DIE VERLORENE KOMPANIEDIE VERLORENE KOMPANIE
Eine Geschichte der Word BearersEine Geschichte der Word Bearers
Word Bearers
I. DAS SCHWEIGENI. DAS SCHWEIGEN
Das Blut hatte aufgehört zu dampfen, lange bevor Dunkler Apostel Kranon die Litanei beendete, und das war das erste Zeichen, noch bevor er die Augen öffnete, dass auch dieses Ritual, wie die letzten einunddreißig vor ihm, ohne Antwort bleiben würde.
Er kniete im Sanktumsdeck des *Kelch der Offenbarung*, jenem Ort, den die verbliebene Besatzung des Schiffes seit so vielen Jahrhunderten als das Heiligste ansah, was ihnen von ihrer ursprünglichen Bestimmung noch geblieben war, umgeben von den acht Reliquiaren, die einst, in einem Leben, das er zunehmend als das eines anderen Mannes zu betrachten begann, direkt aus den Krypten von Colchis geborgen worden waren. Das Opfer — ein Thrall, dessen Namen Kranon sich nicht mehr die Mühe gemacht hatte zu erfragen, weil Namen, wie er in den letzten Jahrhunderten gelernt hatte, für das Ritual selbst irrelevant waren — lag reglos vor dem zentralen Altar, seine Kehle geöffnet, sein Blut in den Rinnen aufgefangen, die Generationen vor Kranon in das Metall des Decks gegraben hatten, um genau diesen Zweck zu erfüllen.
Es war die richtige Litanei gewesen. Er hatte sie überprüft, wie er es bei jedem Ritual überprüfte, mit der pedantischen Sorgfalt eines Mannes, der genau wusste, wie leicht sich Fehler in eine mündlich über Jahrtausende weitergegebene Tradition einschleichen konnten — die richtigen Worte, in der richtigen Reihenfolge, in der richtigen Kadenz des Hoch-Gothischen, das die Wortträger seit Colchis als die einzige Sprache betrachteten, die den Göttern angemessen war. Es war das richtige Blut gewesen, aus einer Kehle, die mit der richtigen Klinge geöffnet worden war, zur richtigen Stunde, gemäß der Zählung des Schiffskognitors, der, trotz zehntausend Jahren ohne Wartung durch einen echten Tech-Priester, noch immer mit einer gewissen sturen Beharrlichkeit funktionierte.
Und dennoch — nichts. Keine Vision, keine Manifestation, kein Flüstern in seinem Geist, das ihm gesagt hätte, dass irgendetwas jenseits des Schleiers tatsächlich zugehört hatte. Nur das Blut, das langsam auf dem kalten Metall gerann, und die Stille, die sich über das Sanktumsdeck legte wie etwas Physisches, etwas, das man fast hätte anfassen können, wenn man den Mut gehabt hätte, die Hand danach auszustrecken.
Kranon öffnete die Augen und betrachtete den toten Thrall mit einer Distanziertheit, die er selbst, in den früheren Jahrhunderten seines Dienstes, als Zeichen mangelnder Hingabe verurteilt hätte. Es war nicht Mitleid, das er empfand — Mitleid war ihm, wie so vieles andere, vor langer Zeit abhandengekommen, irgendwo zwischen dem hundertsten und dem tausendsten Opfer, das er im Namen der Dunklen Götter dargebracht hatte. Es war etwas Subtileres, Beunruhigenderes: die Frage, die sich in den letzten Jahrzehnten — oder waren es bereits Jahrhunderte gewesen? Die Zeitrechnung selbst war innerhalb des Immateriums zu einer unzuverlässigen, fast bedeutungslosen Größe geworden — mit wachsender, unabweisbarer Beharrlichkeit in seinem Bewusstsein festgesetzt hatte: ob das Blut, das er vergoss, überhaupt noch jemanden erreichte, oder ob er, all die Jahre, lediglich in eine Leere hinein geopfert hatte, die ihm ebenso taub erschien wie jener Gott, den er einst, auf Colchis, vor seiner eigenen Geburt in diesen Krieg, verlassen hatte.
Er erhob sich, seine uralte Mark-III-Rüstung — ein Relikt seiner ersten Jahrzehnte des Dienstes, noch aus den Tagen, als er unter Kol Badar Corophaeus auf den zerbrochenen Feldern von Calth gekämpft hatte, lange bevor Calth selbst zu einem Namen wurde, den die Überlebenden beider Seiten mit unterschiedlichen, aber gleichermaßen unauslöschlichen Bitterkeiten aussprachen — mit jenem vertrauten, schmerzhaften Knirschen von Gelenken, die seit Jahrtausenden mehr durch Sturheit als durch tatsächliche Wartung funktionierten, und wandte sich von dem Altar ab, um durch die endlosen, von schwachem, rotem Licht durchzogenen Korridore des *Kelch der Offenbarung* zurück zu seinen eigenen Gemächern zu gehen.
Das Schiff selbst — eine Fregatte, deren ursprüngliche Klassifikation in den offiziellen Registern der Legion längst durch zehntausend Jahre unregulierter, chaotischer Modifikation unkenntlich geworden war, ihre Rümpfe mit Trophäen, Ketten und den eingebrannten Verzierungen unzähliger, längst vergessener Rituale bedeckt — war, wie Kranon es in den seltenen Momenten philosophischer Klarheit zu formulieren pflegte, die er sich noch gestattete, weniger ein Fahrzeug als ein Sarg, der zufällig noch immer funktionierte.
Sie waren verloren, im buchstäblichsten und grausamsten Sinne, den dieses Wort innerhalb der Weiten des Immateriums annehmen konnte — nicht verloren wie ein Schiff, das seinen Kurs verfehlt und nach einigen Wochen oder Monaten wieder in den Realraum zurückfindet, sondern verloren auf eine Weise, die Kranon selbst nach all den Jahrhunderten nicht vollständig zu begreifen vermochte, gefangen in einem Strom des Warp, der sie, gemäß den fragmentarischen und zunehmend widersprüchlichen Berechnungen ihres wahnsinnigen, uralten Navigators, weder vorwärts noch rückwärts, sondern gewissermaßen seitwärts durch die Zeit selbst trug, sodass Jahrzehnte draußen im Realraum vergehen mochten, während an Bord des *Kelch der Offenbarung* kaum mehr als Wochen verstrichen — oder, ebenso plausibel gemäß den Theorien, die im Laufe der Jahrhunderte unter den überlebenden Offizieren kursierten, umgekehrt.
Das Blut hatte aufgehört zu dampfen, lange bevor Dunkler Apostel Kranon die Litanei beendete, und das war das erste Zeichen, noch bevor er die Augen öffnete, dass auch dieses Ritual, wie die letzten einunddreißig vor ihm, ohne Antwort bleiben würde.
Er kniete im Sanktumsdeck des *Kelch der Offenbarung*, jenem Ort, den die verbliebene Besatzung des Schiffes seit so vielen Jahrhunderten als das Heiligste ansah, was ihnen von ihrer ursprünglichen Bestimmung noch geblieben war, umgeben von den acht Reliquiaren, die einst, in einem Leben, das er zunehmend als das eines anderen Mannes zu betrachten begann, direkt aus den Krypten von Colchis geborgen worden waren. Das Opfer — ein Thrall, dessen Namen Kranon sich nicht mehr die Mühe gemacht hatte zu erfragen, weil Namen, wie er in den letzten Jahrhunderten gelernt hatte, für das Ritual selbst irrelevant waren — lag reglos vor dem zentralen Altar, seine Kehle geöffnet, sein Blut in den Rinnen aufgefangen, die Generationen vor Kranon in das Metall des Decks gegraben hatten, um genau diesen Zweck zu erfüllen.
Es war die richtige Litanei gewesen. Er hatte sie überprüft, wie er es bei jedem Ritual überprüfte, mit der pedantischen Sorgfalt eines Mannes, der genau wusste, wie leicht sich Fehler in eine mündlich über Jahrtausende weitergegebene Tradition einschleichen konnten — die richtigen Worte, in der richtigen Reihenfolge, in der richtigen Kadenz des Hoch-Gothischen, das die Wortträger seit Colchis als die einzige Sprache betrachteten, die den Göttern angemessen war. Es war das richtige Blut gewesen, aus einer Kehle, die mit der richtigen Klinge geöffnet worden war, zur richtigen Stunde, gemäß der Zählung des Schiffskognitors, der, trotz zehntausend Jahren ohne Wartung durch einen echten Tech-Priester, noch immer mit einer gewissen sturen Beharrlichkeit funktionierte.
Und dennoch — nichts. Keine Vision, keine Manifestation, kein Flüstern in seinem Geist, das ihm gesagt hätte, dass irgendetwas jenseits des Schleiers tatsächlich zugehört hatte. Nur das Blut, das langsam auf dem kalten Metall gerann, und die Stille, die sich über das Sanktumsdeck legte wie etwas Physisches, etwas, das man fast hätte anfassen können, wenn man den Mut gehabt hätte, die Hand danach auszustrecken.
Kranon öffnete die Augen und betrachtete den toten Thrall mit einer Distanziertheit, die er selbst, in den früheren Jahrhunderten seines Dienstes, als Zeichen mangelnder Hingabe verurteilt hätte. Es war nicht Mitleid, das er empfand — Mitleid war ihm, wie so vieles andere, vor langer Zeit abhandengekommen, irgendwo zwischen dem hundertsten und dem tausendsten Opfer, das er im Namen der Dunklen Götter dargebracht hatte. Es war etwas Subtileres, Beunruhigenderes: die Frage, die sich in den letzten Jahrzehnten — oder waren es bereits Jahrhunderte gewesen? Die Zeitrechnung selbst war innerhalb des Immateriums zu einer unzuverlässigen, fast bedeutungslosen Größe geworden — mit wachsender, unabweisbarer Beharrlichkeit in seinem Bewusstsein festgesetzt hatte: ob das Blut, das er vergoss, überhaupt noch jemanden erreichte, oder ob er, all die Jahre, lediglich in eine Leere hinein geopfert hatte, die ihm ebenso taub erschien wie jener Gott, den er einst, auf Colchis, vor seiner eigenen Geburt in diesen Krieg, verlassen hatte.
Er erhob sich, seine uralte Mark-III-Rüstung — ein Relikt seiner ersten Jahrzehnte des Dienstes, noch aus den Tagen, als er unter Kol Badar Corophaeus auf den zerbrochenen Feldern von Calth gekämpft hatte, lange bevor Calth selbst zu einem Namen wurde, den die Überlebenden beider Seiten mit unterschiedlichen, aber gleichermaßen unauslöschlichen Bitterkeiten aussprachen — mit jenem vertrauten, schmerzhaften Knirschen von Gelenken, die seit Jahrtausenden mehr durch Sturheit als durch tatsächliche Wartung funktionierten, und wandte sich von dem Altar ab, um durch die endlosen, von schwachem, rotem Licht durchzogenen Korridore des *Kelch der Offenbarung* zurück zu seinen eigenen Gemächern zu gehen.
Das Schiff selbst — eine Fregatte, deren ursprüngliche Klassifikation in den offiziellen Registern der Legion längst durch zehntausend Jahre unregulierter, chaotischer Modifikation unkenntlich geworden war, ihre Rümpfe mit Trophäen, Ketten und den eingebrannten Verzierungen unzähliger, längst vergessener Rituale bedeckt — war, wie Kranon es in den seltenen Momenten philosophischer Klarheit zu formulieren pflegte, die er sich noch gestattete, weniger ein Fahrzeug als ein Sarg, der zufällig noch immer funktionierte.
Sie waren verloren, im buchstäblichsten und grausamsten Sinne, den dieses Wort innerhalb der Weiten des Immateriums annehmen konnte — nicht verloren wie ein Schiff, das seinen Kurs verfehlt und nach einigen Wochen oder Monaten wieder in den Realraum zurückfindet, sondern verloren auf eine Weise, die Kranon selbst nach all den Jahrhunderten nicht vollständig zu begreifen vermochte, gefangen in einem Strom des Warp, der sie, gemäß den fragmentarischen und zunehmend widersprüchlichen Berechnungen ihres wahnsinnigen, uralten Navigators, weder vorwärts noch rückwärts, sondern gewissermaßen seitwärts durch die Zeit selbst trug, sodass Jahrzehnte draußen im Realraum vergehen mochten, während an Bord des *Kelch der Offenbarung* kaum mehr als Wochen verstrichen — oder, ebenso plausibel gemäß den Theorien, die im Laufe der Jahrhunderte unter den überlebenden Offizieren kursierten, umgekehrt.
II. DER KELCH DER OFFENBARUNGII. DER KELCH DER OFFENBARUNG
Kranon war jung gewesen — jung im Sinne der Legion, was für einen Astartes noch immer mehrere Jahrzehnte bedeutete — als Kor Phaeron ihn dem Korps von Kol Badar Corophaeus zugeteilt hatte, in den letzten, verzweifelten Monaten vor Calth, und er erinnerte sich, mit einer Klarheit, die selbst zehntausend Jahre späterer Erfahrung nicht vollständig hatte trüben können, an jene erste Begegnung mit Corophaeus auf dem zerstörten Feld, an die Worte, die der First Captain — den man in der eigenen Zunge der Legion, in Erinnerung an die alten Ränge der Kreuzzugsära, gelegentlich noch Coryphaeus nannte — zu ihm gesprochen hatte, als er verlangte, dass Kranon Erebus eine Antwort überbringe, die Erebus nicht gefallen würde.
*Das Wort ist geduldig*, hatte Corophaeus gesagt, eine Formulierung, die sich in Kranons Gedächtnis festgesetzt hatte wie kaum eine andere aus jenen ersten, formenden Jahren seines Dienstes, und die er, in den folgenden Jahrtausenden, wieder und wieder heraufbeschworen hatte, in Momenten des Zweifels, als eine Art Anker, an den er sich klammern konnte, wenn alles andere um ihn herum unsicher wurde.
Er hatte Corophaeus nach Calth nicht wiedergesehen — der Coryphaeus war, wie es das Schicksal so vieler Word Bearers jener Generation wollte, in einem der zahllosen Gefechte der späteren Häresie gefallen, sein Name inzwischen mehr Legende als tatsächliche Erinnerung selbst unter jenen wenigen Veteranen, die alt genug waren, um sich an ihn zu erinnern —, aber jene Geduld, die Corophaeus gepredigt hatte, jener Glaube, dass das Wort, richtig gesprochen, richtig gelebt, sich letztlich durchsetzen würde, ganz gleich, wie lange es dauerte, hatte Kranon durch die folgenden Jahrhunderte seines Dienstes getragen — durch die Große Säuberung, durch die endlosen, sich wiederholenden Zyklen von Kreuzzügen und Rückzügen im Auge des Schreckens, durch das lange, langsame Verblassen jener ersten, fanatischen Gewissheit, die ihn als jungen Mann aus Colchis überhaupt erst dazu bewogen hatte, sich Lorgars Wort zu verschreiben.
Wie sie in das Immaterium geraten waren, aus dem sie seither nicht mehr herausgefunden hatten, war eine Geschichte, die Kranon selbst, nach so vielen Jahrhunderten der Wiederholung, kaum noch mit Gewissheit von der Legende zu unterscheiden vermochte, die sich um sie gebildet hatte — eine fehlgeschlagene Warp-Passage, während eines Kreuzzugs gegen eine imperiale Grenzwelt, deren Namen niemand an Bord sich noch zu erinnern behauptete, ein Sturm, der stärker gewesen war als jede Berechnung ihres damaligen Navigators, und dann, ganz plötzlich, die Erkenntnis, dass der Realraum, in den sie zurückzukehren versuchten, sich weigerte, sie wieder aufzunehmen, als hätte das Immaterium selbst beschlossen, dass der *Kelch der Offenbarung* und seine Besatzung ihm nun gehörten, für eine Dauer, die niemand vorherzusagen vermochte.
Die ursprüngliche Besatzung des Schiffes hatte, gemäß den fragmentarischen Aufzeichnungen, die Kranon in den ältesten Archiven des Sanktumsdecks gefunden hatte, aus über zweihundert Astartes bestanden, unterstützt von mehreren tausend menschlichen Thralls und Kultisten, eine vollständige Kompanie im klassischen Sinne der Legion, ausgerüstet für einen Kreuzzug, der Wochen, vielleicht Monate hätte dauern sollen. Was von dieser Kompanie inzwischen übrig geblieben war, nach — Kranons beste Schätzung, basierend auf den Berechnungen des Navigators, belief sich auf irgendetwas zwischen achttausend und zehntausend Standardjahren, eine Unsicherheit, die selbst diese grobe Zeitangabe fast bedeutungslos machte —, ließ sich an den Fingern zweier Hände abzählen: siebzehn Astartes, von denen mehrere inzwischen so weit von Mutation und den subtileren, aber ebenso unaufhaltsamen Auswirkungen langfristiger Immaterium-Exposition gezeichnet waren, dass sie kaum noch als das erkennbar waren, was sie einst gewesen waren, unterstützt von einer schwindenden Population menschlicher Nachkommen jener ursprünglichen Thralls, die, über Generationen innerhalb der geschlossenen, klaustrophobischen Umgebung des Schiffes geboren, aufgewachsen und gestorben, eine eigene, seltsame Kultur entwickelt hatten, deren zentrales, alles durchdringendes Element die Verehrung jener Astartes war, die sie als lebende Boten der Dunklen Götter selbst betrachteten.
Man nannte sie, unter sich selbst, mit einer Ironie, die im Laufe der Jahrhunderte zu einer Art trotzigem, verzweifeltem Stolz mutiert war, *die Verlorenen* — ein Name, den, wie Kranon es sich erinnerte, ursprünglich ein Sergeant namens Vrehl geprägt hatte, in den ersten Jahrzehnten ihrer Isolation, als bittere, selbstironische Anerkennung ihrer Situation, der sich jedoch, über die folgenden Jahrhunderte, zu etwas verwandelt hatte, das der Bezeichnung einer Legion, eines eigenständigen, wenn auch winzigen Ordens innerhalb der größeren, unerreichbaren Struktur der Word Bearers, näherkam als einer bloßen Beschreibung ihres Schicksals.
Vrehl selbst war seit Jahrhunderten tot, gefallen in einem der seltenen, aber stets verheerenden Zwischenfälle, wenn das Immaterium selbst — oder was auch immer innerhalb seiner unergründlichen Tiefen tatsächlich existierte — beschloss, die dünne, von einem sterbenden Gellar-Feld aufrechterhaltene Barriere zwischen dem *Kelch der Offenbarung* und den Schrecken zu testen, die jenseits ihrer Schiffshülle lauerten. Kranon war, von den ursprünglichen Offizieren jener ersten, verlorenen Kompanie, der einzige verbliebene Überlebende, ein Umstand, der ihm über die Jahrhunderte eine Autorität verliehen hatte, die weniger auf seinem tatsächlichen Rang als Dunkler Apostel beruhte als auf der schieren, unbestreitbaren Tatsache seines Überlebens, in einer Umgebung, in der das bloße Überleben selbst zunehmend als eine Art Gunst der Götter interpretiert wurde, ganz gleich, wie hohl sich diese Interpretation für Kranon selbst inzwischen anfühlte.
Er erreichte seine eigenen Gemächer — eine kleine, kaum möblierte Kammer, deren einzige Verzierung aus einem einzelnen, jahrtausendealten Psalter bestand, den er aus Colchis selbst mitgebracht hatte, bevor Colchis, bevor die Legion, bevor überhaupt irgendetwas von dem, was sein gegenwärtiges Leben ausmachte, existiert hatte —, und setzte sich, mit jener bedächtigen Langsamkeit, die seine uralte, kaum noch wartbare Rüstung ihm aufzwang, an den kleinen, provisorischen Schreibtisch, an dem er, seit Jahrhunderten, seine eigenen, privaten Aufzeichnungen führte, ein Ritual, das er selbst niemandem an Bord offenbart hatte, weil es, wie er sehr genau wusste, in den Augen eines wahrhaft hingegebenen Dienstes an das Wort als eine Form von Schwäche gegolten hätte — die Aufzeichnung nicht der Siege oder der Rituale, sondern der Zweifel selbst.
Kranon war jung gewesen — jung im Sinne der Legion, was für einen Astartes noch immer mehrere Jahrzehnte bedeutete — als Kor Phaeron ihn dem Korps von Kol Badar Corophaeus zugeteilt hatte, in den letzten, verzweifelten Monaten vor Calth, und er erinnerte sich, mit einer Klarheit, die selbst zehntausend Jahre späterer Erfahrung nicht vollständig hatte trüben können, an jene erste Begegnung mit Corophaeus auf dem zerstörten Feld, an die Worte, die der First Captain — den man in der eigenen Zunge der Legion, in Erinnerung an die alten Ränge der Kreuzzugsära, gelegentlich noch Coryphaeus nannte — zu ihm gesprochen hatte, als er verlangte, dass Kranon Erebus eine Antwort überbringe, die Erebus nicht gefallen würde.
*Das Wort ist geduldig*, hatte Corophaeus gesagt, eine Formulierung, die sich in Kranons Gedächtnis festgesetzt hatte wie kaum eine andere aus jenen ersten, formenden Jahren seines Dienstes, und die er, in den folgenden Jahrtausenden, wieder und wieder heraufbeschworen hatte, in Momenten des Zweifels, als eine Art Anker, an den er sich klammern konnte, wenn alles andere um ihn herum unsicher wurde.
Er hatte Corophaeus nach Calth nicht wiedergesehen — der Coryphaeus war, wie es das Schicksal so vieler Word Bearers jener Generation wollte, in einem der zahllosen Gefechte der späteren Häresie gefallen, sein Name inzwischen mehr Legende als tatsächliche Erinnerung selbst unter jenen wenigen Veteranen, die alt genug waren, um sich an ihn zu erinnern —, aber jene Geduld, die Corophaeus gepredigt hatte, jener Glaube, dass das Wort, richtig gesprochen, richtig gelebt, sich letztlich durchsetzen würde, ganz gleich, wie lange es dauerte, hatte Kranon durch die folgenden Jahrhunderte seines Dienstes getragen — durch die Große Säuberung, durch die endlosen, sich wiederholenden Zyklen von Kreuzzügen und Rückzügen im Auge des Schreckens, durch das lange, langsame Verblassen jener ersten, fanatischen Gewissheit, die ihn als jungen Mann aus Colchis überhaupt erst dazu bewogen hatte, sich Lorgars Wort zu verschreiben.
Wie sie in das Immaterium geraten waren, aus dem sie seither nicht mehr herausgefunden hatten, war eine Geschichte, die Kranon selbst, nach so vielen Jahrhunderten der Wiederholung, kaum noch mit Gewissheit von der Legende zu unterscheiden vermochte, die sich um sie gebildet hatte — eine fehlgeschlagene Warp-Passage, während eines Kreuzzugs gegen eine imperiale Grenzwelt, deren Namen niemand an Bord sich noch zu erinnern behauptete, ein Sturm, der stärker gewesen war als jede Berechnung ihres damaligen Navigators, und dann, ganz plötzlich, die Erkenntnis, dass der Realraum, in den sie zurückzukehren versuchten, sich weigerte, sie wieder aufzunehmen, als hätte das Immaterium selbst beschlossen, dass der *Kelch der Offenbarung* und seine Besatzung ihm nun gehörten, für eine Dauer, die niemand vorherzusagen vermochte.
Die ursprüngliche Besatzung des Schiffes hatte, gemäß den fragmentarischen Aufzeichnungen, die Kranon in den ältesten Archiven des Sanktumsdecks gefunden hatte, aus über zweihundert Astartes bestanden, unterstützt von mehreren tausend menschlichen Thralls und Kultisten, eine vollständige Kompanie im klassischen Sinne der Legion, ausgerüstet für einen Kreuzzug, der Wochen, vielleicht Monate hätte dauern sollen. Was von dieser Kompanie inzwischen übrig geblieben war, nach — Kranons beste Schätzung, basierend auf den Berechnungen des Navigators, belief sich auf irgendetwas zwischen achttausend und zehntausend Standardjahren, eine Unsicherheit, die selbst diese grobe Zeitangabe fast bedeutungslos machte —, ließ sich an den Fingern zweier Hände abzählen: siebzehn Astartes, von denen mehrere inzwischen so weit von Mutation und den subtileren, aber ebenso unaufhaltsamen Auswirkungen langfristiger Immaterium-Exposition gezeichnet waren, dass sie kaum noch als das erkennbar waren, was sie einst gewesen waren, unterstützt von einer schwindenden Population menschlicher Nachkommen jener ursprünglichen Thralls, die, über Generationen innerhalb der geschlossenen, klaustrophobischen Umgebung des Schiffes geboren, aufgewachsen und gestorben, eine eigene, seltsame Kultur entwickelt hatten, deren zentrales, alles durchdringendes Element die Verehrung jener Astartes war, die sie als lebende Boten der Dunklen Götter selbst betrachteten.
Man nannte sie, unter sich selbst, mit einer Ironie, die im Laufe der Jahrhunderte zu einer Art trotzigem, verzweifeltem Stolz mutiert war, *die Verlorenen* — ein Name, den, wie Kranon es sich erinnerte, ursprünglich ein Sergeant namens Vrehl geprägt hatte, in den ersten Jahrzehnten ihrer Isolation, als bittere, selbstironische Anerkennung ihrer Situation, der sich jedoch, über die folgenden Jahrhunderte, zu etwas verwandelt hatte, das der Bezeichnung einer Legion, eines eigenständigen, wenn auch winzigen Ordens innerhalb der größeren, unerreichbaren Struktur der Word Bearers, näherkam als einer bloßen Beschreibung ihres Schicksals.
Vrehl selbst war seit Jahrhunderten tot, gefallen in einem der seltenen, aber stets verheerenden Zwischenfälle, wenn das Immaterium selbst — oder was auch immer innerhalb seiner unergründlichen Tiefen tatsächlich existierte — beschloss, die dünne, von einem sterbenden Gellar-Feld aufrechterhaltene Barriere zwischen dem *Kelch der Offenbarung* und den Schrecken zu testen, die jenseits ihrer Schiffshülle lauerten. Kranon war, von den ursprünglichen Offizieren jener ersten, verlorenen Kompanie, der einzige verbliebene Überlebende, ein Umstand, der ihm über die Jahrhunderte eine Autorität verliehen hatte, die weniger auf seinem tatsächlichen Rang als Dunkler Apostel beruhte als auf der schieren, unbestreitbaren Tatsache seines Überlebens, in einer Umgebung, in der das bloße Überleben selbst zunehmend als eine Art Gunst der Götter interpretiert wurde, ganz gleich, wie hohl sich diese Interpretation für Kranon selbst inzwischen anfühlte.
Er erreichte seine eigenen Gemächer — eine kleine, kaum möblierte Kammer, deren einzige Verzierung aus einem einzelnen, jahrtausendealten Psalter bestand, den er aus Colchis selbst mitgebracht hatte, bevor Colchis, bevor die Legion, bevor überhaupt irgendetwas von dem, was sein gegenwärtiges Leben ausmachte, existiert hatte —, und setzte sich, mit jener bedächtigen Langsamkeit, die seine uralte, kaum noch wartbare Rüstung ihm aufzwang, an den kleinen, provisorischen Schreibtisch, an dem er, seit Jahrhunderten, seine eigenen, privaten Aufzeichnungen führte, ein Ritual, das er selbst niemandem an Bord offenbart hatte, weil es, wie er sehr genau wusste, in den Augen eines wahrhaft hingegebenen Dienstes an das Wort als eine Form von Schwäche gegolten hätte — die Aufzeichnung nicht der Siege oder der Rituale, sondern der Zweifel selbst.
III. DIE VERLORENENIII. DIE VERLORENEN
Das Leben an Bord des *Kelch der Offenbarung*, in den Jahrhunderten seit dem Verlust ihres Kurses, hatte sich in eine Reihe distinkter, aber gleichermaßen erschöpfter Reaktionen auf ihre gemeinsame Situation aufgeteilt, Muster, die Kranon, mit der distanzierten Klarheit eines Mannes, der selbst außerhalb dieser Muster zu stehen begonnen hatte, über die Jahrhunderte mit wachsender Präzision zu kategorisieren gelernt hatte.
Da waren jene, wie der Gal-Vorbak-Champion Ur-Thagoth, deren Antwort auf die Isolation eine Intensivierung ihrer ursprünglichen Hingabe gewesen war, eine Verschärfung des Glaubens, die sich selbst nährte, je weniger äußere Bestätigung sie fand — als könnte die schiere Kraft der eigenen Überzeugung die Stille kompensieren, die von der anderen Seite zurückkam. Thagoth, dessen Fleisch in den Jahrzehnten nach seiner Gal-Vorbak-Weihe eine Reihe von Mutationen durchlaufen hatte, die ihn zunehmend als Gefäß für etwas erscheinen ließen, das größer war als er selbst — zusätzliche, chitinöse Platten, die sich über seine ursprüngliche Kraftrüstung geschoben hatten, ein zweites, kleineres Augenpaar, das sich unter seinem rechten Kieferknochen entwickelt hatte und dessen Zweck selbst er nicht vollständig zu erklären vermochte —, betrachtete das anhaltende Schweigen der Götter nicht als Beweis ihrer Abwesenheit, sondern als eine Prüfung, deren Bestehen letztlich in einer umso größeren, umso spektakuläreren Belohnung münden würde, wenn nur die Hingabe der Verlorenen ausreichend, ausreichend rein, ausreichend kompromisslos blieb.
Andere hatten den entgegengesetzten Weg beschritten — Sergeant Malkor, einer der wenigen verbliebenen Offiziere aus Kranons eigener Generation, hatte sich, über die letzten drei Jahrhunderte, zunehmend in eine Form nihilistischer Gewalt zurückgezogen, die selbst innerhalb der ohnehin schon brutalen Normen der Verlorenen als exzessiv galt — Gewalt, die keinen erkennbaren rituellen oder theologischen Zweck mehr verfolgte, sondern lediglich, wie Kranon es zu verstehen glaubte, ein Ventil für eine Verzweiflung darstellte, die Malkor selbst niemals in Worte zu fassen bereit gewesen wäre.
Und dann gab es jene, deren Zahl über die Jahrhunderte am stärksten gewachsen war, unter den menschlichen Nachkommen der ursprünglichen Thralls im Besonderen — Menschen, die, in Ermangelung jeder anderen Realität, jeder anderen Existenzform, die sie jemals gekannt hatten, die Verehrung der Astartes und der Rituale, die das Leben an Bord strukturierten, mit einer Art unschuldiger, fast kindlicher Aufrichtigkeit praktizierten, die Kranon manchmal, in seinen dunkelsten Momenten, als das Traurigste an ihrer gesamten Situation erschien — Generationen von Menschen, geboren und aufgewachsen in einem Sarg, der ihnen als das gesamte Universum präsentiert wurde, deren Glaube an die Dunklen Götter nicht auf Erfahrung oder persönlicher Offenbarung beruhte, sondern lediglich auf der Tatsache, dass es die einzige Geschichte war, die man ihnen je erzählt hatte.
Kranon selbst hatte, in den letzten Jahrhunderten, begonnen, sich zunehmend von den täglichen Ritualen der Kompanie zu distanzieren, eine Distanzierung, die er sorgfältig als zunehmende spirituelle Disziplin, als Rückzug in tiefere, kontemplativere Formen der Andacht zu maskieren versucht hatte, aber die, wie er sich selbst in den ehrlichsten Momenten seiner privaten Aufzeichnungen eingestand, tatsächlich etwas anderes war — eine wachsende Unfähigkeit, die Rituale mit derselben Überzeugung zu vollziehen, die sie einst getragen hatte, eine Erschöpfung, die keine Anzahl wiederholter Litaneien zu überwinden vermochte.
Das tägliche Leben an Bord des *Kelch der Offenbarung* hatte sich, über die Jahrhunderte der Isolation, zu einem eigenen, in sich geschlossenen Ökosystem aus Ritual, Arbeit und einer Form kultureller Erinnerung entwickelt, die selbst Kranon, dessen gesamte Existenz von der uralten, aus Colchis stammenden Tradition der Legion geprägt war, gelegentlich mit einer Mischung aus Faszination und Beklemmung betrachtete. Die menschlichen Nachkommen der ursprünglichen Thralls hatten, in Ermangelung jedes Kontakts zur weiteren Galaxis, eine eigene, mündlich überlieferte Mythologie entwickelt, in der die Astartes selbst, insbesondere jene, die im Laufe der Jahrhunderte im Dienst gefallen waren, zu einer Art Pantheon untergeordneter, aber dennoch verehrter Figuren wurden, deren Taten und Opfer in zunehmend ausgeschmückten, von Generation zu Generation weitergegebenen Erzählungen verewigt wurden.
Die Arbeit selbst, die das Überleben des Schiffes seit Jahrtausenden sicherstellte, war zwischen den verschiedenen menschlichen Sippen aufgeteilt, die sich im Laufe der Isolation herausgebildet hatten — die Techniker-Sippen, die für die Wartung der zunehmend unzuverlässigen Maschinerie des Schiffes verantwortlich waren, mit einem Wissen, das eher aus generationenübergreifender, ritualisierter Praxis als aus tatsächlichem technischem Verständnis bestand; die Züchter-Sippen, die in den kargen, künstlich beleuchteten Kammern des unteren Decks jene spärlichen Nahrungsmittel kultivierten, die das Überleben der gesamten Bevölkerung sicherten; und die Blut-Sippen, wie man sie nannte, deren Mitglieder sich, gemäß einer über Generationen etablierten Tradition freiwilliger Hingabe, für die periodischen Opferrituale zur Verfügung stellten, in dem Glauben, dass ein solches Opfer die höchste, bedeutsamste Form des Dienstes darstelle, die ein Mensch den Astartes und den Göttern, denen sie dienten, erweisen konnte.
Kranon hatte, in den früheren Jahrhunderten seines Dienstes, diese sich entwickelnde, zunehmend eigenständige Kultur mit einer gewissen distanzierten Zufriedenheit betrachtet, als Beweis dafür, dass selbst unter den extremsten Bedingungen der Isolation der grundlegende Glaube an das Wort sich als widerstandsfähig genug erwies, um eine eigene, funktionierende Gesellschaft zu tragen. Erst in den letzten Jahrzehnten hatte er begonnen, in dieser Widerstandsfähigkeit auch etwas Tragischeres zu erkennen — die Erkenntnis, dass diese Menschen, geboren in eine Existenz, die ihnen keine andere Wahl bot, einen Glauben praktizierten, der weniger auf persönlicher Überzeugung beruhte als auf der schlichten Abwesenheit jeder Alternative, ein Umstand, der die Frage nach der Aufrichtigkeit oder Bedeutung dieses Glaubens auf eine Weise komplizierte, die Kranon selbst sich nur ungern eingestand.
„Du hältst dich zurück“, sagte Thagoth, an jenem Tag — oder war es eine Nacht gewesen, eine Unterscheidung, die innerhalb des ewigen, roten Zwielichts des Schiffes zunehmend bedeutungslos geworden war —, als er Kranons Gemächer ohne die übliche Vorankündigung betrat, seine mutierte Gestalt die niedrige Türöffnung nur mit sichtbarer Mühe durchquerend. „Bei der letzten Opferung. Ich habe es bemerkt. Die anderen haben es vielleicht nicht bemerkt, aber ich habe es bemerkt.“
„Ich vollziehe die Rituale mit derselben Sorgfalt wie immer“, sagte Kranon, seine Stimme mit jener geübten, kontrollierten Neutralität versehen, die er über die Jahrhunderte perfektioniert hatte, um genau solche Konfrontationen zu überstehen, ohne die tieferen Zweifel zu offenbaren, die sie über die letzten Jahrzehnte zunehmend beherbergten. „Sorgfalt ist nicht dasselbe wie Begeisterung, Champion. Ich bin kein junger Novize mehr, der bei jeder Litanei vor Ehrfurcht zittert.“
„Das ist nicht, was ich meine“, sagte Thagoth, seine zusätzlichen Augen — jene beunruhigenden, unter seinem Kiefer verborgenen Organe — sich mit einer eigenen, unabhängigen Bewegung auf Kranon richtend, während seine ursprünglichen Augen ihn weiterhin direkt musterten, eine Doppelaufmerksamkeit, die Kranon selbst nach Jahrzehnten der Gewöhnung noch immer unbehaglich fand. „Ich meine die Leere in deiner Stimme, wenn du die Namen sprichst. Ich meine die Art, wie du das Blut betrachtest, nachdem es geflossen ist, als würdest du auf etwas warten, das nicht kommt, und als hättest du bereits akzeptiert, dass es niemals kommen wird.“
Es war eine Beobachtung, die näher an die Wahrheit heranreichte, als Kranon sich in diesem Moment einzugestehen bereit war, und er spürte, wie sich etwas in ihm verspannte — nicht Furcht im klassischen Sinne, denn Furcht vor dem Tod hatte er vor Jahrtausenden hinter sich gelassen, sondern etwas Subtileres, eine Art existenzielle Wachsamkeit, die ihn daran erinnerte, dass Zweifel, innerhalb der Hierarchie der Word Bearers, niemals als bloße private Angelegenheit betrachtet wurde, sondern als eine Bedrohung für die Kohäsion des gesamten Glaubenskörpers, eine Bedrohung, die, wenn sie identifiziert wurde, gemäß den ältesten und unerbittlichsten Traditionen der Legion behandelt wurde.
„Du überschreitest deine Grenzen, Champion“, sagte Kranon, seine Stimme jetzt mit einer schärferen, autoritäreren Kante versehen, die er sich über Jahrtausende des Kommandos angeeignet hatte. „Ich bin der Dunkle Apostel dieser Kompanie, der letzte verbliebene Offizier aus der ursprünglichen Besatzung. Meine Hingabe steht nicht zur Debatte, am wenigsten von einem Champion, der seine eigene Weihe erst vor drei Jahrhunderten empfangen hat.“
Thagoth verneigte sich, eine Geste, die trotz ihrer formalen Korrektheit eine unverkennbare Spur von Trotz trug, bevor er sich zurückzog, aber Kranon wusste, mit einer Gewissheit, die ihm selbst wenig Trost bot, dass diese Konfrontation nicht die letzte ihrer Art sein würde — dass Thagoths Verdacht, einmal ausgesprochen, nicht wieder vollständig zum Schweigen gebracht werden würde, und dass die Zeit, die ihm noch blieb, um seine eigenen, wachsenden Zweifel zu verbergen, zunehmend begrenzt war.
Das Leben an Bord des *Kelch der Offenbarung*, in den Jahrhunderten seit dem Verlust ihres Kurses, hatte sich in eine Reihe distinkter, aber gleichermaßen erschöpfter Reaktionen auf ihre gemeinsame Situation aufgeteilt, Muster, die Kranon, mit der distanzierten Klarheit eines Mannes, der selbst außerhalb dieser Muster zu stehen begonnen hatte, über die Jahrhunderte mit wachsender Präzision zu kategorisieren gelernt hatte.
Da waren jene, wie der Gal-Vorbak-Champion Ur-Thagoth, deren Antwort auf die Isolation eine Intensivierung ihrer ursprünglichen Hingabe gewesen war, eine Verschärfung des Glaubens, die sich selbst nährte, je weniger äußere Bestätigung sie fand — als könnte die schiere Kraft der eigenen Überzeugung die Stille kompensieren, die von der anderen Seite zurückkam. Thagoth, dessen Fleisch in den Jahrzehnten nach seiner Gal-Vorbak-Weihe eine Reihe von Mutationen durchlaufen hatte, die ihn zunehmend als Gefäß für etwas erscheinen ließen, das größer war als er selbst — zusätzliche, chitinöse Platten, die sich über seine ursprüngliche Kraftrüstung geschoben hatten, ein zweites, kleineres Augenpaar, das sich unter seinem rechten Kieferknochen entwickelt hatte und dessen Zweck selbst er nicht vollständig zu erklären vermochte —, betrachtete das anhaltende Schweigen der Götter nicht als Beweis ihrer Abwesenheit, sondern als eine Prüfung, deren Bestehen letztlich in einer umso größeren, umso spektakuläreren Belohnung münden würde, wenn nur die Hingabe der Verlorenen ausreichend, ausreichend rein, ausreichend kompromisslos blieb.
Andere hatten den entgegengesetzten Weg beschritten — Sergeant Malkor, einer der wenigen verbliebenen Offiziere aus Kranons eigener Generation, hatte sich, über die letzten drei Jahrhunderte, zunehmend in eine Form nihilistischer Gewalt zurückgezogen, die selbst innerhalb der ohnehin schon brutalen Normen der Verlorenen als exzessiv galt — Gewalt, die keinen erkennbaren rituellen oder theologischen Zweck mehr verfolgte, sondern lediglich, wie Kranon es zu verstehen glaubte, ein Ventil für eine Verzweiflung darstellte, die Malkor selbst niemals in Worte zu fassen bereit gewesen wäre.
Und dann gab es jene, deren Zahl über die Jahrhunderte am stärksten gewachsen war, unter den menschlichen Nachkommen der ursprünglichen Thralls im Besonderen — Menschen, die, in Ermangelung jeder anderen Realität, jeder anderen Existenzform, die sie jemals gekannt hatten, die Verehrung der Astartes und der Rituale, die das Leben an Bord strukturierten, mit einer Art unschuldiger, fast kindlicher Aufrichtigkeit praktizierten, die Kranon manchmal, in seinen dunkelsten Momenten, als das Traurigste an ihrer gesamten Situation erschien — Generationen von Menschen, geboren und aufgewachsen in einem Sarg, der ihnen als das gesamte Universum präsentiert wurde, deren Glaube an die Dunklen Götter nicht auf Erfahrung oder persönlicher Offenbarung beruhte, sondern lediglich auf der Tatsache, dass es die einzige Geschichte war, die man ihnen je erzählt hatte.
Kranon selbst hatte, in den letzten Jahrhunderten, begonnen, sich zunehmend von den täglichen Ritualen der Kompanie zu distanzieren, eine Distanzierung, die er sorgfältig als zunehmende spirituelle Disziplin, als Rückzug in tiefere, kontemplativere Formen der Andacht zu maskieren versucht hatte, aber die, wie er sich selbst in den ehrlichsten Momenten seiner privaten Aufzeichnungen eingestand, tatsächlich etwas anderes war — eine wachsende Unfähigkeit, die Rituale mit derselben Überzeugung zu vollziehen, die sie einst getragen hatte, eine Erschöpfung, die keine Anzahl wiederholter Litaneien zu überwinden vermochte.
Das tägliche Leben an Bord des *Kelch der Offenbarung* hatte sich, über die Jahrhunderte der Isolation, zu einem eigenen, in sich geschlossenen Ökosystem aus Ritual, Arbeit und einer Form kultureller Erinnerung entwickelt, die selbst Kranon, dessen gesamte Existenz von der uralten, aus Colchis stammenden Tradition der Legion geprägt war, gelegentlich mit einer Mischung aus Faszination und Beklemmung betrachtete. Die menschlichen Nachkommen der ursprünglichen Thralls hatten, in Ermangelung jedes Kontakts zur weiteren Galaxis, eine eigene, mündlich überlieferte Mythologie entwickelt, in der die Astartes selbst, insbesondere jene, die im Laufe der Jahrhunderte im Dienst gefallen waren, zu einer Art Pantheon untergeordneter, aber dennoch verehrter Figuren wurden, deren Taten und Opfer in zunehmend ausgeschmückten, von Generation zu Generation weitergegebenen Erzählungen verewigt wurden.
Die Arbeit selbst, die das Überleben des Schiffes seit Jahrtausenden sicherstellte, war zwischen den verschiedenen menschlichen Sippen aufgeteilt, die sich im Laufe der Isolation herausgebildet hatten — die Techniker-Sippen, die für die Wartung der zunehmend unzuverlässigen Maschinerie des Schiffes verantwortlich waren, mit einem Wissen, das eher aus generationenübergreifender, ritualisierter Praxis als aus tatsächlichem technischem Verständnis bestand; die Züchter-Sippen, die in den kargen, künstlich beleuchteten Kammern des unteren Decks jene spärlichen Nahrungsmittel kultivierten, die das Überleben der gesamten Bevölkerung sicherten; und die Blut-Sippen, wie man sie nannte, deren Mitglieder sich, gemäß einer über Generationen etablierten Tradition freiwilliger Hingabe, für die periodischen Opferrituale zur Verfügung stellten, in dem Glauben, dass ein solches Opfer die höchste, bedeutsamste Form des Dienstes darstelle, die ein Mensch den Astartes und den Göttern, denen sie dienten, erweisen konnte.
Kranon hatte, in den früheren Jahrhunderten seines Dienstes, diese sich entwickelnde, zunehmend eigenständige Kultur mit einer gewissen distanzierten Zufriedenheit betrachtet, als Beweis dafür, dass selbst unter den extremsten Bedingungen der Isolation der grundlegende Glaube an das Wort sich als widerstandsfähig genug erwies, um eine eigene, funktionierende Gesellschaft zu tragen. Erst in den letzten Jahrzehnten hatte er begonnen, in dieser Widerstandsfähigkeit auch etwas Tragischeres zu erkennen — die Erkenntnis, dass diese Menschen, geboren in eine Existenz, die ihnen keine andere Wahl bot, einen Glauben praktizierten, der weniger auf persönlicher Überzeugung beruhte als auf der schlichten Abwesenheit jeder Alternative, ein Umstand, der die Frage nach der Aufrichtigkeit oder Bedeutung dieses Glaubens auf eine Weise komplizierte, die Kranon selbst sich nur ungern eingestand.
„Du hältst dich zurück“, sagte Thagoth, an jenem Tag — oder war es eine Nacht gewesen, eine Unterscheidung, die innerhalb des ewigen, roten Zwielichts des Schiffes zunehmend bedeutungslos geworden war —, als er Kranons Gemächer ohne die übliche Vorankündigung betrat, seine mutierte Gestalt die niedrige Türöffnung nur mit sichtbarer Mühe durchquerend. „Bei der letzten Opferung. Ich habe es bemerkt. Die anderen haben es vielleicht nicht bemerkt, aber ich habe es bemerkt.“
„Ich vollziehe die Rituale mit derselben Sorgfalt wie immer“, sagte Kranon, seine Stimme mit jener geübten, kontrollierten Neutralität versehen, die er über die Jahrhunderte perfektioniert hatte, um genau solche Konfrontationen zu überstehen, ohne die tieferen Zweifel zu offenbaren, die sie über die letzten Jahrzehnte zunehmend beherbergten. „Sorgfalt ist nicht dasselbe wie Begeisterung, Champion. Ich bin kein junger Novize mehr, der bei jeder Litanei vor Ehrfurcht zittert.“
„Das ist nicht, was ich meine“, sagte Thagoth, seine zusätzlichen Augen — jene beunruhigenden, unter seinem Kiefer verborgenen Organe — sich mit einer eigenen, unabhängigen Bewegung auf Kranon richtend, während seine ursprünglichen Augen ihn weiterhin direkt musterten, eine Doppelaufmerksamkeit, die Kranon selbst nach Jahrzehnten der Gewöhnung noch immer unbehaglich fand. „Ich meine die Leere in deiner Stimme, wenn du die Namen sprichst. Ich meine die Art, wie du das Blut betrachtest, nachdem es geflossen ist, als würdest du auf etwas warten, das nicht kommt, und als hättest du bereits akzeptiert, dass es niemals kommen wird.“
Es war eine Beobachtung, die näher an die Wahrheit heranreichte, als Kranon sich in diesem Moment einzugestehen bereit war, und er spürte, wie sich etwas in ihm verspannte — nicht Furcht im klassischen Sinne, denn Furcht vor dem Tod hatte er vor Jahrtausenden hinter sich gelassen, sondern etwas Subtileres, eine Art existenzielle Wachsamkeit, die ihn daran erinnerte, dass Zweifel, innerhalb der Hierarchie der Word Bearers, niemals als bloße private Angelegenheit betrachtet wurde, sondern als eine Bedrohung für die Kohäsion des gesamten Glaubenskörpers, eine Bedrohung, die, wenn sie identifiziert wurde, gemäß den ältesten und unerbittlichsten Traditionen der Legion behandelt wurde.
„Du überschreitest deine Grenzen, Champion“, sagte Kranon, seine Stimme jetzt mit einer schärferen, autoritäreren Kante versehen, die er sich über Jahrtausende des Kommandos angeeignet hatte. „Ich bin der Dunkle Apostel dieser Kompanie, der letzte verbliebene Offizier aus der ursprünglichen Besatzung. Meine Hingabe steht nicht zur Debatte, am wenigsten von einem Champion, der seine eigene Weihe erst vor drei Jahrhunderten empfangen hat.“
Thagoth verneigte sich, eine Geste, die trotz ihrer formalen Korrektheit eine unverkennbare Spur von Trotz trug, bevor er sich zurückzog, aber Kranon wusste, mit einer Gewissheit, die ihm selbst wenig Trost bot, dass diese Konfrontation nicht die letzte ihrer Art sein würde — dass Thagoths Verdacht, einmal ausgesprochen, nicht wieder vollständig zum Schweigen gebracht werden würde, und dass die Zeit, die ihm noch blieb, um seine eigenen, wachsenden Zweifel zu verbergen, zunehmend begrenzt war.
IV. DAS ZITTERN DES SCHLEIERSIV. DAS ZITTERN DES SCHLEIERS
Die ersten Anzeichen, dass sich etwas innerhalb der Ströme des Immateriums, die den *Kelch der Offenbarung* seit so vielen Jahrhunderten gefangen hielten, zu verändern begann, manifestierten sich zunächst nicht als etwas, das Kranon oder irgendjemand anderes an Bord sofort als bedeutsam erkannt hätte, sondern als eine Reihe subtiler, fast unmerklicher Verschiebungen — ein Zittern in den Warp-Strömungen, das der wahnsinnige, uralte Navigator des Schiffes, ein Mann namens Ashkelis Vorr, dessen dritte, für die Navigation notwendige Auge längst zu einer pulsierenden, kaum noch als Auge erkennbaren Masse mutiert war, mit wachsender, fast hysterischer Erregung in seinen fragmentarischen, zunehmend unzusammenhängenden Berichten an Kranon zu beschreiben versuchte.
„Es reißt“, hatte Vorr gesagt, bei einer jener seltenen Gelegenheiten, zu denen Kranon sich in die abgeschottete, von beständigem psionischem Nachhall durchdrungene Kammer begab, in der der Navigator seinen einsamen, jahrtausendealten Wachdienst verrichtete. „Irgendwo draußen, im Realraum, reißt etwas — ein Riss, größer als alles, was ich je gesehen habe, größer als alles, was die alten Aufzeichnungen beschreiben. Ich kann es fühlen, durch die Ströme, wie eine Wunde, die sich durch die gesamte Galaxis zieht.“
Kranon, der über die Jahrhunderte gelernt hatte, Vorrs zunehmend fragmentierte Beobachtungen mit einer gesunden Skepsis zu behandeln, ohne sie jedoch vollständig zu verwerfen — der Navigator mochte wahnsinnig sein, aber sein Wahnsinn war, wie sich über die Jahrhunderte wiederholt gezeigt hatte, häufig von einer Art unheimlicher Präzision hinsichtlich der tatsächlichen Zustände des Immateriums begleitet —, hatte diese erste Warnung mit einer Mischung aus professioneller Vorsicht und, wie er sich selbst eingestehen musste, einer eigentümlichen, unerwarteten Regung entgegengenommen, die er erst nach einiger Selbstprüfung als Hoffnung identifizierte — eine Emotion, die er seit so langer Zeit nicht mehr bewusst empfunden hatte, dass ihre plötzliche Rückkehr ihn fast ebenso beunruhigte wie die Nachricht selbst, die sie ausgelöst hatte.
In den folgenden Wochen — oder Monaten, die Unterscheidung blieb, wie stets, unzuverlässig — begannen sich Vorrs Beobachtungen zu verdichten, zu einer Kohärenz zusammenzufinden, die selbst Kranon nicht mehr ignorieren konnte. Etwas Gewaltiges hatte sich im Realraum ereignet, ein Ereignis von einer Größenordnung, die die gesamte Topologie des Immateriums in ihrer unmittelbaren Umgebung zu verändern schien — eine Störung, die Vorr, in seinen klareren Momenten, als etwas beschrieb, das er sich nur als eine Art galaxisweite Wunde vorstellen konnte, eine Zerreißung des Schleiers zwischen den Dimensionen, deren Ausmaß jede vorherige Erfahrung seiner jahrtausendelangen Laufbahn als Navigator in den Schatten stellte.
Kranon versammelte, gemäß dem Protokoll, das die Verlorenen über die Jahrhunderte für genau solche außergewöhnlichen Umstände entwickelt hatten, die verbliebenen Offiziere der Kompanie in der Ratskammer — einem kargen, kaum beleuchteten Raum, dessen einzige Verzierung aus den Ehrenzeichen jener Astartes bestand, die im Laufe ihrer gemeinsamen Isolation gefallen waren —, um die Implikationen dessen zu erörtern, was Vorr beobachtet hatte.
„Wenn der Navigator recht hat“, sagte Thagoth, dessen anfängliche Skepsis gegenüber Vorrs Berichten sich in den letzten Wochen zu einer Art fiebriger, kaum verhohlener Erregung gewandelt hatte, „dann bedeutet das, dass die Götter selbst diese Wunde geschlagen haben. Ein Zeichen, First — ein Zeichen, dass die Zeit unserer Prüfung sich dem Ende zuneigt.“
„Oder es bedeutet lediglich, dass sich die Strömungen des Immateriums verändert haben, aus Gründen, die mit uns selbst nichts zu tun haben“, sagte Kranon, seine Stimme mit jener vorsichtigen, absichtlich gedämpften Neutralität versehen, die er in den letzten Jahrzehnten zunehmend als Schutzschild gegen genau jene Art fiebriger Interpretation kultiviert hatte, die Thagoth und andere zunehmend an den Tag legten. „Wir sollten uns hüten, jedes Ereignis, das wir nicht vollständig verstehen, als eine an uns persönlich gerichtete Botschaft zu deuten, Champion. Das ist der Fehler, den bereits zu viele gescheiterte Kulte vor uns begangen haben.“
„Und doch“, sagte Malkor, dessen Stimme, seit seinem zunehmenden Rückzug in nihilistische Gewalt, selten mehr als ein raues Knurren war, „ist es zum ersten Mal seit — wie vielen Jahrhunderten, Apostel? — dass sich überhaupt etwas verändert. Selbst wenn es kein Zeichen ist, könnte es eine Gelegenheit sein. Eine Verschiebung in den Strömungen, die uns endlich zurück in den Realraum trägt.“
Es war, wie Kranon sich eingestehen musste, ein Argument, dem er nur schwer zu widersprechen vermochte, ganz gleich, wie sehr seine eigenen, wachsenden Zweifel ihn dazu drängten, jede Hoffnung mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Wenn Vorrs Beobachtungen zutrafen, wenn tatsächlich etwas von historischer, vielleicht sogar kosmischer Bedeutung im Realraum geschehen war, dann war es durchaus plausibel, dass die daraus resultierenden Verschiebungen in den Strömungen des Immateriums ihnen genau jene Gelegenheit bieten könnten, nach der sie seit Jahrtausenden vergeblich gesucht hatten — eine Route zurück, ein Fenster, so schmal und flüchtig es auch sein mochte, durch das der *Kelch der Offenbarung* endlich seine jahrtausendealte Gefangenschaft beenden könnte.
„Wir werden Vorrs Berechnungen weiter verfolgen“, entschied Kranon schließlich, mit jener Autorität, die ihm sein Status als letzter überlebender Offizier der ursprünglichen Besatzung verlieh, eine Autorität, die, wie er sehr genau wusste, zunehmend fragiler wurde, je länger sein eigener, unausgesprochener Zweifel unentdeckt blieb. „Aber ich warne euch alle — wehe dem, der aus einer bloßen Verschiebung der Warp-Strömungen bereits ein garantiertes Zeichen der Erlösung macht. Die Götter, wenn sie überhaupt zuhören, haben uns lange genug schweigen lassen. Ich werde nicht zulassen, dass falsche Hoffnung uns zu unbedachten Handlungen verleitet, die uns mehr kosten könnten, als wir bereits verloren haben.“
Es war eine Warnung, die, wie Kranon in den folgenden Wochen mit wachsendem Unbehagen bemerkte, von Thagoth und seinen zunehmend zahlreicheren Anhängern unter den jüngeren Astartes und den menschlichen Nachkommen der Thralls kaum mehr beachtet wurde, während die Nachricht von der möglichen bevorstehenden Erlösung sich mit einer Geschwindigkeit durch die engen, klaustrophobischen Gänge des Schiffes verbreitete, die Kranon nur als eine Art kollektiven, lange unterdrückten Hunger nach genau jener Hoffnung interpretieren konnte, die er selbst sich seit so langer Zeit zu verwehren gezwungen war.
Die ersten Anzeichen, dass sich etwas innerhalb der Ströme des Immateriums, die den *Kelch der Offenbarung* seit so vielen Jahrhunderten gefangen hielten, zu verändern begann, manifestierten sich zunächst nicht als etwas, das Kranon oder irgendjemand anderes an Bord sofort als bedeutsam erkannt hätte, sondern als eine Reihe subtiler, fast unmerklicher Verschiebungen — ein Zittern in den Warp-Strömungen, das der wahnsinnige, uralte Navigator des Schiffes, ein Mann namens Ashkelis Vorr, dessen dritte, für die Navigation notwendige Auge längst zu einer pulsierenden, kaum noch als Auge erkennbaren Masse mutiert war, mit wachsender, fast hysterischer Erregung in seinen fragmentarischen, zunehmend unzusammenhängenden Berichten an Kranon zu beschreiben versuchte.
„Es reißt“, hatte Vorr gesagt, bei einer jener seltenen Gelegenheiten, zu denen Kranon sich in die abgeschottete, von beständigem psionischem Nachhall durchdrungene Kammer begab, in der der Navigator seinen einsamen, jahrtausendealten Wachdienst verrichtete. „Irgendwo draußen, im Realraum, reißt etwas — ein Riss, größer als alles, was ich je gesehen habe, größer als alles, was die alten Aufzeichnungen beschreiben. Ich kann es fühlen, durch die Ströme, wie eine Wunde, die sich durch die gesamte Galaxis zieht.“
Kranon, der über die Jahrhunderte gelernt hatte, Vorrs zunehmend fragmentierte Beobachtungen mit einer gesunden Skepsis zu behandeln, ohne sie jedoch vollständig zu verwerfen — der Navigator mochte wahnsinnig sein, aber sein Wahnsinn war, wie sich über die Jahrhunderte wiederholt gezeigt hatte, häufig von einer Art unheimlicher Präzision hinsichtlich der tatsächlichen Zustände des Immateriums begleitet —, hatte diese erste Warnung mit einer Mischung aus professioneller Vorsicht und, wie er sich selbst eingestehen musste, einer eigentümlichen, unerwarteten Regung entgegengenommen, die er erst nach einiger Selbstprüfung als Hoffnung identifizierte — eine Emotion, die er seit so langer Zeit nicht mehr bewusst empfunden hatte, dass ihre plötzliche Rückkehr ihn fast ebenso beunruhigte wie die Nachricht selbst, die sie ausgelöst hatte.
In den folgenden Wochen — oder Monaten, die Unterscheidung blieb, wie stets, unzuverlässig — begannen sich Vorrs Beobachtungen zu verdichten, zu einer Kohärenz zusammenzufinden, die selbst Kranon nicht mehr ignorieren konnte. Etwas Gewaltiges hatte sich im Realraum ereignet, ein Ereignis von einer Größenordnung, die die gesamte Topologie des Immateriums in ihrer unmittelbaren Umgebung zu verändern schien — eine Störung, die Vorr, in seinen klareren Momenten, als etwas beschrieb, das er sich nur als eine Art galaxisweite Wunde vorstellen konnte, eine Zerreißung des Schleiers zwischen den Dimensionen, deren Ausmaß jede vorherige Erfahrung seiner jahrtausendelangen Laufbahn als Navigator in den Schatten stellte.
Kranon versammelte, gemäß dem Protokoll, das die Verlorenen über die Jahrhunderte für genau solche außergewöhnlichen Umstände entwickelt hatten, die verbliebenen Offiziere der Kompanie in der Ratskammer — einem kargen, kaum beleuchteten Raum, dessen einzige Verzierung aus den Ehrenzeichen jener Astartes bestand, die im Laufe ihrer gemeinsamen Isolation gefallen waren —, um die Implikationen dessen zu erörtern, was Vorr beobachtet hatte.
„Wenn der Navigator recht hat“, sagte Thagoth, dessen anfängliche Skepsis gegenüber Vorrs Berichten sich in den letzten Wochen zu einer Art fiebriger, kaum verhohlener Erregung gewandelt hatte, „dann bedeutet das, dass die Götter selbst diese Wunde geschlagen haben. Ein Zeichen, First — ein Zeichen, dass die Zeit unserer Prüfung sich dem Ende zuneigt.“
„Oder es bedeutet lediglich, dass sich die Strömungen des Immateriums verändert haben, aus Gründen, die mit uns selbst nichts zu tun haben“, sagte Kranon, seine Stimme mit jener vorsichtigen, absichtlich gedämpften Neutralität versehen, die er in den letzten Jahrzehnten zunehmend als Schutzschild gegen genau jene Art fiebriger Interpretation kultiviert hatte, die Thagoth und andere zunehmend an den Tag legten. „Wir sollten uns hüten, jedes Ereignis, das wir nicht vollständig verstehen, als eine an uns persönlich gerichtete Botschaft zu deuten, Champion. Das ist der Fehler, den bereits zu viele gescheiterte Kulte vor uns begangen haben.“
„Und doch“, sagte Malkor, dessen Stimme, seit seinem zunehmenden Rückzug in nihilistische Gewalt, selten mehr als ein raues Knurren war, „ist es zum ersten Mal seit — wie vielen Jahrhunderten, Apostel? — dass sich überhaupt etwas verändert. Selbst wenn es kein Zeichen ist, könnte es eine Gelegenheit sein. Eine Verschiebung in den Strömungen, die uns endlich zurück in den Realraum trägt.“
Es war, wie Kranon sich eingestehen musste, ein Argument, dem er nur schwer zu widersprechen vermochte, ganz gleich, wie sehr seine eigenen, wachsenden Zweifel ihn dazu drängten, jede Hoffnung mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Wenn Vorrs Beobachtungen zutrafen, wenn tatsächlich etwas von historischer, vielleicht sogar kosmischer Bedeutung im Realraum geschehen war, dann war es durchaus plausibel, dass die daraus resultierenden Verschiebungen in den Strömungen des Immateriums ihnen genau jene Gelegenheit bieten könnten, nach der sie seit Jahrtausenden vergeblich gesucht hatten — eine Route zurück, ein Fenster, so schmal und flüchtig es auch sein mochte, durch das der *Kelch der Offenbarung* endlich seine jahrtausendealte Gefangenschaft beenden könnte.
„Wir werden Vorrs Berechnungen weiter verfolgen“, entschied Kranon schließlich, mit jener Autorität, die ihm sein Status als letzter überlebender Offizier der ursprünglichen Besatzung verlieh, eine Autorität, die, wie er sehr genau wusste, zunehmend fragiler wurde, je länger sein eigener, unausgesprochener Zweifel unentdeckt blieb. „Aber ich warne euch alle — wehe dem, der aus einer bloßen Verschiebung der Warp-Strömungen bereits ein garantiertes Zeichen der Erlösung macht. Die Götter, wenn sie überhaupt zuhören, haben uns lange genug schweigen lassen. Ich werde nicht zulassen, dass falsche Hoffnung uns zu unbedachten Handlungen verleitet, die uns mehr kosten könnten, als wir bereits verloren haben.“
Es war eine Warnung, die, wie Kranon in den folgenden Wochen mit wachsendem Unbehagen bemerkte, von Thagoth und seinen zunehmend zahlreicheren Anhängern unter den jüngeren Astartes und den menschlichen Nachkommen der Thralls kaum mehr beachtet wurde, während die Nachricht von der möglichen bevorstehenden Erlösung sich mit einer Geschwindigkeit durch die engen, klaustrophobischen Gänge des Schiffes verbreitete, die Kranon nur als eine Art kollektiven, lange unterdrückten Hunger nach genau jener Hoffnung interpretieren konnte, die er selbst sich seit so langer Zeit zu verwehren gezwungen war.
V. DER VERDACHTV. DER VERDACHT
Es dauerte, nach menschlichem Zeitempfinden, das an Bord des *Kelch der Offenbarung* ohnehin nur noch eine ungefähre, symbolische Bedeutung besaß, kaum mehr als drei Wochen, bis Thagoths wachsende Ungeduld mit Kranons vorsichtiger, zurückhaltender Führung sich in eine offenere, gefährlichere Form der Konfrontation verwandelte — eine Entwicklung, die Kranon, mit der distanzierten Klarheit eines Mannes, der solche Machtkämpfe bereits mehrfach in den Jahrhunderten seiner Führung der Verlorenen miterlebt hatte, kommen sah, lange bevor sie tatsächlich eintrat.
Es geschah während einer der großen, gemeinsamen Zeremonien, die die Verlorenen in unregelmäßigen, aber bedeutsamen Abständen abhielten — eine Versammlung nahezu der gesamten verbliebenen Bevölkerung des Schiffes im Sanktumsdeck, Astartes und menschliche Nachkommen gleichermaßen, um gemeinsam jene Litaneien zu sprechen, die, gemäß der ältesten Tradition der Legion, das kollektive Band zwischen der Kompanie und den Göttern erneuern sollten, denen sie dienten.
Kranon hatte die Zeremonie mit der gewohnten, äußerlich makellosen Präzision durchgeführt, jedes Wort, jede Geste exakt gemäß den überlieferten Formen, während er innerlich, wie so oft in den letzten Jahrzehnten, jene vertraute, erschöpfte Leere spürte, die sich zwischen ihn und die Bedeutung der Worte geschoben hatte, die er sprach. Es war Thagoth, der, in dem Moment, in dem die versammelte Menge zur abschließenden, gemeinsamen Anrufung überging, plötzlich vortrat, seine mutierte Gestalt sich vor der gesamten Versammlung aufrichtend, mit einer Geste, die selbst Kranon, trotz aller Vorbereitung auf einen solchen Moment, für einen Augenblick sprachlos machte.
„Ich fordere ein Zeugnis“, verkündete Thagoth, seine Stimme durch die natürliche Akustik des Sanktumsdecks verstärkt, sodass sie jeden Winkel der versammelten Menge erreichte. „Ein Zeugnis von unserem Apostel, dessen Hingabe in den letzten Jahren — das haben mehr als ich selbst bemerkt, auch wenn nicht alle den Mut hatten, es auszusprechen — zunehmend Fragen aufwirft. Wir stehen an der Schwelle zu etwas Historischem, einer möglichen Rückkehr in den Realraum nach zehntausend Jahren der Prüfung, und ich frage: ist der Mann, der uns durch diese entscheidende Schwelle führen soll, noch ein wahrer Diener des Wortes, oder ist er, in den langen Jahrhunderten unserer Isolation, zu etwas anderem geworden — zu einem Mann, der die Formen der Hingabe noch beherrscht, aber deren Substanz längst verloren hat?“
Die Stille, die dieser Anklage folgte, war von einer Qualität, die Kranon in all seinen Jahrhunderten an Bord des *Kelch der Offenbarung* noch nicht erlebt hatte — nicht die respektvolle, disziplinierte Stille einer ordnungsgemäß durchgeführten Zeremonie, sondern etwas Gespannteres, Gefährlicheres, das Gewicht hunderter Augen, sowohl der verbliebenen Astartes als auch der versammelten menschlichen Nachkommen, die auf ihn gerichtet waren, auf eine Antwort wartend, die, wie Kranon sehr genau wusste, in diesem Moment über weit mehr entscheiden würde als lediglich seinen persönlichen Status innerhalb der Hierarchie der Verlorenen.
Er hätte lügen können — eine überzeugende, leidenschaftliche Erklärung seiner ungebrochenen Hingabe vortragen können, eine Performance, die, wie er sehr genau wusste, angesichts seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Prediger und spiritueller Führer der Kompanie durchaus überzeugend hätte ausfallen können. Es war eine Option, die er, in den Sekunden nach Thagoths Anklage, mit einer kalten, kalkulierenden Klarheit erwog, die ihn selbst überraschte — nicht aus moralischer Überzeugung, sondern aus einer tieferen, existenzielleren Erschöpfung heraus, die ihm plötzlich klarmachte, wie zermürbend es gewesen war, all die Jahre eine Überzeugung zu performen, die er längst nicht mehr vollständig empfand.
„Ich werde euch keine Lüge anbieten“, sagte Kranon schließlich, seine Stimme ruhiger, als er es selbst erwartet hätte, während die versammelte Menge in einer Stille verharrte, die jetzt von einer neuen, unsicheren Qualität geprägt war. „Champion Thagoth hat nicht vollständig unrecht. Ich habe in den letzten Jahren — Jahrzehnten, vielleicht — mit Fragen gerungen, die ich zuvor nicht zu stellen gewagt hätte. Nicht, weil ich am Wort selbst zweifle, nicht, weil ich glaube, dass Lorgars Lehre falsch war, dass unsere Abkehr von einem tauben Gott ein Fehler gewesen ist. Sondern weil ich mich frage, nach zehntausend Opfern, nach zehntausend Litaneien, die ohne erkennbare Antwort geblieben sind, ob die Götter, denen wir dienen, uns in dieser Verbannung überhaupt noch hören — oder ob wir, in unserer Isolation, längst zu etwas geworden sind, das ihre Aufmerksamkeit nicht mehr verdient, oder das ihre Aufmerksamkeit niemals wirklich besessen hat, jenseits des Blutes selbst, das wir ihnen darbringen.“
Es war eine gefährliche Wahrheit, das wusste er, während er sie aussprach — eine Wahrheit, die, gemäß den ältesten und unerbittlichsten Traditionen der Legion, die er selbst über Jahrtausende hinweg durchgesetzt hatte, als hinreichender Grund für seine sofortige Absetzung, vielleicht sogar seine Hinrichtung, hätte gelten können. Und doch, während er in die Gesichter der versammelten Menge blickte — die verbliebenen Astartes, deren Reaktionen sich zwischen offenem Entsetzen und, bei einigen wenigen, einem Anflug dessen, was Kranon fast als Erleichterung deutete, und die menschlichen Nachkommen, deren Gesichter eine Bandbreite von Furcht bis zu einer Art fasziniertem, ungläubigem Staunen zeigten —, spürte er, zum ersten Mal seit so vielen Jahren, dass die schiere Aussprache seines Zweifels, ganz gleich, welche Konsequenzen sie nach sich ziehen mochte, ihm eine Art Erleichterung verschaffte, die keine noch so sorgfältig performte Überzeugung ihm je hätte bieten können.
„Das ist Häresie“, sagte Thagoth, seine Stimme jetzt von einer Härte durchdrungen, die Kranon als das erkannte, was sie tatsächlich war — nicht theologische Empörung, sondern die kaum verhohlene Freude eines Mannes, der endlich die Rechtfertigung gefunden hatte, nach der er seit Monaten gesucht hatte. „Häresie gegen das Wort selbst, ausgesprochen vom eigenen Apostel unserer Kompanie, in dem Moment, in dem wir uns der größten Prüfung unserer gesamten Isolation nähern. Ich fordere, dass der Rat der verbliebenen Offiziere über sein Schicksal entscheidet, gemäß den ältesten Gesetzen der Legion.“
Der Rat, der sich in den folgenden Stunden versammelte — eine hastig einberufene, informelle Zusammenkunft der verbliebenen Offiziere, deren Zahl inzwischen kaum mehr als ein halbes Dutzend betrug —, würde, wie Kranon mit einer distanzierten, fast philosophischen Ruhe erkannte, über weit mehr entscheiden als lediglich sein persönliches Schicksal. Er würde entweder als Häretiker innerhalb einer Kompanie von Häretikern verurteilt werden, eine Ironie, die selbst in seinem gegenwärtigen Zustand existenzieller Erschöpfung nicht ohne einen gewissen bitteren Humor war, oder er würde, gegen alle Wahrscheinlichkeit, die Gelegenheit erhalten, seine eigene, unsichere Hingabe ein letztes Mal auf die Probe zu stellen, in jenem Ritual, das, wenn Vorrs Berechnungen zutrafen, über das endgültige Schicksal aller an Bord des *Kelch der Offenbarung* entscheiden würde.
Es dauerte, nach menschlichem Zeitempfinden, das an Bord des *Kelch der Offenbarung* ohnehin nur noch eine ungefähre, symbolische Bedeutung besaß, kaum mehr als drei Wochen, bis Thagoths wachsende Ungeduld mit Kranons vorsichtiger, zurückhaltender Führung sich in eine offenere, gefährlichere Form der Konfrontation verwandelte — eine Entwicklung, die Kranon, mit der distanzierten Klarheit eines Mannes, der solche Machtkämpfe bereits mehrfach in den Jahrhunderten seiner Führung der Verlorenen miterlebt hatte, kommen sah, lange bevor sie tatsächlich eintrat.
Es geschah während einer der großen, gemeinsamen Zeremonien, die die Verlorenen in unregelmäßigen, aber bedeutsamen Abständen abhielten — eine Versammlung nahezu der gesamten verbliebenen Bevölkerung des Schiffes im Sanktumsdeck, Astartes und menschliche Nachkommen gleichermaßen, um gemeinsam jene Litaneien zu sprechen, die, gemäß der ältesten Tradition der Legion, das kollektive Band zwischen der Kompanie und den Göttern erneuern sollten, denen sie dienten.
Kranon hatte die Zeremonie mit der gewohnten, äußerlich makellosen Präzision durchgeführt, jedes Wort, jede Geste exakt gemäß den überlieferten Formen, während er innerlich, wie so oft in den letzten Jahrzehnten, jene vertraute, erschöpfte Leere spürte, die sich zwischen ihn und die Bedeutung der Worte geschoben hatte, die er sprach. Es war Thagoth, der, in dem Moment, in dem die versammelte Menge zur abschließenden, gemeinsamen Anrufung überging, plötzlich vortrat, seine mutierte Gestalt sich vor der gesamten Versammlung aufrichtend, mit einer Geste, die selbst Kranon, trotz aller Vorbereitung auf einen solchen Moment, für einen Augenblick sprachlos machte.
„Ich fordere ein Zeugnis“, verkündete Thagoth, seine Stimme durch die natürliche Akustik des Sanktumsdecks verstärkt, sodass sie jeden Winkel der versammelten Menge erreichte. „Ein Zeugnis von unserem Apostel, dessen Hingabe in den letzten Jahren — das haben mehr als ich selbst bemerkt, auch wenn nicht alle den Mut hatten, es auszusprechen — zunehmend Fragen aufwirft. Wir stehen an der Schwelle zu etwas Historischem, einer möglichen Rückkehr in den Realraum nach zehntausend Jahren der Prüfung, und ich frage: ist der Mann, der uns durch diese entscheidende Schwelle führen soll, noch ein wahrer Diener des Wortes, oder ist er, in den langen Jahrhunderten unserer Isolation, zu etwas anderem geworden — zu einem Mann, der die Formen der Hingabe noch beherrscht, aber deren Substanz längst verloren hat?“
Die Stille, die dieser Anklage folgte, war von einer Qualität, die Kranon in all seinen Jahrhunderten an Bord des *Kelch der Offenbarung* noch nicht erlebt hatte — nicht die respektvolle, disziplinierte Stille einer ordnungsgemäß durchgeführten Zeremonie, sondern etwas Gespannteres, Gefährlicheres, das Gewicht hunderter Augen, sowohl der verbliebenen Astartes als auch der versammelten menschlichen Nachkommen, die auf ihn gerichtet waren, auf eine Antwort wartend, die, wie Kranon sehr genau wusste, in diesem Moment über weit mehr entscheiden würde als lediglich seinen persönlichen Status innerhalb der Hierarchie der Verlorenen.
Er hätte lügen können — eine überzeugende, leidenschaftliche Erklärung seiner ungebrochenen Hingabe vortragen können, eine Performance, die, wie er sehr genau wusste, angesichts seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Prediger und spiritueller Führer der Kompanie durchaus überzeugend hätte ausfallen können. Es war eine Option, die er, in den Sekunden nach Thagoths Anklage, mit einer kalten, kalkulierenden Klarheit erwog, die ihn selbst überraschte — nicht aus moralischer Überzeugung, sondern aus einer tieferen, existenzielleren Erschöpfung heraus, die ihm plötzlich klarmachte, wie zermürbend es gewesen war, all die Jahre eine Überzeugung zu performen, die er längst nicht mehr vollständig empfand.
„Ich werde euch keine Lüge anbieten“, sagte Kranon schließlich, seine Stimme ruhiger, als er es selbst erwartet hätte, während die versammelte Menge in einer Stille verharrte, die jetzt von einer neuen, unsicheren Qualität geprägt war. „Champion Thagoth hat nicht vollständig unrecht. Ich habe in den letzten Jahren — Jahrzehnten, vielleicht — mit Fragen gerungen, die ich zuvor nicht zu stellen gewagt hätte. Nicht, weil ich am Wort selbst zweifle, nicht, weil ich glaube, dass Lorgars Lehre falsch war, dass unsere Abkehr von einem tauben Gott ein Fehler gewesen ist. Sondern weil ich mich frage, nach zehntausend Opfern, nach zehntausend Litaneien, die ohne erkennbare Antwort geblieben sind, ob die Götter, denen wir dienen, uns in dieser Verbannung überhaupt noch hören — oder ob wir, in unserer Isolation, längst zu etwas geworden sind, das ihre Aufmerksamkeit nicht mehr verdient, oder das ihre Aufmerksamkeit niemals wirklich besessen hat, jenseits des Blutes selbst, das wir ihnen darbringen.“
Es war eine gefährliche Wahrheit, das wusste er, während er sie aussprach — eine Wahrheit, die, gemäß den ältesten und unerbittlichsten Traditionen der Legion, die er selbst über Jahrtausende hinweg durchgesetzt hatte, als hinreichender Grund für seine sofortige Absetzung, vielleicht sogar seine Hinrichtung, hätte gelten können. Und doch, während er in die Gesichter der versammelten Menge blickte — die verbliebenen Astartes, deren Reaktionen sich zwischen offenem Entsetzen und, bei einigen wenigen, einem Anflug dessen, was Kranon fast als Erleichterung deutete, und die menschlichen Nachkommen, deren Gesichter eine Bandbreite von Furcht bis zu einer Art fasziniertem, ungläubigem Staunen zeigten —, spürte er, zum ersten Mal seit so vielen Jahren, dass die schiere Aussprache seines Zweifels, ganz gleich, welche Konsequenzen sie nach sich ziehen mochte, ihm eine Art Erleichterung verschaffte, die keine noch so sorgfältig performte Überzeugung ihm je hätte bieten können.
„Das ist Häresie“, sagte Thagoth, seine Stimme jetzt von einer Härte durchdrungen, die Kranon als das erkannte, was sie tatsächlich war — nicht theologische Empörung, sondern die kaum verhohlene Freude eines Mannes, der endlich die Rechtfertigung gefunden hatte, nach der er seit Monaten gesucht hatte. „Häresie gegen das Wort selbst, ausgesprochen vom eigenen Apostel unserer Kompanie, in dem Moment, in dem wir uns der größten Prüfung unserer gesamten Isolation nähern. Ich fordere, dass der Rat der verbliebenen Offiziere über sein Schicksal entscheidet, gemäß den ältesten Gesetzen der Legion.“
Der Rat, der sich in den folgenden Stunden versammelte — eine hastig einberufene, informelle Zusammenkunft der verbliebenen Offiziere, deren Zahl inzwischen kaum mehr als ein halbes Dutzend betrug —, würde, wie Kranon mit einer distanzierten, fast philosophischen Ruhe erkannte, über weit mehr entscheiden als lediglich sein persönliches Schicksal. Er würde entweder als Häretiker innerhalb einer Kompanie von Häretikern verurteilt werden, eine Ironie, die selbst in seinem gegenwärtigen Zustand existenzieller Erschöpfung nicht ohne einen gewissen bitteren Humor war, oder er würde, gegen alle Wahrscheinlichkeit, die Gelegenheit erhalten, seine eigene, unsichere Hingabe ein letztes Mal auf die Probe zu stellen, in jenem Ritual, das, wenn Vorrs Berechnungen zutrafen, über das endgültige Schicksal aller an Bord des *Kelch der Offenbarung* entscheiden würde.
VI. DIE PROBEVI. DIE PROBE
Der Rat hatte noch keine Entscheidung getroffen — die Beratung selbst hatte sich, wie es bei einer derart beispiellosen Anklage kaum anders zu erwarten war, in endlose, sich wiederholende Debatten über die genaue Auslegung jener uralten Gesetze verstrickt, die die Legion für den Umgang mit Häresie innerhalb der eigenen Reihen vorsah, Gesetze, die, wie mehrere der versammelten Offiziere bitter anmerkten, nie für eine Situation wie die ihre verfasst worden waren, eine winzige, isolierte Kompanie, deren gesamte Existenz bereits eine Form fortgesetzter, verzweifelter Improvisation jenseits jeder etablierten Doktrin darstellte —, als das erste, unverkennbare Zeichen einer neuen, unmittelbaren Krise durch die Korridore des *Kelch der Offenbarung* hallte: der durchdringende, seit Jahrhunderten gefürchtete Alarmton, der eine kritische Instabilität des Gellar-Feldes signalisierte.
Kranon, der während der Beratung des Rates in einer Art improvisiertem Gewahrsam gehalten worden war, unbewaffnet, aber nicht gefesselt — eine Geste, die selbst in diesem Moment eine gewisse verbleibende Ambivalenz unter seinen Bewachern hinsichtlich seiner tatsächlichen Schuld offenbarte —, erkannte den Alarmton sofort, mit einer körperlichen, fast reflexartigen Reaktion, die zehntausend Jahre der Erfahrung in ihm verankert hatten. Ein Versagen des Gellar-Feldes, selbst ein partielles, bedeutete, innerhalb der ungeschützten, unvorstellbaren Weiten des Immateriums, nicht lediglich eine technische Störung, sondern die unmittelbare, potenziell existenzielle Bedrohung durch jene Entitäten, die außerhalb der dünnen, von der uralten, kaum noch funktionsfähigen Technologie des Schiffes aufrechterhaltenen Barriere lauerten.
„Das Feld schwankt“, meldete einer der jüngeren Astartes, der in die hastig unterbrochene Ratsversammlung stürmte, seine Stimme von einer Panik durchzogen, die selbst durch die gewohnte, disziplinierte Zurückhaltung eines Astartes kaum zu unterdrücken war. „Vorr sagt, es ist die Verschiebung in den Strömungen — die Wunde im Realraum, von der er gesprochen hat, sie erzeugt eine Turbulenz, die wir noch nie erlebt haben. Das Feld hält nicht.“
Die Ratsversammlung löste sich in diesem Moment auf, nicht durch eine formale Entscheidung, sondern durch die schiere, unmittelbare Notwendigkeit, die jede weitere Debatte über Kranons theologischen Status augenblicklich irrelevant machte — ein Schiff mit einem versagenden Gellar-Feld, gefangen inmitten einer beispiellosen Turbulenz des Immateriums, benötigte jeden verfügbaren Offizier, jede verfügbare Fähigkeit, ganz gleich, wie fragwürdig deren spirituelle Verfassung im Moment erscheinen mochte.
„Apostel“, sagte einer der Ratsoffiziere, ein Veteran namens Kessivar, dessen eigene Loyalität während der vorangegangenen Debatte unentschieden geblieben war, „das Feld benötigt eine Erneuerungszeremonie. Sofort. Du bist der einzige an Bord, der die vollständige Litanei noch mit hinreichender Präzision beherrscht.“
Es war, wie Kranon in dem einen, komprimierten Moment erkannte, der ihm zur Entscheidung blieb, eine Ironie von geradezu grausamer Präzision — dass ausgerechnet er, dessen Glauben an die Wirksamkeit solcher Rituale in den letzten Jahren so fundamental erschüttert worden war, nun berufen wurde, ein Ritual durchzuführen, dessen unmittelbarer, überprüfbarer Erfolg oder Misserfolg über das physische Überleben jeder einzelnen Seele an Bord des Schiffes entscheiden würde — eine Prüfung, die, im Gegensatz zu den abstrakten, theologischen Debatten des Rates, keinerlei Raum für Interpretation oder nachträgliche Rechtfertigung lassen würde. Entweder das Feld würde stabilisiert, oder es würde nicht, und die Konsequenzen dieses binären Ausgangs würden sich nicht in frommen Spekulationen über die Gunst der Götter erschöpfen, sondern in der brutalen, unmittelbaren Physik dessen, was geschah, wenn ungeschützte, sterbliche Materie mit den ungefilterten Kräften des Immateriums in Kontakt kam.
„Bringt mich zum Generatorendeck“, sagte Kranon, und die Autorität, mit der er dies sagte, ließ selbst jene, die ihn Stunden zuvor der Häresie beschuldigt hatten, ohne weitere Diskussion gehorchen.
Das Generatorendeck des *Kelch der Offenbarung*, tief im Rumpf des Schiffes gelegen, war ein Ort, den Kranon in den vorangegangenen Jahrhunderten nur selten aufgesucht hatte, ein Labyrinth uralter, teilweise durch chaotische Modifikation kaum wiedererkennbarer Maschinerie, deren Funktionsweise selbst die verbliebenen technisch versierten Mitglieder der Kompanie nur noch unvollständig zu verstehen behaupteten. Das Herzstück des Gellar-Feld-Generators — ein pulsierendes, von unzähligen Ritualsymbolen umgebenes Konstrukt, dessen ursprüngliche imperiale Technologie längst durch Jahrtausende der Chaos-Modifikation und -Korruption transformiert worden war — flackerte, mit einer unregelmäßigen, beunruhigenden Rhythmik, die selbst für Kranons ungeübtes technisches Auge unmissverständlich auf eine unmittelbar bevorstehende, katastrophale Fehlfunktion hindeutete.
Er begann die Erneuerungslitanei, jene uralte, komplexe Verkettung binärer und Hoch-Gothischer Verse, die die Word Bearers seit den frühesten Tagen ihrer Abkehr vom Imperium entwickelt hatten, um jene Technologie, die sie dem Imperium entrissen oder von ihm geerbt hatten, mit den Kräften des Warp in einer Weise zu versöhnen, die es weder rein imperiale noch rein dämonische Doktrin je vollständig erklärt hatte. Und während er die Worte sprach — mit einer Präzision, die trotz seiner inneren Zerrissenheit keinen einzigen Fehler zuließ, denn ein Fehler, in diesem Moment, hätte nicht lediglich theologische, sondern unmittelbar tödliche Konsequenzen für jede Seele an Bord bedeutet —, spürte Kranon, wie sich in ihm eine Frage formte, die er sich in all den Jahren seines wachsenden Zweifels noch nicht mit dieser Schärfe gestellt hatte: ob es, in diesem konkreten, unmittelbaren Moment, überhaupt eine Rolle spielte, ob er an die Worte glaubte, die er sprach, oder ob lediglich die korrekte Ausführung selbst — die Präzision der Litanei, die Reinheit der rituellen Form — das war, was tatsächlich zählte, unabhängig von der Überzeugung, die dahinterstand.
Das Feld stabilisierte sich, langsam zunächst, dann mit zunehmender Beständigkeit, während Kranons Stimme durch das Generatorendeck hallte, begleitet von dem allmählich abklingenden Warnton des Alarms. Es war, gemessen an jedem objektiven, überprüfbaren Standard, ein Erfolg — das Schiff war gerettet, die unmittelbare Bedrohung abgewendet, eine Leistung, die, unter normalen Umständen, Kranons Position innerhalb der Hierarchie der Verlorenen zweifellos gestärkt hätte.
Und doch, während er, nach Abschluss der Litanei, erschöpft gegen die pulsierende Oberfläche des Generators sank, spürte Kranon keine Erleichterung, keine erneuerte Gewissheit seines Glaubens, sondern lediglich eine tiefere, beunruhigendere Version derselben Frage, die ihn bereits seit Jahren plagte — denn das Feld, so erkannte er mit wachsendem Unbehagen, hatte sich nicht stabilisiert, weil irgendeine Gottheit auf seine Litanei reagiert hatte, sondern schlicht, weil die Litanei selbst, unabhängig von Glauben oder Zweifel, die korrekten technischen und rituellen Parameter enthielt, um die zugrundeliegende Maschinerie zu einem stabilen Zustand zurückzuführen — ein Erfolg, der ebenso gut das Ergebnis reiner, unpersönlicher Mechanik hätte sein können wie das einer tatsächlichen göttlichen Intervention, und der ihm, gerade wegen dieser Unbestimmbarkeit, keinerlei Klarheit über die eigentliche Frage verschaffte, die ihn seit Jahren quälte.
Der Rat hatte noch keine Entscheidung getroffen — die Beratung selbst hatte sich, wie es bei einer derart beispiellosen Anklage kaum anders zu erwarten war, in endlose, sich wiederholende Debatten über die genaue Auslegung jener uralten Gesetze verstrickt, die die Legion für den Umgang mit Häresie innerhalb der eigenen Reihen vorsah, Gesetze, die, wie mehrere der versammelten Offiziere bitter anmerkten, nie für eine Situation wie die ihre verfasst worden waren, eine winzige, isolierte Kompanie, deren gesamte Existenz bereits eine Form fortgesetzter, verzweifelter Improvisation jenseits jeder etablierten Doktrin darstellte —, als das erste, unverkennbare Zeichen einer neuen, unmittelbaren Krise durch die Korridore des *Kelch der Offenbarung* hallte: der durchdringende, seit Jahrhunderten gefürchtete Alarmton, der eine kritische Instabilität des Gellar-Feldes signalisierte.
Kranon, der während der Beratung des Rates in einer Art improvisiertem Gewahrsam gehalten worden war, unbewaffnet, aber nicht gefesselt — eine Geste, die selbst in diesem Moment eine gewisse verbleibende Ambivalenz unter seinen Bewachern hinsichtlich seiner tatsächlichen Schuld offenbarte —, erkannte den Alarmton sofort, mit einer körperlichen, fast reflexartigen Reaktion, die zehntausend Jahre der Erfahrung in ihm verankert hatten. Ein Versagen des Gellar-Feldes, selbst ein partielles, bedeutete, innerhalb der ungeschützten, unvorstellbaren Weiten des Immateriums, nicht lediglich eine technische Störung, sondern die unmittelbare, potenziell existenzielle Bedrohung durch jene Entitäten, die außerhalb der dünnen, von der uralten, kaum noch funktionsfähigen Technologie des Schiffes aufrechterhaltenen Barriere lauerten.
„Das Feld schwankt“, meldete einer der jüngeren Astartes, der in die hastig unterbrochene Ratsversammlung stürmte, seine Stimme von einer Panik durchzogen, die selbst durch die gewohnte, disziplinierte Zurückhaltung eines Astartes kaum zu unterdrücken war. „Vorr sagt, es ist die Verschiebung in den Strömungen — die Wunde im Realraum, von der er gesprochen hat, sie erzeugt eine Turbulenz, die wir noch nie erlebt haben. Das Feld hält nicht.“
Die Ratsversammlung löste sich in diesem Moment auf, nicht durch eine formale Entscheidung, sondern durch die schiere, unmittelbare Notwendigkeit, die jede weitere Debatte über Kranons theologischen Status augenblicklich irrelevant machte — ein Schiff mit einem versagenden Gellar-Feld, gefangen inmitten einer beispiellosen Turbulenz des Immateriums, benötigte jeden verfügbaren Offizier, jede verfügbare Fähigkeit, ganz gleich, wie fragwürdig deren spirituelle Verfassung im Moment erscheinen mochte.
„Apostel“, sagte einer der Ratsoffiziere, ein Veteran namens Kessivar, dessen eigene Loyalität während der vorangegangenen Debatte unentschieden geblieben war, „das Feld benötigt eine Erneuerungszeremonie. Sofort. Du bist der einzige an Bord, der die vollständige Litanei noch mit hinreichender Präzision beherrscht.“
Es war, wie Kranon in dem einen, komprimierten Moment erkannte, der ihm zur Entscheidung blieb, eine Ironie von geradezu grausamer Präzision — dass ausgerechnet er, dessen Glauben an die Wirksamkeit solcher Rituale in den letzten Jahren so fundamental erschüttert worden war, nun berufen wurde, ein Ritual durchzuführen, dessen unmittelbarer, überprüfbarer Erfolg oder Misserfolg über das physische Überleben jeder einzelnen Seele an Bord des Schiffes entscheiden würde — eine Prüfung, die, im Gegensatz zu den abstrakten, theologischen Debatten des Rates, keinerlei Raum für Interpretation oder nachträgliche Rechtfertigung lassen würde. Entweder das Feld würde stabilisiert, oder es würde nicht, und die Konsequenzen dieses binären Ausgangs würden sich nicht in frommen Spekulationen über die Gunst der Götter erschöpfen, sondern in der brutalen, unmittelbaren Physik dessen, was geschah, wenn ungeschützte, sterbliche Materie mit den ungefilterten Kräften des Immateriums in Kontakt kam.
„Bringt mich zum Generatorendeck“, sagte Kranon, und die Autorität, mit der er dies sagte, ließ selbst jene, die ihn Stunden zuvor der Häresie beschuldigt hatten, ohne weitere Diskussion gehorchen.
Das Generatorendeck des *Kelch der Offenbarung*, tief im Rumpf des Schiffes gelegen, war ein Ort, den Kranon in den vorangegangenen Jahrhunderten nur selten aufgesucht hatte, ein Labyrinth uralter, teilweise durch chaotische Modifikation kaum wiedererkennbarer Maschinerie, deren Funktionsweise selbst die verbliebenen technisch versierten Mitglieder der Kompanie nur noch unvollständig zu verstehen behaupteten. Das Herzstück des Gellar-Feld-Generators — ein pulsierendes, von unzähligen Ritualsymbolen umgebenes Konstrukt, dessen ursprüngliche imperiale Technologie längst durch Jahrtausende der Chaos-Modifikation und -Korruption transformiert worden war — flackerte, mit einer unregelmäßigen, beunruhigenden Rhythmik, die selbst für Kranons ungeübtes technisches Auge unmissverständlich auf eine unmittelbar bevorstehende, katastrophale Fehlfunktion hindeutete.
Er begann die Erneuerungslitanei, jene uralte, komplexe Verkettung binärer und Hoch-Gothischer Verse, die die Word Bearers seit den frühesten Tagen ihrer Abkehr vom Imperium entwickelt hatten, um jene Technologie, die sie dem Imperium entrissen oder von ihm geerbt hatten, mit den Kräften des Warp in einer Weise zu versöhnen, die es weder rein imperiale noch rein dämonische Doktrin je vollständig erklärt hatte. Und während er die Worte sprach — mit einer Präzision, die trotz seiner inneren Zerrissenheit keinen einzigen Fehler zuließ, denn ein Fehler, in diesem Moment, hätte nicht lediglich theologische, sondern unmittelbar tödliche Konsequenzen für jede Seele an Bord bedeutet —, spürte Kranon, wie sich in ihm eine Frage formte, die er sich in all den Jahren seines wachsenden Zweifels noch nicht mit dieser Schärfe gestellt hatte: ob es, in diesem konkreten, unmittelbaren Moment, überhaupt eine Rolle spielte, ob er an die Worte glaubte, die er sprach, oder ob lediglich die korrekte Ausführung selbst — die Präzision der Litanei, die Reinheit der rituellen Form — das war, was tatsächlich zählte, unabhängig von der Überzeugung, die dahinterstand.
Das Feld stabilisierte sich, langsam zunächst, dann mit zunehmender Beständigkeit, während Kranons Stimme durch das Generatorendeck hallte, begleitet von dem allmählich abklingenden Warnton des Alarms. Es war, gemessen an jedem objektiven, überprüfbaren Standard, ein Erfolg — das Schiff war gerettet, die unmittelbare Bedrohung abgewendet, eine Leistung, die, unter normalen Umständen, Kranons Position innerhalb der Hierarchie der Verlorenen zweifellos gestärkt hätte.
Und doch, während er, nach Abschluss der Litanei, erschöpft gegen die pulsierende Oberfläche des Generators sank, spürte Kranon keine Erleichterung, keine erneuerte Gewissheit seines Glaubens, sondern lediglich eine tiefere, beunruhigendere Version derselben Frage, die ihn bereits seit Jahren plagte — denn das Feld, so erkannte er mit wachsendem Unbehagen, hatte sich nicht stabilisiert, weil irgendeine Gottheit auf seine Litanei reagiert hatte, sondern schlicht, weil die Litanei selbst, unabhängig von Glauben oder Zweifel, die korrekten technischen und rituellen Parameter enthielt, um die zugrundeliegende Maschinerie zu einem stabilen Zustand zurückzuführen — ein Erfolg, der ebenso gut das Ergebnis reiner, unpersönlicher Mechanik hätte sein können wie das einer tatsächlichen göttlichen Intervention, und der ihm, gerade wegen dieser Unbestimmbarkeit, keinerlei Klarheit über die eigentliche Frage verschaffte, die ihn seit Jahren quälte.
VII. DAS RITUAL DER HEIMKEHRVII. DAS RITUAL DER HEIMKEHR
Vorrs Berechnungen, in den Tagen nach der Krise am Gellar-Feld-Generator, verdichteten sich zu einer Gewissheit, die selbst Kranons vorsichtige, systematisch kultivierte Skepsis nicht mehr vollständig zu dämpfen vermochte — ein Fenster, so schmal und flüchtig, dass Vorr selbst, in seinen klareren Momenten, kaum zu glauben wagte, was seine eigenen Berechnungen ihm zeigten, würde sich, gemäß seiner Einschätzung, innerhalb der nächsten sieben Tage öffnen, eine Konvergenz der durch die galaxisweite Wunde im Realraum verursachten Warp-Strömungen, die dem *Kelch der Offenbarung* eine Route zurück in den Realraum bieten könnte, die einzige derartige Gelegenheit, die sich in ihren gesamten zehntausend Jahren der Isolation jemals gezeigt hatte.
Der Rat, konfrontiert mit dieser Nachricht, hatte die gegen Kranon erhobene Anklage der Häresie nicht formal fallen gelassen — ein Umstand, der, wie mehrere der Offiziere unumwunden zugaben, weniger auf einer tatsächlichen Aussöhnung mit seinen ausgesprochenen Zweifeln beruhte als auf der schlichten, pragmatischen Erkenntnis, dass die bevorstehende Passage durch die instabilen Strömungen ein Ritual erforderte, dessen Komplexität und historische Präzision nur Kranon selbst, als letzter lebender Träger der ursprünglichen, aus Colchis stammenden Überlieferungen, mit hinreichender Sicherheit durchzuführen vermochte.
„Du wirst die Passage-Litanei leiten“, hatte Kessivar, der sich in den Tagen nach der Krise zunehmend als vermittelnde Stimme zwischen Kranon und Thagoths Fraktion etabliert hatte, ihm mitgeteilt, mit einer Direktheit, die wenig Raum für Widerspruch ließ. „Danach wird der Rat über dein endgültiges Schicksal entscheiden, gemäß dem, was während der Passage selbst geschieht. Wenn wir den Realraum erreichen, wird dies als hinreichender Beweis deiner fortdauernden Gunst bei den Göttern gewertet werden, ganz gleich, was du in der Versammlung gesagt hast. Wenn wir scheitern —“ Er hatte den Satz nicht vollendet, aber die Implikation war für beide unmissverständlich gewesen.
Die Passage-Litanei selbst, wie Kranon es in den folgenden Tagen der Vorbereitung mit wachsender, unbehaglicher Klarheit erkannte, erforderte ein Opfer von einer Größenordnung, die weit über alles hinausging, was die Verlorenen in ihren Jahrhunderten der Isolation je dargebracht hatten — nicht einen einzelnen Thrall, wie es die regulären, wöchentlichen Rituale erforderten, sondern, gemäß den ältesten, aus Colchis überlieferten Texten, die Kranon in den tiefsten Archiven des Sanktumsdecks fand, ein Zehntel der gesamten verbliebenen Bevölkerung des Schiffes — eine Zahl, die, angewendet auf die schwindenden Ressourcen der Verlorenen, nicht weniger als vierzig Seelen bedeutete, Astartes und Menschen gleichermaßen, ausgewählt durch ein Losverfahren, das selbst in seiner scheinbaren Zufälligkeit eine Art grausamer, unpersönlicher Gerechtigkeit zu verkörpern schien.
Es war in den Stunden vor der eigentlichen Zeremonie, während Kranon die letzten Vorbereitungen im Sanktumsdeck traf, umgeben von den vierzig ausgewählten Opfern, deren Reaktionen auf ihr bevorstehendes Schicksal sich zwischen stoischer, geradezu religiöser Akzeptanz und offenem, unverhohlenem Entsetzen bewegten, dass Thagoth ihn ein letztes Mal aufsuchte, seine mutierte Gestalt in dem schwachen, roten Licht des Sanktumsdecks eine bedrohliche, aber auch, wie Kranon zum ersten Mal seit Wochen bemerkte, eine seltsam unsichere Silhouette.
„Wenn du scheiterst“, sagte Thagoth, seine Stimme leiser, als Kranon sie je zuvor gehört hatte, „wenn dieses Ritual fehlschlägt, weil dein Zweifel es korrumpiert, dann sterben wir alle, nicht nur du. Ich frage dich, Apostel, nicht als Ankläger, sondern als jemand, der ebenso wie du in diesem Sarg gefangen ist, seit Jahrhunderten — glaubst du, dass es funktionieren wird?“
Es war eine ehrliche Frage, vielleicht die erste wirklich ehrliche Frage, die Thagoth ihm in ihren gesamten Jahrzehnten des gemeinsamen Dienstes gestellt hatte, und Kranon fand sich, zu seiner eigenen Überraschung, nicht mit einer weiteren Ausflucht antwortend, sondern mit der vollständigen, ungeschönten Wahrheit seiner eigenen, tiefsten Unsicherheit.
„Ich weiß es nicht“, sagte er. „Ich weiß nicht, ob die Götter zuhören, ob sie je zugehört haben, oder ob das, was wir als ihre Gunst oder ihren Zorn interpretieren, lediglich die blinde, gleichgültige Mechanik eines Universums ist, das keinerlei persönliches Interesse an unserem Schicksal hat. Aber ich weiß, dass die Litanei selbst, die Worte, die Präzision der rituellen Form, über Jahrtausende entwickelt wurde, um genau diese Art von Passage zu ermöglichen, mit oder ohne die bewusste Aufmerksamkeit irgendeiner Gottheit. Ich werde sie mit derselben Präzision vollziehen, mit der ich das Gellar-Feld stabilisiert habe. Mehr kann ich dir nicht anbieten, Champion. Wenn das nicht genug ist, dann werden wir gemeinsam untergehen, und ich werde zumindest die Genugtuung haben, dass ich dich nicht angelogen habe.“
Thagoth schwieg lange, seine doppelten Augenpaare auf Kranon gerichtet mit einer Intensität, die Kranon nicht vollständig zu deuten vermochte, bevor er schließlich, mit einer Geste, die fast an Respekt grenzte, nickte und sich zurückzog, um seinen eigenen Platz für die bevorstehende Zeremonie einzunehmen.
Die Zeremonie selbst, als sie schließlich begann, dauerte, nach dem unzuverlässigen Zeitempfinden des Schiffes, mehrere Stunden — eine endlose Kette binärer und Hoch-Gothischer Verse, begleitet von dem systematischen, methodischen Vergießen des Blutes der vierzig Ausgewählten, während Vorr, in seiner isolierten Navigationskammer, mit einer fieberhaften, kaum kontrollierten Konzentration die sich öffnende Route durch die tobenden Strömungen des Immateriums zu verfolgen versuchte, die die galaxisweite Wunde im Realraum verursacht hatte.
Kranon sprach die Worte mit einer Präzision, die keine äußere Beobachtung von seiner inneren Zerrissenheit hätte unterscheiden können, jede Silbe, jede rituelle Geste exakt gemäß den ältesten Überlieferungen aus Colchis, während in ihm selbst eine Stille herrschte, die weder Verzweiflung noch Hoffnung, sondern etwas dazwischen war — eine Art abwartende, fast meditative Konzentration, die sich ausschließlich auf die technische, handwerkliche Perfektion des Rituals selbst richtete, losgelöst von der Frage, ob irgendetwas jenseits des Schleiers tatsächlich zuhörte.
Und dann, in dem Moment, in dem das letzte Opfer dargebracht wurde, das letzte Wort der Litanei gesprochen war, geschah etwas, das Kranon, selbst in der Rückschau, nie mit vollständiger Gewissheit zu erklären vermochte — ein Zittern, das durch das gesamte Schiff lief, tiefer und fundamentaler als jede zuvor erlebte Turbulenz, begleitet von einem Licht, das durch die äußeren Bullaugen des Sanktumsdecks drang, ein Licht, das, wie mehrere der Anwesenden später übereinstimmend berichteten, keiner der unzähligen, unheimlichen Farben ähnelte, die sie in ihren Jahrtausenden innerhalb des Immateriums gewohnt gewesen waren, sondern etwas erschreckend, überwältigend Vertrautes — das gewöhnliche, ungefilterte Licht eines gewöhnlichen Sterns, im gewöhnlichen Realraum.
Vorrs Berechnungen, in den Tagen nach der Krise am Gellar-Feld-Generator, verdichteten sich zu einer Gewissheit, die selbst Kranons vorsichtige, systematisch kultivierte Skepsis nicht mehr vollständig zu dämpfen vermochte — ein Fenster, so schmal und flüchtig, dass Vorr selbst, in seinen klareren Momenten, kaum zu glauben wagte, was seine eigenen Berechnungen ihm zeigten, würde sich, gemäß seiner Einschätzung, innerhalb der nächsten sieben Tage öffnen, eine Konvergenz der durch die galaxisweite Wunde im Realraum verursachten Warp-Strömungen, die dem *Kelch der Offenbarung* eine Route zurück in den Realraum bieten könnte, die einzige derartige Gelegenheit, die sich in ihren gesamten zehntausend Jahren der Isolation jemals gezeigt hatte.
Der Rat, konfrontiert mit dieser Nachricht, hatte die gegen Kranon erhobene Anklage der Häresie nicht formal fallen gelassen — ein Umstand, der, wie mehrere der Offiziere unumwunden zugaben, weniger auf einer tatsächlichen Aussöhnung mit seinen ausgesprochenen Zweifeln beruhte als auf der schlichten, pragmatischen Erkenntnis, dass die bevorstehende Passage durch die instabilen Strömungen ein Ritual erforderte, dessen Komplexität und historische Präzision nur Kranon selbst, als letzter lebender Träger der ursprünglichen, aus Colchis stammenden Überlieferungen, mit hinreichender Sicherheit durchzuführen vermochte.
„Du wirst die Passage-Litanei leiten“, hatte Kessivar, der sich in den Tagen nach der Krise zunehmend als vermittelnde Stimme zwischen Kranon und Thagoths Fraktion etabliert hatte, ihm mitgeteilt, mit einer Direktheit, die wenig Raum für Widerspruch ließ. „Danach wird der Rat über dein endgültiges Schicksal entscheiden, gemäß dem, was während der Passage selbst geschieht. Wenn wir den Realraum erreichen, wird dies als hinreichender Beweis deiner fortdauernden Gunst bei den Göttern gewertet werden, ganz gleich, was du in der Versammlung gesagt hast. Wenn wir scheitern —“ Er hatte den Satz nicht vollendet, aber die Implikation war für beide unmissverständlich gewesen.
Die Passage-Litanei selbst, wie Kranon es in den folgenden Tagen der Vorbereitung mit wachsender, unbehaglicher Klarheit erkannte, erforderte ein Opfer von einer Größenordnung, die weit über alles hinausging, was die Verlorenen in ihren Jahrhunderten der Isolation je dargebracht hatten — nicht einen einzelnen Thrall, wie es die regulären, wöchentlichen Rituale erforderten, sondern, gemäß den ältesten, aus Colchis überlieferten Texten, die Kranon in den tiefsten Archiven des Sanktumsdecks fand, ein Zehntel der gesamten verbliebenen Bevölkerung des Schiffes — eine Zahl, die, angewendet auf die schwindenden Ressourcen der Verlorenen, nicht weniger als vierzig Seelen bedeutete, Astartes und Menschen gleichermaßen, ausgewählt durch ein Losverfahren, das selbst in seiner scheinbaren Zufälligkeit eine Art grausamer, unpersönlicher Gerechtigkeit zu verkörpern schien.
Es war in den Stunden vor der eigentlichen Zeremonie, während Kranon die letzten Vorbereitungen im Sanktumsdeck traf, umgeben von den vierzig ausgewählten Opfern, deren Reaktionen auf ihr bevorstehendes Schicksal sich zwischen stoischer, geradezu religiöser Akzeptanz und offenem, unverhohlenem Entsetzen bewegten, dass Thagoth ihn ein letztes Mal aufsuchte, seine mutierte Gestalt in dem schwachen, roten Licht des Sanktumsdecks eine bedrohliche, aber auch, wie Kranon zum ersten Mal seit Wochen bemerkte, eine seltsam unsichere Silhouette.
„Wenn du scheiterst“, sagte Thagoth, seine Stimme leiser, als Kranon sie je zuvor gehört hatte, „wenn dieses Ritual fehlschlägt, weil dein Zweifel es korrumpiert, dann sterben wir alle, nicht nur du. Ich frage dich, Apostel, nicht als Ankläger, sondern als jemand, der ebenso wie du in diesem Sarg gefangen ist, seit Jahrhunderten — glaubst du, dass es funktionieren wird?“
Es war eine ehrliche Frage, vielleicht die erste wirklich ehrliche Frage, die Thagoth ihm in ihren gesamten Jahrzehnten des gemeinsamen Dienstes gestellt hatte, und Kranon fand sich, zu seiner eigenen Überraschung, nicht mit einer weiteren Ausflucht antwortend, sondern mit der vollständigen, ungeschönten Wahrheit seiner eigenen, tiefsten Unsicherheit.
„Ich weiß es nicht“, sagte er. „Ich weiß nicht, ob die Götter zuhören, ob sie je zugehört haben, oder ob das, was wir als ihre Gunst oder ihren Zorn interpretieren, lediglich die blinde, gleichgültige Mechanik eines Universums ist, das keinerlei persönliches Interesse an unserem Schicksal hat. Aber ich weiß, dass die Litanei selbst, die Worte, die Präzision der rituellen Form, über Jahrtausende entwickelt wurde, um genau diese Art von Passage zu ermöglichen, mit oder ohne die bewusste Aufmerksamkeit irgendeiner Gottheit. Ich werde sie mit derselben Präzision vollziehen, mit der ich das Gellar-Feld stabilisiert habe. Mehr kann ich dir nicht anbieten, Champion. Wenn das nicht genug ist, dann werden wir gemeinsam untergehen, und ich werde zumindest die Genugtuung haben, dass ich dich nicht angelogen habe.“
Thagoth schwieg lange, seine doppelten Augenpaare auf Kranon gerichtet mit einer Intensität, die Kranon nicht vollständig zu deuten vermochte, bevor er schließlich, mit einer Geste, die fast an Respekt grenzte, nickte und sich zurückzog, um seinen eigenen Platz für die bevorstehende Zeremonie einzunehmen.
Die Zeremonie selbst, als sie schließlich begann, dauerte, nach dem unzuverlässigen Zeitempfinden des Schiffes, mehrere Stunden — eine endlose Kette binärer und Hoch-Gothischer Verse, begleitet von dem systematischen, methodischen Vergießen des Blutes der vierzig Ausgewählten, während Vorr, in seiner isolierten Navigationskammer, mit einer fieberhaften, kaum kontrollierten Konzentration die sich öffnende Route durch die tobenden Strömungen des Immateriums zu verfolgen versuchte, die die galaxisweite Wunde im Realraum verursacht hatte.
Kranon sprach die Worte mit einer Präzision, die keine äußere Beobachtung von seiner inneren Zerrissenheit hätte unterscheiden können, jede Silbe, jede rituelle Geste exakt gemäß den ältesten Überlieferungen aus Colchis, während in ihm selbst eine Stille herrschte, die weder Verzweiflung noch Hoffnung, sondern etwas dazwischen war — eine Art abwartende, fast meditative Konzentration, die sich ausschließlich auf die technische, handwerkliche Perfektion des Rituals selbst richtete, losgelöst von der Frage, ob irgendetwas jenseits des Schleiers tatsächlich zuhörte.
Und dann, in dem Moment, in dem das letzte Opfer dargebracht wurde, das letzte Wort der Litanei gesprochen war, geschah etwas, das Kranon, selbst in der Rückschau, nie mit vollständiger Gewissheit zu erklären vermochte — ein Zittern, das durch das gesamte Schiff lief, tiefer und fundamentaler als jede zuvor erlebte Turbulenz, begleitet von einem Licht, das durch die äußeren Bullaugen des Sanktumsdecks drang, ein Licht, das, wie mehrere der Anwesenden später übereinstimmend berichteten, keiner der unzähligen, unheimlichen Farben ähnelte, die sie in ihren Jahrtausenden innerhalb des Immateriums gewohnt gewesen waren, sondern etwas erschreckend, überwältigend Vertrautes — das gewöhnliche, ungefilterte Licht eines gewöhnlichen Sterns, im gewöhnlichen Realraum.
VIII. DIE ANTWORTVIII. DIE ANTWORT
Sie waren zurückgekehrt.
Diese schlichte, kaum fassbare Tatsache — dass der *Kelch der Offenbarung*, nach zehntausend Jahren innerhalb der unergründlichen Weiten des Immateriums, tatsächlich, gegen jede vernünftige Erwartung, in den Realraum zurückgefunden hatte — verbreitete sich durch das Schiff mit einer Geschwindigkeit und Intensität, die selbst Kranon, inmitten seiner eigenen, komplizierten Reaktion auf dieses Ereignis, kaum zu verarbeiten vermochte. Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich die zuvor von Angst und Anklage geprägte Atmosphäre der Kompanie in etwas, das einer kollektiven, kaum kontrollierten Ekstase nahekam — Astartes, die seit Jahrhunderten kaum eine Emotion jenseits stoischer Disziplin oder nihilistischer Verzweiflung gezeigt hatten, brachen in etwas aus, das Kranon nur als religiöse Verzückung beschreiben konnte, während die menschlichen Nachkommen der ursprünglichen Thralls, für die der Realraum bislang nur eine abstrakte, kaum vorstellbare Legende gewesen war, sich in einer Mischung aus Furcht und überwältigtem Staunen an den Bullaugen des Schiffes versammelten, um jenen gewöhnlichen, ungefilterten Sternenhimmel zu betrachten, den ihre Vorfahren einst als selbstverständlich hingenommen hatten.
Thagoth, als er Kranon in den chaotischen Stunden nach ihrer Rückkehr aufsuchte, trug einen Ausdruck, der eine komplizierte Mischung aus Triumph und, wie Kranon mit wachsender Beunruhigung bemerkte, einer Art unverhohlener Herausforderung an den Tag legte.
„Die Götter haben geantwortet“, sagte Thagoth, seine Stimme von jener fiebrigen Gewissheit durchdrungen, die Kranon bereits vor der Krise an ihm bemerkt hatte, jetzt jedoch verstärkt durch das scheinbar unwiderlegbare Zeugnis ihrer tatsächlichen Rückkehr. „Trotz deines Zweifels, Apostel — oder vielleicht sogar wegen der Prüfung, die dein Zweifel für uns alle dargestellt hat —, haben sie geantwortet. Was sagst du jetzt zu deinem tauben Gott?“
Es war eine Frage, die Kranon in den folgenden Tagen, während die Kompanie begann, die praktischen Implikationen ihrer Rückkehr zu verarbeiten — die Notwendigkeit, ihre gegenwärtige Position im Realraum zu bestimmen, die Frage, wie sie, nach zehntausend Jahren, überhaupt noch Kontakt zur größeren Struktur der Legion aufnehmen könnten, falls diese Struktur in irgendeiner erkennbaren Form noch existierte —, mit einer Gründlichkeit zu beantworten versuchte, die selbst ihm, nach so vielen Jahren des Zweifels, eine gewisse Überraschung bereitete.
Er zog sich, in den ruhigeren Stunden nach der ersten, überwältigenden Euphorie der Rückkehr, in Vorrs Navigationskammer zurück, um mit dem uralten, wahnsinnigen Navigator jene Berechnungen zu überprüfen, die die eigentliche, mechanische Grundlage ihrer erfolgreichen Passage dargestellt hatten — nicht aus Misstrauen gegenüber Vorrs Fähigkeiten, sondern aus jenem tief verwurzelten, analytischen Instinkt, der ihn seit Jahren dazu getrieben hatte, jede scheinbar übernatürliche Erklärung zunächst gegen die banalere Möglichkeit einer rein physikalischen, mechanischen Ursache abzuwägen.
Was er in Vorrs fragmentarischen, aber im Kern erstaunlich kohärenten Aufzeichnungen fand, bestätigte eine Vermutung, die sich in den Tagen seit ihrer Rückkehr zunehmend in seinem Bewusstsein verdichtet hatte, mit einer Klarheit, die ihm mehr existenzielle Erschütterung bereitete als jede der theologischen Debatten, die er in den vorangegangenen Wochen mit Thagoth und dem Rat geführt hatte — die Route, die sie zurück in den Realraum geführt hatte, war, gemäß Vorrs eigenen, präzisen Berechnungen, tatsächlich durch die messbaren, physikalischen Verschiebungen der Warp-Strömungen ermöglicht worden, die durch das galaxisweite Ereignis verursacht worden waren, das man später, in fragmentarischen Funksprüchen, die sie in den folgenden Wochen aus dem umgebenden Sektor auffingen, als Cicatrix Maledictum bezeichnete, den Großen Riss — eine physikalische, wenn auch durch das Immaterium vermittelte Konsequenz eines Ereignisses, das nichts mit den Verlorenen, mit ihrem Opfer, mit ihrem Glauben oder Zweifel zu tun hatte, sondern eine Kraft war, die ganze Sektoren der Galaxis unabhängig von jeder individuellen Hingabe oder Verzweiflung neu ordnete.
Das Opfer der vierzig Seelen, die exakte rituelle Präzision, die Kranon so sorgfältig aufrechterhalten hatte, ganz gleich, ob er die zugrundeliegenden Worte tatsächlich noch mit Überzeugung sprach — all dies, so erkannte er mit wachsender, kalter Klarheit, hatte möglicherweise überhaupt keine kausale Rolle in ihrer tatsächlichen Rückkehr gespielt, oder, wenn es eine Rolle gespielt hatte, dann eine, die sich nicht von der Rolle unterschied, die auch eine rein technische, unpersönliche Anpassung der Schiffssysteme an die veränderten Warp-Strömungen gespielt hätte — eine Möglichkeit, die weder das Vorhandensein noch die Abwesenheit einer tatsächlich zuhörenden, reagierenden Gottheit zu bestätigen oder zu widerlegen vermochte, sondern lediglich, mit unerbittlicher Ambiguität, offenließ, was tatsächlich geschehen war.
Und darin, so erkannte Kranon, in dieser Ambiguität selbst, lag die eigentliche, grausamste Antwort auf die Frage, die ihn seit Jahren gequält hatte — nicht die Gewissheit, dass die Götter taub waren, wie er in seinen dunkelsten Momenten des Zweifels befürchtet hatte, aber auch nicht die triumphale Bestätigung, die Thagoth in ihrer Rückkehr zu erkennen glaubte, sondern etwas Grausameres als beides: die Erkenntnis, dass die Frage selbst, ob die Götter zuhörten, vielleicht niemals eine Antwort finden würde, die stark genug wäre, um jeden weiteren Zweifel auszulöschen, dass jeder Beweis, den das Universum ihm anbot, ebenso plausibel als Zeichen göttlicher Gunst wie als bloßer, gleichgültiger Zufall interpretiert werden konnte, und dass er, Kranon, ehemaliger Sohn von Colchis, Dunkler Apostel der Verlorenen, für den Rest seiner erweiterten, von Chaos gezeichneten Existenz mit genau dieser Unauflösbarkeit würde leben müssen, ohne die Gnade einer endgültigen, unwiderlegbaren Gewissheit, in die eine oder die andere Richtung.
Sie waren zurückgekehrt.
Diese schlichte, kaum fassbare Tatsache — dass der *Kelch der Offenbarung*, nach zehntausend Jahren innerhalb der unergründlichen Weiten des Immateriums, tatsächlich, gegen jede vernünftige Erwartung, in den Realraum zurückgefunden hatte — verbreitete sich durch das Schiff mit einer Geschwindigkeit und Intensität, die selbst Kranon, inmitten seiner eigenen, komplizierten Reaktion auf dieses Ereignis, kaum zu verarbeiten vermochte. Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich die zuvor von Angst und Anklage geprägte Atmosphäre der Kompanie in etwas, das einer kollektiven, kaum kontrollierten Ekstase nahekam — Astartes, die seit Jahrhunderten kaum eine Emotion jenseits stoischer Disziplin oder nihilistischer Verzweiflung gezeigt hatten, brachen in etwas aus, das Kranon nur als religiöse Verzückung beschreiben konnte, während die menschlichen Nachkommen der ursprünglichen Thralls, für die der Realraum bislang nur eine abstrakte, kaum vorstellbare Legende gewesen war, sich in einer Mischung aus Furcht und überwältigtem Staunen an den Bullaugen des Schiffes versammelten, um jenen gewöhnlichen, ungefilterten Sternenhimmel zu betrachten, den ihre Vorfahren einst als selbstverständlich hingenommen hatten.
Thagoth, als er Kranon in den chaotischen Stunden nach ihrer Rückkehr aufsuchte, trug einen Ausdruck, der eine komplizierte Mischung aus Triumph und, wie Kranon mit wachsender Beunruhigung bemerkte, einer Art unverhohlener Herausforderung an den Tag legte.
„Die Götter haben geantwortet“, sagte Thagoth, seine Stimme von jener fiebrigen Gewissheit durchdrungen, die Kranon bereits vor der Krise an ihm bemerkt hatte, jetzt jedoch verstärkt durch das scheinbar unwiderlegbare Zeugnis ihrer tatsächlichen Rückkehr. „Trotz deines Zweifels, Apostel — oder vielleicht sogar wegen der Prüfung, die dein Zweifel für uns alle dargestellt hat —, haben sie geantwortet. Was sagst du jetzt zu deinem tauben Gott?“
Es war eine Frage, die Kranon in den folgenden Tagen, während die Kompanie begann, die praktischen Implikationen ihrer Rückkehr zu verarbeiten — die Notwendigkeit, ihre gegenwärtige Position im Realraum zu bestimmen, die Frage, wie sie, nach zehntausend Jahren, überhaupt noch Kontakt zur größeren Struktur der Legion aufnehmen könnten, falls diese Struktur in irgendeiner erkennbaren Form noch existierte —, mit einer Gründlichkeit zu beantworten versuchte, die selbst ihm, nach so vielen Jahren des Zweifels, eine gewisse Überraschung bereitete.
Er zog sich, in den ruhigeren Stunden nach der ersten, überwältigenden Euphorie der Rückkehr, in Vorrs Navigationskammer zurück, um mit dem uralten, wahnsinnigen Navigator jene Berechnungen zu überprüfen, die die eigentliche, mechanische Grundlage ihrer erfolgreichen Passage dargestellt hatten — nicht aus Misstrauen gegenüber Vorrs Fähigkeiten, sondern aus jenem tief verwurzelten, analytischen Instinkt, der ihn seit Jahren dazu getrieben hatte, jede scheinbar übernatürliche Erklärung zunächst gegen die banalere Möglichkeit einer rein physikalischen, mechanischen Ursache abzuwägen.
Was er in Vorrs fragmentarischen, aber im Kern erstaunlich kohärenten Aufzeichnungen fand, bestätigte eine Vermutung, die sich in den Tagen seit ihrer Rückkehr zunehmend in seinem Bewusstsein verdichtet hatte, mit einer Klarheit, die ihm mehr existenzielle Erschütterung bereitete als jede der theologischen Debatten, die er in den vorangegangenen Wochen mit Thagoth und dem Rat geführt hatte — die Route, die sie zurück in den Realraum geführt hatte, war, gemäß Vorrs eigenen, präzisen Berechnungen, tatsächlich durch die messbaren, physikalischen Verschiebungen der Warp-Strömungen ermöglicht worden, die durch das galaxisweite Ereignis verursacht worden waren, das man später, in fragmentarischen Funksprüchen, die sie in den folgenden Wochen aus dem umgebenden Sektor auffingen, als Cicatrix Maledictum bezeichnete, den Großen Riss — eine physikalische, wenn auch durch das Immaterium vermittelte Konsequenz eines Ereignisses, das nichts mit den Verlorenen, mit ihrem Opfer, mit ihrem Glauben oder Zweifel zu tun hatte, sondern eine Kraft war, die ganze Sektoren der Galaxis unabhängig von jeder individuellen Hingabe oder Verzweiflung neu ordnete.
Das Opfer der vierzig Seelen, die exakte rituelle Präzision, die Kranon so sorgfältig aufrechterhalten hatte, ganz gleich, ob er die zugrundeliegenden Worte tatsächlich noch mit Überzeugung sprach — all dies, so erkannte er mit wachsender, kalter Klarheit, hatte möglicherweise überhaupt keine kausale Rolle in ihrer tatsächlichen Rückkehr gespielt, oder, wenn es eine Rolle gespielt hatte, dann eine, die sich nicht von der Rolle unterschied, die auch eine rein technische, unpersönliche Anpassung der Schiffssysteme an die veränderten Warp-Strömungen gespielt hätte — eine Möglichkeit, die weder das Vorhandensein noch die Abwesenheit einer tatsächlich zuhörenden, reagierenden Gottheit zu bestätigen oder zu widerlegen vermochte, sondern lediglich, mit unerbittlicher Ambiguität, offenließ, was tatsächlich geschehen war.
Und darin, so erkannte Kranon, in dieser Ambiguität selbst, lag die eigentliche, grausamste Antwort auf die Frage, die ihn seit Jahren gequält hatte — nicht die Gewissheit, dass die Götter taub waren, wie er in seinen dunkelsten Momenten des Zweifels befürchtet hatte, aber auch nicht die triumphale Bestätigung, die Thagoth in ihrer Rückkehr zu erkennen glaubte, sondern etwas Grausameres als beides: die Erkenntnis, dass die Frage selbst, ob die Götter zuhörten, vielleicht niemals eine Antwort finden würde, die stark genug wäre, um jeden weiteren Zweifel auszulöschen, dass jeder Beweis, den das Universum ihm anbot, ebenso plausibel als Zeichen göttlicher Gunst wie als bloßer, gleichgültiger Zufall interpretiert werden konnte, und dass er, Kranon, ehemaliger Sohn von Colchis, Dunkler Apostel der Verlorenen, für den Rest seiner erweiterten, von Chaos gezeichneten Existenz mit genau dieser Unauflösbarkeit würde leben müssen, ohne die Gnade einer endgültigen, unwiderlegbaren Gewissheit, in die eine oder die andere Richtung.
IX. DIE WELT, DIE SIE NICHT KANNTENIX. DIE WELT, DIE SIE NICHT KANNTEN
Die ersten fragmentarischen Vox- und Astropathischen Übertragungen, die der *Kelch der Offenbarung* in den Tagen nach seiner Rückkehr aus dem umliegenden Sektor auffing — verzerrt, unvollständig, oft kaum mehr als Rauschen, aus dem Vorr und die verbliebenen technisch versierten Mitglieder der Kompanie mühsam Bedeutung zu extrahieren versuchten —, offenbarten eine Galaxis, die mit der Welt, die Kranon vor zehntausend Jahren verlassen hatte, kaum noch etwas gemeinsam hatte.
Das Imperium, das er einst als monolithischen, wenn auch dekadenten Feind verstanden hatte, existierte noch immer, aber in einer Form, die selbst Kranon, dessen gesamtes Leben dem Studium und der theologischen Bekämpfung dieses Imperiums gewidmet gewesen war, mit einer Mischung aus professioneller Faszination und tieferer, existenzieller Verwirrung erfüllte. Ein Riss — jene *Wunde im Realraum*, von der Vorr bereits Wochen zuvor gesprochen hatte, offiziell als Cicatrix Maledictum bezeichnet in den fragmentarischen imperialen Übertragungen, die sie auffingen — hatte die gesamte Galaxis in zwei ungleiche Hälften geteilt, ein Riss von einem Ausmaß, das jede vorherige, ihm bekannte Manifestation der Macht des Chaos in der Geschichte der Galaxis in den Schatten stellte.
„Es ist geschehen“, sagte Vorr, seine Stimme von einer Ehrfurcht durchdrungen, die selbst durch seinen fortgeschrittenen Wahnsinn hindurch unverkennbar war, während er die gesammelten Fragmente ihrer abgefangenen Übertragungen für Kranon zusammenzustellen versuchte. „Was Lorgar begann, was die gesamte Große Häresie in Gang setzte — es hat sich zehntausend Jahre später vollendet, in einem Ausmaß, das selbst er sich vielleicht nicht hätte vorstellen können. Die Galaxis blutet, Apostel. Sie blutet, so wie wir all die Jahrhunderte geblutet haben, um die Ohren der Götter zu erreichen.“
Kranon, der die fragmentarischen Berichte mit derselben analytischen Vorsicht studierte, die er auch auf Vorrs Berechnungen der Warp-Strömungen angewendet hatte, fand in dieser Interpretation eine bittere, fast unerträgliche Ironie — dass ausgerechnet jenes Ereignis, das ihre eigene, jahrtausendealte Isolation letztlich beendet hatte, von den verbliebenen Astartes und Menschen an Bord des *Kelch der Offenbarung* zunehmend als das ultimative, unwiderlegbare Zeichen der Aufmerksamkeit der Götter interpretiert wurde, während es, aus Kranons eigener, zunehmend distanzierter Perspektive, ebenso gut als das größtmögliche Argument gegen jede Vorstellung einer persönlichen, auf individuelle Hingabe reagierenden Gottheit gelesen werden konnte — ein Ereignis von derartiger galaktischer Größenordnung, dass die Vorstellung, es habe irgendetwas mit dem Schicksal einer winzigen, seit Jahrtausenden isolierten Kompanie von siebzehn Astartes zu tun, geradezu lächerlich erschien, verglichen mit den Milliarden anderer Seelen, die von derselben, gleichgültigen kosmischen Katastrophe betroffen waren.
Sie erfuhren, in den folgenden Wochen, während der *Kelch der Offenbarung* vorsichtig durch einen Sektor navigierte, dessen genaue Position selbst Vorr nur mit beträchtlicher Unsicherheit zu bestimmen vermochte, von Ereignissen, die die gesamte Struktur der Galaxis, die Kranon einst gekannt hatte, fundamental verändert hatten — der Fall von Cadia, jener Welt, deren Verteidigung seit Jahrtausenden als eines der zentralen strategischen Bollwerke des Imperiums gegen das Auge des Schreckens gegolten hatte; die Wiederkehr Roboute Guillimans, jenes Primarchen, dessen Tod, wie Kranon es aus den alten Legenden seiner eigenen Jugend kannte, als eine der grundlegenden Tatsachen der imperialen Geschichte gegolten hatte, nun aber, gemäß den fragmentarischen Übertragungen, die sie auffingen, rückgängig gemacht worden war, durch Mittel, die selbst die technisch versierten Mitglieder der Kompanie nicht vollständig zu rekonstruieren vermochten; die Etablierung einer neuen, aggressiveren imperialen Militärdoktrin, verkörpert durch neue, größere Space Marines, die man in den abgefangenen Übertragungen als *Primaris* bezeichnete, deren bloße Existenz eine Antwort auf eine Bedrohungslage darstellte, die weit über alles hinausging, was Kranon aus seiner eigenen, zehntausend Jahre zurückliegenden Erfahrung des Krieges gegen das Imperium kannte.
„Wir sind Fremde in dieser Galaxis“, sagte Kranon, während er, gemeinsam mit den verbliebenen Offizieren der Kompanie, in der Ratskammer die Implikationen dieser fragmentarischen Erkenntnisse zu verarbeiten versuchte. „Fremder, vielleicht, als wir es je waren, während wir noch innerhalb des Immateriums gefangen waren. Zumindest dort kannten wir unsere Situation, so grausam sie auch war. Hier draußen wissen wir nicht einmal, welche Fraktionen unsere natürlichen Verbündeten sind, welche Kommandostrukturen der Legion noch existieren, ob Kor Phaeron selbst noch lebt, ob Colchis noch existiert, ob irgendetwas von dem, was wir einst als selbstverständlich betrachteten, noch Bestand hat.“
„Dann finden wir es heraus“, sagte Thagoth, dessen anfängliche, triumphale Gewissheit sich in den Tagen der Verarbeitung dieser fragmentarischen Informationen zu einer neuen, zielgerichteteren Entschlossenheit gewandelt hatte. „Wir sind zurückgekehrt, nach zehntausend Jahren der Prüfung, in eine Galaxis, die selbst von den Göttern gezeichnet wurde, in einem Ausmaß, das unsere gesamte Isolation als bloße Vorbereitung erscheinen lässt — eine Vorbereitung auf genau diesen Moment, in dem wir, geläutert durch unsere Jahrtausende der Prüfung, in einen Krieg zurückkehren können, der größer ist als alles, was wir uns je hätten vorstellen können.“
Es war eine Interpretation, die, wie Kranon mit wachsender Erschöpfung bemerkte, unter den verbliebenen Astartes und selbst unter vielen der menschlichen Nachkommen zunehmend Anklang fand, eine Erzählung, die ihrer jahrtausendelangen, scheinbar sinnlosen Isolation nachträglich einen kosmischen, bedeutungsvollen Zweck verlieh — und Kranon fand sich, trotz seiner eigenen, unveränderten Skepsis gegenüber jeder derartigen, alles erklärenden Interpretation, unfähig, ihnen diesen Trost vollständig zu verweigern, angesichts dessen, was er selbst, in seinen ehrlichsten Momenten, als die einzige nüchterne Alternative erkannte: dass sie schlicht siebzehn erschöpfte, durch zehntausend Jahre der Isolation gezeichnete Krieger waren, zurückgekehrt in eine Galaxis, die sich ohne jede Rücksicht auf ihr Schicksal fundamental verändert hatte, ohne besonderen kosmischen Zweck, ohne göttliche Vorsehung, lediglich als eine weitere, zufällige Fußnote in der endlosen, gleichgültigen Chronik eines Krieges, der niemals wirklich um sie selbst gegangen war.
Die ersten fragmentarischen Vox- und Astropathischen Übertragungen, die der *Kelch der Offenbarung* in den Tagen nach seiner Rückkehr aus dem umliegenden Sektor auffing — verzerrt, unvollständig, oft kaum mehr als Rauschen, aus dem Vorr und die verbliebenen technisch versierten Mitglieder der Kompanie mühsam Bedeutung zu extrahieren versuchten —, offenbarten eine Galaxis, die mit der Welt, die Kranon vor zehntausend Jahren verlassen hatte, kaum noch etwas gemeinsam hatte.
Das Imperium, das er einst als monolithischen, wenn auch dekadenten Feind verstanden hatte, existierte noch immer, aber in einer Form, die selbst Kranon, dessen gesamtes Leben dem Studium und der theologischen Bekämpfung dieses Imperiums gewidmet gewesen war, mit einer Mischung aus professioneller Faszination und tieferer, existenzieller Verwirrung erfüllte. Ein Riss — jene *Wunde im Realraum*, von der Vorr bereits Wochen zuvor gesprochen hatte, offiziell als Cicatrix Maledictum bezeichnet in den fragmentarischen imperialen Übertragungen, die sie auffingen — hatte die gesamte Galaxis in zwei ungleiche Hälften geteilt, ein Riss von einem Ausmaß, das jede vorherige, ihm bekannte Manifestation der Macht des Chaos in der Geschichte der Galaxis in den Schatten stellte.
„Es ist geschehen“, sagte Vorr, seine Stimme von einer Ehrfurcht durchdrungen, die selbst durch seinen fortgeschrittenen Wahnsinn hindurch unverkennbar war, während er die gesammelten Fragmente ihrer abgefangenen Übertragungen für Kranon zusammenzustellen versuchte. „Was Lorgar begann, was die gesamte Große Häresie in Gang setzte — es hat sich zehntausend Jahre später vollendet, in einem Ausmaß, das selbst er sich vielleicht nicht hätte vorstellen können. Die Galaxis blutet, Apostel. Sie blutet, so wie wir all die Jahrhunderte geblutet haben, um die Ohren der Götter zu erreichen.“
Kranon, der die fragmentarischen Berichte mit derselben analytischen Vorsicht studierte, die er auch auf Vorrs Berechnungen der Warp-Strömungen angewendet hatte, fand in dieser Interpretation eine bittere, fast unerträgliche Ironie — dass ausgerechnet jenes Ereignis, das ihre eigene, jahrtausendealte Isolation letztlich beendet hatte, von den verbliebenen Astartes und Menschen an Bord des *Kelch der Offenbarung* zunehmend als das ultimative, unwiderlegbare Zeichen der Aufmerksamkeit der Götter interpretiert wurde, während es, aus Kranons eigener, zunehmend distanzierter Perspektive, ebenso gut als das größtmögliche Argument gegen jede Vorstellung einer persönlichen, auf individuelle Hingabe reagierenden Gottheit gelesen werden konnte — ein Ereignis von derartiger galaktischer Größenordnung, dass die Vorstellung, es habe irgendetwas mit dem Schicksal einer winzigen, seit Jahrtausenden isolierten Kompanie von siebzehn Astartes zu tun, geradezu lächerlich erschien, verglichen mit den Milliarden anderer Seelen, die von derselben, gleichgültigen kosmischen Katastrophe betroffen waren.
Sie erfuhren, in den folgenden Wochen, während der *Kelch der Offenbarung* vorsichtig durch einen Sektor navigierte, dessen genaue Position selbst Vorr nur mit beträchtlicher Unsicherheit zu bestimmen vermochte, von Ereignissen, die die gesamte Struktur der Galaxis, die Kranon einst gekannt hatte, fundamental verändert hatten — der Fall von Cadia, jener Welt, deren Verteidigung seit Jahrtausenden als eines der zentralen strategischen Bollwerke des Imperiums gegen das Auge des Schreckens gegolten hatte; die Wiederkehr Roboute Guillimans, jenes Primarchen, dessen Tod, wie Kranon es aus den alten Legenden seiner eigenen Jugend kannte, als eine der grundlegenden Tatsachen der imperialen Geschichte gegolten hatte, nun aber, gemäß den fragmentarischen Übertragungen, die sie auffingen, rückgängig gemacht worden war, durch Mittel, die selbst die technisch versierten Mitglieder der Kompanie nicht vollständig zu rekonstruieren vermochten; die Etablierung einer neuen, aggressiveren imperialen Militärdoktrin, verkörpert durch neue, größere Space Marines, die man in den abgefangenen Übertragungen als *Primaris* bezeichnete, deren bloße Existenz eine Antwort auf eine Bedrohungslage darstellte, die weit über alles hinausging, was Kranon aus seiner eigenen, zehntausend Jahre zurückliegenden Erfahrung des Krieges gegen das Imperium kannte.
„Wir sind Fremde in dieser Galaxis“, sagte Kranon, während er, gemeinsam mit den verbliebenen Offizieren der Kompanie, in der Ratskammer die Implikationen dieser fragmentarischen Erkenntnisse zu verarbeiten versuchte. „Fremder, vielleicht, als wir es je waren, während wir noch innerhalb des Immateriums gefangen waren. Zumindest dort kannten wir unsere Situation, so grausam sie auch war. Hier draußen wissen wir nicht einmal, welche Fraktionen unsere natürlichen Verbündeten sind, welche Kommandostrukturen der Legion noch existieren, ob Kor Phaeron selbst noch lebt, ob Colchis noch existiert, ob irgendetwas von dem, was wir einst als selbstverständlich betrachteten, noch Bestand hat.“
„Dann finden wir es heraus“, sagte Thagoth, dessen anfängliche, triumphale Gewissheit sich in den Tagen der Verarbeitung dieser fragmentarischen Informationen zu einer neuen, zielgerichteteren Entschlossenheit gewandelt hatte. „Wir sind zurückgekehrt, nach zehntausend Jahren der Prüfung, in eine Galaxis, die selbst von den Göttern gezeichnet wurde, in einem Ausmaß, das unsere gesamte Isolation als bloße Vorbereitung erscheinen lässt — eine Vorbereitung auf genau diesen Moment, in dem wir, geläutert durch unsere Jahrtausende der Prüfung, in einen Krieg zurückkehren können, der größer ist als alles, was wir uns je hätten vorstellen können.“
Es war eine Interpretation, die, wie Kranon mit wachsender Erschöpfung bemerkte, unter den verbliebenen Astartes und selbst unter vielen der menschlichen Nachkommen zunehmend Anklang fand, eine Erzählung, die ihrer jahrtausendelangen, scheinbar sinnlosen Isolation nachträglich einen kosmischen, bedeutungsvollen Zweck verlieh — und Kranon fand sich, trotz seiner eigenen, unveränderten Skepsis gegenüber jeder derartigen, alles erklärenden Interpretation, unfähig, ihnen diesen Trost vollständig zu verweigern, angesichts dessen, was er selbst, in seinen ehrlichsten Momenten, als die einzige nüchterne Alternative erkannte: dass sie schlicht siebzehn erschöpfte, durch zehntausend Jahre der Isolation gezeichnete Krieger waren, zurückgekehrt in eine Galaxis, die sich ohne jede Rücksicht auf ihr Schicksal fundamental verändert hatte, ohne besonderen kosmischen Zweck, ohne göttliche Vorsehung, lediglich als eine weitere, zufällige Fußnote in der endlosen, gleichgültigen Chronik eines Krieges, der niemals wirklich um sie selbst gegangen war.
X. DER BRUCHX. DER BRUCH
Die Entscheidung, die den *Kelch der Offenbarung* letztlich in zwei unvereinbare Fraktionen spaltete, kristallisierte sich in den folgenden Wochen um eine Frage, die, wie Kranon es mit wachsender Klarheit erkannte, letztlich dieselbe grundlegende Spannung widerspiegelte, die seine eigene, jahrelange Auseinandersetzung mit seinem Glauben geprägt hatte — die Frage, was die Verlorenen mit ihrer unerwarteten, gegen jede Wahrscheinlichkeit erlangten Freiheit tatsächlich anfangen sollten.
Thagoth, dessen Position sich durch die scheinbare Bestätigung seiner Interpretation ihrer Rückkehr als göttliches Zeichen zunehmend gefestigt hatte, drängte auf einen unmittelbaren, aggressiven Kurs — die Etablierung von Kontakt zu jeder verbliebenen Struktur der Word Bearers, die sie in dieser veränderten Galaxis finden konnten, die sofortige Wiederaufnahme ihres unterbrochenen Kreuzzugs, verstärkt durch die Überzeugung, dass ihre wundersame Rückkehr sie zu etwas Besonderem machte, zu Werkzeugen einer göttlichen Absicht, deren volles Ausmaß sich erst noch offenbaren würde.
„Wir haben eine Pflicht“, erklärte Thagoth, während sich die verbliebenen Offiziere ein letztes Mal in der Ratskammer versammelten, um über den zukünftigen Kurs des Schiffes zu entscheiden. „Eine Pflicht gegenüber dem Wort selbst, gegenüber Lorgars ursprünglicher Vision, die wir seit zehntausend Jahren durch unsere erzwungene Isolation zu erfüllen verhindert waren. Diese neue, zerrissene Galaxis braucht das Wort dringender als je zuvor. Wir sollten uns nicht verstecken, nicht zaudern, sondern unmittelbar in diesen größeren Krieg eintreten, mit der geläuterten, durch Jahrtausende der Prüfung gestärkten Hingabe, die uns von jeder anderen, verweichlichten Kriegsband des gegenwärtigen Zeitalters unterscheidet.“
Kranon, der während dieser Debatte eine zunehmend isolierte, aber, wie er selbst erkannte, letztlich unausweichliche Position vertrat, widersprach mit einer Offenheit, die er sich in den Jahrzehnten vor seiner öffentlichen Aussprache seines Zweifels nie erlaubt hätte.
„Wir sind siebzehn Astartes“, sagte er, „unterstützt von einigen hundert Menschen, deren gesamte Erfahrung der Existenz sich auf das Innere dieses einen Schiffes beschränkt. Wir kennen die gegenwärtige Struktur der Legion nicht, die gegenwärtigen politischen Verwerfungen zwischen den verschiedenen Kulten und Kriegsbanden, die sich in zehntausend Jahren zweifellos entwickelt haben. Ein unmittelbarer, unvorbereiteter Eintritt in diesen größeren Krieg wäre nicht Hingabe, Champion — es wäre Selbstmord, verkleidet als religiöser Eifer.“
„Du sprichst wieder von Zweifel, verkleidet als Vorsicht“, erwiderte Thagoth, seine Stimme jetzt von einer Härte durchdrungen, die keinen weiteren Kompromiss mehr zuließ. „Ich habe deine Ehrlichkeit vor der Passage respektiert, Apostel. Ich respektiere sie noch immer. Aber Respekt bedeutet nicht Übereinstimmung, und ich glaube nicht länger, dass du der richtige Führer für das bist, was als Nächstes kommen muss. Die Kompanie muss sich entscheiden — folgen wir dem Mann, der uns durch reine, handwerkliche Präzision ohne erkennbaren Glauben zurückgebracht hat, oder folgen wir jenen, die bereit sind, die Bedeutung dieser Rückkehr mit der vollen Überzeugung zu bekennen, die sie verdient?“
Die Abstimmung, die in den folgenden Stunden unter den verbliebenen Offizieren und, in einer Neuerung, die selbst Kranon überraschte, unter Vertretern der menschlichen Bevölkerung des Schiffes durchgeführt wurde — ein demokratisches Element, das keiner offiziellen Tradition der Legion entsprach, sich aber, über die Jahrhunderte gemeinsamer Isolation, als pragmatische Notwendigkeit einer derart kleinen, voneinander abhängigen Gemeinschaft etabliert hatte —, fiel, wie Kranon es bereits mit einer Art resignierter Klarheit vorausgesehen hatte, mehrheitlich zugunsten Thagoths aggressiverer, von unmittelbarer religiöser Gewissheit getragener Vision aus.
Neun der siebzehn verbliebenen Astartes, darunter Sergeant Malkor, dessen nihilistische Verzweiflung sich mit erstaunlicher Leichtigkeit in Thagoths fiebrige Gewissheit ummünzen ließ, erklärten sich bereit, unter Thagoths Führung Kontakt zu den nächstgelegenen bekannten Chaos-Territorien aufzunehmen und sich, so schnell es die Umstände erlaubten, dem größeren Krieg um den Großen Riss anzuschließen. Die verbleibenden acht, gemeinsam mit der überwiegenden Mehrheit der menschlichen Bevölkerung, entschieden sich, bei Kranon zu bleiben, für einen vorsichtigeren, weniger unmittelbar konfrontativen Kurs — nicht aus einer expliziten Ablehnung des Wortes oder der Dunklen Götter, sondern aus einer pragmatischen Vorsicht, die, wie Kranon nicht ohne eine gewisse bittere Selbsterkenntnis bemerkte, letztlich eine Fortsetzung derselben Unsicherheit war, die sein eigenes, jahrzehntelanges Ringen geprägt hatte.
Die Trennung, als sie schließlich vollzogen wurde — Thagoth und seine neun Gefolgsleute, ausgerüstet mit einem der beiden verbliebenen Landungsschiffe des *Kelch der Offenbarung*, bereit, sich auf die Suche nach dem größeren Krieg zu begeben, dem sie sich mit einer Gewissheit verschrieben hatten, die Kranon selbst nicht mehr zu empfinden vermochte —, vollzog sich mit einer Zeremonie, die weder feindselig noch versöhnlich war, sondern lediglich, wie so vieles in ihrem gemeinsamen, von Verlust und Ungewissheit geprägten Dienst, eine schlichte, unausweichliche Anerkennung dessen, dass zwei fundamental unvereinbare Vorstellungen dessen, was ihr Glaube tatsächlich von ihnen verlangte, sich nicht länger unter demselben Kommando vereinen ließen.
„Ich hoffe, dass du recht hast, Apostel“, sagte Thagoth, in den letzten Momenten vor seiner Abreise, seine Stimme von einer Ambivalenz durchdrungen, die selbst durch seine mutierte, kaum noch menschliche Erscheinung hindurch unverkennbar war. „Ich hoffe, dass es einen Wert hat, das zu bewahren, was wir hier zurücklassen — die Vorsicht, die Zurückhaltung, den Zweifel selbst. Aber ich glaube nicht, dass die Götter, die uns aus zehntausend Jahren der Verbannung befreit haben, Zurückhaltung als angemessene Antwort auf ihre Gnade betrachten werden.“
„Vielleicht nicht“, sagte Kranon. „Aber ich habe aufgehört zu glauben, dass ich mit Sicherheit weiß, was die Götter von uns erwarten, Champion, wenn ich es je gewusst habe. Ich weiß nur, was ich diesen Menschen schulde, die uns durch zehntausend Jahre der Isolation begleitet haben, ohne jemals eine Wahl in dieser Angelegenheit gehabt zu haben. Ich schulde ihnen keine weitere, unbedachte Konfrontation mit einer Galaxis, die wir kaum verstehen. Das ist alles, was ich mit Sicherheit weiß.“
Die Entscheidung, die den *Kelch der Offenbarung* letztlich in zwei unvereinbare Fraktionen spaltete, kristallisierte sich in den folgenden Wochen um eine Frage, die, wie Kranon es mit wachsender Klarheit erkannte, letztlich dieselbe grundlegende Spannung widerspiegelte, die seine eigene, jahrelange Auseinandersetzung mit seinem Glauben geprägt hatte — die Frage, was die Verlorenen mit ihrer unerwarteten, gegen jede Wahrscheinlichkeit erlangten Freiheit tatsächlich anfangen sollten.
Thagoth, dessen Position sich durch die scheinbare Bestätigung seiner Interpretation ihrer Rückkehr als göttliches Zeichen zunehmend gefestigt hatte, drängte auf einen unmittelbaren, aggressiven Kurs — die Etablierung von Kontakt zu jeder verbliebenen Struktur der Word Bearers, die sie in dieser veränderten Galaxis finden konnten, die sofortige Wiederaufnahme ihres unterbrochenen Kreuzzugs, verstärkt durch die Überzeugung, dass ihre wundersame Rückkehr sie zu etwas Besonderem machte, zu Werkzeugen einer göttlichen Absicht, deren volles Ausmaß sich erst noch offenbaren würde.
„Wir haben eine Pflicht“, erklärte Thagoth, während sich die verbliebenen Offiziere ein letztes Mal in der Ratskammer versammelten, um über den zukünftigen Kurs des Schiffes zu entscheiden. „Eine Pflicht gegenüber dem Wort selbst, gegenüber Lorgars ursprünglicher Vision, die wir seit zehntausend Jahren durch unsere erzwungene Isolation zu erfüllen verhindert waren. Diese neue, zerrissene Galaxis braucht das Wort dringender als je zuvor. Wir sollten uns nicht verstecken, nicht zaudern, sondern unmittelbar in diesen größeren Krieg eintreten, mit der geläuterten, durch Jahrtausende der Prüfung gestärkten Hingabe, die uns von jeder anderen, verweichlichten Kriegsband des gegenwärtigen Zeitalters unterscheidet.“
Kranon, der während dieser Debatte eine zunehmend isolierte, aber, wie er selbst erkannte, letztlich unausweichliche Position vertrat, widersprach mit einer Offenheit, die er sich in den Jahrzehnten vor seiner öffentlichen Aussprache seines Zweifels nie erlaubt hätte.
„Wir sind siebzehn Astartes“, sagte er, „unterstützt von einigen hundert Menschen, deren gesamte Erfahrung der Existenz sich auf das Innere dieses einen Schiffes beschränkt. Wir kennen die gegenwärtige Struktur der Legion nicht, die gegenwärtigen politischen Verwerfungen zwischen den verschiedenen Kulten und Kriegsbanden, die sich in zehntausend Jahren zweifellos entwickelt haben. Ein unmittelbarer, unvorbereiteter Eintritt in diesen größeren Krieg wäre nicht Hingabe, Champion — es wäre Selbstmord, verkleidet als religiöser Eifer.“
„Du sprichst wieder von Zweifel, verkleidet als Vorsicht“, erwiderte Thagoth, seine Stimme jetzt von einer Härte durchdrungen, die keinen weiteren Kompromiss mehr zuließ. „Ich habe deine Ehrlichkeit vor der Passage respektiert, Apostel. Ich respektiere sie noch immer. Aber Respekt bedeutet nicht Übereinstimmung, und ich glaube nicht länger, dass du der richtige Führer für das bist, was als Nächstes kommen muss. Die Kompanie muss sich entscheiden — folgen wir dem Mann, der uns durch reine, handwerkliche Präzision ohne erkennbaren Glauben zurückgebracht hat, oder folgen wir jenen, die bereit sind, die Bedeutung dieser Rückkehr mit der vollen Überzeugung zu bekennen, die sie verdient?“
Die Abstimmung, die in den folgenden Stunden unter den verbliebenen Offizieren und, in einer Neuerung, die selbst Kranon überraschte, unter Vertretern der menschlichen Bevölkerung des Schiffes durchgeführt wurde — ein demokratisches Element, das keiner offiziellen Tradition der Legion entsprach, sich aber, über die Jahrhunderte gemeinsamer Isolation, als pragmatische Notwendigkeit einer derart kleinen, voneinander abhängigen Gemeinschaft etabliert hatte —, fiel, wie Kranon es bereits mit einer Art resignierter Klarheit vorausgesehen hatte, mehrheitlich zugunsten Thagoths aggressiverer, von unmittelbarer religiöser Gewissheit getragener Vision aus.
Neun der siebzehn verbliebenen Astartes, darunter Sergeant Malkor, dessen nihilistische Verzweiflung sich mit erstaunlicher Leichtigkeit in Thagoths fiebrige Gewissheit ummünzen ließ, erklärten sich bereit, unter Thagoths Führung Kontakt zu den nächstgelegenen bekannten Chaos-Territorien aufzunehmen und sich, so schnell es die Umstände erlaubten, dem größeren Krieg um den Großen Riss anzuschließen. Die verbleibenden acht, gemeinsam mit der überwiegenden Mehrheit der menschlichen Bevölkerung, entschieden sich, bei Kranon zu bleiben, für einen vorsichtigeren, weniger unmittelbar konfrontativen Kurs — nicht aus einer expliziten Ablehnung des Wortes oder der Dunklen Götter, sondern aus einer pragmatischen Vorsicht, die, wie Kranon nicht ohne eine gewisse bittere Selbsterkenntnis bemerkte, letztlich eine Fortsetzung derselben Unsicherheit war, die sein eigenes, jahrzehntelanges Ringen geprägt hatte.
Die Trennung, als sie schließlich vollzogen wurde — Thagoth und seine neun Gefolgsleute, ausgerüstet mit einem der beiden verbliebenen Landungsschiffe des *Kelch der Offenbarung*, bereit, sich auf die Suche nach dem größeren Krieg zu begeben, dem sie sich mit einer Gewissheit verschrieben hatten, die Kranon selbst nicht mehr zu empfinden vermochte —, vollzog sich mit einer Zeremonie, die weder feindselig noch versöhnlich war, sondern lediglich, wie so vieles in ihrem gemeinsamen, von Verlust und Ungewissheit geprägten Dienst, eine schlichte, unausweichliche Anerkennung dessen, dass zwei fundamental unvereinbare Vorstellungen dessen, was ihr Glaube tatsächlich von ihnen verlangte, sich nicht länger unter demselben Kommando vereinen ließen.
„Ich hoffe, dass du recht hast, Apostel“, sagte Thagoth, in den letzten Momenten vor seiner Abreise, seine Stimme von einer Ambivalenz durchdrungen, die selbst durch seine mutierte, kaum noch menschliche Erscheinung hindurch unverkennbar war. „Ich hoffe, dass es einen Wert hat, das zu bewahren, was wir hier zurücklassen — die Vorsicht, die Zurückhaltung, den Zweifel selbst. Aber ich glaube nicht, dass die Götter, die uns aus zehntausend Jahren der Verbannung befreit haben, Zurückhaltung als angemessene Antwort auf ihre Gnade betrachten werden.“
„Vielleicht nicht“, sagte Kranon. „Aber ich habe aufgehört zu glauben, dass ich mit Sicherheit weiß, was die Götter von uns erwarten, Champion, wenn ich es je gewusst habe. Ich weiß nur, was ich diesen Menschen schulde, die uns durch zehntausend Jahre der Isolation begleitet haben, ohne jemals eine Wahl in dieser Angelegenheit gehabt zu haben. Ich schulde ihnen keine weitere, unbedachte Konfrontation mit einer Galaxis, die wir kaum verstehen. Das ist alles, was ich mit Sicherheit weiß.“
XI. DAS NACHSPIEL VON GRAAL'S RANDXI. DAS NACHSPIEL VON GRAAL'S RAND
Es war knapp zwei Wochen nach Thagoths Abreise, während der *Kelch der Offenbarung* noch immer die unmittelbaren Schäden der Passage und der nachfolgenden Trennung zu beheben versuchte, als der Alarm eines herannahenden Kontakts durch die Korridore des Schiffes hallte — ein imperiales Geleitgeschwader, wie sich rasch herausstellte, drei Fregatten der Imperialen Flotte unter der Bezeichnung *Wache von Graal's Rand*, die, wie Kranon aus den abgefangenen Vox-Fragmenten rekonstruierte, der schwachen Warp-Signatur ihrer eigenen, katastrophalen Rückkehr in den Realraum gefolgt waren, in der Annahme, ein havariertes oder havariertes geglaubtes eigenes Schiff zu finden, das Beistand benötigte.
Was sie stattdessen fanden, war ein Schiff, dessen Rümpfe mit den unverkennbaren Zeichen der Verehrung des Chaos übersät waren, und die Reaktion der imperialen Kommandantin — eine Kapitänin namens Ysolde Marrow, deren Stimme über den offenen Vox-Kanal mit einer Kälte übertragen wurde, die selbst durch die schlechte Übertragungsqualität hindurch unverkennbar war — ließ keinen Zweifel daran, dass Verhandlung keine Option war, die das Imperium in einer solchen Begegnung jemals in Erwägung zog.
„Ketzerschiff, identifiziert als Wortträger-Klasse“, verkündete Marrow, ihre Worte mehr an ihre eigene Flotte gerichtet als an Kranon oder irgendjemanden an Bord des *Kelch der Offenbarung*, „bereitet euch auf Auslöschung im Namen des Imperators vor.“
Kranon, der die Kommandobrücke — ein Deck, das er in den vorangegangenen zehntausend Jahren nur selten selbst betreten hatte, da die praktische Führung des Schiffes traditionell in den Händen spezialisierter Offiziere gelegen hatte, von denen die meisten inzwischen tot oder mit Thagoth abgereist waren — nun persönlich übernehmen musste, erkannte binnen Sekunden, dass eine offene Konfrontation mit drei intakten imperialen Fregatten, während der *Kelch der Offenbarung* noch immer von den strukturellen Schäden ihrer jahrtausendealten Odyssee gezeichnet war, mit siebzehn minus neun, also acht verbliebenen Astartes an Bord, keine Option darstellte, die sie mit vernünftiger Aussicht auf Überleben bestehen konnten.
„Vorr“, rief er in die Navigationskammer, seine Stimme mit jener knappen, kommandierenden Schärfe versehen, die er sich in den Jahrzehnten seiner Führung angeeignet hatte, „ich brauche eine Fluchtroute in den Warp, sofort, ganz gleich, wie instabil sie ist.“
„Das Gellar-Feld ist noch nicht vollständig repariert“, kam Vorrs fiebrige, aber erschreckend klare Antwort zurück. „Ein Sprung jetzt wäre —“
„Ein kalkuliertes Risiko gegen eine garantierte Vernichtung“, unterbrach Kranon. „Bereite den Sprung vor. Ich werde dir die Zeit verschaffen, die du brauchst.“
Was folgte, war das intensivste Gefecht, das der *Kelch der Offenbarung* seit dem Beginn seiner jahrtausendealten Isolation erlebt hatte — die verbliebenen acht Astartes, verstärkt durch die wenigen noch kampffähigen Verteidigungsgeschütze des Schiffes, koordinierten unter Kranons direktem Kommando eine Reihe verzweifelter, aber methodisch durchgeführter Ausweichmanöver, während die drei imperialen Fregatten ihre Lanzenbatterien in konzentrierten Salven auf den bereits geschwächten Rumpf des *Kelch der Offenbarung* richteten.
Kranon selbst, seine uralte Mark-III-Rüstung ein letztes Mal in vollem Kampfeinsatz, führte einen kleinen Trupp an Bord eines der verbliebenen Beiboote, um ein entscheidendes taktisches Manöver zu vollziehen, das Vorr in den kritischen Sekunden vor dem Sprung benötigte — die physische Zerstörung eines imperialen Sensorenarrays, das andernfalls ihre exakte Position an die nachrückende Flotte weitergegeben hätte, selbst wenn der Warp-Sprung sie aus dem unmittelbaren Gefechtsraum entfernte. Es war ein Himmelfahrtskommando im wörtlichsten Sinne, ein Enterangriff auf die Außenhülle der führenden Fregatte, bei dem Kraftschwerter und Bolter gegen die verzweifelte, aber tapfere Verteidigung imperialer Deckswachen eingesetzt wurden, während um sie herum das Vakuum des Weltraums durch die Explosionen fehlgeleiteter Lanzenschüsse erhellt wurde.
Zwei der Verlorenen fielen in diesem letzten, verzweifelten Gefecht — Astartes, deren Namen Kranon sich, gemäß seiner eigenen, sich wandelnden Praxis, in den folgenden Wochen mit größerer persönlicher Sorgfalt einprägte, als er es in früheren Jahrhunderten getan hätte, nicht als Statistik eines weiteren Rituals, sondern als das, was sie tatsächlich gewesen waren: Krieger, die ihm durch zehntausend Jahre der gemeinsamen Isolation die Treue gehalten hatten, bis zum buchstäblichen Ende. Aber das Sensorenarray wurde zerstört, Vorrs Berechnungen erwiesen sich, trotz der Unvollständigkeit der Gellar-Feld-Reparaturen, als hinreichend präzise, und der *Kelch der Offenbarung* verschwand, in einem Ausbruch verzerrter, unstabiler Warp-Energie, aus dem unmittelbaren Gefechtsraum, Sekunden bevor die konzentrierte Feuerkraft der drei imperialen Fregatten das Schiff endgültig hätte zerstören können.
Sie tauchten, mehrere Tage später, in einem entfernten, unbewohnten Sektor wieder auf, geschwächt, mit weiteren strukturellen Schäden, aber intakt — eine knappe, kostspielige Flucht, die Kranon, in der Nachbesprechung mit den verbliebenen Offizieren, mit einer nüchternen, unsentimentalen Klarheit bewertete, die selbst ihn selbst ein wenig überraschte.
„Wir haben zwei Brüder verloren, um zu überleben“, sagte er. „Das ist der Preis, den diese Galaxis von uns verlangt, ganz gleich, welchem Gott wir dienen oder welchem Zweifel wir unterworfen sind. Ich werde diesen Preis nicht schönreden, und ich werde ihn nicht als Zeichen einer besonderen Gunst oder eines besonderen Fluchs interpretieren. Wir haben überlebt, weil wir kämpften, mit der Präzision und der Disziplin, die uns die Legion beigebracht hat. Das muss, für den Moment, genug sein.“
Es war knapp zwei Wochen nach Thagoths Abreise, während der *Kelch der Offenbarung* noch immer die unmittelbaren Schäden der Passage und der nachfolgenden Trennung zu beheben versuchte, als der Alarm eines herannahenden Kontakts durch die Korridore des Schiffes hallte — ein imperiales Geleitgeschwader, wie sich rasch herausstellte, drei Fregatten der Imperialen Flotte unter der Bezeichnung *Wache von Graal's Rand*, die, wie Kranon aus den abgefangenen Vox-Fragmenten rekonstruierte, der schwachen Warp-Signatur ihrer eigenen, katastrophalen Rückkehr in den Realraum gefolgt waren, in der Annahme, ein havariertes oder havariertes geglaubtes eigenes Schiff zu finden, das Beistand benötigte.
Was sie stattdessen fanden, war ein Schiff, dessen Rümpfe mit den unverkennbaren Zeichen der Verehrung des Chaos übersät waren, und die Reaktion der imperialen Kommandantin — eine Kapitänin namens Ysolde Marrow, deren Stimme über den offenen Vox-Kanal mit einer Kälte übertragen wurde, die selbst durch die schlechte Übertragungsqualität hindurch unverkennbar war — ließ keinen Zweifel daran, dass Verhandlung keine Option war, die das Imperium in einer solchen Begegnung jemals in Erwägung zog.
„Ketzerschiff, identifiziert als Wortträger-Klasse“, verkündete Marrow, ihre Worte mehr an ihre eigene Flotte gerichtet als an Kranon oder irgendjemanden an Bord des *Kelch der Offenbarung*, „bereitet euch auf Auslöschung im Namen des Imperators vor.“
Kranon, der die Kommandobrücke — ein Deck, das er in den vorangegangenen zehntausend Jahren nur selten selbst betreten hatte, da die praktische Führung des Schiffes traditionell in den Händen spezialisierter Offiziere gelegen hatte, von denen die meisten inzwischen tot oder mit Thagoth abgereist waren — nun persönlich übernehmen musste, erkannte binnen Sekunden, dass eine offene Konfrontation mit drei intakten imperialen Fregatten, während der *Kelch der Offenbarung* noch immer von den strukturellen Schäden ihrer jahrtausendealten Odyssee gezeichnet war, mit siebzehn minus neun, also acht verbliebenen Astartes an Bord, keine Option darstellte, die sie mit vernünftiger Aussicht auf Überleben bestehen konnten.
„Vorr“, rief er in die Navigationskammer, seine Stimme mit jener knappen, kommandierenden Schärfe versehen, die er sich in den Jahrzehnten seiner Führung angeeignet hatte, „ich brauche eine Fluchtroute in den Warp, sofort, ganz gleich, wie instabil sie ist.“
„Das Gellar-Feld ist noch nicht vollständig repariert“, kam Vorrs fiebrige, aber erschreckend klare Antwort zurück. „Ein Sprung jetzt wäre —“
„Ein kalkuliertes Risiko gegen eine garantierte Vernichtung“, unterbrach Kranon. „Bereite den Sprung vor. Ich werde dir die Zeit verschaffen, die du brauchst.“
Was folgte, war das intensivste Gefecht, das der *Kelch der Offenbarung* seit dem Beginn seiner jahrtausendealten Isolation erlebt hatte — die verbliebenen acht Astartes, verstärkt durch die wenigen noch kampffähigen Verteidigungsgeschütze des Schiffes, koordinierten unter Kranons direktem Kommando eine Reihe verzweifelter, aber methodisch durchgeführter Ausweichmanöver, während die drei imperialen Fregatten ihre Lanzenbatterien in konzentrierten Salven auf den bereits geschwächten Rumpf des *Kelch der Offenbarung* richteten.
Kranon selbst, seine uralte Mark-III-Rüstung ein letztes Mal in vollem Kampfeinsatz, führte einen kleinen Trupp an Bord eines der verbliebenen Beiboote, um ein entscheidendes taktisches Manöver zu vollziehen, das Vorr in den kritischen Sekunden vor dem Sprung benötigte — die physische Zerstörung eines imperialen Sensorenarrays, das andernfalls ihre exakte Position an die nachrückende Flotte weitergegeben hätte, selbst wenn der Warp-Sprung sie aus dem unmittelbaren Gefechtsraum entfernte. Es war ein Himmelfahrtskommando im wörtlichsten Sinne, ein Enterangriff auf die Außenhülle der führenden Fregatte, bei dem Kraftschwerter und Bolter gegen die verzweifelte, aber tapfere Verteidigung imperialer Deckswachen eingesetzt wurden, während um sie herum das Vakuum des Weltraums durch die Explosionen fehlgeleiteter Lanzenschüsse erhellt wurde.
Zwei der Verlorenen fielen in diesem letzten, verzweifelten Gefecht — Astartes, deren Namen Kranon sich, gemäß seiner eigenen, sich wandelnden Praxis, in den folgenden Wochen mit größerer persönlicher Sorgfalt einprägte, als er es in früheren Jahrhunderten getan hätte, nicht als Statistik eines weiteren Rituals, sondern als das, was sie tatsächlich gewesen waren: Krieger, die ihm durch zehntausend Jahre der gemeinsamen Isolation die Treue gehalten hatten, bis zum buchstäblichen Ende. Aber das Sensorenarray wurde zerstört, Vorrs Berechnungen erwiesen sich, trotz der Unvollständigkeit der Gellar-Feld-Reparaturen, als hinreichend präzise, und der *Kelch der Offenbarung* verschwand, in einem Ausbruch verzerrter, unstabiler Warp-Energie, aus dem unmittelbaren Gefechtsraum, Sekunden bevor die konzentrierte Feuerkraft der drei imperialen Fregatten das Schiff endgültig hätte zerstören können.
Sie tauchten, mehrere Tage später, in einem entfernten, unbewohnten Sektor wieder auf, geschwächt, mit weiteren strukturellen Schäden, aber intakt — eine knappe, kostspielige Flucht, die Kranon, in der Nachbesprechung mit den verbliebenen Offizieren, mit einer nüchternen, unsentimentalen Klarheit bewertete, die selbst ihn selbst ein wenig überraschte.
„Wir haben zwei Brüder verloren, um zu überleben“, sagte er. „Das ist der Preis, den diese Galaxis von uns verlangt, ganz gleich, welchem Gott wir dienen oder welchem Zweifel wir unterworfen sind. Ich werde diesen Preis nicht schönreden, und ich werde ihn nicht als Zeichen einer besonderen Gunst oder eines besonderen Fluchs interpretieren. Wir haben überlebt, weil wir kämpften, mit der Präzision und der Disziplin, die uns die Legion beigebracht hat. Das muss, für den Moment, genug sein.“
XII. EIN LEBEN OHNE GEWISSHEITXII. EIN LEBEN OHNE GEWISSHEIT
In den Monaten nach Thagoths Abreise — eine Zeitspanne, die sich, zum ersten Mal seit zehntausend Jahren, wieder mit der verlässlichen, unzweideutigen Regelmäßigkeit realraumlicher Tage und Nächte messen ließ, ein Umstand, den Kranon selbst nach so langer Zeit innerhalb der zeitlichen Verzerrungen des Immateriums als eine Art unerwartete, fast schmerzhafte Erleichterung empfand — steuerte der *Kelch der Offenbarung*, unter Kranons vorsichtiger, bewusst zurückhaltender Führung, einen Kurs, der sich weniger an den großen, galaxisweiten Konflikten orientierte, von denen sie durch die fragmentarischen Übertragungen erfuhren, als an der schlichteren, unmittelbareren Notwendigkeit, die verbliebene Kompanie der Verlorenen tatsächlich am Leben zu erhalten.
Sie fanden schließlich, nach mehreren Wochen vorsichtiger Navigation durch einen Sektor, der von den großen Fraktionen der Galaxis weitgehend übersehen zu sein schien, einen toten, unbewohnten Planeten am äußersten Rand eines namenlosen Systems, dessen einzige bemerkenswerte Eigenschaft in einer schwachen, aber verwertbaren Konzentration jener seltenen Mineralien bestand, die die zunehmend erschöpften Reparatursysteme des Schiffes benötigten, um wenigstens die grundlegendsten Funktionen des *Kelch der Offenbarung* für die absehbare Zukunft aufrechtzuerhalten.
Es war während dieser Wochen der Reparatur und des vorsichtigen, systematischen Abbaus jener Mineralien, dass Kranon eine Veränderung in sich selbst zu bemerken begann, die er in den vorangegangenen Jahrzehnten seines wachsenden Zweifels nicht für möglich gehalten hätte — nicht eine Rückkehr des ursprünglichen, fanatischen Glaubens seiner Jugend, den er, wie er sich zunehmend eingestand, wahrscheinlich niemals wiedererlangen würde, sondern etwas Bescheideneres, das sich eher als eine Art funktionaler Frieden mit der Ungewissheit selbst beschreiben ließ, die ihn so lange gequält hatte.
Er verbrachte, in diesen Wochen, mehr Zeit unter den menschlichen Nachkommen der Kompanie als in all den vorangegangenen Jahrhunderten seines Dienstes — nicht in seiner Funktion als Apostel, der Litaneien und rituelle Anweisungen erteilte, sondern in einer Rolle, die sich eher der eines Ältesten oder, wie er sich selbst manchmal mit einem trockenen, ihm selbst neuen Anflug von Humor eingestand, eines pensionierten Predigers annäherte, der seine Gemeinde weniger durch Autorität als durch die schlichte, beharrliche Anwesenheit begleitete.
Es war eine junge Frau namens Yssara — eine der Nachkommen jener ursprünglichen Thralls, die vor Jahrhunderten an Bord gebracht worden waren, deren gesamte Existenz sich bislang auf die klaustrophobischen, von ewigem rotem Licht durchzogenen Korridore des Schiffes beschränkt hatte —, die Kranon eines Abends, während sie gemeinsam eine der neu installierten Beobachtungskuppeln nutzten, um den unbekannten, aber gewöhnlichen Sternenhimmel über dem toten Planeten zu betrachten, mit einer Direktheit ansprach, die ihn an sein eigenes, längst vergangenes Selbst aus den Tagen vor Calth erinnerte.
„Glaubst du noch?“, fragte sie, ohne die übliche Ehrfurcht, mit der die Menschen an Bord die Astartes normalerweise ansprachen, eine Direktheit, die Kranon inzwischen eher schätzte als sie zu missbilligen. „Ich meine wirklich glaubst — nicht die Worte sprechen, sondern glauben, so wie meine Großmutter geglaubt hat, bevor sie starb, mit dieser — dieser Gewissheit, die ich selbst nie gespürt habe, obwohl ich dieselben Litaneien seit meiner Kindheit auswendig kenne.“
Kranon dachte lange über diese Frage nach, während er den fremden, gewöhnlichen Sternenhimmel betrachtete, bevor er antwortete, mit einer Ehrlichkeit, die er sich noch vor einem Jahr nicht erlaubt hätte, selbst gegenüber sich selbst.
„Ich weiß nicht, ob ich noch glaube, im Sinne deiner Großmutter“, sagte er. „Aber ich habe aufgehört zu glauben, dass diese Art von Gewissheit das ist, was tatsächlich zählt. Ich habe zehntausend Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass die Frage, ob die Götter zuhören, vielleicht niemals eine Antwort finden wird, die stark genug ist, jeden Zweifel für immer auszulöschen — und dass es vielleicht in Ordnung ist, mit dieser Unauflösbarkeit zu leben, anstatt sie mit erzwungener, performter Überzeugung zu übertönen.“
„Das klingt einsam“, sagte Yssara.
„Das ist es“, gab Kranon zu. „Aber es ist eine ehrlichere Einsamkeit als jene, die ich all die Jahrhunderte zuvor empfunden habe, als ich glaubte, meine Zweifel verbergen zu müssen, um weiterhin als das zu gelten, was von mir erwartet wurde.“
Sie sprachen, in den folgenden Wochen, häufiger miteinander, in Gesprächen, die Kranon zunehmend als das Wertvollste erkannte, was ihm die Rückkehr in den Realraum tatsächlich geboten hatte — nicht die Bestätigung oder Widerlegung seines Glaubens, sondern die schlichte, unerwartete Möglichkeit, mit einem anderen Menschen über genau jene Zweifel zu sprechen, die er zehntausend Jahre lang als Zeichen persönlichen Versagens betrachtet hatte, anstatt als das, was sie vielleicht tatsächlich waren — eine ehrliche, wenn auch schmerzhafte Reaktion auf eine Existenz, die niemandem, ganz gleich wie tief sein Glaube oder wie mächtig seine Modifikationen, jemals endgültige Gewissheit über die letzten Fragen bieten würde.
In den Monaten nach Thagoths Abreise — eine Zeitspanne, die sich, zum ersten Mal seit zehntausend Jahren, wieder mit der verlässlichen, unzweideutigen Regelmäßigkeit realraumlicher Tage und Nächte messen ließ, ein Umstand, den Kranon selbst nach so langer Zeit innerhalb der zeitlichen Verzerrungen des Immateriums als eine Art unerwartete, fast schmerzhafte Erleichterung empfand — steuerte der *Kelch der Offenbarung*, unter Kranons vorsichtiger, bewusst zurückhaltender Führung, einen Kurs, der sich weniger an den großen, galaxisweiten Konflikten orientierte, von denen sie durch die fragmentarischen Übertragungen erfuhren, als an der schlichteren, unmittelbareren Notwendigkeit, die verbliebene Kompanie der Verlorenen tatsächlich am Leben zu erhalten.
Sie fanden schließlich, nach mehreren Wochen vorsichtiger Navigation durch einen Sektor, der von den großen Fraktionen der Galaxis weitgehend übersehen zu sein schien, einen toten, unbewohnten Planeten am äußersten Rand eines namenlosen Systems, dessen einzige bemerkenswerte Eigenschaft in einer schwachen, aber verwertbaren Konzentration jener seltenen Mineralien bestand, die die zunehmend erschöpften Reparatursysteme des Schiffes benötigten, um wenigstens die grundlegendsten Funktionen des *Kelch der Offenbarung* für die absehbare Zukunft aufrechtzuerhalten.
Es war während dieser Wochen der Reparatur und des vorsichtigen, systematischen Abbaus jener Mineralien, dass Kranon eine Veränderung in sich selbst zu bemerken begann, die er in den vorangegangenen Jahrzehnten seines wachsenden Zweifels nicht für möglich gehalten hätte — nicht eine Rückkehr des ursprünglichen, fanatischen Glaubens seiner Jugend, den er, wie er sich zunehmend eingestand, wahrscheinlich niemals wiedererlangen würde, sondern etwas Bescheideneres, das sich eher als eine Art funktionaler Frieden mit der Ungewissheit selbst beschreiben ließ, die ihn so lange gequält hatte.
Er verbrachte, in diesen Wochen, mehr Zeit unter den menschlichen Nachkommen der Kompanie als in all den vorangegangenen Jahrhunderten seines Dienstes — nicht in seiner Funktion als Apostel, der Litaneien und rituelle Anweisungen erteilte, sondern in einer Rolle, die sich eher der eines Ältesten oder, wie er sich selbst manchmal mit einem trockenen, ihm selbst neuen Anflug von Humor eingestand, eines pensionierten Predigers annäherte, der seine Gemeinde weniger durch Autorität als durch die schlichte, beharrliche Anwesenheit begleitete.
Es war eine junge Frau namens Yssara — eine der Nachkommen jener ursprünglichen Thralls, die vor Jahrhunderten an Bord gebracht worden waren, deren gesamte Existenz sich bislang auf die klaustrophobischen, von ewigem rotem Licht durchzogenen Korridore des Schiffes beschränkt hatte —, die Kranon eines Abends, während sie gemeinsam eine der neu installierten Beobachtungskuppeln nutzten, um den unbekannten, aber gewöhnlichen Sternenhimmel über dem toten Planeten zu betrachten, mit einer Direktheit ansprach, die ihn an sein eigenes, längst vergangenes Selbst aus den Tagen vor Calth erinnerte.
„Glaubst du noch?“, fragte sie, ohne die übliche Ehrfurcht, mit der die Menschen an Bord die Astartes normalerweise ansprachen, eine Direktheit, die Kranon inzwischen eher schätzte als sie zu missbilligen. „Ich meine wirklich glaubst — nicht die Worte sprechen, sondern glauben, so wie meine Großmutter geglaubt hat, bevor sie starb, mit dieser — dieser Gewissheit, die ich selbst nie gespürt habe, obwohl ich dieselben Litaneien seit meiner Kindheit auswendig kenne.“
Kranon dachte lange über diese Frage nach, während er den fremden, gewöhnlichen Sternenhimmel betrachtete, bevor er antwortete, mit einer Ehrlichkeit, die er sich noch vor einem Jahr nicht erlaubt hätte, selbst gegenüber sich selbst.
„Ich weiß nicht, ob ich noch glaube, im Sinne deiner Großmutter“, sagte er. „Aber ich habe aufgehört zu glauben, dass diese Art von Gewissheit das ist, was tatsächlich zählt. Ich habe zehntausend Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass die Frage, ob die Götter zuhören, vielleicht niemals eine Antwort finden wird, die stark genug ist, jeden Zweifel für immer auszulöschen — und dass es vielleicht in Ordnung ist, mit dieser Unauflösbarkeit zu leben, anstatt sie mit erzwungener, performter Überzeugung zu übertönen.“
„Das klingt einsam“, sagte Yssara.
„Das ist es“, gab Kranon zu. „Aber es ist eine ehrlichere Einsamkeit als jene, die ich all die Jahrhunderte zuvor empfunden habe, als ich glaubte, meine Zweifel verbergen zu müssen, um weiterhin als das zu gelten, was von mir erwartet wurde.“
Sie sprachen, in den folgenden Wochen, häufiger miteinander, in Gesprächen, die Kranon zunehmend als das Wertvollste erkannte, was ihm die Rückkehr in den Realraum tatsächlich geboten hatte — nicht die Bestätigung oder Widerlegung seines Glaubens, sondern die schlichte, unerwartete Möglichkeit, mit einem anderen Menschen über genau jene Zweifel zu sprechen, die er zehntausend Jahre lang als Zeichen persönlichen Versagens betrachtet hatte, anstatt als das, was sie vielleicht tatsächlich waren — eine ehrliche, wenn auch schmerzhafte Reaktion auf eine Existenz, die niemandem, ganz gleich wie tief sein Glaube oder wie mächtig seine Modifikationen, jemals endgültige Gewissheit über die letzten Fragen bieten würde.
XIII. NACHRICHTEN VON DEN VERLORENENXIII. NACHRICHTEN VON DEN VERLORENEN
Yssaras Großmutter war nicht die einzige an Bord, deren Geschichten Kranon in diesen Monaten mit neuer Aufmerksamkeit zu sammeln begann. Er begann, in seiner spärlichen freien Zeit zwischen den notwendigen Reparaturen und den weiterhin erforderlichen, wenn auch selteneren rituellen Pflichten, die mündliche Geschichte der menschlichen Bevölkerung systematisch aufzuzeichnen, ein Projekt, das er zunächst niemandem gegenüber erklärte, weil er selbst nicht sicher war, was ihn dazu trieb — vielleicht, wie er sich später eingestand, weil er erkannte, dass diese Geschichten, diese Generationen mündlicher Überlieferung über ein Leben, das es außerhalb der Korridore des Schiffes nie gegeben hatte, das Einzige waren, was den vierzig geopferten Seelen und den unzähligen anderen, die im Laufe der zehntausend Jahre gestorben waren, jemals eine Form der Erinnerung bieten würde, die über die kalte, unpersönliche Buchführung ritueller Aufzeichnungen hinausging.
Es war eine kleine, unspektakuläre Praxis, verglichen mit den großen theologischen Fragen, die ihn weiterhin beschäftigten, aber sie gab Kranon, in diesen ruhigeren Monaten nach der Trennung von Thagoth, eine Art Struktur, die sich deutlich von der reinen, rituellen Wiederholung unterschied, die sein Leben zuvor bestimmt hatte — eine Struktur, die sich mehr am Bewahren als am Fordern orientierte, mehr am Zuhören als am Sprechen.
Es waren beinahe zwei Standardjahre vergangen, gemäß der nun wieder verlässlichen Zeitrechnung des Realraums, seit Thagoth und seine neun Gefolgsleute den *Kelch der Offenbarung* verlassen hatten, als Vorr, während einer seiner routinemäßigen Überwachungen der umliegenden Vox-Frequenzen, auf ein Fragment stieß, das Kranon mit einer Unmittelbarkeit alarmierte, die er sich selbst nicht ganz erklären konnte, bis er den Inhalt der abgefangenen Übertragung vollständig verstanden hatte.
Es war ein Bericht, fragmentarisch und aus zweiter oder dritter Hand, wie es die meisten der Nachrichten waren, die sie aus dem umliegenden Sektor aufzufangen vermochten, über eine kleine Kriegsband namens *Die Zeugen der Wunde* — ein Name, den, wie Kranon mit einer Mischung aus Traurigkeit und einer Art bitterer, unausgesprochener Bestätigung erkannte, nur Thagoth gewählt haben konnte, in Anlehnung an jenes Ereignis, das er als das definitive Zeichen ihrer göttlichen Erlösung interpretiert hatte —, die sich, gemäß dem Bericht, einer größeren Chaos-Streitmacht angeschlossen hatte, die einen der zahllosen, seit dem Großen Riss neu entflammten Konflikte an den Rändern des Imperium Nihilus führte.
Der Bericht selbst, so weit Vorr und Kranon ihn aus den fragmentarischen, mehrfach übersetzten und wahrscheinlich propagandistisch gefärbten imperialen Quellen zu rekonstruieren vermochten, beschrieb eine Schlacht, in der *Die Zeugen der Wunde*, kämpfend mit jener fanatischen, kompromisslosen Hingabe, die Kranon an Thagoth in den letzten Jahrzehnten ihres gemeinsamen Dienstes beobachtet hatte, sich einer weitaus überlegenen imperialen Streitmacht entgegenstellten, in einem Gefecht, das, gemäß der imperialen Darstellung, mit der vollständigen Vernichtung der neun verbliebenen Astartes endete — eine Vernichtung, die, wie der Bericht mit jener typisch imperialen, moralisierenden Distanziertheit anmerkte, von den Angreifern selbst mit einer Art triumphierender, fast freudiger Hingabe begrüßt worden war, als hätten sie in ihrem eigenen Untergang genau jene endgültige, unwiderlegbare Bestätigung ihres Glaubens gefunden, nach der sie sich seit ihrer Rückkehr in den Realraum gesehnt hatten.
Kranon saß lange mit dieser Nachricht, in der Stille seiner eigenen Gemächer, während er versuchte, die komplizierte, widersprüchliche Trauer zu verarbeiten, die sie in ihm auslöste — Trauer um Männer, mit denen er Jahrhunderte des gemeinsamen Dienstes geteilt hatte, ganz gleich, wie fundamental sich ihre Wege in den letzten Monaten getrennt hatten, gepaart mit einer tieferen, unbehaglicheren Erkenntnis, die er sich nur zögerlich einzugestehen bereit war: dass Thagoths Tod, in der Art, wie er sich ereignet hatte, ebenso wenig eine endgültige Antwort auf die Frage bot, die sie beide gequält hatte, wie ihre gemeinsame Rückkehr in den Realraum es getan hatte.
War Thagoths Tod ein Beweis dafür, dass die Götter ihn letztlich verlassen hatten, dass seine fanatische Gewissheit ihn in einen sinnlosen, von niemandem belohnten Untergang geführt hatte? Oder war es, aus der Perspektive jener Theologie, die Thagoth bis zu seinem letzten Atemzug verkörpert hatte, tatsächlich genau jene Art heroischen, bedeutungsvollen Endes, die einem wahrhaft hingegebenen Diener des Wortes zustand — ein letztes, triumphierendes Zeugnis, unabhängig davon, ob es von irgendeiner tatsächlichen göttlichen Aufmerksamkeit begleitet wurde oder nicht?
Kranon fand, wie so oft in den Jahren seines wachsenden Zweifels, keine endgültige Antwort auf diese Frage, aber er bemerkte, mit einer gewissen distanzierten Selbstbeobachtung, dass die Unfähigkeit, eine solche Antwort zu finden, ihn nicht mehr mit derselben existenziellen Verzweiflung erfüllte, die sie noch vor zwei Jahren in ihm ausgelöst hätte — als hätte die schlichte Erfahrung, seinen Zweifel offen auszusprechen, ihn dessen beraubt, mit derselben zermürbenden Kraft in ihm zu wüten wie zuvor, als er ihn noch hinter einer Fassade unerschütterlicher Gewissheit zu verbergen gezwungen gewesen war.
Er ordnete, gemäß den ältesten Traditionen der Legion, eine kleine, private Zeremonie zum Gedenken an Thagoth und seine neun Gefolgsleute an, eine Zeremonie, die weder die Sprache des Triumphs noch die der Verurteilung verwendete, sondern lediglich, mit einer Schlichtheit, die er sich noch vor wenigen Jahren nicht erlaubt hätte, die Tatsache ihres Todes anerkannte, und die Ungewissheit, mit der sowohl sie als auch er selbst gelebt hatten, ganz gleich, zu welchen unterschiedlichen Schlüssen sie letztlich gekommen waren.
„Sie glaubten, was sie glauben mussten, um weiterzumachen“, sagte Kranon, vor der versammelten, verbliebenen Kompanie der Verlorenen, in einer Rede, die kürzer war als jede Litanei, die er in seinen zehntausend Jahren des Dienstes je gehalten hatte. „Genau wie wir alle, auf unsere jeweils eigene Weise, das glauben, was wir glauben müssen, um weiterzumachen. Ich werde nicht behaupten, dass ihr Weg falsch war, ebenso wenig wie ich behaupten werde, dass unserer richtig ist. Ich werde nur sagen, dass sie unsere Brüder waren, und dass ihr Verlust real ist, ganz gleich, welche kosmische Bedeutung wir ihm zuschreiben oder verweigern.“
Yssaras Großmutter war nicht die einzige an Bord, deren Geschichten Kranon in diesen Monaten mit neuer Aufmerksamkeit zu sammeln begann. Er begann, in seiner spärlichen freien Zeit zwischen den notwendigen Reparaturen und den weiterhin erforderlichen, wenn auch selteneren rituellen Pflichten, die mündliche Geschichte der menschlichen Bevölkerung systematisch aufzuzeichnen, ein Projekt, das er zunächst niemandem gegenüber erklärte, weil er selbst nicht sicher war, was ihn dazu trieb — vielleicht, wie er sich später eingestand, weil er erkannte, dass diese Geschichten, diese Generationen mündlicher Überlieferung über ein Leben, das es außerhalb der Korridore des Schiffes nie gegeben hatte, das Einzige waren, was den vierzig geopferten Seelen und den unzähligen anderen, die im Laufe der zehntausend Jahre gestorben waren, jemals eine Form der Erinnerung bieten würde, die über die kalte, unpersönliche Buchführung ritueller Aufzeichnungen hinausging.
Es war eine kleine, unspektakuläre Praxis, verglichen mit den großen theologischen Fragen, die ihn weiterhin beschäftigten, aber sie gab Kranon, in diesen ruhigeren Monaten nach der Trennung von Thagoth, eine Art Struktur, die sich deutlich von der reinen, rituellen Wiederholung unterschied, die sein Leben zuvor bestimmt hatte — eine Struktur, die sich mehr am Bewahren als am Fordern orientierte, mehr am Zuhören als am Sprechen.
Es waren beinahe zwei Standardjahre vergangen, gemäß der nun wieder verlässlichen Zeitrechnung des Realraums, seit Thagoth und seine neun Gefolgsleute den *Kelch der Offenbarung* verlassen hatten, als Vorr, während einer seiner routinemäßigen Überwachungen der umliegenden Vox-Frequenzen, auf ein Fragment stieß, das Kranon mit einer Unmittelbarkeit alarmierte, die er sich selbst nicht ganz erklären konnte, bis er den Inhalt der abgefangenen Übertragung vollständig verstanden hatte.
Es war ein Bericht, fragmentarisch und aus zweiter oder dritter Hand, wie es die meisten der Nachrichten waren, die sie aus dem umliegenden Sektor aufzufangen vermochten, über eine kleine Kriegsband namens *Die Zeugen der Wunde* — ein Name, den, wie Kranon mit einer Mischung aus Traurigkeit und einer Art bitterer, unausgesprochener Bestätigung erkannte, nur Thagoth gewählt haben konnte, in Anlehnung an jenes Ereignis, das er als das definitive Zeichen ihrer göttlichen Erlösung interpretiert hatte —, die sich, gemäß dem Bericht, einer größeren Chaos-Streitmacht angeschlossen hatte, die einen der zahllosen, seit dem Großen Riss neu entflammten Konflikte an den Rändern des Imperium Nihilus führte.
Der Bericht selbst, so weit Vorr und Kranon ihn aus den fragmentarischen, mehrfach übersetzten und wahrscheinlich propagandistisch gefärbten imperialen Quellen zu rekonstruieren vermochten, beschrieb eine Schlacht, in der *Die Zeugen der Wunde*, kämpfend mit jener fanatischen, kompromisslosen Hingabe, die Kranon an Thagoth in den letzten Jahrzehnten ihres gemeinsamen Dienstes beobachtet hatte, sich einer weitaus überlegenen imperialen Streitmacht entgegenstellten, in einem Gefecht, das, gemäß der imperialen Darstellung, mit der vollständigen Vernichtung der neun verbliebenen Astartes endete — eine Vernichtung, die, wie der Bericht mit jener typisch imperialen, moralisierenden Distanziertheit anmerkte, von den Angreifern selbst mit einer Art triumphierender, fast freudiger Hingabe begrüßt worden war, als hätten sie in ihrem eigenen Untergang genau jene endgültige, unwiderlegbare Bestätigung ihres Glaubens gefunden, nach der sie sich seit ihrer Rückkehr in den Realraum gesehnt hatten.
Kranon saß lange mit dieser Nachricht, in der Stille seiner eigenen Gemächer, während er versuchte, die komplizierte, widersprüchliche Trauer zu verarbeiten, die sie in ihm auslöste — Trauer um Männer, mit denen er Jahrhunderte des gemeinsamen Dienstes geteilt hatte, ganz gleich, wie fundamental sich ihre Wege in den letzten Monaten getrennt hatten, gepaart mit einer tieferen, unbehaglicheren Erkenntnis, die er sich nur zögerlich einzugestehen bereit war: dass Thagoths Tod, in der Art, wie er sich ereignet hatte, ebenso wenig eine endgültige Antwort auf die Frage bot, die sie beide gequält hatte, wie ihre gemeinsame Rückkehr in den Realraum es getan hatte.
War Thagoths Tod ein Beweis dafür, dass die Götter ihn letztlich verlassen hatten, dass seine fanatische Gewissheit ihn in einen sinnlosen, von niemandem belohnten Untergang geführt hatte? Oder war es, aus der Perspektive jener Theologie, die Thagoth bis zu seinem letzten Atemzug verkörpert hatte, tatsächlich genau jene Art heroischen, bedeutungsvollen Endes, die einem wahrhaft hingegebenen Diener des Wortes zustand — ein letztes, triumphierendes Zeugnis, unabhängig davon, ob es von irgendeiner tatsächlichen göttlichen Aufmerksamkeit begleitet wurde oder nicht?
Kranon fand, wie so oft in den Jahren seines wachsenden Zweifels, keine endgültige Antwort auf diese Frage, aber er bemerkte, mit einer gewissen distanzierten Selbstbeobachtung, dass die Unfähigkeit, eine solche Antwort zu finden, ihn nicht mehr mit derselben existenziellen Verzweiflung erfüllte, die sie noch vor zwei Jahren in ihm ausgelöst hätte — als hätte die schlichte Erfahrung, seinen Zweifel offen auszusprechen, ihn dessen beraubt, mit derselben zermürbenden Kraft in ihm zu wüten wie zuvor, als er ihn noch hinter einer Fassade unerschütterlicher Gewissheit zu verbergen gezwungen gewesen war.
Er ordnete, gemäß den ältesten Traditionen der Legion, eine kleine, private Zeremonie zum Gedenken an Thagoth und seine neun Gefolgsleute an, eine Zeremonie, die weder die Sprache des Triumphs noch die der Verurteilung verwendete, sondern lediglich, mit einer Schlichtheit, die er sich noch vor wenigen Jahren nicht erlaubt hätte, die Tatsache ihres Todes anerkannte, und die Ungewissheit, mit der sowohl sie als auch er selbst gelebt hatten, ganz gleich, zu welchen unterschiedlichen Schlüssen sie letztlich gekommen waren.
„Sie glaubten, was sie glauben mussten, um weiterzumachen“, sagte Kranon, vor der versammelten, verbliebenen Kompanie der Verlorenen, in einer Rede, die kürzer war als jede Litanei, die er in seinen zehntausend Jahren des Dienstes je gehalten hatte. „Genau wie wir alle, auf unsere jeweils eigene Weise, das glauben, was wir glauben müssen, um weiterzumachen. Ich werde nicht behaupten, dass ihr Weg falsch war, ebenso wenig wie ich behaupten werde, dass unserer richtig ist. Ich werde nur sagen, dass sie unsere Brüder waren, und dass ihr Verlust real ist, ganz gleich, welche kosmische Bedeutung wir ihm zuschreiben oder verweigern.“
XIV. COLCHIS, VOR DEM WORTXIV. COLCHIS, VOR DEM WORT
In den Wochen nach der Gedenkzeremonie für Thagoth und seine Gefolgsleute begann Kranon, aus Gründen, die er sich selbst nicht vollständig zu erklären vermochte, häufiger in jenen Erinnerungen zu verweilen, die er über die Jahrtausende seines Dienstes am sorgfältigsten vor sich selbst verborgen gehalten hatte — die Erinnerungen an Colchis, an sein Leben, bevor er überhaupt wusste, was ein Astartes war, bevor Lorgar, bevor das Wort, bevor jede der Gewissheiten und Zweifel, die sein späteres Leben bestimmen sollten.
Er war, wie die meisten Kinder Colchis' in jener Ära, in einem der zahllosen theokratischen Haushalte aufgewachsen, die den gesamten Planeten durchzogen, bevor Lorgar selbst die zersplitterten Glaubensrichtungen seiner Heimatwelt unter dem einheitlichen Banner des Wortes vereinte — ein Kind, dessen früheste Erinnerungen von den Litaneien seiner eigenen Mutter geprägt waren, einer Priesterin eines kleineren, längst vergessenen Kultes, die ihn, bevor Lorgars Vereinigung ihre eigene, bescheidenere Theologie auslöschte, mit einer Art Glauben erzogen hatte, der, wie Kranon es sich jetzt, nach zehntausend Jahren, mit einer Klarheit zurückrief, die ihn selbst überraschte, weder von der Gewissheit noch von der Verzweiflung geprägt war, die sein späteres Leben bestimmen sollten, sondern von etwas Einfacherem — einer schlichten, alltäglichen Verbindung zwischen dem, was man glaubte, und dem, wie man lebte, ohne die Notwendigkeit, diese Verbindung durch Blut oder Krieg zu beweisen.
Er erinnerte sich, mit einer Deutlichkeit, die er sich selbst kaum erklären konnte, an den Tag, an dem die Verkünder Lorgars — bereits damals, in den Jahren vor der offiziellen Vereinigung Colchis', begannen sich Lorgars wachsende Anhängerschaft im gesamten Planetensystem auszubreiten — in sein Dorf kamen, mit Geschichten von einem goldenen Sohn des Imperators selbst, der auf Colchis erschienen war, um die zersplitterten Glaubensrichtungen des Planeten zu einer einzigen, wahren Offenbarung zu vereinen. Er erinnerte sich an die Begeisterung seiner eigenen Mutter, die, entgegen ihrer eigenen priesterlichen Position, unter den Ersten gewesen war, die sich Lorgars neuer, umfassenderer Theologie anschlossen, überzeugt, dass das, was Lorgar anbot, keine Zerstörung ihres eigenen Glaubens darstellte, sondern seine Vollendung, seine endgültige, kohärente Form.
Kranon hatte, als junger Mann, diese Begeisterung geteilt, mit einer Intensität, die er in den folgenden Jahrtausenden nie wieder ganz zu erreichen vermochte, selbst in den fanatischsten Momenten seiner frühen Jahre als Astartes — die Überzeugung, dass er, indem er sich Lorgars Vision anschloss, Teil von etwas wurde, das größer war als jede einzelne, isolierte Wahrheit, die die zersplitterten Kulte seiner Kindheit angeboten hatten, ein Wort, das alle anderen Worte in sich aufnahm und vollendete.
Was ihn jetzt, nach zehntausend Jahren, am meisten beschäftigte, wenn er sich diese frühen Erinnerungen zurückrief, war nicht die Frage, ob jener ursprüngliche Glaube berechtigt gewesen war — eine Frage, die er längst als unbeantwortbar akzeptiert hatte —, sondern eine subtilere, persönlichere Beobachtung: dass der Glaube, den er als Kind auf Colchis erlebt hatte, bevor er überhaupt von Lorgar oder dem Wort gehört hatte, jene schlichte, alltägliche Verbindung zwischen Überzeugung und Leben, die seine Mutter verkörpert hatte, etwas gewesen war, das er im Laufe seiner jahrtausendelangen Karriere als Krieger und Prediger des Wortes fast vollständig verloren hatte, ersetzt durch eine Theologie, die zunehmend auf Blut, auf Opfer, auf die spektakuläre, gewaltsame Demonstration der Hingabe angewiesen war, um sich selbst ihrer eigenen Wahrheit zu versichern.
Er fragte sich, in den stillen Stunden seiner Reflexion, ob dies der eigentliche Verrat gewesen war — nicht der Verrat am Imperium, den er nie bereute, nicht der Verrat an einem Gott-Imperator, dessen Schweigen er noch immer für eine Form der Verachtung hielt, sondern ein subtilerer, persönlicherer Verrat an jener einfacheren, weniger performativen Form des Glaubens, die er als Kind gekannt hatte, bevor die Legion, bevor der Krieg, bevor zehntausend Jahre der Isolation ihn zu einem Mann formten, der Blut vergoss, um eine Aufmerksamkeit zu erzwingen, die, wie er zunehmend vermutete, niemals durch Zwang hätte erlangt werden können, ganz gleich, wie viele Seelen er im Laufe seines langen Dienstes dargebracht hatte.
Yssara, der er, in einem jener Abendgespräche, die zwischen ihnen zu einer Art regelmäßiger, ungeplanter Gewohnheit geworden waren, von diesen Erinnerungen an Colchis erzählte, hörte mit jener aufmerksamen, unverstellten Neugier zu, die Kranon inzwischen an ihr zu schätzen gelernt hatte.
„Deine Mutter“, sagte sie, „hat sie geglaubt, dass Lorgar recht hatte? Wirklich geglaubt, nicht nur — performt, wie du es nennst?“
„Ich glaube schon“, sagte Kranon. „Aber ich glaube auch, dass ihr Glaube etwas war, das sie lebte, nicht etwas, das sie beweisen musste. Sie hat nie ein Opfer dargebracht, das ich mich erinnern könnte. Sie hat einfach — gelebt, auf eine Weise, die mit dem übereinstimmte, was sie für wahr hielt. Ich habe das für Schwäche gehalten, als ich jung war, für eine unvollständige, unentwickelte Form des Glaubens, verglichen mit dem, was Lorgar uns später bot. Jetzt frage ich mich, ob es das Einzige war, das ich je hatte, das tatsächlich echt war, bevor ich es gegen etwas Spektakuläreres, aber letztlich Leereres eintauschte.“
Es war ein Eingeständnis, das er niemandem sonst an Bord des *Kelch der Offenbarung* gemacht hätte, am wenigsten den verbliebenen Astartes, deren eigene, wenn auch weniger fanatische Version des Glaubens noch immer auf denselben theologischen Grundannahmen beruhte, die auch Thagoth in seinen Untergang geführt hatten — aber gegenüber Yssara, deren gesamte Existenz außerhalb jeder etablierten Hierarchie der Legion stand, fand Kranon eine Art Freiheit, seine tiefsten, unbequemsten Gedanken auszusprechen, die er sich selbst nach zehntausend Jahren des Dienstes nicht mehr für möglich gehalten hätte.
In den Wochen nach der Gedenkzeremonie für Thagoth und seine Gefolgsleute begann Kranon, aus Gründen, die er sich selbst nicht vollständig zu erklären vermochte, häufiger in jenen Erinnerungen zu verweilen, die er über die Jahrtausende seines Dienstes am sorgfältigsten vor sich selbst verborgen gehalten hatte — die Erinnerungen an Colchis, an sein Leben, bevor er überhaupt wusste, was ein Astartes war, bevor Lorgar, bevor das Wort, bevor jede der Gewissheiten und Zweifel, die sein späteres Leben bestimmen sollten.
Er war, wie die meisten Kinder Colchis' in jener Ära, in einem der zahllosen theokratischen Haushalte aufgewachsen, die den gesamten Planeten durchzogen, bevor Lorgar selbst die zersplitterten Glaubensrichtungen seiner Heimatwelt unter dem einheitlichen Banner des Wortes vereinte — ein Kind, dessen früheste Erinnerungen von den Litaneien seiner eigenen Mutter geprägt waren, einer Priesterin eines kleineren, längst vergessenen Kultes, die ihn, bevor Lorgars Vereinigung ihre eigene, bescheidenere Theologie auslöschte, mit einer Art Glauben erzogen hatte, der, wie Kranon es sich jetzt, nach zehntausend Jahren, mit einer Klarheit zurückrief, die ihn selbst überraschte, weder von der Gewissheit noch von der Verzweiflung geprägt war, die sein späteres Leben bestimmen sollten, sondern von etwas Einfacherem — einer schlichten, alltäglichen Verbindung zwischen dem, was man glaubte, und dem, wie man lebte, ohne die Notwendigkeit, diese Verbindung durch Blut oder Krieg zu beweisen.
Er erinnerte sich, mit einer Deutlichkeit, die er sich selbst kaum erklären konnte, an den Tag, an dem die Verkünder Lorgars — bereits damals, in den Jahren vor der offiziellen Vereinigung Colchis', begannen sich Lorgars wachsende Anhängerschaft im gesamten Planetensystem auszubreiten — in sein Dorf kamen, mit Geschichten von einem goldenen Sohn des Imperators selbst, der auf Colchis erschienen war, um die zersplitterten Glaubensrichtungen des Planeten zu einer einzigen, wahren Offenbarung zu vereinen. Er erinnerte sich an die Begeisterung seiner eigenen Mutter, die, entgegen ihrer eigenen priesterlichen Position, unter den Ersten gewesen war, die sich Lorgars neuer, umfassenderer Theologie anschlossen, überzeugt, dass das, was Lorgar anbot, keine Zerstörung ihres eigenen Glaubens darstellte, sondern seine Vollendung, seine endgültige, kohärente Form.
Kranon hatte, als junger Mann, diese Begeisterung geteilt, mit einer Intensität, die er in den folgenden Jahrtausenden nie wieder ganz zu erreichen vermochte, selbst in den fanatischsten Momenten seiner frühen Jahre als Astartes — die Überzeugung, dass er, indem er sich Lorgars Vision anschloss, Teil von etwas wurde, das größer war als jede einzelne, isolierte Wahrheit, die die zersplitterten Kulte seiner Kindheit angeboten hatten, ein Wort, das alle anderen Worte in sich aufnahm und vollendete.
Was ihn jetzt, nach zehntausend Jahren, am meisten beschäftigte, wenn er sich diese frühen Erinnerungen zurückrief, war nicht die Frage, ob jener ursprüngliche Glaube berechtigt gewesen war — eine Frage, die er längst als unbeantwortbar akzeptiert hatte —, sondern eine subtilere, persönlichere Beobachtung: dass der Glaube, den er als Kind auf Colchis erlebt hatte, bevor er überhaupt von Lorgar oder dem Wort gehört hatte, jene schlichte, alltägliche Verbindung zwischen Überzeugung und Leben, die seine Mutter verkörpert hatte, etwas gewesen war, das er im Laufe seiner jahrtausendelangen Karriere als Krieger und Prediger des Wortes fast vollständig verloren hatte, ersetzt durch eine Theologie, die zunehmend auf Blut, auf Opfer, auf die spektakuläre, gewaltsame Demonstration der Hingabe angewiesen war, um sich selbst ihrer eigenen Wahrheit zu versichern.
Er fragte sich, in den stillen Stunden seiner Reflexion, ob dies der eigentliche Verrat gewesen war — nicht der Verrat am Imperium, den er nie bereute, nicht der Verrat an einem Gott-Imperator, dessen Schweigen er noch immer für eine Form der Verachtung hielt, sondern ein subtilerer, persönlicherer Verrat an jener einfacheren, weniger performativen Form des Glaubens, die er als Kind gekannt hatte, bevor die Legion, bevor der Krieg, bevor zehntausend Jahre der Isolation ihn zu einem Mann formten, der Blut vergoss, um eine Aufmerksamkeit zu erzwingen, die, wie er zunehmend vermutete, niemals durch Zwang hätte erlangt werden können, ganz gleich, wie viele Seelen er im Laufe seines langen Dienstes dargebracht hatte.
Yssara, der er, in einem jener Abendgespräche, die zwischen ihnen zu einer Art regelmäßiger, ungeplanter Gewohnheit geworden waren, von diesen Erinnerungen an Colchis erzählte, hörte mit jener aufmerksamen, unverstellten Neugier zu, die Kranon inzwischen an ihr zu schätzen gelernt hatte.
„Deine Mutter“, sagte sie, „hat sie geglaubt, dass Lorgar recht hatte? Wirklich geglaubt, nicht nur — performt, wie du es nennst?“
„Ich glaube schon“, sagte Kranon. „Aber ich glaube auch, dass ihr Glaube etwas war, das sie lebte, nicht etwas, das sie beweisen musste. Sie hat nie ein Opfer dargebracht, das ich mich erinnern könnte. Sie hat einfach — gelebt, auf eine Weise, die mit dem übereinstimmte, was sie für wahr hielt. Ich habe das für Schwäche gehalten, als ich jung war, für eine unvollständige, unentwickelte Form des Glaubens, verglichen mit dem, was Lorgar uns später bot. Jetzt frage ich mich, ob es das Einzige war, das ich je hatte, das tatsächlich echt war, bevor ich es gegen etwas Spektakuläreres, aber letztlich Leereres eintauschte.“
Es war ein Eingeständnis, das er niemandem sonst an Bord des *Kelch der Offenbarung* gemacht hätte, am wenigsten den verbliebenen Astartes, deren eigene, wenn auch weniger fanatische Version des Glaubens noch immer auf denselben theologischen Grundannahmen beruhte, die auch Thagoth in seinen Untergang geführt hatten — aber gegenüber Yssara, deren gesamte Existenz außerhalb jeder etablierten Hierarchie der Legion stand, fand Kranon eine Art Freiheit, seine tiefsten, unbequemsten Gedanken auszusprechen, die er sich selbst nach zehntausend Jahren des Dienstes nicht mehr für möglich gehalten hätte.
XV. NACHHALLXV. NACHHALL
Es vergingen, nach der Nachricht von Thagoths Untergang, weitere drei Standardjahre, in denen der *Kelch der Offenbarung*, unter Kranons fortgesetzter, bewusst zurückhaltender Führung, einen Kurs durch die Ränder jener Konflikte steuerte, die den Großen Riss und seine Folgen prägten, ohne sich jemals vollständig in sie hineinziehen zu lassen — nicht aus Feigheit, wie Kranon es sich selbst gegenüber wiederholt klarstellte, sondern aus einer Verpflichtung gegenüber jenen, die ihm ihr Vertrauen geschenkt hatten, als er sich, gegen jede Erwartung, gegen Thagoths spektakulärere, kompromisslosere Vision entschieden hatte.
Sie fanden, in dieser Zeit, gelegentlich Gelegenheiten zu jener Art begrenzter, überschaubarer Gewalt, die Kranon als notwendig erachtete, um die Kompanie mit den Ressourcen zu versorgen, die ihr fortgesetztes Überleben erforderte — Überfälle auf isolierte, schlecht verteidigte imperiale Außenposten, gelegentliche Zusammenstöße mit kleineren Xenos-Gruppen, die sich in den durch den Großen Riss destabilisierten Randregionen der Galaxis niedergelassen hatten, Handel, manchmal, mit anderen versprengten Chaos-Fraktionen, deren eigene Geschichten der Isolation und des Überlebens sich, wie Kranon zunehmend erkannte, in ihren Grundzügen kaum von der seinen unterschieden, ganz gleich, welchem der Dunklen Götter sie ihre jeweilige Hingabe verschrieben hatten.
Es war während einer dieser Gelegenheiten — eines kleinen, unbedeutenden Gefechts gegen eine imperiale Patrouille, die einen weiteren jener Grenzposten bewachte, deren Vorräte die Verlorenen benötigten — dass Kranon eine Entscheidung traf, die er später, in der Stille seiner eigenen Reflexion, als den eigentlichen, endgültigen Ausdruck all dessen erkannte, wozu ihn seine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit seinem eigenen Zweifel letztlich geführt hatte.
Unter den Gefangenen, die sie nach dem kurzen, entscheidenden Gefecht machten, befand sich ein junger imperialer Soldat, kaum mehr als ein Kind nach den Maßstäben eines Astartes, dessen Furcht so unverstellt, so roh war, dass sie selbst die abgestumpfteren unter Kranons verbliebenen Kriegern zu einer Art unbehaglichem Schweigen brachte. Gemäß der ältesten, unerbittlichsten Tradition der Legion — jener Tradition, der Kranon selbst zehntausend Jahre lang treu gedient hatte, ohne sie je infrage zu stellen — hätte dieser Gefangene, wie jeder andere zuvor, dem Sanktumsdeck übergeben werden müssen, ein weiteres Opfer in der endlosen Kette von Litaneien und Ritualen, die das spirituelle Leben der Verlorenen strukturierten.
Kranon, der die letzte Entscheidung über das Schicksal der Gefangenen traf, gemäß seiner Position als ranghöchster verbliebener Offizier der Kompanie, hielt inne, in einem Moment, der für jeden Beobachter kaum mehr als ein flüchtiges Zögern gewesen wäre, aber der sich für ihn selbst wie eine Ewigkeit anfühlte, in der zehntausend Jahre theologischer Gewissheit und wachsenden Zweifels sich zu einer einzigen, konkreten Entscheidung verdichteten.
Er ließ den Jungen frei.
Es war keine dramatische, öffentlich verkündete Geste des Trotzes — Kranon hatte, in den Jahrzehnten seit seiner Aussprache vor der versammelten Kompanie, gelernt, dass die lautesten, spektakulärsten Zeichen des Glaubens oder des Zweifels selten die bedeutsamsten waren. Er ordnete lediglich, mit einer beiläufigen Autorität, die keine weitere Diskussion zuließ, an, dass der Junge in einem der kleineren Beiboote ausgesetzt werden sollte, mit ausreichend Vorräten, um die nächste bewohnte Welt zu erreichen, eine Entscheidung, die er gegenüber den wenigen verbliebenen Offizieren, die davon erfuhren, lediglich als pragmatische Erwägung — ein zusätzlicher, hungriger Mund, den die schwindenden Ressourcen der Kompanie nicht rechtfertigten — deklarierte, ohne die tiefere, persönlichere Wahrheit zu offenbaren, die diese Entscheidung tatsächlich motivierte.
Er wusste nicht, während er zusah, wie das kleine Beiboot sich von der Außenhülle des *Kelch der Offenbarung* löste und in die Dunkelheit des umliegenden Raums hinausdriftete, ob diese eine, kleine Geste irgendeine kosmische Bedeutung besaß — ob sie, in der großen, unergründlichen Buchhaltung der Dunklen Götter oder, wie er sich manchmal, in seinen privatesten Momenten, zu denken erlaubte, jenes anderen, tauben Gottes, den er vor so langer Zeit verlassen hatte, überhaupt registriert wurde. Er wusste nur, dass er, zum ersten Mal seit Colchis, seit jener einfachen, unverstellten Form des Glaubens, die seine Mutter verkörpert hatte, eine Handlung vollzogen hatte, die nicht der Demonstration seiner Hingabe diente, nicht dem Erzwingen einer Antwort von einer möglicherweise tauben Macht, sondern lediglich dem, was er, in diesem einen Moment, für richtig hielt, unabhängig von jeder theologischen Rechtfertigung.
Yssara, die von dieser Entscheidung erfuhr, in einem jener Abendgespräche, die zu einer festen Gewohnheit ihrer gemeinsamen, ungewöhnlichen Freundschaft geworden waren, fragte ihn, mit jener direkten, unverstellten Neugier, die ihn stets an sie erinnerte, warum er es getan hatte.
„Ich weiß es nicht mit Sicherheit“, gab Kranon zu, eine Ehrlichkeit, die er sich selbst noch vor wenigen Jahren nicht erlaubt hätte. „Vielleicht, weil ich, nach zehntausend Jahren des Blutvergießens im Namen einer Aufmerksamkeit, die ich nie mit Gewissheit erhalten habe, wissen wollte, wie es sich anfühlt, etwas zu tun, das keine solche Aufmerksamkeit verlangt. Vielleicht, weil ich in dem Jungen etwas von dem gesehen habe, was ich selbst einmal war, bevor Lorgar, bevor das Wort, bevor jede der Gewissheiten kam, die mein späteres Leben bestimmten. Oder vielleicht war es einfach — richtig, auf eine Weise, die keine weitere Erklärung braucht.“
„Das klingt“, sagte Yssara, nach einem langen Moment des Schweigens, „wie das, was meine Großmutter Glauben genannt hätte. Nicht die Litaneien. Das.“
Kranon dachte lange über diese Beobachtung nach, in den Wochen und Monaten, die folgten, während der *Kelch der Offenbarung* seinen vorsichtigen, zurückhaltenden Kurs durch eine Galaxis fortsetzte, die sich, wie er zunehmend erkannte, nicht grundlegend von jener unterschied, die er vor zehntausend Jahren verlassen hatte — ebenso zerrissen zwischen Glauben und Zweifel, ebenso gleichgültig gegenüber dem individuellen Leiden ihrer unzähligen, namenlosen Bewohner, ebenso unfähig, eine endgültige, für alle befriedigende Antwort auf die Frage zu bieten, ob irgendeine Macht, imperial oder dämonisch, tatsächlich zuhörte, wenn sterbliche Wesen sich in ihrer Verzweiflung an sie wandten.
Was Kranon, nach all den Jahrtausenden seines Dienstes, letztlich für sich selbst zu akzeptieren lernte, war keine Auflösung dieser fundamentalen Ungewissheit, sondern etwas Bescheideneres, das er sich erlaubte, für sich selbst als eine Art persönlicher, unvollständiger Frieden zu betrachten — die Erkenntnis, dass die Frage, ob die Götter zuhörten, vielleicht niemals die Frage gewesen war, die tatsächlich zählte, dass die eigentliche, bedeutsamere Frage vielmehr war, was ein Mann, ganz gleich welchem Gott er diente oder welchem Zweifel er unterworfen war, mit den begrenzten, unwiederbringlichen Jahren oder Jahrtausenden seiner Existenz tatsächlich anfing — ob er sein Fleisch und sein Blut und die Leben anderer als Werkzeuge behandelte, um eine Aufmerksamkeit zu erzwingen, die vielleicht niemals kommen würde, oder ob er, in den seltenen, kostbaren Momenten, in denen ihm die Wahl dazu gegeben war, etwas tat, das aus sich selbst heraus, unabhängig von göttlicher Bestätigung, seinen eigenen, unbestreitbaren Wert besaß.
Er würde, das wusste er, das Wort weiterhin sprechen, die Litaneien weiterhin vollziehen, für die verbliebenen Astartes und Menschen der Verlorenen, die noch immer, auf ihre jeweils eigene Weise, den Trost benötigten, den diese uralten, aus Colchis überlieferten Rituale ihnen boten. Aber er würde sie sprechen, von nun an, mit dem klaren, unverstellten Bewusstsein, dass ihre Wirksamkeit — wenn sie überhaupt eine besaßen, jenseits des Trostes, den sie den Sprechenden und den Zuhörenden boten — nicht von der Intensität seines eigenen, unsicheren Glaubens abhing, sondern von etwas, das er, nach zehntausend Jahren, immer noch nicht vollständig zu benennen vermochte, und das er, wie er zunehmend akzeptierte, vielleicht niemals vollständig benennen würde.
Das Schweigen, das ihn all die Jahre begleitet hatte, das Schweigen des Imperators, das ihn einst nach Colchis' Vereinigung unter Lorgars Wort getrieben hatte, und das Schweigen der Dunklen Götter, das er in zehntausend Jahren des Blutvergießens niemals endgültig zu durchbrechen vermochte, war, wie Kranon es schließlich zu verstehen begann, vielleicht nicht das Schweigen eines Gottes, der nicht zuhörte, sondern das schlichte, unveränderliche Schweigen eines Universums, das keine der Antworten bot, nach denen sterbliche und unsterbliche Wesen gleichermaßen sich sehnten — ein Schweigen, das weder Verachtung noch Gunst bedeutete, sondern lediglich, in seiner unerbittlichen, gleichgültigen Weite, den Raum, innerhalb dessen jedes einzelne Wesen, Mensch oder Astartes, gezwungen war, seine eigene, unvollständige und letztlich unbeweisbare Antwort zu finden.
Der *Kelch der Offenbarung* segelte weiter, durch eine Galaxis, die sich, ganz gleich wie viele Risse sie zerteilten, ganz gleich wie viele Götter über sie wachten oder sie ignorierten, letztlich unbeeindruckt von den kleinen, verzweifelten Fragen einer einzelnen, längst vergessenen Kompanie zeigte — und Kranon, Dunkler Apostel der Verlorenen, letzter überlebender Träger einer Hingabe, die er nicht mehr vollständig verstand, aber auch nicht mehr vollständig zu verwerfen bereit war, fand, in dieser schlichten, unaufgelösten Fortsetzung seiner Existenz, das Einzige, was er, nach so langer Zeit, noch als Antwort zu akzeptieren
Es vergingen, nach der Nachricht von Thagoths Untergang, weitere drei Standardjahre, in denen der *Kelch der Offenbarung*, unter Kranons fortgesetzter, bewusst zurückhaltender Führung, einen Kurs durch die Ränder jener Konflikte steuerte, die den Großen Riss und seine Folgen prägten, ohne sich jemals vollständig in sie hineinziehen zu lassen — nicht aus Feigheit, wie Kranon es sich selbst gegenüber wiederholt klarstellte, sondern aus einer Verpflichtung gegenüber jenen, die ihm ihr Vertrauen geschenkt hatten, als er sich, gegen jede Erwartung, gegen Thagoths spektakulärere, kompromisslosere Vision entschieden hatte.
Sie fanden, in dieser Zeit, gelegentlich Gelegenheiten zu jener Art begrenzter, überschaubarer Gewalt, die Kranon als notwendig erachtete, um die Kompanie mit den Ressourcen zu versorgen, die ihr fortgesetztes Überleben erforderte — Überfälle auf isolierte, schlecht verteidigte imperiale Außenposten, gelegentliche Zusammenstöße mit kleineren Xenos-Gruppen, die sich in den durch den Großen Riss destabilisierten Randregionen der Galaxis niedergelassen hatten, Handel, manchmal, mit anderen versprengten Chaos-Fraktionen, deren eigene Geschichten der Isolation und des Überlebens sich, wie Kranon zunehmend erkannte, in ihren Grundzügen kaum von der seinen unterschieden, ganz gleich, welchem der Dunklen Götter sie ihre jeweilige Hingabe verschrieben hatten.
Es war während einer dieser Gelegenheiten — eines kleinen, unbedeutenden Gefechts gegen eine imperiale Patrouille, die einen weiteren jener Grenzposten bewachte, deren Vorräte die Verlorenen benötigten — dass Kranon eine Entscheidung traf, die er später, in der Stille seiner eigenen Reflexion, als den eigentlichen, endgültigen Ausdruck all dessen erkannte, wozu ihn seine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit seinem eigenen Zweifel letztlich geführt hatte.
Unter den Gefangenen, die sie nach dem kurzen, entscheidenden Gefecht machten, befand sich ein junger imperialer Soldat, kaum mehr als ein Kind nach den Maßstäben eines Astartes, dessen Furcht so unverstellt, so roh war, dass sie selbst die abgestumpfteren unter Kranons verbliebenen Kriegern zu einer Art unbehaglichem Schweigen brachte. Gemäß der ältesten, unerbittlichsten Tradition der Legion — jener Tradition, der Kranon selbst zehntausend Jahre lang treu gedient hatte, ohne sie je infrage zu stellen — hätte dieser Gefangene, wie jeder andere zuvor, dem Sanktumsdeck übergeben werden müssen, ein weiteres Opfer in der endlosen Kette von Litaneien und Ritualen, die das spirituelle Leben der Verlorenen strukturierten.
Kranon, der die letzte Entscheidung über das Schicksal der Gefangenen traf, gemäß seiner Position als ranghöchster verbliebener Offizier der Kompanie, hielt inne, in einem Moment, der für jeden Beobachter kaum mehr als ein flüchtiges Zögern gewesen wäre, aber der sich für ihn selbst wie eine Ewigkeit anfühlte, in der zehntausend Jahre theologischer Gewissheit und wachsenden Zweifels sich zu einer einzigen, konkreten Entscheidung verdichteten.
Er ließ den Jungen frei.
Es war keine dramatische, öffentlich verkündete Geste des Trotzes — Kranon hatte, in den Jahrzehnten seit seiner Aussprache vor der versammelten Kompanie, gelernt, dass die lautesten, spektakulärsten Zeichen des Glaubens oder des Zweifels selten die bedeutsamsten waren. Er ordnete lediglich, mit einer beiläufigen Autorität, die keine weitere Diskussion zuließ, an, dass der Junge in einem der kleineren Beiboote ausgesetzt werden sollte, mit ausreichend Vorräten, um die nächste bewohnte Welt zu erreichen, eine Entscheidung, die er gegenüber den wenigen verbliebenen Offizieren, die davon erfuhren, lediglich als pragmatische Erwägung — ein zusätzlicher, hungriger Mund, den die schwindenden Ressourcen der Kompanie nicht rechtfertigten — deklarierte, ohne die tiefere, persönlichere Wahrheit zu offenbaren, die diese Entscheidung tatsächlich motivierte.
Er wusste nicht, während er zusah, wie das kleine Beiboot sich von der Außenhülle des *Kelch der Offenbarung* löste und in die Dunkelheit des umliegenden Raums hinausdriftete, ob diese eine, kleine Geste irgendeine kosmische Bedeutung besaß — ob sie, in der großen, unergründlichen Buchhaltung der Dunklen Götter oder, wie er sich manchmal, in seinen privatesten Momenten, zu denken erlaubte, jenes anderen, tauben Gottes, den er vor so langer Zeit verlassen hatte, überhaupt registriert wurde. Er wusste nur, dass er, zum ersten Mal seit Colchis, seit jener einfachen, unverstellten Form des Glaubens, die seine Mutter verkörpert hatte, eine Handlung vollzogen hatte, die nicht der Demonstration seiner Hingabe diente, nicht dem Erzwingen einer Antwort von einer möglicherweise tauben Macht, sondern lediglich dem, was er, in diesem einen Moment, für richtig hielt, unabhängig von jeder theologischen Rechtfertigung.
Yssara, die von dieser Entscheidung erfuhr, in einem jener Abendgespräche, die zu einer festen Gewohnheit ihrer gemeinsamen, ungewöhnlichen Freundschaft geworden waren, fragte ihn, mit jener direkten, unverstellten Neugier, die ihn stets an sie erinnerte, warum er es getan hatte.
„Ich weiß es nicht mit Sicherheit“, gab Kranon zu, eine Ehrlichkeit, die er sich selbst noch vor wenigen Jahren nicht erlaubt hätte. „Vielleicht, weil ich, nach zehntausend Jahren des Blutvergießens im Namen einer Aufmerksamkeit, die ich nie mit Gewissheit erhalten habe, wissen wollte, wie es sich anfühlt, etwas zu tun, das keine solche Aufmerksamkeit verlangt. Vielleicht, weil ich in dem Jungen etwas von dem gesehen habe, was ich selbst einmal war, bevor Lorgar, bevor das Wort, bevor jede der Gewissheiten kam, die mein späteres Leben bestimmten. Oder vielleicht war es einfach — richtig, auf eine Weise, die keine weitere Erklärung braucht.“
„Das klingt“, sagte Yssara, nach einem langen Moment des Schweigens, „wie das, was meine Großmutter Glauben genannt hätte. Nicht die Litaneien. Das.“
Kranon dachte lange über diese Beobachtung nach, in den Wochen und Monaten, die folgten, während der *Kelch der Offenbarung* seinen vorsichtigen, zurückhaltenden Kurs durch eine Galaxis fortsetzte, die sich, wie er zunehmend erkannte, nicht grundlegend von jener unterschied, die er vor zehntausend Jahren verlassen hatte — ebenso zerrissen zwischen Glauben und Zweifel, ebenso gleichgültig gegenüber dem individuellen Leiden ihrer unzähligen, namenlosen Bewohner, ebenso unfähig, eine endgültige, für alle befriedigende Antwort auf die Frage zu bieten, ob irgendeine Macht, imperial oder dämonisch, tatsächlich zuhörte, wenn sterbliche Wesen sich in ihrer Verzweiflung an sie wandten.
Was Kranon, nach all den Jahrtausenden seines Dienstes, letztlich für sich selbst zu akzeptieren lernte, war keine Auflösung dieser fundamentalen Ungewissheit, sondern etwas Bescheideneres, das er sich erlaubte, für sich selbst als eine Art persönlicher, unvollständiger Frieden zu betrachten — die Erkenntnis, dass die Frage, ob die Götter zuhörten, vielleicht niemals die Frage gewesen war, die tatsächlich zählte, dass die eigentliche, bedeutsamere Frage vielmehr war, was ein Mann, ganz gleich welchem Gott er diente oder welchem Zweifel er unterworfen war, mit den begrenzten, unwiederbringlichen Jahren oder Jahrtausenden seiner Existenz tatsächlich anfing — ob er sein Fleisch und sein Blut und die Leben anderer als Werkzeuge behandelte, um eine Aufmerksamkeit zu erzwingen, die vielleicht niemals kommen würde, oder ob er, in den seltenen, kostbaren Momenten, in denen ihm die Wahl dazu gegeben war, etwas tat, das aus sich selbst heraus, unabhängig von göttlicher Bestätigung, seinen eigenen, unbestreitbaren Wert besaß.
Er würde, das wusste er, das Wort weiterhin sprechen, die Litaneien weiterhin vollziehen, für die verbliebenen Astartes und Menschen der Verlorenen, die noch immer, auf ihre jeweils eigene Weise, den Trost benötigten, den diese uralten, aus Colchis überlieferten Rituale ihnen boten. Aber er würde sie sprechen, von nun an, mit dem klaren, unverstellten Bewusstsein, dass ihre Wirksamkeit — wenn sie überhaupt eine besaßen, jenseits des Trostes, den sie den Sprechenden und den Zuhörenden boten — nicht von der Intensität seines eigenen, unsicheren Glaubens abhing, sondern von etwas, das er, nach zehntausend Jahren, immer noch nicht vollständig zu benennen vermochte, und das er, wie er zunehmend akzeptierte, vielleicht niemals vollständig benennen würde.
Das Schweigen, das ihn all die Jahre begleitet hatte, das Schweigen des Imperators, das ihn einst nach Colchis' Vereinigung unter Lorgars Wort getrieben hatte, und das Schweigen der Dunklen Götter, das er in zehntausend Jahren des Blutvergießens niemals endgültig zu durchbrechen vermochte, war, wie Kranon es schließlich zu verstehen begann, vielleicht nicht das Schweigen eines Gottes, der nicht zuhörte, sondern das schlichte, unveränderliche Schweigen eines Universums, das keine der Antworten bot, nach denen sterbliche und unsterbliche Wesen gleichermaßen sich sehnten — ein Schweigen, das weder Verachtung noch Gunst bedeutete, sondern lediglich, in seiner unerbittlichen, gleichgültigen Weite, den Raum, innerhalb dessen jedes einzelne Wesen, Mensch oder Astartes, gezwungen war, seine eigene, unvollständige und letztlich unbeweisbare Antwort zu finden.
Der *Kelch der Offenbarung* segelte weiter, durch eine Galaxis, die sich, ganz gleich wie viele Risse sie zerteilten, ganz gleich wie viele Götter über sie wachten oder sie ignorierten, letztlich unbeeindruckt von den kleinen, verzweifelten Fragen einer einzelnen, längst vergessenen Kompanie zeigte — und Kranon, Dunkler Apostel der Verlorenen, letzter überlebender Träger einer Hingabe, die er nicht mehr vollständig verstand, aber auch nicht mehr vollständig zu verwerfen bereit war, fand, in dieser schlichten, unaufgelösten Fortsetzung seiner Existenz, das Einzige, was er, nach so langer Zeit, noch als Antwort zu akzeptieren
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