötet hatte, der Ort, an dem seine letzten Reste des Glaubens, in was auch immer, endgültig zerbrochen waren.
„Bereit?“, fragte Bre'kar, seine Stimme durch den Helm-Vox verzerrt, während der Trupp sich in Position brachte, für den letzten Anmarsch, der in der einsetzenden Dunkelheit erfolgen sollte.
„Nein“, sagte Aldous ehrlich. „Aber ich gehe trotzdem.“
Die folgenden drei Tage vergingen in einer Geschäftigkeit, die Aldous fast dankbar begrüßte, weil sie ihm wenig Zeit ließ, sich in den Gedanken zu verlieren, die ihn andernfalls überwältigt hätten — die Vorbereitung einer Operation, die, wie ihm zunehmend klar wurde, weit mehr Risiko und weit mehr Ressourcen band, als er ursprünglich erwartet hatte, als er sich dem Grenzposten ergeben hatte.
Die Streitmacht, die schließlich für den Angriff auf die Mühle von Aschfeld zusammengestellt wurde, war bewusst klein gehalten — ein Trupp von acht Feuerhütern unter Bre'kars direktem Kommando, verstärkt durch ein Dutzend erfahrener PDF-Soldaten unter Hauptfeldwebel Dalls Führung, eine Größe, die groß genug war, um die erwartete Verteidigung der Gemeinschaft zu überwältigen, aber klein genug, um mit der Diskretion vorzugehen, die notwendig war, um die Gefangenen, von deren Existenz Aldous berichtet hatte, lebend zu bergen, bevor die Gemeinschaft die Gelegenheit hatte, sie als Geiseln oder Opfer zu nutzen.
Aldous verbrachte den Großteil dieser Tage in Gesprächen mit den taktischen Offizieren, seine Erinnerungen an die Struktur der Mühle so detailliert wie möglich in Skizzen und mündliche Beschreibungen übersetzend, während ein Servitor-Kartograph diese Informationen in ein dreidimensionales taktisches Modell umwandelte, das mit jedem Tag präziser wurde. Es war seltsam beruhigend, dachte er manchmal, während er über den glühenden Projektionen des Modells saß, zum ersten Mal seit Jahren etwas zu tun, das sich tatsächlich nützlich anfühlte, ohne den Beigeschmack der Komplizenschaft, der jede Handlung während seiner Zeit in der Gemeinschaft begleitet hatte.
Er begegnete den anderen Mitgliedern von Bre'kars Trupp allmählich, im Laufe dieser Vorbereitungstage, und lernte, ihre unterschiedlichen Reaktionen auf seine Anwesenheit zu unterscheiden — die meisten begegneten ihm mit einer professionellen, aber unverkennbaren Distanz, weder freundlich noch offen feindselig, sondern einfach vorsichtig, wie man einer unbekannten, potenziell instabilen Waffe begegnen würde. Thrax hielt weiterhin eine offene Feindseligkeit aufrecht, die sich in kurzen, scharfen Bemerkungen manifestierte, wann immer sich eine Gelegenheit dazu bot, aber Aldous bemerkte auch, dass der Sergeant, trotz seiner Worte, eine gewisse professionelle Sorgfalt walten ließ, wenn es darum ging, Aldous' taktische Informationen tatsächlich zu nutzen — als könnte er seine persönliche Abneigung von seiner Pflicht als Soldat trennen, selbst wenn diese Trennung ihn sichtlich Mühe kostete.
Der jüngste der Feuerhüter, ein Battle-Brother namens Dessin, dessen Kraftrüstung noch die vergleichsweise unbeschädigte Oberfläche eines Mannes trug, der noch nicht Jahrzehnte an Kampferfahrung angesammelt hatte, näherte sich Aldous am zweiten Abend mit einer Frage, die ihn überraschte in ihrer Direktheit.
„Warum hast du geglaubt?“, fragte Dessin, während sie beide an einem improvisierten Feuer saßen, außerhalb der eigentlichen Planungszelte, in einem seltenen Moment, in dem Aldous' Bewachung sich auf eine einzelne, entspanntere Präsenz reduziert hatte. „An Calders Lehren, meine ich. Du warst Priester. Du kanntest die wahre Lehre des Imperiums. Wie konnte ein Mann mit deiner Ausbildung sich derart täuschen lassen?“
Aldous dachte lange nach, bevor er antwortete, weil die Frage, so einfach sie klang, eine Antwort verdiente, die er sich selbst in all den Jahren seiner Zugehörigkeit zur Gemeinschaft nie vollständig gestattet hatte zu formulieren.
„Weil die wahre Lehre des Imperiums mir in dem Moment, in dem ich sie am dringendsten brauchte, nichts anzubieten hatte außer Geduld“, sagte er schließlich. „Geduld, während meine Tochter starb. Geduld, während das Feuer kam, das meine Familie tötete. Der Imperator, so hat man mich gelehrt, prüft seine Kinder durch Leiden, und diese Prüfung dient letztlich einem größeren Zweck, den wir nicht immer verstehen können. Aber als ich Sennah und Talia verlor, war Geduld das Letzte, was ich ertragen konnte. Ich wollte eine Antwort, die *jetzt* kam, die *sofort* etwas veränderte, und Calder — der Gärtner — bot mir genau das an. Nicht sofort, nicht ohne Preis, aber schneller, greifbarer als alles, was meine eigene Theologie mir in jenem Moment anzubieten hatte.“
„Und jetzt?“, fragte Dessin. „Glaubst du jetzt wieder an den Imperator?“
Aldous schüttelte langsam den Kopf. „Ich weiß nicht, was ich glaube“, sagte er ehrlich. „Ich weiß nur, dass das, was der Gärtner mir versprach, eine Lüge war, verpackt in Trost, und dass die Wahrheit dieser Lüge das Gesicht meiner eigenen Tochter trug, als sie mich um Erlösung von einem Schmerz bat, den ich selbst verursacht hatte. Ich weiß nicht, ob der Imperator existiert, in dem Sinne, in dem ich es einst gepredigt habe. Aber ich weiß, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem Gott, der schweigt, weil er nicht antworten kann oder will, und einem, der antwortet, nur um seine Antwort in etwas zu verwandeln, das noch grausamer ist als das ursprüngliche Leiden. Wenn ich mich zwischen diesen beiden entscheiden muss, wähle ich das Schweigen.“
Dessin schwieg eine Weile, den Blick in die Flammen gerichtet, bevor er schließlich sagte: „Ordenspriester Vel'Schwur sagt oft, dass der wahre Test des Glaubens nicht darin besteht, was ein Mann fühlt, sondern was er tut, wenn das Gefühl versagt. Vielleicht ist das, was du jetzt tust, eine Form von Glauben, selbst wenn du das Gefühl, das ihn einst begleitete, nicht mehr spürst.“
Es war eine unerwartete Freundlichkeit, von einem Mann, der jedes Recht gehabt hätte, ihm mit der gleichen Feindseligkeit zu begegnen wie Thrax, und Aldous fand sich, zu seiner eigenen Überraschung, von einer Dankbarkeit ergriffen, die er sich seit Jahren nicht mehr erlaubt hatte zu fühlen.
Am Abend vor dem eigentlichen Angriff suchte Aldous Vel'Schwur auf, in einem Moment relativer Privatsphäre, den er sich, wie er selbst wusste, kaum verdient hatte zu beanspruchen.
„Ordenspriester“, sagte er, „ich muss Sie etwas fragen, bevor wir morgen aufbrechen.“
Vel'Schwur, der eine der zeremoniellen Waffen des Ordens gereinigt hatte, eine Aufgabe, die er mit der Sorgfalt eines Mannes ausführte, für den Ritual und Kampfbereitschaft untrennbar miteinander verbunden waren, blickte auf. „Sprich.“
„Was geschieht mit einem Mann wie mir, wenn er stirbt?“, fragte Aldous. „Nicht theologisch — ich verstehe, dass Sie mir keine Absolution anbieten können, das haben Sie bereits deutlich gemacht. Ich frage nach der praktischen Realität. Wenn ich morgen sterbe, im Kampf gegen die Gemeinschaft, die ich einst mitgegründet habe — wird das etwas bedeuten? Oder werde ich einfach als ein weiterer toter Ketzer verzeichnet, ununterscheidbar von jenen, die ohne jeden Anflug von Reue gestorben sind?“
Vel'Schwur legte die Waffe, an der er gearbeitet hatte, beiseite, und wandte sich Aldous mit voller Aufmerksamkeit zu. „Ich werde dir die Wahrheit sagen, weil du sie verdient hast, selbst wenn sie dir nicht gefällt“, sagte er. „Die offiziellen Aufzeichnungen werden dich als das verzeichnen, was du warst — ein Ketzer, ein Mitglied einer verbotenen Gemeinschaft, ein Mann, der Jahre damit verbrachte, die Ausbreitung der Fäulnis zu unterstützen. Deine letzten Taten, ganz gleich wie tapfer oder aufopfernd sie sein mögen, werden diese Aufzeichnung nicht auslöschen. So funktioniert das Imperium nicht. So hat es nie funktioniert.“
Er machte eine Pause, und als er weitersprach, lag in seiner Stimme etwas, das Aldous nicht ganz als Mitgefühl erkennen konnte, das aber zumindest die Andeutung einer tieferen, persönlicheren Wahrheit trug, als die offizielle Doktrin, die er zuvor formuliert hatte.
„Aber ich werde es wissen“, sagte Vel'Schwur. „Ich werde wissen, was du morgen tust, wenn du es tust, und diese Erkenntnis wird nicht in den offiziellen Aufzeichnungen verschwinden, ganz gleich, was auf dem Papier steht. Das ist vielleicht wenig Trost, gemessen an dem, was du dir erhofft hattest, als du dich dem Grenzposten ergabst. Aber es ist die einzige Form von Zeugenschaft, die ich dir anbieten kann, und ich biete sie dir aufrichtig an.“
Aldous nickte langsam, eine seltsame Ruhe sich in ihm ausbreitend, die er nicht ganz verstand, aber dennoch dankbar annahm. „Das ist mehr, als ich erwartet hatte“, sagte er. „Danke.“
„Dank ist unnötig“, sagte Vel'Schwur. „Ruhe dich aus, Aldous Rethmar. Morgen wird lang.“
Sie brachen vor Sonnenaufgang auf, eine kleine Kolonne aus zwei Chimera-Transportern und einer Handvoll Fußsoldaten, die sich durch die zunehmend verfaulte Landschaft bewegte, die Aldous vor drei Wochen in umgekehrter Richtung durchquert hatte, auf der Flucht vor genau dem Ort, zu dem er jetzt zurückkehrte, diesmal an der Seite jener, die er einst als Feinde betrachtet hatte, um einen Ort zu zerstören, den er einst sein Zuhause genannt hatte.
Die Fahrt dauerte den größten Teil des Tages, durch Felder, die zunehmend die charakteristischen Zeichen der Fäulnis trugen — schwarz glänzende Ähren, die sich im Wind bewegten wie etwas, das lebendiger war, als es sein sollte, Bäume, deren Rinde sich in nässende, pulsierende Muster verwandelt hatte, die Luft selbst schwerer werdend, durchdrungen von jenem süßlich-fauligen Geruch, den Aldous in seinen Albträumen nie ganz hinter sich gelassen hatte.
Als die Silhouette der Mühle schließlich am Horizont erschien, in der Abenddämmerung des Sordenval-Tages, fühlte Aldous, wie sich sein Magen zusammenzog, nicht aus Furcht vor dem, was ihnen bevorstand, sondern aus der schieren, überwältigenden Last der Erinnerung — dies war der Ort, an dem er seine Tochter zum zweiten Mal getötet hatte, der Ort, an dem seine letzten Reste des Glaubens, in was auch immer, endgültig zerbrochen waren.
„Bereit?“, fragte Bre'kar, seine Stimme durch den Helm-Vox verzerrt, während der Trupp sich in Position brachte, für den letzten Anmarsch, der in der einsetzenden Dunkelheit erfolgen sollte.
„Nein“, sagte Aldous ehrlich. „Aber ich gehe trotzdem.“
VI. DIE MÜHLE VON ASCHFELDVI. DIE MÜHLE VON ASCHFELD
Die äußeren Wachen der Gemeinschaft, so hatte Aldous vorausgesagt, patrouillierten in einem Muster, das er selbst über Jahre hinweg mitgestaltet hatte, ein System, das eher darauf ausgelegt war, gelegentliche neugierige Reisende oder verirrte Tiere abzuschrecken, als eine koordinierte militärische Bedrohung zu erkennen — die Gemeinschaft hatte sich, in ihrer über Jahre gewachsenen Arroganz, nie ernsthaft vorgestellt, dass das Imperium tatsächlich die Ressourcen aufbringen würde, um einen derart entlegenen Winkel von Sordenval mit der geballten Kraft von Adeptus Astartes zu konfrontieren.
Diese Arroganz erwies sich als ihr erster, entscheidender Fehler.
Die ersten beiden Wachposten, positioniert an einem improvisierten Beobachtungsstand am Rand des alten Kornfeldes, das die Mühle umgab, starben, bevor sie überhaupt realisierten, dass ein Angriff im Gange war — Dessin und ein weiterer Feuerhüter, dessen Name Aldous noch nicht kannte, bewegten sich mit einer Lautlosigkeit, die für Männer in schwerer Kraftrüstung geradezu unmöglich schien, und die Klingen ihrer Kampfmesser fanden ihre Ziele mit einer chirurgischen Präzision, die eher an eine Hinrichtung als an einen Kampf erinnerte.
Aldous, der sich in der Mitte der vorrückenden Formation hielt, flankiert von zwei PDF-Soldaten, deren Aufgabe es offensichtlich war, ihn ebenso sehr zu bewachen wie zu beschützen, führte sie durch einen Pfad, den er aus seinen Jahren als Mitglied der Gemeinschaft noch mit schmerzhafter Klarheit kannte — vorbei an den verfallenen Überresten dessen, was einst die äußeren Gebäude Aschfelds gewesen waren, jetzt überwuchert von der charakteristischen, pulsierenden Fäulnis, die sich wie ein lebendiges Netzwerk über die Ruinen gelegt hatte.
„Hier“, flüsterte er, als sie sich einer unscheinbaren, halb eingestürzten Scheune näherten, die, wie nur wenige innerhalb der Gemeinschaft wussten, den verborgenen Zugang zu den unterirdischen Kammern unter der eigentlichen Mühle verbarg. „Der Haupteingang wird stärker bewacht sein. Dieser Weg führt direkt in die äußeren Lagerräume.“
Bre'kar nickte knapp, und der Trupp bewegte sich weiter, jetzt mit der beschleunigten, aber immer noch kontrollierten Präzision einer Einheit, die genau wusste, dass die Zeit gegen sie arbeitete, sobald das erste Anzeichen des Angriffs von der Gemeinschaft bemerkt würde.
Es dauerte länger, als Aldous gehofft hatte.
Sie waren kaum zwanzig Meter in den unterirdischen Tunneln vorgedrungen, die die verschiedenen Kammern der Mühle miteinander verbanden, als eine Gruppe von sechs Kultisten ihnen entgegenkam, bewaffnet mit einer Mischung aus improvisierten und gestohlenen imperialen Waffen, ihre Gesichter und Körper von den charakteristischen, fortgeschrittenen Zeichen der Verehrung des Verrotteten Gottes gezeichnet — Haut, die sich in ledrige, pockennarbige Muster verwandelt hatte, Augen, die von einem trüben, gelblichen Schleier überzogen waren, der dennoch keine offensichtliche Beeinträchtigung ihrer Sehkraft mit sich zu bringen schien.
„Eindringlinge!“, schrie einer von ihnen, seine Stimme von einer gutturalen Verzerrung geprägt, die kaum noch menschlich klang, und in der folgenden Sekunde erfüllte das ohrenbetäubende Donnern von Bolterfeuer den engen Tunnel, während die Feuerhüter an der Spitze der Formation reagierten, mit einer Geschwindigkeit und Präzision, die selbst Aldous, der Zeuge unzähliger Gewalttaten während seiner Jahre in der Gemeinschaft geworden war, den Atem stocken ließ.
Die massereichen Boltergeschosse zerfetzten die vorderen Kultisten fast augenblicklich, ihre Körper explodierend in einer grotesken Kombination aus normalem Fleisch und der zähen, teerartigen Substanz, die die fortgeschrittenen Anhänger des Gärtners in ihren Adern trugen, während der Tunnel selbst unter dem Echo der Detonationen zu vibrieren schien. Ein Kultist, der die ersten Salven überlebt hatte, sein halber Körper bereits von Bolterfeuer zerfleischt, stürzte sich dennoch weiter vorwärts, mit der wahnhaften, schmerzunempfindlichen Entschlossenheit, die Aldous nur zu gut aus seinen eigenen Jahren innerhalb der Gemeinschaft kannte — ein Zeichen der fortgeschrittenen Segnungen, die den Körper gegen normale Grenzen von Schmerz und Verletzung abstumpften, während sie gleichzeitig jede Spur der ursprünglichen Menschlichkeit auslöschten.
Dessin beendete diese letzte Bedrohung mit einem einzigen, präzisen Schwerthieb, der Klinge seines Kettenschwerts durch den Widerstand von Fleisch und Knochen fahrend mit einem kreischenden Geräusch, das Aldous noch lange in den Ohren nachhallen würde.
„Sauber“, rief Bre'kar, seine Stimme wieder ruhig, methodisch, als hätte der vorangegangene Austausch kaum mehr als eine Routineübung dargestellt. „Weiter vorwärts. Rethmar, wo als Nächstes?“
Aldous, der sich gegen die kalte Wand des Tunnels gelehnt hatte, seine eigenen Hände zitternd von der schieren Wucht dessen, was er soeben miterlebt hatte, brauchte einen Moment, um seine Stimme wiederzufinden. „Rechts“, sagte er schließlich. „Der Tunnel führt zu den Lagerkammern, wo — wo sie die Gefangenen halten, wenn sie welche für kommende Rituale vorbereiten.“
Sie fanden die Gefangenen zwanzig Minuten später, in einer Kammer, deren Anblick selbst Aldous, der geglaubt hatte, gegen den Horror der Gemeinschaft abgestumpft zu sein, mit erneuter Übelkeit erfüllte — ein Dutzend Menschen, Männer, Frauen, und, mit einem Schmerz, der Aldous fast zu Boden zwang, zwei Kinder, gefesselt an rostige Metallstrukturen, ihre Körper bereits von den frühen Anzeichen der rituellen Vorbereitung gezeichnet, kleine, präzise Schnitte und Symbole, die in ihre Haut geritzt worden waren, in Erwartung eines Rituals, das, wie Aldous mit Grauen erkannte, nur wenige Tage entfernt gewesen sein musste.
„Bei Vulkans Zorn“, murmelte einer der PDF-Soldaten, seine Stimme kaum mehr als ein entsetztes Flüstern.
„Befreit sie“, befahl Bre'kar, und während zwei der PDF-Soldaten sich der Aufgabe widmeten, die Fesseln der Gefangenen zu lösen, mit einer Sanftheit, die im Kontrast zur brutalen Effizienz des vorangegangenen Kampfes stand, wandte sich der Hauptmann an Aldous, seine Stimme jetzt von einer neuen, härteren Dringlichkeit geprägt. „Wie viele weitere solcher Kammern gibt es?“
„Ich weiß es nicht mehr genau“, gestand Aldous. „Die Struktur der Mühle wurde in den letzten Jahren erweitert, nach meiner Flucht. Aber die Hauptkammer — die, in der das eigentliche Ritual stattfindet — liegt tiefer, näher zum Kern der ursprünglichen Mühlenfundamente. Dort werden wir Calder finden, wenn er überhaupt hier ist.“
„Er ist hier“, sagte eine der befreiten Gefangenen, eine Frau mittleren Alters, deren Stimme trotz der offensichtlichen Erschöpfung eine erstaunliche Klarheit bewahrte. „Sie haben in den letzten Tagen von einem bevorstehenden ‚großen Erwachen' gesprochen. Er überwacht die Vorbereitungen persönlich.“
Ein großes Erwachen. Die Worte trafen Aldous mit einer Kälte, die tiefer ging als jede physische Bedrohung, die sie bisher überwunden hatten — er kannte diese Terminologie, aus seinen eigenen Jahren innerhalb der Gemeinschaft, und wusste, dass sie sich normalerweise auf ein Ritual bezog, das weit über die individuellen, wenn auch monströsen Zeremonien hinausging, die er selbst miterlebt hatte — ein Versuch, eine größere, mächtigere Manifestation der Gunst des Gärtners in die materielle Welt zu ziehen, ein Ritual, das, wenn es erfolgreich verlief, eine Bedrohung darstellen würde, die weit über die unmittelbare Gefahr hinausging, die die Gemeinschaft bisher repräsentiert hatte.
„Wir müssen es aufhalten, bevor es vollendet wird“, sagte Aldous, seine Stimme jetzt von einer Dringlichkeit getragen, die selbst Thrax, der die ganze Zeit über mit unverhohlener Wachsamkeit in der Nähe geblieben war, zu einem knappen Nicken veranlasste.
„Dann führe uns“, sagte Bre'kar. „Aber diesmal schneller. Wir haben möglicherweise weniger Zeit, als wir dachten.“
Sie bewegten sich tiefer in die Tunnel, vorbei an weiteren Kammern, deren Zweck Aldous mit wachsendem Grauen erkannte — Lagerräume für die Substanzen, die für die Rituale der Gemeinschaft benötigt wurden, kleine, provisorische Schreine, an denen einzelne Anhänger ihre persönliche Hingabe an den Gärtner praktizierten, und, in einer Kammer, die Aldous besonders in Erinnerung geblieben war, die Überreste dessen, was einst eine Bibliothek der lokalen Gemeinde gewesen war, jetzt umfunktioniert in ein Archiv ketzerischer Texte, deren bloßer Anblick selbst erfahrene Soldaten mit einem unwillkürlichen Schaudern erfüllte.
Der Widerstand, den sie auf ihrem Weg begegneten, verstärkte sich zunehmend, je näher sie dem Zentrum der Mühle kamen — kleine Gruppen von Kultisten, die sich mit der verzweifelten, schmerzunempfindlichen Wildheit warf, die charakteristisch für die fortgeschrittenen Segnungen des Gärtners war, jede Konfrontation eine brutale, kurze Explosion von Gewalt, die die Feuerhüter mit der methodischen Effizienz erfahrener Krieger bewältigten, während die PDF-Soldaten die Flanken sicherten und gelegentliche Verwundete versorgten.
Aldous selbst tötete in jenen Minuten zum ersten Mal seit seiner Flucht wieder einen Menschen — einen Kultisten, der sich, während die Aufmerksamkeit der Feuerhüter einem anderen Angreifer galt, aus einer Seitennische auf ihn stürzte, ein rostiges Messer erhoben. Er hatte instinktiv reagiert, das kurze Kampfmesser nutzend, das man ihm, entgegen Thrax' offensichtlichem Widerstand, schließlich doch anvertraut hatte, und spürte, wie die Klinge in weiches, widerstehendes Fleisch eindrang, mit einer Präzision, die er sich selbst nicht zugetraut hätte.
Der Kultist, der zu Boden sank, sein Gesicht im Sterben von einer letzten, verzweifelten Erkenntnis gezeichnet, war jung gewesen, kaum älter als zwanzig Jahre, und Aldous erkannte, mit einer neuen Welle der Übelkeit, dass es sich um jemanden handeln musste, der der Gemeinschaft erst nach seiner eigenen Flucht beigetreten war — ein weiteres Leben, das er nicht hatte retten können, ganz gleich, wie sehr er sich jetzt bemühte, den Schaden zu begrenzen, den er einst mitverursacht hatte.
„Es tut mir leid“, flüsterte er, kaum hörbar, während er sich von der Leiche abwandte, Worte, die für niemanden bestimmt waren außer für sich selbst und für ein Universum, das, wie er inzwischen mit bitterer Gewissheit wusste, solchen Entschuldigungen keine besondere Bedeutung beimaß.
„Bewegung“, sagte Bre'kar scharf, und der Trupp setzte seinen Vormarsch fort, tiefer in die Dunkelheit unter Aschfeld, dem Ort entgegen, an dem Aldous zum letzten Mal in seinem Leben Calder gegenüberstehen würde.
Die äußeren Wachen der Gemeinschaft, so hatte Aldous vorausgesagt, patrouillierten in einem Muster, das er selbst über Jahre hinweg mitgestaltet hatte, ein System, das eher darauf ausgelegt war, gelegentliche neugierige Reisende oder verirrte Tiere abzuschrecken, als eine koordinierte militärische Bedrohung zu erkennen — die Gemeinschaft hatte sich, in ihrer über Jahre gewachsenen Arroganz, nie ernsthaft vorgestellt, dass das Imperium tatsächlich die Ressourcen aufbringen würde, um einen derart entlegenen Winkel von Sordenval mit der geballten Kraft von Adeptus Astartes zu konfrontieren.
Diese Arroganz erwies sich als ihr erster, entscheidender Fehler.
Die ersten beiden Wachposten, positioniert an einem improvisierten Beobachtungsstand am Rand des alten Kornfeldes, das die Mühle umgab, starben, bevor sie überhaupt realisierten, dass ein Angriff im Gange war — Dessin und ein weiterer Feuerhüter, dessen Name Aldous noch nicht kannte, bewegten sich mit einer Lautlosigkeit, die für Männer in schwerer Kraftrüstung geradezu unmöglich schien, und die Klingen ihrer Kampfmesser fanden ihre Ziele mit einer chirurgischen Präzision, die eher an eine Hinrichtung als an einen Kampf erinnerte.
Aldous, der sich in der Mitte der vorrückenden Formation hielt, flankiert von zwei PDF-Soldaten, deren Aufgabe es offensichtlich war, ihn ebenso sehr zu bewachen wie zu beschützen, führte sie durch einen Pfad, den er aus seinen Jahren als Mitglied der Gemeinschaft noch mit schmerzhafter Klarheit kannte — vorbei an den verfallenen Überresten dessen, was einst die äußeren Gebäude Aschfelds gewesen waren, jetzt überwuchert von der charakteristischen, pulsierenden Fäulnis, die sich wie ein lebendiges Netzwerk über die Ruinen gelegt hatte.
„Hier“, flüsterte er, als sie sich einer unscheinbaren, halb eingestürzten Scheune näherten, die, wie nur wenige innerhalb der Gemeinschaft wussten, den verborgenen Zugang zu den unterirdischen Kammern unter der eigentlichen Mühle verbarg. „Der Haupteingang wird stärker bewacht sein. Dieser Weg führt direkt in die äußeren Lagerräume.“
Bre'kar nickte knapp, und der Trupp bewegte sich weiter, jetzt mit der beschleunigten, aber immer noch kontrollierten Präzision einer Einheit, die genau wusste, dass die Zeit gegen sie arbeitete, sobald das erste Anzeichen des Angriffs von der Gemeinschaft bemerkt würde.
Es dauerte länger, als Aldous gehofft hatte.
Sie waren kaum zwanzig Meter in den unterirdischen Tunneln vorgedrungen, die die verschiedenen Kammern der Mühle miteinander verbanden, als eine Gruppe von sechs Kultisten ihnen entgegenkam, bewaffnet mit einer Mischung aus improvisierten und gestohlenen imperialen Waffen, ihre Gesichter und Körper von den charakteristischen, fortgeschrittenen Zeichen der Verehrung des Verrotteten Gottes gezeichnet — Haut, die sich in ledrige, pockennarbige Muster verwandelt hatte, Augen, die von einem trüben, gelblichen Schleier überzogen waren, der dennoch keine offensichtliche Beeinträchtigung ihrer Sehkraft mit sich zu bringen schien.
„Eindringlinge!“, schrie einer von ihnen, seine Stimme von einer gutturalen Verzerrung geprägt, die kaum noch menschlich klang, und in der folgenden Sekunde erfüllte das ohrenbetäubende Donnern von Bolterfeuer den engen Tunnel, während die Feuerhüter an der Spitze der Formation reagierten, mit einer Geschwindigkeit und Präzision, die selbst Aldous, der Zeuge unzähliger Gewalttaten während seiner Jahre in der Gemeinschaft geworden war, den Atem stocken ließ.
Die massereichen Boltergeschosse zerfetzten die vorderen Kultisten fast augenblicklich, ihre Körper explodierend in einer grotesken Kombination aus normalem Fleisch und der zähen, teerartigen Substanz, die die fortgeschrittenen Anhänger des Gärtners in ihren Adern trugen, während der Tunnel selbst unter dem Echo der Detonationen zu vibrieren schien. Ein Kultist, der die ersten Salven überlebt hatte, sein halber Körper bereits von Bolterfeuer zerfleischt, stürzte sich dennoch weiter vorwärts, mit der wahnhaften, schmerzunempfindlichen Entschlossenheit, die Aldous nur zu gut aus seinen eigenen Jahren innerhalb der Gemeinschaft kannte — ein Zeichen der fortgeschrittenen Segnungen, die den Körper gegen normale Grenzen von Schmerz und Verletzung abstumpften, während sie gleichzeitig jede Spur der ursprünglichen Menschlichkeit auslöschten.
Dessin beendete diese letzte Bedrohung mit einem einzigen, präzisen Schwerthieb, der Klinge seines Kettenschwerts durch den Widerstand von Fleisch und Knochen fahrend mit einem kreischenden Geräusch, das Aldous noch lange in den Ohren nachhallen würde.
„Sauber“, rief Bre'kar, seine Stimme wieder ruhig, methodisch, als hätte der vorangegangene Austausch kaum mehr als eine Routineübung dargestellt. „Weiter vorwärts. Rethmar, wo als Nächstes?“
Aldous, der sich gegen die kalte Wand des Tunnels gelehnt hatte, seine eigenen Hände zitternd von der schieren Wucht dessen, was er soeben miterlebt hatte, brauchte einen Moment, um seine Stimme wiederzufinden. „Rechts“, sagte er schließlich. „Der Tunnel führt zu den Lagerkammern, wo — wo sie die Gefangenen halten, wenn sie welche für kommende Rituale vorbereiten.“
Sie fanden die Gefangenen zwanzig Minuten später, in einer Kammer, deren Anblick selbst Aldous, der geglaubt hatte, gegen den Horror der Gemeinschaft abgestumpft zu sein, mit erneuter Übelkeit erfüllte — ein Dutzend Menschen, Männer, Frauen, und, mit einem Schmerz, der Aldous fast zu Boden zwang, zwei Kinder, gefesselt an rostige Metallstrukturen, ihre Körper bereits von den frühen Anzeichen der rituellen Vorbereitung gezeichnet, kleine, präzise Schnitte und Symbole, die in ihre Haut geritzt worden waren, in Erwartung eines Rituals, das, wie Aldous mit Grauen erkannte, nur wenige Tage entfernt gewesen sein musste.
„Bei Vulkans Zorn“, murmelte einer der PDF-Soldaten, seine Stimme kaum mehr als ein entsetztes Flüstern.
„Befreit sie“, befahl Bre'kar, und während zwei der PDF-Soldaten sich der Aufgabe widmeten, die Fesseln der Gefangenen zu lösen, mit einer Sanftheit, die im Kontrast zur brutalen Effizienz des vorangegangenen Kampfes stand, wandte sich der Hauptmann an Aldous, seine Stimme jetzt von einer neuen, härteren Dringlichkeit geprägt. „Wie viele weitere solcher Kammern gibt es?“
„Ich weiß es nicht mehr genau“, gestand Aldous. „Die Struktur der Mühle wurde in den letzten Jahren erweitert, nach meiner Flucht. Aber die Hauptkammer — die, in der das eigentliche Ritual stattfindet — liegt tiefer, näher zum Kern der ursprünglichen Mühlenfundamente. Dort werden wir Calder finden, wenn er überhaupt hier ist.“
„Er ist hier“, sagte eine der befreiten Gefangenen, eine Frau mittleren Alters, deren Stimme trotz der offensichtlichen Erschöpfung eine erstaunliche Klarheit bewahrte. „Sie haben in den letzten Tagen von einem bevorstehenden ‚großen Erwachen' gesprochen. Er überwacht die Vorbereitungen persönlich.“
Ein großes Erwachen. Die Worte trafen Aldous mit einer Kälte, die tiefer ging als jede physische Bedrohung, die sie bisher überwunden hatten — er kannte diese Terminologie, aus seinen eigenen Jahren innerhalb der Gemeinschaft, und wusste, dass sie sich normalerweise auf ein Ritual bezog, das weit über die individuellen, wenn auch monströsen Zeremonien hinausging, die er selbst miterlebt hatte — ein Versuch, eine größere, mächtigere Manifestation der Gunst des Gärtners in die materielle Welt zu ziehen, ein Ritual, das, wenn es erfolgreich verlief, eine Bedrohung darstellen würde, die weit über die unmittelbare Gefahr hinausging, die die Gemeinschaft bisher repräsentiert hatte.
„Wir müssen es aufhalten, bevor es vollendet wird“, sagte Aldous, seine Stimme jetzt von einer Dringlichkeit getragen, die selbst Thrax, der die ganze Zeit über mit unverhohlener Wachsamkeit in der Nähe geblieben war, zu einem knappen Nicken veranlasste.
„Dann führe uns“, sagte Bre'kar. „Aber diesmal schneller. Wir haben möglicherweise weniger Zeit, als wir dachten.“
Sie bewegten sich tiefer in die Tunnel, vorbei an weiteren Kammern, deren Zweck Aldous mit wachsendem Grauen erkannte — Lagerräume für die Substanzen, die für die Rituale der Gemeinschaft benötigt wurden, kleine, provisorische Schreine, an denen einzelne Anhänger ihre persönliche Hingabe an den Gärtner praktizierten, und, in einer Kammer, die Aldous besonders in Erinnerung geblieben war, die Überreste dessen, was einst eine Bibliothek der lokalen Gemeinde gewesen war, jetzt umfunktioniert in ein Archiv ketzerischer Texte, deren bloßer Anblick selbst erfahrene Soldaten mit einem unwillkürlichen Schaudern erfüllte.
Der Widerstand, den sie auf ihrem Weg begegneten, verstärkte sich zunehmend, je näher sie dem Zentrum der Mühle kamen — kleine Gruppen von Kultisten, die sich mit der verzweifelten, schmerzunempfindlichen Wildheit warf, die charakteristisch für die fortgeschrittenen Segnungen des Gärtners war, jede Konfrontation eine brutale, kurze Explosion von Gewalt, die die Feuerhüter mit der methodischen Effizienz erfahrener Krieger bewältigten, während die PDF-Soldaten die Flanken sicherten und gelegentliche Verwundete versorgten.
Aldous selbst tötete in jenen Minuten zum ersten Mal seit seiner Flucht wieder einen Menschen — einen Kultisten, der sich, während die Aufmerksamkeit der Feuerhüter einem anderen Angreifer galt, aus einer Seitennische auf ihn stürzte, ein rostiges Messer erhoben. Er hatte instinktiv reagiert, das kurze Kampfmesser nutzend, das man ihm, entgegen Thrax' offensichtlichem Widerstand, schließlich doch anvertraut hatte, und spürte, wie die Klinge in weiches, widerstehendes Fleisch eindrang, mit einer Präzision, die er sich selbst nicht zugetraut hätte.
Der Kultist, der zu Boden sank, sein Gesicht im Sterben von einer letzten, verzweifelten Erkenntnis gezeichnet, war jung gewesen, kaum älter als zwanzig Jahre, und Aldous erkannte, mit einer neuen Welle der Übelkeit, dass es sich um jemanden handeln musste, der der Gemeinschaft erst nach seiner eigenen Flucht beigetreten war — ein weiteres Leben, das er nicht hatte retten können, ganz gleich, wie sehr er sich jetzt bemühte, den Schaden zu begrenzen, den er einst mitverursacht hatte.
„Es tut mir leid“, flüsterte er, kaum hörbar, während er sich von der Leiche abwandte, Worte, die für niemanden bestimmt waren außer für sich selbst und für ein Universum, das, wie er inzwischen mit bitterer Gewissheit wusste, solchen Entschuldigungen keine besondere Bedeutung beimaß.
„Bewegung“, sagte Bre'kar scharf, und der Trupp setzte seinen Vormarsch fort, tiefer in die Dunkelheit unter Aschfeld, dem Ort entgegen, an dem Aldous zum letzten Mal in seinem Leben Calder gegenüberstehen würde.
VII. DER GÄRTNERVII. DER GÄRTNER
Die Hauptkammer, als sie sie schließlich erreichten, war größer, als Aldous sie in Erinnerung hatte — die Gemeinschaft hatte offensichtlich in den drei Jahren seiner Abwesenheit erhebliche Arbeit investiert, um den ursprünglichen Raum unter der Mühle zu jener Kathedrale des Verfalls auszubauen, die sich nun vor ihnen erstreckte, ihre Wände bedeckt von einem lebendigen Netzwerk pulsierender, fungusartiger Wucherungen, die im schwachen, grünlichen Licht unzähliger Räucherbecken einen fast hypnotischen Rhythmus zu folgen schienen, als würde die gesamte Kammer atmen.
In der Mitte dieses Raumes, umgeben von einem Dutzend seiner engsten Anhänger, deren Körper von den fortgeschrittensten Stadien der Verehrung des Gärtners gezeichnet waren, stand die Gestalt, die Aldous einst Calder genannt hatte.
Er war kaum noch als der Mann erkennbar, den Aldous vor Jahren zum ersten Mal an jenem Lagerfeuer getroffen hatte. Sein Körper hatte sich in den letzten drei Jahren in etwas verwandelt, das die Grenzen zwischen Mensch und der lebendigen Fäulnis, die er verehrte, kaum noch respektierte — seine Haut, dort, wo sie noch als Haut erkennbar war, hatte die Textur alten, feuchten Holzes angenommen, durchzogen von pulsierenden Adern, die eine dickflüssige, dunkle Substanz transportierten, während aus seinem Rücken und seinen Schultern knollige, fleischige Auswüchse hervorquollen, die selbst in der schwachen Beleuchtung der Kammer ein schwaches, sickriges Leuchten abgaben. Sein Gesicht, das einzige, was noch entfernt an den Mann erinnerte, den Aldous einst gekannt hatte, war von einem Lächeln durchzogen, das sich zu weit über seine Wangen erstreckte, als könnten seine Gesichtszüge die natürlichen Grenzen menschlicher Anatomie nicht länger respektieren.
„Bruder Aldous“, sagte Calder, seine Stimme jetzt von einem feuchten, gurgelnden Unterton geprägt, der dennoch die vertraute, geübte Freundlichkeit bewahrte, die Aldous einst dazu gebracht hatte, ihm zu vertrauen. „Du bist zurückgekehrt. Ich wusste, dass du es tun würdest, auch wenn ich nicht erwartet hatte, dass du dabei imperiale Hunde als deine neuen Herren mitbringen würdest.“
„Ich bin nicht zurückgekehrt, um mich dir wieder anzuschließen“, sagte Aldous, seine Stimme fester, als er es sich selbst zugetraut hätte, angesichts der schieren, körperlichen Präsenz dessen, was einst sein Mentor gewesen war. „Ich bin zurückgekehrt, um zu beenden, was hier geschieht. Das große Erwachen — was auch immer du planst, es endet heute.“
Calder lachte, ein Geräusch, das durch die Kammer hallte wie das Reißen nasser, verfaulter Stoffbahnen. „Das große Erwachen ist bereits im Gange, Bruder Aldous. Du kommst zu spät, wie du es immer getan hast — zu spät, um deine Familie zu retten, zu spät, um deine Tochter in ihrer ursprünglichen Form zu bewahren, und jetzt zu spät, um zu verhindern, was der Garten heute in diese Welt bringen wird.“
Bre'kar, der während dieses Austauschs die Positionierung seines Trupps mit stiller, methodischer Präzision arrangiert hatte, hob seinen Bolter. „Genug Worte“, sagte er. „Im Namen des Imperators und der Feuerhüter von Nocturne verurteile ich dich und deine gesamte Gemeinschaft als Verräter am Wahren Glauben.“
Was folgte, war keine geordnete Schlacht, sondern ein chaotischer, brutaler Ausbruch von Gewalt, der die Kammer binnen Sekunden in ein Inferno aus Bolterfeuer, Schreien und der widerlichen, feuchten Geräuschkulisse verwandelte, die Calders mutierte Anhänger von sich gaben, während sie sich mit der wahnhaften, schmerzunempfindlichen Wildheit auf die Eindringlinge stürzten, die charakteristisch für die am weitesten fortgeschrittenen Segnungen ihres Gottes war.
Die Feuerhüter reagierten mit der disziplinierten Effizienz, für die ihr Orden bekannt war, ihre Bolter Salven abfeuernd, die selbst die widerstandsfähigsten der mutierten Kultisten in blutige, teerdurchtränkte Fragmente zerlegten, während Vel'Schwur, dessen Crozius Arcanum jetzt in seiner Hand leuchtete, sich mit einer Wucht in die dichteste Ansammlung der Feinde stürzte, die selbst inmitten des Chaos beeindruckend wirkte — jeder Schlag seiner Waffe begleitet von einem Ausbruch geweihter Energie, der die korrupte Substanz seiner Gegner mit einer Gewalt auflöste, die weit über bloße physische Zerstörung hinauszugehen schien.
Aldous, der sich hinter der Deckung einer der Räucherbecken geworfen hatte, beobachtete, wie Thrax und Dessin sich Seite an Seite durch die Reihen der Kultisten kämpften, ihre Kettenschwerter kreischend durch Fleisch und modifizierten Knochen fahrend, während Dall und seine PDF-Soldaten das rückwärtige Flankieren sicherten, ihre Lasergewehre auf jene Kultisten gerichtet, die versuchten, sich um die Hauptkampflinie herum zu bewegen.
Doch inmitten dieses Chaos begann etwas Neues zu geschehen — die pulsierenden Wucherungen an den Wänden der Kammer, angeregt vielleicht durch die schiere Gewalt, die durch den Raum tobte, oder durch ein Ritual, das Calder bereits vor dem Beginn des Kampfes in Gang gesetzt hatte, begannen sich zu bewegen, sich zu einer einzigen, monströsen Form zusammenzuziehen, die aus der Decke der Kammer hervortrat wie eine Geburt, die zu grotesk war, um von einem normalen Verstand vollständig erfasst zu werden.
„Bei Vulkans Zorn“, rief einer der PDF-Soldaten, seine Stimme von Entsetzen durchzogen, während die Kreatur sich vollständig manifestierte — ein Wesen, das kaum noch Ähnlichkeit mit irgendetwas Lebendem trug, das Aldous jemals gesehen hatte, eine Masse aus pulsierender, fauliger Substanz, durchzogen von unzähligen kleinen, weinenden Gesichtern, die sich über seine Oberfläche verteilten, jedes einzelne von ihnen ein stummer Zeuge des Leidens, das in die Erschaffung dieser Kreatur eingeflossen war.
„Das ist unmöglich“, flüsterte Aldous, während die Kreatur sich mit einer Geschwindigkeit vorwärtsbewegte, die ihre schiere Masse eigentlich hätte verbieten sollen, ihre Gliedmaßen — wenn man sie so nennen konnte — nach dem nächststehenden Feuerhüter greifend, der sich nur mit knapper Not durch eine schnelle, ausweichende Bewegung dem tödlichen Griff entzog.
„Es ist der Preis des großen Erwachens“, rief Calder, seine Stimme jetzt von einem triumphierenden Unterton geprägt, während er sich zurückzog, hinter die aufsteigende Kreatur, mit der offensichtlichen Absicht, die Verwirrung zu nutzen, um selbst zu entkommen. „Alles, was wir gesammelt haben — jedes Leiden, jeder Tod, jede Seele, die dem Garten übergeben wurde — findet nun seinen Zweck!“
Bre'kar reagierte mit einer Geschwindigkeit, die selbst inmitten des Chaos beeindruckend wirkte, seinen Bolter auf die aufsteigende Kreatur richtend, während er gleichzeitig Befehle über den Vox an seinen Trupp erteilte. „Konzentriertes Feuer auf die zentrale Masse! Dessin, Thrax, verhindert, dass diese Sache sich weiter ausbreitet, bevor sie vollständig manifestiert ist!“
Die folgenden Minuten verschmolzen für Aldous zu einem einzigen, zusammenhängenden Wahnsinn aus Bolterdetonationen, kreischenden Kettenschwertern und dem widerlichen, feuchten Geräusch, das die Kreatur von sich gab, während sie unter dem konzentrierten Feuer der Feuerhüter zurückwich, ohne jedoch die entscheidende Verwundung zu erleiden, die notwendig gewesen wäre, um sie tatsächlich zu zerstören.
Es war Vel'Schwur, der schließlich den entscheidenden Schlag ausführte, sich mit einer Entschlossenheit, die selbst angesichts der schieren, grotesken Masse der Kreatur nicht zu wanken schien, direkt in ihre Mitte stürzend, sein Crozius Arcanum mit geweihter Energie aufleuchtend, während er einen Schlag ausführte, der tief in die pulsierende Substanz der Kreatur eindrang, an einer Stelle, die, wie sich zeigen sollte, so etwas wie ein Herz oder einen zentralen Kern darstellte.
Die Kreatur schrie — ein Geräusch, das aus Hunderten überlagerten menschlichen Stimmen zu bestehen schien, jede von ihnen ein Fragment des Leidens, das in ihre Erschaffung eingeflossen war —, bevor sie in sich zusammenfiel, ihre Masse zerfallend in eine formlose, dampfende Substanz, die den Boden der Kammer mit einem letzten, schaurigen Geräusch bedeckte.
Aber Calder war während dieses Kampfes verschwunden.
„Er flieht!“, rief Aldous, seine Stimme kaum hörbar über den Nachhall des vorangegangenen Kampfes, während er eine Bewegung am hinteren Rand der Kammer bemerkte, wo ein verborgener Durchgang, den er selbst einst mitgestaltet hatte, sich in der Dunkelheit abzeichnete.
„Rethmar, mit mir“, befahl Bre'kar, und Aldous, ohne nachzudenken, folgte dem Hauptmann durch den Durchgang, tiefer in die Dunkelheit, während hinter ihnen Vel'Schwur und die anderen begannen, die überlebenden Gefangenen zu sichern und die letzten Widerstandsnester der Gemeinschaft zu neutralisieren.
Sie fanden Calder in einer kleinen, kargen Kammer am Ende des Durchgangs, die, wie Aldous mit einem Schauder erkannte, dieselbe Kammer war, in der er einst das Ritual durchgeführt hatte, das seine Tochter zurückbringen sollte — jetzt leer bis auf ein paar verstreute rituelle Gegenstände und die Gestalt des Gärtners selbst, der sich, in einer letzten, verzweifelten Geste, gegen die Wand der Kammer gepresst hatte, seine mutierte Form von der Anstrengung der Flucht sichtlich geschwächt.
„Es endet hier, Calder“, sagte Aldous, seine Stimme ruhiger, als er erwartet hatte, während Bre'kar seinen Bolter auf die zusammengekauerte Gestalt richtete.
„Du hast nichts gewonnen, Aldous“, keuchte Calder, seine Stimme jetzt schwächer, aber noch immer von jenem hinterhältigen, geübten Unterton geprägt. „Deine imperialen Freunde werden dich benutzen, und wenn du deinen Zweck erfüllt hast, werden sie dich wegwerfen wie ein stumpfes Werkzeug. Du wirst niemals die Vergebung finden, nach der du suchst. Der Garten hätte dir zumindest — zumindest die Illusion davon geboten.“
„Ich suche keine Vergebung mehr“, sagte Aldous, und in diesem Moment erkannte er, mit einer Klarheit, die sich anfühlte wie das erste tiefe Atmen nach Jahren des Erstickens, dass dies tatsächlich wahr war. „Ich suche nur noch, das zu tun, was richtig ist, ganz gleich, was danach mit mir geschieht.“
Bre'kar feuerte, und Calders Körper, bereits geschwächt von den vorangegangenen Ereignissen, zerfiel unter dem Einschlag der Boltergeschosse in eine formlose, faulige Masse, die letztlich nicht mehr Substanz besaß als die Kreatur, die er heraufbeschworen hatte.
Es war vorbei — oder zumindest der Teil, den Aldous sich vorgestellt hatte, als er beschlossen hatte, zurückzukehren. Aber während er in der Stille stand, die dem Tod des Mannes folgte, der sein gesamtes Leben in den letzten Jahren zerstört hatte, spürte er keine Erleichterung, keinen Triumph, nur eine tiefe, erschöpfte Leere, die ihm sagte, dass die eigentliche Rechnung, die er zu begleichen hatte, noch nicht abgeschlossen war.
Die Hauptkammer, als sie sie schließlich erreichten, war größer, als Aldous sie in Erinnerung hatte — die Gemeinschaft hatte offensichtlich in den drei Jahren seiner Abwesenheit erhebliche Arbeit investiert, um den ursprünglichen Raum unter der Mühle zu jener Kathedrale des Verfalls auszubauen, die sich nun vor ihnen erstreckte, ihre Wände bedeckt von einem lebendigen Netzwerk pulsierender, fungusartiger Wucherungen, die im schwachen, grünlichen Licht unzähliger Räucherbecken einen fast hypnotischen Rhythmus zu folgen schienen, als würde die gesamte Kammer atmen.
In der Mitte dieses Raumes, umgeben von einem Dutzend seiner engsten Anhänger, deren Körper von den fortgeschrittensten Stadien der Verehrung des Gärtners gezeichnet waren, stand die Gestalt, die Aldous einst Calder genannt hatte.
Er war kaum noch als der Mann erkennbar, den Aldous vor Jahren zum ersten Mal an jenem Lagerfeuer getroffen hatte. Sein Körper hatte sich in den letzten drei Jahren in etwas verwandelt, das die Grenzen zwischen Mensch und der lebendigen Fäulnis, die er verehrte, kaum noch respektierte — seine Haut, dort, wo sie noch als Haut erkennbar war, hatte die Textur alten, feuchten Holzes angenommen, durchzogen von pulsierenden Adern, die eine dickflüssige, dunkle Substanz transportierten, während aus seinem Rücken und seinen Schultern knollige, fleischige Auswüchse hervorquollen, die selbst in der schwachen Beleuchtung der Kammer ein schwaches, sickriges Leuchten abgaben. Sein Gesicht, das einzige, was noch entfernt an den Mann erinnerte, den Aldous einst gekannt hatte, war von einem Lächeln durchzogen, das sich zu weit über seine Wangen erstreckte, als könnten seine Gesichtszüge die natürlichen Grenzen menschlicher Anatomie nicht länger respektieren.
„Bruder Aldous“, sagte Calder, seine Stimme jetzt von einem feuchten, gurgelnden Unterton geprägt, der dennoch die vertraute, geübte Freundlichkeit bewahrte, die Aldous einst dazu gebracht hatte, ihm zu vertrauen. „Du bist zurückgekehrt. Ich wusste, dass du es tun würdest, auch wenn ich nicht erwartet hatte, dass du dabei imperiale Hunde als deine neuen Herren mitbringen würdest.“
„Ich bin nicht zurückgekehrt, um mich dir wieder anzuschließen“, sagte Aldous, seine Stimme fester, als er es sich selbst zugetraut hätte, angesichts der schieren, körperlichen Präsenz dessen, was einst sein Mentor gewesen war. „Ich bin zurückgekehrt, um zu beenden, was hier geschieht. Das große Erwachen — was auch immer du planst, es endet heute.“
Calder lachte, ein Geräusch, das durch die Kammer hallte wie das Reißen nasser, verfaulter Stoffbahnen. „Das große Erwachen ist bereits im Gange, Bruder Aldous. Du kommst zu spät, wie du es immer getan hast — zu spät, um deine Familie zu retten, zu spät, um deine Tochter in ihrer ursprünglichen Form zu bewahren, und jetzt zu spät, um zu verhindern, was der Garten heute in diese Welt bringen wird.“
Bre'kar, der während dieses Austauschs die Positionierung seines Trupps mit stiller, methodischer Präzision arrangiert hatte, hob seinen Bolter. „Genug Worte“, sagte er. „Im Namen des Imperators und der Feuerhüter von Nocturne verurteile ich dich und deine gesamte Gemeinschaft als Verräter am Wahren Glauben.“
Was folgte, war keine geordnete Schlacht, sondern ein chaotischer, brutaler Ausbruch von Gewalt, der die Kammer binnen Sekunden in ein Inferno aus Bolterfeuer, Schreien und der widerlichen, feuchten Geräuschkulisse verwandelte, die Calders mutierte Anhänger von sich gaben, während sie sich mit der wahnhaften, schmerzunempfindlichen Wildheit auf die Eindringlinge stürzten, die charakteristisch für die am weitesten fortgeschrittenen Segnungen ihres Gottes war.
Die Feuerhüter reagierten mit der disziplinierten Effizienz, für die ihr Orden bekannt war, ihre Bolter Salven abfeuernd, die selbst die widerstandsfähigsten der mutierten Kultisten in blutige, teerdurchtränkte Fragmente zerlegten, während Vel'Schwur, dessen Crozius Arcanum jetzt in seiner Hand leuchtete, sich mit einer Wucht in die dichteste Ansammlung der Feinde stürzte, die selbst inmitten des Chaos beeindruckend wirkte — jeder Schlag seiner Waffe begleitet von einem Ausbruch geweihter Energie, der die korrupte Substanz seiner Gegner mit einer Gewalt auflöste, die weit über bloße physische Zerstörung hinauszugehen schien.
Aldous, der sich hinter der Deckung einer der Räucherbecken geworfen hatte, beobachtete, wie Thrax und Dessin sich Seite an Seite durch die Reihen der Kultisten kämpften, ihre Kettenschwerter kreischend durch Fleisch und modifizierten Knochen fahrend, während Dall und seine PDF-Soldaten das rückwärtige Flankieren sicherten, ihre Lasergewehre auf jene Kultisten gerichtet, die versuchten, sich um die Hauptkampflinie herum zu bewegen.
Doch inmitten dieses Chaos begann etwas Neues zu geschehen — die pulsierenden Wucherungen an den Wänden der Kammer, angeregt vielleicht durch die schiere Gewalt, die durch den Raum tobte, oder durch ein Ritual, das Calder bereits vor dem Beginn des Kampfes in Gang gesetzt hatte, begannen sich zu bewegen, sich zu einer einzigen, monströsen Form zusammenzuziehen, die aus der Decke der Kammer hervortrat wie eine Geburt, die zu grotesk war, um von einem normalen Verstand vollständig erfasst zu werden.
„Bei Vulkans Zorn“, rief einer der PDF-Soldaten, seine Stimme von Entsetzen durchzogen, während die Kreatur sich vollständig manifestierte — ein Wesen, das kaum noch Ähnlichkeit mit irgendetwas Lebendem trug, das Aldous jemals gesehen hatte, eine Masse aus pulsierender, fauliger Substanz, durchzogen von unzähligen kleinen, weinenden Gesichtern, die sich über seine Oberfläche verteilten, jedes einzelne von ihnen ein stummer Zeuge des Leidens, das in die Erschaffung dieser Kreatur eingeflossen war.
„Das ist unmöglich“, flüsterte Aldous, während die Kreatur sich mit einer Geschwindigkeit vorwärtsbewegte, die ihre schiere Masse eigentlich hätte verbieten sollen, ihre Gliedmaßen — wenn man sie so nennen konnte — nach dem nächststehenden Feuerhüter greifend, der sich nur mit knapper Not durch eine schnelle, ausweichende Bewegung dem tödlichen Griff entzog.
„Es ist der Preis des großen Erwachens“, rief Calder, seine Stimme jetzt von einem triumphierenden Unterton geprägt, während er sich zurückzog, hinter die aufsteigende Kreatur, mit der offensichtlichen Absicht, die Verwirrung zu nutzen, um selbst zu entkommen. „Alles, was wir gesammelt haben — jedes Leiden, jeder Tod, jede Seele, die dem Garten übergeben wurde — findet nun seinen Zweck!“
Bre'kar reagierte mit einer Geschwindigkeit, die selbst inmitten des Chaos beeindruckend wirkte, seinen Bolter auf die aufsteigende Kreatur richtend, während er gleichzeitig Befehle über den Vox an seinen Trupp erteilte. „Konzentriertes Feuer auf die zentrale Masse! Dessin, Thrax, verhindert, dass diese Sache sich weiter ausbreitet, bevor sie vollständig manifestiert ist!“
Die folgenden Minuten verschmolzen für Aldous zu einem einzigen, zusammenhängenden Wahnsinn aus Bolterdetonationen, kreischenden Kettenschwertern und dem widerlichen, feuchten Geräusch, das die Kreatur von sich gab, während sie unter dem konzentrierten Feuer der Feuerhüter zurückwich, ohne jedoch die entscheidende Verwundung zu erleiden, die notwendig gewesen wäre, um sie tatsächlich zu zerstören.
Es war Vel'Schwur, der schließlich den entscheidenden Schlag ausführte, sich mit einer Entschlossenheit, die selbst angesichts der schieren, grotesken Masse der Kreatur nicht zu wanken schien, direkt in ihre Mitte stürzend, sein Crozius Arcanum mit geweihter Energie aufleuchtend, während er einen Schlag ausführte, der tief in die pulsierende Substanz der Kreatur eindrang, an einer Stelle, die, wie sich zeigen sollte, so etwas wie ein Herz oder einen zentralen Kern darstellte.
Die Kreatur schrie — ein Geräusch, das aus Hunderten überlagerten menschlichen Stimmen zu bestehen schien, jede von ihnen ein Fragment des Leidens, das in ihre Erschaffung eingeflossen war —, bevor sie in sich zusammenfiel, ihre Masse zerfallend in eine formlose, dampfende Substanz, die den Boden der Kammer mit einem letzten, schaurigen Geräusch bedeckte.
Aber Calder war während dieses Kampfes verschwunden.
„Er flieht!“, rief Aldous, seine Stimme kaum hörbar über den Nachhall des vorangegangenen Kampfes, während er eine Bewegung am hinteren Rand der Kammer bemerkte, wo ein verborgener Durchgang, den er selbst einst mitgestaltet hatte, sich in der Dunkelheit abzeichnete.
„Rethmar, mit mir“, befahl Bre'kar, und Aldous, ohne nachzudenken, folgte dem Hauptmann durch den Durchgang, tiefer in die Dunkelheit, während hinter ihnen Vel'Schwur und die anderen begannen, die überlebenden Gefangenen zu sichern und die letzten Widerstandsnester der Gemeinschaft zu neutralisieren.
Sie fanden Calder in einer kleinen, kargen Kammer am Ende des Durchgangs, die, wie Aldous mit einem Schauder erkannte, dieselbe Kammer war, in der er einst das Ritual durchgeführt hatte, das seine Tochter zurückbringen sollte — jetzt leer bis auf ein paar verstreute rituelle Gegenstände und die Gestalt des Gärtners selbst, der sich, in einer letzten, verzweifelten Geste, gegen die Wand der Kammer gepresst hatte, seine mutierte Form von der Anstrengung der Flucht sichtlich geschwächt.
„Es endet hier, Calder“, sagte Aldous, seine Stimme ruhiger, als er erwartet hatte, während Bre'kar seinen Bolter auf die zusammengekauerte Gestalt richtete.
„Du hast nichts gewonnen, Aldous“, keuchte Calder, seine Stimme jetzt schwächer, aber noch immer von jenem hinterhältigen, geübten Unterton geprägt. „Deine imperialen Freunde werden dich benutzen, und wenn du deinen Zweck erfüllt hast, werden sie dich wegwerfen wie ein stumpfes Werkzeug. Du wirst niemals die Vergebung finden, nach der du suchst. Der Garten hätte dir zumindest — zumindest die Illusion davon geboten.“
„Ich suche keine Vergebung mehr“, sagte Aldous, und in diesem Moment erkannte er, mit einer Klarheit, die sich anfühlte wie das erste tiefe Atmen nach Jahren des Erstickens, dass dies tatsächlich wahr war. „Ich suche nur noch, das zu tun, was richtig ist, ganz gleich, was danach mit mir geschieht.“
Bre'kar feuerte, und Calders Körper, bereits geschwächt von den vorangegangenen Ereignissen, zerfiel unter dem Einschlag der Boltergeschosse in eine formlose, faulige Masse, die letztlich nicht mehr Substanz besaß als die Kreatur, die er heraufbeschworen hatte.
Es war vorbei — oder zumindest der Teil, den Aldous sich vorgestellt hatte, als er beschlossen hatte, zurückzukehren. Aber während er in der Stille stand, die dem Tod des Mannes folgte, der sein gesamtes Leben in den letzten Jahren zerstört hatte, spürte er keine Erleichterung, keinen Triumph, nur eine tiefe, erschöpfte Leere, die ihm sagte, dass die eigentliche Rechnung, die er zu begleichen hatte, noch nicht abgeschlossen war.
VIII. DIE LETZTE GNADEVIII. DIE LETZTE GNADE
Sie kehrten in die Hauptkammer zurück, um festzustellen, dass Vel'Schwur und die anderen die letzten Widerstandsnester der Gemeinschaft bereits neutralisiert hatten, die überlebenden Gefangenen aus ihren Fesseln befreit und in einer notdürftig gesicherten Ecke der Kammer versammelt, während Dall und seine Soldaten die Ausgänge sicherten, für den Fall, dass weitere Kultisten aus den tieferen Tunneln der Mühle auftauchen sollten.
Es war in diesem Moment relativer Ruhe, während die letzten Boltersalven verklangen und die überlebenden Gefangenen mit einer Mischung aus Erleichterung und Trauma auf ihre Befreier starrten, dass die Kammer selbst zu reagieren begann, auf eine Weise, die niemand vorausgesehen hatte — die pulsierenden Wucherungen an den Wänden, beraubt der Führung, die Calder und die zerstörte Kreatur ihnen gegeben hatten, begannen sich in einer letzten, konvulsivischen Reaktion zusammenzuziehen, Teile der Deckenstruktur destabilisierend, die über Jahre hinweg von der fungusartigen Korruption durchsetzt worden war.
„Die Decke gibt nach!“, rief Thrax, während erste Trümmerstücke von oben herabzustürzen begannen, ein tiefes, grollendes Beben, das durch die gesamte unterirdische Struktur der Mühle zu laufen schien.
„Alle raus, sofort!“, befahl Bre'kar, während sein Trupp begann, die befreiten Gefangenen in Richtung des Haupttunnels zu eskortieren, mit der methodischen, aber jetzt beschleunigten Effizienz von Männern, die wussten, dass jede verlorene Sekunde den Unterschied zwischen Rettung und Verschüttung bedeuten konnte.
Aldous, der einen der jüngeren Gefangenen unterstützte, ein Mädchen von vielleicht zehn Jahren, deren Beine von den Wochen der Gefangenschaft zu geschwächt waren, um selbstständig zu laufen, bemerkte, mit dem geübten Blick eines Mannes, der die Struktur dieser Kammern einst mitgestaltet hatte, dass ein besonders massiver Abschnitt der Deckenstruktur direkt über der Stelle zusammenzubrechen drohte, an der Dessin, der die letzten der Gefangenen aus einer entfernteren Nische barg, sich noch immer aufhielt, seine Aufmerksamkeit vollständig auf die Aufgabe gerichtet, ohne die unmittelbare Gefahr über sich zu bemerken.
Es gab keine Zeit für eine bewusste Entscheidung, kein abwägendes Kalkül der Art, wie Aldous es sich in ruhigeren Momenten vielleicht gewünscht hätte — nur einen körperlichen, fast instinktiven Impuls, der ihn dazu brachte, das Mädchen, das er getragen hatte, in die Arme eines der PDF-Soldaten zu stoßen, der zufällig nahe genug war, um sie aufzufangen, während er selbst sich in die Richtung des einstürzenden Deckensegments warf, mit einem verzweifelten Schrei, der Dessins Namen zu formen versuchte.
Der jüngere Feuerhüter reagierte gerade rechtzeitig, um sich aus der unmittelbaren Bahn des größten Trümmerstücks zu werfen, aber Aldous, der sich selbst in Position gebracht hatte, um Dessin notfalls physisch aus dem Weg zu stoßen, hatte nicht genug Zeit, sich selbst vollständig in Sicherheit zu bringen — ein kleineres, aber immer noch massives Trümmerstück traf ihn mit voller Wucht an der Seite, zerschmetterte, wie er in einem fernen, distanzierten Teil seines Bewusstseins registrierte, mehrere seiner Rippen und drückte die Luft mit einer Gewalt aus seinen Lungen, die ihn augenblicklich zu Boden warf.
„Rethmar!“ Dessins Stimme, jetzt von echter Besorgnis durchdrungen, erreichte ihn wie durch Wasser gedämpft, während der jüngere Marine sich zu ihm kniete, seine Kraftrüstung im Kontrast zu Aldous' zerschmetterten, blutenden Körper geradezu grotesk unversehrt wirkend.
„Ich —“ Aldous versuchte zu sprechen, aber das, was aus seinem Mund kam, war mehr Blut als Worte, ein Zeichen, das selbst er, ohne medizinische Ausbildung, als das Todesurteil erkannte, das es war — innere Blutungen, wahrscheinlich eine durchbohrte Lunge, Verletzungen, die selbst die fortschrittlichste imperiale Medizin, wäre sie sofort verfügbar gewesen, kaum hätte heilen können, geschweige denn unter den gegenwärtigen, provisorischen Umständen einer einstürzenden unterirdischen Kammer.
„Wir müssen ihn hier rausbringen“, sagte Dessin, sich bereits daran machend, Aldous' zerschmetterten Körper anzuheben, mit einer Vorsicht, die im Kontrast zur schieren physischen Kraft stand, die diese Handlung erforderte.
„Es ist zu spät für das“, sagte Aldous, seine Stimme jetzt kaum mehr als ein Flüstern, während Blut über seine Lippen sickerte. „Bring die anderen raus. Lass mich — lass mich hier.“
„Nein“, sagte Dessin mit einer Entschlossenheit, die Aldous nicht erwartet hatte, während er ihn dennoch aus der einstürzenden Kammer trug, hinaus in den Haupttunnel, wo die letzten der Gefangenen und Soldaten sich bereits in Richtung des Ausgangs bewegten, während hinter ihnen der Klang des vollständigen Kollapses der Hauptkammer wie ein fernes, dumpfes Donnern nachhallte.
Sie erreichten die Oberfläche, gerade als die ersten Sterne über Sordenvals verfaultem Himmel erschienen, die kühle Nachtluft ein grausamer Kontrast zu der stickigen, fauligen Atmosphäre der unterirdischen Kammern, die sie hinter sich gelassen hatten. Dessin legte Aldous vorsichtig auf dem Boden ab, während Vel'Schwur, der die Rettungsaktion beaufsichtigt hatte, sich sofort näherte, sein geübter Blick die Schwere von Aldous' Verletzungen mit einer Präzision einschätzend, die keine falsche Hoffnung zuließ.
„Es gibt nichts, was wir tun können“, sagte Vel'Schwur leise, an Dessin gerichtet, aber laut genug, dass auch Aldous es hören konnte, in dem, was er bereits als seine letzten bewussten Momente erkannte. „Die inneren Verletzungen sind zu umfangreich. Selbst ein Apothecarius könnte ihn jetzt nicht mehr retten.“
Aldous, der auf dem kalten, feuchten Boden lag, seine Sicht bereits an den Rändern zu verschwimmen begann, spürte, wie sich eine seltsame, unerwartete Ruhe in ihm ausbreitete — nicht die Ruhe der Erlösung, die er sich vielleicht einst erhofft hatte, als er sich dem Grenzposten ergeben hatte, sondern etwas Einfacheres, Bescheideneres, eine Art Friede, der aus der bloßen Tatsache erwuchs, dass er, in seinen letzten Momenten, tatsächlich etwas Wahres getan hatte.
„Das Mädchen“, flüsterte er, seine Stimme kaum mehr hörbar. „Ist sie —“
„Sie lebt“, sagte Bre'kar, der sich ebenfalls genähert hatte, seine Stimme, entgegen der harten, pragmatischen Autorität, die er während der gesamten Operation an den Tag gelegt hatte, jetzt von einem unerwarteten, gedämpften Respekt geprägt. „Alle Gefangenen, die wir gefunden haben, werden überleben, dank deiner Führung und deiner — deiner letzten Handlung.“
Aldous nickte schwach, ein Lächeln, das mehr Grimasse als tatsächlicher Ausdruck der Freude war, über seine blutigen Lippen huschend. „Dann war es das wert“, sagte er. „Alles davon. Es war —“
Er hielt inne, während ein neuer Krampf durch seinen Körper fuhr, und Vel'Schwur, der sich neben ihn gekniet hatte, legte eine Hand auf seine Schulter, eine Geste, die überraschend sanft wirkte für einen Mann, dessen Kraftrüstung selbst im Ruhezustand eine bedrohliche Präsenz ausstrahlte.
„Du hast gefragt, ob deine Taten etwas bedeuten würden“, sagte Vel'Schwur, seine Stimme jetzt leiser, persönlicher, als Aldous es je von ihm gehört hatte. „Ich kann dir keine offizielle Absolution anbieten. Das habe ich dir bereits gesagt, und es bleibt wahr, ganz gleich, was heute geschehen ist. Aber ich kann dir sagen, was ich mit eigenen Augen gesehen habe — ich habe gesehen, wie du dein eigenes Leben für das eines Bruders und das Leben unschuldiger Gefangener hingegeben hast, ohne Zögern, ohne die Hoffnung auf eine Belohnung, die diese Handlung rechtfertigen würde. Das ist keine kleine Sache, Aldous Rethmar. Ganz gleich, was die Aufzeichnungen später über dich sagen werden.“
„Wird das genug sein?“, fragte Aldous, seine Stimme jetzt kaum mehr als ein Hauch, während sich die Dunkelheit an den Rändern seiner Sicht zunehmend ausbreitete.
Vel'Schwur zögerte, und in diesem Zögern lag mehr Ehrlichkeit, als eine schnelle, tröstende Antwort hätte bieten können. „Ich weiß es nicht“, sagte er schließlich. „Ich weiß nicht, was jenseits dieses Lebens auf eine Seele wie deine wartet, die von so viel Schuld gezeichnet ist wie von so viel späterer Reue. Das ist eine Frage, die selbst die weiseste Theologie unseres Imperiums nicht mit Gewissheit beantworten kann. Aber ich glaube — und dies ist mein persönlicher Glaube, nicht die offizielle Doktrin meines Ordens —, dass eine wahre Tat, vollbracht ohne Erwartung einer Belohnung, ihren eigenen Wert besitzt, unabhängig davon, was danach geschieht. Du hast heute eine solche Tat vollbracht. Das kann dir niemand nehmen, ganz gleich, was als Nächstes kommt.“
Aldous schloss die Augen, ein letztes, schwaches Lächeln auf seinen blutigen Lippen, während seine Gedanken, in den letzten Sekunden seines Bewusstseins, nicht zu Calder oder dem Garten zurückkehrten, nicht einmal zu der Angst vor dem, was ihn jenseits des Todes erwarten mochte, sondern zu einem einzigen, klaren Bild — Sennah und Talia, nicht wie sie in jener letzten, grauenhaften Nacht der falschen Auferstehung gewesen waren, sondern wie sie an jenem letzten wirklich guten Morgen gewesen waren, den er sich noch mit Klarheit vorstellen konnte, ihre Stimmen hoch und unbeschwert in der klaren, kalten Luft von Aschfeld, bevor die Fäulnis kam, bevor das Feuer kam, bevor er alles verlor, was ihm etwas bedeutet hatte.
Aldous Rethmar, einst Konfessor von Aschfeld, einst Bruder Aldous der Barmherzige innerhalb der Gemeinschaft des Gärtners, starb wenige Minuten später, unter dem fremden Himmel eines Planeten, der einst sein Zuhause gewesen war, umgeben von Männern, die ihm nie wirklich vertraut hatten und die ihn dennoch, in seinen letzten Momenten, mit einem Respekt behandelten, den er selbst nicht zu erwarten gewagt hatte.
Sie kehrten in die Hauptkammer zurück, um festzustellen, dass Vel'Schwur und die anderen die letzten Widerstandsnester der Gemeinschaft bereits neutralisiert hatten, die überlebenden Gefangenen aus ihren Fesseln befreit und in einer notdürftig gesicherten Ecke der Kammer versammelt, während Dall und seine Soldaten die Ausgänge sicherten, für den Fall, dass weitere Kultisten aus den tieferen Tunneln der Mühle auftauchen sollten.
Es war in diesem Moment relativer Ruhe, während die letzten Boltersalven verklangen und die überlebenden Gefangenen mit einer Mischung aus Erleichterung und Trauma auf ihre Befreier starrten, dass die Kammer selbst zu reagieren begann, auf eine Weise, die niemand vorausgesehen hatte — die pulsierenden Wucherungen an den Wänden, beraubt der Führung, die Calder und die zerstörte Kreatur ihnen gegeben hatten, begannen sich in einer letzten, konvulsivischen Reaktion zusammenzuziehen, Teile der Deckenstruktur destabilisierend, die über Jahre hinweg von der fungusartigen Korruption durchsetzt worden war.
„Die Decke gibt nach!“, rief Thrax, während erste Trümmerstücke von oben herabzustürzen begannen, ein tiefes, grollendes Beben, das durch die gesamte unterirdische Struktur der Mühle zu laufen schien.
„Alle raus, sofort!“, befahl Bre'kar, während sein Trupp begann, die befreiten Gefangenen in Richtung des Haupttunnels zu eskortieren, mit der methodischen, aber jetzt beschleunigten Effizienz von Männern, die wussten, dass jede verlorene Sekunde den Unterschied zwischen Rettung und Verschüttung bedeuten konnte.
Aldous, der einen der jüngeren Gefangenen unterstützte, ein Mädchen von vielleicht zehn Jahren, deren Beine von den Wochen der Gefangenschaft zu geschwächt waren, um selbstständig zu laufen, bemerkte, mit dem geübten Blick eines Mannes, der die Struktur dieser Kammern einst mitgestaltet hatte, dass ein besonders massiver Abschnitt der Deckenstruktur direkt über der Stelle zusammenzubrechen drohte, an der Dessin, der die letzten der Gefangenen aus einer entfernteren Nische barg, sich noch immer aufhielt, seine Aufmerksamkeit vollständig auf die Aufgabe gerichtet, ohne die unmittelbare Gefahr über sich zu bemerken.
Es gab keine Zeit für eine bewusste Entscheidung, kein abwägendes Kalkül der Art, wie Aldous es sich in ruhigeren Momenten vielleicht gewünscht hätte — nur einen körperlichen, fast instinktiven Impuls, der ihn dazu brachte, das Mädchen, das er getragen hatte, in die Arme eines der PDF-Soldaten zu stoßen, der zufällig nahe genug war, um sie aufzufangen, während er selbst sich in die Richtung des einstürzenden Deckensegments warf, mit einem verzweifelten Schrei, der Dessins Namen zu formen versuchte.
Der jüngere Feuerhüter reagierte gerade rechtzeitig, um sich aus der unmittelbaren Bahn des größten Trümmerstücks zu werfen, aber Aldous, der sich selbst in Position gebracht hatte, um Dessin notfalls physisch aus dem Weg zu stoßen, hatte nicht genug Zeit, sich selbst vollständig in Sicherheit zu bringen — ein kleineres, aber immer noch massives Trümmerstück traf ihn mit voller Wucht an der Seite, zerschmetterte, wie er in einem fernen, distanzierten Teil seines Bewusstseins registrierte, mehrere seiner Rippen und drückte die Luft mit einer Gewalt aus seinen Lungen, die ihn augenblicklich zu Boden warf.
„Rethmar!“ Dessins Stimme, jetzt von echter Besorgnis durchdrungen, erreichte ihn wie durch Wasser gedämpft, während der jüngere Marine sich zu ihm kniete, seine Kraftrüstung im Kontrast zu Aldous' zerschmetterten, blutenden Körper geradezu grotesk unversehrt wirkend.
„Ich —“ Aldous versuchte zu sprechen, aber das, was aus seinem Mund kam, war mehr Blut als Worte, ein Zeichen, das selbst er, ohne medizinische Ausbildung, als das Todesurteil erkannte, das es war — innere Blutungen, wahrscheinlich eine durchbohrte Lunge, Verletzungen, die selbst die fortschrittlichste imperiale Medizin, wäre sie sofort verfügbar gewesen, kaum hätte heilen können, geschweige denn unter den gegenwärtigen, provisorischen Umständen einer einstürzenden unterirdischen Kammer.
„Wir müssen ihn hier rausbringen“, sagte Dessin, sich bereits daran machend, Aldous' zerschmetterten Körper anzuheben, mit einer Vorsicht, die im Kontrast zur schieren physischen Kraft stand, die diese Handlung erforderte.
„Es ist zu spät für das“, sagte Aldous, seine Stimme jetzt kaum mehr als ein Flüstern, während Blut über seine Lippen sickerte. „Bring die anderen raus. Lass mich — lass mich hier.“
„Nein“, sagte Dessin mit einer Entschlossenheit, die Aldous nicht erwartet hatte, während er ihn dennoch aus der einstürzenden Kammer trug, hinaus in den Haupttunnel, wo die letzten der Gefangenen und Soldaten sich bereits in Richtung des Ausgangs bewegten, während hinter ihnen der Klang des vollständigen Kollapses der Hauptkammer wie ein fernes, dumpfes Donnern nachhallte.
Sie erreichten die Oberfläche, gerade als die ersten Sterne über Sordenvals verfaultem Himmel erschienen, die kühle Nachtluft ein grausamer Kontrast zu der stickigen, fauligen Atmosphäre der unterirdischen Kammern, die sie hinter sich gelassen hatten. Dessin legte Aldous vorsichtig auf dem Boden ab, während Vel'Schwur, der die Rettungsaktion beaufsichtigt hatte, sich sofort näherte, sein geübter Blick die Schwere von Aldous' Verletzungen mit einer Präzision einschätzend, die keine falsche Hoffnung zuließ.
„Es gibt nichts, was wir tun können“, sagte Vel'Schwur leise, an Dessin gerichtet, aber laut genug, dass auch Aldous es hören konnte, in dem, was er bereits als seine letzten bewussten Momente erkannte. „Die inneren Verletzungen sind zu umfangreich. Selbst ein Apothecarius könnte ihn jetzt nicht mehr retten.“
Aldous, der auf dem kalten, feuchten Boden lag, seine Sicht bereits an den Rändern zu verschwimmen begann, spürte, wie sich eine seltsame, unerwartete Ruhe in ihm ausbreitete — nicht die Ruhe der Erlösung, die er sich vielleicht einst erhofft hatte, als er sich dem Grenzposten ergeben hatte, sondern etwas Einfacheres, Bescheideneres, eine Art Friede, der aus der bloßen Tatsache erwuchs, dass er, in seinen letzten Momenten, tatsächlich etwas Wahres getan hatte.
„Das Mädchen“, flüsterte er, seine Stimme kaum mehr hörbar. „Ist sie —“
„Sie lebt“, sagte Bre'kar, der sich ebenfalls genähert hatte, seine Stimme, entgegen der harten, pragmatischen Autorität, die er während der gesamten Operation an den Tag gelegt hatte, jetzt von einem unerwarteten, gedämpften Respekt geprägt. „Alle Gefangenen, die wir gefunden haben, werden überleben, dank deiner Führung und deiner — deiner letzten Handlung.“
Aldous nickte schwach, ein Lächeln, das mehr Grimasse als tatsächlicher Ausdruck der Freude war, über seine blutigen Lippen huschend. „Dann war es das wert“, sagte er. „Alles davon. Es war —“
Er hielt inne, während ein neuer Krampf durch seinen Körper fuhr, und Vel'Schwur, der sich neben ihn gekniet hatte, legte eine Hand auf seine Schulter, eine Geste, die überraschend sanft wirkte für einen Mann, dessen Kraftrüstung selbst im Ruhezustand eine bedrohliche Präsenz ausstrahlte.
„Du hast gefragt, ob deine Taten etwas bedeuten würden“, sagte Vel'Schwur, seine Stimme jetzt leiser, persönlicher, als Aldous es je von ihm gehört hatte. „Ich kann dir keine offizielle Absolution anbieten. Das habe ich dir bereits gesagt, und es bleibt wahr, ganz gleich, was heute geschehen ist. Aber ich kann dir sagen, was ich mit eigenen Augen gesehen habe — ich habe gesehen, wie du dein eigenes Leben für das eines Bruders und das Leben unschuldiger Gefangener hingegeben hast, ohne Zögern, ohne die Hoffnung auf eine Belohnung, die diese Handlung rechtfertigen würde. Das ist keine kleine Sache, Aldous Rethmar. Ganz gleich, was die Aufzeichnungen später über dich sagen werden.“
„Wird das genug sein?“, fragte Aldous, seine Stimme jetzt kaum mehr als ein Hauch, während sich die Dunkelheit an den Rändern seiner Sicht zunehmend ausbreitete.
Vel'Schwur zögerte, und in diesem Zögern lag mehr Ehrlichkeit, als eine schnelle, tröstende Antwort hätte bieten können. „Ich weiß es nicht“, sagte er schließlich. „Ich weiß nicht, was jenseits dieses Lebens auf eine Seele wie deine wartet, die von so viel Schuld gezeichnet ist wie von so viel späterer Reue. Das ist eine Frage, die selbst die weiseste Theologie unseres Imperiums nicht mit Gewissheit beantworten kann. Aber ich glaube — und dies ist mein persönlicher Glaube, nicht die offizielle Doktrin meines Ordens —, dass eine wahre Tat, vollbracht ohne Erwartung einer Belohnung, ihren eigenen Wert besitzt, unabhängig davon, was danach geschieht. Du hast heute eine solche Tat vollbracht. Das kann dir niemand nehmen, ganz gleich, was als Nächstes kommt.“
Aldous schloss die Augen, ein letztes, schwaches Lächeln auf seinen blutigen Lippen, während seine Gedanken, in den letzten Sekunden seines Bewusstseins, nicht zu Calder oder dem Garten zurückkehrten, nicht einmal zu der Angst vor dem, was ihn jenseits des Todes erwarten mochte, sondern zu einem einzigen, klaren Bild — Sennah und Talia, nicht wie sie in jener letzten, grauenhaften Nacht der falschen Auferstehung gewesen waren, sondern wie sie an jenem letzten wirklich guten Morgen gewesen waren, den er sich noch mit Klarheit vorstellen konnte, ihre Stimmen hoch und unbeschwert in der klaren, kalten Luft von Aschfeld, bevor die Fäulnis kam, bevor das Feuer kam, bevor er alles verlor, was ihm etwas bedeutet hatte.
Aldous Rethmar, einst Konfessor von Aschfeld, einst Bruder Aldous der Barmherzige innerhalb der Gemeinschaft des Gärtners, starb wenige Minuten später, unter dem fremden Himmel eines Planeten, der einst sein Zuhause gewesen war, umgeben von Männern, die ihm nie wirklich vertraut hatten und die ihn dennoch, in seinen letzten Momenten, mit einem Respekt behandelten, den er selbst nicht zu erwarten gewagt hatte.
IX. DAS URTEILIX. DAS URTEIL
Konfessor Aurelian Marsh traf drei Tage nach dem Fall der Mühle von Aschfeld im imperialen Feldlager ein, mit der gemessenen, unaufgeregten Autorität eines Mannes, dessen gesamte Karriere der Anwendung kirchlichen Rechts in Situationen gewidmet war, die für gewöhnliche Sterbliche zu moralisch kompliziert waren, um sie ohne offizielle Anleitung zu navigieren. Er war ein hagerer Mann, mit dem faltigen, wettergegerbten Gesicht eines Predigers, der Jahrzehnte in den entlegensten und gefährlichsten Winkeln des Imperiums verbracht hatte, und seine erste Handlung nach seiner Ankunft bestand darin, die vollständigen Berichte über die Operation gegen die Gemeinschaft des Gärtners anzufordern, einschließlich, wie er ausdrücklich betonte, jeder Erwähnung des Mannes, der sich Aldous Rethmar genannt hatte.
„Er ist tot“, sagte Bre'kar, als Marsh die versammelten Offiziere in dem improvisierten Kommandozelt konfrontierte, seine Stimme neutral, aber mit einer Spur von etwas, das man, wenn man genau hinhörte, als Widerstand hätte deuten können. „Er starb im Kampf gegen die Gemeinschaft, die er einst mitbegründet hatte, und rettete dabei das Leben eines meiner Brüder sowie mehrerer ziviler Gefangener.“
„Das ändert nichts an der grundlegenden Tatsache seiner Häresie“, sagte Marsh, seine Stimme von der geübten, unerschütterlichen Autorität eines Mannes getragen, der solche Argumente unzählige Male zuvor gehört und ebenso oft zurückgewiesen hatte. „Die kirchliche Doktrin ist in dieser Angelegenheit unmissverständlich, Hauptmann. Ein Mann, der sich freiwillig von der Wahren Lehre abwendet, um sich den falschen Göttern des Chaos zu unterwerfen, kann durch keine nachträgliche Handlung, so bemerkenswert sie auch erscheinen mag, seine ursprüngliche Sünde auslöschen. Was Sie beschreiben, ist eine bedauerliche, aber letztlich unerhebliche Fußnote zu einem Leben, das bereits durch Jahre der Komplizenschaft mit dem Feind definiert war.“
„Er hat Dutzende Leben gerettet“, sagte Dessin, der sich, entgegen der üblichen Zurückhaltung eines jüngeren Battle-Brothers in Anwesenheit eines ranghohen Ecclesiarchie-Vertreters, zu Wort meldete, seine Stimme von einer Intensität geprägt, die selbst Bre'kar kurz überraschte. „Er hat mein eigenes Leben gerettet, mit seinem eigenen. Wenn das keine Bedeutung hat —“
„Es hat Bedeutung, Bruder“, unterbrach Marsh, nicht unfreundlich, aber mit der unerschütterlichen Geduld eines Mannes, der solche Einwände als Teil seiner regulären Pflichten betrachtete. „Für die Menschen, deren Leben gerettet wurden, für Sie selbst, für jeden, der Zeuge dieser Tat war. Aber Bedeutung für die Lebenden ist nicht dasselbe wie Absolution vor dem Imperator. Unsere Doktrin existiert nicht, um individuelle Heldentaten anzuerkennen oder zu belohnen — sie existiert, um eine unmissverständliche, unveränderliche Grenze zu ziehen, jenseits derer keine Rückkehr möglich ist, gerade weil die Alternative — die Vorstellung, dass Häresie durch spätere Reue rückgängig gemacht werden könnte — eine Schwachstelle darstellen würde, die von den wahren Feinden unserer Zivilisation gnadenlos ausgenutzt würde. Stellen Sie sich vor, welche Botschaft es an jeden gegenwärtigen Ketzer senden würde, zu wissen, dass ein ausreichend dramatisches, spätes Opfer seine Verbrechen auslöschen könnte. Wie viele weitere würden sich der Häresie hingeben, in dem Wissen, dass sie sich später, wenn es ihnen passt, durch eine einzige heldenhafte Geste reinwaschen könnten?“
Es war ein Argument, das Aldous selbst, in seinen letzten Lebensstunden, vielleicht anerkannt hätte, so bitter es auch war — die Logik eines Imperiums, das sich seine Kohärenz durch unveränderliche, gnadenlose Prinzipien bewahrte, gerade weil die Alternative, ein System, das individuelle Ausnahmen und Nuancen zuließ, in einer Galaxie, in der Millionen von Seelen täglich der Korruption des Chaos ausgesetzt waren, letztlich chaotischer und gefährlicher gewesen wäre als die kalte, unbarmherzige Klarheit absoluter Regeln.
Und dennoch, während Marsh fortfuhr, die offiziellen Anweisungen für die Behandlung von Aldous' sterblichen Überresten zu diktieren — Verbrennung ohne die üblichen Riten, die man gefallenen imperialen Dienern gewährte, keine Erwähnung seines Namens in den offiziellen Ehrenrollen der Operation, eine Klassifizierung seines gesamten Falls als „Verräter, gestorben während der Bekämpfung seiner ehemaligen Verbündeten, keine weitere Handlung erforderlich“ —, konnte Bre'kar nicht umhin, ein tiefes, unbequemes Unbehagen zu empfinden, das er, wie er sich selbst eingestand, nicht vollständig artikulieren konnte, geschweige denn gegen die unerschütterliche Logik des Konfessors ins Feld führen.
Vel'Schwur, der während dieser gesamten Auseinandersetzung geschwiegen hatte, seine Präsenz eine stille, beobachtende Konstante im Hintergrund des Zeltes, sprach schließlich, als Marsh seine letzten Anweisungen erteilte und sich zum Gehen wandte.
„Konfessor“, sagte er, seine Stimme ruhig, aber mit einem Gewicht, das selbst Marsh dazu veranlasste, innezuhalten. „Ich werde Ihre Autorität in dieser Angelegenheit nicht infrage stellen. Die Doktrin, die Sie vertreten, ist die Doktrin, der ich selbst seit dreihundert Jahren diene, und ich verstehe die Notwendigkeit, die ihr zugrunde liegt, vollständig. Aber ich bitte um Erlaubnis, eine private Beobachtung zu machen, die keinen Einfluss auf Ihre offizielle Entscheidung haben soll.“
Marsh nickte knapp, mit der gemessenen Geduld eines Mannes, der solche Bitten häufig genug erhielt, um sie mit professioneller Gelassenheit zu behandeln.
„Ich habe in dreihundert Jahren des Dienstes viele Männer sterben sehen“, sagte Vel'Schwur. „Loyale Diener des Imperiums, die mit Furcht und Zweifel starben, und Ketzer, die mit Trotz und Hass starben. Aldous Rethmar starb mit keinem von beidem. Er starb mit einer Art Frieden, die ich bei nur wenigen Männern in meinem gesamten Leben beobachtet habe, unabhängig von ihrer Loyalität oder ihrem Glauben. Ich weiß nicht, was das über seine Seele aussagt, und ich behaupte nicht, dass es Ihre Entscheidung ändern sollte. Aber ich wollte es ausgesprochen haben, damit zumindest ein Zeuge existiert, der bestätigt, was tatsächlich geschah, jenseits der offiziellen Aufzeichnungen.“
Marsh betrachtete den Ordenspriester einen langen Moment, sein Gesicht undurchdringlich, bevor er schließlich, mit einer Spur von etwas, das fast wie Respekt wirkte, nickte. „Ihre Beobachtung ist zur Kenntnis genommen, Bruder-Ordenspriester“, sagte er. „Aber sie ändert nichts an meinem Urteil.“
Er verließ das Zelt, und mit ihm die Möglichkeit jeder weiteren Diskussion über das Schicksal des Mannes, der Aldous Rethmar gewesen war.
Später an jenem Abend, nachdem die offiziellen Zeremonien der Verbrennung — wenn man den kurzen, unfeierlichen Prozess, mit dem Aldous' sterbliche Überreste den Flammen übergeben wurden, überhaupt als Zeremonie bezeichnen konnte — abgeschlossen waren, kehrte Vel'Schwur allein zu der Stelle zurück, an der die Asche noch immer schwach glühte, in der Dunkelheit der Sordenval-Nacht, weit entfernt von den Augen des Konfessors oder irgendeines anderen offiziellen Beobachters.
Er kniete dort, in einer Geste, die kein Protokoll, keine offizielle Doktrin seines Ordens vorschrieb, und sprach, leise, kaum mehr als ein Flüstern, ein Fragment jener Litanei, die üblicherweise für gefallene loyale Diener des Imperiums reserviert war — nicht die vollständigen Riten, die Aldous' Status als verurteilter Ketzer ihm verwehrten, sondern lediglich ein paar Worte, gesprochen aus einer persönlichen, unautorisierten Überzeugung, die Vel'Schwur selbst nicht vollständig zu rechtfertigen vermochte, außer durch das, was er mit eigenen Augen gesehen hatte, in den letzten Momenten eines Mannes, der mehr Frieden gefunden hatte als die meisten loyalen Diener, denen er in seinem langen Leben je begegnet war.
„Ich kann dir keine Absolution gewähren“, murmelte er, in die Dunkelheit hinein, an niemanden gerichtet außer vielleicht an sich selbst. „Aber ich kann bezeugen, was du getan hast. Das muss, hoffe ich, für irgendetwas zählen, in irgendeiner Bilanz, die jenseits meines eigenen begrenzten Verständnisses liegt.“
Er erhob sich schließlich, seine Kraftrüstung ein dunkler Schatten gegen die noch dunklere Nacht, und kehrte zum Lager zurück, ohne sich noch einmal umzusehen.
Die offiziellen Aufzeichnungen der Operation gegen die Gemeinschaft des Gärtners von Aschfeld würden, in den kommenden Jahren, in den Archiven des Sordenval-Sektors verstauben, eine weitere Fußnote in der endlosen, erschöpfenden Chronik imperialer Kämpfe gegen die schleichende Korruption des Chaos. Der Name Aldous Rethmar würde darin erscheinen, wenn überhaupt, nur als Randnotiz — ein Ketzer, ein Verräter, ein Mann, dessen Jahre der Komplizenschaft mit dem Feind durch keine nachträgliche Handlung ausgelöscht werden konnten, ganz gleich, was diese Handlung tatsächlich bewirkt hatte.
Und doch, in den seltenen Momenten, in denen Ordenspriester Vel'Schwur sich an jene Nacht in der Mühle von Aschfeld erinnerte, an das Bild eines sterbenden Mannes, der nach nichts als der Gewissheit fragte, dass seine letzte Tat etwas bedeutet hatte, fragte er sich, ob die kalte, unerbittliche Logik der Doktrin, der er sein gesamtes Leben gewidmet hatte, tatsächlich die vollständige Wahrheit über das Universum erfasste, in dem sie beide gelebt hatten — oder ob es, jenseits der offiziellen Aufzeichnungen, jenseits der Urteile der Konfessoren und der unveränderlichen Gesetze der Ecclesiarchie, noch eine andere, stillere Form der Gerechtigkeit gab, die niemand jemals in Worte fassen oder in offizielle Berichte aufnehmen konnte, aber die dennoch, auf eine Weise, die er selbst nicht vollständig verstand, real war.
Er wusste es nicht. Er würde es wahrscheinlich niemals wissen, so wie er wusste, dass dies genau die Art von Frage war, die das Imperium selbst, in seiner unendlichen, notwendigen Härte, sich niemals erlauben konnte, offiziell zu stellen.
Aber er erinnerte sich. Und manchmal, dachte er, während er durch die endlosen, erschöpfenden Kriege seines langen Lebens weiterzog, war das Erinnern selbst die einzige Form der Gnade, die dieses Universum einem Mann wie Aldous Rethmar jemals gewähren würde — nicht genug, um seine Schuld zu tilgen, nicht genug, um seine Seele zu retten, aber genug, um zu bezeugen, dass er, in seinen letzten Momenten, tatsächlich das getan hatte, was richtig war, ganz gleich, was das Imperium, in seiner unerbittlichen, notwendigen Weisheit, davon zu halten bereit war.
***Ende***
Konfessor Aurelian Marsh traf drei Tage nach dem Fall der Mühle von Aschfeld im imperialen Feldlager ein, mit der gemessenen, unaufgeregten Autorität eines Mannes, dessen gesamte Karriere der Anwendung kirchlichen Rechts in Situationen gewidmet war, die für gewöhnliche Sterbliche zu moralisch kompliziert waren, um sie ohne offizielle Anleitung zu navigieren. Er war ein hagerer Mann, mit dem faltigen, wettergegerbten Gesicht eines Predigers, der Jahrzehnte in den entlegensten und gefährlichsten Winkeln des Imperiums verbracht hatte, und seine erste Handlung nach seiner Ankunft bestand darin, die vollständigen Berichte über die Operation gegen die Gemeinschaft des Gärtners anzufordern, einschließlich, wie er ausdrücklich betonte, jeder Erwähnung des Mannes, der sich Aldous Rethmar genannt hatte.
„Er ist tot“, sagte Bre'kar, als Marsh die versammelten Offiziere in dem improvisierten Kommandozelt konfrontierte, seine Stimme neutral, aber mit einer Spur von etwas, das man, wenn man genau hinhörte, als Widerstand hätte deuten können. „Er starb im Kampf gegen die Gemeinschaft, die er einst mitbegründet hatte, und rettete dabei das Leben eines meiner Brüder sowie mehrerer ziviler Gefangener.“
„Das ändert nichts an der grundlegenden Tatsache seiner Häresie“, sagte Marsh, seine Stimme von der geübten, unerschütterlichen Autorität eines Mannes getragen, der solche Argumente unzählige Male zuvor gehört und ebenso oft zurückgewiesen hatte. „Die kirchliche Doktrin ist in dieser Angelegenheit unmissverständlich, Hauptmann. Ein Mann, der sich freiwillig von der Wahren Lehre abwendet, um sich den falschen Göttern des Chaos zu unterwerfen, kann durch keine nachträgliche Handlung, so bemerkenswert sie auch erscheinen mag, seine ursprüngliche Sünde auslöschen. Was Sie beschreiben, ist eine bedauerliche, aber letztlich unerhebliche Fußnote zu einem Leben, das bereits durch Jahre der Komplizenschaft mit dem Feind definiert war.“
„Er hat Dutzende Leben gerettet“, sagte Dessin, der sich, entgegen der üblichen Zurückhaltung eines jüngeren Battle-Brothers in Anwesenheit eines ranghohen Ecclesiarchie-Vertreters, zu Wort meldete, seine Stimme von einer Intensität geprägt, die selbst Bre'kar kurz überraschte. „Er hat mein eigenes Leben gerettet, mit seinem eigenen. Wenn das keine Bedeutung hat —“
„Es hat Bedeutung, Bruder“, unterbrach Marsh, nicht unfreundlich, aber mit der unerschütterlichen Geduld eines Mannes, der solche Einwände als Teil seiner regulären Pflichten betrachtete. „Für die Menschen, deren Leben gerettet wurden, für Sie selbst, für jeden, der Zeuge dieser Tat war. Aber Bedeutung für die Lebenden ist nicht dasselbe wie Absolution vor dem Imperator. Unsere Doktrin existiert nicht, um individuelle Heldentaten anzuerkennen oder zu belohnen — sie existiert, um eine unmissverständliche, unveränderliche Grenze zu ziehen, jenseits derer keine Rückkehr möglich ist, gerade weil die Alternative — die Vorstellung, dass Häresie durch spätere Reue rückgängig gemacht werden könnte — eine Schwachstelle darstellen würde, die von den wahren Feinden unserer Zivilisation gnadenlos ausgenutzt würde. Stellen Sie sich vor, welche Botschaft es an jeden gegenwärtigen Ketzer senden würde, zu wissen, dass ein ausreichend dramatisches, spätes Opfer seine Verbrechen auslöschen könnte. Wie viele weitere würden sich der Häresie hingeben, in dem Wissen, dass sie sich später, wenn es ihnen passt, durch eine einzige heldenhafte Geste reinwaschen könnten?“
Es war ein Argument, das Aldous selbst, in seinen letzten Lebensstunden, vielleicht anerkannt hätte, so bitter es auch war — die Logik eines Imperiums, das sich seine Kohärenz durch unveränderliche, gnadenlose Prinzipien bewahrte, gerade weil die Alternative, ein System, das individuelle Ausnahmen und Nuancen zuließ, in einer Galaxie, in der Millionen von Seelen täglich der Korruption des Chaos ausgesetzt waren, letztlich chaotischer und gefährlicher gewesen wäre als die kalte, unbarmherzige Klarheit absoluter Regeln.
Und dennoch, während Marsh fortfuhr, die offiziellen Anweisungen für die Behandlung von Aldous' sterblichen Überresten zu diktieren — Verbrennung ohne die üblichen Riten, die man gefallenen imperialen Dienern gewährte, keine Erwähnung seines Namens in den offiziellen Ehrenrollen der Operation, eine Klassifizierung seines gesamten Falls als „Verräter, gestorben während der Bekämpfung seiner ehemaligen Verbündeten, keine weitere Handlung erforderlich“ —, konnte Bre'kar nicht umhin, ein tiefes, unbequemes Unbehagen zu empfinden, das er, wie er sich selbst eingestand, nicht vollständig artikulieren konnte, geschweige denn gegen die unerschütterliche Logik des Konfessors ins Feld führen.
Vel'Schwur, der während dieser gesamten Auseinandersetzung geschwiegen hatte, seine Präsenz eine stille, beobachtende Konstante im Hintergrund des Zeltes, sprach schließlich, als Marsh seine letzten Anweisungen erteilte und sich zum Gehen wandte.
„Konfessor“, sagte er, seine Stimme ruhig, aber mit einem Gewicht, das selbst Marsh dazu veranlasste, innezuhalten. „Ich werde Ihre Autorität in dieser Angelegenheit nicht infrage stellen. Die Doktrin, die Sie vertreten, ist die Doktrin, der ich selbst seit dreihundert Jahren diene, und ich verstehe die Notwendigkeit, die ihr zugrunde liegt, vollständig. Aber ich bitte um Erlaubnis, eine private Beobachtung zu machen, die keinen Einfluss auf Ihre offizielle Entscheidung haben soll.“
Marsh nickte knapp, mit der gemessenen Geduld eines Mannes, der solche Bitten häufig genug erhielt, um sie mit professioneller Gelassenheit zu behandeln.
„Ich habe in dreihundert Jahren des Dienstes viele Männer sterben sehen“, sagte Vel'Schwur. „Loyale Diener des Imperiums, die mit Furcht und Zweifel starben, und Ketzer, die mit Trotz und Hass starben. Aldous Rethmar starb mit keinem von beidem. Er starb mit einer Art Frieden, die ich bei nur wenigen Männern in meinem gesamten Leben beobachtet habe, unabhängig von ihrer Loyalität oder ihrem Glauben. Ich weiß nicht, was das über seine Seele aussagt, und ich behaupte nicht, dass es Ihre Entscheidung ändern sollte. Aber ich wollte es ausgesprochen haben, damit zumindest ein Zeuge existiert, der bestätigt, was tatsächlich geschah, jenseits der offiziellen Aufzeichnungen.“
Marsh betrachtete den Ordenspriester einen langen Moment, sein Gesicht undurchdringlich, bevor er schließlich, mit einer Spur von etwas, das fast wie Respekt wirkte, nickte. „Ihre Beobachtung ist zur Kenntnis genommen, Bruder-Ordenspriester“, sagte er. „Aber sie ändert nichts an meinem Urteil.“
Er verließ das Zelt, und mit ihm die Möglichkeit jeder weiteren Diskussion über das Schicksal des Mannes, der Aldous Rethmar gewesen war.
Später an jenem Abend, nachdem die offiziellen Zeremonien der Verbrennung — wenn man den kurzen, unfeierlichen Prozess, mit dem Aldous' sterbliche Überreste den Flammen übergeben wurden, überhaupt als Zeremonie bezeichnen konnte — abgeschlossen waren, kehrte Vel'Schwur allein zu der Stelle zurück, an der die Asche noch immer schwach glühte, in der Dunkelheit der Sordenval-Nacht, weit entfernt von den Augen des Konfessors oder irgendeines anderen offiziellen Beobachters.
Er kniete dort, in einer Geste, die kein Protokoll, keine offizielle Doktrin seines Ordens vorschrieb, und sprach, leise, kaum mehr als ein Flüstern, ein Fragment jener Litanei, die üblicherweise für gefallene loyale Diener des Imperiums reserviert war — nicht die vollständigen Riten, die Aldous' Status als verurteilter Ketzer ihm verwehrten, sondern lediglich ein paar Worte, gesprochen aus einer persönlichen, unautorisierten Überzeugung, die Vel'Schwur selbst nicht vollständig zu rechtfertigen vermochte, außer durch das, was er mit eigenen Augen gesehen hatte, in den letzten Momenten eines Mannes, der mehr Frieden gefunden hatte als die meisten loyalen Diener, denen er in seinem langen Leben je begegnet war.
„Ich kann dir keine Absolution gewähren“, murmelte er, in die Dunkelheit hinein, an niemanden gerichtet außer vielleicht an sich selbst. „Aber ich kann bezeugen, was du getan hast. Das muss, hoffe ich, für irgendetwas zählen, in irgendeiner Bilanz, die jenseits meines eigenen begrenzten Verständnisses liegt.“
Er erhob sich schließlich, seine Kraftrüstung ein dunkler Schatten gegen die noch dunklere Nacht, und kehrte zum Lager zurück, ohne sich noch einmal umzusehen.
Die offiziellen Aufzeichnungen der Operation gegen die Gemeinschaft des Gärtners von Aschfeld würden, in den kommenden Jahren, in den Archiven des Sordenval-Sektors verstauben, eine weitere Fußnote in der endlosen, erschöpfenden Chronik imperialer Kämpfe gegen die schleichende Korruption des Chaos. Der Name Aldous Rethmar würde darin erscheinen, wenn überhaupt, nur als Randnotiz — ein Ketzer, ein Verräter, ein Mann, dessen Jahre der Komplizenschaft mit dem Feind durch keine nachträgliche Handlung ausgelöscht werden konnten, ganz gleich, was diese Handlung tatsächlich bewirkt hatte.
Und doch, in den seltenen Momenten, in denen Ordenspriester Vel'Schwur sich an jene Nacht in der Mühle von Aschfeld erinnerte, an das Bild eines sterbenden Mannes, der nach nichts als der Gewissheit fragte, dass seine letzte Tat etwas bedeutet hatte, fragte er sich, ob die kalte, unerbittliche Logik der Doktrin, der er sein gesamtes Leben gewidmet hatte, tatsächlich die vollständige Wahrheit über das Universum erfasste, in dem sie beide gelebt hatten — oder ob es, jenseits der offiziellen Aufzeichnungen, jenseits der Urteile der Konfessoren und der unveränderlichen Gesetze der Ecclesiarchie, noch eine andere, stillere Form der Gerechtigkeit gab, die niemand jemals in Worte fassen oder in offizielle Berichte aufnehmen konnte, aber die dennoch, auf eine Weise, die er selbst nicht vollständig verstand, real war.
Er wusste es nicht. Er würde es wahrscheinlich niemals wissen, so wie er wusste, dass dies genau die Art von Frage war, die das Imperium selbst, in seiner unendlichen, notwendigen Härte, sich niemals erlauben konnte, offiziell zu stellen.
Aber er erinnerte sich. Und manchmal, dachte er, während er durch die endlosen, erschöpfenden Kriege seines langen Lebens weiterzog, war das Erinnern selbst die einzige Form der Gnade, die dieses Universum einem Mann wie Aldous Rethmar jemals gewähren würde — nicht genug, um seine Schuld zu tilgen, nicht genug, um seine Seele zu retten, aber genug, um zu bezeugen, dass er, in seinen letzten Momenten, tatsächlich das getan hatte, was richtig war, ganz gleich, was das Imperium, in seiner unerbittlichen, notwendigen Weisheit, davon zu halten bereit war.
***Ende***
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